Ausgabe 
3.8.1907 Erstes Blatt
 
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DlcIfaft ^aD'cn numeljr erklärt, sie würden, nachdem ihre Ein­gabe von den Vorgesetzten bei beut Statthalter nicht tneiter ge­fördert worden sei, morgen das Meeting zur Bekanntgabe ihrer Klagen abhalten, gleichviel, vb es den Behörden passe oder nicht.

K'onftMLinopel, 2. Aug. Oberst Helliot, Offizier der mpzedvnischcn Gendarmerie, der englischer Untertan ist, wurde in Dyama, Wilajet Saloniki von bulgarischen Revolutionären Angegriffen und schwivr verwundet. Die Pforte ist tele­graphisch benachrichtigt. T« der Angriff auf türkischem Gebiet von Bulgnren begangen wurde, dürfte die Genugtuung Schwierig-

Air dritte SäKuiarfeier der ^uboviciana.

m.

Gießen, 3. August 1907. Gartenfest im botanischen Garten.

Der trübe Himmel am gestrigen Mittag schien das Garten­fest Ttn botanischen Garteii ernsthaft in Frage stellen zu wollen. Noch um 4 Uhr nachmittags, bei Beginn des von Seiner König­lichen Hoheit oem Großherzog gegebenen Festes sah der graue Himmel recht bedrohlich aus. Im Garten hatte inzwischen Lias Tvppelwnzert der Militärkapelle angefangen und die auf- und ab fluten be Menge der Gäste die Herren im Gehrock, die Damen im Promenaden-Kleid belebte die schönen Wege des Gartens. Still und fast ganz unbemerkt war mittlerweile auch Pas Grvßherzogspaar unter seinen Gästen erschienen und zog im Verlaufe der nächsten zwei Stunden zahlreiche Herren und Tamen ins Gespräch.

Der Himnrel hatte stch allmählich immer mehr aufgeklärt Und nun herrschte bei blauem Himmel und hellem Sonnenschein bis zum Schluß die heiterste Feststimmung int Garten. In der stiähe der vier Zelte, wv den Gästen die verschiedensten Er­frischungen gereicht wurden, bildeten sich bald größere Gruppen, Und man unterhielt sich dort allenthalben auf das angenehmste. Ett^a um 6 Uhr zogen sich die Großherzoglichen Herrschaften zu- rück und bald darauf verließen auch die Gäste den Garten. Tie gelehrten Kinder Floras mit ihren lateinischen Namen waren wieder in beschaulicher Einsamkeit.

Dieliebe Stabt* Gießen feierte stud.jur. Pilger(Haffia). Den Dank der Stadt drückte Oberbürgermeister M e c u m in kurzer herzlicher Ansprache au§. Sein Hoch galt den ehemaligen Lehrern und Schülern der Ludoviciana.

Die Rede auf das Vaterland hielt stad. Kracke, die auf die Gäste stud. Behr (Theol. Verein). Den Dank hierfür stattete der mit brausendem Jubel begrüßte Wirkt. Geh. Oberregierungsrat Prof. Dr. Adolf Harnack ob. Ersprach in bewegten Worten von den Gefühlen dec Gäste, die in dem Bewußtsein in die Heimat zurückkehrten, ein Stück unvergäng­lichen deutschen Lebens gesehen zu haben. Sein Hoch galt dem teuren lieben Gießen und dem 300 jährigen Rektor, der cs verdient habe, Rektor perpetuus zu bleiben.

Geh. Kirchenrat Prof. Dr. Krüger feierte dann den Vertreter des Kaisers, General von Eichhorn als einen der Männer, auf die iin Falle eines. Krieges das Vaterland mit Vertrauen zählen könne.

Mit der Rede des stud. math. Nuß (Hasso-Nhenania) auf die Frauen schloß dann der offizielle Teil des Kommerses ab und der Minister des Innern, Exz. Braun (auch ein alter Herr unserer Landesunwersität) leitete mit einer äußerst humorvollen und geistvollen Rede die Fidelitas ein, die noch lange andauerte.

Auch S. K. H. der Großherzog weilte lange im Kreise seiner Kommilitonen. Mit nicht zu ermüdender Ausdauer nahm er jeden Zuirunk entgegen, und in der Tat, die eigen­artige Huldigung sämtlicher anwesenden Chargierten, die mit dem Glas in der Hand an ihm vorüberzogen, stellte an die Geduld des hohen Herrn keine geringen Anforderungen. Erst nach 1/il Uhr verließ S. K. H. der Großherzog den Kommers.

und seiner

Landesfürsten

dem

der

Festhalle der

S. K. H. dem

von

Schlffenöerg!

** .Anlagemusik findet Sonntag vormittag IIV2 Uhr in der Süd-Anlage statt. Der Spielplan lautet: 1. Marcia triumphale von Beethoven; 2. Akademische Fest-Ouverture von Brahms; 3.In lauschiger Nacht!" Walzer von Ziehrer; 4.Unser Kaiser!" Marsch von Hüttenberger.

** Druckfehler un Berichte über das Stistungsfest der Hassia. Es ist in Artikel 3, Zeile 31 von oben zu lejen, Dr. Habicht aus Darmstadt, Zeile 16 von unten k ü n st l e r l s ch e u statt küiistlichen.

über die neue Festaula sei festgestellt, daß der Neubau durch das Großh. Hochbauamt ausgesiihrt wurde, unter dessen Leitung Regierungsbaumeister Frey die spezielle architektonische Bearbei­tung vornahm."

I. K. H. die Großherzogin empfing gestern nachmittag kurz vor Beginn des Garten-

Die Abreise S. K. H. de? Großhcrzogs

festes den engeren Ausschuß des Wohltätigkeitsfestes für Südwestafrika. Fabrikant Klingsp 0 r überreichte der Groß- herzogin, die bekanntlich Protektorin des Festes war, ein I hohe Paar hatte sich jede Verabschiedung verbeten, so daß künstlerisch auSgestattetes Album mit den Gruppenaufnahmeti nur wenige Gießener in der Lage waren, der Mitwirkenden. Die Großherzogin sprach ihre Befriedigiing einen Scheidegruß zuzurufen.

über das günstige Ergebnis des Basars aus und gab ihrem Um V212 Uhr begann dann in Bedauern Ausdruck, daß ihr das persönliche Erscheinen bei offizielle Abschiedsschoppen.

hohen Gemahlin erfolgte heilte vorniittag 10 Uhr mittelst Sonderzuges nach Langen, bezw. Wolfsgarten. Das

Ein Freund des Schiffenbergs schreibt uns:

rnorrh *r *V1 "7" I . Witte ber 90er Jahre erschien imGieß. Anz." einmal

menoen Jahrhunderten als eine segensreiche Statte treuer em Artikel, betiteltDer Schiffenberg und das Gießener Publikum", deutscher Geistesarbeit blühen und gedeihen. Der Schreiber jener Zeilen hat damals schon dsarauf hingewiesen,

Wilhelm I R ?s an der Zeit sei, aus dem Schiffenberg einen der

Di- 9fnftoint.f m,yjnra . ' 9? em eit entsprechenden Ausflugspunkt, eventl. auch eine Sommer-

. frische zu mack)en, und zog vergleiche, wie sich andere Orte, die in flleftor der Landesunif mTelegramms hat der Bezug auf Lage mit dem Schiffenberg gar nicht konkurrieren Kitnf ben^ni- ahL folgenbed Telegramm an Seme können, zu ihrem Vorteil entwickelt haben.

J t k c .. Seit jener Zeit sind über 10 Jahre ins Land gegangen,

der Lud^viciana in ieEr namens sind der Schisfenberg blieb trotz Wachstum und Verschönerung

Beweise Allerbockürr f8r.Xu\tte BwfaTßcn Bon Greßen, trotz zunehmenden Fremden- und Touristenverkehr,

ÄdnniBerVMfM ihrer h,-ifi n ft r.9J?aKler d« Hess.,ch-n trotz Bedürfnis nach wirklich schon und gesund, im Wald gc- toSbw 1 b 6 b 6aicn iutetl legencn Sommerfrischen dasselbe. Nichts regte sich, um auch

iBrniilenh/ fSn^r. f r f -öe & a S & e i. dort oben zu verbessern, zu modernisieren, um den Zeitläuften

Brausende Hochrii,e folgten der Verlefung des kaiserlichen Rechnung zu tragen. Selbst nicht einmal die Aussicht aus lsrußes an die Gießener Studentenschaft. Der Vertreter des größeren Verdienst konnte Eigentümer und Pächter von ihrer (eit* Kaisers, General von Eichhorn, feierte dann in längerer Origen Beurteilung dieses Ertragsobjekts abbringen. Es fehlte Ansprache die Ideale der Studentenschaft' Wabrbeit Ebre an ?ein geeigneten Fürsorger für den Schstsenberg, einem und Vaterlandsliebe und M hi» \ l bem dre Durchführung der nötigsten Neuerungen und

finffrmrm nns x. D t 1 ofeibeinifcJ)e Jugend, die Verbesserungen selbst ein Lieblingsgedanke gewesen wäre. Der

Hoffnung unc, die Zukunft Deutschlands hochleben. damalige oberste Forstbeamte des Domanialwaldes Herr Forft-

Die Rede auf die akademischen Lehrer idie wie auch bie I SWr war schon zu betagt, um noch die langwierige übrigen Reden in der MontaaSnummer des Taaeblatts -um Ausgabe durclMsühren. Da endlich, es mögen wohl zwei Jahre Abdnick aelanat) hielt stud iur Abt rTnnniinSfiA\ iam Leben in die Sache. Tie Notwendigkeit kam dem

si- fSfnü f An Bedürfnis zu Hülfe. Tas Hauptgebäude wurde baufällig und

\e das Preislied von Bruno L-a u er. Den Tank wußte zum großen Teil erneuert lverden; auch schien mailin

des academlschen Lehrkörpers brachte der Rektor Prof. Dr. D^'wstadt", sei es aus eigener Erkenntnis oder von anderer Behaghel in einer formvollendeten Rede auf die akademische hingewiesen, zu der Ueberzeugung gekommen zu

^uaeud aus fCllb bajj es mit dem Betrieb aus der Väter Zeit aus mancherlei

Gründen nicht mehr weiter gehen konnte^ Kürzunt, die Atorgen-

dem Feste unmöglich gewesen sei. Doch habe sie die *

Schilderungen des schönen Festes mit vielem Interesse gelesen Noch eine Auszeichnung,

und sich herzlich darüber gefreut. Dem Rektor der Landesuniversität ist ....

Eine Wiederholung der Festvorstellnng 9 r@,6?(^SsJ v°n Baden das Kommandeur kreuz

iihr. J L ir Y Y 2. Klasse des Ordens vom Zahrmger Löwen verliehen worden,

fand um 6 Uhr ,m Stadttheater statt. Sie war hai>ptsachl,ch Zu dem Verzeichnis der Ehrenpromotionen

für die früheren Studierenden der Universität be|timmt, die! in der geiirtgen Nununer muh es ftatt Löilhetm Weber, Pfarrer auch zahlreich an ihr teilnahmen. Die einzelnen Darbietiingen ul Lich, Karl Weber, Pfarrer in Lich, heißen.

sanden lebhaften Beifall. Um 9 Uhr war die Vorstelliing

beendigt und die Teilnehmer begaben sich zur Festhalle, ivo AttS StcvÖt Mit6

um 9 Uhr der große allgemeine Schmückt Eure Fenster und Dalkoue mit blühenden Blumen.

. . FestkommerS Gießen, 3. Aug. 1907.

beginnen sollte. ** Gießener Volksbad. Im Juli wurden 13 396 Bäder

Der weite Raum war mit Tausenden von Ehrengästen, verabreicht gegen 12792 im Juni 19U7 und 12 867 tm Juli 1906 Akademikern und Bürgern dicht bescüt. Kurz nach 9 Uhr °5er Turchschnttt pro Tag 432 Bäder gegen 426 un Juni traf, von brausenden Zurufen begrüßt, S. K. H. d°?Dr°ß. ^wie'totgn "" $CC c,näelncn uctiei

^erjog ein und nahm an der Ehrentafel zwischen dem! Schwiinmbad: 5582 Männer, darunter 932 zu 10 Psg., Vertreter des Kaisers, Exz. von Eichhorn und dem Rektor » 2050 Frauen, , 403 io

Platz. Letzterer begrüßte ihn und übertrug das Kommando Wannenbäder 1. Klasse 375 Männer, 197 Frauen,

ku ®t0^3°g M den Rektor Brausebäder k'. Klasse 1120 Ma'nner, 198 Frauen,

Magmsizenttsstmus. S. K. Hoheit kommandierte ihn mit lauter 2. 1804 351

Stimme. Der Salamander galt der Gießener Studentenschaft Dampf- u. Heißluftbäder, sowie Masfage zus. 133 Atänner, 48Frauen, und dem ungestörten Verlauf des Festes. Es stieq von $ie Personenwage wurde von 240 Personen benutzt und das Bad tausenden von Männern gesungen daS erste Lied von 2^8 Personen besichligt.

cmnIinv< cts- . 1 . * ./ 0 , I Ziiin reizende li Aussehen der Stratzen unserer

Prelstteo von Walter König. Die Rede auf Kaiser und alten Innenstadt, aber auch anderer Stadtteile habe»,, tvas hervor-

Großherzog, die stud. phil. Mart. Schmidt (Rormannia) gehoben zu werden verdient, die Inhaber - der Ladengeschäfte sehr

hielt, fand stürmischen Beifall und mächtig erklangen daran ^ebllch beigetragen. Allenthalben sieht man die Büsten oder

anschließend die ersten Verfs der deuis^k-n imS Bilder des Großherzogs, vielfach von Lorbeer oder anderem üppigen

oie ersten ^erfe der deutschen und der hessischen Baumgrün umkrä.izt, hier und da Schläger, Banner und Wappen

/lutionai^ymne. der Universität rc. Besonders wirkungsvoll niid init setneni Ge-

Dann erhob sich der Rektor Geh. Hofrat Professor Dr. schmack dekorierten die hiesigeit Buch-- unb Kunsthandlungen. Eine Behaghel, um nachstehendes Telegramm S. M. des Kaisers sehenswerte Dekoration har auch das Pelzwareiihaus Schultheis iU verlesen: 011 ber Markistraße hervorgcbracht. Blatt sieht das UlilversitätS--

1 £X1T , . wappen ilnd die Zahl 300 umrahmt von einem sinnreichen Arrcmge-

Tas Glückwunschtelegramm des Kaisers. ment edler Felle und Pelzgirlandeii. Sehr nett hat auch die

lielegramm aus Snxnemünö-e, k)ofienzollern 131 LW. Möbelfirma LH. Brück gegciiüber deut Schlosse dekoriert, die üb-

1907 den 2. 8. Ifm 8 Uhr 37 Ulin D rigeiis unter vielem anderen m tue licue Ailia dre beiden Katheder

Seiner IHaanifi^enr dk»m nebfl den Sesseln für die Großherzogin und die Hoidameii lieferte,

ruhmU« A 0er Grobherzoglich währelid der dort ausgestellte Seßel für den Großherzog von der

hessischen £utoTgsunroeifitat, k)errn Geh. Hosrat Professor Firma E. «Ltückrat stammt.

^ehaghel. ** Die neue Aula. Von zuständiger Seite wird uns

Der Großherzoglich hessischen QldrviasuniversitäL entJ^riebcn:Unter Bezugnahme aus Ihren Bericht in Nr. 178 biete Jd) zu der heutigen, m Gegenwart ihres erlauchten Rector magnificentissimus stattfindenden Jubelfeier ihres dreihundertjährigen Destehens Meinen kaiserlichen Gruß und Glückwunsch. Seit ihrer Gründung durch Land­graf Ludwig V. den Getreuen, hat die mit hervorragenden Männern der Wissenschaft reich begnadete Ludoviciana allzeit bereitwilligst ihre Pforten den Ungehörigen auch der übrigen deutschen Bruberftämme geöffnet und in frucht­bringendem Wirken dem deutschen Vaterlande ausgezeich­nete Diener des Staates, der Kirche und der Wissenschaft zugeführt. Zu ganz besonderer Freude gereichen Mir

die guten Beziehungen, welche zwischen der Universität und Meinem Regiment, dem tapferen hundertsechzehner, bestehen. Möge die altehrwürdige Hochschule auch in kom-

röte einer neueren Bett leuchtete auch über dem Schiffender» Man hat mit staatlicher Gründlichkeit eine Renovation pn?* genommen, die fast einem Neubau gleichkommt. Man hat leine Kosten gescheut, den Schifsenberg zu erhalten und ihn in einer Verfassung den kommenden Geschlechtern zu überliefern, deren sich die Schaffer nicht zu schämen brauchen. Nun liegt ea noch an dem Wirt, die schönen Räume, die ihm mit einem Kosten­aufwande von ca. 40 000 Mk. zur Verfügung gestellt smd, r0 weit sie für das Publikum bestimmt sind, auch entsprechend wohnlich und behaglich auszustatten und vor allem den Betrieb zu nwdernisieren, d. h. ihn aus einer ländlichen Wirt- schast zu einem dem Bedürfnis entsprechenden städtischen Restau- rationsbetrieb um-ugestalten.

Was vor länger als 10 Jahren in dem eingangs erwähnten Artikel nur ganz schüchtern angedeutet ward, wurde Tatsache: der Schiffenberg ist Sommerfrische geworden. Herrn Lynckei stehen heute ca. 10 schöne Zimmer verschiedener Größe zur Aus­nahme von Fremden zur Verfügung; einige davon sind schon bewohnt. Beim Betreten des Hauptgebäudes fällt dem Besucher zunächst der neue, sehr schön solid und praktisch angelegte Trep. penaufgang auf. Ter große Restaurationssaal ist vollständig neu; ebenso das angrenzende Eckzimmer, dessen schöne und iolide Wandbekleidimg sehr günstig wirkt. Zwei große Pracht- volle Kachelöfen ,sorgen im Winter für die nötige Erwärmung bei Räume und eröffnen eine angenehme Perspeklive, auch im Winter emen gemütlichen Aufenthalt dort zu finden. Gewisse Toilette­räume sind in modernster Weise eingerichtet und lassen nichts zu wünschen übrig. Ganz überrascht ist der Besucher über den unbeschreiblich schönen Blick von dem Eckzimmer in nord- und nordwestlicher und westlicher Richtung. Man hat ganz unwill­kürlich den Eindruck, als befände man sich ganz anderswo, als auf dem Schiffenberg, da man seit undenklich langen Jahren einen Fernblick nach Gießen hin, wegen der hohen Bäume überhaupt nicht mehr hatte. Man kannte eben von Schifsenberg nur die eine Aussicht von der Terrasse nach der Wetterau und Vogels­berg. Das ist jetzt anders geworden. Unser neuer Forstmeister des Domanialwaldes Herr Trautwein hat in richtiger Erkenntnis dessen, was nottut, im letzten Winter die Bäume, toelche bie Fernsicht sperrten, entfernen_ lassen und um den jetzc schon prachtvollen Blick nach Gießen vollständig zu machen, sollen noch weitere Bäume, die im Wege sind, geschlagen werden, sodaß sich fernerhin der Blick von der Marburger Gegend, über Gießen nach Gleiberg-Vetzberg, Hohensolms, Lahn- und Tilltal, Diaua- burg bis weit nach dem hohen Westerwald erstrecken und ein Panorama bieten wird, das seinesgleichen sucht, lleberhaupt scheint es, als ob das fernere Geschick des Schiffenberges in den besten Händen wäre. Was Herr Forstmeister Trautwein, der jetzige Verweser des Schiffenbergs, bislang geleistet hat, läßt erkennen,^ daß er sich ein Ziel gesteckt hat, das er weitsichtig und entschlossen durchzuführen gesonnen ist und wofür wir Gießener demselben nur herzlich dankbar sein können.

Ein feit einem Menschenalter gar nichc mehr benutzter und verfallener, ganz in Vergessenheit geratener Fußweg, der in all­mählicher Steigung vom Forstgarten serpentinartig nach bem Schiffenberg führt, wird in einer Breite von 2 Meter wieder­hergestellt, was ein nicht zu unterschätzender Fortschritt ist und An­nehmlichkeit für alle die bedeutet, die den direkten steilen Weg emporzuklettern scheuen. Ein weiterer neuer Weg für Fuß­gänger. führt am Saum des hohen Buchenwaldes, zu Füßen du Terrasse entlang, auf dem die Besucher, die mck der Bahn kommen, den Schifsenberg leicht erreichen können. So wird von feiten des Fiskus alles getan, und werden feine Kosten gescheut, um den Schiffenberg, als schönsten Punkt unserer nächsten Umgebung, auf hoher Bergeshöhe mitten im Waid, eine feiner Lage entsprechende Bedeutung zu geben, als Ausflugs- Punkt sowohl, als auch als Sommerfrische. Möge nun auch der Wirt sein Möglichstes tun, den Erfolg nicht zu Schanden zu machen. Gar mancher alte Gießener Student und sonstiger Be­sucher, der demnächst zur Jubelfeier der Universität vielleicht nach langen, langen Jahren das erste Mal wieder den Schsifen- berg besucht, muß sagen: Gießen hat sich gar mächtig entwickelt, aber auch der Schifsenberg ist mit fortgeschritten!

Gießen, Juli 1907.

vermachtes.

Die Zukunft des Berliner Botanischen Gartens. Der alte Botanische Garten in Berlin geht seinem Eride entgegen. Nach den soeben festgelegten Planen soll dieses Gelände das neue Kannnergericht, sowie ein Päda­gogisches Mnseuiil anfnehmen und ein Mädchensensinar. Der künftige Park wird auf allen vier Seiten von staatlichen und Privathäusern eingeschlofsen fein. Als Muster für diese An­lage hat ein Pariser Park gedient.

* Trockenlegung des Bodensees. Angesichts der bedeiitenden Schwierigkeiten, denen der Um- oder Neubau de§ Lindauer Stadtdahnhofes begegnet, und die die beschränkte insulare Lage der Stadt Lindaii im Bodensee mit sich bringt, ist der Plan der Trockenlegung und Kultivierung des Bodensees bei Lindati atisgetaucht. Wie man weiß, liegt die Stadt Lindau, die mit ihrer Garnison 6000 bis 7000 Ein­wohner zählen wird, auf einer Bodenseeinsel, die mit dem bayrischen Seeufer dilrch eine 219 Meter lange Holzbrücke uni) einen 550 Meter langen Eifenbahndamm verbunden ist. Dieser ganze, zwischen der Landtorbrücke und dem Eifenbahn- baimn gelegene Seeteil, der versandet und verschlammt ist und bei liiedrigem Wasserstande des Bodensees also all­jährlich längere Zeit ohnehin nahezu trocken daliegt soll, wie dieKöln.Ztg." schreibt, seiner gesamten Ausdehnung nach aufgefüllt und kultiviert tverden. Das nötige Auffüll- matecial kann unschwer benachbarten Landhügeln entnommen werden. Auch internationalen Schlvierigkeiten dürfte die Ausführung des Planes wohl nicht begegnen. Oesterreich, Württemberg, Baden oder der Schiveiz wird faum etwas daran liegen, menn der bayrische Seeteil, der übrigens aiich gewohnheitsrechtlich im ausschließlichenJnteressenkreise Bayerns und der bayrischen ©emcinben Lindaii und Aeschach liegt, aus seiner Bernioortlng herausgehoben, vollständig trocken gelegt und der Kulttir ztigeführt wird. Aus dem dann ge­wonnenen ausgedehnten Gelände, das namentlich für die zilnächst beteiligten Gemeinden Lindaii und Aeschach auch sonst von unschätzbarem Werte ist, könnten insbesondere auch die Lindauer Bahnhofsanlagen in ihrer Gesamtheit, ohne die sonst notwendige räumliche und kostspielige Trennung in Rangier-, Güter- und Personenbahnhof, den günstigsten Platz finden.

"Der Wechsel der Körpergröße. Die Größe der menschlichen Gestalt ist wie auch ihr Gewicht einem ständigen Wechsel unterworfen. Wenn man einen Menschen genau mißt, sobald er sich des morgens aus dem Bette er­hoben hat und tviederholt diese Messung vor dem Schlafen­gehen am Abend, so wird man feststellen können, daß seine Größe mit dem vorrückend en Tag ständig zusammengeschrumpft ist. Hm acht Uhr abends ist jeder Mensch kleiner, als um acht Uhr morgens, und bei nianchem Ntenschen handelt es sich hier um einen Unterschied von über einem Zentimeter. Im allgemeinen verliert man jedoch, wie in der Zeitschrift Renaissance Littöraire" ausgeführt wird, tagsüber nut 5 bis 6 Millimeter, die man während der nächtlichen Ruhe­zeit in der Regel wieder einholt. Die Abnahme der Körper-