(Unberechtigter '
erboten.)
Angekl.: Ich habe Wieland
klagte hat das nie behauptet.
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Foyer empor.
S. u. H. Karlsruhe, 22. Juli. Fünfter Tag. (Vormittags-Sitzung.)
Der Angeklagte hatte vor der Verhandlung noch eine längere Unterredung mit dem Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Eller.
Ter Gerichtshof stellte die Geduld der Prozeßbeteiligteil auf eine harte Probe. Mit dreiviertelstündiger Verspätung erschien er im Gerichtssaale.
Vors.: Es sind noch einige Zeugen geladen worden. — Staatsanwalt: Ich habe erklären, daß ich den Diener Wieland geladen habe. Ich habe von seinem jetzigen Tienscherrir auf einem Gut bei Kiel gehört, daß sich Wieland dort befindet. Er ist telegraphisch geladen worden und wird um 12 Uhr erscheinen.
Verteidiger: Mir ist natürlich die Anwesenheit des Zeugen höchst erwünscht. Mit der Täterschaft har er freilich nichts zu tun. — Ein Beisitzer ruft halblaut: Der Angeklagte hat das aber behauptet. — Verteidiger: Tas ist unwahr. Der Ange-
Gesichtskreis Sie in Erstaunen versetzen würde. Wer weiß übrigens, ob wir in fünfzig Jahren, wenn wir einmal wohlhabend geworden sind, nicht wieder das Volk der Künstler und Philo- sophen werden, das wir einmal waren! Die Geschichte der geistigen Entwickelung der Völker folgt wie das Meer, dessen Rauschen wir hier vernehmen, den Gesetzen von Ebbe und Flut/'
Zum Schluß kam man auf die Küche zu sprechen. Die Gerichte, die wir aßen, waren vorzüglich zubereitet, sie waren das Werk eines französischen Kochs, des Herrn „Misöre". „Diesen Spitznamen hat ihm der Kaiser gegeben," sagte der Fürst. „Sie kennen diese Geschichte? Wir waren rn Italien, und er war schon viele Jahre in unseren Diensten. Da kam eines Tages die Nachricht, daß ich zur Leitung des Auswärtigen Arntes nach Berlin berufen sei. Ich ließ mir den braven Mann kommen und sagte ihm, daß wir Rom verlassen und nach Berlin Übersiedeln müßten, und daß unser neues Heim im ganzen und die Küche im besonderen kleiner sein würden als die des Palazzo Caffarelli; hierauf fragte ich ihn, ob er mit uns gehen wolle. Er bat um eine halbstündige Bedenkzeit. Dann kam er und sagte mit rührender Einfalt: „Ich habe reiflich überlegt und bin entschlossen, mit Ihnen zu ziehen. Wenn man eine so gute Herrschaft hat, wäre es unrecht, sie zu verlassen, wenn sie in's Elend gerät. („Quand ils tombent dans la misöre.") Als ich dem Kaiser 'diese Geschichte erzählte, lachte er aus vollem Halse; seither nennt er meinen Koch „Monsieur Misöre". Vor zwei Jahren hat ihm der Kaiser übigens eine goldene Uhr mit einer sehr schönen Kette geschenkt."
Der Fürst kam dann darauf zu sprechen, wie eigenartig der deutsche Charakter sei, und wie er trotz allem an der Tradition festhalte. „Welcher Unterschied mit Frankreich!" sagte der Fürst. „Bei Ihnen hat der Konvent, der doch immerhin eine große Sache war, mit einem Schlage alles gleich gemacht und verfügt, daß von dem alten Gebäude nichts stehen bleiben dürfe. In Deutschland hingegen hatten wir nie eine richtige Revolution; das wäre dem deutschen Geiste entgegen. Sie sehen auch jetzt noch neben Mecklenburg, das feudaler ist als irgend ein Staat im siebzehnten Jahrhundert und keine Konstitution haben will, die Republik Hamburg. Jeder strebt danach, sich nach seinen Gefühlen und nach seiner Tradition zu entwickeln.
Als es sich im Jahre 1867 oder 68 in dem Herzogtum Lauenburg, das damals höchstens 60 000 Einwohner hatte, darum handelte, eine neue Währung einzuführen, sagte Bismarck zu dem herzoglichen Minister: „Wollet: Sie den durchaus eine Revolution?" Vergleichen Sie solche Dinge mit der französischen Anschauungsweise und denken Sie an die Leichtigkeit, mit der man einen französischen Staatsbeamten von Brest nach Carpen- tras, von Arles nach Guingamp versetzt, ohne daß sich irgend ein Widerstand geltend macht.
Hier bei uns wünscht man, daß jeder Staatsbeamte aus der Gegend stamme, in der er Dienst tut, oder daß er zum mindesten Land und Leute aufs genaueste kenne. Bismarck
Was uns hier zunächst überrascht, ja geradezu überwältigt in seiner ganz unerwarteten, ilaunenswürdigen Schönheit, das sind die Kunstverglajungen der Fenster. Gleich wundervollen, graziösen jpitzenartigen Geweben von feinstein modernem Geschmack üben sie eine höchst entzückende Wirkung aus von so aparter Art, daß eine Steigerung der exquisiten Schönheit sich kaum ausdenken läßt. Ueberhaupt gehören sämtliche übrigens von der Darmstädter Firma Benz u. Na st ausgeführten Kunstglaserarbeiten des Hauses zu seinen hervorragendsten Sehenswürdigkeiten, jo z. B. die in ihrer schwungvollen Musterung wunderhübschen Treppenfelister 2C. 2C. Von großer Vornehmheit und ruhiger Eleganz ist auch der riesige, vielteilige, von der Decke herabhängende blendende und blitzende Glaslüster, der dem in seiner Ornamentik etwas unruhigen Plafond 311 höchstem Vorteil gereicht und dem ganzen Raume die Harmonie verleiht. Im übrigen ist dieser als Erfrischunge- und Wandelraum dienende Saal daL Hauptrepräsentationsstück des ganzen Hauses. Außerordentlichen Prunk trägt er zur Schau. Vier Pfeiler von feinpoliertem altgrünem Kunstmarmor mit rot-weiß geaderten Sockeln teilen ihn von der Rotunde ab. Die hübschen Armleuchter an ihrer Innenseite, mildern ein wenig ihre kompakte Massig- keit. Im Ganzen herrscht hier wohl eine zu große Buntheit vor, aber alles Einzelne trägt den Charakter des Gediegenen, Kostbaren, Prachtvollen. Die beiden Marmorkamine aus edlem Skyros mit ihrem strotzenden Bronzepanzer, die Spiegeleinlagen, die starken und trutzigen Pilaster neben den Fenstern und manches andere noch verleihen dem Saale vielfache Reize. In dunklen Grundtönen gehalten, wirkt ec namentlich durch die Menge seiner allenthalben an Simsen, Leisten und Rahmen 2c. angebrachten imitierten Metallsüllungen, diirch seine außerordentliche Farbenfreudigkeit überaus üppig.
Für das gejamte Publikum am interessantesten aber ist natürlich der Zufchauerraum unseres im ganzen unendlich anmuienden, teilweise mit geradezu verschwenderischer, nur selten aufdringlicher Kunst ausgestatteten Heimes der Bühnendichtung. Wenn nicht schon in den übrigen Räumen, so erhält man hier den Eindruck: es ist kein Huppenheiin, um einen neuklassischen Ausdruck zu n.. j(on, in seinen Formen und Farben; einzig v gleicht nur, wenn man mit Grotzsiadtmaßen mißt. Man fühlt sich wohltuend angeheunelt in diesem
nie als den Täter hingestellt. Er hat mir den Eindruck eines harmlosen beschränkten Menschen gemacht.
Verteid.: Ich stelle fest, daß der Artikel in der „Badischen Presse", der damit beginnt: „Seitens der Großh. Staatsanwaltschaft wird uns geschrieben", und worin cs fett gedruckt heißt: „Hau stellt die Schuld nicht in Abrede", und ivorin weiter gesagt wird, die Sache sei gar nicht so mysteriös, entweder vom Staatsanwalt, oder aus seinem Bureau gekommen ist. — Staatsanwalt : Als ich den Artitel fand, der allerlei Irrtümer enthielt, ging ich zur „V. P.", wo mir Redakteur Freiherr v. Seckendorfs mitteilte, der Artitel rühre von dem Journalisten Schwe- der aus Berlin her, der erklärt habe, er sei bei Tr. Dietz ge-, wesen und habe von ihm die nötigen Informationen erhalten.
Verteidiger Dr. Dietz: Herr Schweder ist in meinem Bureau gewesen, um von mir Auskunft zu erhalten. Ich habe ihm aber jegliche Auskunft über den Prozeß Hau verweigert. Ich stelle den Antrag, den Journalisten Schweder zu laden, der be- kundeir wird, dpß er von mir reine Mitteilung erhalten hat. Ich habe ihm nur gesagt: „Die Sache ist absolut nicht so einfach, wie sie der Staaatsanwalt hinstellt."
Darauf wurde der Journalist Schweder als Zeuge aufgerufen. I Ergibt an, daß er in seinem Bureau ine Zeitungsartitel über
K»e Hrnrvechuttg »es neuen Krrßener Stüvtttzeaters.
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Gießen, 24. Juli.
• Zu der Beurteilung des Innern des ) aus es muß mein eine Scheidung eintreten affen zwischen dem Teile, der der Zujchauer- chaft nur für eine kurze Spanne Zeit zum lufenthalt dient, und dem, innerhalb dessen »er komplizierte Apparat der Bühnenleitung >on früh bis spät tätig ist.
Fünf Türen vermitteln durch eine Vor- )Q(lc hindurch den Zutritt zum Hause. Harmo- lisch intime Verhältnisse wirken hier ein. Der n der Mitte gegenüber den drei Haupt- üren sich erhebende Kassenstand gibt dem licht hohen Raume etwas Behagliches. In einem untern Teile marmorn, im mittleren ins Holzschmtzmerk, im oberen massiv, werden eine Fenster von so kostbaren als reizenden Miniatursäulen aus echtem Onyx flankiert. £cr graue Terrazzo-Estrich, die schöne matt- zoldene Panzeroerkleidung der Kamine, der ünsseldrige, ornamental die gerade Linie levorzugende und in modernen, würdigen und .ugleich diskreten Formen gehaltene, feine md zarte Vergoldungen zeigende Plafond timmen aber doch ernst und tragen den Stempel des Distinguierten und Gewichtigen Zugleich. Wir wissen sofort, es erwartet uns Glänzendes, Strahlendes, Superbes.
Schon von hier aus trennen sich die Wege nach den verschiedenen Rängen, sowie rach rechts und links, entsprechend der Platzierteilung im ganzen Zuschauerraume. l,’lL vaar Stufen aus gelbem Marmor fuhren zur Hotunbe, in bet sich, wie and) in ben beiba )beten Stockwerken, seitwärts bie toarterubm- äume von crsteulich großer A^behnung i- utben lieber sie werben bie Gießener niM örtwährenb zu klagen haben DieBeb.enung der Sarberoben geschieht übrigens bind)
Blatt 157. Jahrgang Mittwoch 24. Juli 1 »07
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btß vormittags 10 Uhr. Hotattonsbritd und Verlag der Brühl schen Univ^Buch- und Steindruckerei. v. Lange. Redaktion, ExpedMon und Druckerei: Schulstratze 7. tzal". E. Hetz; iür den
Lcutige Yummer umfaßt 10 Seiten. Zules Kuret beim Züichskänzleä
Figaro und Berliner Tageblatt veröffentlichen gleichzeitig ES ?roeitcn Jules Hurets über seinen Besuch beim ^eichsranzler Fürsten Bülow. Der bekannte französische Publizist chüderl m diesem Artikel einen Abend in der Villa Fresena in äordernep, wo der Reichskanzler bekanntlich alljährlich seinen oommerurlaub verbringt.
Tas Tischgespräch drehte sich, wie Huret schildert, zunächst an die realistische Erziehung der deutschen Ju- .e n Ach erwähnte, daß ich an deutschen Gymnasien und lniversitäten eine fast vollständige Verdrängung der Philosoph. Studien wahrgenommen hätte, und daß die Studenten sich um )egel und Schelling nicht mehr kümmern wollten. Eine Frucht äeser rein auf das Praktische gerichteten Erziehungsweise sei s, daß in den: Vaterland der Philosophie große Philosophen urzeit fehlten.
„Auch die großen Dichter fehlen uns," fügte Herr '■ Slotow hinzu. „Wir haben auch kein Kant-Denkmal in Berlin," bemerkte die Fürstin. Ich erwiderte, daß ich in der ^:egesallee eines hinter der Statue eines Preußenkönigs ge- -hen hätte. „Wir werden sicher ein Kant-Denkmal bekommen," agte Fürst v. Bülow . . . Dann fuhr er fort: „Der Geschmack er Völker wechselt mit ihren Bedürfnissen. Am 14. Okt. 1806 aß Hegel, der damals eine Professur in Jena inne hatte, an ‘mem Schreibtisch und arbeitete an einer seiner berühmten ibhandlungen, als sein Pult plötzlich von großen Eisensplittern bersät wurde; er rief nach der Haushälterin und herrschte ie ärgerlich an: „Was ist das für eine Unordnung?" Das Mädchen teilte nun mit, daß Franzosen und Preußen in den 5iraßen kämpften, und daß Geschoßsplitter die Störung auf '.nein Schreibtisch hervorgerusen hätten. „Das ist mir gleich," agte Hegel, „das alles interessiert mich nicht: sorge, daß ich in iuh: arbeiten kann." Das war am Tage der Schlacht von Jena!
Vor einem Jahrhundert schrieb Schiller, daß Frankreich cts Land und England das Meer in Besitz genommen hätten, nb daß für Deutschland nur mehr die Welt der Gedanken brig geblieben sei. Bald aber haben wir erkannt, daß wir diese hilosophisck)e Teilnahmslosigkeit etwas zu weit getrieben haben, inh daß diese Kost für unser rauhes Klima nicht nahrhaft enug ist. So wurden wir schließlich Realisten; unsere Gelehrten jimbten sich den angewandten Wissenschaften zu, unsere tech- .ischen Hochschulen entstanden. Man kann wohl sagen, daß urzett die tüchtigen Köpfe sich zur Industrie und zum Kriegswesen hingezogen fühlen. Sie haben ja die Führer unserer Industrie am Rhein und in Westfalen kennen gelernt und esehen, daß das Männer von hervorragenden Eigenschaften ind; ^ebenso könnte ich Ihnen Offiziere aus unserem General- ,abe "nennen, deren eneytlopädische Bildung und deren weiter
Arn Sn Stoff W
Inb "nb beten Oolägelänber »an g° ' -----iedem (ßitterioerf butd)brod)en werben, yähr'enb sie unten rcizenbe tleme Beleucht- in vornehmen Formen tragen,
sagte stets: „Es ist viel leid)ter, die liberalen und fronöicreiibert Franzosen als die konservativen Deutschen zu regieren. Napoleon hat, abgesehen von vielem Bösen, das er misorem deutschen Vaterlande zugefügt hat, darin viel Gutes getan, daß er mit lateinischer Klarheit den komplizierten Staatsmechanismus Deutschlands vereinfacht hat." . . .
„Man kann also," warf ich ein, „gegen den konservativen Gedanken erfolgreich ankämpfen, denn Napoleons Reformen wirken ja heute noch nach." „Gewiß," erwiderte der Fürst, „aber die Art und Weise, wie er sie eiitgeführt hat, der llmstand, daß ein Fremder es war, der sie einführte, hat schließlick) zur Erhebung der ganzen deutschen Nation geführt."
Aas Arama eines KrchrsanWa0s.
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