leitungen, die er bedient, der-
Gemeüisinn, der das Theater schuf, der Kunst zum Leben, insbesondere auf die Menschen, uni am Schluß Achtung zu erinnern, die sich
dabei werden, wenn man diese Art der Behandlung von Zeugen sieht. — Ter Vorsitzende teilt dann mit, daß an das Gericht zahlreiche Zuschriften gelangt sind. — Ein Anonymus erklärt, er sei der Täter, er werde sprechen, wenn er sich in Sicherheit gebracht habe. Ein Telegramm besagt Aehnliches.
Verteidiger: Ich 6Ute noch einmal, den Zeugen Referendar Lenk über fein Wilsen zu vernehmen. — Angekl.: Ich bitte, es nicht zu tun. Lenk weiß nichts mehr.
Vvrs.: Ter Angeklagte kann ja selbst Auskunft geben.
Verleid.: Ich bitte, festzustellen, daß die Ehefrau des Hau seit der Geburt des Kindes krank war und daß dec Angeklagte seit 1903 keinerlei geschlechtlichen Umgang mit ihr hatte. — Angekl.: Ich widersetze mich diesem Anttag. — Verleid.: Ich muß dem Wunsche des Angeklagten widersprechen.
Vorfa (zu Hau) Besaß Ihre Frau ein Frauenleiden und mußten £>ie Zurückhaltung üben? — Angekl. (mit erstickender Stimme): Ja.
Verteid.: Ich stelle nun fest, daß eine Verletzung bei der Geburt die Ursache des Leidens ist und nicht etwa eine Infizierung durch den Angeklagten, wie die Anklageschrift behauptet.
Ter Staatsanwalt erklärt, daß er schon bei dem Tode Frau Hau's gesagt habe, daß er auf diese Beschuldigung nicht mehr zurückkommen werde.
mit, daß er gegen
.. , . _____ -ergehens gegen8 17
des Preßgesetzes erstattet habe.
Vors.: Wieso fühlten Sie sich dazu veranlaßt? — Zeuge: Ter Staatsanwalt stellt mit großem Eifer Strafanträge gegen Journalisten. Tann kann auch ein Journalist ihn denunzieren.
Staatsanwalt: Werden L>ie für Ihre Berichte nicht von einem Mitgliede der Familie Hau bezahlt? — Zeuge: Es ist unglaublich, so etwas zu behaupten. — Verleid.: Man kann krank
Vors.: Was haben Sie am Mordtage gemacht? Zeuge: Ich brachte das Gepäck von Fräulein Fanny Molitor nach der Bahn. Um 3/i6 Uhr oder 6 Uhr ging ich von dort zum Stellenvermittler, in ein Warenhaus und daun zum Fleischer und schließ^- lich nach Hause. — Vorsitzender: Wann waren Sie am Bahnhofs — Zeuge Wieland: Vielleicht kurz nach Uhr. Ich stellte das Gepäck in^das Coupö und ging dann wieder fort. — Bors. : Was hatten Sie an? — Zeuge: Eine blaue Nocklivree mit Metallknöpsen wnb eine Tienermütze. — Vors.: Wohin gingen Sie dann? — Zeuge: Ich ging die Kaiser-Wilhelmpraße herauf und iah viele Leute. Ich fragte, was los sei. Man sagte mir, p-rau Moliwr sei erscyosie« worden. Ich wollte eilig hin und stieg über einen kleinen Gitterzaun, wobei ich mir die Hose zerriß. Tann ging ich in die Villa Helena und fand dort die Leiche. — Vorp: Kannten Sie Hau? Zeuge: Ja.— Vors.: Haben Sie etwas Verdächtiges um die Villa herum bemerkt? — Zeuge: Nein — Vorf.:- Sie wissen nicht, wer der Täter ist? — Zeuge: Nein — Vors.: Sie haben sich nicht absichtlich versteckt? — Zeuge: Durchaus nicht. — Vors.: Sie haben mit dieser Mordtat weder direkt noch indirekt etwas zu tun? Sie wissen absolut nichts? — Zeuge: Nein. — Vors.: Haben Sie gegen Frau Molitor Nachegedanken gehabt? — Zeuge: Keine. — Vors.: Ter Angeklagte hält den Diener Wielano nicht für den Täter? —Angekl • Nein.
Tarauf wird der Zeuge vereidigt.
Ter Vorsitzende teilt mit, daß der Zeuge Lenk nicht zu finden sei.
Weihegiuß, feiert den behandelt die Beziehungen die Wirkung des Theaters an die Erfolge und die
Halle und die brellen Gänge und ergießt sich m den lchimmern- den Saal. Vom Plafond rieselts und strömt es von Fluten des Lichtes. Zwei chromatische Kränze, legen sich die beiden Ränge um die Runde, und ebenso schlmmerts im Parkett von leuchtenden Farben.
„Der schönste Schmuck des Theaters ist das festliche Publikum", sagt Semper; ja, aber nicht nur der Schmuck, auch die Seele, von der Leben, Licht und Inhalt aus- strömt.
Und diese Seele teilt sich dem ganzen Festhause mit Mes glänzt und strahlt und leuchtet hinüber und herüber. Loch der 1600 Menschenaugen Freudenlicht eint sich schließlich im Anblick des farbenfreudigen Vorhangs. Er ist von Hans Koberstein gemalt und vom Künstler dem Gießenei: Stadttheater als Spende dargebracht. Eine ivohl einzig in ihrer Art dastehende Mumsizenz, die um so höher zu preisen sich nahezu das gesamte Gießener Publikum angelegen sein läßt, als das Werk seinen vollsten Beifall findet. Er stellt „das Mädchen aus der Fremde" dar. Das süße, liebliche Geschöpf in luftigem weißem Gewände reicht feine schwellenden und duftigen Gaben allen auf lichter blühender Au um sie Vec- sammelten. Eine reizende malerische Verkörperung des schönen Lchillerschen Gedankens von der Macht der Poesie. Das Kunstwerk sttahlt eine sonnig heitere, glückliche Stimmung aus.
Und nun rauschen aus der Tiefe des verborgenen Orchesters die Klänge der Weberschen Jubelouvertüre, nicht, wie das Programm verkündete, der „Weihe des Hauses" von Beethoven zur Höhe. Als sie verklungen sind, erhebt sich in der Stadtratsloge, m der man auch den Ehrenbürger Gießens, Se. Exzellenz Finanzminisler Dr. Gnauth, sitzen sieht, del Oberbürgermeister. Er preist ui langer Rede das neue Werk und seine Meister und dankt allen, die am Werke tätig waren bis hinab zum letzten Arbeiter. — Und dann steigt der Vorhang. Frl. Riza Bajor aus Köln spricht mit ihrer Kehle tiefem Wohllaut warm beseelt, luenn auch mit etwas tragischerem Tonfall, als hier angebracht, einen Prolog, gedichtet vom heimischen Poeten Alfred Bock. Die in
freien Rhythmen gestaltete, nur in ihrem zweiten Teil gereimte Dichtung knüpft an das Standbild des Apollo auf dem Theater an, bringt der Thalia ~
Verleid.: Ich falle feg, baß Frau Hau dem sie in München behandelnden Arzt Prost Tr. Klein ausdrücklich verboten hat, über chr Leiben Auslagen zu machen und daß trotzdem der Staatsanwalt den Versuch gemacht hat, den Professor Klein zu einer Aussage zu bewegen. Tas kann eine strafbare Anstiftung fein, die mit Gefängnis bestriaft wird. Prof. Tr. Klein hat feine Auslage, wie er muß, versagt. Ich halte den Beweis gegen dm Staatsanwalt für geführt. Tie Situation in diesem Pro- seß ändert sich fortwährend. Ich stelle den Anttag, den Frhr v. Secrendorsf zu laden. Ter Staatsanwalt hat behauptet, dieser habe ihm erzählt, Herr Schweder habe fein Material von Dr. Tietz erhalten. Ich erhalte eben einen Brief des Fr hm von Seckendorfs, worin er mir mitteilt, baß diese Behauptung des Staatsanwalts unwahr ist. — Tas Gericht beschloß, die Ladung des rzrhrii. v. Reckendorfs äbzulehnen.
Ten Geschworenen wurden dann verschiedene Photographien Urkunden u,w. vorgelegt. Verschiedene Urkunden über bas Vermögen der Familie Molitor sollen verlesen werden
Vor,.: T>as Geiamtvermögen betrug 947 202 38 Mk Auf jedes Kind kommen also 135 314.63 Mk. Ter Anaeklaäte bat mLk.d000. Mk. erhalte«. Er hatte insgesamt" ema noch 70 000 Mk. zu bekommen.
Ter Verteidiger ftegt bann urkundlich fest, daß Hau >vvhl den Mgeblichen Verlust 'W Schecks meldete, daß er aber Lrnerlci Äderung stellte, Tie Bank teilt s, Zt, Hau mit, daß Hau den Verlust werde tragen müssen. In einem Telegramm erklärte der Angrlsagte day er wisse, daß er den Schaden zu tragen habe. Die Sache ist alw genau umgekehrt, als die EManwattstchatt angenommen hat. — Im Anschluß an die
Verteid.: Es heißt, er will sich verstecken, um nicht aussaqen zu müssen. Rechtsanwalt Vögele: Ich habe mit Herrn Lenk gebrochen. _ Zch haoe ihm geraten, nicht vor Gericht zu erscheinen, wett er seine Auslagen gemacht habe und weil er weiter nichts sage« werde, trotz der Zwangshaft. — Vors.: Wissen Sie sein Versteck? — Zeuge: Es handelt sich um kein Versteck. Das Amtsgeheimnis zwingt «iich, die Adresse nicht anzugeben.
Zum Schlüsse tritt noch Journalist Schweder vor und erklärt: Er habe die Frage des Staatsanwalts, ob er für seine Berichte von der Familie Hau bezahlt werde, vorhin in ihrer beleidigenden Art nicht erfaßt. Erst nach Rücksprache mit dem anwesenden Ehefredakteur der ,/Bad. Prepe", Herzog und dem Chefredakteur des^RhE^ Kur, st Röder aus Wiesoaden, sei er auf den lieferen
Die CröftttUttgsvorsteüung.
_ Die prachtvollen alten Kastanienbäunie des ehemaligen Lchüler'fchen Gartens am Neuenweg neigen ihre Wipfel zusammen und schütteln die unzähligen Blätter. Durch die ckkacht geht ihr leises verwundertes Rauschen. Denn aus den prachtvollen Fensiern des neuen Hauses schießen die Strahlen weit hinaus auf die Straßen und Anlagen ringsum und triumphieren über Abenddunkel und Baumesschatten mit festlichem Glanze.
Wie eine Schlange wand sich der Zag der Wagen unter ben -bäumen hervor, schillerte von Seide und Spitzen und roiiger Haut, und schlangelte sich ichwarz wieder die Rampe huiab. r
Flut der eilenden Menschen treibt durch die Vor-
warmtömgen Raume, m dieser Symphonie von mildem Rot, in diesem reichen und doch geschmackvoll abgedäinpften Ltlcht, das aus dem Lichtring von dem mit seinen groß- schnörkligen Goldwindungen freilich nicht ganz im Einklänge tnit der sonstigen vornehm ruhigen Musterung stehenden Plafond hernieüerflutet. Nicht an das schlichte bürgerliche Schauspiel vom Ausgange des vorigen Jahrhunderts, aiich nicht an die großen heroischen Tragödien des Altertums oder die grandiosen historischen Staatsaktionen Schillers schließt sich wesensähnlich dieser Rauni. Es >oill mir viel- mehr scheinen, als ginge von ihni au§ so etwas wie ein Hauch unserer nun auch in der drainatischen Kunst anhebenden Neocomantik, die freilich das rechte charakteristische Gepräge und vor allem den national deutschen Untergrund unter sich noch mcht gefunden hat. Doch die Stimmung für „die Braut von Messma" oder die .Iphigenie" zu wecken scheint er mir sehr wohl berufen. Und Goethe oder Schiller, Shakespeare oder Sophokles erzeugen ja auch selbst die Stiiiimung, deren sie bedürfen, während unsere Jüngeren viel mehr den Stimmungsanreizen untertan sind, der Hülfe der anderen Künste.
s raöeu beider Ränge, die die Reliefporträts unjerer größten drarnatifchen und Tondichter tragen, drängt sich im ersten Rang das Purpurrot zweier sich gegenüberliegenden Logen, hinter denen übrigens im Wandekgange zwischen den Garderobeständen kleine vornehme mit hellblauen Plüsch- iafas ansgestattele salonartige Plauderecken sich befinden. Von den einen offiziellen Eindruck machenden Proszeniumslogen wird die vom Zuschauer aus links im ersten Rang legende durch das in leuchtenden Farben gemalte großh. hessische Wappen als Hofloge gekennzeichnet; die Bestimmung der rechts als Bürgermeisterei- und Stadtratsloge erkennt man aus dem Gießener Stadtwappen. Parkett und zweiter Rang iveisen gleichfalls hübsch und bequem eingerichtete Logen auf. Allenthalben haben die Sitze die nötige Breite und bequeme Armstützen und vor jedem befinden sich Tablettchen zur Niederlegung des Opernglases.
Eine weitere Annehmlichkeit des Gießener Schauspielhauses, die m iedeni Theater vorhanden sein sollte, in den meisten aber sehlt (das neue Breslauer Schauspielhaus bildet nächst dem unseren die einzige mir bekannte Ausnahme) ist der Umstand, daß erstens alle 802, oder wenn man die durch die Versenkung des Orchesters niüheloS 311 gewinnenden Zwei weiteren Sitzreihen mitrechnet, 833 Plätze Sitzplätze sind, und zweitens, daß fast von jedem Platze im hufeisenförmigen Raume die Bühne ganz übersehen werden kann. Auch Säulen hindern den freien Ausblick nicht, denn die breiten Ausladungen der beiden Ränge werden nicht gestützl; bei der Festigkeit des als Baumaterial verwandten Eisenbetons ist das nicht nötig gewesen.
In diesem weiten runden Raume gegenüber deni geheimnisvollen Reiche des Scheins hinter dein Vorhang soll sich nun an den meisten Winterabenden eine Flut blendender Helle auf Hunderte bunter Toiletten ergießen, hier soll der merk- würdigste Jnslrumentallörper, das Publikum, die im ganzen unt) großen sich zwar stets ziemlich gleich bleibende, aber in ihren Einzelheiten doch so variable Plauschsymphome spielen. Bei Tage wird Stille in diesem Raume herrschen. Zn stumpfer Dämmerung und gähnender Oede wird er da liegen, nur hier und dort wird sich ein weibliches Wesen mit Besen bewegen, dem die Reinigung anvertraut ist.
Welche Gegensätze auch hier im Heime Thaliensj (Ein dritter Artikel folgt.)
Erörterung der Scheckaffäre erktätt Angekl. Hau: ~ '
liegt nach der Korrespondenz klar. Ich habe den Schaden auf mich genommen. Von einem Betrugsversuch kann also nicht die Rede sein. Jcb habe das Geld erhoben und dann von Baden-Baden un die Firma den Verlust des Kreditbriefes angezeigt. Ter Schaden mußte, wie mir die^Firmu mitteilte, auf meinen schultern bleiben.
Unter großer Spannung wird darauf der Zeuge Wieland aufgerufen. Allgemein fällt es auf, daß Wieland ein schlanker großer Monn i«, obgleich er von der Familie Molitor als klein hingeiiellt wurde. Er ist etwo so groß wie der Angeklagte und sieht mit seinem glltttrasierten Gesicht ihm etwas ähnlich. Ter Vorsitzende macht ihn besonders aus die Helligkeit des Eides aufmerksam.
Beuge Schweder: Herr Vorsitzender, cs handelt sich um meine Eixiienz, wen« es nur den leisesten Anschein haben konnte, als ob ico-beiiLch^ch sei. T,as ist der schlimmpe Vorwurf, den man einem Journaluren nmcyeii kann. Ich mttangc den Schutz des Gerichts gegen bieje kiULt/ietliuig. Unu er« ais oer Staalsauwall sie wieoerholte, tat ich die Aeugerung, deren cctjaqe ich bedauere In der Sache aoer bleioe ich bei meiner Au,fussung, well ich mich durch de« StaabS^nwatt aufs schwerfa gctcanft fühle. — Vors.: Sie teviaaedi a.so d.e Sa-är^ Ihrer Aeußeruug und geben an, sich vom Staatsanwatt aujS schwer,*.e ve.e^.gr zu fühlen' — Zeuge: Jawohl.
Tas Gerier äleht sich zur Teschlu'ßsassuug zurück und verkündet nach kurzer Beratung, daß der Zeuge wegen Ungebüb vor Gericht zu einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt sei.
Darauf tritt die Mittagspause ein.
Um 725 Uhr wird die ^ipung uei fast tropischer Hitze Wiede: eröffnet. Kutsiper Fviank aus Baden-Baden gibt an, daß v nichts davon weiß, daß der Tiener Wieland sich am sraglichen Tage seine Hosen zerr men habe. Am andern Tage aber sei Wielank zn ihm geEüimnen uno haoe zu ihm gesagt: „Tu hap doch gesehen datz meine Hosen zerrißen waren", was der Zeuge vernemle
Referendar Lent ijt noch nicht er,chlenen, um Beschluß über leine iiochmalige Vernehmung wiro vis zum Schluffe bet Beweisaufnahme zuruckgestellt.
Vert.: Der ruhenve '^ol in den Erscheinungen der Fluch! i,t das Delepyongeipruch, bas von 5.45 bis 5.4/ Uhr kauerte. H^ hat von der Po,t bis zu der Stelle wo u^eiirau v. Reitzenstein ihn sah, 1180 Pieter zuruckgelegt, Die er in 11 Minuten gemacht Hai
Freifrau von Reitzenirein wttd zur Klärung der Sach nochmals vernommen. Bors.: Wann, wo und wie haben Sie ben Angeklagten gesehen? Zeugin: Ich trug einen Brief zum Bries- Lauen. Auf dem Rückwege begegnete icy einem Mann, der mit unheimlich wsar. Ter Verteidiger fallt fest, daß die Angabc der Zeugin mit der des Angeklagten auf den ZenibNieter stimme dann tras die Zeugcn die Damen Molitor. Als sie ins Haus trat schlug es 6 Uhr. Hinter den Damen Ättlikor ging eiu Mann der kleiner war als der Angeklagte. Man sah, daß er den Sarney direkt folgte.
Es werden noch mehrere andere Zeugen zum zweiten Mal veriwmmen, die den Angeklagten an der betreffenden Stelle ge lehen haben.
Verteidiger: Hinter den Damen Molitor ging also ein älterer Herr mit graumeliertem Vollbart. Wo ist dieser ölte Herr' Es müssen doch Erhebungen nach ihm stattgefunden haben. Wrr hat nach den beiden anderen Herren, die gesehen wurden, geforscht ' — Polizeikommissar Bering er : Nach diesen beiden Herren ii nicht geurscht worden, da Frl. Olga Molitor sie nicht gesehen hat. Es har sich niemand gemeldet, obwohl in den Tageszeitungen Aufrufe erlassen wurden.
Es werden bann wieder Briese verlesen.
Nach dem Eheverttag vom 11. Mai 1907 des Angeklagten hat Hau auf alles Erbteil verzichtet.
Bert.: Er iß, also lein geldgieriger Räuber.
Ter Verteidiger beantragt, den Zeugen vorerst nicht zu vereidigen.
Staatsanwalt: Tie ganze Verhandlung hat nicht den ge- ringlten, Verdacht gegen den Zeugen ergeben.
Tas Gericht bejchloß, die Verewigung auszusetzen.
Vors.: Wlarum haben Sie Ihre letzte Adresse uns nicht angegeben? Zeuge: Ich hatte sie in Potsdam hinterlegt. Ich war von dort zu meinen Ettern gegangen und mußte annehmen, daß man ev. sich dort nach mir erkundigen würde. Meine Eltern kannte« meine neue Adresse. — Vorsitzender: Haben Sie davon gehört, in welcher Weise Ihr Name« mit der NUirdtat in Ver- vmduilg gebracht worden ijt? — Zeuge: Jawohl. Mein Herr zeigte es mir in einem Zeitungsbericht. Ich bat ihn darauf, fosort der ^laatsanwaltschast Mitteilung von memem Aufenthalt zu machen, um eventuell hier erscheinen zu können.
Ter Vvrfitzende kommt alsdann auf die Sache selbst: Sie waren bei Frau Molitor. Haben Sie über sie räsoniert? Zeuge: Ja, sie war ost heftig und aufgeregt. Aber gescholten habe ich nicht.
den Fall Hau habe sammeln lassen, da er über den Fall einen Artikel für die 250 deutschen Zeitungen, die er bedient, verfassen wollte. Tiefe Artikel seien wie immer je nach den Erklärungen des Staatsanwalts oder Verteidigers ausgesiebt worden, bis schließlich ein Material übrig blieb, das als authentisch gelten mußte, ha der Staatsanwalt es nicht angegriffen hatte. In Karlsruhe ging der Zeuge zur Redaktion der „Bad. Presse" und teilte dem dort anwesenden Redakteur Frhrn. v. Secken- borff mit, baß er nach feinem Material einen Vorbericht über den Fall Hau verfassen werbe. Von dem Verteidiger habe er kein Material erhalten. Zugleich teilt Zeuge 1 ' die Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Iße:
.. Rot herrscht hier, wie gesagt, vor. Rot sind
die Wände tapeziert und rot ist die Bekleidung der mahaqoni- artigen Sessel Wer das Innere zum ersten Aiale am Tage sah, den mutete dieses dunkle Rot wohl kühl und finster an den« die breiten grünen Streifen auf den ausgedehnten Flächen der roten Tapete wirkten fast grau, und das Rot der Tapete nahezu schwarz Erst d,e Beleuchtung stellte di- volle Harmonie her. Darum sollte man nte ein unbeleuchtetes Theater beurteilen Ohne Licht und obendrein noch ohne Vorstellung und ohne Zuhörerschaft gleicht es einem Etui, dem der Schmuck fei lt Seine Stimmung, ferne Wesensart, ferne Seele ist nur -u erkennen, wenn es von dem Leben erfüllt ist, für das man es schuft E,n Theaterbau am Tage .st so etwas wie ein Buchdrama. Es verhalt sich zum belebten Theater wie eine gefchnebene dicke Partitur zum rauschenden, seelebestrickenden Tonwerke wie d,e botanische Klassifikation zur leuchtenden, duftenden Blume. „Licht es ist der große Mittler zwischen Gott und z.vifchen Menschen", sagt Ptaten. So traf ichs denn gut, daß man bei meinem letzten Besuche des Theaters vor seiner Eröffnung gerade die Beleuchtung probierte. Als von der Decke und von allen Seiten gedämpftes, aber kräf- Uge» weißes Licht den weiten Raum durchstrahlte, da erst gewahrte ich die vornehme Farbentönung. In ruhiaer Harmonie verbindet sich mit der dominierenden roten Farbe das Rotbraun dec Holzte,le, und effektvoll steht zu ihr das gar reichüeh verwendete Gold sowie der leuchtende Glanz des ^,8,elMn,a^DOa« ^s-rve angebrachten Messingbeschlags und
zahlreichen Beleuchtungskörper. Längs der Wand oben lauft eine sehr diskret und fein getönte Friesborte. Das Pcoseemum hat eine überaus breite, in. E, allzu prunkende Goldumrahmung erhalten Tie zierliche Souffleurmuschel mitten >m unteren Kranzteile aber nimmt sich allerliebst aus. Ueber den obersten Logen fällt das in seinen geraden Linien vornehm und ruhig wirkende Rtuster angenehm auf. Die weiß.goldene Decke mit ihrem gewundenen Linienspiel bildet dazu eine seÜfame Antithese.
In die Weiße der Leiden goldornamentierten Ballust-
Und Thalia zieht, nach dec Einleitung zum dritten Akte von Wagners „Lohengrin", in ihren neuen Tempel em. Drei ihrer größten Priester deutscher Zunge sollen zu Worte tonunen. Wies ihm gebührt, Hal Goethe den Vortritt. „Dat Vorspiel auf dem Theater" aus „Faust". Wir sehe» em kleines Zimmer im Empiregeschmaek. Zum Dichter und der luftigen Person tritt der Theaterdircltor. Sie freche» ihren Part freilich recht hastig herunter. .Es kribbelt unS
. di- „Hessenkunst" unter Großherzog Ernft Ludwig über Deutschlands Grenzen hinaus errungen hat. Die schöne, über den Tag hinaus wertvolle Dichtung findet den ungeteilten lebhaften Beifall der versammelten Feslgesellschast. Leider waren Ihre König!. Hoheiten durch den Besuch eines indischen Fürsten verhindert, dem schönen Festabende beizuivohnen.
Tie^ Sach^ Si«n ver Tacye auTmernam worden, irr frage Darum Den StaaiL “ anwalt, ob er wirklich die Frage getan habe, ob der Zeuge Don
der Familie Hau bezahtt werde Tcr Staatsanwalt bejaht & da«, er die Frage in diesem -sinne gestellt habe. Zeuge: Sann verlange ich den Schutz des Gerichts. Ser Vorsitzende blättert in feinen Notizen. Ser Zeuge fragt nochmals: „Also Herr Staatsanwalt, xsie halten viele Fwage aufrecht." Sief er nickt. Sami erklärt der Zeuge mit erhobener Stimme: „S>ann erkläre ich, bna durch diese Frage die gesamte deutsche Presse und die gesamter Berufskollegen beleidigt find. Dagegen muß entschieden Wahrung eingelegt werden. Sie Frage des Staatsanwalts iß eine niederträchtige JnMmie.
Vorsitzender: Wie tonne« Sie es wage«, so etwas zu sagen? Sas Gericht zieht sich zur Beschlußfassung zurück und et- scheint er,l nach längerer Beratung wieder.
Es hat das Gericht beschlofie«, de« Zeugen Schweder noti einmal zu hören. — Bors.: Wie konnten Sie sich so etwas herausnehmen?


