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• rl^ctnt tlgn* aiitier Conniagl.
Dem Ließ ei,er Anzeiger werden im Wechsel mit dem ksesstschea Landwirt die rlrhener gamlllen- blätter viermal in der Woche deigelegt • und zweimal wöchentlich das llrelrdlatt für den Kreis Sieben. Ferusprech-An- schluh l.d. Redaktion N» Verlag u. Expedition 51 Adresse tor Depeschenr «nzetger Gtetzen.
Erstes Blati
157. Jahrgang
Montag 25. Februar 1907
General-Anzeiger für Oberheffen
votatfonrdruck und Verlag der vrühsschen Univ.-Vuch- und Ztelndruckerei. H. Lange. vedaMon, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7.
vezagöpretZr monatlich 7b 1>1., viertel« (äbilicb Mk. 1.10, durch Abhole- u. Zweigstellen moimilnt to 1<I., durch diePost Mk. 1.— vienet-
jährl. audlchl. Beilellg, Annahme von Anzelgei tot öie LageSnunnuer bie vormittag« 10 llbt. ZeilenpreiS: lokal 15^ auSivartS 20 Pfennig. Veranl wörtlich tot den poliL und aUgem. Xeil: U Wiltko tot ,Cladl und vanö' und .(Sendjislaal*; H t nft P e B. tot den Anzeigenteil: !danS Beck
Sie heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
5>rt Lommrnde Ausbau unterer Kriegsflotte.
Daß bei dec jetzigen, für die Negierung günstigen Zusammensetzung deS Reichstages neue Flottenforüerungen nicht auöblciben werden, Haden wir bereits mitßetcilt. Allerdings wollen die ebenso alarmierenden rote unbestimmten Meldungen dec Berliner Korrespondenten namentlich englischer Blätter in dieser Hinsicht wenig besagen, da fie znm Teil eine lächerliche Unkenntnis der ivirklichen Sachlage verraten. So fädelte z. Ä. der in diesen Tagen in der Neich-Hauptstadt weilende Spezialkorrespondent deS (Soeben Bennct'schen ,Ne>o $od Herold^ von einem neuen Floltenkredit von 60 Whllionen QJiacf, den die Negierung nachjuchen wolle.
Ein außerordentlich gut unterrichteter sachverständiger Berliner ÜJlilatbeitec stellt uns nun zu diesem hochinteressanten Thema die nachsolgendcn Ausführungen zur Verfügung r
„Uebcrall macht sich, nachi>em die englische Marine mit bei „Dreadnought" begonnen, das Bestreoen oemerkbar, die Größ-'n- bcryüiuuiie der Su/ii,e zu steigern und zwar m einem derartigen Mage, duS die Bautvsten nahezu an bas Doppelte der AnSgavcn für die einzelnen Schiissttasteu von vor aiua 6 Jahren heran- wachsen. Düs größte Ausiehen wird allerdings — bewnbers auch in den Marineireisen der fremden Seemächte — das Borgehen der deutschen Marineverioaltung erregen, soda.d die Angaben über die Abmessungen des neuen deutschen Panzerkreuzers „F" bekannt werden, dissen Entwurf fertig vorliegt und um besten Bau in aller. näch,ier Zeü begonnen werben soll. Es steht nunmehr nach unseren ßnionnationen lest, bub diese- Schiss an Größe alle in Bau begriffenen ober projettierten Panzerkreuzer fä int lieber Kriegsmarinen der Welt übertreffen wird. Einen ganz gewaltigen Sprung bedeutet eS für die deutsche Marine von 11500 T. — der Wasserverdrängung der jung, fiten in Bau beiuü>uc>cn Panzerkreuzer „ipneijen.au" und „Scharn- horst" — aus 1U 200 T. Wasserverdrängung für den neuen Panzerkreuzer zu Kimmen. Auch an Geschwindigkeit soll di scS g-iiuaitige Schiff alle bisherigen Fahrzeuge uiiferer Marine lnaturlich ausgenommen die Torpedoboote) üocrtcefjen; denn durch Verwendung von Parins-Turbinen von 40 bis 50 000 Pferdestärken soll eine Gcschtvinbigkett von mindesten- 25 Knoten erzielt werden. Daß die Baukosten silr eine derartige Kriegsmaschine ebenjallS geioaltige sind, liegt iiuj der Haiib: sie follen für den Panzerlrruzer „F"^ 36,d Milionen Mark (einschlicß- lid) d.r artiileristisä-en Bewaffnung) betragen. AnnLherlid de ©roße dieses neuen deutschen Schiffes erreichen die beiden von Japan projektierten Panzerkreuzer mit je 18 650 T.; sie erhalten evensalls Turbinenantrieb und 25 Knoten Geschwindigkeit. Die neuesten englischen Panzerkreuzer der „JnviiiciblL"-Klasie bagegen stehen mit 17 527 T. jajon erheblich hinter bem beutschen Schiff zurück. *
In Bezug auf bie Größe der Linienschiffe steht Japan zurzeit an erster Stelle, wenn man die im Bau begriffenen und die cnbgultig nrojeftierten Schisse berücksichtigt. Die beiden auf ja- panischeii 'Äcriten im Bau begriffenen Schiffe „Satsuma" und „Ali" Ijabui r^nd je 19500 T. Wass.rverdrängung, während zwei noch größere Liuleuschisje von 21 Uüo T. bereits bewilligt sind. Dann folgt Franlreich mit 6 einheitlichen Linienschiffen von 18 350 L., von denen zwei bereits gebaut werden, England mit der fertigen „Dreadnought" von rund 18 000 T. unb drei nach ahn- licheul Muster gebauten Schiffen von je 18 300 T., deren Kiele auch schon gestreckt sind.
Ucocr die beutjajen Linienschiffs neubauten „Ersatz Bauern" und „Erstü Sachsen", die an dir laii'erL Werft in Wilheu'.iShallen bczw. an bie ALiengesellschast Weser in Bremen bereits utigeuen sein dür<ten, verlautete bisher noch nichts bestimmte'. Wie heute aber schon verraten werden kann, stehen auch hier besondere Uebcrrafd)ungen bevor, nachdem einmal bei dem Panzerkreuzer „F" mit der bisherigen gemäßigten Politik bei Neubauten unserer Manne gebrochen ist.
üluü) bie Dieubautcn der Marstie der Vereinigten Staaten sind nüd) in Vorbereitung. Von den bei verschiedenen Konstrukteuren in der letzten Zett eingeforberten Entwürfen ist bisher der für ein Linienschiff von 2u000 T. Wasserverdrängung als ber beste erkannt worden.
Unabhängig von den vorstehend kurz skizzierten Abmessungen wäre noch die Frage der Vewasinung ber neuen Schiffe zu erörtern. Auch hierin ist bie deutsche Marineverwaltung, bie bisher ai5 größtes Kaliber 28 Ztm.-Geschütze verwendet hat, gegenüber den 30,5 Ztm. d.r anberen Nationen vor einen ents cheibenden Wende pmifi gelangt. Fallt die Entscheidung, wie anzunehmen ist, nati) bui Seite des größeren Kalibers, so sind auch hiermit die neuen deutschen Schisse jifierninäßig denen ber anderen Nationen g leid’ fertig gw» irbcii. Allerdings wird ber Baubetrag der einzelnen Schisse dadurch in's Ungeheuerliche gesteigert werden, Deutschland aber andererseits auch nach Durchführung des neuen Programms eine Kriegsmarine besitzen, bie an fülobernität keiner, an Zahl ber triegstüchtigen Schiffe nur ber Englands nachstehen wird." __
politische Tagesschau.
Ein beutf jjer Gelehrter über bie gegen bie westavstr-lischen Schwarzen begangenen Grausamkeiten.
In der deutschen Presse haben bereits kurz die ernsten Beschnldigiingen Platz gefunden, die Dr. Klaätsch, Professor der Anatomie an dec Heidelberger Universität, gegen bie westaustralischen Behörden wegen ihrer unmenschlichen Behandlung der Eingeborenen in den nördlichen Distrikten erhebt. Dec bekannte deutsche Anthropologe, ber feit 1904 unter den Schwarzen Westaustraliens wirkte und jetzt auf dem Heimwege ist, bestätigt nach unabhängiger Untersuchung durchaus die früheren schweren Anklagen Dr. Roths, des ehemaligen amtlichen „Protektors der Eingeborenen in Llucensland^ und betont, daß die seither elngesührten Re- glerungsmaßnahmen nur zum kleinen Teil eine Einschränkung der Grausamkeiten bewirkt haben.
Dec Bericht, den Dr. Kiaatsch anläßlich eines wissenschaftlichen Vortrages in Adelaide erstattete, liegt uns jetzt vor und möge hier im Auszuge folgen.
Dr. Klaatsch führt aus, er habe sich zwei Monate in Wyndham am Cambridge Golf, dem aus Dr. Roths Berichten
über die Eingeborenennußhandlungen gröberen Kreisen begannt gewordenen Crte, aufgehalten. Leider müsse er Dr. Roth durchaus recht geben, denn die Beziehungen zwischen Weißen und Schwarzen dort wären nur den 1820 btä 1830 in TaS- manien herrschenden schrecklichen Zuständen vergleichbar, die in erster Lime zur Ausrottung der Eingeborenen auf jener Insel führten. Der gegen die Eingeborenen gegenwärtig inszenierte Krieg habe eS ihm unmöglich gemacht, mit den zahlreichen Stämmen in der Nähe Wyndhams freundschaftlich zu verkehren; jede weiße Person gerate bei den Schwarzen in Verdacht, zu den Pollzeiagenten zu gehören, die den Ruf von wilden Tieren besüffen. In den Gefängniszellen, in denen 78 Eingeborene schmachteten, habe er besonder- viel belastende- Material gefunden. Ec sei Zeuge von dec Ankunft neuer Gefangener gewesen, die mit Ketten um den Hal- 300 big 400 Meilen zurückgelegt halten und mit bei Eisen- fcsselung belastet sogar Ilüste dnrchwoten muhten. Sie wären an- der Gegend von Sturt- Creek und Hall Creek gekommen, wo die Eingeborenen angeblich verschiedentlich V»eh durch Speerwürfe getütet hätten. Einzelne Fälle von Viehlötungen leien zwar paifiert, man habe aber ganz beliebige Eingeborene ^nsgegriffen, da man der wirklich Schuldigen nicht habhaft würbe. Die Polizei würbe von Leuten, bie ein Interesse daran hätten, möglichst viele schwarze Arbeiter zu erhallen, bezahlt. Auch junge Frauen würden, angeblich um al- Zeugen zu bienen, in Wirklichkeit aber zu Zivecken, bie man nicht näher zu erörtern braucht (!) mttgeschteppt. In ben Gefängnissen würden bie Eingeborenen seit Dr. Roth- Berichten etwa- bester behandelt und nur noch an Händen unb Fügen anstatt am Hals angekettet; aber während des Transports bejubelten bie Fußsissiln, wie man ihm, Dr. Klaatsch, mit* geteilt habe, etwaige Fluchtversuche nicht und ,man mügle daher zum Hal-cisen greifen.
Profestor Klaatsch beklagt eS sehr, daß sich das australische Publikum absolut nicht um die ausgedeckten Mißstände kümmere. Im Ucbeigen versichert er, seine dreijährigen Studien hätten ihn in seiner Ansicht bestärkt, daß man e- bet den australischen Schwarzen mit Resten einer früheren Urbevölkerung zu tun habe. Er ist geneigt bie Theorie für richtig zu halten, wonach in prähistorischen Zeiten zwischen Australien unb Asien eine Lanbverdindung bestauben und baß sich die Menschheit von irgend einem Zentralpunkt zwischen den beiden Kontinenten auB verteilt habe, bie Asiaten nach ber einen Richtung, die australischen Schwarzen nach dec an» deren. — Dr. R. hatte sich durch eine erfolgreich ausgeführte Operation schließlich baS Vertrauen eine- ber Stämme, bie er studierte, erworben und hebt hervor, daß ihm seine Arbeiten besonders durch die Unterstützung katholischer jJlijl'ionare sehr erleichtert wurden.
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Auswärtige Anleihe unb RelchSanleihe.
Der Erfolg der oppositionellen Parteien bei den Wahlen zur Du ma, der erzielt wurde trotz weitgehender Beeinflustung der Wählerschaft durch den Regierungsapparat, tft kennzeichnend genug für die Stimmung im russischen Volke, um eine alsbaldige Auflösung auch der zweiten Duma a!5 zweck- los erscheinen zu lasten. Em dritter Wahlgang würde an dem Mandatsbesitz der Parteien eben nicht viel ändern. Ministerpräsident Stolypin oder sein Nachfolger, sofern der Zar sich zu einem Kabinettswechsel entschließt, wird also versuchen muffen, einen Konflikt mit der zweiten Duma zu vermeiden, um die unaufschiebbaren politischen Aktionen auf bei Grundlage der Verfassung durchzufuhren.
Hierzti gehört vor allem bie Beschaffung neuer Geldmittel durch eine Ausländsanleihe. Die internationale Hoch- sinanz macht bekanntlich zur Bedingung für ihre Hulfeleistung das Einverständnis der Duma mit der Anspannung des Staatskredits. Es ist nun nicht ohne weiteres anzunehmen, daß die Duma, auch wenn die oppositionellen Parteien bie 'Mehrheit bilden, diese Genehmigung versagt, denn es besteht eine zwingende Notwendigkeit, bie russischen Staatskassen aufzufüllen, wenn Ernst gemacht werden soll mit den wirtschaftlichen unb sozialen Reformen im Zarenreich, besonders mit dec Besserung der Lage dec Bauern. Die Kredit- Vorlage dürste also der Prüfstein werben für die Möglichkeit dc- Zusammenarbeiten- zwischen Regierung und Duma.
Seit einigen Tagen weilen Vertreter der Berliner Hoch- sinanz in Petersburg, auch Delegierte österreichischer Finanz- inftitute sind dorthin entsandt worden. Wahrscheinlich kommt danach für die wohl im Sommer zu erwartende russische Anleihe neben dem französiichen der deutsche unb der österreich-ungarische Geldmarkt in Frage. Im legten Jahre wurde ber beulsche Markt für ausländische Kreditgeschäfte allerdings nur mit rund 150 Millionen Rlk. in Anspruch genommen gegen 870 ÜJhQionen im Jahre 1905. Schon doS dürfte ein Anreiz für bie Großbanken sein, baS inler- nationale Geschäft mehr zu pflegen. Eck kommt hinzu, baß bei letzterem dec Zwischcngeivinn ungleich größer ist, als bei der Vermittlung von Inlandsanleihen. Rügland zumal dürfte in Anbetracht des teuren GeldstandeS zu sehr weitgehenden Zugeständnissen an die Emissionsbanken bereit sein. Vom taiifmännischen Standpunkte erschiene somit eine Beteiligung am nächsten russischen Anlcihegeschäft vorteilhaft. Es fragt sich nur, ob sie nicht den deutschnalionalen Intcresten ab- tcäglich sein würde.
Die Lage der NeichSsinanzen macht eS wahrscheinlich,
dag m adiehbarer Zen eine neue 'Jieiajöaul v 11)e begeoen werden muß. Eine glatte Unterbringung wäre dieser umsomehr zu wünschen, als der letzten Anleihemisfion des Reichs der volle Erfolg bekanntlich veriagt war. Dem Uebernahme- Konforlium sind erhebliche Beträge b»S heule imoerfanit geblieben. TaS Schatzamt wird zwar aus der Erfahrung lernen, unb in Zukunft einen geeigneteren Zeitpunkt für solche Transaktion auswählcn, jedenfalls wohl Zurückhaltung beobachten, io lauge ber teuere Geldstanb bie Inanspruchnahme deS heimischen RkarkteS verbietet. Doch daran kann kein Zweifel sein, baß durch Emiision einer russischen Anleihe in Teulschland, bie vermutlich m die Hunderte von 'JJhUioncn hineingreifen wirb, ben Chancen einer beutschen Anleihe Abbruch geschehen würde, selbst wenn man deren Zinssatz auf 4 v. H. bemißt. Vielleicht macht der Schatzsekretär demnächst in seinem Finauzexpoiä bei Einbringung befl Etat- Andeutungen über die etwaige Anspannung deS ReichtzkreditS. Die Großbanken würden bann in bie Lage kommen, beizeiten ihre Verfügung zu treffen unb Sorge zu tragen, baß dein nationalen Iuteceste fern Recht wird vor internationalen Finanzunlernehmungen.
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Unsere nationale Mehrheit la Reichstage unb die Sozialdemokratie.
Mau schreibt uns:
Tie ü:uiiuitU ber nationalgesinnten Parteien, wie sie sich bei ben Präsidentenwahlen ün Reichstag bekundet bat, schcutt ixt Sojialdeuwkrulre ctunso unangenehm zu sein, rote iü jedem Anhänger der bürgerlichen Parteien, rntt ötu-nahine der Zcn- irumsieute, aiS L>öhepnnkl in unserem parlameniarischen Leben ^ncheml. Tas Äiegencr sozialislstche Organ taßl sich auS Berlin einen Artikel schreiben, der diese historisch denkwürdige Tot- >ache bebanbelL
Einige Bluten dieser Arbeit möchten wir auch den bürgerlichen Bewohnern von Girßen unb Umgebung miltcilen:
,-3u buin '4)tuiu>t.iiuiubdyl um b.e „nationale Mehrheit", die Metnchiil dcS „Jtanernlaaeil6" (notabene: em beliebter Ausdruck ber Lo-ialdeinotratie, ber die Liebe dieser toten Herren zu ihren bürgerlichen Volksgenossen geiviß deuttich kennzeichnet), die Phalanz ixui JLaniö ms Xhumejitbm ober von Uulbon bi» Kröchet -um erstenmal in Erscheinung."
„Die beachieiiSwertcfte, wenn auch keineswegs überraschendste Tatsache ist, daß ber Freisinn einem Mitglied ber reafuonariten Frattion die erste Prasideiitenstette verschasit hat. Der Beginn der „liberalen Äcra" wird dadurch gekennzeichnet, daß ein Mitglied der wahlrechtSfeiiidttchsten Partei zum obersten Suter der Neichstagsrechte berufen wird. Ein solck>es Berfahren erklärt sich nur <ios der inneren Seelenverwandtschajt, die den nationalen Block zusammenhält, ooct richtiger aus bem ausdrmg- licheu Schmocktum (schönes Wort!) des Freisinns, der sich dazu drängt, mit Agrariern unb Muckern gemeinsam Regierungspartei zu spielen, der sicb von diesem Beginnen auch nicht ab- hatten läßt durch bad Mißtrauen, womit ihm da- Zunterlum begegnet"
Aiost wahr, sehr schade, daß nicht ein Zentrumsmann, ein Sozialdemokrat unb ein Pole bie Präsibentensitze des beutschm Reichstags bekommen haben. Diese Herren hätten gewiß daS „Deutschtum" dort hochgehalten?!
Tann heißt es, „die Meyrhett 115 Stimmen übet bie absolute Mehrheit sti niast imponierend". Gewitz, aber wir freuen uns, daß diese oorhalidcn ist und hoffen für 1912 auf ihre Verstärkung. Vorerst aber genügt |ie. „In parlamentarisch regierten Staat.n ji d die Reg er ngen mit yanz anderen Riehrhei.cn -u arbeiten gewohnt (Notabene wenn sie sie haben 1) unb ihre Lage wurde b rt angeiiu.ts Mwtr 8d)nimmungbDerbäitiine le.ncswegs sicher erscheinen." Richtig! Nun aber kommt ein sonderbarer Satz: „Ältcromgs im deutfchen mei.y-tag ist bet Fraltwnszwang viel slr-»ngcr aL6 etiua in der französischen Kammer." Bet wem ist der Fraktionszwang am strengsten? Wo darf denn ber einzelne Abgeordnete keine eigene Meinung haben, darf er nicht anders gesinnt sein als die Parteipäpste? Diese Tyrannei genannt Partei- oiSziplin, herrscht bvuj gerade bei den Soztaldemotraten. Ihnen kommt hierin J.n nächsten das von ihnen unterstützte Zentrum.
Nebenbei bemerkt, scheint der Berliner soz. Korrespondent bei seinen Vergleichen die Verschiedenartigkeit des deutschen unb franz. Bolkscharatters gar nicht zu kennen.
Mögen die Herren Sozialbemokraten nun über die Einigkeit des Bürgertums schimpfen ober höhnen, das ist uns einerlei. Wünschen aber wollen wir im Jntercsie unseres Vaterlandes, daß diese Mehrheit in großen Fragen fest bleibe. Links unb Rechts müssen durch die gemeinsame Gegnerschaft zusammengeschweißt werben, mehr auf das Einenoe als auf das Trennende sehen, Sonder- wunsche juruaiieilcn, zuiammenuroctten an dem Ausoau unseres Staatswesens, das fie zu verteidigen haben gegen d.e, deren Ziel nicht ein Ausbau, sondern ein Umsturz unseres Staatskorpers ist,
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ZanrßS unb die deutsche Sozialdemokratie.
In dem vierten Hefte der neuen Zeitschrift ,M3rz" (Verlag von Albert Langen in München) veröffentticht der bckannte französische Sozialistenführer IauröS einen ?lrlifel über die Relchstagswahlen in Deutschland. Der französische Genosse rät der deutschen Sozialdemokratie dringend einen energischen Bruch mit dem Zentrum und ein Zusammengehen mit der bürgerlichen Linken an. 'Jluc von einem solchen Vorgehen erivartel er die Aufrichtung einer wirklich parlamentarischen Regierung in Deutschland, und er richtet an die deutsche Sozialdemokratie folgende Btahnung:
Was in Deutschland die Stärke deS Absolutismus uitb deS persönlichen Regunems ausmacht, ivas das Herauikommen einer ivahrbau partamenlaiiicheu und demokraliichen Regieniiigssorm verhindert, das ift Die Zerstreuung und Berivirirnug oer Parieien. lieber dieser Zerstückelung und dieiem Ehaos stehen Reglerungs- 1110(1)1 und Kaiser noch immer unbestritten und unkonirolttert. 91 un ui aber das Zentrum der flärlste Vertreter der Zweldeuiigkeuen und Wirren, den es in Deutschland gibt. Darm ähnelt es Dein, was unser Rationalismus war; es ist von Grund and reaktionär und trägt doch gleichzeitig in verschiedenen Gegenden ein ootks- inmlichcs, demagogisches Weien zur Schau. Wenn die Sozialisten durch zuiälUge Koalition baljui gebracht werden, sich dem Zeuirum zu veiduuden, besorgen sie ihm das Gejchäil; sie ennogUcheu es lom, semer riuiidjchail zu sagen, daß das Zemmm vom SozmllS-


