Ausgabe 
16.3.1907 Fünftes Blatt
 
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Man wirft uns unsere Flugblätter vor. Mer man sehe sich die illustrierten Flugblätter des sozialdemokratischen Kandidaten in Spandau, des Rechtsanwalts Dr. Liebknecht, an: die sind wirk­lich von hervorragender Geschmacklosigkeit! Kanih als Tiger, Schwcrin-Locwitz als Loewc usw. Die schamlosesten Lugen wur­den gegen den Kandidaten Pauli verbreitet. Redner zitiert Flug­blätter und macht allerhand Mitteilungen, die von den Sozialdemo­kraten lebhaft bestritten, vom Abg. Pauli bestätigt werden, was dann den Widerspruch des Abg. Bebel hcrvorruft, bis Vizepräsident Kaempf dem ein Ende macht, indem er erklärt:Ter Abg. Kreth hat das Wort!" (Heiterkeit.) Wie die Sozialdemokratie- angesichts ihrer Artikel und Flugblätter über den Ton anderer Parteien sich entrüsten kann, verstehe ich nicht. Herr Tr. Südekum hat ja Regeln für die Wohlanständigkeit ausgestellt. Er hat da­mit eine Aufgabe übernommen, die dem leider zu früh vcrstorbe-, nen Herkules Ehre antun würde. (Heiterkeit.) Ich hoffe, daß bei den nächsten Wahlen die Sozialdemokraten so geschwächt wer­den, das; sie nicht mal ein Toppelquartett bilden. (Heiterkeit und Beifall.),

Abg. von filetiert (Np.):

Meine Freunde stimmen darin überein, daß die Reglcrimg daS Recht und die Pflicht hat, die Wähler aufzuklärcn über die Anschauungen der Regierung. Wir müssen dem Kolonialdirektor nur dankbar sein, daß er in öffentlicher Versammlung über den.' wirtschaftlichen Wert der Kolonien gesprochen hat. Ich hoffe, dag bei den nächsten Wahlen auch andere Staatssekretäre und Mimjtcr- diesem Beispiel folgen. (Oho! im Ztr.)

Herr Bebel hat die Berechnungen des KolonmldireltorS an­gegriffen. Leider ist ihm dabei ein kurioser Rechenfehler pa>- siert. Er stritt gegen die Angaben des K Konialdircktors über die Baumwolle, verwechselte dabei aber Ballen und Tonnen. Da­her seine famose DeduktionI (Heiterkeit.) Herr Bebel loutc doch daran denken, daß jetzt im Hause eine Anzahl alter Afri­kaner sitzt, die alle diese Tinge sehr gut verstehen und kontrol-- lieren können. . t ,, m t

Der Abg. Fischer hat mich persönlich in der schwersten Art angegriffen. Wäre wirklich Wahlbeeinflussung zu meinen Gun­sten getrieben worden, so hätte es wohl Proteste und Zctergcichrc» gegeben. Aber nichts dergleichen. Und nun noch die traurige ollo Kamelle von meiner China- und Afrilasache. Dabei ist ste schon lange aufgeklärt. Ich war als Instrukteur für die chincnichen Truppen in Aussicht genommen und gleichzeitig auch als Gouver­neur für Ostafrika. Aus der ersten Sa '-? wurde nichts, darum bekam ich den Gouverneucposten. Was ist da lveiter wunderbares dran?

Dann ist mir die Afrikaiompagnic in die Schuhe geschoben tvorden. (Heiterkeit.) Ich habe den Aufsichtsratsposten angc- mommen auf Grund der historischen Erinnerungen dieser Kom­pagnie, die sich von dem Großen Kurfürsten herschreibt. Es ist doch nicht tadelnswert, wenn man dem deutschen Handel neue Wege öffnen will? Wenn man mir aber vorwirft, ich hätte das getan, um Geld zu verdienen, so muß ich wirklich sagen: 22 Jahre habe ich mein Herzblut für die Kolonien hingegeben, und jetzt sollte ich mich zu dieser Arbeit nur bringen lassen, um Geld zu verdienen? (Sehr wahrl)

Dann ein paar Worte über die nationalen Vereine im Wahl- kämpf I Die Kolonialgcsellschaft hat sich allzu vornehm und allzu vorsichtig zurückgehallen. Der Flottenvercin hat sich anders ver- halten. Er sagte sich: was nützt eine jahrelange Agitation, wenn e3 keine nationale Mehrheit gibt, die nicht feilscht und nicht handelt, sondern dem Kaiser gibt, was des Kaisers ist? (Ge. lächter im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Der Flotten- verein tritt bekanntlich für ein beschleunigtes Tempo unserer Marinerüstung ein. Er sagt sich, was nützt es, wenn wir in 20 Jahren eine starke Flotte haben, aber 1908 oder 1912 eine große Seemacht uns überfällt, unsere Flotte in den Grund bohrt, unsere Handelsflotte vernichtet? (Hört, hört!) Die Agitation ist sein gutes Recht.

Dann die Kriegervereine! Sie sollen nicht politisch feinj Ganz recht. Aber sie sollen national fühlen, denken, handeln, wählen. Sie waren verstimmt darüber, daß die Kommandogewalt des Kaisers angetostet wurde. Und dann begriffen sie diese Logik inicht, daß man sagte: wir wollen jetzt die Trupcpn zurückziehcn) und wenn der Aufstand aufs neue ausbricht, dann schicken wir sie wieder hin. Ich weiß nicht, ob das eine juristische oder eine kirch- liche Logik ist. (Große Unruhe im Zentrum.) Strategische Raison ist das nicht I

Und nun noch der Rcichsverband. Der Reichsverband hat seine Schuldigkeit getan. Er ist gänzlich unabhängig von der Regierung gewesen. Den Reichskanzler habe ich persönlich über­haupt nicht gekannt. Ich bin stolz darauf, daß ich ihm den Shl- vesterbrief entlockt habe. (Heiterkeit.) Die Sozialdemokratie hat uns den NamenNeichslügenverband" zugelcgt. (Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Gegen dieses Wort muß ich protestieren. Lüge ist eine bewußte Unwahrheit. (Allerdingsl s>ei den Sozialdemokraten) und das sollte unter Ehrenmännern nicht vorlommen! (Allerdings! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie aber bei diesem Namen verharren, gut, so wollen luir ihn ruhig annehmen als einen Ehrennamen, wie auch die Gensen das Wort, das sie beschimpfen sollte, als einen Ehrennamen ge­brauchten. Dann ändert das Wort aber auch seinen Sinn. Dann heißen wir Neichslügenverband, weil wir der Verband sind, der das Reich gegen Lügen der Sozialdemokratie schützen soll. (Sehr put! rechts, Lochen links.) > - > <

Me Lügen der Sozialdemokraten kaün ich natürlich nicht an- ffuhren. Nur einige! So ist es eine Lüge, daß die Kvnscrvativen gegen das Wahlrecht wären, sie stehen alle nicht auf dem Boden des Reichstvahlrechts. Eine Lüge ist es, daß die Unterwerfung der Bondelzwards schon erfolgt war, als die Auflösung erfolgte. Eine Luge ist die Behauptung desVorwärts", das; am 25. Ja­nuar 80 000 Landwehrleute einberusen werden sollten, um ihres Wahlrechts beraubt zu tverden. Für die Flugblätter, die uns der ,Abg. Fischer zur Last legte, kann man weder Herrn Hagemann noch mir einen Vorwurf machen. Die ganze Wut der Sozial- en kommt daher, weil zum erstenmal das deutsche Volk wirklich von dem Wahlrecht Gebrauch gemacht hat. Und da soll es auf einemal die Regierung gewesen sein. Das deutsche Voll ist sich seiner Kraft oewußt, cd steht treu zu Kaiser und Reich, und wird auch spater treu zu beiden stehen. Damit müssen die Sozial­demokraten sich absurden. Unbekümmert um die Angriffe der Rc- gierung werden wir durch Aufklärung und Belehrung weiter fort- sahren Wahlbeemflussung zu treiben. (Lebhasler Beifall rechts.)

Abg. BrejSkr (Pole)

Mhrt Klage darüber, daß in den östlichen Landesteilen die Ab- mrSn0r SBatilbcrfainmlungen erschwert worden sei

tm Gegensatz zu der bekannten Kammerge- richtSentscheidung sogar verlangt, daß deutsch gesprochen würde CU !|30le" Wti,e i,cn S°md°zu zur

Hierauf vertagt das Haus die weitere Veratuna auf Sih?'?-* 11 Uhr Vorher kleine Vorlage"? und Maischbottich.

Schluß 6% Uhr.

Uurversitäts.Nachrlchten.

ewes Doctor o law von der Harvard-, der Columbm-und der John-ioopkmsUniversität. 1879 wurde er Lehrer 1883 sLm.f 1886 Säeuollinärtltifltev hiv Lwt.suk in (UnÄm d »on L bis SU seiner Präsidentenwahl bekleidete er d.e Professur der politischen Wisienschailcn. Hadley schrieb über (iiienbrtbii rm 6nm t [eme Geschieh,e und ferne Gesetze, über die Bezieh^» Ist? n Private,gentuni und öffentlicher Wohlfahrt, über die Er; elmna der ainerlkanllchen Burger, über Freiheit uni) VerantworUichtelt Pro S) u r n e hat Berlin verlassen und sich zunächst nach W i c u

DCQCDCJl*

2<U5 Stadt uiro Lan-.

Gießen, 16. März.

zu ver-

Atsfeld), doch hatten bic 19,1 Hektar Weurbergie, Don denen 6,9 Hektar nicht in Ertrug standen, kein Erträgnis

* Die Staatsprüfung im Baufach ist nach einer kürzlich erschienenen Verfügung.für folgende Stellen im Geschäftsbereich des Großh. Mmrstermms oes Innern erforderlich: Kreisbau-, Vrandversicherungs- und Kultur- in D"ktoren, Kutturin^enieure und Tamp.reffelrnfpektoren.

Geschäftsbereich des Ministeriums der Finanzen ist die Prüfung erforderlich für die bautechnischen Vortragenden Räte Hulfsarbeiter und Ministerialsetrctäre bei den Mini- '-terialabteilungen für Bauwesen und für Fnnanzwirtschaft und Eisenbahnwesen, die Bauinspektoren des Hochbaufachs, die Wasserbauinspektoren, die Bauasscssoren, Vorstand und technischer Assistent beim Tiefbanamt Bad-Nauheim und die sämtlichen hessischen technischen Obcrbeamtcn bei der Preu- ßisch-Hessischon Eisenbahnqemeinschaft.

** Die höhere Töchterschule geht ihrer Vollendung entgegen. Tie Schulbänke für einige Räume sind eingetroffen, so daß diese bald bezogen werden kann. Die Inneneinrich­tung der Direktor-, Lehrer- und Lehrerinnenzimmer, sowie der Bibliothek sind nun auch vergeben worden. Die Möbelfabrik Th. Brück hat die Ausführung des Direktorzimmers erhalten.

** Seinbautreibcnoe m e i n o e n gab es 1906 in Hessen 221 mit 13 822 Hektar in Ertrag stehenden und 1350,8 nicht in Ertrag stehenden Weinbergen. Der Ertrag betrug 72 028,9 Hektoliter oder durchschnittlich für das Hektar 5,2 Hektoliter. Der Wert des geernteten Weins betrug ,-ür das Helt. 42,7 Mk. und im ganzen 3 072935 Mk. Es ist oies seit 1899 der weitaus geringste Ertrag, denn 1899, dem nächstschlechtesten Weinjahr twirug er noch mehr als das doppelte, 8134 756 Mr. Nahezu die gesamte Produk­tion ent,ä'tlt auf Rheinhessen, dessen 177 wcinbautreibende Gemeinden für 3 003354 Mk. Wein erzeugten, während die 42 Weingemeinden in Starkenburg nur einen Ertrag von 69 590 Mr. hatten. In Oberhessen gibt es 5 Weinbau treibende Gemeinden (4 im Kr. Büdingen und 1 im K'r.

zeichnen.

** Alicestraße. Welche Vers chiedenartigke it in der Schreibart der Name Alieestriaße erleiden muß, seien aus den Lrieuiu.'Cii Zusendungen eines Hausbcschers dieser Straße folgende Schreibungen ausgesührt: Alizen-, Alizien-, Alise-, Alsien-, Al­fen-, Aliven-, Alfiu-, Alzin-, Alizin-, Alsinen-, Alicien-, Alcin-, Atenzien-, Alzcnien-, Azien-, Alisin-, Allenz-, Allinen-, Alwin-, Alilvin- und Ailieschenstraße.

** In Amerika verstorbene Hessen. Am 15. Febr. starb zu Washington Konrad Schäfer, geb. zu Windhausen, 86 Jahre alt, und am 22. Febr. seine 83 Jahre alte Ehefrau Katharina, die aus Zell i. Oberhesseu stammte. Die beiden hatten sich vor 55 Jahren auf dem Schiff, das sie nach Amerika brachte, kennen gelernt. Georg Emka, aus Langenstein (Kr. Kirchhain), zu New- york. Wilh. Schäfer aus Frankenau, 38 Jahre alt, zu Eoucy Island. Christian Dinges aus Heppenheim bei Alzey, 68 Jahre alt, zu Oil City. John Adams aus Bensheim, 79 Jahre alt, zu Cleveland. Frau Kath. Jung Wwc., aus Undenheim, 93 Jahre alt, zu Hales Corner. Frau Katharina Schrumpf, geb. Schäfer, aus Radheim, <5 Jahre alt, zu Applelon. Jakob Grün aus Osthofen, 68 Jahre alt, zu St. Louis, Mo.

? Asllendorf a. Lda., 14. März. Der hiesige Gesang­verein wählte den lisr. Lehrer Band laus Londorf als Dirigenten. Lehrer Bandaß, der auch den Londorfer Gesang­verein Frohsinn leitet, hat schon einige Gesangstunden hiey ab­gehalten. Unser Verein geht diesen Sommer zum Wettstreit des Gesangvereins Liedertafel nach Marburg.

l Aus dem Lumdatal. Nächsten Sonntag, 17. d. M., nachmittags 3 Uhr, findet in All en do rf a. d. Lumda eine Versammlung der Vorstände der Gesangvereine aus dem Lumda­tale statt zwecks Gründung eines Sängerbundes. Die Zusammenkunft ist bei Zinßer. Der .dortige Gesangverein bringt einige Männerchöre zum Vortrag.

= Reichelsheim i. W., 15. März. Dem Verein für Ban und Unterhaltung des Hauptvoyrstranges für die Ortsgruppe B. der Gr u p p e n w a sf c r v c r sv r g u n g Bad-Nauheim, der hier-feinen Sitz hat, wurde die Rechts­fähigkeit verliehen.

? Schotten, 15. März. Eine Telephonleitung von hier nbeu MichelbachBreungeshain nach dem Klub- Ha u s e auf dem Hoherodsko p f ift projektiert und wird noch in diesem Jahre erbaut.

-f- Wvrms, 13. März. Tie 1. Geslügelausstelluug des Verbandes hessischer Geflügelzüchter, die hier vom 17. bis 19. Mürz flmtjindct, wird aus dein glanzen Groß- Herzogtum sehr reich beschickt tverdeu. Hauptsächlich ist es Nutz­geflügel, das in allen Arten und vorzüglichen Tieren zur Schau gestellt wird. Tie Ausstellung dürste ein hübsches, anschauliches! Bild der hessischen Geflügelzucht darstellen, das durch die Ein­richtung der Ausstellung wesentlich gehoben^ wird. Eine Reihe prächtiger Ehrengaben, darunter eine solche S. K. H. des Groß- Herzogs, bestehend in einer silbernen Fruchtschale mit Widmung, gelangen ats Zusatzpreise für die besten Tiere zur Vergebung. Als Preisrichter tverden in Tätigkeit treten 1. für Hühner, Masstr- und Großgeflügel die £)£). K. Huth-Frantsurt, O. Trieloff-Tuis-- burg, PH. Steingaß-Kirchheimbolanden,-/2. slir Tauben Fr. Ledos- qrwt-VopPard, Fr. Friä-Biebrich; 3. für Sing- und Ziervögel E. Zehrung und K. Kullmann-Frankfurt. Gelegentlich der Aus­stellung wird auch eine Geflügelzüchterversammlung des Großherzogtums am 17. März, nachmittags, imwilden Mamr" abgehalten. Die Einladung weist eine reichhaltige und wichtige Tagesordnung auf. Die wichtigsten zur Verhaudlung stehenden Punkte sind Gründung einer eigenen Verbandszeit- s ch r i s t und gemeinsamer Bezug von Futter- und s o n- stigen Bedarfsartikeln.

Krofdorf, 14. März. Tas diesjähr. B u n d e s s ch je ß en des L a h n - T i l t t h a l s ch ü tz e n b u n d e s findet gm 23. und 24. Juni in Krofdorf statt. Mit der Festlichteil ist Fahnenweihe verbunden. Tie Lieferung der iteucit Fahne wurde der altbe- tännteu Fahllensirmu Hermann Hisgen jr. in Lich überttagen.

y. Herborn, 14. März. Bei Renovierungs-Ar- beiten an dem Mohnhau,e des Herrn I. Etsch in der Otto- ftraße fand sich auf einem Balken geschnitzt folgende I n - s ch r i f t:

Dem Hexrn Beviel Deine Werk

So Werd Tein Anschlag Fortgehen

Heinrich Lepper Anno 1592.

Spr. Salom Cap. 16.3.

Der betreffende Balken mit Inschrift ist von Herrn Etsch herausgenommen worden und dem hiesigen Altertums- und Ge- schichtsverein überwiesen.

vermischter.

Berlin, 13. Lllärz. Der Gegner des im D u c l I gefallenen Hauptmanns von B e r cf e n war, wie die Nat. Ztg. aus sicherer Quelle erfährt, Ha u p t m a ii n P a ch al y vom Jnfantcrie- Reg. Nr. 78. Veranlassung zum Dliell ivar die Frau des Verstorbenen. (Die Äiachricht, daß der andere Duellant ein Berliner Apotheker gewesen sei, beruht also auf einem Irrtum.) Heute erschoß der 66jährige pensionierte Lokomotivführer Weber aus Eifersucht seine Geliebte, die 24jährige Plätterin Iva Heine, und dann sich selbst. Eine aufregende Sjene spielte sich heute nacht in dem Hospiz der

öiQMminon uno vor dem yauf'e av. Von Waynvor^ stellungen gepeinigt wollte sich eine dort logierende Frau aus einem Fenster des vierten Stockwerks ans die Straße stürzen; als sie dann den Sprung wirklich wagte, war aber bereits die Feuerwehr mit dem Sprungtiich zur Stelle, so daß die Frau ohne Schaden davonkam.

* Zerb st, 15. März. Ter H auptmann v. Bercken, der, wie -gemeldet, kürzlich bei einem Z w e i k a m p f auf dem Tegeler Schießplatz bei Berlin t ö d l i ch g e t r o f f e n wurde, hat sich anscheinend schon länger mit Duellgedanken ge­tragen; von Weihnachten ab hat er sich täglich im Pistolen-^ schießen geübt, auch den Sekundanten hat er von Zerbst mitgenommen. Das Offizierkorps des Anhaltischen Infan­terieregiments 93 bezeichnet in einem Nachruf v. Bercken als einen ausgezeichneten Offizier, der sich die allgemeine Liebe der Kameraden nnd die Verehrung, der Untergebenen in hohem Maße erworben habe. Die Veranlassung-, die zu diesem Zweikampfe geführt hat, ist einstweilen noch in ein völliges Dunkel gehüllt. Tie gerichtliche Untersuchung wird aber'wohl nicht umhin tönneu, sicl) sehr eingehend mit der Ursache zu dem Zweikampf zu beschäftigen. Es würde ja auch unserem Rechtsbewußtsein nrcht entsprechen, lvenn in einem Fall, in dem es sich um das Leben eines Menschen handelt, nccht der ganze Tatbestand mit allen Motiven aufgeklärt würde. Das urnsorneyr, als das Bestreben un­serer Zeit dahin geht, den Zweikampf abzuschuffen, was nur geschehen kann, wenn man ein Urteil darüber Hut, ob nicht eine gesetzliche Erlcdigurig des Streites möglich war.

" Attacke gegen ein Kalb. DerTimes" berichtet man aus Tanger, daß sich vor einigen Tagen unter den vor der Stadt lagernden Truppen des Sultans eine unbeschreibliche Panik verbreitete. Die tapferen Soldaten hielten ein Kalb, das sich in r i Nähe ihres Lagers Herumtrieb, für den Vortrab der ver­einigen Streitkräfte des Prätendenten und Raisulis. Sie be­gannen sofort zu schießen und alarmierten auf diese Weise das ganze scherif'ianisch-e Heer. Wenige Augenblicke später sprengte eine Schwadron Kavallerie heran. Nach einer langen Reihe ge­waltiger Salven fand man das Kalb, das infolge des Geknalles chuas betäubt, im übrigen aber unverletzt war. Jetzt erst sah man den Irrtum ein; infolge der Angst, die sie ausgestanden hatten, blieben aber die Truppen die ganze Nacht in außerordent- liiliec Aufregung.

Erdenvahn-Heitung.

Für bic Beamten der pre / tz c s ch - h e f s i s chen Eifenbahngemeinschaft wird am 1. April d. Js. in Verwirklichung der Zusagen des Eisenbahnministers im Ab­geordnetenhaufe eine Kleiderkaffe mit dem Sitz in Berlin er­richtet. Die Fonds, d. h. die Einnahmen der Kleiderkaffe setzen sich zusammen: 1. uns einem Zuschuß der Eisenbahnverwaltung von 30 Mk. pro Kopf und Jahr für jeden Unterbeamten, der znm Tragen von Dienstkleidung verpflichtet ist; 2. ans einem nicht rückzahlbaren, bei Zahlung des Diensteinkommens in Ab­zug zu bringenden Beitrag der Unterbeamten in Höhe von 3.60 Mark vierteljährlich zur Deckung des Mehrwertes an gelieferten Tienstkleidern; oie Hötze dieser Zuzahlung wird übrigens nach den jeweiligen Beschaffungskosten bemessen und alljährlich von dem Eifenbahn-Zentralamt nachgeprüft und erforderlichenfalls ander­weitig festgesetzt; 3. aus Zahlungen btr mittleren zum Tragen einer Dienstkleidung verpflichteten Beamten, sotvie der Zug- und Lokomotivführer, welche ihre Dienstkleider aus der Kleiderkaffe zu entnehmen wünschen und dazu berechtigt sind; die gleiche Berechtigung steht jenen Unterbeamten zu, welche zum Tragen einer Dienstkleidung nicht verpflichtet sind; endlich 4. aus sonstigen unerwarteten Einnahmen.

Kuiii't und

Zum goldenen Doktor-Jubiläum Ernst Haeckels wird aus Jena berichtet: Am 13. d. Mts. wurde Herrn Professor Ernst Haeckel aus Anlaß seines goldenen medizinischen Doktorjubiläums vom Senat der Universität Jena eine la­teinische Glückwunschtafel überreicht. Die Tafel feiert in beredten Worten die großen Verdienste des Jubilars um die biologische Wissenschaft und um die Universität Jena; sie würdigt zugleich seine Bedeutung als Schriftsteller, als künstlerischer In­terpret der Schönheiten der Natur und als Führer zu neuen Auf­gaben des Kunstgewerbes, dem er bis dahin ungeahnte Formen­schätze erschloß. Professor Ernst Haeckel, der während der vorigen Woche in Frankfurt, Darmstadt, Stuttgart und München weilte, um die naturwissenschaftlichen Museen zu stu­dieren, wird in den nächsten Tagen die geplante 3teifc nach Italien antreten. ;

Märkte.

() Marburg, 14. März. Aus dem heutigen S ch w e i n c- markt bewegten sich die Preise bei reger Nachfrage etwas steigend. Es wurden bezahlt für 68 Wochen alte Ferkel 30 bis 34 Mk., für 34 Monate alte Läufer 5070 Mk., und für größere Mastschweine je nach Qualität 100-z-140 Mk. per Paar. Wegen des Schneegestöbers waren nur 520 Schweine zugefahren.

Die Pflichten der Eltern

gegen ihre Kinder bedürfen eigentlich kaum der Erwähnung. Es wird indesfen vielfach noch lmbemußt gegen diese Pflichten verstoßen- Das bezieht sich insbesondere auf die Ernährung der Kleinen. Gegen die Grundregel einer ver­nünftigen imb gebeihlichen Erziehung verstoßen wir vor allem, wenn wir unseren Kleinen auf- regenbe Getränke geben. Wir müssen den Kin­dern zum täglichen Genuß ein Getränk vor­setzen, bei dem jede Möglichkeit einer schäd­lichen Wirkung absolut ausgeschlossen ist und bas ben Kleinen außerdem im Geschiuacke zu­sagt. Ein solches Getränk ist wie Wissen­schaft und Praxis in voller Uebereinstimmung dargetan haben Kathreiners Malzkaffcc. Will man also den Kindern eine bauernde Wohltat erweisen, so gebe man ihnen täglich ^Kathreiners Malzkast'ce" mit Milch und Zucker, achte aber beim Einkauf genau darauf, daß man auch den echten erhält und nicht etwa eine der minderwertigen Nachahmungen. Der echte ,Kathreiner" fommt nur in fest ge­schlossenen Paketen m der bekannten Aus­stattung mit dem Bild, dein Namen und der Unterschrift des Pfarrers Kneipp als Schutz­marke und der FirmaKathreiiier's Malzkaffee- Fabriken" ziun Verkauf. Das merke man sich zuiil Wohl der Kinder! C6/t