Ausgabe 
23.8.1907 Zweites Blatt
 
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Vermischte».

* Ein Kirchen streik in dem Orte Breitenbach bei Worbis im Eichsfelde ausgebrochen, lieber dessen Ursachen werden jetzt erbauliche Einzelheiten bekannt. Im Kveisblatt befindet sich ein Eingesandt vonAusstündigen", das die volle Namens- Unterschrift von 20 bekannten Einwohnern von Breitenbach trägt.

aller Entschiedeuheit zuruckweisen, van Kol habe positive Arbeit gefordert. Wir haben immer positive Arbeit geleistet, auch in der Kolonialpolitik. Wenn van Kol das nicht weiß, so wundert mich das nicht, aber Bernstein scheint ganz das Ge­dächtnis verloren zu haben, seitdem er nicht mehr im Reichs­tage sitzt. (Beifall und Widerspruch.) Wir haben ständig gebohrt und haben getan, was wir tun konnten (Ledebours Stimme schlägt über, er schlägt wütend auf das vor dem Präsidenten stehende Pult, sodaß der daneben sitzende van Kol erschrak, van Kol ruft: Wo ist Euer Programm?) Wir brauchen kein Programm, wenn wir nur richtig handeln. Sollen wir uns ein Programm aus den Aermeln schütteln? (Beifall bei den Polen und Schweden.) Wenn wir uns auf ein Programm einlassen, werden wir bald in den Kolonialsumpf geraten. Bern­stein weiß es besser! Das ist derselbe Bernstein, der, als Kiautschou erworben wurde, sagte:Das ist kein schlechter Streich!" Wenn Bernstein eine Dummheit macht, so überschlägt sich Bülow vor Begeisterung und lobt den großen Geist Bernsteins. (Große Heiterkeit.) Dann ist Bernstein plötzlich ein großes Licht, das Bülow über den grünen Klee lobt. (Bernstein lächelnd: Hier denkt Kautsky genau so wie ich.) Ledebour will dann des längeren auf den russisch-japanischen Krieg eingehen, der Vorsitzende Singer läßt das aber nicht zu, worauf Ledebour mit einem Protest gegen Bernsteins Stellung zur Kolonialpolitik seine Rede schließt. .(Beifall und Hochrufe, besonders auf den Tribünen.)

Singer: Es ist vorhin gesagt worden, daß im Haag Diebe und Räuber zusammensitzen. Ich nehme an, daß damit nicht die Personen gemeint sind, die dort versammelt sind, sondern daß nur die kapitalistischen Interessen, die dort gewahrt . werden, mit dieser Bezeichnung belegt werden sollten. (Zu­stimmung.)

Abg. Dr. David (Mainz): Ein großer Teil der Delegierten wird für die Resolution der Kommission eintretcn. Die An­griffe Ledebours auf uns beruhen auf irrtümlichen Anschau­ungen. Wir wollen die jetzige kapitalistische Kolonisations­methode gewiß nicht rechtfertigen. Wir bekämpfen sie mit aller Energie. Trotzdem müssen wir uns an der Kolonialpolitik be­teiligen. Sonst ist jedes Eintreten für koloniale Reformen ein Unding. Ledebour will von Kolonialpolitik nichts wissen. Dabei verlangt er, daß wir für die Eingeborenen cintreten. Wo bleibt da die Logik? Er soll nicht anderen Unlogik vorwerfen, wenn er selbst sich auf unlogischem Boden sich bewegt. (Bei­fall.) (Ledebour: Wir sollten die ganzen Kolonieen abschaffen.) Dann mögen die Engländer und Franzosen, die glauben, daß die Verhältnisse in den Kolonieen nicht zu bessern sind, bean­tragen, daß ihre Kolonieen zunächst abgeschafft werden. (Bei- fall.) (Ledebour: Unsinn und Verdrehungen.) Genosse Ledebour, ich habe Sie nicht unterbrochen und verlange dieselbe Höflichkeit von Ihnen. (Beifall.) Kurz vor Auflösung des Reichstages hat am 1. Dezember 1906 Bebel im Reichstage namens der Partei erklärt, daß Kolonialpolitik betreiben nicht an und für sich zu verwerfen fei. Kolonialpolitik könne unter Umständen eine Kulturmission sein. (Lebh. Hört! Hört! Ledebour schlägt erregt auf den Tisch.) Nun sagt Ledebour: Kein Volk hat das Recht, fremde Völker zu bevormunden. Wie reimt sich das zusammen. Ledebour hat selbst eine Kolonialpolitik zur Erziehung niedrigerer Völker für berechtigt erklärt. (Lebh. Hört! Hört! Ledebour ruft: Schwindel und Verdrehung!) Ledebour durfte nicht Bern­stein angreifen und ihm nicht etwas vorwerfen, was zurzeit des Kulturkampfes geschehen ist. Wir müssen die Kolonial­politik zulassen, wenn wir gegen uns selbst konsequent sein und nicht bloß Phrasen dreschen wollen. Auch unsere Kolonieen müssen eine Wandlung vom Kapitalismus zur modernen Entwicklung durchmachen. Schmerzenswege bleiben der Menschheit nicht er­spart. Wir dürfen nicht nur Kritik üben, nicht nur protestieren. Wir müssen auch positive Ideale und unser Ziel schrittweise zu erreichen suchen. Nehmen Sie unsere Resolution mit großer Mehrheit an. Singer: So geht das nicht weiter, sonst fitzen wir noch 3 Wochen hier. Morgen werden wir über die Geschäftsführung sprechen.

Darauf wurden die Verhandlungen nach 6 Uhr abends auf morgen vertagt., Heute abend geben die Stuttgarter Genossen ein Fest.

Stuttgart, 23. Aug. Ter englische Delegierte Quelch erhielt durch die Stuttgarter Polizei-Tirektion den Befehl, bis heute früh 6 Uhr Stuttgart zuverlassen. Tie Ausweisung ist 'auf 'die Angriffe, welche Quelch während seiner Rede auf dem internationalen Sozialisten-Kvngreß gegen die Mitglieder der Haager Friedens-Konferenz richtete, zurückzu­führen.

Aus Stadt rind Land.

Gießen, 23. Aug. 1907.

** Ordensangelegenheit. Se. Königl. Hoh. der Groß her zog haben bcm Oberbürgermeister Mecu m zu Gießen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dein König von Preußen verliehenen Kronenordens 3. Klasse erteilt.

** Ernannt wurden die Negierungsbausührer Aug. Dogny aus Berlin, Otto Hauck aus Wiesbaden, Hch. Häusel aus Höchst i. O., Hch. Knöll aus Heubach i. O., Ernst Stegmayer aus Gießen, Fritz Thierolf aus Darmstadt, Rob. Wagner aus Darmstadt, Rich. Weine rt h aus Michelstadt i. O. und Gust. Weskott aus Bannen zu Negierungsbaumeistern.

** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Joh. Alt aus Nainrod, Kreis Schotten, eine Lehrerstelle an der Gemeiudeschule zu Gras-Ellenbach, Kreis Heppenheim. Erledigt sind eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Walldorf und die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Airlenbach. Dem Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu ihr zu.

** Zeitgenräßer Reiseplan für Touristen nach d e m Vogelsberg. Abfahrt von Gießen 815 mit der Oberhess. Bahn nach Lauterbach; von hier Benutzrmg der Strecke Lauterbach-Grebenhain-Stockheim. Arckunft in Herbstein lln. Besichtigung der Brandstätte und Fußtour nach Ilbeshausen. Besuch des reizend gelegenen Luftkurortes Hochwaldhausen". In der Villa des Direktors Bcrlit wird ein Druckbogenempfehlenswerter Spaziergänge und weiterer Ausflüge in den Oberwald" in liebensivürdiger Weise umsonst verabreicht. Jedem Touristen ist zu empfehlen die schönste Partie des Vogelsberges,das Schwarzbachtal" biszur Burg", ein höchst interessanter Basaltfelsen, ähnlich der Teuselskanzcl im Hangelstein bei Gießen. Nicht zu versäumen ist ein Gang nach dem aus einem Höhcnzug gelegenen Spitzen Stein". Hier bietet der Vogelsberg dem Besucher eine Naturseltenheit, wie sie in ganz Deutschland wohl nicht wieder zu finden ist. DerSpitze Stein" zeigt in typischer Form einen erloschenen Krater, der riiißSum von haushohen Felsspitzen kreisförmig eingcschlossen ist. Die lichte Weite des Kraters beträgt im Durchmesser 70 dl Von hier zur Oberwaldstraße nach dem Taufstein, Hoherodskopf, Michelbach und Schotten. Abfahrt Bahnstrecke Schotten-Nidda 830, Ankunft in Gießen 1059.

** Prozesse wegen indirekter Abgaben. Zölle und Steuern des Reichs und innere indirekte Abgaben sind in Hessen während des Rechnungsjahres 1906 1256

anhängig und 1223 erledigt worden. Wegen Defraudation wurden 137 Personen im ersten Fall verurteilt, während Rückfälle nicht vorkamen. Der Betrag der hinterzogenen einfachen Gefälle betrug 1400,91 M., der der erkannten Geldstrafen 4867,79 M. Wegen Verstößen gegen die Hundesteuer wurden 74 Verurteilungen mit 1070 M. hinter­zogenen Gefällen und 1834 M. Geldstrafe ausgesprochen, wegen der Wechsclstempelsteuer 35 mit 1,80 M. Gefällen und 250 M. Strafe, wegen der Jagdmasfenpaß-Abgabe 22 mit 885 M. Strafe, wegen der Branntweinsteuer 3 mit 314,70 M. Gefällen und 1773,08 M. Strafe, wegen der Zigarettensteuer 2 mit 1,56 M. Gefällen und 100 M. Strafe, Uebergangsabgabe von Vier, bezw. Branntwein eine mit 12,85 M. Steuerbetrag und 25,71 M. Strafe. Wegen Ordnungswidrigkeiten wurden 752 Verurteilungen mit 2541,50 M. Geldstrafe ausgesprochen. Auch hierbei standen die Verfehlungen gegen die Hundesteuer (502 Verurteilte mit 1413 M. Geldstrafe) an der Spitze. Es folgen Verfehlungen gegen die Branntweinsteuer (89 mit 320 M.), Zölle (58 mit 93 M.), Zigarettensteuer (20 mit 78,70 M.), Jagdwasfen- paßabgabe (16 mit 213 M.), Tabaksteuer (15 mit 204 M.), Reichsstempelabgaben (15 mit 204 M.), innere indirekte Abgaben und Steuern anderer Bundesstaaten (13 mit 63 M.), Abgabe von inländischem Salz (12 mit 46 M.), Brausteuer (5 mit 44 M.) und llebergangsabgaben von Branntwein nn5 Bier (4 mit 37,80 M.). Gar keine Verfehlungen kamen vor bei der Zuckersteuer und der Spielkartenstempelsteuer.

** Vom Manöver. Die ersten größeren Einquar­tierungen trafen Mittwoch und Donnerstag in der Wetterau ein. Die 115 er (Darmstadt) bezogen in Melbach (Regts.- Stab), Dorheim, Södel, Schwalheim Quartier, die 166 er (Hanau) und 81 er (Frankfurt) trafen gestern in den Orten Stockheim, Rohrbach, Düdelsheim, Hainchen, Rommels­hausen und Umgegend ein, um hier Regiments- und Bri­gadeexerzieren abzuhalten, während gleichzeitig die Regi­menter 80 und 88 bei Nordenstadt üben. Nächsten Mittwoch treffen auch die 116 er (Gießen) in Münzenberg, Wölfers­heim und Wohnbach ein; dann ist die 49. Infanterie- Brigade vereinigt. Der Brigadestab kommt nach Wölfers­heim, der Stab der 42. Infanterie-Brigade nach Stockheim. Bei den Regimentern 166 und 168 werden dritte Bataillone formiert, zu diesem Zwecke werden Reservisten zu einer vierwöchigen Uebung eingezogen. Die Bataillone werden nächsten Samstag in Hanau bezw. Offenbach gebildet und rücken eine Woche später ins Manöver. Die 50. Infanterie- Brigade (117 er und 118 er) trifft am 6. September bei, Friedberg, Assenheim, Büdesheim, Groß-Kürben, Kaichen' ein, der Brigadestab kommt nach Büdesheim. Heute sind auch die beiden Artillerie-^Brigaden des 18. Armeekorps in der Umgegend von Vilbel eingetroffen. DaS 25. Feld- Artillerie-Regiment bezog in Nieder-Wöllstadt, Assenheim und Bruchenbrücken, die 61e r Artillerie in Rendel, Petter­weil, Okarben, Groß- und Klein-Karben Quartier, während das Artillerie-Regiment Nr. 27 (Mainz) nach Vilbel, Nieder-Erlenbach und Umgegend kam. Die 21. Artillerie-

I Brigade übt vom 4. September ab bei Oberseemen, Wenings, Gelnhaar. Die stärkste Einquartierung trifft in der Wet­terau am 12. und 13. September ein, fast alle Orte er­halten in diesen Tagen Massenquartiere, nach Friedberg kommen etwa 2800 Mann, nach Bad-Nauheim 1800 Mann, nach Büdingen am 10. September 1700 Mann; auch die Ortschaften erhalten eine um diese Tage sehr starke Ein­quartierung, da sich dann fast das ganze 18. Armeekorps zwischen Friedberg-Bad-Nauheim und Büdingen-Stockheim konzentriert. Die Korpsmanöver sind vom 14.17. Sep­tember, am 18. September nimmt das Manöver voraus­sichtlich im Nidder- und Seemental sein Ende. Das General­kommando des 18. Armeekorps kommt nach Gedern.

** Die spanischen Schatzschwindler sind wieder an der Arbeit. Da sie zurzeit wieder unsere Gegend heim­suchen es liegt uns ein an einem Geschäftsmann in Reis­kirchen gerichteter Brief vor, der diesemnur" 270 000 Franks Gewinn verspricht, wenn er auf den Schwindel hineinfüllt so fei wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß alle der­artigen Angebote plumper Schwindel sind. Bedauerlich ist bei der Sache, daß es den spanischen Behörden an dem guten Willen zu fehlen scheint, diesen jetzt schon jahrelang be- I triebenen gemeingefährlichen Unfug zu beseitigen.

** In Amerika verstorbene Hessen. Peter Pfeif aus Geilshausen, 76 Jahre alt, zu West-Burlington, Java. Georg Balzer sen. aus Rommerz, Kurhessen, 73 Jahre alt, zu Pittsburg.

Großen-Linden, 22, Aug. Der Briestauben- Sportverein Preungesheim bei Frankfurt ließ heute hier eine größere Anzahl Brieftauben ausfliegen, die alsbald südliche Richtung einschlugen.

Nieder - Florstadt, 22. Aug. Der 23 Jahre alte Weißbindergeselle Schmidt stürzte heute mittag vom Gerüste eines Neubaues zwei Stockiverke in die Tiefe, wo er bewußtlos und blutüberströmt liegen blieb. Er war beim Fallen mit dem Kopf mehrmals auf Stangen aufgeschlagen und trug eine schivere Gehirnerschütterung und äußere Ver­letzungen davon.

/\ Sichenhausen, 21. Aug. Bei der heute vor- genommeuen Ersatzwahl zum Gemeinderat wurden gewählt: Heinrich Haas VIII. mit 37, Heinrich Adolph III. mit 32 und Wilhelm Schultheis mit 26 Stimmen.

? Burkhards, 22. Aug. Eine im Greisenalter stehende Frau fiel rücklings die Haustreppe hinab und starb an den erlittenen Verletzungen.

R.B. Darmstadt, 22. Aug. In der heutigen Sitzung der S t a d t v e r o r d n e t e n widmete Herr Oberbürger­meister Morneweg dem verstorbenen langjährigen Mit- glied Otto Wolfs kehl einen tiefempfundenen Nach­ruf. Der Oberbürgermeister rühmte die ausgezeichneten Eigenschaften des Dahingeschiedenen als Mensch und Mit­bürger und schilderte dann die unvergeßlichen Verdienste, die er sich in seiner 33 jährigen Zugehörigkeit zur Stadt­verordnetenversammlung, sowie 20 Jahre hinourch als Vorsitzender des Finanzausschusses erworben. Namens des gesamten Stadtverordneten-Koltegiums rief Stadtv. Justiz­rat Schmeel I. dem dahingeschiedenen Kollegen und Freund ebenfalls herzliche Dankesworte nach. Nachdem dann die Versammlung noch auf dringlichen Antrag be­schlossen hatte, zum Besten der von dem Brandunglück in Herbstein Betroffenen ben Betrag von 1000 M a r k zu bewilligen, schloß der Oberbürgermeister zum ehrenden Gedenken an den Verstorbenen die Sitzung.

In diesem Eingesandt heißt es:Wäre vom Pfarrer Köhles die, Einführung des neuen Gesangbuches in der geschilderten Weise erfolgt, so hätte kein vernünftiger Mensch etwas da­gegen einzuwenden gehabt. Aber wenn, wie geschehen, Kir- chenbesuchern während der heiligen Handlung solche markanten Worte wieGrölpelze, Dickköpfe, Bläh, fchafe, Pack" usw. entgegenschallen, so muß dies un­bedingt böses Blut erregen. Sofort nach diesem Vorfall ist der Kirchenvorstand geschlossen nach der Pfarrei gegangen und hat.sich eine solche Behandlung ganz entschieden verbeten. Tie Einführung des Gesangbuches hätte in ruhiger, sachlicher Weise sich recht gut durchführen lassen, aber wenn kultivierten Leuten solche Worte an den Kopf geworfen werden, so weiß man nicht, ob man sich auf dem Kasernenhose oder in der Kirche befindet."

* Kleine Tageschronik- Am 21. August erschoß sich Hauptmann H a g e m a n n vom Infanterie-Regiment 68 auS Coblenz im Barackenlager Friedrichsfeld- Der Hauptmann sollte in einem Prozeß als Zeuge vernommen toerben- Musik­direktor Stein del in Stuttgart hat sich dem Urteilsspruch der Strafkammer, die ihn, wie bekannt, wegen Mißhandlung seiner Söhne zu sieben Monaten und drei Tagen Gefängnis verurteilte, unterworfen. Tas Urteil ist: Immit rechtskräftig geworden. Die drei Söhne haben nach ihrer bitterbösen Lehrzeit auf ein wei­teres Auftreten als Künstler Verzicht geleistet und wollen sich anderen Erwerben zuwenden- Die beiden jüngsten Söhne lernen unter Aufsicht des VormundschastsgerichteS das Lithographen­handwerk. Tas Steindelauartett ist damit endgültig aufgelöst. In Berlin wurde d-er Laufbursche Emil Weiland, als er mit seinem Zweirade durch "die Straße fuhr, von einem Pri- vatautomobil überfahren. Man brachte den Schwerver­letzten zu einem Arzt, wo er kurze Zeit daraus verstarb- In Kalw in Württemberg wurde seit neun Tagen der sieben­jährige Pslegesohn eines Gast Hofbesitzers vermißt- Jetzt ist seine Leiche in einem verschlossenen Kvffer auf einem Bühnenraum entdeckt worden- Tie gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet. Unweit von Paler mo wurden zwei Kisten, die die Leiche eines vornehmen Jünglings enthielten, auf freiem Felde brennend vorgefunden- Die Kisten waren vorher mit Petroleum begossen worden. Tie Polizei nimmt an, daß es sich um das Opfer eines Liebesromans handelt- Bei Leob sch ü tz wurde der Versuch ge­macht, den von Teutsch-Rasselwitz eintreffenden Personenzug zum Entgleisen zu bringen- Am Ucbergange war ein Drahtseil gespannt worden, welches der Zug zerriß- Als Urheber dieses Anschlages wurde der frühere Eisenbahnarbeiter Brandel ver« haftet-

Tübingen, 21. Aug. Die Dorstandschaft der medizinischen Poliklinik nnirbe dem Prioaldozenten Gottfried Müller unter Verleihung des Titels eines außerordentlichen Professors übertragen. Der frühere langjährige Kirchenrechtslehrer, Professor T hu d i ch u m, ieierterte jein goldenes Doktorjubelfest. Die Universität Gießen übersandte ihm ihre Glückwünsehe und erneuerte das Doktordiplom.

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Kandel.

Roosevelts n e n e st e Rede. Mit großer (Spannung wurde Roosevelts neueste Rede von der Börse erwartet und iin allgemeinen war man darüber befriedigt. Ter Präsident erklärte selbstverständlieh, daß er auf seiner Antitrustpolitik bestehen bleibe. Er ließ mich keinen Zweifel darüber, daß er die ungesetzlichen Auswüchse des amerikanischen Großkapitals verfolgen werde und betonte, daß Verbrechen nicht dann milder behandelt werden dürfen, wenn sie von reichgewordenen Leuten begangen werden. Aber ans feinen Ausführungen ging auch hervor, daß die Bekämpfunsi der Trusts mehr ein künftiges Programm bilden soll, als daß es sich auf vergangenes erstreckt. Auch erklärte Roosevelt, daß die Regierung feine Aktion unternehmen werde, wenn durch die Straf- maßnahmen die unschuldigen Fondsbesitzer und das Publikum als ganzes in Mitleidenschaft gezogen würden. Daraus wurde ge­schlossen, daß die Strafen künftig in erster Linie die schuldigen Personen und nicht die Finanzen der Gesellschaften treffen fotzen. Alles in allem kann man sich aber doch nicht des Eindrucks er­wehren, daß auch in Regierungskreifen die Meinung besteht, mit dem ersten Urteil gegen d.StandardOil Company habe man nicht ganz das Richtige getroffen, und daß man es in Zukunft besser und sicherer machen ivolle, so daß die Geldmärkte weniger davon be­einflußt werden können. Ob und wie dies gelingt, ist eine Frage der Zukunft.

Aus der Tabak-Industrie. In den dtnsehtert Berichten des Jahresberichts der Mittelfränkischen Handelskammer in Nürnberg teilt eine Nürnberger Tabak- und Zigarrenfabrif mit, daß der Verbrauch von Sumatra- und ebenso von Havanna- tabak so zugenommen hat, daß die Ernten nicht mehr ausreichen; Amerika allein nimmt riesige Massen davon vom Markte, wobei es für feinste Waren Preise bezahlt, wie sie in Deutschland niemals angelegt werden können. Dazu kommt für die Zigarren­industrie eine weitere Schwierigkeit, als es Mode geworden ist, nur ganz helle Farben zu verlangen. Der Fabrikant steht ost ratlos ibia, weil es gar nicht möglich ist, diesem Wunsche zu entsprechen.

Lkttgesandr.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei

Verantwortung.)

Unsere Stadt hat eine Ausdehnung erreicht, die die Errichtung einiger Bedürfnishauschen s ü r Frauen unumgänglich notwendig macht und zwar würde an die Herstellung mehrerer, anständiger Toiletten mit Wartefrauen zu denken sein, welche gegen ein kleines Entgelt die Abteile dauernd in Ordnung zu halten hätten, ivii dies in größeren Städten allerorten anjutreffen ist. Vielleicht geben diese Zeilen unserem verehrt. Stadtvorstand Veranlassung, dieser 2higelegen()eit näher zu treten. N

Telefonische

des Giessener Anzeigers, mitge und Industi

Frankfurter Hör 3/4% Reichsanleihe . . 92.00 3% do. . . 81.65 3 % Konsols .... 92.10 3% do. . « . . 81.65 3^% Hessen . . . . 91.30 3/4% Oberbessen . . . 99.00 4% Uesterr. Goldrente . 97.60 4l/6 % Oesterr. Silberrente 96.90 4% Ungar. Goldrente . .--

4% Italien. Rente . . . 103.00 3% Portugiesen Serie I . 66.00 3% Portugiesen III 66.50 4>^% russ.Staatsanl. 1905 90.80 4/6% Japan. Staatsanleihe 88.20 4% Conv. Türken von 1903 93.40 Türkenlose 139.60 4% Griech. Monopol-AnL . 46.40 4% äustere Argentinier . 80 50 3% Mexikaner . « . 60.70

4>6% Chinesen .... 94.40

Aktien:

Bochum Guss 205.70 Buderus E. W. . . . . 111,00 Tendenz: fester.

Bierliiier Börse,

Canada E. B 160.75 Darmstädter Bank . . . 124.00 Deutsche Bank .... 221.60 Dortmunder-Union C. . . 62.10 Dresdner Bank .... 166,80

Tendenz: schwächer.

Kursberichte

teilt von der Bank für Handel : ie, (liessen.

se, 23. Aug., 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . , . 113.50 Elektriz. Schuckert . . . 97.00 j

Eschweiler Bergwerk . . 201.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 188.00

Hamburg- Amerik. PakelL 125.20

Harpener Bergwerk. . . 188.90 1

Laurahütte 219.50 s

Nordd. Lloyd 109.60 j

Oberschi es. Eisen-Industrie 97.50 i

Berliner Handelsges. . . 149.60 Darmstädter Bank . . . 124.20

Deutsche Bank .... 221.60 J

Deutsch-Asiat Bank . . 138.50 £ Diskonto-Kommandit. . . 166.70 <

Dresdner Bank . . . 136.25 ,

Kreditaktien 197.50 , Baltimore- und Ohio-

Eisenbahn .... 90.20 , Gotthard bahn 188.5^

Lombard. Eisenbahn . . 30.2' Oesterr. Staatsbahn . . . 137.7^

Prince-Henri-Eiseubahu . 124.5U ?

3. Aug. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 188,50-

Laurahütte ....1

Lombarden E. B. ... 80.3( i

Nordd. Lloydj

Türkenloae . . . . . 140,4t y