Ausgabe 
24.5.1907 Zweites Blatt
 
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^Christentums in die Massen tragen, in die Herzen aller und auch rin die der <yranen. Wir verlangen auch -die Besprechung ivon sozialen Fragen in der GemeinDeversamm- ltung und vor allem eine Hochschätzung der christlichen Verfassung, damit auch die Gebildeten sich dem Christentum wieder zuwenden. Wir verlangen ferner eine weitere Aus - .geftaltung der Pastorenbildung und wenn wir wirklich -arbeiten wollen, so wollen wir dabei auch auf dem Boden des -Christentums stehen bleiben und wollen alle Zeit fröhliche, un­bedingte Christen sein. (Lebhafter Beifall.)

3n der Diskussion trat Pastor Braun (Berlin) für die 'angegriffene Berliner Stadtmission ein. Im allgemeinen stehen aber die Diskussionsredner auf dem Standpunkt, daß die Berliner 'Stadtsyrwde sich politisch betätigt habe, wenn man das auch noch so oft beftreitet. Zum Schluß forderte Pastor Fischer sen. i(Berlin) nochmals auf alles zu versuchen, um die Massen dem -Christentum zu erhalten. Bei der Sozialdemokratie und bei der Orthodoxie fänden sich viele Anklänge, weil bei beiden der Auto- ritätsglaube vorherrsche. (Große Heiterkeit.) Die Sozialdemo­kraten fürchten den kirchlichen Liberalismus mehr, als die Ortho- doxie, well der Liberalismus aufklärend wirke.

Zehnte Generalversammlung des Allgemeinen deutschen Lehrerinnenvereins in Mainz.

IL

Die zweite Delegiertenversammlung diente der Erledigung der Vorstandswahl. Frau Loeper-Housselle wurde zur Ehren­präsidentin des Vereins ernannt, Frl. Helene Adelmann, die langjährige Inspizientin der Stellenvermittelung, zum Ehren- mftglied des Vorstandes. Ter Vorstand besteht heute aus fol­genden Mitgliedern: Helene Lange, Febronie Rommel, Helene Sumyer, Elisabeth Schneider, Dr. Gertrud Bäumer, Margarete Poehlnumn, Thekla Gilbert.

Die zweite öffentliche Verhandlung beschäftigte sich Zunächst mit der Frage einer staatlichen Regelung von Schul­speisungen bedürftiger Kinder. Ter Vorstand regte dazu an, Haß durch Begründung einer Zentralstelle für Material­sammlung und Auskunftserteilung eine organisierte Bearbeitung der Frage durch die Zweigvereine eingeleüct werde. Der An­trag fand einstimmige Annahme, und die Zentrale wurde in Seilin begründet. Ein zweiter Antrag der s'Rusikgruppe Solin verlangte die Einsetzung einer Kommission, die neue Vor­schläge zur Jnvaliditätsversicherung der Privat­lehrerinnen ausarbeiten solle. Zu diesem Antrag sprach lauster der Vertreterin der Berliner Musikgruppe, Frl. Leo, die Vorsitzende der verbündeten kaufmännischen Vereine der weib­lichen Angestellten, Frau Bröll, die ein Zusammengehen der Lehrerinnen mit den übrigen in Betracht kommenden weib­lichen Berufsorganisationen in dieser Frage empfahl. Der Verein ernannte eine Kmmuissivn unter Leitung von Frl. Leo, die be­auftragt wurde, die Interessen der Privallehrerinnen bei der Neuregelung der Versicherung für die Privatbeamten zu ver­treten.

In der dritten öffentlichen Versammlung am Nachmittag des 21. Mai behandelte Dr. .Gertrud Bäumer das Thema: Die Rückwirkung der ReformIdebhö h er en Mäd chen- schule auf die Lehreriun eubildun g. Tie Referentin legte ihren Ausführungen folgende Leftgedanken zugrunde:

Die Reform der höheren Mädchenschule wird die Lehrer- innenbildung nach zwei Richtungen beeinflussen; die neuge­staltete höhere Mädchenschule stellt einerseits höhere Ansprüche inbezug auf ihren Lehrkörper; sie bietet andererseits einen neuen Unterbau für die Lehr erinnenbilimng. Prinzipiell ist zu verlangen, daß inbezug auf den Lehrkörper der höheren .Mädcheufchuloi die gleichen Forderungen gelten wie inbezug ans die höheren Knabenschulen, d. h. die Realschulen einerseits, die Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen andererseits. Diese prinzipiellen Forderungen sind aber augenblicklich noch nicht in vollem Umfang durchführbar; in der llebergangszeit muß die seminaristisch gebildete Lehrerin in größerem Um­fang, alS es die Bestimmungen für höhere Knabenschulen zu­lassen, an der 910 klassigen höheren 9Nädchenschule anstellungs­berechtigt sein; die nach den preußischen Skftünniungcn geprüfte Oberlehrerm muß 'vorläufig, innerhalb der Grenzen ihrer fach­lichen Befähigung, die Anstellungsberechtigung für die S-tudien- anstalt besitzen. Für die neugestsaltete höhere Mädchenschule sind also folgende Kategorien von Lehrerinnen erforderlich: Für die 910 klassigen höheren Mädchenschulen: seminaristisch ge­bildete Lehrerinnen, Oberlehrcrckrnen nach den preußischen Be­stimmungen von 1894 und 1900, und für das höhere Lehr­amt geprüfte Oberlehrerinnen; für die Studienanstalten (sowohl die nach dem Prinzip der .Gabelung eingerichteten 6 klassigen, als 'die 4- oder 5 klassigen- pro fac. dvc. geprüfte, und auf Grund der preußischen Bestimmungen geprüfte Oberlehreriunen. Die Leitung einer höheren Mädc^nschule ist an die Voraus­setzung mindestens des preußischen Obertehrerinnen-Examens, die einer Studienanstalt an das Examen pro fac. doc. gebunden. Die sogenannte Vorsteherinnen-Prüfung ist zu beteiligen. Für die seurfturrische Bildung ist Trennung der Fachbildung von der Allgemeinbildung zu fordern. Die Allgemeinbildung Der Lehrerin muß der durch das Abiturium uachgewiesenen min­destens gleichwertig sein, d. h. sie setzt 12 bis 13 Jahre Schul­besuch rwraus. An die nach Ablauf dieser Zot abgelegte ^wissenschaftliche Prüftmg schließt sich ein mindestens einjähriger, ! ausschließlich pädagogisch-methodischer Kursus. Den sozialen Ver- fhAtnissen entsprechend müssen für die Allgemeinbildung der Lehrerin durch koedukative oder besondere weibliche Bftdungs- anstalten die folgenden Möglichkeiten gegeben sein: 1. Die ab* geschlossene Volksschulbildung und 6 Jahre Seminar; 2. 9 bis 10 Jahre höhere ^Nädchenschule (Realschule) und drei Jähre Seminar; 3. 12 Jahre Oberrealschule oder Realgymnasium (Studienanstalt). Die in Preußen vorgesel-ene Verbindung der fogenannten Frauenschule mit dem Lehrerinnenseminar ist "nur unter der Voraussetzung zu billigen, daß die Wahlfreiheit für die wissenschaftlichen Fächer auf bestimmte Gruppen vonein­ander voraussetzenden Fächern eingeschränkt wird und Der päda­gogische Fachkursus den Schülerinnen der Frauenschule nicht zugänglich gemacht wird. Die theoretische Fachbildung ist durch philosophische Propädeutik im'Rahmen der Allgemeinbildung Dorsub er eiten. Tie Geschichte der Pädagogik ist gegenüber dem bisherigen Betrieb einzuschränken, die Psychologie bat sich aus­schließlicher als bisher dem Kinde zuzuwenden.

In einer sehr regen Diskussion wurde vor allem die Frage umstritten, ob Die Volksschule eine geeignete Grundlage der Lehrerbildung bieten könne. Tie Majorität der Versamm­lung hielt aber schließlich doch, vor allem aus sozialen Gründen, an dem durch Volksschule und Präparande gehenden Weg neben den anderen von Der Referentin angedeuteten fest. Mit großer Einstimmigkeft wurde Dagegen gegen Die Verbindung Der Frauen­schule mit dem Lchrerinnenseminar protestiert, in Der Befürch­tung, daß dadurch Der Flachcharakter Der Lehrerinnenbildung beeinträchtigt werden würde. Tie Versammlung erklärte ihre Meinung zu diesem Punkt in der fast einstimmig angenommenen Erklärung:Die Verbindung Der Frauenschule mit Dem Lehrer- ümenfeminar ist entschieden abzulehnen/'

Aus Stadt und Lund.

Abdruck unserer durch Äorrespoudenzzeichen kenntlich ge­machten Drgiualartikel ist nur unter genauer Quetteuaugabe (Gieß. Änz.) gestattet.

Gießen, den 24. Mai.

"Gin sehr betrübender tödltcher Unglücks­fall trug sich am Mittwoch abend unweit der Station Saasen zu. Ein Herr stürzte aus dem fahrenden Eisen- bahnzuge und wurde von dem Trfttbrett mehrere Meter hinaus aufs Feld geschleudert. Die Leiche wurde am Donners­tag früh gefunden und das sofort benachrichtigte Amtsgericht Grünbecg stellte fest, daß der Tote dec 27jährige Kaufmann Gustav Schwager aus Gießen war. Auf telegraphische Benachrichtigung erschienen dort alsbald die Angehörigen

des Toten. Herr Schwager -wollte mit dem Zuge 9.11 Uhr von Grünberg nach Gießen fahren. Der Vorgang scheint auffälligerweise weder vom Zugpersonal, noch von den Passagieren bemerkt worden zu sein, da sich bis jetzt niemand gemeldet hat, der nähere Angaben darüber machen könnte, wie sich das Unglück zugetragen hat. DaS jähe unglückliche Ende eines hoffnungsvollen jungen Menschenlebens wird in weiteren Kreisen aufrichtiges Mitleid mit den Hinterbliebenen Hervorrufen.

"Der Bezirkseisenbahnrat tagte am Donners­tag in Frankfurt a. M. Der vorliegende Antrag über Frachtverbilligung von Weichkäse wurde abgelehnt. Der Antrag Koch-Gießen betr. die Frachtoerbilligung von gebogenen Holzstühlen wurde, nach eingehender und Anerkennung einer Berichtigung, zu gründlicher Beratung einstimmig an den Ausschuß verwiesen. In den Ausschuß wurde als ^Ersatzmann zugewählt CeFonomierat Walter- Lengfeld. Bei der letzten Wahl der Mitglieder zum stän­digen Ausschüße und Landeseisenbahnrat war von Seiten der heffischen Mitglieder in einer Vorberatung für jede ihrer Kammern eine Stelle vorgesehen worden, indessen fiel bei der Wahl infolge Zuwahl eines preußischen Mitgliedes Geh. Rat Stroh aus Offenbach aus. Da Kommerzienrat Koch aus Gießen in beide Körperschaften gewählt war, gab er der Direktion die Erklärung ab, daß er aus kollegialer Rücksicht aus eines seiner Aemter und zwar das zum Landeseisenbahnrat verzichte, in der Er­wartung, daß an seine Stelle Geh. Komm.-R. Stroh ge­wählt werde. In der Sitzung vom 23. d. Mts. wurde demgemäß auch dem Plenum eine Erklärung von Komm.-R. Koch abgegeben und seinem Antrag auf Wahl des Geh. Komm.-R. Stroh einstimmig entsprochen. Es wurde dann eine Reihe von Wünschen auf Fahrplanänderungen besprochen. Landtagsabg. Bähr beantragte bessere Ver­bindung des südlichen Oberhessens mit Süd­deutschland bei einzelnen Morgen- und Abendzügen, weiter Einrichtung einer Motorwagenverbindung zwischen Stockheim und Heldenbergen. Ferner bean­tragt Abg. Bähr, daß im nächsten Fahrplan vor Salzhausen das Wörtchen Bad vorgesetzt wird. Der Vorsitzende be­lehrte Herrn Bähr, da er zum ersten Male der Sitzung anwohnte, daß solche Anträge schriftlich angebracht werden müßten. Hierauf verabschiedete sich der am 1. Oktober in den Ruhestand tretende Präsident Thomae, dem Freih. von Stockhausen Worte des Dankes und der Anerkennung widmete.

* * Die Rettun gsT-me daille erhielt von S. K. H. dem Großherzog Der Hauptmann und Kompagniechef Freiherr v. .Preu sch en im Leibgarde-Jnsanterie-Regiment Nr. 115.

"Ein Gewitter suchte uns gestern abend mit mildem, erquickendem Regen heim. Während es bei uns nur höchst gelinde auftrat,hat es imVogelsberge ein gro ß e s Brand- Unglück verursacht. In Sellenrod schlug der Blitz, wie uns drahtlich gemeldet wird, in die Scheune des Geflügel­händlers Lutz. Die Flammen verbreiteten sich schnell und ergriffen Haus und Stallungen. Die Bewohner konnten sich nur mit Mühe retten, aber alles, selbst ihre Kleider, ver­brannten. Der Wind trieb das Feuer auch zu den Nachbar­gebäuden von Löb er und Johs. Müller und auch diese ivurden in Asche gelegt. Ein Glück für das Dorf, war der plötzliche Umschlag des Windes und der einsetzende Regen, der die Löscharbeiten wesentlich förderte; sonst wäre mög­licherweise das ganze Dorf in Flammen aufgegangen. Die Feuerwehren der Nachbarorte beteiligten sich lebhaft am Rettungswerke.

**Tuberkuloseausstellung. Am nächsten Sonn­tag vormittags 11 Uhr findet in der Turnhalle der Stadt­knabenschule (Nordanlage 8) die Eröffnung der von der LandesversicherungHanstalt Großh. .Hessen erricijteten Tuber­kulose-Ausstellung statt.

* * Die Errichtung des Bismarckturms auf dem Taufstein wurde gestern in Angriff genommen. Der Turm wird ans den Felsblöcken erbaut, wie sie am nahen Felsen- meer zerstreut liegen. Die Form ist bis auf 19,35 Meter viereckig, und hier erhebt sich noch eine oberste Plattform von 2,60 Meter, sodaß der Turm rund 22 Meter hoch wird. Den Eingang erhält er vom Hoherodskops aus. Der untere Teil wird als Unterkunftshalle benutzt und erhält einen Balkon. In einer Nische wird das Bronzerelief Bismarcks angebracht. Eine bequeme Treppe soll hinauf zur Platt­form führen, die 6,60 Meter int Quadrat groß werden soll. Die Fertigstellung des Turmes soll bis zum 1. Oft. erfolgen.

* * Von der Auto renn strecke. Aus Weilmünster wftd ein neuer Automobilunfall derKl. Pr." ge­meldet. Ein Automobil der N. A.-G. Berlin, das in zu schnellem Tempo die Kurve bei der Blumenmühle nahm, überschlug und stürzte in einen Graben. Die beiden Fahrer kamen mit dem Schrecken davon, Der Wagen wurde schwer beschädigt. An derselben Strecke war am 12. Mai ein Benz- Wagen verunglückt.

L- Wißmar, 23. Mai. Ein hiesiger Wirt hat die Bierpreise erhöht. Ein großer Teil der hiesigen Be­wohnerschaft meidet infolgedeffen sein HauS und viele ziehen nach Launsbach zum Bier, wo es die alten Preise hat.

-l- Grüaberg, 24. Mai. Ein schweres Unglück trug sich int nahen Deckenbach zu. Die beiden Söhne des Einwohners Reis spielten in Der Scheune eines Nachbars und stiegen bis in Den Giebel. Vorn sogenannten Katzengebälk stürzten sie ab und fielen ca. 8 Mieter tief in Die Tenne, wobei sie auf ein zweites» Gerüst aufschlugen. Die beiden Knaben im Alter von 11 und 13 Jahren wurden bewußtlos und schwer verletzt aufgefunbtn und mußten in Die Klinik nach Gießen gebracht werden.

cb. Laubach, 23. Mat. Die Fertigstellung der hiesigen Friedhofskapelle naht ihrer Vollendung. In letzter Woche wurden die mit bunter Glasmalerei hergestellten Fenster eingesetzt. Sie sind von der Firma Müller-Hickler in Darmstadt geliefert. Vier derselben stellen die Kreuzigung, Auferstehung und die ersten Wunder Christi dar; der Kosten­aufwand beträgt ungefähr 1400 Mark, die von privater Seite gestiftet sind. Die meisterhafte AttSführung erregt die Bewunderung des Beschauers. Hoffentlich gedeihen die Arbeiten im Innern Der Kapelle so, daß der vorgesehene Termin, der 14. Juli, eingehallen werden kann. Die Kapelle enthält 130 Sitzplätze und tst für nächstes Jahr, in dem eine Renovation der hiesigen Sladtkirche tn Aussicht genommen ist, für Abhaltung des Gottesdienstes bestimmt. Tie Pläne zu derselben sind von Architekt Hofmann (Herborn) bereits aunbearbeitet und haben dem hiesigen Kirchenvorstand zur

Prüfung Vorgelegen. Sie bezwecken einen vollständigen Um­bau des Innern und verursachen einen Kostenaufwand von 16 000 Mark.

ch. Gonterskirchen (Kr. Schotten), 23. Mai. Dies Massenerkrankung hat ihr erstes Opfer gefordert. Eine Frau ist während der Pfingstfeiertage unter heftigen Krampf­anfällen ihr erlegen. Da nach neuester Meldung auch Personen in Ruppertsburg, sowie in Mücke, die an der be­treffenden Hochzeit teilnahmen, unter denselben Erscheinungen erkrankt darniederliegen, so neigt man zu der Annahme, daß die Ursache doch in der Teilnahme bei dem Hochzeitsfeste zu suchen ist.

-o- Ulrichstein, 23. Mai. Nach Helpershain, Köddingen und Meiches beabsichtigt die Oberpostbehörde eine Fa hrpost von hier aus emzurichten. Unter- und Ober- Seibertenrod wurden an das Fernsprechnetz angeschloffen.

fc. Offenbach, 24. Mai. (Telegramm.) Die Stadtvev* ordneten genehmigten für die Ergreifung des Bo m bena tten- tätetö' 500 Mark.

X Offenbacha. M., 23. Mai. Das alte Theater wurde durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung wegen seines schlechten baulichen Zustandes im Frühjahr geschlossen. Die heutige Sitzung der Stadtverordneten­versammlung beschloß nun die Einsetzung einer fünfgliedrigen Kommission, die sich mit der Lösung der Theaterfrage zu befassen und der Frage der Errichtung eines städtischen Theater- und Konzerthauses näher zu treten hat. Die Errichtung eines Stadttheatergebäudes für Offenbach, einer Stadt von 60000 Einwohnern, wurde allseitig als erforderlich anerkannt.

Frankfurt a. M., 23. Mai. Der Präsident des eng­lischen Komitees zum Studium städtischer Einrichtungen, Lord Lyveden, erhielt heute folgendes Telegramm: Auf allerhöchsten Befehl danke ich dem Komitee für das aus Goch gesandte Telegramm. S. ALaj. der Kaiser lassen dem Studien-Komitee einen befriedigenden Verlauf der Fahrt wünschen und hoffen, daß die Mitglieder angenehme und nutzbringende Eindrücke in ihre Heimat zurüllnehmen werden. Reichskanzler Fürst Bülow. Heute morgen begann der Transport des historischen Eibenbaumes, der bisher int botanischen Garten stand, nach seinem neuen Standorte. Der Transport des Rieserib-amri.es auf der Straße geschieht mittels Walzen. Der Baum wird aufrecht stehend in einem großen Kasten transportiert. Der Weg ist mit Bohlen belegt, dann wird eine Dampfwalze zum Ziehen vorgespannt und wenn es nötig werden sollte, noch eine zweite. Der Transport geht sehr langsam vorwärts.

Homburg v. d. H., 23. Mai. Die englischen Kommunalpolitiker besichtigten heute die Saalburg und das Homburger Wafferwerk. Nach Einnahme des Tees in Ritters Parkhotel wurden die Quellen und die Badehäuser besucht. Um 7^2 Uhr fand im Kurhaus ein Diner statt; Oberbürgermeister v. Maß begrüßte die Gäste und brachte ein Hoch auf den König von England, Lord Syveden das Kaiserhoch aus, Sir John Gorst toastete auf die Freundschaft. Von der Saalburg wurde ein Telegramm an den Kaiser und von Homburg ein Telegramm an den König von England gesandt.

Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. Ein Vorkommnis, wie es nicht alle Tage passiert, hat sich dieser Tage in Eng eis dach bei Darmstadt er­eignet. Dort ist bei einer Warteirau ein Mädchen aus Offenbach, das im Oktober 14 Jahre geworden und aus Ostern konfirmiert worden war, auf Pfingsten mit einem gesunden Knaben nieder­gekommen. Das 8jährige Töchterchen eines Pulverarbeiters von Groß-Krotzenburg wurde beim Holzlesen im Walde von einem in Groß-Auheim beschäftigten Schuhmachergesellen überfallen, und zu vergewaltigen versucht. Maurer, Die das KinD schreiens hörten, nahmen den Unhold fest, übten auf der Stelle Lynchjustiz' und bewirkten seine Verhaftung. Auf der Straße nach Planig wurden zwei Radfahrer von 4 Strolch en Überfällen und beraubt. Außer Barschaft und Uhren nahmen die Räuber auch die Räder mit sich. Die Täter, 4 Burschen, wurden verhaftet. Ein seit dem dritten Feiertag vermißtes Kind einer Bäckermeisters in H o l z h a u s e n bei Homburg wurde in der Jauchegrube als Leiche gesunden. Das Kind war epileptisch veranlagt und ist jedenfalls durch den Abort in die Grube gefallen. Auf der Mombacher Landstraße wurde in der Nacht zum zwecken Feiertag ein Vize-Wachtmeister von Mainz von mehreren jungen Burschen Überfällen und schwer miß­handelt. Die Rowdies entrissen den Säbel und schlugen in fürchterlicher Weise auf ihn ein. Als Täter wurden drei Burschen ermittelt, Die bereits verhaltet worden sind.

Kirdjc und Schule.

In unserem gestrigen Bericht über die Lehrerver­sammlung in Friedberg befindet sich ein unsinniger Schreib­fehler. Der Taubstummen-Lehrer Mink (Bensheim) gab nicht die Losung:Los von der Kirche, hin zum Altar", sondernLos von der Kirche, hin zum Staat!" Ferner erhält Herr Backes nicht aus der Backesstiftung 500 Mark, sondern dieser Betrag soll der Backesstiftung aus der Kasse des Landes-Lehrer-Vereins zugewiesen werden.

Bon der Mannheimer Ausstellung.

In die Reihe der zahlreichen Sonderausstellungen Der Mann­heimer Jubiläums-Ausstellung reihte sich die Obst- und Ge- müse-Sonderausftellung recht glücklich ein. Die Be- . fchickung mit Spargeln, Kopfsalat, Radieschen und anderem Früh- . gemüfe, sowie auch mit Frühobst, war seitens Der deutschen und ausländischen Aussteller eine äußerst rege.

Eigenartig und packend in ihrer Einheitlichkeit unD Wirkung war ixie Halle, die unter Führung Der Landwirsschaftskammer für das Großherzogtum Hessen Den hessischen Ausstellern zur Schaustellung ihrer Erzeugnisse Diente und Deren Dekorative Aus­schmückung Herr Lebach, DarrnstaDt, als Architekt für Innendeko­ration Der Firma Beißbarth und Hofmann, Mannheim-Rheinau betätigt hatte. Die stilvolle Anordnung ließ Die Ausstellungs­objekte recht vorteilhaft zur Wirkung gelangen und gestaltete sich zu einem Gesamtbild, idtas allgemeinen Beifall hervorrief.

Unter den Ausstellern waren besonders Die Gebiete von Mainz- Mvmbach, Gonsenheim, Marienborn, Budenheim, Ingelheim, Gau-Algesheim, Worms unD Groß-Gerau vertreten, Denen ins­gesamt 80 Preise, Darunter über ein Drittel I. Preise zufielen.

Infolge des internationalen Charakters der Ausstellung-waren neben Den sehr guten Leistungen Der Pfalz unD BaDeus auch Die Franzosen und HollänDer mit zahlreichen Sammlungen er­schienen. In Der Konkurrenz für Gesamtleistung unter Diesen größeren Anbaugebieten wurde ebenfalls Hessen der I. Preis zu- gesprochen.

Auch diese Ausstellung hat gezeigt, daß die beteiligten Anbau­gebiete in friedlichem Wettbewerb ihre Leistungsfähigkeit aus- bauen und Daß auch die hessischen Gemüsezüchter es verstehen^ sich aus Der Höhe der Zeit zu halten.

Kann eine den Tierverkauf vermittelnde Land- wirtfchaftskammer als Tierhalterin betrachtet werden?

Nachdruck verboten. ,

Diese Den Haftpslichtkreis des § 833 B. G.-B. berührende interessante Frage hot das Reichsgericht auf Grund des Nach, stehenhey. verneint.