Ausgabe 
21.2.1907 Erstes Blatt
 
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"Verminderung der Schutztrupve in Südwesiafrika nach der inzwischen erfolgten Unterwerfunq der feindlichen Stämme, bis auf wenige Ueberreste. Es fragt sich, ob sich die neue Reichstagsmehrheit mit bloßen Zusicherungen der Negierung begnügt, da durch die Niederwerfung des Aufstandes ja eine veränderte Situation gegenüber derjenigen von der Reichs- tagsaliflösung geschaffen ist, wo der Friede noch nicht als gesichert zu' betrachten war. Die Konservativen und die Nationalliberalen werden ja der Negierung kaum Schwierig, ketten machen, aber die freisinnigen Parteien dürften, wenn sie auch die nachträgliche Genehmigung der Ausgaben für die Truppen nicht ablehnen, umso kritischeren Blickes die weitere Planiing der Truppenverminderung betrachten, wie sie im neuen Kolonialetat sich darstellt. Fürst Bülow wird also, ebenso wie der Kolonialdirektor Dernburg, noch manche Rede für Südwest zu halten haben. Es ist anzilnehmen, daß der Kanzler gleich in der Sitzung am Montag das Wort ergreift.

Beim Gesetzentwiirf über die südweslafcika>iiiche Bahn­strecke KububKetmanshoop (Finanzierung durch Geivährimg eines Reichsdarlehns an das südwestafrikanische Schutzgebiet) braucht die Negierung weniger sich zu bemühen. Für diese Bahn war auch das Zentrum im vorigen Reichstag zu haben, und da das Zentrumkeine Nachcpolitik" treiben will, wird es seinen Entschluß nicht ändern. Tas hätte auch keinen Zweck; mit und ohne Zentrum kommt die Bahn durch im Reichstag.

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Die dritte Jahrhundertfeier der Ludoviciana.

Die Vorarbeiten für das dreihundertjührige Jubiläum der Universität sind jetzt in vollem Gange unb werben in belchleu- nigtem Tempo betrieben. Voraussichtlich oniangS März robben die Einlabungen zu dem Feste, über Viertausend an ber Zahl, zur Einsendung gelangen. Eine Reihe von Ausschüßen i|t ein­gesetzt, um die sehr umstänblichen unb zum Teil, namentlich was die Quarliersrage anbetrisft, sehr schwierigen Veranitaltungen zu beraten. Die Oberleitung der Geschäfte liegt in den Honten des Rektors unb bcd Engeren Senats. Auch über bas Programm des Festes ist bereits Beschluß gefaßt worden. Indessen ist dieses Programm noch so lange ein vorläufiges, bis es die Genehmigung der Großherzogi. Regierung gefunden hat.

Der Termin des Festes steht dagegen endgültig test. Es beginnt, wie wir bereits nntteilten, Mittwoch den 31. ^zuli und findet Samstag, den 3. August seinen Abschlulz. Mittwoch den 31. Juli, abends 7 Uhr, findet der Empfang der Gäste durch den Rektor statt.

Nach Einbruch der Dunkelheit findet eine Beleuchtung der Universitätsgebäude statt, der sich hoffentlich auch die Häuser der Bürgerschaft!anschließen werden. Abends 10 Uhr ist großer Empfangsabend in der Festhalte, der für diesen Zweck nach den Raumperhältnissen allein geeigneten Faßhalle der früheren Aktienbrauerei. Dieser Raum mit seinen außeroroentlich großen Dimensionen wird durch Tribünen ausgebaut und künstlerisch geschmückt. Bei günstiger Witterung eröffnet die Nord- und Ostseite der Halle einen wundervollen Rundblick aus Gießen und seine Umgebung. Der zweite Festtag beginnt vormittags 9 Uhr mit Festgottesdiensten in der Johanneskirck'e unb in der katholischen Pfarrkirche. Daran schließt sich ein von der Universität gegebener Imbiß in der alten großen Aula. Um 11 Uhr findet ein Festakt in der neuen Aula mit der Begrüßung der Ehrengäste statt. Nachmittags 21/2 Uhr findet dann in der Festhalte d>as offizielle Festessen statt, das die Universität den Ehrengästen gibt. Abends 8 Uhr beginnt die Festvorstellung im neuen StadttHeater. Sie wird durch einen von einem.Dozenten gedichteten Prolog eingeleitet. Daran schließt sich ein historisches F e st s p i e l mit lebenden Bildern, das von einem Marburger Herrn verfaßt und inszeniert ist. Auf dieses Festspiel folgt ein modernes Lu st spiel, aus bet Feder eines Gießen e r Professors. Für diese Aufführungen ist bie Gewinnung aus­wärtiger K ü nstler vorgesehen. Um auch weiteren Kreisen Gelegenheit zu geben, bie F.staufführung im Theater kennen zu lernen, soll sie an den beiden folgenden Abenden wiederholt werden. Außerdem findet am Nachmittag des 1., vielleicht auch des 2. August gesellige Vereinigung der Festteilnchmcr im Philo­sophenwald statt. Freitag den 2. August setzt sich das Fest mit einem Festakt in der neuen Aula fort. Er beginnt um 10 Uhr. Dort wird die Festrede gehalten und weroen die Ehrenpromo­tionen verkündigt. Nachmittags 4 Uhr findet ein Ausflug der Ehrengäste unb bcr UnioersilätSdozenten auf den Schiffen­berg statt, und ^abenbs 9 Uhr beginnt ber Festkommers in ber Festhalle. Samstag den 3. August, vormittags lV/2 Uhr schließt bie eigentliche Jubiläumsfeier mit einem Abschiebs- früh schoppen. Es ist jedoch für den Nachmittag des folgen­den Sonntags (4. August ein allgemeines Volksfest in der Festhalle in Aussicht genommen.

Mährend des Jubiläums wird eine besondere Tageszei- iu ng herausgegeben. Am Bahnhof soll eine Empsangsstelle, wo die Auskünfte erteilt werden und bie Einschreibungen stattsindm, errichtet werden. Wir werden von nun an dank dem Entgegen­kommen des Preßausschusses, an dessen Spitze Prof. Dr. Liermcr steht, der auch Mitglied des engeren Senats ist, fortlaufende Mitteilungen über die Jubiläumsfache bringen können. In Vor­bereitung find auch die Aufsätze über die Geschichte der Universität, ihrer Fatultäten und ihrer Studentenschaft. Die Haupter­in n e r u n g s s chr i s t ist die seit längerer Zeit in Arbeit be- snidliche große wissenschasiliche Festschrift, für die sehr erhebliche Mittel bereits gesteltt sind. Daneben ersckfeint eine reich illu­strier t e F e st z e i t u n g in Folioiormat, mit historischen Bildern geschmückt und von I. V. Cisiarz mit Buchschmuck versehen. Die vestzeitung soll in 6 Nummern zur Ausgabe gelangen.

Au» S.aor uuo tano.

Gießen, den 21. Februar.

w Frauen im Tel e graphendie nst. Die Ver­wendung von Frauen im Telegraphen- und Fernsprechdienst nimmt immer größeren Umsang an. So sind allein beim hiesigen Postamt gegenwärtig 23 Tarnen beschäftigt und noch ist, roic wir hören, der Bedarf nicht gedeckt. Damen mit guter Schulbildung un Alter von mindestens 18 Jahren können also hier noch Beschäftigung finden.

"Hausierhandel mit O b st. Die Vorschrift deL § 59 Ziff. 1 der Reichs-Gewerbeordnung ist, n. d.Darmst. Zig.", von einer hessischen Behörde dahin ausgelegt worden, daß der Hausiertzanbel mit allen rohen Obst- und Gartenbau- erzeugniffen von der Wandergewerbescheinpflicht befreit sei. Dieser Auffassung ist das Großh. Ministerium des Innern nicht beigetreten. Rach dem der Reichs-Gewerbeordnung zu Grunde liegenden Gedanken will § 69 Ziffer 1 nur den einheimischen Garten- und Obstbau begünstigen. Pro­dukte, die nicht im Reiche erzeugt werden, wie z. B. Süd- früchte (Orangen, Zitronen re.) können daher nicht als solche betrachtet werden, auf welche die obengenannte Vorschrift Anwendung findet.

* Kaninchen - Au 8 stellun g. Für die vom 6. bis 8. April vom Kaninchenzuchtverein ,Vo l ks u> o tzl« in den Lokalitäten zurStadt Marburg" veranstaltete große allgemeine Kaninchen-Ausstellung hat die preu'iis.h-heisische Elsenbahnverwaltung die frachtfreie Rückbeförderung der Ausstellungsgüter für die Elsenbahndirekttonen Kassel,

Köln, Elberfeld, Erfurt, Frankfurt a. M.. Mainz, Munster i Wests, und St. Johann-Saarbrücken genehmigt.

Vilbel, 19. Februar. Unseren Landwirten hält es auch in diesem Frübiahr recht schwer, Arbeiter für die verschie­denen lanbwirtt'chastsichen Bettrebe zu erhalten. Grötze^ Hos- qüter in ber Nähe von Frankfurt lassen zumeist volnuche Ar­beiterinnen kommen, welche bis in den Spatherost tn Felo und Wiese Beschäftigung finden. Ob letztere auch in bie)em Frühjahr wieder in berselben Stärke hier eintrefftn, ist.fraglich, ba auch aus Posen Klagerufe wegen Mangel an landwirtschaftlichen Ar- bei'tem laut werden. Weder männliche noch weibliche Arbeiter auf dem Lande wollen sich mit der Landwirt,chaft befassen, alles strömt den Jndusttieorten zu, wo in den Fabriken mehr verdient wirb unb bie Arbeitszeit eine kürzere ist. Auch zur Wartung und Pflege des Viehes hält es sehr schwer, Arbeitskräfte zu er­halten Ten wenigen, welche sich als Knechte und Magte für bie einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe v-rmieten, muffen enorm hohe Löhne bezahlt werden, und ba sie sehr häufig bas Dienst­verhältnis lösen, bleibt ben Lanbwirteu nichts übrig, als zu ben vorhandenen Maschinen neue zu erwerben. Dieienigen Land­wirte, welche nicht mit ihren eigenen Leuten den Betrieb aus­führen können, oder nicht in der Lage sind, Maschinen zu er­werben, sehen sich vor die Alternative gestellt, den landwirtschaft­lichen Betrieb ganz einzustellen.

4- Schotten, 19. Febr. Von den zahlreichen Touristen deS Vogelsbergs wird der Mangel an schönen Aussichts­punkten oft beklagt. Diesem Mangel wird jetzt durch die Erbauung massiver Aussichtstürme abgeholfen, die anstelle der zerfallenen Holztürnie kommen. Ter voriges Jahr begonnene Ha inigtürm bei Lauterbach wird im Frühjahr dem Verkehr übergeben werden können, während der Eck­turm des Ulrichsteiner Schlosses bereits im vorigen Sommer eingeweiht worden ist. Auf der Herchenhainer Höhe wird ein Aussichtsturm unter dem Namen Ernst- Ludwig-Turm errichtet und zwar von dem Verkehrsverein für den südlichen Vogelsberg; ec soll im Frühjahr begonnen werden. Den vierten Turm baut der Vogelsberger Höhen- klub als Bismarck türm auf deni Taufstein. Er soll

nach den Plänen des Architekten Hosmann-Herborn ein statt­licher Basaltsteinbau von 20 Meter Höhe werden. Die Bau­kosten betragen IB OOO Mk. Der Erbauung beginnt bestimmt im Frühjahr, die Einweihung soll im Herbst oder Spätsommer erfolgen.

A Höckersdorf (Kr. Schottens, 20. Febr. Bei der dieser Tage hier vorgenommenen Bürgermeisterwahl wurde Johs. Philippi einstimmig zum Bürgermeister gewählt.

8 A u s dem Vogelsberg, 20. Febr. Die Schweine­preise sind ganz bedeutend gesunken, die fetten Schweine werden bis zu 40 Pfg. das Pfund Lebendgewicht bezahlt. DaS ist eine Preisstufe, wie sie während des letzten Jahres nicht vorgekommen ist. Auch die Fleischpreise sind gesunken, aber nicht im Verhältnis zu den Ankaufspreisen. Dec Preis für das Rindfleisch ist von 75 Pfg. auf 78 Pfg. hinauf­

gegangen.

0 Krofdorf, 18. Febr. Am 16. und 17. Februar veranstaltete der am 31. Oktober 1906 gegründete hiesige Geflügel- und Kaninchenzüchterverein seine erste Lokalausstellung im Saale des Gastwirtes Moos. Trotz der Jugend des Vereines war die Ausstellung doch schon sehr reichhaltig und mannigfaltig und hatte sich eines guten Besuches zu erfreuen. Als Preisrichter amtierten die Herren Conr. Rübsamen aus Gießen und Th. Viehmann aus Kinzenbach.

A Wetzlar, 20. Febr. Der große Brandbedarf dieses Winters hat unsere Brennholzpreise sehr in die Höhe getrieben. Bei den in letzter Woche abgehaltenen Versteige­rungen in mehreren Gemeinden wurde durchschnittlich das Klafter Bucheuscheiter mit 44 Mk. bezahlt, vereinzelt sogar mit 50 Mk. Rollscheiter kamen nicht viel billiger. Selbst Prügelholz kostete ein Klafter bis 36 Mk., Oberholz- und Durchforstungsmellen hatten fast den dreifachen Preis gegen früher.

+ Wetzlar, 20. Febr. Gestern starb an den Folgen einer Blutvergiftung dec Seniorchef der Firma Krafft und Buß, Fabrikant Georg Buß, im Alter von 75 Jahren. Der Verstorbene, der bis zu seinem Tode die Firma leitete, war außerdem in hervorragender Weise im öffentlichen Leben tätig. Seit 1. Januar 1875 gehörte er dem Stabtverord- ueten-Kollegium an, außerdem war er Kreisdeputierter und Mitglied der Handelskanimer. Seine vielfachen Verdienste um das Gemeinwohl waren Veranlaffung, daß ihm vor mehreren Jahren der Rote Adler-Orden verliehen wurde.

Aus dem Kreise Wetzlar, 21. Februar. Der 22. FebruarPirreschtag« (Petri Stuhlfeier) ist seit alters her bei uns der Liefertag für den Hirten; gegeben werden Roggen und Gerste. Johanni (24. Juni) erfolgt die zweite Lieferung. Ueber denPirreschtag« gibt es bei uns verschiedene Bauernregeln, so:Ist dec Pirreschtag kalt, hat dec Winter Gewalt«, oderWie das Wetter vor Pirreschtag i|t, soll es 40 Tage lang sein«.

)( Braunfels a. b. Lahn, 20. Febr. Im Dienst ver­unglückte auf unserem Bahnhofe ein Bremser namens Stein. Dem Bedauernswerten wlrrde ein Fuß so gequetscht, daß er abgenommen werden muß.

§ Dillenb urg, 20. Febr. Das Denkmal des in weiteilen Kreisen bekannten Forstmannes Hartig auf der uahcu Adolfshöhe wird dieses Frühjahr eingeweiht. Im Dezember vorigen Jahres lourbe bereits eine aus einem Kopf- tehcf Hartigs bestehende Gedenktafel unserer Stadt übergeben. Tie Tafel ilellt m Bezug auf Ziselierung und Modellierung ihrem Hersteller, dem Modelleur Vümpcr aus Herborn, ein gutes Zeugnis aus.

A Alheim, 20. Febr. In der letzten Gemeinde- ratösiijung wurde beschloßen, in anbetracht unserer sehr un- guniligen Trinkwasserverhältnisse eine Wasserleitung zu bauen. -Lte Samuielilube wird sich unweit des Ortes bc- finben unb bie eine Quelle in gleicher Höhe mit unserer Kirchturiufpitze liegen. In einem Beispiel der Koslenauf- bringung lagt unser Krelsbamneister Pause: Eine Wasser- leitungsanlage für einen Ort von ca. 500 Einwohnern mit eiiua 100 Häusern kostet beispielsweise rund 25 000 Mark. Ec nimmt an, dos Kapital soll mit 4% verzinst und mit 1/y amortisiert werden, so sind 5% von 2ö0üO Mock. \2I6,0 Irlich aufzubringen. Im Regieruugsbezul Koblenz imb bereits 25% aller Ortschaften mit Wasfeileituu- gen verletzen, während der Kreis Wetzlar nur 15 Prozent aufwcifl. Zurzeit liegen aber eine Anzahl von Projelten vor, so, außer Dlllheim, von AlbShausen, Bermoll, Burg­

solms, Daubhausen, EbersgonS, Erda, Niederbiel, Oberwetz, Oberquembach, Rechtenbach und Wißmar.

W Frankfurt a. M., 19. Febr. Die Stadtv er» ordneten Versammlung beschloß heute aus Antrag de? Magistrats, bei der städtischen Sparkasse vom 1. April 1907 ab die TageSverzinsung der Spareinlagen einzu­führen. Dem Beschlüsse der Stadtverordneten, den städti. schen Arbeitern und Angestellten mit bis zu 2000 Mark Jahreseinkommen eine Teuerungszulage zu gewähren, ist der Magistrat beigetreten.

W Frankfurt a. M., 20. Febr. Bei der Einfahrt des O-Zug es 5 BaselFrankfurt a. M.Berlin um 2" Uhr nachmittags überfuhr dessen Maschine im hiesigen Hauptbahn­hofe den Prellbock des Gleises 4 und die eiserne Ein­friedigung zwischen Längs- und Querbahnsteig um etwa sechs Meter, sodaß der Vorderteil der Maschine auf dem Quer­bahnsteig stand. Der Zug selbst blieb völlig unversehrt und ging bereits um 312 Uhr nachmittags nach Berlin weiter. Weder von den Reisenden noch vom Fahrpersonal wurde jemand verletzt. Der Schaden ist nicht erheblich. Die mut­maßliche Ursache des Unfalles ist zu späte Bremswirkung wegen ungenügender Luft im Hauptluftbehälter der Maschine. Der Betrieb ist in keiner Weise gestört.

X Wiesbaden, 20. Febr. Kürzlich fand eine Sitzung des Magistrats statt, auf deren Tagesordnung die Frage ber Ge­haltserhöhung der Magistratsbeamten stand. Der Verlauf der Sitzung ergab zunächst, bloß sich bie Mitglieder des Magistrats über die Notwendigkeit einer Einkommens­erhöhung der Beamten einig waren, umsomehr, als sie dem Wunsche der Stadtverordneten entsprach. Es handelte sich des­halb nut darum, in welcher Weise bie Erhöhung vorgenommen werben solle. Die Beamten selbst hatten seinerzeit eine Teue­rungszulage gefüttert. Der Magistrat vertrat hingegen ben Stanbpuntt, baß es sich nicht um eine momentane Teuerung, sondern um eine natürliche, also andauernde Steigerung ber Preise ber Lebensmittel handle. Der Magistrat entschied sich deshalb für eine allgemeine durchgrei­fende Gehaltserhöhung ber Subaltern- und unteren Beamten, sowie der technischen Beamten und zwar um zehn bis fünfundzwanzig Prozent. Tie Gehaltsaufbesserung ist pro­zentual desto, höher, je nichtiger die Beamtenkategoric ist. So soll bas Anfangsgehalt ber nichtigsten Beamtenstuse, bas derzeit 1600 Mk. beträgt, mit 2000 Mk. festgesetzt werden. Das höchste Gehalt, das ein Subalternbeamter bezieht, beträgt 4800 Mk. Es soll künftig auf etwa 5400 Mk. erhöht werden. Zwischen diesen Grenzen bewegen sich die Erhöhungen ter Gehälter in den Zwischen­stufen. Das sind ungefähr die Grundzüge der Gehaltsregulierung, für die sich der Magistrat entschieden hat. Die neuen Gehalts­bestimmungen sollen am 1. April 1907 in Straft treten, doch scheint man prinzipiell nicht abgeneigt zu sein, eine Rückwir­kung bis 1. Januar 1907 festzulegen, sodaß bie Beamten bereits für bas erste Vierteljahr 1907 bie Vorteile ter Gehalts- aufbesserimg genießen werten.

vermSschtU

* B e i einem Theater-Duell schwer verletzt würbe am Sonntag abenb ber 22jährige Kürschner Walter Felgen- treff in Berlin. Er gehört einem Theaterverein an und spielte in dem Jsflanbschen StückDie Sühne" eine Rolle. Im dritten Akt hatte er mit einem Nebenbuhler einen Zweikamps zu bestehen. Der Gegner, der 20 Jahre alte Klempner Wagner, schoß mit einem Jagdgewehr nach ihm, das nicht geladen sein sollte. Bei dem Schuß aber erfolgte ein starker Knall, unb eine Pulverlahung spritzte hem Felgentreff in bas Gesicht. Er sank so­fort zusammen unb würbe in hem Theatergewanh sofort nach ber CHaritee gebracht. Die Labung war ihm in beibe Augen gegangen; bie Sehkraft wirb wahrscheinlich verloren sein. Die Vorstellung unb baS Vergnügen würben burch ben Vorfall sofort beendigt.

* D i e Ehescheidung eines Studenten. In New Haven in Connecticut erregt ber Scheibungsprozcß eines 20jah- rigen Stubenten ber Aale-Universität Aufsehen. Ebwin Norton, ber Sohn eines Newhockcr Multimillionärs, hatte sich vor Jahres- frist mit einem Fräulein Birney aus New Haven gegen ben Willen seines Vaters verheiratet. Seine Auserwählte galt un­bestritten als bas schönste Mäbchen ber Stabt, unb bie gesamten Stubenten ber Universität machten ihr in ber cnragicrteflcn Weise ben Hof. Als ber alte Norton, ber früher Präsibent bcs Zinntrustes war, von ber eiligen Hochzeit seines Sprößlings hörte, war er wütcnb. Er schickte ihn nach Europa unb ließ in bet Zwischenzeit seine Schwiegertochter burch Detektivs beob­achten. Die junge Frau Norton aber schien bic Abwesenheit ihres Gatten nicht übermäßig zu betrüben, ba in beut einen Jahre nicht weniger als 27 junge Leute Gnahc vor ihren schönen Augen fanben. Der junge Norton hat nun bic Ehescheibuugs^ klage wegen Ehebruck>s gegen sein Frauchen angestrengt unb seine Kommilitonen, bie seiner Strohwitwe bie Ein)amkeit verkürzten, als Zeugen gelahen.

LingejanSt.

(Für Form unb Inhalt aller unter tesicr Rubrik stehcnhcn Artikel übernimmt bie Rehaktioii Ö;ni V: iiinm gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Krofdorf. Wer gegenwärtig nach Krofhorf geht, resp mit her Loll ar-Wetz lat er Bahn kommt, wird erstaunt sein, haß nicht einmal ein passierbarer Weg (Fußweg) ba ist, um ungehin­dert die Wegstrecke von ber Seemühle bis vor bas Dorf gehen zu können. So aber ist man gezwungen, burch einen 10 bis 20 Zentimeter tiefen Schlamm zu waten. Für bie vielen Arbeiter, bie ben Weg täglich mchreremal machen müssen, ist es eine reine Plage, biese Strecke zu passieren. Hoffentlich tragen biese Zeilen bazu bei. Abhülfe zu schaffen.

Einer für Biele

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank fl!r Handel und Industrie. Giessen.

Frankfurter Börse. 21. Februar. 1.15 Uhr.

3^°/0 Reichsanleihe . 97.5*) I Elcktriz. Lahmeyer . 140.80

Elektriz. Schlickert . . 117.70

Eschweiler Bergwerk . 250.00

Gelsenkirchen Bergwerk . 214.00

Hamburg-Amerik. Paket!. 150.70

3% do.

3^°/0 Konsols 3% do.

31s";0 Hessen

3}4010 überliessen . . .

4 ?6 Oesterr. tioldrente.

4l/6 % Oesterr. Silberrente 4^ Ungar. Goldreute . .

4% Italien. Rente . . .

3% Portugiesen Serie I .

396 Portugiesen IIl

4 x/t (70 russ.Staatsanl. 100.» 4^"0 japan. Staatsanleihe 4 96 Conv. Türken von 1JU3 Ttirkenlose ... . .

1% Griech. Monopol-Anl.

4% äussere Argentinier .

ö°/0 Mexikaner . .

4>a°/0 Chinesen ....

Aktien:

Bochum Guss .... 241.10

Buderus E. W . . 125.00

Tendenz: schwach.

Harpener Bergwerk. . . 221.00 Laurahütte ..... 245.75 Nordd. Lloyd . ... 130.70

Obei schles. Eisen-Industrie 120.20 Berliner Handelsges . 171.75 Darmstädter Bank . . . 137.60 Deutsche Bank . . . 242.90

Deutsch-Asiat. Bank . . 172.50 Diskontü-Koiumaudit. . . 184 50 Dresdner Bank . . . 157.75

Kreditaktien 215.01)

Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 116.60

Gottnardbahn . . .

Lomuard. Eisenbahn . . -2.09 Oesterr. SLaatsuulm . . . 146.60 Pnnee-Henn-Eisenbahn ..

85.90

97.65

86.05

96 40

95.50

99.60

100.05

95.50

103.35

69.30

70.30

91.15

93.25

96.10

51*90

88.00

66.80

97.811

Berliner Börse, 21

\inada E. B 186.80 armstadter Bank . . . ,

Deutsche Bank .... 242.70

Dortmunder-Union C. . . h4 4ij

Dresdner Bank . . . 157,bv

Tendenz: lustlos.

Februar. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 221.00

Laurahütte .... 245.30 i.uinbarden E. B. ....

Nordd. Lloyd 130.50

L urueidose . ... 145.70