Ausgabe 
21.8.1907 Zweites Blatt
 
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Lehrer mit 13 Knaben aus den höheren Schulen Vieler Stadt, int Gasthause zum Solmser Hof einen längeren Ferien­aufenthalt genommen. Ein Waldfest, das der hiesige Gesangverein Harmonie auf unserem Namsberg Sonntag mittag abzuhalten gedachte, verregnete vollständig, so daß sich die Mitglieder der Harmonie zu geselligem Beisammensein int Gasthauje zur Traube dafür vereinigten. Der hiesige Musikverein sorgte für die Unterhaltung. Am Samstag abend vereinigten sich die Veteranen, 13 an der Zahl, bei Gastwirt Högl) und frischten zum Andenken an die Schlacht -bei Gravelotte vaterländische Erinnerungen auf.

Atzenhain, 20. Ang. Die Buderus'schen Eisen­werke beabsichtigen, in der Gemarkung Atzenhain eine Erz­wäsche mit Dampfbetrieb zu errichten.

-m Friedberg, 20. Aug. Der gestern hier verhaftete Karl Vogt von Ober-Rosbach, der die Auguste Lerchs zu erschießen verjiichte, erhängte sich in einer Zelle des hiesigen Polizeigesängnisses. Er wurde von einem Schutz­mann dent hiesigen Schöffengericht vorgeführt, von dem er wegen einer länger zurückliegenden Tat 3 Monate Gefängnis erhielt. Bei dem Rücktransport nahm ihui der Schutzmann vorsichtshalber seine Hosenträger weg. Als er nm Nach­mittag zur Vernehmung wegen des Mordversuchs wieder vorgeführt werden sollte, hmg er tot an der Zellentüre. Er hatte eine Kolter zerrissen, die Stücke zusauunengedreht und sich daran erhängt. Die Leiche kam auf den hiesigen Friedhof. Vogt entstammt einer achtbaren Bauernfanulie in Ober- Rosbach. Daß die Affäre keine weitere Opfer erforderte, ist nur dem alten Revolver sowie der Unkenntnis des Schützen im Umgang mit Waffen zu verdanken.

X Altenstadt i. d. Welterau, 21. Aug. Beim Bau der Wasserleitung stieß man auf Reste eines mer- kastells. Die Spuren an verschiedenen Stellen ergaben, daß seine Lage eine ganz andere war, als von A. Koster festgestellt, bezw. angenommen wurde. Zurzeit verweilen mehrere Altertumsforscher, u. a. Oberleutnant Gieß aus Heppenheim, hier, um Aufnahmen zu machen. Gefunden wurden bis jetzt römische Silbermünzcn ails 192, der Regierungs- zeit des Kaisers Pertinax, ferner eine Schale aus teu a sigulata mit dem Eindruck: Lossa fecit. Man hofft bei den beabsichtigten weiteren Ausgrabungen noch weitere Fund­ftücke zu erbeuten.

-1- Ober-Mörlen, 21. Aug. Heute feiert Pfarrer Tobias T h a l e r hier sein 5 0 j ü h r i g e s P r i e st e r j u b i l ä u in. Sämtliche katholische Geistliche des Dekanats waren zu der Feier erschienen. Aus Nah und Fern, insbesondere aus Ober-Mörlen, wurde der Jubilar mit Geschenken bedacht. Er feierte am 21. August 1857 in Ockstadt bei Friedberg seine Primiz. Sein 25 jähriges Priestcrjubiläum feierte er in Schwabenheun a. d. Selz. Auch in Mombach war er jüngere Zeit als Pfarrer tätig. Geboren wurde der Jubilar auf dem Hofgut Hasselhek der Freiherren von Ritter wo sein Vater Pächter war und das zu seinem jetzigen Pfarrsprengel gehört. Seine Jugendjahre verlebte er in Friedberg. Er steht im 76. Lebensjahr, und erfreut sich noch einer großen Frische des Geistes und Körpers.

-sd. Darmstadt, 20. Aug. Der durch das Automobil dieser Tage verunglückte Fuhrmann Gölz wurde heute nach­mittag unter zahlreicher Beteiligung auf dem hiesigen Fried- Hofe beigesetzt. Als Vertreter des Generalobersten v. Lindequist wohnte Oberstleutnant v. Jlfemann, der Kommandeur des Leib-Dragoner-Regiments Wr. 24, der Beisetzung an. Er hatte auch vorher der Witwe das Bedauern der bet dem Un­glück anwesenden Herren ausgedrückt.

h. Frankfurt a. M., 20. Aug. Die Koblenzer Staats­anwaltschaft hat vorgestern die Verhaftung des Chemikers Dr. Scriba abermals angeordnet, trotzdem er 30 000 Mk. inicht 20 000 Mk., wie es früher hieß) Kaution gestellt hat.

w Kronberg, 20. Aug. Der Kaiser ist mit dem Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen um 3 Uhr 50 Min. auf Schloß Friedrichsruh eingetroffen. Die Herrschaften begaben sich um 6 Uhr mit dem Prinzenpaar Friedrich Kart von Hessen zum Bankier Carl von Grunelius und nahmen in dessen Villa den Tee ein. Auf Schloß Friednchshos fand nm Abend Galatafel zu 30 Gedecken statt, an der der Kaiser, das Prinzenpaar Eitel Friedrich von Preußen, Prinz Ernst von Sachsen-Weimar, Botschafter Sir Francis Lascelles, Regierungspräsident von Meister und Geiiiahlin, Landrat von Marx und Gemahlin, Gräfin Alexander Münster, Karl von Grunelius und Gemahlin, Dr. Spielhagen, sowie Hauptmann Graf von Soden teilnahmen.

X Hanau, 20. Aug. In der letzten Zeit wurden in verschiedenen Orten der Umgegend Motorzweiräder ge­stohlen, so in Offenbach, Frankfurt rc. Jetzt ist es gelimgen, den Dieb in der Person des Dachdeckers Karl Hupfeld aus Oberrad zu verhaften. 2(uf eigenartige Weise gelangte man auf die Spur des Diebes. Vor wenigen Tagen erfolgte in Hanau zwischen einem Automobil und einem Motorzivei- rad ein Zusammenstoß, wobei das letztere stark beschädigt wurde. Der angebliche Besitzer des Motorrades gab es in eine hiesige Reparaturwerkstätte und bot am anderen Tage dem Inhaber der Reparaturwerkstätte ein Fahrrad als Zahlung gegen die oorgehommene Reparatur an. Dieses Fahrrad war, wie das Motorzwewad gestohlen. Jedenfalls hatte der Dieb Kenntnis davon erhalten, daß man auf seiner Spur war, denn er schickte sich nicht an, wiederzukommen, um das reparierte Motorzweirad abzuholen. Gestern gelang es, ihn in Frankfurt zu verhaften.

Ium Auüc Kau.

Die Familie Molitor hat, wie wir gestern bereits mitgeteilt haben, einige Briefe der Qeffentlichkeit übergeben, aus denen hervorgehen soll, daß so­wohl Frau Lina Hau, wie insbesondere auch der Verteidiger Haus, ,Dr- Dietz, von der Schuld Karl Hau's überzeugt gewesen waren. Tie in Frau Linsts Testament ausgesprochene Verwahrung, daß niemand aus ihrem Verhalten einen Schluß ziehen dürfe, der irgendwen in dem Prozeß Beteiligten belaste, verbietet jedoch u. E. die Folgerung, daß der jetzt verössentlichte Brief für die Schuld Hau's zeuge- Die Achtung vor der in diesem Testament enthaltenen bestimmten Willensäußerung gestattet niemand, aus einem in einem früheren Zeitpunkt der Affäre geschriebenen Pri- patbrief der gequälten fjruu Schlüsse zu ziehen-

DieNeue Bad- Landes-Ztg.st erfährt authentisch, daß die Rücksicht auf Fräulein Olga Molitor zur Veröffentlichung der Briefe geführt habe wegen der gegen sie gerichteten Angrisse in der Qesientlichkeü- Die Familie Molitor glaubt die Feststellung der vollkommenen Integrität des Fraulein Olga Molitor in der Hau- Afsäre durch die Veröffentlichung der zitierten Briefe herbeigeführt zu haben-.

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Zucht 140160 Mk., schwere Tiere bis 190 Mk. Verkauft wurde der Ztr. Schlachtgewicht Fettvieh: Rinder 1. Qual. 7880 Mk 2. Qual. 7375 Mk. Kühe 1. Qual, 6971 Mk., 2. Quai' 6366 Mk. Kälber 1. Qual, (über 50 Pfd. schwere Tiere) 7680 Mk., 2. Qual, (zwischen 40 und 50 Pfd. schwer) 6973 Mk 3. Qual, (leichtere Tiere) 6065 Mk. Gangochsen wurden ge­handelt pro Paar 1. Qual. 9001000 Mk., 2. Qual. 750850 Markt, leichtere Paare fehlten am Markt. Der Handel war rüh zu Ende und der Austrieb wurde in allen Viehgattungen geräumt. , W

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hefte» am Donnerstag bcn 22. August: Wolkig, doch trocken. Kühl. Leichte westliche Winde.

Die>Tragweite bet Briefe

Es kann nicht ausbleiben, daß die Briefe, besonder der des Vert- Dr- Dietz, Aufsehen machen werden. Man darf jedoch ihre Trag­weite keineswegs überschätzen, zumal eine authentisch unterrichtete Seite darauf hinweift, daß diese Briefe schon während der Haupt­verhandlung bekannt waren- Sie sind bereits im April ge­schrieben- Zu dieser Zeit hatte Tr. Dietz Frau Lina Hau noch gar nicht persönlich gesprochen- Er riajtete seine Verteidigung nach dem Material ein, das ihm bis zu jener Zeit vorlag. Zum erstenmal hatte am 13- Mai Tr. Dietz eine lange (vier- Uündige) persönliche Besprechung mit Frau Lina Hau in Karls­ruhe und hierbei und bei ihrem zweiten Besuch am 5- Juni, zwei Tage vor ihrem se!bssi;ewählten Tode, gab sie ihm diejenigen Tatsachen in der Hand mit der Ermächtigung, im äußersten Not­fälle davon nach ihrem Tode den erforderlichen Gebrauch zu machen, durch welche die Verteidigung auf ei ne ganz andere Basis gedrängt wurde- Solange von dieser Tat­sache kein Gebrauch gemacht werden konnte, war die Sache als solche bei dem Schweigen des Angeklagten selbst mehr oder minder aussichtslos"- D< diese Tatsachen in der Hauptverhandlung nur verschleiert waren, war dem ausdrücklichen Verlangen des Angeklagten zuzuschreiben. > __

Demnach also ändern die Briefe tatsächlich die Situation nicht im mindesten und tilgen ebensowenig den Verdacht, der nach wie vor auf einer frei sich bewegenden Person lastet- Keines^- wegs wird bureb diese Briefe etwa bewiesen, daß Dr- Dietz noch während der Hauptverhandlung an die Schuld Haus ge- glaubt habe-

Arbeiterbewegung.

Frankfurt a. M., 20. Aug. In Versammlungen btt Schlossermeister und der Gehülfen wurde die Aussperrung und der Streik der Schlosser nach fast sechswöchiger Dauer für beendigt erklärt. Den Arbeitern wurde eine halbstündige Verkürzung der täglichen Arbeitszeit und eine Lohnerhöhung von 7Vs v. H. bewilligt.

91 ü r n b e r g , 2u. Aug. Ende voriger Woche hatten 1 00 Säu­rt r b e 11 e r Oer Firma Frisch die Arbeit niedergelegt, weil die Firma sich geweigert hatte, zehn Nichtorganisierte Arbeiter zu ent­lassen, die sie seit 15 Jahren beschäftigt. Jetzt hat darauihin bei

Handel und Verkehr, volk»wirtjchaft.

Einnahmen deutscher Eisenbahnen. Die deutschen Eisenbahnen vereinnahmten im Juli aus dem Personen­verkehr 72 483 969 Mk. ( 3 576 694 Alk.), aus dem Güterverkehr 133 083 069 Alk. (4- 11812 630 Mk.). Tie Bahnen mit dem Rech­nungsjahr April März vereinnahmten vom 1. April bis Ende Juli ans dem Personenverkehr 219 242 689 Mk. ( 3 287 504 Alk.), ans dem Güterverkehr 462 787 380 Alk. (+ 36 351 110 Alk.), und die Bahnen mit dem Rechnungsjahr JanuarDezember m der Zeit vom 1. Januar bis Ende Juli aus dem Personenverkehr 52 527190 Alk. (4- 490 574 Alk.) und aus dem Güterverkehr 98 431 187 Aik. (+ 7 662 615 Mk.).

Märkte.

th. Gießen, 21. Aug.

Der gestrige V i e h m a r k t hatte einen Auftrieb von ca. 1000 Stück Großvieh, 100 Stück Jungvieh für Zuchtzwecke und 150 Kälbern. Beim Vorhandel wurde nur schwarzbunte Milch­ware zu 'hohen Preisen gehandelt. Der Markt zeigte in Milchkühen einen recht flotten Handel, so daß in dieser Viehgattung die Preise wieder etwas anzogen. Der schwache Auftrieb von Milchkühen genügte nicht, um den Bedarf für die zahlreich von Main, Rhein, Nahe und Mosel gekommene Kundschaft zu decken. Ebenso wurde der kleine Vorrat von Zuchtrindern und Stieren glatt verkauft. Am Handel in Fetlvieh beteiligten sich nur Käufer aus Ob er Hessen und aus den Lahnstädten. Sie legten verhältnismäßig gute Preise au, so daß unsere Gießener Metzger sich nicht am Geschäft be­teiligten. Auf dem llälbermarit fehlte es an besserer Ware, die besonders für Wiesbaden, Mainz und Frankfurt vergeblich verlangt wurde und deren Vorhandensein aber auch auf die Preisbildung sich steigend bemerkbar gemacht hätte. Trotzdem waren die ge­zahlten Preise für die Zeit recht hoch. Gangochsen waren nur m wenigen Paaren am Wtartt und tonnten zu guten Preisen an den Mann loniincn. Gehandelt wurde das Stück Kühe, frisch­melkend und tragend 1. Qual. 450500 Mk., 2. Qual. 35042U Mark, 3. Qual. 280320. Mk, Junge, Sichre mch Müder zur

Griginai-DrshtmeLdungeu.

Koblenz, 21. Aug. Heute nacht kurz vor 12 Uhr stießt! ein Güter zug und ein Personenzug auf der Streckt KoblenzBingen zusammen. Einzelheiten fehlen noch

London, 21. Aug. Nach Zeitungsrneldmigen au- Tanger forderte der Maghzen die Konsuln und alle übrigen Europäer auf, die Hauptstadt zu verlassen, da Ruhestörungen befürchtet werden. 2 Scherife werben die Abreisenden nach der Küste begleiten.

London, 21. Aug. Im Auswärtigen Amt werden die Gerüchte von einer im September geplanten Mittel- meerreise König Eduards entschieden bernetu ti e r t.

Paris, 21. Aug. Die 4 wichtigsten Stämme von Südmarokko, die Whilai) Hagis zum Sultan ausgerusen haben, befinden sich auf dem-Marsch nach Casablanca. Links vom Lager General Drudes wird fortwährend ge* kämpft. Der General hat Blättermeldungen zufolge 23er»

Arbeitgeberverband für das Baugewerbe in Mittelfranken beschlossen, \ die sozialdemokratische Organisation der Baiiarbeiler auszilsordern, *= bis Donnerstag die den ausdrücklichen Bestumnungeii des un vorigen ' Jahre abgeschlosseiien Tariwerlrages entgegen verhängte Sperre 1 über die Bauten der Firma Frisch a u f 5 u l) e 1) e n, andern- falls dürften nächsten Sonntag sämtliche frei organisierte Arbeitei J im Baugewerbe Nürnberg-Fürth entlassen werden.

B e l f a ft, 19. Aug. Neue Unruhen sind gestern ausgebrochen. J T r u p p e n v e r st ärk u n g e n sind bereits eingetroffen.

A n t w e rp e n, 20. Aug. Der Aus stand der Hasen- j a r b e i t e r nimmt z u; heute arbeiten nur etwa hundert Manir : Die Arbeitgeber beschlossen neue englische Arbeiter auzuwerbeii Der englische Abgeordnete Wilson versuchte in einer Bersaimn. J luug die englischen Arbeiter zii überreden, daß sie die Aui- - werpeuer Hafenarbeiter nicht ersetzen; Wilson ist lüieber nach Eng« * land abgereist.

Antwerpen, 19. Aug. 700 Dockardeiter sind aus ' Hamburg zum Ersatz der Aiisstäudigen hier eiugetroffen. Ein 1 Teil der englischen Ersatzleute ist wegen Rebellion nach - England zurückbeiördert worden. I

GeröchtssacrL.

R- B. Darmstadt, 20. Aug. Drei Jahre Z u chthauz und fünf Jahre Ehrverlust verhängte heute die Strafkammer über den schon vielfach mit hohen Zuchthausstrafen vorbestraften Kirchenräuber Michael Jörg aus Gaibach in Bayern- Er war in der Nacht zum 18- Dezember vor. Jahres in die alte katholische Kirche in Offenbach durch ein gewaltsam zer- törtes Kirchensenster eingedrungen, und hatte dann aus einem verschlossenen Schrank den Inhalt dir Opserbüchlfei, 6 bis 8 Mark, geraubt, die .übrigen Opferstöcke aber vergeblich aufzubrechen versucht- Man fand bei dem Verhafteten nacht nur eine auf­fallende Menge Kupfergeld vor, solidem auch viel Tiebeshand- werkzeug, und die vom Sachverstäiidigen Dr- Popp-Frank­furt vorgenommene Untersuchung ergab, daß die an dem Werkzeug zurückgebliebenen Bleiipuren genau Die chemische Zusammensetzung zeigten wie die Bleieinfassung des Kirchensensters, ebenso das bei ihm vorgefundene Stearinlicht mit den abgetropften Licht» spuren in der Kirche- Tas Hauptbeweismoment aber bildete der Umstand, daß man auf. einem ganz in der Nähe befindlichen Kothaufen, wie ihn viele Diebe aus Aberglauben als Schutz gegen Entdeckung zu hinterlassen pflegen, eine Anzahl Blätter aus einem Verbandsbuch der Bauhaiidwerker fand, dessen Besitzer der Verhaftete war; genau Me)eiben nummerierten Blätter, dir aus dem Buch herausgerissen waren, hatten die Schutzleute an der bezeichneten Stelle vorgefunden und als Beweismittel auf­bewahrt. Trotz der erdrückeiiden Beweise leugnete der Angeklagte hartnäckig und benahm sich während der ganzen Verhandlung frech, daß wiederholt mit feiner sofortigen Abführung gedroht werden mußte- In Rücksicht auf die vielen Vorstrafen und das Benehmen des Angetlagteii, sowie auf den besonderen Schutz, den das Gesetz den Kirchen an geb eiben lassen müsse, wurde der Augetlagte zu vorerwähnter Zuchthausstrafe verurteilt-

Stockholm, 20. Aug. Zwei Deutsche, namens Scholke- meyer und W i n t h e r , die vor einiger Zeit den Geldbrief­träger Olsson ermordeten und ausraubten, wurden heute zum Tod e v e rurteil t.J

Vermischt«».

* lieber eine T 0 de sfahrt im Automobil, bei welcher der amerikanische Millionär Noot und seine gaiize Familie ums Leben gekommen ist, wird aus Massachusetts berichtet: Root und feine ganze Familie ist voll­ständig taub. Während einer Automobilfahrt überkam ihn plötzlich die unglückliche Idee, mit einem Eilzuge um bi e Wette zu fahren. .Plötzlich kam das Automobil an eine scharfe Kurve, wo die Eisenbahn die Straße überschreitet, was Root nicht zu wissen schien. Da Root, der das Automobil selbst lenkte, die Warnungssignale des Lokomotivführers nicht hörte, machte dieser den letzten Versuch, indem er mit Voll­dampf die kritische Stelle früher zu erreichen suchte, als das Automobil. Als Root dies bemerkte, gab auch er feinem Wagen die größte Geschwindigkeit und es erfolgte der unver­meidliche Zusammenstoß. Das Automobil wurde vollständig zer­trümmert. Root und sein Sohn kamen unter die Lokomotive und wurden sofort getötet, die Mutter und seine Schwester wurden weit ins Feld geschleudert und waren ebenfalls tot. Eine Tochter Roots ist lebensgefährlich verletzt.

* Kleine Tageschronik. In B e r l i n hat sich Unter­schlagungen in Höhe von 27 000 Mark der 33 Jahre alte Buch- Handlungsgehilfe Johann Klein zuschulden kommen lassen. Seit dem Jahre 1903 vernichtete er Abschnitte eingegangener Post­anweisungen, steckte das Geld in seine eigene Tasche und verdeckte die Unterschlagungen durch falsche Buchungen. In Köln wurde ins Bürgerhospital ein junges Mädchen eingeliefert, das in einem Hause mit der brennenden Lampe hinuntergefallen war und sich dabei schwere Brandwunden am ganzen Körper zuge­zogen hatte; sie starb bald darauf. Bei der weiteren Untersuchung des Falles ergab sich, daß lt(ie Verstorbene sich mit der Haus­besitzerin in Streit befunden hatte, als der Todessturz erfolgte. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, daß ein Verbrechen vorliegt. In Feldgeding (Bayern) wurden drei Soldaten des 4. Ehevauxlegers-Regirnents, die zurzeit dort einquartiert sind und in der Wirtschaft des Wirts Wächterrieder gezecht hatten und in Streit geraten waren, von dem Wirt, der ihnen nachging, niedergefcho ssen. Der eine von ihnen wurde ins Äuge getroffen und kämpft mit dem Tode. Die beiden anderen wurden leichter verletzt ins Spital nach München geschafft. Dem Schwöb. Merkur" zufolge ist im Pfarrdorf Darmsheim bei Böblingen Großfeuer ausgebrochen. Der Brand griff in­folge Sturmes so rasend um sich, daß 68 Gebäude niedergebrannt sind, darunter die Gasthäuser, das Haus des Bürgermeisters und das Pfarrhaus. Die Kirche, von der bereits der Turm brannte, das Rathaus und das Schulhaus konnten gerettet werden. 58 Familien sind obdachlos. In Wien sind nach amtlichen Meldungen vom 10. bis 17. August sechs Erkrankungen an Blattern vorgekommen. Die Zahl der Erkrankungen beträgt seit dem Frühjahr 30 Fälle. In Holouaza (Ungarn) hat der elf­jährige Baueruknabe Stephan Kertes seinen eigenen Vater mit einer scharfen Hacke erschlagen. Das Motiv der Tat war, daß der Vater die Mutter oft schwer mißhandelte. In Budapest haben der Generaldirektor der Zentral-Vorschuß- bant Dr. Rügen Heltai und der Direktor Amigel Szende 400 au Kommittenten der Bank gefälschte Wechsel im Betrage von einer halben Million Kronen in den Verkehr gebracht. Durch Reeskompte sind sechs hauptstädtische Finanzinstitute ge­schädigt. Die genannte Bank kämpfte schon lange mit Schwie­rigkeiten. Infolge der schwachen Ernteaussichten wird erwogen, die diesjährigen Manöver in Schweden ein­zustellen, um bei eintretender Trockenheit genügend Arbeits­kräfte zu haben. Aus Song Island (Nordamerika) wird berichtet, daß in der Nähe des Ufers ein ungeheurer Meteor niedergegangen sei. Tie durch den Fall verursachte Welle riß mehrere am Lande stehende Zelte mit sich fort. Eine große Anzahl von Personen konnte nur mit großer Mühe vor dem Ertrinken gerettet werden. In Berlin verübte gestern abend der 35jährige Geisteskranke A. Baumecker ein blutiges Attentat auf seinen 60jährige n Vater. Als die Mutter au kurze Zeit fortgegangen war, stürzte sich der Sohu plötzlich ohne jeden Anlaß mit einem dolchartigen Messer auf feinen Vater und brachte ihm mehrere Stiche im Gesicht und zwischen den Rippen bei. Ob der alte Mann mit dem Leben davon­kommen wird, steht noch dahin. Vom Steinjöchel im Lechgebiet (Oberbayern) sind zwei, Herren namens Hertwig, die bei einer Familie in Stanzach auf Besuch weilten, abgestürzt. Beide erlitten fchwere Verletzungen.

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DjauptauHstellungshaiiN der Darmstädter Jlöbci- Siabrik, llcidclberser-Strasse, welches als .Sehens­würdigkeit 1. Ranges und bedeutenstes Haus seiner An bekannt ist. besichtigt zu haben. Man verlange 11 er­liste mit Abbildungen. (Perspektiv-Aufnahmen von kompi. £1 zännnern). 10jährige Garantie, freie Lieferung, bonntags von 111 Uhr geöffnet.

stärkungen verlangt.

Paris, 21. Aug. Man behauptet in politischen l Kreisen, die bevorstehende Zusammenkunft Cambons mit, dem .Fürsten Bülow in Norderney bezwecke die 5)erbeifüls runss eines gegenseitigen deutsch-französischenEnl/ gegen kommens in Bezug auf Marokko und auf die. Bagdadfrage.

San S e b a st i a n, 21. Aug. Amtlich werden du. Gerüchte dementiert, wonach zwischen dem König vorc Spanien und dem König der Belgier anläßlich einen Kreuzfahrt des Letzteren im Mittelmeer eine Zufammen« hi n f t stattsind en werde. .(

Lüttich, 21. Aug. In der Steingrube von Hogch r erfolgte ein Erdrutsch, wobei 5 Arbeiter verschüttet wurden' Zwei wurden als Leichen geborgen, die übrigen drei habe, $ jchwere Verletzungen erlitten. _ X

Magenkranke und schwächliche Kinder bedürfen einer kräftiger / aber dabei leicht verdaulichen "Nahrung. Am besten eignet NW oa altbewährte Nestle'fche Kindermeht, welches mit Gaffer gekocht, e - vollständige Nahrung ergibt. Benutzt man das Nestle-Mehl a Zusatz zur Mitch, fo macht es letztere leichter verdaullch, und M den hierdurch im Sommer die so häufig auftretenden Magen'^ln-, Darmtmarrhe verhütet. __f