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21.2.1907 Erstes Blatt
 
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L 57. Jahrgang

es Blatt

General-Anzeiger für Oberheffen

Botationsbrud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zlelndruckerei. R. tange. Heöattton, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7.

ben heulieben kernigen LharaktertypuS, der trotz aller Dünnen, wird man ja sehr begreiflich finden. Die Direktion aber

Gillos den yersueven H ___ »mitliA bemühen, un er Damenper onal nicht ganz

Wie stets, so vollzog sich die durch Namensaufruf und Zettelabgabe bewirkte Präsidentenwahl auch heute unter leb­hafter Unruhe des HauseS, und nicht minder dem Herkommen gemäß verzögerte sich die Feststellung deS Wahlresultats. Aber noch ehe eS verkündet wurde, umdrängten bereits die Konservativen ihr Mitglied, den Grafen Stloberg.Wernigerode, ihn mit Glückwünschen überschüttend. Der hochgewachsene, breitschultrige ostelbische Agrarier war zum Präsidenten gewählt. AlS in die Bravorr,fe dec Rechten und Rationalliberalen auch die bürgerliche Linke kräftig einstunmte, erhob sich im Zentrum und auf der äußersten Linken spöttische« Lachen. Dergestalt tröstete die Sozialdemokratie daS Zentrum über die Niederlage D.r. Epahn'S, für den 164 Stimmen abgegeben wurden. Ein sympathischer, erfahrener Mann führt nunmehr den Vor­sitz im Reichstag, und waS dem Grafen Stolberg an Ge» wandtheit und Schlagfertigkeit mangeln mag, daö wird ec bestrebt sein, durch guten Willen wettzumachcn, nach seiner eigenen Erklärung. Ein Neuling ist er ja nicht am Präsi- dcntentisch, und es muß ihm nachgesagt werden, daß ec alS erster Vizepräsident in den Zolltarifstürmen Herr der Situation blieb, als selbst den gewandteren Grafen Ballestrenr die 'Nerven im Stich liegen.

Der erste Vizepräsident, Dr. Paasche, gewählt. Das .Oppositionskartell', Zentrum und Sozialdemokratie, gab hierbei weiße Zettel ab. Der dritte Wahlgang ergab die Berufung bc3 Abg. Kämpf zum zweiten Vizepräsidenten.

DaS Zentrum scheidet also ganz aus dem Vorstand deS Reichstags, ein sinnfälliges Zeichen, daß un Reichstag nicht nur eine neue Nummer, sondern ein neuer Faden gesponnen wird. Nach sozialdemokratischer Auf. fasiung entspricht das heute gewählte Präsidium einem vom Fürsten Bülow inspirierten Vorschläge. Wäre dem so, dann hätte daS Zentrum in der Hand gehabt, die Rechnung des Kanzler? zu durchkreuzen, indem eS eine Vlzeprüsidentenstelle bc- auspruchte, die ihm zweifellos zugeslanden worden wäre. Es ist aber unwahrscheinlich, daß Fürst Bülow sich mit inneren Angelegenheiten des Reichstags befaßt hat. Erfreulicher wird ihm ja die nunmehrige Zusammensetzung deS Präsidiums sein, die auch dem m der allgemeinen Wahl kundgegebenen Volkswillen angemessen ist.

sollte sich ernstlich bemühen, unser Damenpersonal nicht ganz sich lichten zu lassen, denn nach den Gästen, die sich bisher uns vorstellten, zu urteilen, wäre eine gleich gute Be- setzung der weiblichen Rollen im nächsten Winter nicht zu erwarten. DaS neue Haus erfordert doch nicht ohne Weiteres neue Kräfte. Sind diese aber nicht zu vermeiden, bann sollten sie den jetzigen nicht nur gleichkommen, sondern sie möglichst übertreffen. Es ist aber zu fürchten, daß die neuen Damen, Cardung, Nisari rc. Fräulein Schellenberg gar soll durch eine unserem Theater jetzt bereits an- gehörende, noch gänzlich unfertige Anfängerin ersetzt werden unserem jetzigen Künstlerinnenensemble keineswegs eben-

97r. ürf -et

außer Sonntag«.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zamilien. blätter viermal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich das Xreisblatt für den Kreis Ließen. Fernsprech-An- schlußs.d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition bl Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

bürtig sein werden.

Fr. von Jagemann ließ eS vielleicht etwas an bei nötigen Hoheit fehlen, und es ist auch nicht recht glaublich, baß selbst eine Tuobcz-Fürstin beS 17. Jahchunberts vier Jahre lang, Tag aus, Tag ein in bemselben schwarz-weißen Gewanbe dagesesien habe wird; sie erfreute aber dafür durch die ihr sehr wohl anstehende Herzlichkeit und milde mütterliche Sorgsamkeit. Mit seinem diskreten, nie übertreibenden Humor spielte Herr Lippert den Hofmarschall, und Herr Krauß, ein offenbar recht begabter Herr, schuf als Chalisac eine recht wirkungsvolle Charaktersigur, von der sogar von fern ein leiser Hauch uralt höfischen GlanzeS aufst'.eg. Herr Bakof hätte als Apotheker getrost um em sehr erhebliches weniger salbungsvoll und pathetisch sein dürfen. Es läßt sich aller­dings auS dem steifbeinigen, winselnden Apotheker schlechter­dings nicht sehr viel anderes machen als der üble Xeflania* torius, den Herr B. gab.

Udo Graf zu Stolberg-Wernigerode vertritt im Reichstage den ostpreußischen Wahlkreis Lyck-Oletzko-JohanniS- burg. Geboren am 4. März 1840 in Berlin, studierte er zunächst Staatswissenschaften an der Universität in Halle und nahm bann als aktiver Militär an ben Feldzügen von 1866 unb 1870/71 teil. Später wurde er Landrat und beteiligte sich als Mitglied l&S schlesischen ProoinziallandtageS unb des PcovinzialauSschusses an ben Verwaltungsarbelten dieser Provinz. 1891 wurde er als Ober-Präsident nach Diu preußen berufen, aus dieser Stellung schied er 1895 wieder aus. Er ist Dlitglieb des Herrenhauses und gehörte dem Reichstage bereits in ben Jahren von 187781 sowie 188493 unb seit 1895 an.

Gros Stolberg wirb also als ein neuer Herr in das vor drei Jahren neu eiugeweihte Heim, bas am Königsplatz zu Berlin für den Präsidenten des Reichstags errichtet ist, ein- ziehen. Das neue Präsibialgebäude liegt an ber stumpfen (v<fe deS Reichstagsufers unb ber Sommerstraße unb läßt infolge biesec Plazierung einen regelmäßigen Bau nicht zu, sodaß das Ganze einen etwas verschobenen Embruck macht. Die Hauplsronl mit ben Repräsentationsräumen bes Präli. oenten unb den verschiebenen Bureaus liegt nach der Som- merstraße zu unb wirb von bieser burch seine Vorgarten

unwirscher Starrköpfigkeit und Jugendtollheit gerade ob seiner absolul naiven Lauterkeit von bezwingenber Liebenswürdigkeit ist Zweifellos aber verspräche er ein tüchtiges Mitglied unseres Ensembles zu werden. Mancherlei allerdings halte er noch zu lernen, nicht nur bas Haushalten mit seinen Stimm- Mitteln. Es will mir scheinen, als sei z. Z. seine Art un wesentlichen auf Außenwirkungen gerichtet. Er wirb also in erster Linie den tief menschlichen Kern m jeder Buhnen- figur mit Ernst zu suchen unb zu gestalten sich bemühen

Kießener tzijeatervereiu. Die Anna-Lise.

$a6 unverwüstliche D-ffauer.Stück, das sür den Th-alcr. verein am Mittwoch au8 verstaubten Wmkeln der an, E»gage- ment gastierende Herr Roden auS Bonn hervorgesucht hatte, iand Ivie vor 6 Jahren, als es hier zum letztenmal- gegeben wurde, auch diesmal eine freundliche Aufnahme. ^aS Herich lche Stück mutet uns heute srettich mit seinen Cent,men.atttaten Monologen unb seinem gänzlichen Mangel an psychologische Motivierungen recht veraltet an. Tie anheimelnde Stimmung jedoch, die von dieser historischen Mnetöoten.ftomöbie ausgeht, der Ton der Menschenfreundttchkeit und N--chtt°.ntt-b-, der >m Dialog angeschlagen wird, und die gut bürgerliche Moral beS Stückes, daß der reinen unschuldigen Liebe ihr verdienter Lohn wird im Kampf- gegen allen Widerstand des H- gebrachten unb beS Vorurteils, baS alles unterhält auch h noch einen anspruchslosen Zuschauer unb regt ihn angenehm au.

Herr Roden soll den immer noch schmerzlich vermißten Herrn Lüttjohann ersetzen. Was für ihn besonders emnimmt, ist eine sehr respektable, nicht gewöhnliche Spiachtechnik, i zweiter Linie feine muntere Lebhaftigkeit unb sein zugrenenbeS Temperament. Das knabenhafte Draufgängertum freilich un 2. Akte, bie frisch-fröhliche Burschikosität, die biebere Treu­herzigkeit, bie er-ber Mutter unb ben Hofschranzen gegenüber zu offenbaren hat, trugen gar deutlich Spuren des e- machten, nicht Natürlichen an sich. Zu der Höher> lu,°, d-r Kunst also, von ber aus bie barzustellenbe Buhnensigui völlige Lebensechtheit zu besitzen scheint, ist Herr Roben noch nicht gelangt; er scheint aber Anlagen dazu zu had^n und bot uns eine im Ganzen gwinnende Figur, wenn auch nicht

Donnerstag 21. Febrnar 1907 vezngSpretSr monailich75Pl., viertel­jährlich Alk. 2.20. durch Adhole- u. Zweigstellen monnilid) 65 Pf.; durch die Post Alk. 2. vicrtel- jährl. ausfchl. Beilellg. Annahme von Anzeigen für die XageSnunuuei

müffen. .

Frl Schellenberg hatte die Titelrolle mnc. Bei der Änna-Lise deS unselig seligen Herrn Hersch kommt eS viel darauf an, daS geschriebene unnatürliche Buchwort zu ver- einfachen unb zu oerlebenbigen. Das ist nicht leicht, unb fo schien sie denn wohl in den munteren Szenen in voller Naturfrische. Rechte Herzenstöne aber auch m ihren schwie- riqften den sentimentalen Momenten, ben Momenten betz ZchmerzeS unb ber Entsagung, zu treffen, bie vom Autor mit uns Heutigen unbegreiflich erschemenber Breite voll übelster Unwahrheit ausgesponnen sinb, blieb ihr leibet ver- lagt. In diesen Szenen fehlte ihr die freie Ungezwungenheit, das Frische, Feste, Stramme, das ihr Leopold ihr nach­rühmt Ihr natürlicher Liebreiz, bie Anmut ihres Wesens, das liebenswürdig Ehrsame ihrer Art nehmen aber stets für iie em und es wäre außerordentlich bedauerlich, wenn wir auch sie, wie Frau Bayrhammer unb Frl Donecker, für bie nächste Spielzeit verlören. Frl. Lch. soll an eine Berliner Bühne überfiebeln wollen. Den Wunsch auszulleigen und j d.e Hoffnung gar, mtt unserem Gießen Berlin vertauschen zu

getrennt. DaS Gebäude bat drei Stockwerke. Das Innere deS prächtigen HauseS ist überaus luxuriös eingerichtet. Allein ber Festsaal soll ein Meiflenverk beutscher Architektur fein; feine Räume fassen über 200 Personen.

Zur Wahl des Reicbstagspräsidiums schreibt sehr charakteristisch dieGermania": Ter Ausgang der Wahl hat unS nicht mehr überraschen können, er ist aber ebensowenig geeignet, unS zu be­trüben. Im Gegenteil: Es ist damit eine klare Lage geschaffen, und vor allen Dingen eine größere Fre-hcit für das Zentrum in seiner parlamentarischen Stellung, waS auch von den Zenlrumswahlern mit besonderer Genugtuung begrüßt werden wird. Freilich hätte das Zentrum allenfalls die erste, Vizepräsi­dentenstelle erhalten können. Aber eine solche Herabsetzung, al8 wenn es wegen seiner Abstimmung vom 13. Dezember wie ein Schuljunge wegen schlechten Betragens zur Strafeeinen her­unter" kommen mußte, konnte es unmöglich auf sich nehmen, die Fraktion hat deshalb von vornherein den Beschluß gefaßt, nach Ablehnung des von ihr vorgeschlagenen Präsidenten unter allen Umständen zu verzich- t e n und sich so vom Präsidium des Reichstags voll- ländig aus schließen zu lassen. Wir nehmen an, daß ber Reichskanzler fortan,in allen Le­benslagen" auf bie Unterstützung des Zentrums verzichtet. Ebenso scheiitt es, daß die Konservativen orlan von den Freisinnigen und Demokraten t a 11 vom Zentrum Förderung ihrer Wünsche und Bestrebungen erwarten.

pic ersten Entscheidungen im Reichstag-

Arn kommenden Montag wird ber neue Reichstag seinen er ft en .großen Tag' haben. Die beiben 9tach - tcagSetatß für baS sübwestafrikanisch e Schutz, gebiet stehen zur Debatte. In Bezug. auf bie Forderung für bie Truppe wirb bie Regierung nachträgliche Genehmigung der Ausgaben nachsuchen. ES handelt sich habet, wie aufi der Erläuterung zu ber Vorlage hervorgeht, um bie Nach- beroiaigung ber Ausgaben für bie Zeit von Mitte November 1906 bis Ende März 1^07. Von ben namhaft gemachten Ausgaben im einzelnen geien gegenübergestellt: Position 22 .Zu Unterstützungen fürAngehörige ber Schutztruppe. Bisher sind bewilligt 8000 Mk., biS zum Schluß beS Rechnungs­jahres noch 12 000 Mk." Position 23 .Zur Unterstützung hülfsbedürftiger Familien von Mannschaften beS Beurlaubten- stanbeS, welche in bie Schutztruppe eingetreten sinb, Mk. 7500/ DaS Gegenstück zu biefen Positionen bilbet bie Position 83 .Kosten einer Denkmünze für bie an ber Niederwerfung des EingeborenenaufstanbeS Beteiligten Mk. 60 000/ Also ins­gesamt Mk. 27 500 zu Familien-Unterslützungszwecken, ba- gegen mehr als baS Doppelte für bie Herstellung einer Denk- münze. Finanzminister Miquel pflegte zu sagen: Zuerst das ^Notwendige, bann baS Wünschenswerte! Als baS Notwenbige erscheint uns, baß bie Sorge um baS Wohl ber Angehörigen fo viel als irgend möglich von ben tapferen Kämpfern ge­nommen wirb. Würben bafür bie für bie Denkmünze ' aufgeworfenen 60000 Mk. noch hinzugenommen, so würde ber Beschluß begrüßt werben. Trotzbem könnten bie Teil­nehmer am Felbzuge zu ihrem Erinnerungszeichen kommen. Ein einziger Aufruf, unb bie bafür benötigte Summe würbe aus privaten Beiträgen sofort gezeichnet sein. Eine auf b/iem Wege bargebrachte Gabe ist zweifellos ebenso ehrenvoll, wie wenn ber Reichstag ber Regierung bie For- berung bewilligt.

Ueber bie Verminderung ber Truppen in Süd- westafnka sagt bie Erläuterung zum Nachtragsetat: BiS Ende März 1907 werden voraussichtlich weitere 4013^Köpie heimgesaiidt werden, so daß bie Stärke der gesamten Schutz- truppe am Ende des Rechnungsjahres 1906 8268 Köpfe be* i tragen wirb. Die Thronrede spricht von einer erheblichen

Pie heutige ^lummer umiaht 8 Selten.

Die Vrästoentenwavl im Reichstage.

Wir erhielten gestern nachmittag folgende Telegramme: 1 Berlin, 20. Febr., 4 Uhr 25 Min. Der Reichstag wählte den (Brafen Udo von Stolberg (Slonf.) mit 214 von 883 ob- ' aeaebenen Stimmen zum Präsidenten. . Gral Stolberg nahm die Wahl bankend an. Spahn (Ztr.) hatte 164, Paafche (Ncul.) 4, Nreih. v. Hertling (Ztr.) 1 Stimme erhalten.

° Berlin, 20. Febr., 6 Uhr 16 Min. Ter Reichstag wähkle Dr P a a l ch e (Ratl.) mit 2U9 von 882 abgegebenen Stimmen tum ersten Vizepräsidenten. 167 leere Stimmzettel wurden abgegeben, 2o. Febr., 6 Uhr 26 Min. Ter Reichstag wählte heute zum zweiten Vizepräsidenten den Abg. K ä m p i ^"^Dras Stolberg begann seine Tätigkeit mit folgender Ansprache:

,Ta» an sich schon schwere und verantwortungsvolle Amt, datz Sie mir übertragen haben, ist imter den ge g e n w ä r t i g e n p o l i t. Verhältnissen doppelt schwer und doppelt ver­antwortungsvoll. Dazu koinnit, daß die erprobte Anits- tätigkcit, die hohe Begabung, die Schlagfertigkeit und die persönliche LiebenSivürdigkeit meines Herrn Amtsvorgängers (Beifall) noch frisch in unserem Gedächtnis stehen und zu Vergleichen unwillkürlich herauSiordern. Ich weiß, daß ein Präsident nur dann etwas leisten kann, wenn er vom Haufe unterstützt wird, und deshalb bitte ich Sie um Ihre Unterstützung. Meine Herren, ich will mein Amt unabhängig nach allen Richtungen hm, ich will es gerecht und unparteiisch führen Bestall). Ich werde die Würde deS HauseS wahren (erneuter Bestall) und seine Geichaste nach Möglichkeit zu fördern suchen. Und meine Herren, wenn un Übrigen bas, roaS ich leisten werbe, hinter dem, waS ich leisten möchte, noch so weit zurückbleiben sollte, so hoffe ich doch, daß eie von mir sagen werden: Ut deaint vires, Urnen est laudauda vo- InntM (Bestall.) Meine Herren, ich spreche unserem verehrten Herrn Allein'äsibenten unfern Tank sür seine Alühewaltung aus uub bitte Sie, sich zum Zeichen beflen von Ihren Sitzen zu er­heben.' (Die Astlglirber befl Hauses erheben sich.)

Bei ber Wahl beS ersten Vizepräfibenten lauteten 2 Zettel auf Liebermann von Sonnenberg, 1 auf Korfanty, 1 auf Graf Bothmer, 1 auf Dr. Spahn, 1 auf Bebel.

Bei ber Wahl des zweiten Vizepräfibenten waren 166 Stimmen ungültig, bie übrigen zersplittert. Es lauteten auf bie Namen Naumann unb Singer je zwei, unb je einer auf bie Namen ßattmann, Bebel Schack unb Hermes.

Darauf folgte bie Wahl bet acht Schriftführer, beten Ergebnis zu Beginn ber nächsten Sitzung bekannt ge- geben wirb. Zu Quästoren werben berufen Basser- mann (Natt.) unb Schmibt-Warburg (Ztr.).

eingegangen sinb zwei Interpellationen auf Abänderung be« WeingesetzeS, sowie eine Interpellation betr. bie Enquete übet bie Verhältnisse ber Pnvatbeamten.

Nächste Sitzung: Montag.

R. Berlin, 20. Februar.

Nicht« ist bauernd als ber Wechsel. Auch baS Zentrum muß eS erfahren. Zwölf Jahre hinburch hat es ben Präsi­denten beS Reichstags gestellt unb sich, wenn auch nicht m einem rechtlichen, so boch in einem moralischen Anspruch auf biefeS Amt hineingelebt, bas höchste, welches bas beutsche Volk zu vergeben hat. Nun soll auch unb vor allem m der Bestallung des Prasibiums zum AuLbruck fommen, baß Zentrum nicht mehr Trumpf ist in beutschen Lanben. Es sann keineswegs baoon sprechen, baß es burch bte ton- servativ-liberale Dtehrheit vom Präsidiumausgeschlossen sei denn auch bie stärkste Fraktion hat kein unanfechtbares Recht barauf, eines ihrer Mitglieber zur Leitung der Reichstagsgeschäfte berufen zu sehen. In bieser 2luffastung finden sich bie neuen Mehrheitsparteien zum erstenmal auf parlamentarischem Boben zusammen.

bis Donnutdd3 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 15 Pf, auSivärt« 20 Plenntg. Verantwortlich Mr ben poliL und allgein. Teil: P. Wittko- für ,Stadt und L'anb* und .Gerichtesaal': Ernst peß-, für den An­zeigenteil: Hans Beck