plündernden Bauern," wobei sle"einen'großen Teil des Ergen- tums der von ihnen, beraubten Juden auf Wägen mit sich führte.!. Jetzt wird' Toinaschpol von 18 Polizisten und Mehreren Reiter-iPatrouillen bewacht.
— In der Nähe des hiesigen Bahnhofes der Strandbahn wachten bewaffnete Räuber einen Ueberfall au' den nach Sestroreß fahrenden Rentmeister der dortigen Wasfenfabrik. Die Räuber raubten 13 000 Rubel. Der Zug war zunr Stehen gebracht worden, die Räuber entkamen jedoch. Ein neben dem Rentmeister sitzender Oberst wurde tödlich, ein Begleiter des Rentmeisters leicht verwundet.
— Der Redakteur Chudekow von der Petersburgs- kaja-fGaseta ist vom Stadthauptmann mit 3000 Rubel ev. B Monaten Haft bestraft worden, weil er aus einem Moskauer Blatt einige Einzelheiten über den Plan des Attentats gegen den Zaren, gegen dessen Urheber augenblicklich hier vor Gericht verhandelt wird, abgedruckt hat. '
Raubmordversuch.
sd. Darmstadt, 23. August.
Eln mit großem Raffinement angelegter Raub- und Mordversuch, der voraussichtlich den Tod des einen Opfers zur Folge haben wird, wurde heute nacht, wie schon kurz gemeldet wurde, in der P o st a g e n t u r Bickenbach ausgeführt. Gegen 3 Uhr nachts wurden die Einwohner durch Feuerlürm erschreckt, es brannten die Hosrciten der Landwirte Ph. Hennemann 8. und Christian Kaltwasser. Alles eilte nach der Brandstätte, auch der Postagent Freund und seine Schwägerin, die mit den Hennemanns verwandt sind. Frau Freund war außer Bett und machte sich in der Küche zu schaffen, als sie plötzlich von einer schwarz vermummten Gestalt ersucht wurde, zu ihrem Manne in den Hof zu kommen; als sie dies ablehntc, wurde sie von dem Fremden, von dem man nur die Augen sehen konnte, gepackt und gewürgt und mit einem eisernen Instrumente wiederholt auf den Kopf geschlagen, so daß sie zusammenfiel. Der Unbekannte schoß dann mit einem Revolver auf den mit seiner Schwägerin herbeieilenden Freund und ging durch. Won der Einwohnerschaft verfolgt, gab er noch eine ganze Anzahl zum Teil blinder Schüsse ab, wurde aber schließlich überwältigt, nachdem er mit Steinen, Prügeln usw. stark bombardiert worden war. Er gab noch drei aber ungefährliche Schüsse auf sich .selbst ab. Er war zunächst bewußtlos und hat es dieser Tatsache, sowie dem Hinzukommen des Geudarmericwacht- meisters Haber zu verdanken, wenn er nicht der Lynchjustiz ganz zum Opfer fiel.
Bei seiner Vernehmung gab er an, daß er Anton Wesselick heiße, und am 8. Mai 1880 zu Herrmannstadt in Oesterreich geboren sei. Er habe vor einigen Tagen einen gewissen Heinrich Hennig, der ebenfalls im Hospiz in Frankfurt gewesen sei, getroffen und sei von biejeni zu der Tat gedungen worden. Dieser habe ihn mit einer Kugel, die er ihm vor das Gesicht hielt, derart hypnotisiert, daß er das Werbrechen habe ausführen müssen.
Der angegebene Heinrich Hennig, geb. am 17. Mai 1881 zu Partenstein in Bayern wurde am 11. August wegen Unordentlichkeit von Hennemanu, bei dem er als Knecht in Stellung war, entlassen, wobei er Drohungen ausstieß.
Es steht sonach ziemlich fest, daß beide sich verständigt haben, die Tat gemeinsam auszuführen, wählend Hennig das Feuer ansteckre, vollsührte Wesselick den Ueberfall, der ihm freilich nicht geglückt ist, aber das voraussichtliche Ableben der Iwan Freund zur Folge haben wird. — W., der anfänglich leugnete, gab spater zu, daß es ihm auch auf einen Mord nicht antam. Man fand bei ihnl.außer dem Revolver ein Stemmeisen, Stricke, ein nasses Handtuch zum Knebeln und.-ein großes Bund Schlüssel re. Tas um den !Kvpf geschlagene Tuch hatte zwei Löcher für die Augen. Am Tage vorher hatten die beiden Burschen bei Zwingenberg gelagert und sich vorbereitet, indem sie die Stiefel aus und die Strümpfe über die Hosen zogen. Auch diese Stelle wurde durch die Gendarmerie sestgestellt. Hennig, der mit den Terrainverhältnissen besser vertraut ist, ist bisher nicht sest- genommen worden. Er ist mittelgroß, hat schwarzes Kopfhaar, kleines dunkles Schnurrbärrchen, braune Narben an der Stirn und am Kinn, letztere anscheinend von einem Hustritt herrührend. Auf dem einen Handrücken hat er einen blau tätowierten Stern und trockene Flechten an den beiden Unterarmen. Er ist Epileptiker. Wesselick, der an- yeblich einen Schwager Hammersbach in Frankfurt, Rosen- gasje 3 besitzt, wurde in das Krankenhaus Darmstadt eingeliefert. *
daß drei Amerikaner in Goslar gewesen sind, die im Auftrage Morgans mit bem Besitzer des „Brusttuchs^ wegen Verkaufs verhandelt und eine sehr hohe Sum'me für das eigenartige Gebäude aus dem Mittelalter geboten haben- Es bleibt, so schreibt die '„Tägl- Rundsch." dazu, abzuwarten, ob Goslar, und mit Goslar- Deutschland, sich einer solchen Blamage vor aller Welt aussetzen wird.
— Eine Deutsche E r z i e h u n g § - A u s st e l l u n g wird Dom Freiwilligen Erziehungsbeirat für schulentlassene Walsen in Berlin, in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten voin 9.-24. Noveiuber veranstaltet werden. Tie Ausstellung soll in einem einheitlichen Bilde vorführen, ivas Staat und Gemeinde, was Wissenschaft und Technik, ivas gemeinnützige Gesinnung und praktische Erfahrung in Deutschland gcleiftct haben und für die Zukunft planen, um das leibliche und geistige Wohl des pingen wlenscheu von der Geburt au bis zur vollcildeten Ausbildung zu fördern und zu heben. Demgemäß soll die gesamte Tätigkeit gezeigt werden, die sich auf Erfordernisse der Säuglingspflege, per Sorge für die Entwickelung des Kindes bis zum Eintritt m die Schule, die besonderen Bedürfnisse während der Schlilzeu und die Fürsorge für die Schulentlassenen richten. Vorläufig gehören dem Komitee und Arbeits-Ausschuß u. a. an die Professoren Dr. Heubuer, Direktor der Berliner Universitätsklinik und Geheimrat Dr. von Liszt, ferner der Geh. Medizinalrat und Vortragende Rat iin Kultusministeritnn Dr. Dietrich und Geh. Admiralitätsrat Dr. Fetisch.
— Amerikanische Kritik. In einem amerikanischen Varietätentheater traten dieser Tage „drei Schwestern" auf. Am nächsten Tage stand in dem „Des Moines Leader" zu lesen: „Efsie ist eine alte Mähre von 50 Sommern, Jessie ist ein mutwilliges Füllen von 40 und Addie, die Blume der Familie, ist eine hupfende Monstrosität von 35. Ihre langen dünnen Arme, die in Krallen auslaufen, schwangen mechanisch hin und her und bewegten sich zuweilen vor dem duldenden Publikum wie Windmühlen. Der Mund in ihren widerlichen Gesichtern tut sich wie eine Hölle auf, und Töne wie das Gewimmer verdammter Seelen entquollen ihm. Sie stelzten auf der Bühne mit einer Bewegung umher, die einem Mittelding zwischen Bauchtanz und Fuchstrab glich — seltsame Wesen mit gemalten Gesichtern und abscheulicher Miene." Die „jungen Damen" waren mit dieser lebhaften Kritik nicht zufrieden. Sie klagten wegen Beleidigung. Keine Beleidigung, nur „fair criticism" (freie Kritik- entschied das Gericht. . .
— München, 23. Ang. Gellern abend ist das langjährige Mitglied, der hiesigen Hofbühne, der Hosjchauspieler Ferdinand Suske im Alter von 50 Jahren einem Schlaganfall erlegen.
Ter Brandschaden der beiden Leute ist, wenn sie auch versichert sind, immer noch sehr groß. Tie Ehefrau Hennemann, die erst dieser Tage eine schwere Operation im Elisabethenstift in Tarmstadt durchmachte und sich kaum erholt hatte, ist wieder kränker geworden. Dem Kaltwasser sind 4 Ferkel, einige junge Ziegen, Hühner re. verbrannt, ein Mutterschwein, das angebrannt war, mußte geschlachtet werden. _______________________________~
Aus Stadt «llv Laus.
Gießen, 24. August.
■ ** Hilfe für Herbstein. Bis Samstag vormittag gingen bei uns ein:
Edgar Bvrrmann 4 Mk-, Kommerzienrat L. Emmelius 50 Mark, Schlosser Ludw- Horn 3 Mk., Landgerichtspräsident Küll- mann 20 Mk-, gesammelt auf dem Bahnhof Lich und von den Bewohnern der Bahnhof- und der Langsdorferstr- in Lich 35,70 Mark, Frau E- St. Höchst i. O. 3 Mk., Lehrer Meissinger 1 Mk-, Frl. E. .Briegleb 3 Mk., Karl Jäckel 3 Mk., Ungenannt N Mk-, R. G. 2 Mk., M. Grethe 3 Mk., N.N. 3 Mk., Dr. Klein 10, Md, N. P. 5 Mk., Ungenannt 2 Mk., von einer Diakonissin 2 Mk-, Fritz Adami 5 Mk., Frau E. L. 5 Mk., Bankgeschäft Josef Herz 100 Mk-, Kegelklub „Kerngesund" 25 Mk., Frei- Maürer-Loge Gießen 50 Mk, G. F. 20 Mk., aus einer Sammlung von Hauptlehrer Roth Lich 27,40 Mk, F-rau Dr. Unger-Berlin 10 Mk, Landgerichtsrat Hellwig 10 Mk, C. E. 2 Mk, M. D. 2 Mk, W. Nohleder 3 Mk, Wohltätigl'eitsgastspiel von Frl.M. di Eerenotti-Strauß nach Abzug der llukosten 69,40 Mk
Bis jetzt i m Gan z e n 3280.95 M a r k Hiervon wurden von uns bis Donnerstag in 4 Raten 2400 Mart nach H e r b st e i n gesandt. (In der gestrigen Quittung muß es demnach heißen: „Hiervon sind weitere 1200 Mart an das Hilfskomitee in Herbstein abgesandt worden", anstatt, sind bis jetzt 1200 Mark usw.)
Das Gasifprel von Fräulein Minny bi Cerenotti- Strauß, de,sen Ertrag in vorstehender Uebersicht mitaufgeführt ist, war leider nicht so gut besucht, wie es um des guten Zweckes Willen zu wünschen gewesen wäre. Immerhin war der finanzielle Ertrag recht ansehnlich und noch höher war der künstlerische Erfolg des Aoends einzuschützen, da Fräulein bi Eerenotti es verstemb, eine ganze Reihe realistischer moderner Dichtungen in seinpointierter Vortragsart zu bieten. Das Programm war im wesentlichen das gleiche, wie bei dem ersten Vortragsabend der Künstlerin, weshalb sich ein näheres Eingehen auf ihre mit großem Beifall aufgenommenen Darbietungen sich erübrigt.
Unter Hinweis aus die an der Spitze des heutigen Blattes abgedruckte Bitte, nach der der zu deckende Schaden außerordentlich groß ist, bitten wir, uns weitere Spenden zur Uebermittelung nach Herbstein zutommen zu lassen.
*
* * Znr Rechtsanwaltschaft zugelassen wurde beim Landgericht der Provinz Starkenburg und beim Amtsgericht Darmstadt I. Gerichtsassessor Dr. Kart Brücher in Darmstadt.
* * Neuer Geometer. Dem Geometergehilfen Kart Appel aus Ulfa wurde das Patent als Geometer 2. Klasse ür den Kreis Schotten erteilt.
* * Die Mctzgcrläde n werden hier morgen mittag ausnahmsweise schon um 12 Uhr geschlossen. — Bei dieser Gelegenheit sei mitgeteilt, daß die Metzgerinnung schon im vorigen Jahre der Stadtverwaltung einen Antrag auf Ein- ührung des Ein-Uhr-Ladenschlusses an Sonntagen für das Metzgergewerbe eingebracht hat.
* * Gießener P f e r d e m a r k t - L o t t e r i e. Die Lose des am 4. September stattsindenden Herbst-Pferdemarktes finden guten Absatz. Schon jetzt ließ sich bestimmt ägen, daß die vorgesehene Zahl ausverkaust wird. Al§ Haupttreffer sind vorgesehen: ein viersitziger Biktoriawagen, nebst Pferd und silberplattiertem Geschirr, ein Korb-Pirschwagen nebst Pferd imb vernickeltem Brustblattgeschirr, ein Lauterbacher Wagen nebst Pferd und Kummetgeschirr sowie 9 Pferde und Johlen, landwirtschaftliche Maschinen, Fahrräder, Nähmaschinen, Haushaltungs- und Gebrauchsgegen- 'tände. Ter Bikloria-Wagen und Pirschwagen sind von A. Kilbinger-Gießeu, das silberplattierte Geschirr von Sattlermeister Friedr. Groß, das vernickelte Brustblattgeschirr von Sattlermeister Christian Spieß, der Lauterbacher Wagen von Waguermeister Georg Schwan, das Kummetgeschirr von der Firma Müller und Diebel zu Gießen geliefert. Die Pferde werden auf dem Markt gekauft. Mit dem Ankauf der übrigen Gewinne wird in diesen Tagen begonnen. Die Zahl der Gewinne beträgt 800. Der Preis des Loses beträgt 1 Mark. Die Ziehung findet am 5. September nachmittags 2 Uhr in der Turnhalle der Stadtknabenschule statt. Der Vertrieb der Lose ist dem Kaufmann Richard Buchacker zu Gießen übertragen. Lose können von diesem direkt oder von den von dem Genannten eingerichteten Verkaufsstellen bezogen werben.
* * Die Einstellung der Rekruten für das 18. Armeekorps erfolgt in diesem Jahre bei der Infanterie am 11. Oktober, bei der Kavallerie und bei den Bespannungs-Abteilungen bet Fußartillerie am 3. Oktober, bei der Feld- und Fußartillerie, soivie bei den Pionieren am 10. Oktober, bei den Oekonomie-Handwerkern und Krankenwärtern am 1. Oktober.
* * Die Rache der gestohlenen Gans. Einem Bauer in einem Taunusorte wurde im Herbste eine Gans, die er schon vier Jahre besaß, gestohlen. Der Dieb hatte die Gans in sicherem Gewahrsam gehalten, in dem sie Eier legte, aus denen elf schöne Gänslein entschlüpsten. 9tach langer Zeit entschloß sich der Dieb, die Gänsesamilie ins Gras zu treiben. Die Gans, die zum ersten Male seit ihrer Gefangenschaft die Freiheit genoß, verließ abends die Weide, enkte aber ihre Schritte gegen den Hof ihres früheren Be- itzers und langte dort glücklich mit ihrer Brut an. Der Bauer, voll Freude über das unerwartete Wiedersehen und voll Verwunderung über den stattlichen Zuwachs, konnte un- chwer den Zusammenhang erraten und den Täter aus- kundschaften. Der ganze Ort lachte den Dieb auS, der natürlich keine Rtiene machte, die GanS und die Gänslein, die er wochenlang gehegt und gepflegt hatte, zurück zu verlangen.
0 Ulrichstein, 23. Ang. In dem benachbarten Dörfchen H. ereignete sich eine aufregende Szene. Ein noch nicht lange verheirateter junger Mann bedrohte Frau und Schwiegermutter mit einem Gewehr. Beide riefen um Hilfe, woraus Leute aus der Nachbarschaft und auch der Polizeidiener herbeieilten. Nur mit vieler Mühe gelang es, den 9tausbold unschädlich zu machen.
Mainz, 23. Aug. Unter der Begleitung des Vertreters der.srauLösilcben Reateruug Charles Aturellon kamen die Mitglieder
des Vereins s r a n z ö s i s ch e r K a u f l e u t e aus Lyon'' etwa 160 Personen, hier an. Die Herren nehnien die Besichtigung einer Anzahl bedeutender Vrivatunlernehnmngen vor, ivorait > eine Besichtigung der städtischen Haienanlngen, der Gas- J Elektrizitätswerke anschließt. Von hier aus begeben sie sich narh Frankfurt a. M. (Fks. Ztg.)^
h Frankurt a. M., 24. Aug. Gestern nach mittag erfolgte in der Burgstraße in der Stahe der Ltltherkirche eine heftige Explosion. In der Straße tverdcn Kanal-Arbeiten üorgenommen und an einer Stelle roch cs stark nach Gas Einige Knaben steckten ein Zündholz an. Sofort schlugen mächtige Flammen empor imb ein Kanaldeckel flog unter heftiger Detonation in die Luft. Glücklicherweise wurde Niemand verletzt. — Wilhelm Erdmann, ein bekannter Freund und Förderer der Tierschutz-Bestrebungen ist h, Friedrichsroda plötzlich gestorben. Er erreichte ein Alter von 75 Jahren.
w. Wetzlar, 23. Aug. Die Bewohnet wurden heute nacht durch generlärm aus dem Schlafe aufgeweckt, cs brannte in bet Ainend' schen M ü h l c. Trotz der eifrigen Hülfe bec neu organisierten stäbtischen Feuerwehr konnte nichts von bei Mühle gerettet werden, auch da§ anstoßende neu erbauit Wohnhaus ist bis auf die Umfassungsmauern ausgebrannt Sämtliche Vorräte, darunter 220 Sack Mehl, wurden eir Raub bet Flammen. Obgleich bet Besitzer durch Versicheruu. gedeckt ist, dürfte der Brandschaden ganz bedeutend (ein. Dc>: Feuer soll durch Kurzschluß entstanden fein.
Dillenburg, 23. Aug. Am 27. August 1607, also vor nunmehr 300 Jahren wurde laut uorliegenben Urkunden der „Niedersehelder Hammer", die jetzig „Adolfshütte", dem Betrieb übergeben. Die Firma will diesen denkwürdigen Tag mit einer Feier begehen, wozu bi( Gesellschafter, Beamten, Arbeiter und einige Ehrengäste ci;i. geladen werben. (Dillztg.)
AuS Dem Jahresbericht Der HanDelskammer Friedberg.
V.
Handel.
Bau- und Brennmaterialien. Die erhöhten kaufspreise bei Kohlen — vor allem aber bei Holz und eisernen Trägern waren schwer bei der Liundschast durchzusetzen. Gera),' als ein Unfug wird es mit Recht bezeichnet, daß die Kohlen- hanbelSgefellfchast die enorme Differenz zwischen Wassersrucht unJ Bahnfracht einfach in die Tasche steckt.
K o l o n i a l w a r e n - G r o ß h a n d e l. Einige Hauplartikc! zeigten große Preisänderungen. Raffinierter Zucker ging bis zum August im Preise zurück, erfuhr sprungweise eine Erhöhung von 23 Mk. und brachte dann im Oktober durch plötzlichen Rückgang empsiudliche Verluste für den Zwischenhandel. — Kaffee hielt feine verhältnismäßig hohen Preise bis zum Herbst, worauf^eiu förmlich. Krach bis zu 10 Pfg. per Pfund Verlust ergab. Sämtliche Celc fliegen .infolge der Saaten-MißerMe im 2. Halbjahr zu teilroeijt noch nie erlebten Preisen.
Kolonialwaren-Kleinhandel. Die Klagen über den Schaden, welcher durch die Neugründung und Verbreitung vw Filialgeschäften, Konsumvereinen und Genossenschasteit entstehn nehmen immer mehr zu und verlangen die Interessenten, daß bmii- staatliche Maßregeln und stärkere steuerliche Ersassung das ausässigt Geschäft mehr geschützt werde.
Konfektion- und At a n u f a k tu r»W a r e n. Das Geschäft wird durchgängig als befriedigend bezeichnet, immerhin eni- sprechen die noch verhältnismäßig nichtigen Verkaufspreise bei enormen Höhe der Einkaufspreise der Fabritale nicht.
Elsenwareii. Lluch diese Branche ist mit dem Umsatz im allgemeinen zufrieden, klagt jedoch über die ritotwenbigkeit des langen Kreditierens — bis zu einem Jahr und darüber hinan-
Fruchthandel und F u t t e r a r t i k e l. Die Frucht- Händler unseres Bezirks bescheiden sich schon mit der Tatsache, baü das Geschält nicht weiter zurückgegangen ist. Der Verdienst ist minimal und dabei das Kapitalrisiko em sehr großes.
K a r 1 o f f e l - u u d O b sl h a n d el. Auch hier entspricht bet verhältnismäßig große Umsatz nicht dem kleinen Verdienst. Dieie Branche hat durch das Ueberhandiiehmen des Agentenweseii: weitere Verschlechterung erfahren.
L e d e r h a u d e l. Infolge großer Nachfrage namentlich bc: Auslands (Rußland und Japan) sand für den Einkauf eine enornu Preissteigerung statt, die bei der Kundschaft nicht zu erzielen wm;
M ilchkur a n st a l t. Das Geschäft blieb unverändert.
M ö b e l h a n d l u n g. Bei unverändertem Absatz tvaren bie . z. T. sehr stark erhöhten Einkaufspreise beim Publikum schwer jii erzielen.
Pferde- u n d Rindvieh-Handel. Wenn auch bei Geschäftsgang ein lebhafterer als 1905 war, so war doch der Vet- dienst bei hohen Preisen bei den Züchtern ein geringerer, und wird bereits über den durch die Automobile verursachten Älussall im Verkauf von Luxuspferden gellagt. Tie hohen Zölle erschwer^! auberordemlich das Geschäft in Fohlen und Pferden.
Imn Kalle Kau.
Aus schätzenswerten katholischen Kreisen get)i a uns folgende NNtteilung zu:
Es ist mit Sicherheit anzimehmeii, daß Hau sich in feiner Beichte vor Kurator Link des überlegten Mordes nicht all s ch u l d i g bekannt hat. Wohl hat der Kurator felbstverständliÄ das Beichtgeheimnis aufs strengste beivahrt, doch gestatten grcidi in diesem Falle nicht ziir Beichte gehörige Tatsachen und kirchlichc Vorschriften sichere Schlüsse auf den fraglichen Teil der BeM B selbst. Schade, daß aus die von Kurator Link angebotenen „all gemeinen theologischen Erörterungen" verzichtet wurde, es l)äth sich sonst ergeben, 1. daß ein katholischerPriester, dersicher iveiß,dai ein die Kommunioii Verlangender livch keine Absolution hat, diese» ! die Kommunion nicht geben wird, 2. daß es bei der katholische! i Kirche Refervatsälle gibt, d. h. Sünden, für die Absolution eil i erfolgen kann, nachdem hierzu besondere bischöfliche oder päplllich^ i Ermächtigung eingeholt worden ist — was immerhin einige Zei 1 beansprucht. Zu diesen Reservatfällen gehört unseres Wissens nnd v der überlegte Mord. Aus allem diesem läßt sich schließen, ba| 1 wenn Hau ganz ganz kurz nach seiner Beichte von seinem Beicht \ unter die Kommunion erhielt, er keinen Mord gedeichte i haben kann. [
Soweit die an un§ gerichtete beachtenswerte Zufchrtst I Allerdings ivären durch ein solches Resultat der Beichte, voi ausgesetzt selbst, daß es vollkommen verläßlich ist, bestinuni . Schlüsse aus die Begehung der Tai nicht zu ziehen. Ma> p weiß nicht, ob Hau, dieser wunderlich komplizierte hyptt moderne Mensch von hoch entivickelter Intelligenz und kültesteit logischen Verstände, ein Katholik von Ueberzeugung ist, ob c nicht vielleicht innerlich der Beichte spottet, ob nicht die do e niemandem abzuleugnende Tiefe der Ntoral, aus der herciu i die Beichte vor dem Priester envachscn ist, einem Mann seines Charakters verschlossen geblieben ist, ob nicht die Beicht •= ihm als lächerliche Farce erschien. Darum iväre durch eine ( solchen Ausgang der Beichte noch nichts erwiesen. Ntöglil aber ist es, daß der Geistliche, vor dem» Hail als Beichtendt t zu erscheinen hatte, zil bestimmten Einsichten gelangt Ü und daher halten auch mir den gerichtlichen Verzicht aus d erbotenen Erörterungen des Geistlichen für bedauerlich.
Nlan ersieht jedensalls auch aiis solchercei Erivügunge ji eine wie jurchtbare Last für einen Priester das Beichtgeheinni *


