Ausgabe 
21.3.1907 Erstes Blatt
 
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hflang eS, auSzubrechen. Die Entkommenen wurden dann beim I Parlament zerstreut. Im Ganzen wurden 66 Frauen verhaftet, aber gegen Bürgschaft sreigelassen. ,

Paris, 20 März. Senat. Das Laus berat eine Interpellation Wer die Abschaffung der Inschrift:Dieu protöge la France" (Gott beschütze Frankreich) aus den Münzen. Finanz- minister Caillaux führt «aus: Es handelt fiel) hier um eine Berwaltungsmasmahme, zu der die Genehmigung des Parlaments nicht erforderlich sei. Daraus nimmt der Senat ine Tagesord- lUUl?_'ai©ie Deputiertenkammer lehnte einen Antrag des Mbe Gayraud (katholischer Republikaner), welcher die Freiheit des Kul­tus in den Militär- und Marinehospitälern fordert, ab. Der Antrag war veranlaßt worden dadurch, daß in einem Hospital in Toulon einem Geistlichen, der von der Familie eines bei der Katastrophe der3ena" Verletzten herbeigerusen worden war, der Zutritt versagt worden war. Im weiteren Verlaus der Sitzung ualmi die Kammer einen Antrag Jaures an, welcher die Ernennung einer Kommission von 24 Deputierten fordert, die d.e politische Tragweite der P a p i e r e des M s g r. M o n t a g n i n i untersuchen soll. Der Antrag wünscht ferner die sofortige Veröffentlichung der gesamten Papiere, um tendenziösen Publikationen vorzuveugen und die herausiorderiide Haltung Roms festzustellen. _

Bukarest, 20. März. Die gewalttätigen Ausschrei­tungen gegen die Juden, die sich über die ganze Walachei ausgebreitet haben, sind hauptsächlich durch den Präfekten Var- sescu von Botuschani ins Werk gesetzt, worden. Die Soldaten beginnen, das Einschreiten gegen die Exzedenten zu verweigern. Von den größeren Orten hat Botuschani am meisten gelitten. Die Zahl der Toten ist noch nicht bekannt. Viele Land­häuser sind zerstört und Wertpapiere von Bauern zerrissen worden. In dem Gutshof Teodoreni drangen mehrere hundert Bauern ein. Sie drohten, den zwanzigjährigen Sohn des Gutspächters Kraßnoselsky zu erschlagen, woraus dieser Revolverschüsse ab feuerte und dadurch gerettet wurde, daß die Gen­darmen ihn verhafteten. Etwa 3000 jüdische Familien sind aus österreichisches Gebiet geflohen. Neben Botuschani haben noch die Städte Bordujeni und Bucecca schwer gelitten. Die Distritts- hauptstadt Jassy ist von 30000 Bauern zerniert; die Garnison ist zu schwach, um diesen Scharen entgegentreten zu können. 300 Bauern stürmten Pacurari, wurden,aber von den Truppen zurückgeworfen und erlitten große Ver­luste. Der Kriegsminister, General Mano, ordnete dieMobili - s i e r u nn g des 4. A r m e e k o r p s für 14 Tage an. In Sotoschani fand eine förmliche Schlacht zwischen ärmeren Juden und Bauern statt, die mehrere Stunden dauerte; auf beiden Seiten gab es Tote und Verwundete. Die Soldaten, die betrunken waren, betei­ligten sich Icun den Plünderungen, demolierten die Häuser und fraternisierten mit dem Pöbel. Das Elend ist ungeheuer. Die Bewegung gewinnt am Ausdehnung. Die Revolte breitete sich an der ganzen oberen Moldau aus.

Aus S-ruSt ueiO Land.

Gießen, den 21. März.

Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog hat dem Generalsekretär der Fürsorgestellen für Lungenkranke in Berlin, Dr. A. Kayserllng, das Ritterkreuz erster Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver­liehen.

Frühjahrsanfang brachte uns wirkliches Früh­lingswetter, nachdem in den letzten Tagen Regen und Sturm arg gewütet und manchen Schaden angenchtet hatten. Der in dem jetzt glücklich vergangenen Winter in beträchtlichen Mengen niedergegangene Schnee, dec bei der milden Witterung der letzten Tage rasch verschwand, trug in Verbindung mit dem Regen dazu bei, die alljährlich eintretenden Ueberschwem- mungen der Bach- und Flußtäler und 9Zieberungen sehr um­fangreich zu gestalten. Aus vielen Gegenden liegen solche Nachrichten vor, u. a. aus dem Lahntal zwischen hier und Wetzlar und von Marburg und von den Vogelsberger Flüß­chen insbes. Ohm, Schwalm, Nidda usw. Von der Fulda, dem Main, Rhein, Neckar und der oberen Donau wird ebenfalls rasches Steigen gemeldet, sodaß fast überall Ueberschwemmungen eingetreten ober zu erwarten sind. Auf der Ostsee richtete der gestrige Sturm schweren Schaden an. Von 18 zum Fischfang ausgelaufene Tilsiter Fischer­booten sind 14 gestrandet. 2 Fischer ertranken. Von einem Boot fehlt noch Nachricht. Auch in Oesterreich besteht in vielen Gegenden Hochwassergefahr. Am Arlberg herrscht Schnee sturm. In der Nähe von Hintergasse wurde bie Bahn durch fünf Lawinen neuerdings verschüttet. Mit den bayerischen Bahnen wurden Verhandlungen eingeleitet, um die italienischen Auswanderer, von denen mehrere Tausend in Jnsbruck liegen bleiben mußten, über Kufstein nach Bayern zu befördern.

** Parlamentarisches aus Hessen. DerFinanz- auSschuß der 1. Kammer ist am Mittwoch nachmittag zur Beratung des Hauptvoranschlages zusammengetreten. Der Finanzausschuß der 2. Kammer machte gestern nach­mittag einen Ausflug zur Besichtigung des nn Ober* Ingelheim zu errichtenden neuen Amtsgerichtsgebäudes.

*Ä Zum Obmann des Landes-Lehrervereins ist, wie wir mitteilen, u. a. Hauptlehrer Storch in Butzbach auSersehen. Wie man uns aus oberhessischen Lehrerkreisen schreibt, findet am nächsten Samstag, 23. d. M.,.hier eine Delegierten-Versammlung statt, in der Herr Storch als Kandidat proklamiert werden soll.

Oberhessische B a h n p r o j e k t e. Wegen des Bahnbaues durchs Seemental fand am Sonntag eine Versammlung in Kefenrod bei Büdingen statt, an der nahezu 500 Personen leilnahmen. Es wurde em Komitee gegründet, das die Regierung und die Kammern für das Projekt gewinnen will.

** Gernhardtscher Zither- und Mandolinen- Chor Gießen. Die musikalische Abendunterhaltung des vergangenen Sonntag-Ämiws er, reute sicy einer reujt lebhaften Beteiligung. Die Vortragsfolge enthielt ernstes und heiteres in reicher_Abwechslung und Fülle. Eröffnet mit dem Krönungsmarsch a. d. OperDer Prophet' Dun Meyeroeer in Oer Bearveitung für Zitherchor mit Mandolinen, Violinen und Flöte wickelten sich die Darbietungen, in Kompositionen von Swoboda, Hoenes, Joh. Pugh u. a. ab. Frische Alpenlieder sorgten für Abwechslung und leiteten über zu den leichteren Gaben des Abends, von F. Lohr, H. Dries und Risener. Auch Zymbal und Seraphon traten wieder in Aktion unb wurden beide noch wenig bekannte Instrumente mieberum von Mitglieb Herr Max Büttner in bekannter Weise ge­meistert. Nachdem auf stürmisches Verlangen noch zwei Lieder eingelegt und die Schlußnummer gespielt war, dankte der Vor- fibende Herr Paul Müller für d.en zahlreichen - Besuch und machte aus das nunmehr folgende gemütliche Beisammensein auf- merkfam. Auch dieseProgramm-Nummer" fand volle Aner­kennung und Unterstützung der Anwesenden, sodaß die Winter- Veranstaltungen des Gernhardtschen Zither- unb Mandolinen- chors einen in jeber Hinsicht befriebigenben Abschluß gesunden haben.

** Der Bauersche Gesangverein feierte am ver­gangenen Samstag sein 43jähriges Stiftungsfest im Neuen Saalbau, das recht zahlreich besucht war. Nach Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden wurde die Feier durch den wirkungsvollen ChorJagbmorgen" von Rheinberger eingeleitet. Chore wechsel­

ten mit Duetts und Solls, welche unter der Leitung des geschätzten Dirigenten Herrn Otto G ö r l a ch musterhaft vorgetragen wur­den Den Schluß bildete ein gut gespieltes Theaterstück mit darauf folgendem Ball, der die Teilnehmer bis zmn frühen Morgen zu- *" Evangel. Arbeiterverein. Zum Lichtbild er -

Vortrag von Pfarrer Schwabe am letzten Sonntag war der Markus-Saal voll besetzt. Die Anwesenden waren überraicht von der Größe und Farbenpracht der Bilder. Gelänge eines Kliaben- chors umrahmten stimmungsvoll die schönen Darbietungen:An­sichten aus dem heiligen Lande", erläutert durch den Vortrag von Pfarrer Schwabe.

"Sie war die zweite! Nämlich die am ver­gangenen Sonntag geschaffene Schnepfe, die gestern als die erste gemeldet war. Wie uns ein gcsch. Leser mitteilt, wurde bereits am Freitag im Schiffenberger Wald die erste Schnepfe in diesem Jahr von einem hiesigen Nimrod geschossen.

** Die I. Nicker'sche Universitäts-Buchhand­lung und die Firma Alfred Töpelmann (vormals I. Rickers Verlag) blicken heute auf die vor 75 Jahren erfolgte Begründung ihrer bis vor 2 Jahre noch in einer Hand befindlichen Betriebe ziirück. Das Sortiment und Antiquariat, das sich seit dem 1. April 1905 nn Besitze aeS Herrn Ernst Legler befindet, hat 'sich insbesondere durch die tatkräftige Leitung seines früheren Inhabers, des Herrn UuiversüülSbuchhändleis Töpelmann, zu feiner jetzigen Bedeutung emporgeschwungen. Ter seit 2 Jahren von Herrn Töpelmann unter seinem eigenen Namen geführte Verlag hat sich aus dem Gebiete der wissenschaltlichen Theologie und altonentalischen (speziell semitischen) Sprachwissenschaft nam­haften Ruf envorbcn.

Wieseck, 20. März. Indem Keller eines in der Alicestraße gelegenen Halises wurden etwa 4 0 Geldslücke aufgefunden, die zusammen den Betrag von 9 Alk. aus­machten. Etwas sicheres über die Herkunft des Geldes ist noch nicht festgestellt worden, doch nimmt man an, daß es von einem Kinde entwendet und dann aus Furcht vor der Entdeckung in den Keller geworfen wurde. Vielleicht trägt diese 'JJiitteilung zur Aufklärung des Sachverhalts bet.

+ Klein-Linden , 20. März. Die hiesigeHeimat­vereinigung" hat in einer Sitzung des Vorstandes, der auch bie Vorsitzenden der hiesigen Vereine beiwohnten, beschlossen, an einem der Sonntage nach Ostern eine Besichtigung des M u - jeums zu Gießen vorzunehmen, bas eine große Anzahl Fund- stücke uns Altertümer aus unserer nächsten Umgebung enthält. Ferner ist geplant, im Laufe des Sommers zwei Ausflüge, einen ins Salzbvbelal unb einen nach Waldgirmes, Bubenrod und Jiobbeim vorzunehmen. Tie Veranstaltung eines Sommerfestes unter Mitwirkung sämtlicher angeglieberter Vereine ist in Aus­sicht genommen.

o Langd, 20. März. Der kürzlich wegen Sittlich­keitsvergehens verhaftete hiesige Polizeidlener Römer wurde heute aus der Untersuchungshaft entlassen und bas Ver­fahren eingekeilt.

X Bad-Nauheim, 20. März. Das anhaltende schlechte Frühjahrswetler macht sich hier für die dringend nötigen Neu- unb Umbauten, die bis zum Beginn der Saison fertig sein sollen, höchst unangenehm bcmcrlar. Es gibt zahlreiche rückständige Arbeiten in staatlichen, städtischen und privaten Bauten. Ein Salinenarbeiter stürzte in einen tiefen Schacht und erlitt einen Rippen-, Arm- und Beinbruch.

x Ulfa, 20. März. Das in der hiesigen emarfung ge­legen Hofgut des Freiherrn v. Harnier wurde vor einiger Zeit von idxr Gemeinde gekauft unb morgenweise an die Landwirte unseres Ortes versteigert. Die Halste der Gebäude wurde von dem Tresa>inc.;inenbeiitzcr Heinrich Ludwig Gottwals zum Preise von 14 000 Mark erstanden. Dieser treibt nun in dem ehemaligen Freiherrlichlen Besitze, der hier und in der Umgegend nur der Elhop" genannt wurde, eine Gastwirtschaft, die er zur Erinnerung an die frühere GutsherrschastZum Edelho f" gewannt hat. Auch Denkmalsschutz!

-s- Inheiden, 19. März. Während das staatliche Wasserwerk zil Lauter seiner baldigen Vollendung entgegen­geht, soll das hier geplante zweite staatliche Wasser- iverk in der nächsten Zeit in Angriff genommen werden. Das umfangreiche Quellgebiet hat die Regierung vor fast zwei Jahren angekauft, es befindet sich auf einem Wiesen- grunö. Die großen Wassermengen bilden den Schivarzbach, der bei Treis sich in die Horloff ergießt. Seit voriges Jahr und besonders auch wieder vor etwa 14 Tagen fanden fort­gesetzt Messungen statt, nachdem man einzelne Quellen tiefer gebohrt und das überfließende Wasser in Röhren aufgefangen hat. Man ist dadurch zu einem sehr günstigen Resultat ge­kommen, liefert doch das gesamte Quellgebiet in der Minute über 4000 Liter Wasser, am Tag ca. 6000 Kubikmeter. Das Gebiet ist also anscheinend wasserreicher als Lauter, das ca. 5000 Kubikmeter am Tag liefert.

" Alsfeld, 19. März. An unserer Realschule unterrichten einschließlich des Direktors Dr. Pitz und ziveier Religionslehrer 11 Lehrkräfte. Die Gesamtzahl (einschl. Vor­schule) betrug 190 und zwar 127 aus Alsfeld, 48 aus anderen hessischen Orten und 15 aus anderen deutschen Staaten. Die höhere Bürger-(Mädchen-) Schule hatte 73 Schülerinnen (10 mehr als im Vorjahre), von denen 64 ans Alsfeld stammten. Ter Unterricht wurde von zehn Lehrkräften erteilt, von denen 5 Damen waren. Leiter der Anstalt ist Realschuldirektor Dr. Pitz.

ak. 93om öogeBberg, 18. März. In wenigen Tagen Hai sich die Signatur der Gebirgslandschaft verändert. Vor 2 Tagen noch hoher Schnee auf dem Gefilde heute der S ch n e e v e r - schwanden bis auf die Schneewehungen an den Hecken und Rainen. Endlose Wassermassen gießen nnaufhörlich vom Himmel, die Gebirgsbäche sind weil über die Uier getreten und führen in ratendem Lau'e Wassermassen mit sich, wie man sie hier nur selten sah. Gestern abend hagelte es unter Gewittererschei­nungen der Frühling hält endlich unter den hier oben üblichen unangenehmen Begleiterscheinungen von Siurm und Regen seinen Emziig. Bald wird sich's zeigen, wieviel der Schiieewinter^den Saaiseldern geschadet hat. Wie manche Aecker, ans dem keine Saat mehr zu erblicken ist und die von neuem auSge|tellt werden müssen. Trübselig schaut der Landmann im Blick auf bie fast vernichtende Wintersaat in bie Zukunft.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen unb den Nachbarstaaten. In W Ufers ha in wird demnächst die Erbauung einer Wasserleitung in Angriff genommen, für die 6000 Bieter Rohrleitlmgen unb cm Hochbehälter von 100 Kubikmeter Fuhall eriorberlid) sind. In M a u l b a ch wurde Bürgermeister L e 11) m a n n einstimmig iviebergeiväljlt. In Rendel feierte der Rechner der Spar- unb Darlehenskasse Karl Beck sein 25jähriges Amisjubiläum. Landwirt Johann Tobias R a ck II. m würbe als Bürger m e i ft e r tür bie Gemeide D o r n - A s s e n h e i m ge­wählt und bestätigt. Der (Sejaugverein Germania in Wald- Girmes hält am 9. und 10. Ium sein F a h ii e n w e i h s e st ab.

Kausvefiher-Kerem.

Von Rechtsanwalt Raab in Gießen.

Vor einigen Tagen ging ben Hausbesitzern in Gießen die Auf­forderung zu, sich zu gemeinsamer Wahrung ihrer Jntereffen zu. sammcnzuschließen. Es galt den vor länger als einem Jahrzcynt sanft entichlaienen H.'ausbesitzerverein zu neuem Leben zu er­wecken. Die zahlreich enigeiauienen Anmeldungen lassen hoffen, daß die neuerstandene Vereinigung sich lebens,ähig und segens­reich erweisen wird. Die Ausgaben, die einens solchen Verein envachsen tonnen, die Punkte, an benen er seine Tätig leit an>etzen muß, lammen jetzt täglich von selbst. Gießen hat dasalte Nest" verlassen und strebt, eine, wenn auch jetzt iwch ticiiie, bbaj immer­hin beachtenswerte Provinzstadt zu werden. _ Die allernächsten prägen scyon, wie Kanati,atwn, elektrische Straßenvahn unb bergt gehen den Hausbesitzer noaji mehr an, wie den übrigen Ange­hörigen unserer Provinzialhauptstadt.

Der Hausbefitzer-Vereui iuiu) unb muß eine Parallele zum Bürgerverein fein, de,,en allgemeine Tendenzen unter dem Ge- ftchtSwintel des Hausb^sitzes betraastet, ^o tute der Burgeiverein, soft er sich mit der Zeit als baS Sprachrohr iur die Wunsche der Burger,achft erweisen, als der Booen, all, dem die Stadtverord­neten die Vervindung mit der Masse der Gemeinoemitglieder und eme verständige Stadtvertretung die Fühlung mit der Oesfent- ftchkeit erreia-t und beyiut. Man kann im modernen Voltswirt- ,a)a,tsleben nicht mehr ungestraft tioer die Wie derer, die das Gerd hergeben, hinweg delrelieren und nach viel Wiastigtuerei und GeheiinniStrannrel ben des adulten llutertanenverstano vor voll­endete Tatsachen hinstellen. Ein Hausvejitzer-Verein wird, wenn er feine An,gave richtig er,aßt, sich niast von em,eiliger Jnterenen- herrschast beein,lui,en tauen. So wird er insoe,ondere nickst seine Spitze gegen die Mieter richten, ais sei sein Etwzweck der, bie Mieter möglichst.auszuschtachten. Dafür als Beleg ein praktisches Beispiel: Kürzlich wurde vom Hausbesitzer-Verein Nürnberg, der über 4000 Mitglieder zahlt, in den Zeitungen berichtet, daß er dem Magistrat eine Denkschrift überreichen ließ, d.e sich in ft der Er­scheinung besaßt, datz sich der klänget an kleinen Wohnungen im Jahre 1906, statt nachzulassen, gesteigert hat, und datz es die Steigerung der Arbeitslöhne und der Preise für Vaumatertalim, ferner ortsbaupolizeiliche Erschwerungen sind, die zur Verteuerung des Bauens führen. , .

Der Hausiwfttzer-Verein bekämpft also die Wohnungsiwt, die ihm doch zu statten kommen müßte. Und wenn er z. B. übermäßige Lasten von sich abzuhfttten sucht, dann haben die Vtieter dadurch direkten Vorteil. Anderseits will er nicht ein Unterschlupf ,ür GrundstüaSsperulation sein und deshalb braucht er sich nicht in prinzipiellen Gegensatz zu bodenreformerischen Bestrebungen zu setzen, auch die vernünftige Ausgestaltung einer Wertzuwachs, steuer nicht von der Hand zu weisen.

Gegen geringfügigen Beitrag steht der Beittitt dem unb> scholtenen Eigentümer, Nutznießer oder Verwalter von in Gießen gelegenen Häusern frei. Eine Fülle von Fragen und Anregungen wird dem Mitglied das Interesse an den Bestrebungen und das Verständnis für die Ziele des Vereins erwecken. Man denke an Aufklärung über Mietreclst, polizeiliche Verordnungen, Wtufter für Mietsverträge, Interessantes aus der Rechtsprechung über das Verhältnis von Vermieter und Mieter, oder beider zur Obrigkeit, Enteignungsivesen, Resormeii im Gebiet der buntscheckigen Bauordnung, Entwurf von Bauverträgen, Straßenkostenbefträge, Straßendurchbrüche und Straßenwesen im Allgemeinen in Gießen ein ausgiebiges Kapitel für sich, Püatzfragen fün Schulen re., städtischer Haushalt, Ausgleich von Gegensatz zwischen Stadt und Hausbesitz (z. B. Beleuchtungsfragen), gerechte Ver­teilung von Staats- und Gemeindesteuern, Wohnungsinfpektions- wesen, Armenwesen unb Unterbringung Wohnungsloser in Gießen wiederum ein Spezialgebiet, des Schweißes der Edlen wert, Belehrung der Beteiligten über einschlägige Fragen, Gesuche und Eingaben an Gesetzgeoungsstellen, an Staats- und Gemeindebehörden, Schaffung loyalen Verhältnisses zwischen Ver­mieter und Akieter, Schutz des Vermieters vor Mietern, die mit bem Bezahlen ständig auf dem Kriegsfüße leben oder in deren Lexikon das Wort Verträglichkeit ein für allemal getilgt ist.

Auch Fragen von weiterer Bedeutung darf der Hausbesitzer­verein in seinen Bereich ziehen und im Schoß seiner Versamm­lung zur ungezwungenen Aussprache bringen; ich denke z. B. daran, ob nicht das in Aussicht genommene neue hessische Lehrer­seminar für Gießen mit Anschluß an die Universität unb die den Lehrern unter gewissen Bedingungen gestattete Beteiligung an phiwsophischen Universitätsstudien gewonnen werden könnte, an dm Ausbau d.r handelswisse.is^asttichcn Fachschule, an bie Zukunft Gießens als Endpunkt des Lahnkanals und die Hafenplatzftage, an bie Wichtigkeit des Vogelsberger Bahnpwjekts Mücke-Ulrich­stein u. bergt. ,

Noch kommt ein Hausbesitzerverein in Gießen nicht zu spät. Möge er seine Existenzberechtigung auch bei den Zweiflern nach­weisen. Hoffentlich findet er regste Beteiligung bei allen ütter- essierten Kreisen und jvorurteilslose, kräftige Förderung in der ganzen Sludt.

Vom Unglück des PanzersJena".

Paris, 20. Riärz. Im Senat brachte Nionis einen Antrag ein, betreffend die Einsetzung einer Kommission von neun Mitgliedern, welche zur Untersuchung der Kata­strophe auf derJena", sowie der Unglücksfälle, die in den letzten Jahren in der Flotte sich ereignet haben, mit ec- melierten Vollmachten ausgestattet werden sollen. Marine­minister Thomson erklärt, die Regierung sei mit dem Antrag einverstanden und werde der Kommission ihre volle RUt- w.rkung zuteil werden lassen. Der Nlmister gibt weiter be- la nut, daß der Bericht der Kommission der Seeoffiziere die Annahme, nach der die Explosion in der hinteren Pulver­kammer derJena" stattgcfunden hätte, als falsch bezeichnet und nur die Vermutung aufrecht erhält, daß das Unglück entweder durch Kurzschluß oder durch Niederfallen von Geschossen oder durch Umwandlungen in dem chemischen Zustande von Explosivstoffen verursacht worden sei. Bei keinem Dienst an Bord seien Verstöße oorgekommen. Niemals sei eine Herabsetzung der Temperatur verlangt worden. Die ganze Munition sei im vorigen Sep­tember untersucht worden. Die Direktion der Artillerie glaube nicht, daß die Explosion durch eine Zersetzung des Pulvers verursacht worden sei. Es wurde eine Kommission von zwölf Ntttgliedern gewählt.__________________________________________

vermischtes.

Johannesburg, 20. März. Auf die hiesige Filiale der Nationalbank in Harrison Street wurde heute von zwei mit Revolvern bewaffneten Männern ein verwegener Angriff ausgeführt. Die Räuber forderten mit erhobenen Revolvern die Bestände der Bank. Die Angestellten derselben und die Angreifer wechselten Schüsse; dabei wurde einer von den letzteren durch den Mund geschossen und überwältigt; auch der andere konnte dingfest gemacht werden. Von den Bankbeamten wurde einer am Arm verwundet.

* Der neuefte (Si Jen bahn Unfall. Auf der Rix- dorf-Niittenwalder Bahn, die einer Aktiengesellschaft gehört, stießen bei der Station Buckow ein Personenzug und em Güterzug zusammen. Acht Passagiere wurden mehr oder minder schwer verletzt; vom Zugpersonal erlitt ein Hülfs- bcamter leichte Kontusionen.

* 21000 Mark für einen Stier. Einen Rekord im Preise hat kürzlich ein roter Stier davongetragen, der auf der landwirtschaftlichen Ausstellung in Birmingham zu sehe»