Zweites Marr
s?r. 198
Srschtinl täglich mit Ausnahme deS Sonni^gS.
solchen Erfolg haben, , daß die Frankfurter Intendanz sich bei-
Marie Fürstin Bülow geb. Prinzessin Camporeale.
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von der Universität Gießen hat
Künder deutschen Geistes! Berlin, 7. Juli 1907.
Zum Verfolg des h e r a u f z i e h e n d en „Heiligen ieges" der Aiarokkauer gegen die Europäer bietet die ben im Verlag der Gothaer Geographischen Anstatt von Justus >,lhes erschienene große farbenprächtige „Politisch-militärische vle von Ätarokko" willkommene Gelegenheit (Preis 1 Atark). r P erfass er ist iviedermn Pros. Paul Lang h ans, d essen Auren-
— Eine Aufführung wider Willen muß die Frankfurter Operintendanz veranstalten. Die Oper „Ritter Olaf" deS Komponisten Camille Erlanger war durch ein Versehen so lange liegen geblieben, daß eine Rückgabe des Werkes rechtlich nickst mehr möglich. war- Ale Uraufführung
Deutsches Neich.
Wilhelmshöhe, 23. Aug. Der Kaiser unternahm heute morgen 8 Uhr einen Spazierritt in Begleitung des am frühen Morgen aus Potsdam aus drei Tage hier ein- getrosfenen Prinzen Oskar und der Prinzessin Viktoria Luise. Von 9i/i Uhr ab hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts und sodann denjenigen des Generaldirektors der Museen Geheimen Rats Tr. Bode, und des Architekten Geh. Rats Messel im Beisein des Chess des Zivilkabinetts. Um 123/4 Uhr empfing der Kaiser den Pfarrer Weber mit dem Presbyterium der Christusktrche aus Kassel. Zur Frühstückstafel ist Botschafter Graf Wolfs-Metternich geladen.
Berlin, 23. Aug. Der „Berl. Lokalanz." meldet aus Trier: Tie Errichtung eines Truppenübungsplatzes für das 16. Armeekorps wird in der Nähe von Saarlouis erwogen.
Dir „Gießener Lamllienblätter" werden dem w9hi .einet* viermal wöchentlich beigelegt, das „K: Tlatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
In meinem Besitze befindet sich eine kleine, wertvolle sgabed es „Faust", die folgende Widmung trägt:
„Ter deutschesten Italienerin zur Erinnerung an die tünlvrobe des dritten Faust-Abend, und die Vollendung e.r Deutsch wer dull g."
dem Dramaturgen Zufall bedanken muß.
— Einen Ueberblick über die planmäßige! Volksbildungsarbeit in Hessen, Nassau und den benachbarten Gebieten bietet der Jahresbericht des Rhein-Mainifchen! Verbandes für Volksbildung, der soeben zur Versendung ge-i langt- Wir ersehen daraus, daß der Verband z. Zt. 111 körper- schaftliche und nahezu 500 "persönliche Mitglieder umfaßt und gewinnen ein Bild der mannigfachen, umfangreichen unb tiefa gehenden Arbeit, die in den einzelnen Veveinen geleistet wird- Einzel- und Reihenvorträge, Lehrgänge, persönliche Beratung bildungsdürftiger Leute aus den werktätigen Volkskreisen, hei- matkundliche und Museumsführungen vermitteln in zahlreichen Orten Kenntnisse und Erkenntnis, Volksunterhaltungsveranftahi tungen machen sich die Vermittlung edler künstlerischer Ge-, Nüsse zur Aufgabe- Kunst-Wanderausstellungen, Heimatausstellungen und die Anlage von Torfmuseen üben ihre geistig anregende Wirkung aus, die Vorbereitung guter Kunstreproduktionen dient zur Bildung des guten Geschmacks und der Erhöhung der Lebensfreude. An einzelnen Orten verbinden sich die Einrichtungen zur Förderung des geistigen Standes mit solchen für; die materielle Wohlfahrtspflege- Tie Arbeit der einzelnen Vereinee chält Richtung und Unterstützung durch die Zentral-, stelle des Verbandes, die sich über die Fortschritte der Volkse, bildungsbewegung im In- und Auslande auf dem Laufenden erhalt, ein Archiv für das VolksbildungsMesen unterhält, eine' Rednerliste herausgibt, den einzelnen Vereinen Lehrmittel (Lichts bilder und Lichtbilderapparate) 'überläßt, einen Erfahrungsaustausch unter den einzelnen Vereinen durch monatliche Mittel lungen vermittelt, Fachversammlungen über einzelne im Vorder-^ gründ des Interesses stehende Fragen und Bezirksoersammlungen in den verschiedenen Gegenden zur Herbeiführung innigerer persönlicher Beziehungen unter Gleichstreb enden anberaumt, Wanderbibliotheken ausleiht, finanziell schwache Vereine in jeder Weise unterstützt uni) überhaupt die ganze Bolkserziehungsarbeit durch Rat und Tat fördert- Ter Verband kann mit seinen Ford* schritten im letzten Jahre zufrieden sein-
i — Die Zierde Goslars, ein mittelalterlichesl Haus, das sogen- „B r u st t u ch", will angeblich der amerikanische Milliardär P i e r p o n t Morgan für eine hohe Summe — man spricht von einer halben Million — käuflich e r n? c m ben, um es in Newyork neu au fz u b au e n- Es cnt-i spricht dies der neuen Richtung amerikanischer Tvllarfürsten, die Kunstfchätze der alten Welt sich zu eigen zu machen- Tatsache ist.
liUines Feuilletsir.
— Zum heutigen 2 4. August, dem Geburts- geAoolf Wilbrandts, haben sich dem Dichter nach- jenbe Freunde zusammengetan, um ihm ihre Glückwünsche einem besonderen Wilbrandt-Buche darzubringen. Zwei itrCge, welche das Wilbrandt-Buch eröffnen, seien in gendem mitgeteilt:
Ter Dichter, hat unser größter Dichter Goethe einmal agt, wirke patriotisch, wenn er lebenslänglich bemüht sei, ioUche Vorurteile zu belämpfen, engherzige Ansichten zu eiligen, den Geist seines Volkes aufzuklären und dessen sinnungs- und Denkweise zu veredeln. Ich glaube, daß ses Wort besonders geeignet ist, das Lebenslwerk unseres müdes Wilbrandt in seiner Bedeutung für das deutsche lk zu bezeichnen. Gleich weit entfernt von blutloser sthetenkunst wie von politischer Tendenzschriftstellerei, hat lbrandt, iuie mir scheint, seine höchste Aufgabe darin ge- .)t, in Roman und Drama Erzieher seines Volks im mc jenes Goethe-Worts zu sein. Wie ich schon in seinem .en größeren Werke, auf dessen Titelblatt die bedeutungs- le Jahreszahl 1864 steht, ein entschiedenes Bekenntnis dieser Aus Fassung des Tichterberufes finde, s osehe ich i Siebziger beschäftigt, eine Episode aus dem Leven des >ßen Königs zu formen, zu dessen Gestalt vaterländische Pachtung immer wieder verehrend zurückkehrt. Zwischen den Werken liegt ein langer Weg, auf dem „die holde imme des vielgestaltigen Lebens" unseren Dichter oft ing in die Ferne, zu bunten, fremdartigen Schöpfungen ockt hat. Ter Grundton seines Schaffens aber ist eine :te und treue Liebe zur deutschen Heimat und zum deut- !N Volk.
Berlin, 7. Juli 1907.
Reichskanzler Fürst Bülow.
( — Prost M. Kaiser .. . .
über hie fortschreitende Verwitterung des Kölner Domes ein eingehendes wissenschaftliches Gutachten abgegeben. Nach seinen Untersuchungen wird die Zerstörung cmt Kölner Dom bewirkt durch die in der Atmosphäre Kölns in großen Mengen vorhandene schweflige Säure- Tie starke Auflösung der GesteinsMassen ist auf die Einwirkung von Rauchgasen zuriickzuführen, die infolge der Nähe zahlreicher Hotels, Häuser und der Bahuhofsanlagen in überaus großen Mengen austreten. Diese Auslösung sei um so gefährlicher, als sie auch bereits die jüngsten Steine ergriffen habe, die äußerlich noch keine Spur von Verwitterung erkennen lassen- Dieser Prozeß werde fortdauern, solange noch ein dolomitisches Bindemittel im Gestein des Tomes! vorhanden sei- Dieser Vorgang wird sich, nachdem er einmal eingesetzt hat, unaufhörlich verstärken, da das Gestein immer poröser wird und immer größere Wassermassen in sich aufnimmt. Kaiser kommt zu der traurigen Feststellung, daß ein Aufhalten der einmal begonnenen Zerstörung ein Ting der UnmöglichLit sei- Voraussichtlich werden sich fortgesetzt große Gnreuerungsarbeiten am Dom notwendig machen, die vorläufig noch gar nicht zu übersehen sind- Es handelt sich vorwiegend um die Bauten, die im vorigen Jahrhundert errichtet wurden-
Samstag 24. August 1907
k AA Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen y W* Universitäts - Buch- und Steindruckeret.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 61.
Redaktion:^^H2.Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
— Wie wir von zuständiger Seite erfahren, entbehrt dre Zeitungsmeldung aus Essen, daß der Berafiskus m der Nähe der Lippe zwischen Marl und Polsum ein neues großes Bergwerk errichte, jeder Begründung.
Kiel, 23. Aug. Heute vormittag wurde in der Aula der hiesigen Universität der 36. Verbands tag deutscher Architekten und Ingenieure durch den Verbandsvorsitzenden Baurat Neveroy-München eröffnet. Insgesamt sind 41 Vereinigungen durch Delegierte vertreten.
Geestemünde, 23. Aug. Wie die „Provinzial-Ztg." meldet, wurde von den hiesigen liberalen Vereinest anstelle des verstorbenen Landtagsabgeordneten Brandt Geheimrat Witting, Direktor der Nationalbank in Berlin und früherer Oberbürgermeister von Posen einstim- m i g a l s Kandidat für den hiesigen Kreis aufgestellt.
Ate Lage in Maroklro.
L o n d o n, 23. August. Der Berichterstatter der „Daily !ail" in Casablanca bezeichnet den Araberangrifs uf das französische Lager von: Mittwoch als nfangreicher, als den Angriff vom Sonntag, doch habe .aucv dabei bloß um ein allerdings prächtiges, aber ilitärisch unbedeutendes Schauspiel gehandelt. Die Araber itten große Todesverachtung bewiesen, indem sie e 500 Uards an die französischen Schanzen heranritten, as ganze Scharmützel dauerte anderthalb Stunden. Ob- ohl eine Menge Kugeln verschossen worden sind, sei die ahl der Toten doch gering gewesen.
— Reuter meldet aus Casavlanca unter dem 22. Ußuft: Die französischen Verluste der gestrigen cfcchte betragen: ein Mann tot, vier Mann verwundet, nschlicßtich eines Offiziers. Bei der am heutigen Tage ^geführten Rekognoszierung wurden keine feindlichen cuppeil angetrofsen.
C a s a b l a n c a, 23. August. General Drude tote persönlich den gestrigen Auftlärungsritt, der sich wa 10 Kilometer in der Runde und fünf Kilometer >er die Vorposten hinaus erstreckte.
Paris, 23. August. Die „Agence Havas" meldet aus rsablanca vom 22. d. M.: Die Kolonne des Geer als Drude, die, wie schon genreldet, eine Rekog- »szierung unternahm und dabei die in der Nähe gelegenen rrgkämme ertlomm, wurde von feindlicher Rei- r e i u m z i n g e l t, die mehrere Angriffe machte, aber n der Artillerie dezimiert wurde. Die Kolonne ver^ lgte den Feind und kehrte dann ins Lager zurück. Auf de der Franzoseil wurden ein Hauptmann und Q Soldaten verwundet. Für Samstag den 24. Aug. ein Tefenjivmarsch bis aus eine Entfernung von 19 Marter von der Stadt geplant.
— Der „Matin" verichtet aus Casablanca: Vor dem -fecht, welches am Donnerstag morgen stattaefunden hat, .letzten die Marokkaner die Hügel in der Um- :gend, worauf sie sich südlich der Stadt in die Häuser r Araber einzuschleichen suchten. In dem Gefecht sind rf sranzöfischer Seite Zwölf verwurndet >rdcn. Hauptmann d'Etelles, der Ordonnanzoffizier des Nierals Drude wurde von einer Kugel am Bein gestreift. vc sranzösifche Kreuzer „Gueydon" hat die Ortschaft Feil a, roelche als Schmugglernest bekannt ist, be- ) o s s e n. In Larrache ist alles ruhig.
— Der „Matin" berichtet, daß ein lenkbares r f t s ch i s f dem General Drude zur Verfügung Hellt wird. Anderseits heißt es jedoch, daß es teilt lenk- Luftschiff, sondern nur ein einfacher Fesselballon n werde.
— Cs verlautet, daß infolge der Ruhestörungen, die Fez ausgebrochen sind, die Europäer am 24. August : Stadt verlassen.
Paris, 23. August. Admiral Philibert telegraphierte t -3. August: Nachrichten aus M o g ad o r bestätigen, daß ulay Hasid in Marrakesch zum Sultan ausrufen wurde; es herrscht dort Ruhe. In Casablanca teben am 21. August 260 Kanonenschüsse abgegeben. Die il lfte dcr Maroktaner sind äußerst groß. Die Truppen 5 Generals Drude unternahmen eine Rekognoszierung > sünf Kilometer südlich der Stadt.
London, 23. August. Nach einer Depesche der „Daily ril" aus Alcazar griff die Streitmacht des El Mert i, des Oheims des Sultans, Zawl an. Awich der t g e r o r t N a i s u l i s, wurde verbrannt. Raisuli > ! ug die Armee des Sultans zurück, wobei Soldaten getötet wurden. Er vertrieb die Truppen aus i Bergen. Die Juden fliehen.
ArrsiauS.
Paris, 23. August. C l s m e n c e a u hat im Einverständnis mit dem Minister des Aeußern beschlossen, ein' Co mm uniquö über die Unterredung zu veröffentlichen, die er mit König Eduard gehabt hat. Das Communiquö wird wahrscheinlich cheute noch ver-, öfsentlicht werden.
Bukarest, 23. August. Der König von Ru-> m a n i e n erließ eine Amnestie für die bei den letzten Agararunruhen begangenen Verbrecheit. Ausgenommen sind Beamte und wegen Totschlags Verurteilte.
London, 23. August. Tas Unterhaus hat tat-i sächlich die gesetzgeberischen Arbeiten dieser Ses-s sion in der heutigen Sitzung geschlossen. Die Sitzungen der nächsten Woche werden der Beratung der vom Ober-, Haus zu verschiedenen Vorlagen gemachten Amendements, gewidmet sein. Heber 40 Vorlagen sind in dieser Session erledigt worden. Tas genaue Datum der.Vertagung i st noch it i ch t b e st i m m t.
Newcastle, 23. August. Die Firma Armstrong erklärt die Nachricht, daß sie von der russischen Re-, g i e r u n g Aufträge für den B a u v o n K r i e g s s ch i f f e n im Werte von neun Millionen Pfund Sterling erhalten habe, für unzutreffend.
Newyork, 23. August. Aus Whiteplaine im Staate^ Newyork wird gemeldet: Staatssekretär Root ist hier infolge von Ueberarbeitung schwer erkrankt. Er hat sich in ein Sanatorium begeben und leidet an nervöser Erichöpfung und Schlaflosigkeit. Man befürchtet, daß weitere Anstrengung zu einem dauernden Zusammenbruch feiner Kräfte führen konnte.
Perth (Westaustralien), 23. Aug. Ter Premier-, Minister richtete an Bundesschatzmeister Sir W. Lyne eine Depesche, worin er erklärt, daß die westaustra- l i s ch e Regierung mit ernster Besorgnis die Wirkung des neuen Zolltarifs aus die Entwicklung des St aates verfolge, da er eine erhebliche Berteue-l rung d e s L eb en s un t e r h a lt es verurjache. Die hie-i sigen Zeitungen befehden den neuen Taris, einige schlagerp ] ogar eine Abänderungder Verfassung vor zweckeH finanzieller Selbstverwaltung und Austritt aus der Bundes-i gemeinschaft.
Aus dem Zarenreiche.
Petersburg, 23. Aug. Aus K i s ch i n e w wird über, eine am 18. August im Flecken Tomaschpol (Gouverne-i ment Podolien) veranstaltete Judenhetze gemeldet: Anp Sonntag brach zwischen einem jüdischen Ladenbesitzer und Bauern, die ihm ein Stück Zeug gestohlen hatten, ein Streit aus, der in eine Prügelei überging. Es sammelte sich bald eine Menge Betrunkener an, tue plötzlich das Geschrei erhoben: „Haut die Juden!" Darauf folgte in erster Reihe eine völlige Verwüstung der jüdi-i sch en Läden. Eine gesonderte Gruppe beschäftigte sichj mit dem Verprügeln der Juden. Sehr verspätet traf ein Landp.olizist mit mehreren Reitern ein, die von der plün-i dernden Menge mit einem Steinhagel empfangen wurden^ worauf sie Feuer gaben. Zwei der Plünderer und ein. jüdischer Mabe wurden getötet. Nach der Salve flohen die
Ter Freund, der mir in Wien zu Weihnachten 1882 soll in vier Wochen stattfinden. Hoffentlich loird die Oper einen diesen Band verehrte, heißt Adolf Wilbrandt. Ihm ver- ,"'*™ danke ich es nächst dem großen Genius Richard Wagners, wenn ich im Fühlen und Leuten vollkommen deutsch geworden bin, wen.! ich nichts Größeres kenne als deutsche Musik, deutsche Dichtkunst, deutsche Philosophie. Adolf Wilbrandt war es, der mich immer wieder zu Goethe und Schiller führte, der mich mit Kleist und Hölderlin bekannt machte, mir die Schätze der deutschen Lyrik erschloß und in die ernsten 5)allen der deutschen Philosophie geleitete. Tank und Glückwunsch heute dem lieben Freund und treuen
und Oüapatisctze SUiegsfarten in Hunderiwusenden von Exemplaren den Weg über den ganzen Erdball gesunden haben. Auch auf der vorliegenden neuen Karte finden sich in gewohnter Klarheit und Verläßlichkeit alle Einzelheiten verzeichnet, die für den Verlaus des sich mnnermehr zuspitzenden 5ronfliktes von Belang sein werden. Die pauptkarte veranschaulicht das allmähliche Vordringen der Franzosen von Osten und Süden und damit die immer stärkere Einschnürung des Scheriseureiches durch den mächtigen und rücksichtslosen Nachbarn. Die hauptsächlichsten französischen Grenzgarmsonorte, sowie die strategischen Bahiien längs der marotkanischen Ostgrenze sind verzeichnet, ebenso alle m der letzten Zeit der Aufstände genannten Orte: zum ersten Male sehen wir auch das vielgenannte Aiar Ehica auf dieser Karie eingetragen. Auch die Neuordnung der Polizeiverhältnisse der marokkanischen Hasenstädte durch die Konserenz von Algeciras bringt die Karte zum Ausdruck. Genaue Pläne der besonders bedrohten Orte lassen die Ereignisse des Tages bis in die Einzelheiten verfolgen, so das Bombardement von Easablaiica, die Unruhen in Tanger und Mogador. Der Straße von Gibraltar mit ihren Festen, dem britischen 6)ibraltar und dem spanischen Ceuta ist eine besondere Spezialkarte gewidmet, iuie sie in gleich gropem Niaßstab noch keine andere Landkarte geboten hat. So darf die neue Karle als vortreffliche Unterlage zum Verfolg der kommendell Ereignisse in Marokko bezeichnet werden.
Vom ittLerntttronaten Sozialistettkongreß.
Stuttgart, 23. Aug. Zu der Ausweisung des englischen Delegierten Quelch verlautet, daß sich der Oberamtmann und das Ministerium des Inneren mit der gestern verlesenen Erklärung Quelchs begnügen wollten, daß aber ein Druck aus Berlin die Ausweisung unvermeidlich machte.
— Die Auslveisung des englischen Delegierten Quelch bildete heute bei Beginn des Sozia- Usten-Kongresses den allgemeinen Gesprächs-Gegenstand. Ueberall standen erregt diskutierende Gruppen umher und besprachen den Vorfall. Ter Vorsitzende Reichs- tagsabg. Paul Singer nahm sofort nach Eröffnung der Sitzung das Wort zu folgenden Ausführungen: „Ich bin überzeugt, daß die württembergische Regierung sich mit der loyalen Erklärung, die Genosse Quelch gestern über die Intentionen seiner Ausführungen gegeben hat, hätte zufrieden geben und von einer Maßregelung hätte Abstand nehmen können, welche so recht die politische Unfreiheit und die politische Bevormundung der Bürger in Deutschland zu illustrieren geeignet ist."
— In der heutigen Sitzung des internationalen So- zialisten-Kongresses wurde zunächst der Kommissions- Antrag über das Verhältnis von Partei und Gewerkschaft mit 2231/2 gegen I81/2 Stimmen angenommen. In der Nachmittagssitzung wurde sodann auch der Antrag über die Aus- und Einwanderungsfrage gegen die Stimmen der englischeti Delegierten angenommen. Gegen Schluß der Sitzung kam es zu heftigen minutenlangen 'S arm f jenen, da die Engländer gegen einen von der überwiegenden Mehrbeit des Kongresses angenommenen Antrag gegen Schluß der Debatte stürmisch protestierten. Am morgigen letzten Sitzungstage wird noch der Militarismus zur Erledigung kommen.


