Ausgabe 
25.4.1907 Zweites Blatt
 
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Hierauf vertagt sich das Haus.

Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr (Fortsetzung heutigen Beratung).

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dem Spiele zu huldigen, ist positiv falsch.

Abg. Bebel hat sich.darüber beschwert, daß im Militärgerichts- Verfahren jetzt nahezu völlig die Oeffentlichkeit ausgeschlossen sei. Tas ist nicht zutreffend. Es gibt ja bestimmte Vorschriften tn der Militärstrafprozeßordnung, wann die Oeffentlichkeit auszu- schließen sei. Daß die Sache nickt so sein kann, wie Herr Bebel angeführt hat, geht schon daraus hervor, daß eine Verfügung zweifellos nicht erlassen ist und auch nicht erlassen werden konnte. Ich habe da neulich eine Beschwerde eines Kriegsgerichtsrats in der Hand gehabt, der sich luegen seines Vorgehens mit Nervosität entschuldigt Er führte diese zurück auf Ueberarbeitung und weil es ihm so häufig passiert sei, daß sein Antrag auf Ausschluß der

schwinden.

Die Urteile der Militärgerichte wurden hier scharf kritisiert. Ick muß zugeben, daß manches Urteil, das gefällt ist, uns nicht gefällt. Ich möchte aber glauben, das ist auch bei den Zivilurteilen ebenso. (Sehr richtig!) Dian kennt die Beweg­gründe der Richter nickt, man keimt eine Menge Nebenumstände auch nicht, die auf die Richter eingewirkt haben. Ich glaube nicht, daß man, ohne genau die sämtlichen Umstände 311 kennen, von brutalen Verurteilungen oder von einem die Sache in ihrer Schwere ver­kennenden Urteile sprechen kann. Aber darauf möchte ich doch Hin­weisen, daß ein Unteroffizier, der mit einigen Monaten Gefängnis und Degradation bestraft worden ist, eine sehr schwere Strafe er­litten hat. Tenn sie wirft ihn aus seiner Karriere hinaus, er kann das Ziel nicht erreichen, das er sich gesteckt hat, und Sie wissen, was das für einen Mann bedeutet, der vielleicht verheiratet ist! (Sehr richtig!) Ich möchte nur ein Beispiel an§ anderen Armeen anführen. Ein französischer Offizier hatte, um seine Leute besser reiten zu lehren, ihnen ein Halsband um den Kopf gelegt und die Sättel mit Nägeln gespickt. Dieser Offizier ist von dem komman­dierenden General mit 14 Tagen Arrest bestraft und der Kriegs- minisier hat diese Strafe auf 30 Tage Arrest erweitert. Ein solcher Offizier würde bei uns vor das Kriegsgericht kommen und würde nicht behalten werden. Ein derartiger Fall ist mir in meiner ganzen Dienstzeit noch niemals zur Kenntnis gekommen. Nun habe ich in einer Broschüre des sozialdemokratischen Rechtsanwalts Liebknecht ge­lesen und da eine Beurteilung der Beschwerden Wr Scldaten- mißhgndlung gefunden, die ich doch zur Kenntnis bi?«gen möchte. Auf Seite 41 seines Buches ich empfehle besonder auch den Herren von der sozialdemokratischen Partei das Buch zu lesen

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sicherung kann ich den Herren Antragstellern geben.

Wenn ick zusammenfassend nun, auf das eingehe, was bie Herren Vorredner ausgeführt haben, so haben sie sämtlich, über die Mißhandlungen in der Armee gesprochen. Wir haben uns sehr eingehend darüber bereits früher unterhalten. Sie alle wißen, wie sehr ich die Mißhandlungen verurteile, daß ich sie für einen Krebsschaden in der Armee halte, und ick glaube. Sie sind auch überzeugt, daß an allen Stellen in oer Armee dieselbe Meinung von der Schädlichkeit der Miß-, Handlungen vorherrscht. Üm es Ihnen deutlicher zu machen, daß diese Meinung in der Armee vorhanden ist und daß sie bereits Früchte, getragen hat, möchte ich Ihnen die Zahlen der Personen, die bestraft sind, und derer, die mißhandelt worden sind, aus den Jahren 1904 und 1906 zum Vergleich anführen. Im Jahre 1904 sind 509 Mann, im Jahre 1906 305 Mann bestraft worden, es hat sich also die Zahl der wegen Mißhandlung Untergebener Bestraften in diesen um 200 vermindert. Wenn Sie bedenken,

17 000 Unteroffiziere bestraft sind, , so Sie zugeben, daß das ein unendlich kleiner

Prozentsatz ist. Mißhandelt worden sind im Jahre 1904 1572 Personen, im Jahre 1906 780 Manu, also nur die Hälfte, ein Beweis, daß wir mit aller Strenge darauf achten, daß die Mißhandlungen zurückgedrängt werden. Wenn Sie bedenken, daß wir 3100 Kompagnien, Schwadronen, Batterien oder der­gleichen Formationen haben, so bleiben also 2300

artige Formationen übrig, in denen Mißhandlungen nicht nachgewiesen worden sind. Diese Zahlen, reden eine sehr deutliche und für uns angenehme Sprache (Zustimmung). Wenn ein­zelne Fälle trotzdem vorkommen, so ist das bedauerlich, aber bte Zahl der wegen brutaler Mißhandlung Bestraften ist bis auf vier zurückgegangen. Vor drei Jahren habe ich übrigens um diese falsche Auffassung meiner Rede richtig zu stellen nicht gesagt, wir werden alle Mißhandlungen aus der Welt schaffen, sondern ich habe nur gesagt, wir werden die brutalen Mißhandlungen aus der Welt schaffen. Wenn der Abg. Bebel sagt, er verstehe es wohl, daß einmal eine Ohrfeige ausgeteilt werde, so würde er es auch verstehen, daß nicht alle Fälle einzelner leichterer Mißhandlungen gänzlich ver-

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Oeffentlichkeit obgelehnt worden wäre. '(Hört, hört!)' Herr Bebel hat dann auf die Tauglichkeit der Dienstpflichtigen hingewiesen und gemeint, es sei da ein dauerndes Fallen einge- treten. Das ist ebenfalls unrichtig. Die von der Preffe ange­gebenen Zahlen sind berechnet unter Zugrundelegung der Einge­stellten und der ausgehobenen Freiwilligen und des Gesamt­bestandes, dagegen außer acht gelaßen die tauglichen Überzähligen, die Ersatzreservisten, Marineersatzreserbisten und der Landlturm. Berücksichtigt man aber diese, so ist sogar noch ein Steigen zu der- zeichnen. Natürlich müßen wir alles tun, um die Diensttauglich­keit zu erhalten, wir müßen vor allem in den Städten dafür sorgen, daß die Lebensbedingungen sich so gut gestalten wie möglich. Darüber hat aber schon neulich Herr von Posadowsky gesprochen. Herr Bebel machte dann noch Mit- teilungen über die Minderwertigen in der Armee. Herr Dr. Müller-Meiningen hat schon auf Erlaße hingewiesen, wonach mehr als bisher auf die geistige Minderwertigkeit der AuSge- hobenen geachtet werden soll. Er hat gesagt, das sei noch nicht genug; das ist ganz richtig, auch uns genügt es nicht. Aber wie sorgfältig die Untersuchungen stattfinden und wie günstig sw ge­wirkt haben, mögen Sie daraus ersehen, daß, während sich die Entlastung der Minderwertigen bis tief in den Februar hinetnzog, sie jetzt im November erledigt ist. Wenn einer übrig bleibt, so, ist das möglich, der entzieht sich eben der ärztlichen Kunst. Wir find mit allen Mitteln bestrebt, die Schwachsinnigen unS vom Leibe zu halten, im Interesse des Heeres, aber auch der Schwachsinnigen.

nicht dieselbe« Opfer gerächt, die jeder, der ftiner vollen Dienst- j pflicht genügen mutz, zu bringen hat. Dann kann der Herr wohl : wenigstens zu der Kontrollversammlung in der vorgescyriebenen Weise kommen und dort bemüht sein, sie Form zu wahre"' : nötig ist. Bei uns m Deutschland tveih jeder, ob er Soldat ge- wesen ist oder nicht, daß, wenn Stillgestand en I kommandiert - wird, kein Mensch ein Glied zu rühren haß er mag der älteste ; Offizier ober der jüngste Musketier sein. (Sehr richtig! Beifall.) Es heißtStillgestanden". Das ist ein Ausdruck unserer Dis- fiplin. Wenn jeder, der ein unangenehmes Gefühl trgendwo am Körver hat, sich krabbeln wollte (anhaltende stürmische Heiterkeit), ja, meine Herren, das ist es doch (erneute Heiterkeit), dann gäbe cs überhaupt keinStillgestrmben" in der Armee mehr. (Sehr richtig! rechts.) ..

Ich glaube ja auch, daß es ein unangenehmes Gefühl ist, wenn jemand den Schnupfen hat und er kann nicht rechtzeitig nach dem Taschentuch langen. (Heiterkeit.) Aber nach den Auchagen, dte mir vorliegen, hat der Herr in äutzerst gemütlicher Weiie fern Taschentuch herausgezogen, und nun ist es zu einem recht be­häbigen Schnäuzen gekommen. (Heiterkeit.) Dadurch ,ist eine Aufregung entstanden. (Erneute Heiterkeit, Zurufe.) Die ganze Sache wurde lächerlich. Aber wenn Herr Müller-Meimngen lagt, man möge sorgen, daß mehr Takt und Anstand in solchen Kontroll- Versammlungen geübt werde, so mag er ja recht haben. Wir aber möchten dann doch namentlich an die gebildeten Elemente die Bitte richten, daß sie doch für diese kurze Zeit^der Kontroll­versammlungen sich zusammennehmen und zeigen mochten: sie ftno für diese kurze Zeit Soldaten! (Lebhafter Beifall.) Das wird ihnen nichts schaden. (Zuruf links.) Gleiches Recht für <UIe! In der Armee stehen wir einer wie der andere, und keiner hat in dieser Beziehung ein Vorrecht. Der Abg. Müller-Memingen hat nun noch ausgeführt, es schiene ihm so, als ob bei den Bez tr ks- kommandos eine gewisse Gehässigkeit gegen das Bürgertum obwalte, das glaube ich nicht. Ich kann es deshalb Nicht glauben, weil die Bezirkskommandeure ja nicht in der abgeschlossenen Kaste leben, die uns immer zum Vorwurf gemacht wird, sondern sie ge­hören weit mehr als andere Offiziere dem bürgerlichen Leben an, sie verkehren fast nur mit den Bürgern. Wenn sie nicht im Bureau fitzen, sind sie auf den Verkehr in bürgerlichen Lokalen ange- wiesen. Würden sie sich durch Gehässigkeit in ihrer Anst-fuhrung auszeichnen, so würde ihnen der Verckehr bald verleidet werden. (Zustimmung.) Wenn aber hier und da einmal das Verhältnis kein so gutes ist, so bitte ich doch, solche Einzelfälle nicht zu ver­allgemeinern, um nicht den Eindruck hervorzurufen, als ob zwischen den Bezirkskommandos und dem Bürgertum ein ge­hässiges Verhältnis obwaltet. Das trifft tatsächlich nicht zu. Es ist weiter gesagt worden, man soll doch darauf achten, daß eine menschliche Gesetzgebung und menschliche Rechtsprechung Platz greife. Ich glaube wirklich, daß wir im Deutschen Reich eine menschliche Gesetzgebung haben. Ich glaube nicht, daß jemand hier im Hauie wäre, der diejenigen Herren, die vor 30 Jahren hier die Straf­gesetze gemacht hÄen, beschuldigte, etwas Unmenschliches gewollt und Unmenschliches in die Gesetzgebung hineingeschrieben zu haben. Mit solchen Worten muß man vorsichtig fern. Sie können einem ja einmal entfahren, aber sie kommen ins Ausland, und es kann uns allen nicht angenehm sein, wenn wir hier in Deutschland des Barbarismus beschuldigt werden. Dann ist ein Punkt erwähnt worden, der in der Tat eine heikle Sache im Offiziersieben ist, der W u ch e r. Es schien ihm, so hat ein Vorredner ausgeführt, daß eine große Organisation von Wucherern über das Land ver­breitet ihre Arme nach den Offizieren ausstreckte. Das ist leider tatsächlich der Fall. Wir haben verfügt, es sollten alle Anträge, die in dieser Beziehung an die Offiziere gestellt werden, dem Kriegsministerium eingereicht werden, um sie zu prüfen und um gegen diese Leute vorgehen zu können. Das ist vielfach geschehen. Aber ein Vorgehen ist häufig recht schwer.

Bekommt man keine Beweise in die Hmid, so kann man nichts gegen Wucherer ausrichten. Warnungen fallen manchmal gerade, auf steinigen Boden. Warnt der Vorgesetzte vor bestimmten Wucherern, so sagt der junge leichtsinnige Mann vielleicht zu sich: Aha! da gibt es einen folgen Onkel, der Gell» gibt und er lauft dann hin. (Heiterkeit.) So schlagen dergleichen Warnunaen manchmal in das Gegenteil um. Wenn eS ein Mittel gebe, diesen sauberen Herren daS Handwerk zu legen, wir würden eS gern er­greifen! Mit einer Gewissenlosigkeit sondergleichen werden diese Offiziere ausgesogen. Ich muß allerdings zugeben, daß sie vielfach auch mit einem grenzenlosen Leichtsinn und starker Naivetät be- : haftet sind. (Sehr richtig!) Wir haben Fälle gehabt, doch sie sind zu dumm, ich will sie lieber nicht mit Einzelheiten er- : zählen wo die jungen Leute hereingefallen sind ober zu fallen drohten, in denen der betreffende Gauner kühner und fiihner ' wurde und wo eirdlich seine Kühnheit den bedrängten Offizier veranlaßte, sich seinem Kommandeur zu eröffnen. Dieser stieg dem Wucherer aufS Dach und sagte ihm: wenn nicht binnen 24 -stunden sämtliche Wechsel und Papiere, die auf den jungen Mann laufen, wieder bei mir sind, so komme ich mit dem Staatsanwalt. Das geschah und nebenbei wurde noch ein Schreiben ausgestellt, daß er, der Wucherer, gar keine Ansprüche mehr hätte. (Hört! Hort! und Große Heiterkeit!) Der Kommandeur war energisch! (Bet­fall.) Es fehlt vielfach den jungen Offizieren an dem Vertrauen, sich an den Regimentskommandeur oder ältere Kameraden zu wenden. Man muß ja auch ein gewisses Schamgefühl überwinben, wenn man sich so fürchterlich dumm benommen hat. (Heiterkeit.) Ich habe angeordnet, daß in den Kriegsschulen Kurse eingerichtet werden, um die Offiziere wenigstens mit dem Wechselrecht bekannt zu macken. (Stürmische Heiterkeit), ihnen die ÄenpipiS des Wechselrechts zu vermitteln, damit dieser fürchterliche Reinsall aufhört! Immerhin ist die Anregung anscheinend sehr, dankens­wert, in jedem Falle einen tüchtigen Rechtsanwalt zuzuziehen, um den Wuckerern das Handwerk zu legen. Ich bitte Sie aber alle, jeder an feinc-.n Teile mit an der Lösung dieser schwierigen ^rage mitzuwirken. Mit Recht wurde erwähnt,, daß es nicht die Offiziere wären, die sich von Anfang an- in schwieriger Lage durchschlagen müßten. Die Beobachtung ist richtig. Es sind vielfach wie immer Leute, die schon in großem Leichtsinn geboren sind. (Stürmische andauernde Heiterkeit), die den Leichtsinn mit auf die Welt ge­bracht haben. (Sehr richtig!) (Erneute Heiterkeit.) Meine Herren, Sie werden mir doch zugeben, der eine ist leichtsinniger, ber andere weniger leichtsinnig. Die Herren, die schon errte Portion Leichtsinn mitgebracht haben, sind der Verführung leichter zugänglich, und diese Verführung tritt überall an sie heran. Jeder hat seinen Moment gehabt, wo er einmal, wenn er links gegangen wäre, nicht auf den Platz gekommen wäre, wo er jetzt sitzt- (-2^9^ richtig!) Derartige Elemente sind es immer, und leider wird auch das Arrangement ihrer Verhältnisse, sie nicht immer vor er­neutem Straucheln bewahren. Wir müssen aber dieser Frage, nachdem wiederum mehrere Prozesse gespielt, und erneut ber Ab­grund vor uns aufgetaucht ist, größte Aufmerksamkeit zuwenden. Dann wurde erwähnt, es fei in Amsterdam eine große Spielhölle und es führen dorthin in ihren Musestunden die Offiziere aus Köln, Aacken und Duisburg und anderen Garnisonen nahe: ber Grenze und hätten ihr Geld dort gelassen. Wir haben der Rich­tigkeit dieser Behauptung nackgesorscht, sie hat sich als falich er­wiesen. Ein einzelner Offizier mag ja da gewesen sein, aber daß mehrere, aus einmal fünf, zehn, hinübergefahren Kien, um

tagt er u. a.:Uns aber bietet gerade die disziplinarische Gewalt­ausübung wegen der im System begründen Notwendigkeit wie wenig diese Notwendigkeit im System b^ründet ist, habe ich "k1 reits dargelegt ein ausgezeichnetes MÄel, den Militarismus gründlich und höchst erfolgreich zu bekämpfen, das KlrHsenbewußt- ein aufzureizen." Wenn das richtig ist, dann müßte man an-

,<ehmen, daß diese Beschwerde über die Soldatenmißhandlungen von den Sozialdemokraten weniger deshalb vorgebracht r*ürbcn, um Abhilfe zu schaffen, als um eine gehörige Agitation ch ^militaristi­scher Art in Gang zu halten. (Widerspruch und Zurufe bei den Soz.) Wenn Sie eine derartige Politik nicht machen wollen, dann bekämpfen Sie berartige Ausführungen und derartige Bücher! (Abg. Bebel ruft: Haben wir auf dem Parteitag getan! Un- uhc.) Dann setzen Sie es mit Erfolg fort! (Große Heiterkeit.)

Dann wurde über die Behandlung der zur Kontrollver- a m m l u n g einberusenen Mannschaften geklagt, ich kenne den all nicht so, wie er hier vorgeführt ist, namentlich nicht die .Kon- 'guenz, die die Redner hier daraus gezogen haben. Tie Dar­legungen in meinen Akten sind ettvaS anders. Ich werde aber die ^.ache noch einmal untersuchen lassen. Eins ist indes sicher, näm- ,.ck, daß der Betreffende selbst bei der Kontrollversammlung sich nicht so verhalten hat, wie man es von ihm hätte erwarten können.

(Lacken links.) Sie lachen! Der Mann ist Ersatzresexvist, er bat

Aeibenb fft ttiSTtfe «Baffe, entscheidend ist der Geist ber Armee. Ganz recht! Aber ber Geist ber Armee wirb am allermeisten ge­wahrt burch Gerechtigkeit unb strenge Rechtlichkeit. In diesem Sinne bitte ich, unfern Antrag auf Reform des Beschwerderechts anzunehmen (Beifall links).

Abg. Dr. Liebermann von Sonnenberg (Antis.):

Unser Heer steht zweifellos auf einer unübertroffenen Höhe in Europa und auf ber Welt. Das merkt man immer toieber aus

Urteil be§ Auslandes. Redner befürwortet hier aus seinen Antrag auf Einstellung von einjährig-freiwilligen Zahnärzten. 2)a§ jetzige System wurde in einem Kriege vollständig versagen. Die Engländer sollen im Burenkriege mehr Soldaten durch Zahn- krankheiten als durch die Kugeln verloren haben. Eng­land hat die Folgerungen aus dem Kriege gezogen. Warum sollen wir von England nicht lernen? Auf ber Expedition nach Ostasien haben wir auch schon Zahnarzte angestellt. Diese haben 1459 Mann untersucht, davon hatten ein tadelloses Gebiß nur 44 Mann und es ergaben sich 10 196 kariöse Zähne, von denen 7500 noch zu retten waren. Damit die Zahnpflege weiter fortschreitet, bitte ich unseren Antrag anzunehmen. Wenn jetzt so­viel von den Anfeindungen Deutschlands geiprochen wird, so meine ich: Das beste ist: die anderen Nationen lassen uns in Frieden; sonst werden sie eben unsere eiserne Faust spüren. (Beifall.)

Kriegsminister v. Einem:

Auf die Frage der Erhöhung b er Löhnung will ich heute nickt weiter eingehen. Sie wird in ben nächsten Jahren gelöst werden müssen. In der Zahnpflege ist schon in innerer Armee viel gescheh en. Nach dem interessanten Vortrage des Vorredners könnte man allerdings beinahe anderer Meinung fein. Vielleicht ist auck der Generalstabsarzt der Armee anderer Meinung, jedenfalls werden wir an ber Hanb ber Daten bie gestellten Anträge ein­gehend prüfen. Ich möchte aber dabei auf einen Kongreß der Zahnärzte Deutschlands Hinweisen, dort hat der Zahnarzt Schester ausgeführt, daß der Erlaß des Kriegsministers vom Jahre 1902 auf die Zahnpflege in _ ber beul'cken Armee so günstig eingewirkt habe, baß gegenwärtig Deutschland in der Zahnpflege feiner Mannschaften an der Spitze der Kultur marschiere. Wir haben also bereits im Jahre 1902 uns um die Zahn­pflege bemüht und in der letzten Zeit sind wiederum eingehende Ver­fügungen darüber erlaßen, bie dieses Gebiet neu regeln sollen, welches für bie Gesunbheit bet Armee so überaus wichtig ist. Wir haben m den verschiedenen größeren Lazaretten und an anderen geeigneten Stellen zahntechniich ausgebildete Aerzte. Es ist auf bie Zahnpflege im Kriege unb ihre Notwendigkeit hingewiesen. Dieser Meinung find auch wir. Wir haben für alle unsere Kriegsformationen Zahn­ärzte eingestellt. Aber, wie gesagt, es soll geprüit werben, ob und was auf bieicm Gebiet noch weiter zu geschehen hat. Diese Ver-

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(Beifall.)

Herr Bebel hat von einer Verkürzung der Dienst­zeit gesprochen. Ich Hobe vor einiger Zeit mit einem sehr hohen schweizerischen Offizier gesprochen; ber sagte mir, er wäre der Meinung, daß sich doch nach und nach die Tendenz zu einer Ver- kürzung der Dienstzeit herausbilde, und man könne das auch, wefl sich ja überall die Notwendigkeit eines starken Heeres zeige unb auch jeder, der zum Heere eingezogen werde, sich bewußt sei, daß er im Interesse seines "Vaterlandes sich dem Heere unb seiner Disziplin zu unterwerfen habe. Ja, das mag richtig fein; aber wenn Sie das wollen, bie Herren von der sozialdemokratischen Partei, dann, nehmen Sie es mir nicht übel, tun Sie doch eigentlich alles, was in Ihren Kräften steht, um dagegen zu wirken. (Sehr wahr! rechts. Sozialdemokratischer Zuruf: umgekehrt!) Nein, nicht umgekehrt, Herr Abgeordneter, verzeihen Sie mir! Sie leugnen die Not- Wendigkeit dieses Heeres. (Bebel: Nein, niemals!) _ Wer, meine Herren, bann müssen Sie nicht immer imVorwärts" unb in den Broschüren schreiben: Der Zukunftsstaat ist ber Friedens­staat, da brauchen wir gar keine Armee! (Lebhafte Zurufe Bebels.) Ist ja bann gar nicht nottoenbig! Sie leugnen also tatsächlich bie Notwendigkeit eines starken Heeres, _unb Sie machen es denjenigen, die eingezogen werden, ganz unerhört schwer, sich willig der Dis­ziplin zu fügen. (Sehr wahr!)

Denn Sie haben auf allen Ihre« Parteitagen ben Beschluß gefaßt, dahin zu wirken, daß denjenigen, die einberufen werden, bie Dienstzeit verekelt werde. (Erregter Widerspruch Bebels und seiner Parteigenossen. Zusfimmung rechts.) Sie können ja nach­her noch reden. (Bebel ruft: Wo steht ba5?) Das steht in Ihrem Parteiprotokoll. (Bebel: Wo denn?) Das steht in diesem schönen Buche, das ich hier habe, ausgeführt. Sie haben es überall beschlossen; wenn Sie es widerlegen, so wird es niemand lieber fein wie mir. Wer es steht schwarz auf weiß. (Fortwährende Unterbrechungen durch die Soz. Glocke des Präsidenten.) Herr Bebel hat gesagt, ber Antrag auf höhere Löhne sei gestellt .damit dem Mann das unangenehme widerwärtige Gefühl, in die Kaserne zu müssen genommen wird. (Bebel ruft: Daß er nicht Not leidet!) Der stenographische Bericht wird ja das ergeben. Mir ist cs eine sehr angenehme Bemerkung gewesen, daß auch Sie der Meinung sind, ber Soldat solle nicht mit Widerwillen tn die Armee. Der Soldat braucht, wenn er seine schweren Pflichten erfüllen soll, den besten Willen von ber Welt. Er braucht gute Behanblung. Ich glaube, die hat er bei un8. (Lebhafte Zustimmung. Widerspruch bei den Soz.) Eine gute Sorge hat er bei uns, bei allen seinen Vorgesetzten.

In biefer Beziehung stehen wir hinter keiner Armee ht bet Welt zurück. Jeder von Ihnen dort drüben, der in der Armee gedient hat, muß ehrlich bekennen, eS herrscht eine Sorge für bafl leibliche Wohl der Untergebenen in unserer Armee, bte unüber, troffen basteht. (Lebhafte Zustimmung.) Also, wenn Sie nicht bloß burch ben Antrag zu höheren Löhnen, wenn Sie überhaupt dafür sind, daß der Soldat keinen Widerwillen haben sc>ll, dann sagen Sie nicht immer: Du bist ein Sklave in ber Sa ferne 1 Sonbern sagen Sie: Du gehst in bie Kaserne, um bie höchste Pflicht eines Staatsbürgers zu erfüllen, um das Vaterland zu ver- teibigen. (Lebhafter Beifall.) Wenn das geschieht, dann wird man mit Ihnen reden können, bis dahin aber nicht. (Lebhafter Beifall.)

Abg. von Siebert (ReichSp.)

tritt unter lebhafter Unruhe bes HauseS für eine Aufbesserung ber schiebener Militärbeamter: wie Lazarei-Beamten, Sekretäre bei Remontebepots, Verwaltungsschreiber usw. ein, unb verteidigt unser Qffizierkorps gegen bie Angriffe bet Sozlalbemokraten. Unser Offizierkorps steht in ber ganzen Welt unerreicht ba, bas geben selbst bie Auslänber zu. Ein hoher ausländischer Offner hat mir gesagt, baß ber Geist unserer Armee, bie Hingebung unseres Offizierkorps geradezu ideal fei. Und dieses gibt uns auch die Gewißheit, baß wir siegen werben, wenn bie Notwendigkeit an uns herantritt. Dies sage ick ganz ausdrücklich von dieser Stelle auS, damit bas NuSlanb es hört. Was nun bie Mißhandlungen anlangt, so habe ich, so lange ich Offizier war, ben Grundsatz verfolgt, baß eS feige sei, einen Mann zu miß- hanbeln, ber sich nickt berteibtgen kann. Ich habe diesen Grund­satz auch meinen Untergebenen in aller Deutlichkeit beigebracht. Doch gibt es noch eine Ursache für bie Mißhanblungen, unb das sind bie Irrlehren ber Sozialbemokratie, bie ein Rowby- tum großziehen. Wir lesen ja alle Tage von Roh­heiten, bie in ben Familien Vorkommen, da ist es kein Wunber, baß bie Roheiten im Volke baS Volk in Waffen ab­härten. Deshalb bekämpfen wir auch bie Solbatenmißhandlungen, inbem wir bie Irrlehren ber Sozialdemokratie bekämpfen. (Beifall rechts.)

Bayerischer Oberst von Gebsattel:

Der Abg. Erzberger hat einen Unterschieb zwischen ben preußi­schen unb ben bayerischen Offizieren gemacht. (Lebhafter Wider­spruch.) Ich habe ben Einbruck auch nicht gehabt, bei anberen Herren soll er aber erweckt sein. Wenn mir nun bestätigt wird, daß Herr Erzberger diesen Unterschied nicht gemacht hat, dann habe ich nichts weiter zu sagen.

Abg. Bindewald (Antis.)

spricht seine Freude darüber au5, daß die Umtoaffnung unserer Armee vollzogen sei. Unsere Armee müßte die besten Waffen haben. Unsere Absichten seien friedlich, würden aber leider jetzt von gewißer Seite, namentlich von unserem Freund Eduard, durchkreuzt. Wie England gegen uns gesinnt fei, haben wir 1870 gesehen. Seine Freunde würden alles bewilligen, waS zum Schutze des Vaterlandes nötig sei, wünschten jedoch,.baß bie kleinen Garnisonen nach Möglichkeit beibehalten würden.

Kriegsminister von Einem

führt aus, baß er nach Möglichkeit bie Wünsche der kleinen Städte berücksichtigen würbe.

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