Ausgabe 
23.4.1907 Zweites Blatt
 
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Dienstag 23. April 1807

Zweites Blatt

157. Jahrgang

Nr. 94

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

RotanonSdruck tmb Verlag bet Br üblichen UnwerütätS - Buch- und 6 ttmO ruderet 8L Laage. Stegen.

SRebaftton, Exvedttion und Druckerei: Schul- stratze ?. ErpedlNon und Verlag; 5L ReOaklwn: 112. teL-Qlbu An»eigerGr«tz«.

E^cheinl-ttch mit Ausnahme d«S Sonntag».

Die ..Oletzeaer ZamMendlStter" werde« dem .Anzeiger^ vrerrnal wöchentlich bcigelegt, das 'Krdsblatt Mr deo Krds Sletzen" zweimal wöchenUrch. Derhesyfche CanöötrT* erfcheurt rnonalUch einmal.

politeiebe Cagesfcbau»

Ministerwechsel in Baden.

Der Großherzog von Baden hat das vor etwa vierzehn Tagen von dem Mmhier des Innern, Tr. Schenkel, ans eigener Initiative elngereichte EntlassiingSgesuch ge­nehmigt und den Oderdicektor deS Wasser- und Slraßen- baueS Fcelherrn Heinrich o. Bodman zum Siachsolger ernannt. Dr. Schenkel tritt auf den Posten deS Präsidenten der Lderrechnungslammer zurück. Ter bisherige Inhaber dec Stelle, der 74jährige Geheimrat Joos, tritt m den Ruhestand. Dr. Rar! Schenkel, ein Sohn des bekannten badischen Theo­logen, wurde 1845 in Schaffhausen geboren. Er begann seine Beamtenlausbahn 1871 als Referendar beim Ministe­rium deS Innern; 1873 wurde er Hülssarbeitcr beim Handcls- ministerinm, dann Ministerialassessor und 1876 Ministerialrat, 1893 Ministerialdirektor, 1900 Präsident des Ministeriums des Innern. Die DerfassungSrevision mit der Einführung des gleichen, geheimen, direkten Landtags- Wahlrechts ist Schenkel» persönliches Werk. Sem höfischer Einfluß war, so wird der »Franks, ßig.' geschrieben, wohl nie sehr stark. Vielmehr mag die sarkastische und innerlich selbstbewußte Art der »kleinen Exzellenz* zu mancher einfluß­reichen Gegnerschaft verhalfen Haden. Obgleich eine Natur, die Widerständen eher entgegengeht, al5 ihnen auSweicht, hat Schenkel schließlich doch wohl das Empfinden haben müssen, dag er bei der nun einmal stark mitsprechenden obersten Stelle auf die Dauer nicht mehr baS unerläßliche Maß von Rückhalt fand.

Sein Nachfolger Freiherr Heinrich v. Bodman au5 Freiburg, em Mitglied einer der ältesten, katholischen AdelSsamilien deS Landes, ist 1851 geboren. Er wurde 1877 Referendar beim Ministerium deS Innern, 1878 Amtmann in Baden, 1891 Ministerialrat im Ministerium deS Innern und vor kurzem an des jetzigen FlnanzmimsterS Honfell Stelle Oberdirektor deS Wasser- und Straßenbaues. Er hat einmal für die Nationalliberalen gegen das Zentrum zum Reichstag in Konstanz erfolglos kandidiert. Die allgemeine politische Einschätzung weist ihn jedoch durchaus nach rechts. AuS seiner früheren Amtstätigkeit wird allerlei Originelles erzählt. So soll er als Amtmann m Baden-Baden eimt dem Groß- Herzog als dem Besitzer deS Schloßes einen Strafzettel geschickt haben, weil au8 dem Schloß anläßlich einer Hoch­zeit gegen das Polizeiverbot geschosien worden und der eigent­liche Täter nicht zu ermitteln roar. Daß BodmanS Eintritt in das Ministerium eine Verschiebung nach rechts bringen muß, ist ganz unverkennbar.

Schiffahrtsabgaben.

Die vom preußischen Elsenbahnminister angekündigte Vorlage, durch die eine authentische Interpretation des Art. 54 der Reichsoerfassung über die Zuläffigkeit der SchiffahrtS Abgaben auf regulierten Strömen herbeigeführt werden soll, dürfte binnen kurzem dem Bundesrate zugehen. Der Reichstag wird sich aber kaum noch während seiner jetzigen Tagung damit befassen können.

Die Stuttgarter Handelskammer in ihrer letzten Sitzung sprach sich für den Beitritt zu der von Preußen vor­geschlagenen Konvention unter der Voraussetzung, daß die verfassungsmäßigen Rechte gewahrt, die Württemberg ver­sprochenen Anteile an den Abgaben gesichert und die Schiff fahrt auf dem Neckar für den Verkehr mit Schiffen von mindestens 10001200 t ermöglicht wird. Erne ähnliche Entscheidung traf auch die Handelskammer in Ulm.

veutscheA Reich.

Berlin, 22. April. Unter dem Vorsitze des Staats­sekretärs Dr. Graf v. Posadowsky trat heute der Wirt­schaftliche Ausschuß zusammen, um über den Abschluß eines provisorischen Handelsabkommens mU den Vereinigten Staaten zu beraten. Nachdem der Vor­sitzende den Inhalt des Abkommens erläutert und die Bedeutung des Handelsverkehrs zwischen Deutschland und den Bereinigten Staaten bar gelegt hatte, erstatteten die damit betrauten Mitglieder des Ausschusses umfassende Re­ferate über den Text des genanten Abkommens, über die Vertragszollsätze, welche beide Teile einander einzuräumen bereit sind, und über die Erleichterungen im Zoll­abfertigungsverfahren, die den deutschen Laren in den Vereinigten «Saaten zuteil werden sollen. Es ist anzu­nehmen, daß die Verhandlungen zu einer Verständi­gung über das Provisorium führen werden.

Freiherr v. Gall, General der Infanterie und Gouverneur von Köln, wurde in Genehmigung seines Ab­schiedsgesuches zur Disposition gestellt.

Der vom BundeSrat gnieqmigte Gesetzentwurf betr. Abänderung der Gewerbeordnung enthalt den sog. kleinen Befähigungsnachweis. Danach sollen m Zukunft nur nc g e pr ü s te M e i ste r zumHalten von Lehrlingen berechtigt sein. Der Gesetzent­wurf, betr. Einschränkung derMajestätsbeleidi- gungsprozesse wird im Bundesrat erst in einer der nächsten Sitzungen verabschiedet werden können, weil unter den Bundesregierungen noch Meinungsverschieben- he iten über die Fassung bestehen.

Im Abgeordneten Hause wurde heute zu­nächst über die seinerzeit zuruckgesteltten Titel des Justiz- etats, die die Gerichtssekretäre und Amtsanwälte betreffen, beraten. Die Budget-Kommission hat beschlossen, die ge­hobenen Stellen zu streichen unb hatte außerdem die Gl eich­st e 11 u n g der Gerichtssekretäre mit den Ver- waltiingsbeamten angenommen. Minister Dr. Beseler betonte, daß er mit den Beschlüssen der Kommission ein­verstanden sei. s)tad) kurzer Debatte wurden die Anträge der Budgetkommission angenommen. Es folgt der Etat der Ansiedelungs-Kommission für West Preußen und Posen, der wieder eine sehr lebhafte Polendebatte herbeiführte.

Der demnächst dem Reichstage zugehende neue Er- gänzungsetat wird u. a. die Teuerungszulage für die Beamten bringen und 15 Millionen als erste Rate für die Erweiterung des Nordostsee-Kanals fordern.

Der Senior en konvent des Reichstages trat heute nochmals zusammen, um angesichts der Geschäfts­lage eventuelle neue Vereinbarungen zu treffen. Dian hat indessen von weiteren Vorschlägen Abstand genommen und will daran festhalten, aufjeden FallvorPfing- sten fertig zu werden.

Folgender Antrag wird von den Freikonservativen, den Nationalliberalen und den beiden freisinnigen Parteien bei der 3. Lesung des preuß. Etats zum TitelGehalt des Kultusministers" gestellt werden: Das Haus der Abgeord­neten wolle beschließen, den Minister anfzufordern, im Hinblick auf die Untersuchungen, die der Handels Minister und der Deutsche Verband für das kaufmännische Unter­richtswesen über die Vorbildung der Fortbildungsschüler angestellt haben, in eine allgemeine Prüfung der Frage eingutreien, inwieweit der Volksschulunterricht den Anforderungen des Lebens genügt, auf welche Gründe die etwa sestzuftettenben 9Jlängel zurück­zuführen sind, und welche Maßregeln zur Beseitigung dieser Mängel erforderlich scheinen, und die Ergebnisse, dieser Prüfung dem Abgeordnetenhause in einer Denkschrift mit» jut eilen.

Hamburg, 22. April. Die Hauptversammlung des Zentralvereins der deutschen Lederindustriellen

nahm eine 3te]oiu.ion an, in uee ^ec, ^unvcu^ai von neuem um Beseitigung derZölle für Gerb-Ma­terialien ersucht wird, und beauftragte den Vorstand, bei den Mitgliedern über ihre Stellungnahme zu dem Plane einer Berliner Weltausstellung eine Erhebung zu veran­stalten und das Ergebnis zu veröffentlichen.

M ü n d) e n, 22. April. Sozialdemokratische Vers ammlun gen im Theater werden demnächst in Passau stattfinden. Weil dort die Sozialbeniokraten für ihre Wah Iver f amm tun gen leinen Saal finuen konnten, haben iie sich an den Magistrat mit der Bitte gewendet, ihnen ein städtisches Lokal zu überlaffen. Der ^lagijirat hat innen nun für zwei SonneagnachmiUage den Parrett- und Par- terreraum des dornigen Stadttheaters zur Verfügung ge­stellt unter der ausdrücklichen Bemerkung, daß dies nur für die bevorstehenden Land tags wählen gelte.

Im bayerischen Verbauoe des Ftottenvereins wird eine neue große Kundgebung gegen General Keim und das Präsidium Dorbereitet. Man will nicht eher ruhen, bis Keim das Präsidium niedergelcgt hat. Charakteristisch für die jetzige Bewegung ist, bau Wert daraus gelegt wird, zu betonen, ein großer Teil der Oppo- nenten gehöre nicht dem bayerischen Zentrum an.

Ausland.

Paris, 22. April, 'jtaiy euiec Depesche aus Tanger über­reichte der Vertreter des Sultans für auswärtige Angelegenheilen Mohamed ei TorreS dem französhchen Gesandten R^gnault eine Note, worin er im Namen deS S u 11 a n s die A n n a h >ne aller von Frankreich ge ft eilten Forderungen mittcilt.

Man versichert hier, König Eduard werde Enoc Mai nach Abschluß seiner Frühlingssahrt die Rückreise aus Süditalien zu Lande in einem Sonoerzuge von Neapel nach Paris bewerk- Iteliigen und einen kurzen Aufenthalt in Paris nehmen, ehe er sich nach London begibt

Saures beyanbeue heute die deutschen Einkrei­sung s b e s o r g n i s s e als befremdliche und unbegründe te Nervosität und fährt fort: Das republikanische, tief sriedenliebende Frankreich würde sich zu le mein Aben­teuer hergeben, worin es den Citymaklern in die Hände spielen würde. Deutschlands Nervosität ist übertrieben. Statt sich die Gefahren seiner angeblichen Vereinsamung vergrößert auszumalcn^ würde es besser daran tun, z n untersuche n, ob im Vorgehen seiner Diplomatie alles darauf berechnet ist, Deutsch­land Europas Sympathieen zuzuziehen. Andererseits ist es indes tatsächlich die Pflicht aller Regierungen, alles z u ver­meiden, was Deutschland die Annahme irgend einer feindlichen Verschwörung nahelegen könnte. Frankreich kann dazu beitragen, Mißtrauen und Mißverftändnisie zu zerstreuen.

Rom, 22. Aprll. König Eduards Aufenthalt in Neapel sott, wie es in Hoskreisen heißt, auch zur Vorbereitung der Ver­lobung seiner mitaiuo es enden Tochter Victoria mit dem aus Anlaß eigens aus Turin dorthin gereiften Prinzen Vic­tor Napoleon, dem Vetter des Königs Victor Emanuel, benutzt worden fein. (Dtsch. Tgztg.)

Budapest, 22. April. Die Banernf rage wachst sich auch in Ungarn zu einem rumänischen Gewitter aus, wenn nicht Abhilfe gejchaffcn wird. Imäüeftungar. Grenzboten" ruft Simonyi jun. feine Stimme zum Strecke für die Erhaltung des Bauernstandes, welcher der eigentliche Kulturträger, die Mhr- und Wehrkraft der Nation sei.

Neues aus Nußlaud.

In Lodz touroe auf dem Wege von der Stadt znm staatlichen Alloholdepot der Wagen, in welchem der Steuer­erheber mtt 4925 Rubeln uni) zwei Wächtern sich befanden und der von vier Soloaten begleitet wurde, von 20 Be­waffneten angegriffen, die eine Bombe schleuderten. Sie explodierte mit furchtbarem Knall. Gleichzeitig eröffnecen die Angreifer Feuer aus Brouningpistolen. Ein Soldat wurde getötet, die drei übrigen schwer verwundet, ein Wächter und der Kutscher leicht, auch die Pferde verletzt. Die Täter sind entflohen, nachdem sie das Geld geraubt hatten.

In W a r s ch a u wurden ein Revier-Aufseher und zwei Soldaten auf offener Straße durch Schüsse getötet Das Kriegsgericht verurteilte acht Personen zum Tode.

In unserem Artikel »Der Schwarze Adler* in Nr. 93, 2. Bl., hieß es:

Ter Kaiser begrüßte seine Gäste mit den Worten: »Ich habe nicht geglaubt, daß ich einmal öte Ehre haben würde, solche Berühmtheiten zu {eben/

Dazu wird uns heute aus unserem Leserkreise ge­schrieben :

Dar Kaiser, der sich der sranzostschen Sprache bediente, ge< brauchte nicht das Wortcel6britesH, das dem denvchen »Berühmt- heuen" euhpräche, sondern den Ausdruck8ummit&r, der eigentlich yöch ft e Q> ip i e l, m unterem gaile aber figürlich »hervor- Zagende P e r f o n e n" bedeutet. So ist auch das Wortspiel, nick dem Saint-Saens dem Kayer anuvortete, uciiiänblict): »Wenn ivir die Alpen find, ist Eure 'Dtajeftat der Himalaya."

Dcr Herr Einsender wird ja wohl recht haben. Uns lag nur der bereits verdeutschte Wortlaut der lasterckchen An­sprache vor.

Alernes Feuilleton.

= Aus Wiesbaden schreibt man uns: DieWies­badener Gesellschaft für bildende Kunst" eröffnet am 14. Mai im ehemaligen Kurhausprovisorium eine Ausstellung des Gesamtwerkes Albert Bartholom s's, des durch sein To­tendenkmal auf dem Pöre Lachaise zu Paris ui Welt­berühmtheit gelangten Meisters. Den Glanzpunkt der Aus­stellung, die zahlreiche Originale in Marmor und Bronze enthält, bildet der vierte und letzte von der Stadt Paris genehmigte Originalabguß dieses Hauptwerks des Meisters.

DieMeistersresservonNürnberg." Unter dieser Spitzmarte bringt dcr vortrefflicheKun ft wart" (Verl, von Gg. D. W. Eallwey, München), dessen Bemühungen um die kulturelle Hebung und künstlerische Erziehung der gegenwärtigen Generation nicht genug anerkannt und unter­stützt werden tonnen, einen Beitrag zur Kulturgeschichte Neu- Nürnbergs.Es klingt ja etwas despektierlich," schreibt diese Zeitschrift,wenn man's so lieft: dieFresser", aber es kann wohl nicht beleidigend sein, denn der Ausdruck ist Selbsteinschätzung. Nach dem neuesten Nürnberger Adreß­buch nämlich gibt es dort als eingetragene gesellige Vereine neben einem Schmaußv er einen uno vier vereinen noch 52 schreibe fünfzig und zwei Freßgeiellschaften, Freß­vereine, Freßklubs usw. Die meisten sind nach der Stadt- gegeud benannt, aber manche haben auch noch sehr schöne Sondernamen, zum Beispiel: Freßverein ,,Bis er platzt", FreßvereinDie Assen", FreßvereinHau bi o", Freßverein Nimmersatt", FreßvereinTon de aout" (Tu dir gut), Freß- vereinUnaufhörlich", Freßverein ,Mecherei". Daseinszweck der Freßvereine ist, so lange Geld zu sammeln, bis ein ordent­liches Fressen gehalten werden tonn. Nicht zu ersehen ist nur, ob man alsdann in der Stadt der allen ästhetischen Kultur zu Ehren Dürers und Vischers, Hans Schhsens und Pirckheckners oder ihrer würdigen 9Lachfahren im heutigen Sllllnberg frißt."

Von Fäls cherkünften auf dem Gebiete der Malerei erzählt eine Novelle des geistreichen Pa­riser Publizisten Karl Eugen Schmidt, die unter dem Titel Vivat Watteau!" in Dem Februarheste der Zeitschrift Meifter der Farbe" (Veriug von E. A Seemann in Leipzig) zu er ich einen beginnt. Diese Zeitschrift führt, wie bewnnt, die besten Meister der modernen Malepei in

ihren Leistungen durch fa£|imueneireue Nachbildungen in farbiger Erscheinung vor. Das Heft zeigt uns einen erst neueroings wieder zur Geltung gelang-en Döeifter Caspar David Friedrich, her in Armut lebte unb in Sorgen ge­storben ist wie so mancher an bete Stern erster Größe am Himmel ber Kunstgeschichte. Von bett gegenwärtig berühmten Meistern zeigt bas Heft einen Bacchantenzug von Fritz Ang. Kaulbach, ben man ben Paul Heyse ber beut* scheu Malerei nennen könnte. Besonders beliebt sind die Landschaften H. Rübisühlis, bessen Bild am heiligen Wasser von ber etwas bödlinijierenöen Art bes Künstlers eine gute Vorstellung gibt Die französische Aialerei ist burch ein seines Lonbschaftsbild von I. I. Gabriel, bie englische burch ein Tierbiib von Pirie, spielenbe Terriers, vertreten. Ein liebenswürbiges Werk ist Th. Alls Siebenschläferchen, bessen Urheber zu den Freunden W. Leibls zählte unb diesem Meister auch in ber Kunstweise nahe steht

Die bilb enbe Kun ft ber Gegenwart von Hosrat Prof. Dr. Joseph Strzygowsti in Graz. 8° XVI unb 280 S. mit 68 Abbildungen, in Büttenpapier» umschlag, geh. 4 Mk. Wie wenige sind berufen, dem Publi­kum ein Führer zu sein durch das Gewirr von Richtungen und Meinungen, bie unterscheiden, was Diode von heute ober gestern ist unb worin Wesen unb Zukunft steckt. Um so bankbarer müssen wir sein, wenn ein vebeutenoer Kunst­historiker sein Scherflein spenbet zu unserer künstterischen Erziehung. So begrüßen wir benn StrzWowskis Wert mit besonderer Freude. Cs wird vielen die Augen öffnen über das künstlerische Leben der Gegenwart uno lehren, Echtes von Falschem zu scheiben. Persönlich [inb feine Ausführ­ungen burch unb durch; man könnte sie fast Bekenntnisse nennen. Strzygowsti zieht alle Zweige der bildenden Kunst, Architektur unb Plastik, Griffelkunft unb Malerei gleichmäßig in den Rahmen )einer llntersnchung, geht stets an Hand trefflicher Alwckoungen aus vom einzelnen Kunst- wert und dessen Schöpfer. Dieses sucht er zunächst zu er­fassen und zu werten unter häufigem Vergleiche mit ent­sprechenden Kunstwerien vergangener Tage. ^Scharfe Kritik übt er bisweilen an manchen .tzence als anez:tonnt gelten­den Sternen des Kunsthimmeis. Unv über sachliches Ver­ständnis hinaus sucht er einzudringen in das £>ejen der einzelnen Künste jeibft unb in chrem Verhältnis zum Menschen, Er will zu einem Lunirverstpndnis erziehen,

bas, wie er selbst jagt,eine Leoelisanschauung ijt, die es mit sich brüigt, daß über allem persönlichen Vorteil nie die Freude am Lebensproblem selbst vergessen wird".

Deutsche Arbeit" betitelt sich eine im Reich leider noch viel zu wenig bekannte sehr vornehme unb ge- biegene Monatschrist für bas geistige Leben ber Deutschen in Böhmen (Prag, Karl Bellmann). Herausgegeben im Auf­trage der Geselijchait zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen. Abonnementspreis vierteljährlich 3. Mk., bas einzelne Heft 1.20 Mk. Nr. 7 enthält, neben vielen schönen und wertvollen lyrischen unb novellistischen Sp-enben Prager Autoren, von ben Professoren Sauer und Sau ff en hochinteressante lckerarhistori che ferner von Ernst Rychnovsch einen musikhistorfichen. Be­sonders reich ich der Anteil bes Dramas geraten, ver­treten burch Emll Faktor, Louis Weinert und Justus Frey. Prächtig sind besonders die Kunstblätter: sechs farbige Re- produttionen nach Originacholzjchnitten von Klemm unb Thiemann, bannucr eine sehr fein farbige Freilichff kizze auä ber sog.S ch epp allee" in 2 arm stabt. Die Bäum? erscheinen hier fast wie Riesenschlangenungeheuer.

Hessenlust" nennt jia) ein neues Novellen- bud) von Alfreb Bock, das demnächst in Berlin er­scheinen wirb. Otto ttbbelohbe hat das Werk mit künst­lerischem Buchschmuck versehen.