157. Jahrgang
Erstes Blatt
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Hotationsbrud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such, imb Steinbrnckerei. 8. Lange. Rebattion, Lrpedition und Oriiderdt Schuifirrtzr 7. ^^iqenieu'^h^BeL
DsArßsdes Reictz.
Bitburg, 2. Dez. (Amtlich.) Bei der am 28. Nov. stattgehabten Reichstagsersatzwahl im Wahlbezirk Daun-Prüm-Bitburg erhielt von 19 218 gültigen Stimmen der Erbprinz zu Löwen- stein-Klein-Heubach (Zentrum) 18345 und General-
ein Vorwurf häufiger gemacht worden als der, daß sich mit ihrem Alles-oder-Nichts-Standpunkt nicht verhandeln lasse. Man wolle keine plötzliche Uii^älzung, sondern allmähliche Entwicklung. Der Liberalismus ist bereit, einen Versuch aus dem letzteren Wege zu machen. Er kann das aber vor seinem Gewissen nur dann verantworten, wenn man auch wirklich den Mut zu ein paar energischen Schritten vorwärts findet. Andernfalls wäre es die einfache Pflicht der Selbsterhaltung, die ihn zum Bruch mit der von ihm nicht gesuchten Blockpolitik nötigen müßte.
Dienstag 3. Dezember 1907
Beza gOpretA» monatlich7bP^ viertel*
Welche neuen indirekten Steuern geplant sind, steht ja noch nicht fest. Gewiß treten auch indirekten Steuern gegenüber die verschiedensten Gesichtspunkte der Beurteilung in Geltung. Wenn die Negierung mit ihren Steuerplänen zugleich ein ethisch verständliches Ziel, wie die Eindämmung des Alkoholismus, verfolgte, würde sie gewiß auch gerade bei Liberalen Verständnis finden. Selbstverständlich ist natürlich die Abstufung der indirekten Steuern je nach dem Wert des Objekts. Das alles aber ist kein vollgültiger Ersatz dasür, daß die Regierung die ethisch wie praktisch wohlbegründete Grundsorderung des Liberalismus, nämlich die direkte Heranziehung der wirklich leistungssähigen Zahler von vornherein rundweg abweist.
Wenn nun so wirklich der Liberalismus aus dem Gebiet der Reichssinanzen einfach zum Verzicht aus Geltendmachung seiner Prinzipien genötigt werden sollte, dann wäre eine Neberwindung dieses harten Schlages für die Freunde der Blockpolitik — wenn überhaupt — nur sehr schwer und jedenfalls nur durch entsprechend weitgehende grundsätzliche Zugeständnisse seitens der konservativen Blockhälfte in anderen Fragen denkbar. Z. B. ist nicht einzusehen, warum ein l i b e r a l e s V e r e i n s g e s e tz , wie es in Württemberg, Hessen, und anderwärts schon besteht, nicht auch für das Reich allgemein gelten könne. Es müßte Sorge dafür getragen werden, daß solche Staaten, die dem preußischen Geiste schon um einige Jahrzehnte voraus geeilt sind, nicht durch die allgemeine Neuregelung wieder zurückgeholt werden. Das wäre so ein Gebiet, wo der Liberalismus seine Gegenforderungen mit gutem Recht anmelden könnte. Und eine großzügige Vereins- und Versammlungspolitik, ohne kleinlich-philiströse Polizeibevormundung wäre ihrer Kulturbedeutung halber schon eine Gegenleistung wert. Der jetzige Negierungsentwurf freilich noch nicht.
Wenn die Negierung mit dem Liberalismus ehrlich arbeiten will, dann darf sie ihn eben nicht nur als bloß „geduldet" neben den Konservativen betrachten und ihn gnädig mit ein paar Brocken von des Herren Tisch abfüttern wollen, sondern sie muß anerkennen, daß er als Prinzip des Fortschritts im Staate mindestens die gleiche Berechtigung hat, wie das konservative Prinzip der Wahrung alter Traditionen. In Worten sagt dies ja Fürst Bülow selbst. In der Politik sind aber die liebenswürdigsten Worte nichts ohne entsprechende Taten. Nur diese können als Beweis dasür gekten, daß die Regierung sich wirklich klar darüber ist, tote unentbehrlich ihr das liberale Element ist, wenn sie einen des Volkes der Dichter und Denker würdigen Kulturfortschritt auf dem Wege friedlicher Arbeit ernstlich will.
Sozialistischen Politikern ist von der Regierung kaum
A jährlich Mk. 2.20 durch Abhole- u. Zweigstellen wi ▼ monatlich 65 Ps., durch
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Hiehenel Anzeiger ,<ben un Wechsel mit en hessischen Landwirt «e Siebener Familien- ; inet vierinal in bet H.che beigelegi und wöchentlich das ,! Isblütl füi den Kreis iihcn. Fernsorech-An- Mufet d. Redaktion 112 ß rrlag u. Expedition 51 l toefle tüt Depeichenr Gtetzc».
tnnahm« we Anzeigen w Du Lagesnummer A vormittags 10 Uhr.
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Ale heutige Yummer umfaßt 14 Setten.
Aiütows AtiockpolltiL an der Aeichsfinanz- telotm scheitern?
Man schreibt uns:
? Es ist kein Zweifel, daß mit der Ablehnung jeder Art Direkter Zteichssteuer seitens der Regierung der Blockpolitik chon gleich im Anfang ein schweres Hindernis in den r [jeg gerollt ist. Fürst Bülow meint, die Blockpolitik nwjfe gelingen, wenn nur die beteiligten Parteien soviel juten Willen dazu hätten, daß sie kleinere Streitfragen >ot den großen gemeinsamen Zielen einmal zurücktreten . tchen. Das ist ja wohl nun gut und richtig. Aber sicherlich ich doch die Frage, ob wir die großen Mittel, die das gleich erfordert, aus direktem oder auf indirektem Wege Erheben wollen, keine von den kleinen. Für die direkten Steuern (Reichseinkommen-, Vermögens-, Erbschaftssteuer) spricht immer der ethische Gesichtspunkt, daß sie allein Jniit unbedingter Gerechtigkeit auf die wirklich tragfähigen ifrtoultern gelegt werden können und möglichste Lebcns- lUrr^eichterung der unteren Volksschichten ist außerdem auch
Jnterejse der nationalen Macht- und Kulturentfaltung Än.e höchst wichtige Angelegenheit. So ist es wohl zu be- j^reisen, daß sich die Liberalen, einschließlich der Nationalliberalen (durch die Rede Bassermanns) für die Fortfüh- ^ruing der mit der Erbschasts- und Tantiörnesteuer begonne- '^nen direkten Besteuerung ausgesprochen haben.
* Gegen diese liberale Forderung hat sich nun sowohl Schatzsekretär Freiherr v. Stengel als auch der preußische ^tzinanzminister v. Rheinbaben mit auffallender Schärfe und Mfyne die geringste Rücksicht auf das Blockverhältnis allste prochen. Ihr Hauptargument ist die Gefährdung der ^Allbständigkeit der Einzelstaaten, die die direkten Steuern 6p sich beanspruckien.
H Wenn nun trotzdem die Regierung die liberale Block- ^|5Cfte mit der konservativen zusammenzuhalten wünschte, Müßte sie sich klar machen, was mit jener Ablehnung der $ hielten Steuern dem Liberalismus zugemutet wird: näm- nicht weniger als die gänzliche Verleugnung aller ^pnzipien, die er auf diesem Gebiet vertritt. Ist sich die d^rZierung wohl der Schwierigkeit bewußt, in die sie den n. Liberalismus (insbesondere Freisinn) versetzt, wenn sie ihm ^zrnnutet, daß er vor denselben Wählern, mit denen er Store der Wahl gegen die indirekte Besteuerung protestiert sich jetzt für seine Beteiligung an ebenso indirekten
E euervlänen rechtfertigen soll? Würde die Regierung ^'^Zhl den Mut haben, von der konservativen Blockhälste ^tl5 Kompensation eine ebenso völlige Selbstverleugnung r m einem andern Gebiet (z. B. bei der Börsenreform oder beL dem Bereinsgesetz!) zu verlangen?
Die Oitn'.ar!cnvorlage in oer Kommission.
Die Kommission zur Beratung der Ostmarüavorlage trat gestern vormittag unter dem Vorsitz des Abg. v. Arnim (kow.) zusammen. Es wurde u. a. die Frage angeregt, ob und inwieweit die Enteignung geeignet sei, die Preise für die Güter, die jetzt schon zu hoch seien, und noch weiter steigen würden, aus ein angemessenes Matz zurücizuführen. Dies sei der Kernpunkt der ganzen Vorlage. Von der Regierung wurde hervorgchoben, daß durch das Mittel der Enteignung die ungesunde Preistreiberei verhindert werde. Von Seiten eures Gegners der Vorlage wurde aus die politischen Folgen der Vorlage hingewiescn. Bon der Negierung wurde demgegenüber betont, daß man der jetzigen Vorlage bedürfe, u m die v o r h a n d e n e n A n s i e d e l u n g e n z u b e s e s t i g e n, und zu verhindern, daß das Deutschtum von der polnischen Welle überflutet werde. Das Ziel auch der Maßregeln der Regierung gehe dahin, den Frieden und die Ruhe zu erhalten. Aber mit Langmut sei nichts zu erreichen. — In der gestrigen Nachmittagssitzung wurden von konservativerSeitelebhafteBedenken gegen das Gesetz geäußert. Es wurde anerkannt, daß bie Enteignung ein hartes, ja ein drakonisches Mittel sei. Aber weil cs dies sei, könne man es einer so demokratischen Organisation wie der Ausiedelungskommission^ in ihrer jetzigen Beschaffenheit kaum anvertrauen. Es müßte auch vorgesehen werden, daß Deutsche nicht ausgekanft werden und unter Umständen jahrhundertelanger Besitz ihrer Vorfahren gefährdet würde. Von nationalliberaler Seite wurde darauf hingewiesen, daß das Gesetz auf Oberschlesien ausgedehnt werden müsse. Aus Anfrage eines freikonservativen Redners teilten die Minister mit, daß noch eine Vorlage ausgearbeitet werde, durch die dem Treiben der polnischen A n s i e d e l u n g s b a n k ein Riegel vorgeschoben rverdcn solle. Auch läge es in der Absicht der Regierung, in den den Ostmarken benachbarten Provinzen, namentlich in Schlesien, Einrichtungen zu treffen, durch die die wirtschaftlich schwachen Grundbesitzer vor^ Verschuldung geschützt und dadurch die Erhaltung des Besitzes in deutscher Hand gesichert wirb. Die Beratung wird heute fortgesetzt. ■ r» ■!— fl> —II l«IW—
Konzert Des Gieß ncr Konzeltvereins.
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Der Gesamtch<lrakter des Konzerts war jenes stille Gluck, rsene Zufriedenheit drr „guten alten Zeit", als der Großvater die Großmutter- nahm, oder noch weiter zurück. Man Mt die steife Würde unserer Altvordern. Auch die Leideu- -icajt hatte damals etwas gemessenes, man durfte sich im nicht ausleben; die Zeit der Perücken und Reifrocke!
Das Balletdivertissement von Monteclair bestano aus rhet polonaiseartiaen Einleitung, an die sich eine graziöse LBeise anreihte: daun folgte ein Stück, das Nachahmungen bes Tambourin (lange Trommel) enthielt, dann em Glocken- "!piel unb schließlich ein provenzalrscher Tanz.
. Die Bachsche Gavotte spielte Herr Ca,ella nach Gefühl etwas zu rasch, er errang aber mit der m n Türkenmusik in der Mozartscheu Sonate reichen iiau und mußte sich zu cmer Zugabe entschließen, die Gelegenheit bot, seine Fingerfertiglert auf dem Klavecm I. mniundern zu lassen.
, .£. von Mrne. Marie Buisson alsdann gesungenen
Als am Sonntag abend in der neuen Aula der Universität die ersten Noten des Ballet-Divertissements von llionteelair erilängen, sah man viel neugieriges Hälserecken, isige Zuhörerinnen standen auch auf, um das Ungeahnte besser zu sehen. Französische Künstler hatten mit bltmodischen Znstrumenten ihr Spiel begonnen. War schon bac Klang der Streichinstrumente fremdartig, so klang etwas üküicmz Rätselhaftes in deren Akkorde hinein, ein Klavier, und Ebrch kein Klavier,mit 2 Manualen übereinander, einem halben ^Dutzend Pedalen, ein nach alten Vorbildern rekonstruiertes ^klchelsches Klaveein. Uns Modernen ist dieser zirpende, Bünne Ton, der die Mitte zwischen einer Zither und einem siecht alten Klavier hält, ganz fremd geworden. In .s>3«uernwirtschaften auf dem Lande findet man Wohl noch ^vorsintflutliche „Flügel", die ungefähr in die Zeit des Spi- ki^Mts und Klavieimbals zurücksühren, jene Zeit, in der viibn noch fein „Klavier" unter den Arm nehmen und leicht oittragen konnte. Am Schluß des Konzerts erklärte Herr ,0'liijella die Technik seines Klaveeins, das äußerlich wie '?:m moderner Flügel aussah. Durch den Gebrauch von ^mem halben Dutzend Pedalen werden mehrere kleine ^klangunterschiede erreicht, volle, schwellende und rauschende “ kone, dann gedämpfte, dann dünne, spitzige und gebrechliche, „ >ünn die Koppelung beider Manuale (wie bei der Orgel)
L tfto. Das Spiel des Klaveeins ist jedoch trotz technischer Ler- chiebenheiten eben doch nur ein technisches, ohne Seele, ihiie Modulation, ohne die feine ^cuancierung unserer modernen erstklassigen Fabrikate.
Die 4 Streichinstrumente ähnelten mehr den modernen Älartett-„Geigen", wenn sie auch gegen diese andere Klangarben hatten und in der Tonlage nach der Tiefe hin um nrie Stufe verschoben sind, die Baß-Viola z. B. etwa die Mitte zwischen Cello und einer modernen Baßgeige ein-
beiden Lieder von Caldara und Searlatti, das eine ernst und feierlich, das andere neckisch, mit scherzhafter Wiederholung des m’innamorerd durch das Klaveein fanden lebhaften Beifall; schade, daß dem italienischen Text keine Uebersetzung beigegeben worden war.
In dem Hasfeschen Streichquartett, das sich dem Quartette der Klassiker nähert, gefiel besonders der zweite Teil „scherzando“. Die Baßviola täuschte hier die Schläge der Kesselpauke vor.
Die Suite von Lorenziti zeigte Herrn Casadesus als Virtuosen auf der bratschenähnlichen Viole d'amour. Das weiche, von einer gewissen Schwermut durchzogene Stück, im Andante von ausge,prochener Vornehmheit, voll Innerlichkeit und melodiös, mit plötzlichem UeBergang in ein liebliches, neckisches Scherzo sand tosenden Beifall. Der Solist wurde mehrfach hervorgemsen und spielte dann, diesmal ohne die Begleitung der drei anderen Streichinstrumente, nochmals das reizende Schlußscherzo.
In dem Bachschen Gejanqslvetiftreit zwischen Pan und Apollo, der den rauhen Gesellen zum Gesang reizt und sich über seinen „Meistergesang" lustig macht, sang Mm. Buisfon den deutschen Text fast ohne fremdländischen Akzent und wurde dem lustigen, spaßhaften Inhalt voll gerecht. Reizend war dann das zartgesnngene jardin d'amour mit dem hiugehauchten Refrain quand je vais au jardin d’ amour.
Den reichen Beifall beschwichtigte die Sängerin mit einem ebenfalls französisch gesungenen schönen Lied.
Den Schluß des Konzertes bildete ein Divertissement von Le Sueur, das in verschiedenen Nummern merkwürdige Vorgänge, meist Anspielungen lokalen und zeitgenössischen Inhalts, durch Tonmalerei darstellen will. Das Stück ist 1804 auch der Gemahlin Nopoleons I., der Kaiserin Josephine vorgeführt worden und zwar aus Malmaison, demselben Hofgut, auf das sie sich nach der Scheidung zurückzog und wo sie auch wenige Jahre später starb.
In freier Uebersetzung sollten die einzelnen Partien wohl darstellen: Feiertagsglockengeläute der Dankeskirche, Einzug des Königs der Verschwender beim Klang der Harmonika, Zigeunertanz, Scheues Nachtgesindel, Aufzug der Hinkenden, Zigeunertanz.
Dem größten Teil des PubliLums ist wegen Fehlens jeglichen deutschen Hinweises aus dem Programm (hier hilft sogar der „kleine" Larousse nur notdürftig aus) der Inhalt dieses Stückes sremd geblieben. ES sind aber doch wohl die eigenartigen Klang,ärBungon, der merkwürdige Rhythmus, das Groteske vielen ausgefallen.
Jedenfalls war es ein ganz außergewöhnlicher, historisch-musikalischer, internationaler Kunstgenuß, jür den wir den französischen Gästen, die im Zusammenspiel vorzügliches leisteten, und dem Gießener Konzertverein herzlichen Dank sagen. Das uns Modernen zur Gewohnheit gewordene überreichliche Dinieren auf musikalischem Gebiete einmal durch einen einfachen, nicht übersättigenden, aber
doch edlen und nachhaltigen Genuß zu haben, die hastende, nervöse Gegenwart einmal in ruhigere, vergangene Zeiten im Geist zurückgeführt unb nickt zuletzt auch der friedlichen Annäherung der Völker durch gegenseitiges Kennenlernen gedient und damit vielleicht ein Steinchen zum großen Bau des Völkerfriedens hmzugekragen zu baben, ist das bleibende Verdienst des jüngsten K'onzertabenoS.
L. R.
— Die Schwankungen des Golfstroms und ihr Einfluß auf das Klima Europas.^ Wenn der zweite Vortragsabend der Gießener Gesellschaft für Erd- und Völkerkunbe meteorologischen Problemen sich zuwandte, so konnte schon im voraus darauf gerechnet werden, daß eine Gemeinde von Interessenten die ^Gelegen- heit freudig begrüßen würde, eine Autorität auf diesem schwierigen Gebiete zu hören. Der für den Abend gewonnene Redner, Dr. W. Meinardus, Professor der Geographie an der Universität Münster, berichtet seit 1900 als Nachfolger E. Brückners im „G-ogr. Jahrbuch" über die meieorologischen Fortschritte und bearbeitete die meteorologischen Ergebnisse der Arygalskischen Südpolarexpedition. Ter Golfstrom, ein, Ergebnis des Zusammenwirkens von Südost- unb Nord- ostpassattrist, fuhrt bie stark angewärmten Fluten des „Florida"- und des „Antillenstroms" in der Hauptsache an der Westküste Europas entlang unb bewirkt in Gemeinschaft mit den ihn begleitenden warmen Südwestwinden das milde westeuropäische Klima. Abgesehen von der starten Wärmezufuhr erreicht er dies dadurch, daß er den osrisländischen Zweig des Nordpolarstroms verhindert, sein Wärmeminimum auf das westliche Europa einwirken zu lassen. Jedoch hat man unperiodische Schwankungen des Golfstroms in der Geschwindigkeit sowohl, als auch in der Temperatur der bewegten Wajsermajsen feststellen können, die Witterungsschwankungen notwendig zur Folge haben müssen. Auch der Nordpolarstrom („Labradorström") vermag das Klima Westeuropas in günstigem oder ungünstigem Sinne zu beeinflussen, je nachdem seine EiSzufuhr in den Atlantischen Ozean stark oder gering ist. Wenn auch eine Beobachtung dieser unperiodischen Schlvankungen in Golf- unb Polar- strom eine Witterurigsvoraussage ermöglicht, die in neun von zehn Fällen den Tatsachen entspricht, so find doch auf der anderen Seite periodische Schwankungen des Klimas von längerer D<ruer ermittelt Worben, die nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. So konnte man elfjährige Perioden mit fchwankendem Witterungscharaller Nachweisen, bei denen man einen Zusammenhang mit dem An,treten der Sonnenflecken vermutet, während man über die Ursache der fest- gesvellten sünfunddresijigjährigen „Brücknerscheu Klima- Ichwankungen", bie innerhalb dieser Zeit seuiyrtühle und trockenwarme Perioden im Wechsel beobachten lasten, noch völlig im Zweisel ist. Die endgültige Erforschung solcher Schwankungen wäre nicht nur von wisfensthastlichem Interesse, sondern müßte durch die Witterungskunde von enormer wirtschaftlicher Bedeutung Werden.


