Rom, 20. Juni. Die Deputiertenkammer nahm die Beratung der Vortage betr. die außerordentlichen Heeresaus- Nabcn auf. Ministerpräsident Giolitti bemerkt: Tic Regierung Labe die Herabminderung der Ausgaben von 2 00 jaus 60 Millionen angenommen. In Europa herrsche Friede, über bewaffneter Friede. Unsere Politik ist auf die Sicherung des Weltfriedens gerichtet, aber wir dürfen gegenüber dem Vater- Alande und denjenigen, die nach uns kommen werden, nicht die Werantwortung übernehmen, Italien unter Verhältnissen zu lassen, Die bei einer Eventualität, welche — jeder,Mnn wünscht cs — niemals ein treten möge, den Untergang dcs Vaterlandes herbei- führen könnte.
OberschulraL Dettweiler. t
Gießen, 21. Juni.
Eine überaus zahlreiche Trauervcrsammlung geleitete gestern die sterblichen Uebcrrcste des Professors Dr. P. Dettweiler, Oberschulrat i. P., der am Montag in Leipzig durch einen plötzlichen Tod aus einem arbeitsreichen Leben abgerufen wurde, zum Grabe. Nach Beendigung der Grabrede wurden dem Entschlafenen mehrere Nachrufe unter Niederlegung von Kränzen gewidmet: von den: Korps Teutonia hier, dem er einst aktiv angehört hatte und dessen Ehrenmitgliedschaft ihm infolge seiner Verdienste um dasselbe im Jahre 1880 verliehen worden war; von den alten Herren des genannten Korps, bon früheren Schülern und von dem Offiziertorps des hiesigen Regiments, in dem er einst Reserveoffizier war. Tr. Lettweiler, der durch Familierrbande mit Gießen verknüpft war, hatte auch einen beträchtlichen Teil seines Lebens studierend- und lehrend hier verbracht. I Er wurde 1856 in Wintersheim geboren, bezog schon im Alter von 16 Jahren die Universität. Zuer-sc in Straßburg und dann in Gießen studierte er klassische Philologie. Sein frisches und gewandtes Wesen brachte dem flotten Studenten in beiden Korps, denen er nacheinander angehört hatte, die ersten Chargen ein. — c
1878 bestand er die Fakultätsprüsung nnd war dann bis ' 1879 Lehramtsakzessist uno ordentliches Mitglied des Pädagog. Seminars am hiesigen Gymnasium. Das J..hr 1879 brachte ihm die Ernennung zum ordentlichen Lehrer an der genannten Anstalt. 1883 wurde ihm die Leitung d.s Proseminars für klassische Philologie an der Landesuniversität übertragen, und 1887 erhielt er in dieser Eigenschaft den Charakter als a. o. Professor. Trotz der ToppMcllung fand der hochstrebende Pädagoge noch Zeit uliü Muße für eine umfailgreichc schriftstellerische Tätigkeit auf dem Gebiete der Altertumskunde, der klassischen Philologie und der Pädagogik.
Infolge seiner Pädagog suchen nnd wissenschaftlichen Leistungen ernannte ihn das Großh. Ministerium schon im Alter Don. 34 Jahren zum Direktor des Gymnasiums zu Bensheim. Heber sein WiÄcn als Leiter dieser Anstsalt heißt es in einem Nachruf: „Nach siebenjähriger, überaus segensreicher, allseitig anerkannter und für pädagogiiche Kreise vorbildlicher Tätigkeit an der Spitze der Heineren Anstalt, die cr in blühendem Zustand verlassen Hal, ist "feiner unermüdlichen Schaffenskraft ein größeres und mühevolleres Feld der Wirksamkeit in der Leitung einer der größten § Anstalten des Landes angewiesen wordcw/' Herrn Professor Dr. Dettweiler war nämlich mit Wirkung vom 1. Oktober 1897 die Stelle eines Direktors des Großl)crzog Ludwig-Georgs-Gymnasiums zu Darmstadt übertragen worden. Schon nach acht Monaten wurde er zum Vortragenden Rat im Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, nut dem Amtstitel Obeo- schulrat ernannt. Infolge bekannter Vorkommnisse erfolgte indes schon 1899 seine Pensionierung. __
Sein rastloser Geist Getätigte sich dann in privater Stellung in Leipzig auf dem Gebiete des Schulbuchwesens und der wissenschaftlichen Pädagogik, sowie mit medizinischen Studien. Nachdem cr vor einigen Jahren seine Gattin, geb. stNontanus von hier, durch den Tod verloren, ist er selbst in noch lrästigem Mannesalter mitten aus seinem arbeitsreichen Leben durch einen raschen .Tod herausgerissen worden.
Von den Früchten seines in anbetracht der anspruchsvollen ,prältischen Lehrtätigkeit reichen schriftstellerischen Wirkens seien erwähnt: Ouid Aeschylus de republiea Athcniensium indicoverit. 1878. — Symbolae ad colloeationen veroorum. — Heber den 'freieren Gebrauch der zusammengesetzten Adjettiva bei Aeschylus. — Ernst Ludwig Bratuschek, Ausschnitt aus dem Jahresbericht M>er die Fortschritte aus dem Gebiete der Altertumswissenschaft. 1885. — Joh. Aut. Bernhard Lutterbeck, Ausschnitt usw. 1885. — Untersuchungen über den didaktischen Wert eiceronianischcr Schulschriften. 2 Teile. — Tic Erschließung der Gegenwart aus !tent Altertum als Aufgabe des humanistischen Gymnasiums. 1889. — Didaktik und Methodik des Hnterrichls im Lateinischen. 1895. .— Didaktik und Methodik des Unterrichts im Griechischen.
1 Tr. Dettweiler stand als Pädagoge auf den Schultern des früheren hiesigen Gymnasialdireltors Pros. Tr. Schiller, unter dessen Anleitung er sich für seinen Lehrberuf ausbildete nnd entfaltete, und dessen Ideen er im wesentlichen weiter entwickelte.
Obwohl eifriger Anhänger der humanistischen Bildung, verschloß sich T. keineswegs den Forderungen der realen Gegenwart. Er drang vielmehr aus eine Verschmelzung der auf dem Nährboden des klassischen Altertums ruhenden Humanitätsbildung mit den Anforderungen des modernen Lebens. Er war lein Anhänger des auf einseitige Verstandesbildung abzicienden, alles andere überwuchernden grammatischen Unterrichts, sondern wollte durch intensive Mitarbeck her Schmer dies. an der Huid der altklassischen Schriftsteller quellwimäßig uno echt wissenschaftlich in das Viel = festige Leben der Griechen und Sühnet eininyren uno die gewonnenen Resultate für das Verständnis der Gegenwart fruchtbar machen. Turch diese Modernisierung des klassischen Unterrichts hoffte er der in unserer Zeit vielfach angefeindeten humanistischen Bildung eine neue und solide Unterlage za geben und sie in die Zukunst hinüber zu retten. Diese Ideen sind bekanntlich in pädagogischen Steifen immer mehr durchgedrungen. $üt ihrem Siege hat der Verstorbene durch sein^vorbildliches Wirken als praktischer Pädagoge, als Redner und Schriftsteller hervorragenden Anteil. So ist fein Wirken nicht nur in unserem Hesscnlandc, sondern, auch im großen deutschen Vaterlande ersprießlich gewesen. Möge dem einst hochstrebenden, arbeitsamen Schulmanne die Erde leicht sein! ____
Aus Stadt und Land.
Gießen, 21. Juni.
•• Zum Universitätsjubelfeste wird natürlich unsere Stadt ihr schönstes Festgewand anlegen. Allen voran scheinen in dem Wunsche, ihre Häuser besonders Leschmackvoll zu schmücken, die Anwohner unserer „Zeil", des Selters- wegs zu gehen. Wie wir vernehmen, beabsichtigen einige Herren (Fischbach, (Seife, Kühn) eine einheitliche Schmückung des Selterswegs in die Wege zu leiten. Diese Idee ist auss lebhafteste zu begrüßen und wir dürfen hoffen, daß sich die Bewohner des Selterswegs allgemein daran beteiligen werden. Es ist aber auch zu wünschen, daß alle übrigen Straßen eine einheitlichen, künstlerisch möglichst abgestimmten Schmuck erhalten. Um das zu erreichen, wäre die Veranstaltung einer vom Verkehrsverein oder vom Bürgerverein einzuberufenden allgemeinen Bürgerversammliing unter Mitwirkung einiger Kunstsachverständiger, unserer besten Architekten, Gärtner re. unseres Erachtens das Nichtigste, damit die zahlreichen Fremden von vornehmem Geschmack von unserer Stadt den allerbesten Eindruck erhalten. Auch in anderen Städten, wie z. B. erst jüngst in Mannheim bei Gelegenheit des dortigen großartig gefeierten Stadtjubiläums, hat man die Stadt nach Plänen hervorragender Künstler geschmückt, und man war allgemein entzückt von dem feinen und diskreten Festgewand der Häuser dort. Die Kosten dürften unter solchen Umständen keineswegs höher als wie ohne
künstlerischen Beirat werden, zumal alles Einfache,'aber Einheitliche unendlich viel schöner - wirkt - als kostspielige lieber» ladenheit.
** Die erste 91 nmmer der „Ludoviciana", der offiziellen Festzeitung zum 300jährigen Jubiläum, ist erschienen. Sie wird im Auftrage der Universität von den Profesioren B. Sauer und H. Haupt im Verlage der v. Alünchow'schen Hof- und Universitätsdruckerei herausgegeben. Die uns vorliegende erste Nummer enthält sechzehn Seiten Text und ist mit künstlerischem Schmuck von J. V. Lissarz versehen, während die darin enthaltenen Aetzungen dem Atelier der Gebr. Klingspor in Offenbach entstammen. Sie enthält zum Eingang einem poetischen Gruß „der Jubilarin", ein ganz- eitiges Porträt des Rektors Magniticentissimus Groß- )erzog Ernst Ludwig, Aufsätze usw. über „Ludwig V. und die Gründung der Universität Gießen" von Will). Mart. B e cfe r, „Aus alten Gießener Stammbüchern" von Dr.R. A. F r i tz sch e, „Hessische Landgrafen als Rektores Magnificentissimi uonLic. Wilh.D iehl, „ Gießener Professoren" (EckhardtundWernher) von F. A. Kehrer, „die Wohnslätter der Ludoviciana" von Prof. Dr. B. Sauer, „Albertine von Grün", eine Liebesgeschichte aus der Genieperiode von Alfred Bock, „Ans Nebels Jocoso-Seria" und „Willkomme aach" von Fraa ) an n e w a ck e l. Wir behalten uns eine nähere Be- prechung vor.
*• Bachfeier. Man schreibt uns: Fräulein Minna Körner, die Leiterin der hiesigen Schule für höheres Klavierspiel veranstaltete am Mittwoch eine Bachfeier. Die Vorträge der einzelnen Schülerinnen zeugen von einem echt künstlerischen Geist, der in diesem Hause herrscht. Sowohl in der Technik des Anschlages als auch in der Art und BZeise des Vortrages waren die Leistungen mustergültig. Die bei Bach so außerordentlich schwere Stimmführung wurde von allen Vortragenden trefflich ausgesührt. Die verschiedenen Ensemblevorträge errangen den lebhaften Beifall der zahlreichen Zuhörer, während ein Prolog, gesprochen von einem Schüler, auf die hohe Bedeutung Bachs hinwies.' Fräulein Minna Körner hat wieder einmal eine Probe ihres Könnens glänzend bestanden und gezeigt, daß Bach, wenn er künstlerisch empfunden und ebenso wiedergegeben wird, kein Privilegium eines kleinen Kreises bevorzugter Musikkenner zu sein braucht.
"Abonnements-Konzerte. Man schreibt uns: Unser musikalisches Leben, das im Winter bei verschiedenen Vereinen eine schöne und erfolgreiche Pflege findet, hat im Sommer eine Stütze an Musikdirektor Krause und seiner Kapelle. Und zwar zeigt sich dies in erster Linie in den so ungemein beliebten, und in Folge dessen sehr gut besuchten Abonnements-Konzerten, von welchen gestern abend das dritte, unter Mitwirkung des Cornett ä Piston Virtuosen Böhme, Mitglied der Kaiser!. Russischen Hofoper in Petersburg, slattsand. Ein voller Genuß war es, den Darbietungen der Kapelle, deren Programm bis zu einem gewissen Grade jedem Geschmack Rechnung trug, zu lauschen. Hervorheben muß ich die Schubertsche Ouvertüre zu „Rosa- munde" und Intermezzo et Valse von Delibes. In beiden bot die Kapelle und Herr Musikdirektor Krause ganz ausgezeichnetes. Reicher Beifall lohnte die vorzügliche Leistung. Der Gast des Abends überraschte mich durch eine vollendete Technik, verbunden mit weichem innigen Ton. Läufe aller Art, Triller hoch und tief und die höchsten Töne standen ihm mit der größten Leichtigkeit zur Verfügung. Herr Böhme ist ein hervorragender Vertreter seines Inst rumcntcS und auch — was bei Virtuosen meistens nicht der Fall ist — ein ebenso hervorragender Musiker. Er zeigte sich in seiner Komposition „BallettsScöne“ als ein sehr ernst zu nehmender Tondichter. Er ist der Mann dazu, mit seinen Werken, die vorhandene, größtenteils recht minderwertige Literatur zu verdrängen. Reicher Beifall, welcher ihn jedesmal zu einer Zugabe zwang, wurde ihm zu Teil.
" Keine K ommunalabgaben erheben noch zwei von den 80 Gemeinden des Kreises Gießen, nämlich Bersrod und Ettingshausen. Den höchsten Satz erhebt Stangenrod mit 259,973 Proz. Zuschlag der doppelten Grundzahlen und des ganzen Einkommensteuerbetrages, Lindenstruth 226,605 Proz., Saasen nut Bollnbach, Veitsberg und Wir- berg 202,040 Proz. und Trohe 200,908 Proz. Den ge- ringften Zuschlag erheben Winnerod mit 23,153 Proz, Feld- gemarkung Feldheim 32,156 Proz., Albach 34,237 Proz., Großen-Buseck mit 37,012 Proz., Utphe 38,067 Proz., Allen- dorf a. d. Lumda 43,006 Proz., Beuern mit 43,334 Proz., Villingen 44,406 Pro-., Rieder-Bessingen mit 44,715 Proz. und Lich mit 45,245 Proz. Von den übrigen Gemeinden erheben 27 zwischen 50 und 100 Proz., 20 zwischen 100 und 150 und 15 zwischen l«50 und 200 Proz. Von den größeren Gemeinden erheben Wieseck 27 500 Mark (111,309 Proz.), Lich 24 000 Mk., Heuchelheim 29 000 Mk. (131,762 Proz.), Grünberg 31 000 Alk. (80,119 Proz.), Lollar 30 000 (75,779 Proz.), Großen-Linden 27 400 All. (101,003 Proz.), Watzenborn - Steinberg 19 300 Mk. (152,231 Proz.), Großen-Buseck 8000 Mk., Klein-Linden 18 000 Mk. (166,509 Proz.), Lang - Göns 17 300 Mk. (78,111 Proz.) und Hungen 17 000 Mk. (56,347 Proz).
"Die Verunreinigung des Maines. Preußische, bayerische und hessische M in ist er ia träte und RegierungS- benmte hatten laut „Frkf. Ztg." am Donnerstag Besprechungen wegen der iimner mehr zunehmenden Verunreinigung des Maines durch Fabriken und die zu ergreifeuden Maß- nahmen.
X Lollar, 21. Juni. Der hiesige Hochofen der Buderusschen Eisenwerke mußte heute nach siebenjähriger Betriebstätigkeit stillgelegt werden. Dafür wird in einigen Tagen der fertig zugestellte Ofen II. auf der Georgshülte zu Burgsolms in Tätigkeit treten können, so daß kein Aus- fall in der Roheisenerzeugung eintritt.
— Schotten, 20. Juni. Von 417 Wahlberechtigten machten bei der kürzlich abgehaltenen Gemeinderatswahl 360 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Es erhielten Karl Meiski 242, Louis Zeunges 219, Karl Chr. Proscher 180, Conrad Schlorb VIII. 115 Stimmen, die hiermit gewählt sind. Außerdem wurden noch auf 50 andere Kandidaten Stimmen abgegeben.
Mainz, 20. Juni. Gestern fand in dem seit dem 1. April d. Js. eingemeindeteir Stadtteil Mombach die Wahl dreier Mitglieder der ÄLainzer Stadtverordneten-Versamm-- lung statt. Gewählt wurde je ein Sozialdemokrat, Zentrumsmann und Nationalliberalcr.
b. Frankfurt a. W., 21. Juni. Kestern nachmittag ka
rambolierte an der Ecke Nidda- und Hohenzollernstraße ein Automobil mit einem E in s p ä n n e r fub r m e r I des Fuhrunternehmers Scyreiber^ aus Niederrad. Schreiber wurde aus seinem Wagen geschleudert und erlitt erhebliche Verletzungen am Kopfe. Den Chauffeur soll keine Schuld an dem Unfall treffen. — Der Heiratsschwindler Barnsdall- Nnber wird heute von dem Hntersuchungsrichter aus Karlsruhe im Gerichtsgebäude vernommen werden. Er wird von der Staatsanwaltschast Karlsruhe wegen betrügerischen Baukerotts verfolgt. Nach seiner Aburteilung in Frankfurt wird er sich zunächst in Karlsruhe zu verantworten haben. Die Voruntersuchung gegen Barnsdall in dem hier verübten Betrugsfall ist abgeschlossen und Anklage erhoben wordeii.
? Herborn a. d. Dill, 20. Juni. Mit dem Tode umeres Stadtältesten Johann Fr. M e ck e l ist das Leben eines Mannes zur Rühe gegangen, das jedem Herborner unvergeßlich bleiben wird. Mehrere Jahrzehnte hat er als Stadtverordneter unermüdlich gearbeitet und dann als Standesbeamter 30 Jahre lang. Auch auf anderem Gebiete wirkte er in Segen.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r ft a a t e n. Laut Blättermeldungeu wurde in dem Dorse Iasja, Kreis Schlüchtern die jung verheiratete Frau des Land- wirls M ü Iler von dem Holzsuhrwerk ihres Mannes überfahren und aus der Stelle g e t ö t e t. — In H ö ch st a. M. i|t der Fabrikarbeiter Trutzel verhaftet ivorden unter dem Verdachte im, April 1903 in Ludwigshafen den Schutzmann Kolb ermordet zu ba l\.i. )
Las Automobil.
Das Kaiscrpr eis-Rennen im Taunus schließt infolge des schlechten Tribünenbesuches mit einer Viertel- Million Defizit ab.
In Wiesbaden wurde das dreijährige Söhnchen eines Hatisdieners von einem Automobil überfahren und erlitt erhebliche Verletzungen.
Ein Prinz von Sachsen-Weimar ist beim Passieren der deutsch-französ. Grenze, als er sich im Automobil nach Paris begeben modle, gegen einen Grenzstein gefahren. Der Prinz unb sein Begleiter wurden herausgeschleudert, erlitten jedoch nur unbedeutende Verletzungen, während der Chauffeur schwer verwitndet wurde. Der Wagen wurde voll« fominen zertrümmert.
Ein Automobil, ivelches mit fünf Insassen aus Neapel kam, stieß in der Nähe des Bahnhofes von Cajanello (Italien) gegen einen Felsen auf; das Automobil wurde zer- lrümwert und die Reisenden getötet.
Üttiversitiits-Ncrehrichten.
— Ter P r o v i u z i a l - 51 o u s e r v a t d r der Rheinprovinz, Kunsthistoriker ord. Pros. Dr. C l e m e n in B o n n wird im September d. I. nad) den Bereinigten Staaten gehen, um als Aus- t a u s ch ° P r o s e s s o r an dortigen Universitäten Vorträge zu halten. ,
Stuttgart, 20. Juni. In der Zweiten Kammer kam die Frage der Verlegung der Stuttgarter T ie r ärz t l r ch e n Hochschule irach Tübingen zur Behandlung. Der Neubau der Anstalt ist unter allen Umständen notwendig; bei dieser Gelegen- beit will man die Tierärztliche Hochschule in einen ländlichen Bezirk verlegen, um auf diese Weise leichter das für den Unterricht notwendige Material zu erhalten. Eine Verlegung nach Tübingen ivürde dieser Absid)t entsprechen und zugleich den Studierenden der Tierarzllicheii Hodisd)ule Gelegenheit geben, aiißer ihren rein fad)- ivuseuichaftlichen auch sonstige Vorlesungen zu hören. Die Regierung bereitet eine Denkschrift Über diese Angelegenheit vor. Beim Kapitel „Technische Hochschiile" wurde ein Antrag, in dem die Regierung ersucht ivird, der Hochschule eine Abteilung für Handels- w ij s en schäften^ anzugliedern, angenommen. Der Kultusminister sprach sid) in entgegenkommendem Sinne aus.
Ein Lehrstuhl für den t f cf) c Sprache in Japan Der Einfluß des europäischen Geisteslebens wächst m Japan in rapider Weise, und auf den Gebieten der Wissenschaft und Literatur erscheiiit er von unbegreiizter Ausdehnungsfähigkeit. Jetzt unternimmt man im japanischen Reich aud) eine weitere Ausgestaltung des Schulwesens nad) europäischem Muster. Hierbei ist es von Wichtigkeit, dast der deutschen Literatur und Sprache eine besondere Beachtung gescheiikt wird. Ter neue japanische Unterrichtsmimster Malmö, der früher deii Gesandtschaftsposteil m Wien bekleidete, hat jüngst angeorönet, daß an der Universität in Kioto ein Lehrstuhl für deutsche Sprache errichtet wird, für den Prosehor I. Schiller berufen worben ist. Tie Errichtung zweier neuer Universitäten, von denen eine für den Norden des Landes in Aus- ficht genommen ist, soll erfolgen, sobald die erforderlichen Mittel dafür bereit gestellt sind. Ferner ist die Errichtung einer Technischen Hochschule in Yamagata, einer Pharmazeutenschule in Niigata, einer landwirtschaftlichen Hochschule in Kagoschima und einer höhere,i Jkädcyenschule in Nara beschlossen worden.
Tern ordentlichen Professor der theologischen Fakultät der Universität Berlin, Wirkt. Oberkonststorialrat Bernhard Weiß, wurde der Charaktor als Wirklicher Geheimer Rat mit beni Prädikat E r z e 11 e >i z verliehen.
Annft und rvisjenjchaft.
— Böcklings „Gefilde der Seelige n." Die Dermal- tnng der Königlidien Museeir in Berlin wird für ene ernste Besd)ädigung von Böcklings berühmtem Gemälde „Gefilde der Seeligen" beim Rücktransport von einer Londoner Ausstellung wohin es'mit Genehmigung der Verwaltung gesaiidt worden war, entsprechende Schadenersatzansprüche London stellen werde._______ __________
GerichtssaaL.
Dresden, 21. Juei. T,e Strafkammer verurteilte beit etanbesbeamten Tr. meb. Petzsch ivegenSittlichkeitsver- brecheii zii 10 Aionaten Gefängnis.
— Gegen ben Wiener Gelehrten Dr. Eisler der in der Städtischen Bibliothek oon Udine, in der Hauptstadt der gleichnahmigen italienischen Provinz, einen ihm zwecks Studium leihiveije überlafienen Codex entwendet hatte, wurde nach zweitägiger Verhandlung vor denr Udmer Gericht auf einen Monat und 20 T a g e tü e i ä n g n i s erkannt.
^anOei.
Die So ciöts Jnternatioiiale des Grands Baza r s Frankfurt a. Ai., die im vorvergangenen Jahr ihre Aktionäre dividendenlos lassen mußte, ist für das abgelaufene Geschäftsjahr in der Lage eine Tividende von 4 Proz. auszurichten. Der Rohgewinn betrug 624 574 Frs. und der Reingewinn c>79 893 Frs. Zur Vergrößerung ist die Aufnahme einer Hypothekar-Anleihe von 7 — 800 000 Aik. beschlossen worden. , . ,
Anklam (Pommern) 20. Ium. Das seit 1779 bestehende altrenommierte Bankhaus Roesler ist mit erheblichen Passiven falliert. Ter Inhaber ist vor 6 Wochen gestorben. Wie verlautet, liegt Selbstmord vor. Die Passiven werden nach vorläufigem Statiis auf eine Million Mark geschätzt, denen nur ganz geringe Aktiven gegenüberstehen. Tausende kleiner Leilte verlieren ihre gesamten Ersparnisse. Es iverben weitere Zahlungseinstellungen befürchtet.
Die Verein igilng der in Deutschland arbeite n b e u Privatfenerverficherungsgesellschaften hielt kürzlich ihre 25. Geiieralversammlrmg in Baden-Baden ab. Die zur Uebernahme sogenannter notleidender Risiken in Preußen, Sachsen und Bayerii crridjteten Verficherungsgemeinschaften der Vereinigung wiesen im Jahre 1906 einen Bestand von 1622 Versicherungen mit einer Versicherungssumme von etwa 21 Millionen Mark auf. Tie m Baden bisher vorhandene besondere Einrichtung zur Unterbringung sog. notleidender Risiken soll iiach dem Äiiisler der übrigen Gememschauen organisiert werden, weshalb die Generalversammlung den Atisschuß zum Abschluß einer bezüg-
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