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21.9.1907 Drittes Blatt
 
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Samstag Ä1. September 1907

Drittes Blatt

157. Jahrgang

Nr. ÄÄ2

GieWer Anzeiger

Erscheint tÜgNch mit AuLnahm« der Sonntag«.

General-Anzeiger für Oberhefsen

DirGtetzener Familienblätter" rverden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das *Krciiblatt für den Kreis Gietzcn" zweimal wöchentlich. Der..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Redaktion. Expedition und Dmderei: Schul- ftrafee 7. Expedition und Verlag x 6L Redaktion:HL Tel^AL^' Anset-erGiehen.

Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Universität- - Buch- und 6rttnt>ruderet R. Lange, Gießen.

Froschmäusekrieg.

Landtagsabg. Köhler-LangAdorf schreibt uns, bezugnehmend auf unterEingesandt" in Nr. 22G, 2. Blatt, vom 19. L-ept. 1907, unter obiger Spitzmarke:

Ich will diesmal nur mit Cartouchen schießen und keine feurigen Bomben werfen. Sonst ist das gerade , nicht meine Ge- luühnlj'cit so, und ich liebe im allgenreinen nicht, mit meiner Artillerie lange Hinterm Berge zu halten. Aber man soll auch nicht mit Kanonen nach Spatzen schießen.

Zuvorderst glaube ich bei den Lesern desGießener An­zeigers" vorauszusetzen, daß beim Durchlesen der Ausführungen .,eines Schulmannes" es ilMen gerade so ergangen ist, wie mir:

Mir ward bei alledem so dumm.

Als ging mir ein Mihlrad im Kopf herum.

Trotzdem will ich versuchen, dem verehrten, gewiß alten Schul­mann, eine Antwort zu erteilen, obgleich es mir schwer wird: nicht darum, weil ich widerlegt sei, sondern darum, weil dem Elaborate des verehrten, alten Herrn (denn er ist gewiß sehr alt, er trägt ja eine lvvhlansgearbeitetc Reform, wie er ja selbst sagt, schon 15 lange Jahve mit sich herum) jegliches Verständnis meines Antrags und jegliche Logik ab geht.

Ich will an der Hand seiner Ausführungen dem verehrten alten Herrn, rechenfolgend, nur folgende Antworten geben:

Der verehrte alte Schulmann sagt:

1. Ich »volle einen Gegensatz zwilchen dem Schulministerium und der Lehrerschaft konstruieren!

Ich sage, er ist da: Die Lehrerschaft will die Reform, das beweist allein schon die Denkschrift des Landeslehrers feit sieben Jahren. Wo hat bis jetzt daS Schulministerium ein grundlegendes Entgegenkommen gezeigt?

2. Der Parlamentarier hätte keine Verantwortlichkeit, kein Gefühl für diese?

Ich sage: Der Parlamentarier ist dem ganzen Volke ver- antwmtlich. Das Volk wird ihm sofort den Stuhl vor die Türe setzen, wenn er gewissenlos handeln wollte. Außerdem hat der Abgeordnete sowohl das Recht wie die Pflicht, Wünsche, die im Volke sich geltend machen, zur Kenntnis der Regierung zu bringen und zu versuchen, Entscheidungen über sie herbeizuführen.

Will mein Antrag etwas anderes?

3. Ich jvoUte eineLehrerzüchtung" durch frühes Hinein­pressen der Schüler in den Lehrerberuf herbeiführen?

Das ist einfach nicht wahr. Der verehrte alte Herr soll erst einmal meinen Antrag mit Verständnis lesen, dann wird er finden, daß ich nichts anderes Vorschläge, als allgemeine Bildung i n e i n e r R e a l s ch u l e, o h n e P ä da g o g i k (!!!), ohneMusikzivang, und mit mehrDeutsch unter richt, mehr Literatur. Und daß ich übrigens es vollständig dem Fachmann überlasse, den Lehrplan zu entwerfen, der (letzterer) das sage ich neu dazu vielleicht direkt auf der allgemeinen Volksschule aufgebaut werden könnte.

Von einemfrühen HineinpresseN in den Lehrerberus" kann auch schon dämm bei mir keine Rede sein, da ich doch den Lehr­plan so für allgemeine Bildung gestaltet sehen möchte, daß auch NichttLehrerschülern durch ihnallgemeine Bildung" zu anderen Lebensberufen vermittelt werben könnte.

4. Durch Unterschreiben eines Reverses wollte ich die Lehrer- Schüler zu Schüler 2. Klasse, >u Armenschülern, degradieren?

Ja, das mit dem Revers, das ist ja gar nicht meine eigene Erfindung! Das besteht ja schon längst aus allen unfern Seminaren! Warum also die Aufregung! Wenn man es nicht ivünfcht, und doch dabei gut zu fahren vermeint, habe ich doch wirklich auch nichts dagegen.

5. Der fakultative Musikunterricht und das Mehr im Deutsch- Unterricht lvürden eine Ueberbürdung herbeiführen? Starke Her­anziehung der neuzeitlichen Literatur könne erst in Prima einer Ober-Realschule erfolgen?

Das zu richten und zu schlichten überlasse ich dem Fachmann. Nur möchte ich damit so keinen alten verknöcherten Schulmann Getraut sehen, dem der Verstand schon schwach geworden ist, sondern Ctiicn hochgebildeten, vielleicht akademisch gebildeten Mann, der fähig wäre, genial zu denken und ohne Rücksicht auf Bestehendes, .efähigt wäre, neu zu schaffen, gründ stürzend zu reformieren.

6.Daß ich mich inbezug der Zahl der Klassen irrte, und daß es von Sexta bis Ober-Sekunda nur 7 Klassen sind", diese Entdeckung, diesen Triumph über mein System, das dadurch gewiß gründlich aus der Welt geschafft ist, das gönne ich dem guten alten Manne wirklich von Herzen, und daß die Einjährig- Frei- wlillgen-Bercchtigung schon mit absolvierter Unter-Sekunda er- langt iriro,lls stand IN i.reinem Manuskript schon; stlejder .aber

Zur Krhaliuug der Eigenart des Hcksbildcs.

Ter achte Tag für Denkmalspflege findet zurzeit in Mann­heim statt. Der Vorsitzende Dr. ü. Oechelhäuser berichtete über das verflossene Jahr. Bezüglich dieses Wiederaufbaues wie auch des Umbaues des Wormser Doms glaubt der Ausschuß sich auf negativen Stairdpunkt stellen sollen.

Oberbürgermeister Struckmann aus Hildesheim sprach dann über das neue Preußische Gesetz gegen Verunstaltung von Straßen, Plätzen usw. Im 2. Paragraphen des Gesetzes wird ausgeführt, daß durch Ortsstatut bauliche Veränderungen, wenn die Eigenart des Ortsbildes beeinträchtigt wird, verboten werden können. Die Bestimmung des Ortsstatuts ist sehr schwierig, daher fordert das Gesetz, daß, ehe ein Orts­statut gegeben wird, Sachverständige zugezogen werden. Die Be- stimmung des § 2 bezieht sich auch auf staatliche Gebäude und auch diese fallen unter die Bestimmungen des Gesetzes. Weiter ist bemerkenswert, daß durch das Gesetz nicht nur die Umgebung der Baudcnkmale, sondern diese selbst durch die Baupolizei geschützt werben sollen. Bezüglich der Festsetzung des Ortsstatuts empfiehlt der Redner den Denkmalpflegetag, sich mit dieser Sache zu be­schäftigen und vielleicht eine Kommission einzusetzen, von der sich die Gemeinden Rat holen können. Ferner enthält das Gesetz gute Bestimmungen, um einen Privaten zu verhindern, ein Haus so abzuändern, wie eS nicht für angebracht gehalten wird. Auch insofern ist einer Resolution des Denkmalpflegetags Rechnung getragen, als das Anbringen von Firmenschildern usw. verboten wird. Die Bestimmungen des Gesetzes gelten allgemein, nicht nur für Städte, und es ist ihm auch ein Paragraph bei gefügt, der sich mit dem Lands ch al tsschutz befaßt. Die Aufstellung von Reklameschildern kann versagt werden und ebenso das Aufbauen von Häusern, wenn das Landschaftsbild geschädigt Wird, im letzteren Fall jedoch soll der Regierungspräsident im Bedarfsfall entscheiden. Jetzt muß dafür gesorgt werden, daß gute Ortsstatute geschaffen Werden.

Professor Sturzenacker aus Karlsruhe empfiehlt, in den einzel­nen Orten ein Sammelwerk aufzustellen, in dem die dem Schutz zu empfehlenden Bauwerke austuzäylen sind. Als anderes Mittel, bic Tinkmulpflege zu heben, sollte man unserem Bauersmann Gelegenheit geben, sich, wenn er ein Haus bauen will, bei einer Stelle, bie noch einzurichten Wäre, Rat zu holen. Selbstverständlich gehört auch ein geschmackvolles Eingreifen derjenigen dazu, denen auf dem Lande die Sauarbeiten übertragen werden. Als letztes Motu ent, die Denkmalpflege zu föroern, führt der Referent das Eingreifen des Staates an, nicht nur in technischer, sondern auch in finanzieller Beziehung. Am Ende seiner Aus- führmigen äußert der Redner die Ansicht, daß die Landes- bauvrdnung zwar ein Denkmalschutzgesetz nicht ersetzt, tpohl aber ihn in die Wege leiten hilft.

hat der bekannte Druckfehler-Teufel (gewiß ein heimlicher Ver­bündeter des alten Herrn) aus dem >,Unter" einOber" gemacht.

7. Der alte Schulmann wirst mir Oberflächlichkeit vor. Von vornherein nennt er mich in spöttischer Weise viel geschäftig und erfinderisch. Er muß mir da wohl gestatten, Wenn ich be­merke, daß Wir beide gar wohl dll beiden Figuren in Göthe's Faust darstellen könnten: Faust und Wagner. Und Wem da bie Rolle des Wagner zufiel, das überlasse ich dem geehrten Publikum. Es wirb nicht lange zögern, ein gerechtes! Urteil zu finden.

8. Der Schulmann sagt:Herr Köhler meint, mit Ab­schluß der Ober-Sekunda eigentlich denkt er tatsächlich an Unter-Sekunda . .

Ich sage ihm: Köhler denkt an Ober-Sekunda! Ich bitte den verehrten Schulmann, mir nichts Falsches zu imputieren! (Ich bemerke hierbei noch, daß die Forderung! mach Einjährig-Frei- willigen-Berechtigung für Unter-Sekunda einzig und allein dem Gedanken bei mir entsprang, daß auch Nicht-Lehrer-S-chüler dieser Reform-Realschule angehören sollten. Für die Lehrer, denen so Wie so diese Berechtigung schon zusteht, war diese Forderung doch gewiß nicht gemünzt.)

9. Der verehrte Schulmann verlangt, Wie's scheint, nicht allein Vorbildung auf einer Realschule bis Ober-Sekunda, sondern gleich volle Ober-Realschul-Bildung mit Universitätsstudium. Man möge mir nachweisen, ob ich dagegen wäre! Ob's möglich zu machen sei? Das ist die Frage.

Ich könnte mir Wohl denken:

1. Volksschule bis zum vollendeten 14. Lebensjahre;

2. Eintritt in die Quarta^ der Reform-Realschule;

3. Mindestens einjähriges Studium der'Pädagogik an der Landesuniversität.

Für Mehr bin ich immer zu haben!

Doch genug des grausamen Spiels! Was alles der Schul­mann am Schlüsse seinesWerkes" ausführt, dem zu folgen ist mir nicht möglich. Es ist so wir uno kraus, der Leser möge selber urteilen.

Das sage ich ihm aber, daß ich niemals nach der Ansicht von Seinesgleichen mich richten werde bei meinem Vorgehen in der Öffentlichkeit. Es ist die höchste Zeit, daß es mit der Reform endlich einmal zum Klappen kommt. Mag derweilen der alte verehrte Schulmann daheim vergessen in seinem Schmollwinkel sitzen und weitersammeln helfen an Erfahrungen für eine künftige Reform des Lehrerbildungswesens." Wenn's auf ihn ankäme, bann wäre in 50 Jahren auch noch gesammelt" unb auch noch keine Reform da. Mir gilt, was der Kriegsrat Merck dem jungen Göthe zurief:

Nur frisch auf die Zäun, Dann trocknen bie Windel.

Nix for ungut!

2lu» StaSt uu6 Land.

Gießen, 21. September 1907.

**Haftpflichtversicherunßsanstalt. Der Vor­stand der lano- unb forstwirtschaftlichen Berufsgenossen­schaft zu Darmstadt läßt auf vielfach an ihn ergehende Anfragen wegen des Zeitpunktes, an dem die neue Haft- vslichtversicherungsanstalt ins Leben tritt, mitteilen, daß o!e Genehmigung der Satzungen durch den Bundesrat zur­zeit noch aussteht. Der Zusammentritt des letzteren ist für Anfang Oktober vorgesehen und die Annahme ist berechtigt, daß bie Satzungen alsdunn sofort genehmigt werden und die Anstalt eröffnet werden kann. Vom Vorstand ist alles geschehen, um demnächst den sofortigen Beginn der Betriebs­tätigkeit des gemeinnützigen Unternehmens zu ermöglichen.

Ortsgewerbeverein Gießen. Am Dienstag abend hielt der hiesige Ortsgewerbeverein imKaiserhof" eine außerordentliche Hauptversammlung, die sich eines guten Besuches zu erfreuen hatte. Der Haupt­punkt der Tagesordnung: Festlegung eines besonderen Vereinsstatuts, war dadurch notwendig geworden, daß der Verein die Eigenschaft einer juristischen Person erlangen muß. Der durch Großh. Zentralstelle vorgelegte allgemeine Satzungsentwurf wuroe nach dem Bericht einer für feine Vorberatung eingesetzten Kommission mit geringen Forde­rungen angenommen. Bei dem zweiten Punkt der Tages­ordnung : Gewerbe schulneu bau wurden von dem an- wesenhe^ Bauleiter Mitteilungen gemacht über den der-

Professor Stiehl aus Berlin bezweifelt, ob viele Kommunen sich zur Herbeiziehung von Sachverständigen, wie sie Struckmann empfahl, bereit finden ließen. Der Redner empfiehlt, daß Ver­eine uiid einzelne Personen sich bemühen sollten, um zu erreichen, daß sich für jeden einzelnen Bezirk Sachverständigengruppen bildeten und sich zur Beurteilung der einzelnen Fälle dauernd zur Verfügung der maßgebenden Behörden stellen und nicht nur an der Anregung zum Ortsstatut, sondern an deren Ausarbeitung selbst teilnehmen.

Geh. Rat Freiherr von Biegeleben aus Darmstadt steht auf dem grundsätzlichen Standpunkte, daß es sehr erwünscht Wäre,, wenn für die Denkmalspflege besondere Bestimmungen erlassen würden, statt allgemeine baupolizeiliche Bestimmungen, gibt aber zu, daß dieses Ideal kaum zu erreichen sein Wird. Der Redner befürwortet sehr die Einrichtung des Ortsstatuts, auf der anderen Seite ist er der Ansicht, daß dasselbe wie durch Ortsstatut auch durch allgemeine Verordnungen zu erreichen fein müsse. Bedenken macht der Redner geltend bezüglich der Handhabe der Bestimmungen und gegen deren Handhabe durch bie Bau­polizei. In ber Kunst könne nur entscheiden, Wer Kunst treibt. Er habe sich gewundert, daß in Baden die Baupolizei durch Orts­baukontrolleure gehandhabt werde. In Hessen habe man wenigstens akademische Beamte zugezogen, allerdings mit dem Mangel, daß sich darunter auch Ingenieure befinden. Und man müsse noch weiter gehen und verlangen, daß es vorgeschrieben wird, daß außer den Baupolizeibeamten noch andere, vor allem bie Denkmalpfleger zugezogen werben. Der Rebner ist gegen die Bildung einer Kom­mission zur Ausarbeitung von Ortsstatuten, dagegen sehr für die Inventarisierung der Baudenkmäler. Außerdem Wünscht er, daß sich die ortsstatutarische Regelung nicht nur auf die Denk­mäler beschränken werde, fonbern auch bie neue Kunst berück­sichtigen soll.

Professor Dr. Fuchs aus Freiburg Weist bar auf hin, baß die Durchführung der Denkmalspflege mit den wirtschaftlichen Pro­blemen -usammenstößt, und daß sie auf die Dauer nicht möglich sein Wird, wenn nicht gegen i> i e übermäßige bauliche Ausnützung des Grund undBodens borgegangen Wirb.

Als Vorbereitung für den heute (Samstag) stattsindenden AuSsinr nach Wimpfen berichtete Prof. Wickpp ans Darm­stadt über die Bau- und Kunstdenkmaier von Wimpfen. Mi­nisterialrat Freiherr v. Biegeleben sprach die Versicherung aus, baß bie hessische Regierung, bic Besitzerin Wimpfens, sich des Besuchs der Denkmalspfleger freue, weshalb er bie Anwesenden nochmals aufforderte, nach Wimpfen zu fahren.

Prof. W i ck o p gab hierauf an einer ganzen Reihe von Photographien und Plänen von der Bedeutnng und den hohen Reizen Wimpfens mit feinen vielen berühmten Baudenkmälern eine Schilderung, der er natürlich eine Klarlegung der geschicht­lichen Verhälinifse urxd KlMicklnngen vprauSschickte.

zeitigen S.und der Arbeiten. Sie jtiio nun soweit fortge­schritten, daß der Neubau voraussichtlich noch in diesem Jahre bezogen werden kann. Eine angeregte Debatte ent­stand hier über die Frage, welches Material für Untersülluug der Fußböden am geeianelsten sei. Allgemein war man der Ansicht, daß hierfür Grubensand der Vorzug zu geben fei. Im weiteren wurde Kenntnis von der Tagesordnung der am 22. L Mts. in Schlitz stattfindenden Hauptversammlung des Landesgewerbevereins gegeben und der Besuch der Ver­sammlung durch den Vorsitzenden warm empfohlen. Eine größere Anzahl der Anwesenden erklärte sich bereit, daran teilzunehmeu. Nach versckiedenen allgemeinen Mitteilungen des Vorsitzenden wurde die Sitzung geschlossen.

** Eine Gau Vorturner stunde findet morgen vormittag 8y2 Uhr in der Turnhalle des Männerturnver­eins Gießen für den Gau- und Turnausschuß und die zweiten Bezirksturnwarte des Gaues Hessen statt. Auf der Tagesordnung steht die Besprechung und das teilweise Turnen des für die Bezirksvorturnerstunden (deren erste am 6. Ort. stattfindet) bestimmten Stoffes. Insbesondere werden auch die für die Sondervorführung des Mittel­rheinkreises beim nächstjährigen deutschen Turnfest in Frankfurt am Main bestimmten Keulen-Uebungen durch­gesprochen, bezw. geübt werden.

** Zur Anregung des Spürsinns bei Schulkindern hat der Gemeinderat in Harzgerode, Anhalt, folgenden Beschluß gefaßt: Jedes in die Volks­und Mittelschule au, genommene Kind erhält auf Kosten der Sparkasse ein Sparkassenbuch mit einer Einlage von 1 Mk. Das Titelblatt des Sparkassenbuchs enthält außer den Vor- und Zunamen und den Geburtsdaten des Kindes folgenden Sperrvermerk:Gesperrt bis zum Ablauf der gesetzlichen Schulpflicht. Einlagen und Zinsen verfallen der Sparkasse, wenn bis zu dieser Zeit oder dem früheren Ableben nichts zugespart ist." Die Einlagen können vier Wochen vor dem Schulentlassungstermin als Beihilfe zu den Kosten der Kon­firmation abgehoben werden.

** Die Taler gelten vom 1. Oktober ab nicht mehr als Zahlungsmittel. Es darf deshalb darauf aufmerksam gemacht werden, daß von dieser Zeit ab außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen niemand verpflichtet ist, diese Münzen in Zahlung zu nehmen. Bei den Reichs- und Landeskassen werden diese Taler bis zum 30. Sept. 1908 zu dem Wertverhältnisse von drei Mark gleich einem Taler sowohl in Zahlung als auch zur Umwechselung ange­nommen.

)( Lollar, 20. Sept. Zu der vor einigen Tagen imGieß. Anz." mitgeteilten NotizLollarer Wünsche"- sei mitgeteilt, daß es sich bei der Rechnerstelle für die Wasserleitung nicht um eine Lollarer Gemeinde-Angelegen­heit handelt, sondern um die von der Wassergenossenschastz für die Orte Lollar, Mainzlar und Staufenberg zu be­setzende Rechnerstelle dieser Genossenschaft.

= Lauter, 20. Sept. Gestern fand hier Ge­meinderatswahl statt. Von 93 Wählern verzichteten nicht weniger als 40 auf die Ausübung ihres Wahlrechts. Wiedergewählt wurde Mrt und Landwirt Joh. Tröller Li­mit 31 Stimmen, während Landwirt Johs. Roder III. mit ebenfalls 31, Landwirt Karl Pitz mit 27 und Landwirt Ludwig Zimmer mit 25 Stimmen neugewählt wurden.

Vacha (Rhön), 19. Sept. Großfeuer äscherte in dem Nachbarorte Völkershausen zehn Wohn­häuser nebst Nebengebäuden vollständig ein; darunter auch die Postagentur und das Gasthaus zurKrone". Das Feuer sand durch die gefüllten Scheunen reichlich Nahrung. Die meisten Abgebrannten sind durch Versiche­rung gedeckt, lieber die Entstehungsursache ist Genaues noch nicht ermittelt. (K. Allg. Ztg.)

Vom Meerschweinchen. Im Inseratenteil des Kreisblattes eines oberhesstschen Städtchens lesen wir:

Sonntag den 22. September 1907:

2. Gastspiel, Lustspiel-Abend. Doppel-Vorstellung.

Brillanter durchschlagender Erfolg.

Neu! Das Neue st e vom Aller neue st en! Neu! Eine bezähmte Widerspenstige.

Lustspiel-Schwank in 3 Akten.

Also Shakespeares Kätchen, die Heldin eines Schwankes", dasNeueste vom Allerneuesten!"

In einem anderen oberhessischen Blättchen lesen wir gleichzeitig folgende wunderhübsche Nollz:

Theater. Nachdem am MontagSchmetterlingsschlacht" unb gestern das Sndermann'sche SchausplelStein unter Steinen" seilens unseres Saisontheaters gut wiebergegeben wurde, hat uns heute das Ensemble unter der rührigen Drreklion Robert Herrmann verlassen. Unzwelselhast verfügte Herr Direktor Herrmann über ein sehr gutes Künstler-personal, welches stets bemüht war, den ge­stellten Anfordern,igeu gerecht zu werden. Ferner können wir konstatieren, daß Herr Herrmann uns nur gute und neue Bühnen­werte geboten hat, so daß wir sein Scheiden nur ungern sehen', welches aber hoffentlich nur b i s zum nächsten Jahre dauern wirb.

Von der Lorelei schreibt basLahnft. Tagbll": An ber sagenreichsten Stelle des Rheins, auf der Lorelei-Höhe, ist bas Wirtschaftsgebäude, Welches bisher ziemlich unsichtbar von unten War, durch Anbau vergrößert worben, so baß es jetzt vom Schiff und ber Eisenbahn aus sichtbar ist. Dadurch wird bie Romantik stark beeinträchtigt. Um dies zu verhindern, hat man jetzt den Plan aufgegriffen, das Haus durch Anlage eines kleinen Waldparkes zu verdecken und in diesem mitten hinein zur Ver­herrlichung und Verkörperung ber deutschen Sage unb des deut­schen Liedes ein dieser £ft>ee angepaßtes Zbunstwerk zu errichtem Ursprünglich sollte das Deirkmal t>ont auf den Felsen kommen, damit Frau Lorelei die Sckftffer eindringlicher zum feuchten Nah zöge, au dem, versteht sich, das droben ausgeschänkt^ wird. Abei da lachten einige Lento doch gar zu laut: euer ^tein lagt ja die Zauberin selber Weg ober meint ihr etwa, das Weib aus Lust und Duft Werbe sich neben ihn setzen zum Vergleich, ob es auch getroffen sei? NUnder Zähe hätten den Gedaicken viel­leicht aufgegeben. Aber die von der Lorelei fanden die Lösung: Lieber ein Denkmal im Versteck als gar keinS. Und so schadet s ja wirklich auch keinem. (Aus bem 24. Kunstwartheft.)