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21.6.1907 Erstes Blatt
 
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Ai»..!.«? Erstes Blatt 157.Jahrgang Frettap 31. Jmtt 1907

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E~ General-Anzeiger für Oberhessen MM

Adresse für Depeschen: - , . _ w .GerichtSsaal*r Srnst

Anzeiger «iehcu. «otatfonsörud und Verlag der vruhl'fchen Univ.-Vuch- und Sfdnöruderel R. Lange. RedaMoR. Expedition und Druckerei: Zchttlstrahe r. d.eb-. für den La- ______ getqenieu: panfl >oe«

§te Kerrätersurcht in Außland.

treibt nachgerade höchst seltsame Hochsommerblüten. Die »Nowoje OBrcmja', die bekannteste und angesehenste Peters- burger Zeitung, enthält Andeutungen, wonach eine in S ü d - Westdeutschland lebende b7jährige Prinzessin, die Witwe eines in unserer Gegend begütert gewesenen Prinzen, der einem im nördlichen Taunus ansässigen Fürsten- geschlechte angehörte, Tante deS jetzt regierenden Fürsten, als Verschwörerin hingestellt wird. Mit ihr werden andere deutsche Aristokraten der antirussischen schwcden- freundlichen revolutionären Propaganda beschuldigt. Tie Prinzessin ist selbst finnischer Abstammung (nach dem Hof- kalender ist sie eine geborene v. LavoniuS aus HelsingforS). Die hochadcligen »Staatsverbrecher" sollen zu dein finnischen Schriftsteller ZilliacuS, dem Verfasser des Buches »Das revolutio- näce Rußland", in nächster Beziehung gestanden haben,

Vorläufig klingt uns die ganze Nachricht noch sehr un­wahrscheinlich. Unter den in Kiew ivegen Aufreizung 23er- hafteten befinden sich der Exdeputierte Dotat, sowie mehrere Post- und Elsenbahnbeamte, Studenten und Jour­nalisten. Bei der 3. Division in Kaluga will man eine meuterisch« Erhebung bemerkt haben und in Warschau verhaftete die Polizei ein aus 20 Personen bestehendes Bureau und kassierte aufrührerische Proklamationen.

Im russ. Kriegsministerium liefen Depeschen ein der Kommandeure der Kiewschen, Wilnaer und Odessaer Militär- bezirke, die zahlreiche unter den Soldaten vorge­kommene Verhaftungen melden. Diese Soldaten sollen als Mitglieder der revolutionären Militärorganisation entlarvt morden fein, die mit den sozialdemokratischen Abgeordneten der letzten RcichZduma gewisse Beziehungen unterhalten haben sollen. Um der revolutionären Propaganda unter den Truppen zu steuern, wurden ganz außerordentliche Maßregeln er- griffen.

16 Kilometer von Petersburg wurde bei Ligowo eine Versammlung der Vertreter aller Bahnangcstellten des Peters­burger Knotens abgehalten, in dec die Frage eines allg. Bahnstreiks diskutiert werden sollte. Es waren gegen 300 Vertreter erschienen, doch trieb die Polizei die Ver­sammlung auseinander und verhaftete eine Anzahl Redner. Unter den Fabrikarbeitern beginnt die Agitation gegen das neue Wahlgesetz bedenllichen Umfang anzunehmen.

In Saczone wurden drei Polizisten von einer von ihnen verfolgten Räuberbande überwältigt und getötet. Den Leichen lourben die Köpfe abgeschnitten und mit Warnungstafeln an den Bäumen befestigt._________________

Zer MnzerLrieg in Irankreich.

Heute Vormittag erhielten ivir folgende Drahtmeldungen: Narbonne, 20. Juni. Die aufrührige Menge bemächtigte sich eines P o l i z e i! om m is s ar s, den sie als Geisel zurückhält. Ter Verkehr wird von der Polizei nur in die Häuser zurück gestattet. Tie Menge vedrängte die Polizei so, daß sie sich nur durch die Flucht in die Unterpräfektur retten konnte. Bei dem Zusammen st o tz am gestrig -'n Nachmittag gab es 4 Tote und 11 V e r iv u n d e te.

Paris, 21. Juni. TerJntrans." veröffentlicht eine De­pesche aus Narbonne, in der cS u. a. heißt: Von den Gen­darmen wurde zuerst eine Salve in die Luft abgegeben, worauf sich die Menge zur Flucht wandte. Als sie jedoch merkte, daß blmd geschossen worden war, kehrte sie wieder um und drängle nach dem Hof der Umerpräsektur zu. Nunmehr erfolgte eine 2. Salve, bei der die Kanonen und Gewehre scharf ge­laden waren, linier b:n dabei getroffenen Opfern befanden sich ein Kind von 14 Jahren und mehrere junge Leute. Auch die Kürassiere machten, als sic aus dem Boulevard Gambetta von der Menge geschimpft wurden, von ihren Schußwaffen Gebrauch. In einer Wirtschaft wurde der Lausvater getötet und seine Tochter sowie 3 Gäste schwer verwu ndet. Am Nachmittag wurde Der Belagerungszustand über Nar­bonne verhängt.

Ferner liegen folgende Nachrichten vor:

Im Minister rat machte Ministerpräsident El em en- eean Mitteilung über die Vorgänge in Mompellier und Nar­bonne. In Narbonne versuchten mehrere hundert Mensck)en die Unterpräfektur zu stürmen, begossen das Eingangstor mit Pe­troleum und zündeten es an. Die zum Schutz der Präfektur ausgestellten Soldaten wurden durch den Angriff völlig über­rascht, zudem fehlte im entscheidenden Moment ihr Kommandeur. In dem Lanögemenge mußten sich die Truppen zurückziehen. Die Gendarmen gingen darauf mit Revolvern vor. Ein Gendarm wurde schwer verletzt, ein anderer befindet sich in ver- verzweifeltem Zustande. In Montpellier kam es zu ähnlichen Vorgängen. Auch dort mußten vor Dem Justizpalast Trupepn einschreiten und Verhaftungen vornehmen. ,

In Der Kammer interpellierte ÄldvMarbonne tsoz.-Rad.) die Negierung über die Ereignisse im Süden. Clemenceau erwidert, alle Haftbefehle, ausgenommen gegen Marcellin Albert, seien zur Ausführung gelangt, ohne daß die Ruhe gestört worden sei. Am Mittwoch abend aber seien in Narbonne das Gebäude der Präfektur, in Montpellier das Gerichtsgebäude angegriffen und gegen den Angriff verteidigt worden. Ich werde fortfahren, erklärt Clemenceau weiter, die öffentlichen Gebäude zu schützen, bis Sie mich verjagen. Ich habe den Truppen Anweiiung erteilt, von der SB affe nur im Falle der äußersten Gefahr Ge­brauch zu machen. Meine Pflicht war mir, wenn auch mein Lcrz blutete, klar vorgezeichnet; denn e» handelt sich um die Ein­heit des Vaterlandes. Wenn die Agitatoren im Süden^sähen, ivas sie getan haben, würden sie c-_> bedauern. Glauven Sie, datz ich unter Den gegenwärtigen Umständen wünsche, auf meinen Posten zu bleiben? Tie Truppen, die die Präfektur von Narbonne schützen, sind, ich weiß nicht warum, mit Nevolverschüssen em­pfangen worden. Das Schießen mit Revolvern wurde fortgesetzt, man sah Mannschaften fallen. An die Menge wurden von der Truppe zwei Aufforderungen gerichtet. Den Platz zu räumen. Dann, geschah, was geschehen mußte: Es gab einen Toten und etwa 15 Verwundete, darunter kein Schwerverletzter, und zwar hatten die Truvpen mehr B cr-

rounbete als die Volksmenge. Etwas anderes weiß ich nicht über den Vorgang. Die Beamten konnten in Narbonne die Straßen nicht passieren und keine Informationen einziehen. Aehnliches hat sich m Montpellier ereignet. Ich werde morgen alles, was ich über die Lage weiß, sagen. Leute bin ich bereit zu zeigen, daß die Regierung int Interesse Frankreichs und Der Republik gehandelt hat. Das sind nicht Winzer, sondern Apachen, die während der Nacht auf die beiden Städte und deren öffentliche Gebäude losgelassen wurden. Mögen die Republikaner über mich als Republikaner richten! Das Laus beschloß darauf, die Inter­pellation auf Freitag zu vertagen.

Nach Gerüchten, welche in Paris verbreitet sind, sind die Ereignisse, die sich in Montpellier und Narbonne abgespielt haben, viel ernsterer Natur als zugegeben wird. Man spricht von 150 Toten, doch bezeichnet ein Telegramm in den Wandclgängen der Kammer die Zahl der Toten nur auf 5, sowie 20 Verletzte.

Heber die Vorgänge in Narbonne wird noch mitgetcilt, daß wach zurückgewiesenem Angriff gegen die Unterpräfcktur die Ruhe l)crgestellt zu sein scheint. Als zur Zerstörung der vor dem Rathmise und auf dem Boulevard Gambetta errichteten Barrikaden Kürassiere anrüeften, wurden sie übel empfangen. Eines der Pferde wurde von einem Eisensessel getroffen, der von der benachbarten Casö-Terrasse lx'rabgeschleudert wurde. Es brach zusammen: der Kürassier flüchtete sich und wurde tätlich beleidigt. Darauf machten seine Kameraden von ihren Schuß­waffen Gebrauch. Auch aus der Menge wurden Revolver abgefeuert. Namond, ein ehemaliger Arbeitsbörsensekretär, wurde sterbend vom Platze roeggetragen. Nach derPetit Republ." soll die Gendarmerie auf die vor der Unterpräsektur neuerlich angesammelte SDknge gesckioff'cn haben. In einer Apotheke hätten sechs Verwundete Die erste Hülfe erhalten. Am Nachmittag griff die Volksmenge mit Nevolverschüssen den Polizeibeamten Guil- laume an. Guillaume wurde förmlich von Kugeln durch­löchert, bann ins Wasse r geworfen und schließlich fort­geschafft. Ob er noch lebt, ist unbetannt Als nun ein ^oldaten- posten erschien, um die Angreifer zurückzutreiben, wurde er mit Revolverschüssen empfangen. Die Soldaten schossen nun auch. Viele wurden verwundet. Nach anderen Meldungen ritt eine Kürassierpatrouille mit blanker Waffe auf die Menge ein. Mani­festanten schleuderten Stühle gegen die Pferde, von Denen eins tödlich getroffen niederstürzte. Tie Kürassiere feuerten Darauf mit Karabinern auf die Manifestanten, Die das Feuer mit Re­volvern erwiderten. Es wurden Barrikaden errichtet, wobei ein Manifestant tödlich getroffen, und mehrere, andere verwundet wurden. Tie Barrikaden wurden dann durch Infanterie fortgeraumt. Im Verlaufe der ernsten Ruhestörungen, die sich an verschiedenen anderen Punkten der Slttdt ahfpieften, wurden 20 Personen verwundet. Die Gendarmerie feuerte in die Volksmenge, die die Präfektur belagerte. Offiziell wird angegeben, daß drei Per­sonen getötet und mehrere hundert verwundet morden seien.

In Narbonne wurde auch der Photograph Granger, der dort Aufnahmen mjachen wollte, getötet. Ein Kürassier ist im Hospital gestorben. Ein Kürassier-Wachtmeister wurde tödlich, ein Infanterie-Hauptmann ernjllich verletzt, ferner etwa 15 Gen­darmen und noch mehr Soldaten. Wie es heißt, hätten auf die Aufforderung des Unterpräfeiten Die Offiziere das Scharf­schießen hinausgeschoben, weil sie am Gehorsam der Soldaten zweiielten. Tagegen schossen Die Gendarmen sofort und rücksichts­los, weshalb auch gegen sie und Die Kstrafficre die größte Er­bitterung herrscht. Ueber Narbonne ist der Belagerungszustand verhängt worden.

Aus Montpellier wurde gegen Mitternacht gemeldet, dpß dort Aufruhr herrsche.

Aus Bezieres wird gemeldet, daß auf dem Dortigen Markte der Preis deS WAneS von 89 Centimes auf 1 Franks biß 1 Franks 10 Centimes gestiegen ist.

»

Man sieht, die fanges- und meinfrohen Leute im fran­zösischen Süden, denen Alphonse Daudet ein köstliches Denk­mal des Humors im »Tartarin" gesetzt hat, entfalten ihr Temperament in einer höchst überraschenden, recht gefährlichen Weise. Die Negierung und die Prcffe in Paris haben sich allzusehr in Sicherheit gewiegt, als sie die Kundgebungen durch Reden und Massenaufzüge nicht tragisch nahmen und sich einfach auf die »alte Erfahrung" verließen, daß das Feuer deS Südens ebenso rasch, wie es entstammt wurde, zusammenfallen und als ein gelungener Spaß, ein Helden­stück in allgemeiner Heiterkeit enden werde. Tas Pariser Blatt »Pct. Republ." spottete über den Süden: Man treibe dort die Tinge nicht gern bis zum Aeußersten, von Worten zu Taten sei es weit. Die Ruhe werde also wieder herrschen. Eine schöne Ruhe! Clemenceau, der fast immer im gegebenen Augenblick nicht der Manu des Entschlusses, noch weniger der energischen Durchführung ist und sich mit geistreichen Er­wägungen zufrieden gibt, wird die Zauderpolitik mit dem Sturz des Ministeriums zu bezahlen haben. Ec gab in der Kammer zu verstehen, daß fein Nachfolger »unermeß- liche Schwierigkeiten" vorfinden würde. »Sie kennen einige von diesen, Sie kennen aber nicht die schlimmsten!" Tie »schlimmsten" Schwierigkeiten sind, wie wohl mit Recht vermutet wird, die kraß zutage getretenen Disziplin- verstäße im Heer und die Respektlosigkeit gegen die Armee. Soldaten pfeifen auf die Disziplin, und die Volksmenge pfeift aus die Soldaten. Dabei ist keineswegs ausgeschlossen, daß, wenn die Bewegung sich in diesem Tempo weiter entwickelt, beide Teile gemeinsame Sache machen, loie im heiligen Rußland. Man sollte in Frankreich das Geschick preisen, daß dem Lande dank der Friedfertigkeit Deutschlands ein Krieg erspart geblieben ist, der noch ganz andere Mängel der Disziplin und Organisation bloSgelegt hätte!

politische Lage-sehar».

Agrarier nub Flotte.

Die dem Bund der Landwirte angehörenden Männer dürften in letzter Zeit mit einigem Erstaunen ihr Haupt- organ, die »Dtsch. Tgsztg.", gelesen haben. Es erklingt jetzt nämlich in deren Spalten zuweilen der Ton einer gewissen Flottenbegeifterung, der nicht recht übereinstimmt mit der

früheren Stellungnahme des Blattes zur »Zukunft aus Dem Wasser", noch weniger mit dem berühmten Wort von der »gräßlichen Flotte", das zurzeit der RcichStagsdebatten über das Flottengesetz der Direktor deS Bundes der Land­wirte, Abg. Dr. Hahn, im Gespräch mit dem ZentrumSabg. Szinula hatte fallen laffen, woran sich im Plenum des Reichstages eine erregte Auseinandersetzung zwischen beiden Herren knüpfte. Ob die veränderte Haltung der »Ttsch. TgSztg." lediglich auf einen Redakteurwechsel zurückzuführen ist, der einen als »alldeutsch gesinnt" bekannten Journalisten an das Bündlerblatt brachte, sei dahingestellt. Jedenfalls sprach der »überzeugte Interpret der Anschauungen des Bundes der Landwirte" früher zurückhaltender in der »Dtsch. Tgsztg." von der Notwendigkeit beschleunigten Ausbaues der Flotte.

Nach Ostafrika.

Von den deutschen Journalisten, die sich an der Jnspektionsfahrt deS Staatssekretärs Dernburg durch Ost­afrika beteiligen, haben einige die Ausreise bereits angctrcten und zwar zu Laude mit Dem Orient-Expreßzug. In Port Said soll die Weiterfahrt mit dem Dampfer der Ostafrika- Linie erfolgen. Dernburg begibt sich am 15. Juli in Neapel an Bord des nächstfälligen Dampfers derselben Linie. Die ersten Reiseberichte der Journalisten werden nicht vor August in der Presse zlim Abdruck gelangen können. _____________

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Juni. Ter Ka is e r hat an den L o rd m a y o r > von London ein Telegramm gesandt, in dem er die englischen Gäste zu ihrem Aufenthalt in Potsdam willkommen heißt. Der Lordmayor und Die Korporationen Der Stadt London haben als Erinnerung an den Besuch in Der Deutschen Reichs-Hauptstadt Dem Berliner Magistrat 8000 Mk. zur Unterstützung von Armen zur Verfügung gestellt. Gestern fano ein AbschieDsfestmahl im Kaiserhof statt. Oberbürgermeister Kirschner öiüctte Die Meinung aus, Daß er Die feste Ueveczeugung habe, zioischen beioen Nationen sei ein BanD geknüpft, welches alle Zeit bestehen werde. Lord Treolar führte in humorvoller Rede aus, er hoffe. Daß Berlin und London, wie auch Die Deutsche unD englische Nation bald so fest verbunden seien, wie es symbolisch geschehen sei auf einer Photographenplatte.

Wie Die Germania p.us diplomatischen Kreisen erfährt; ist eine Einladung König Eduards an Den Kaiser zu einem Besuch schon vor einer Woche in Berlin eingetroffen. Sie ist in sehr herzlichen Worten abgefaßt unD wurde in gleich warmem Tone beantwortet.

Wie DieN.-A.-Z." mittcilk, empfing der R e i ch s k a n j* l c r Den aus England zurückgekchrten GeneralfelDmarschall v. H a h n k e. Der Reichskanzler, Der hezite früh nach Kiel zum Vorirage beim Kaiser iCibgereift ist, empfing Den Besuch DeS hiesigen eng l. Botschafters. .)

Die Verleihung des erblichen Adels an den Bankier Dr. Paul Schwabach wird bekannt gegeben.

Von bestunterrichteter Seite wird uns mitgeteilt: Ter Reichskanzler Fürst von Bülow Hobe es sehr bedauert, daß einer seiner tüchtigsten und begabtesten Beamten, gewissermaßen feint rechte Hand, Der Geh. Legationsrat und Vortragende Rat un Aus­wärtigen Amt, außerordentlicher Gesandter und Minister Paul von Aelow-Schlatau aus ähnlichen Gründen, wie die anderen von Harden genannten Herren s.ch genötigt gesehen habe, feinen Abschied zu nehmen. Die Verabschiedung i|t wohl mit Der gesetzlichen Pension, aber ohne Ordensverleihung und Ranger«. Höhung erfolgt.

Der Polizeimajor Paul Höf ft ist zum Polizei^ ob er st und Kommandeur der Schutzmannschast von Berlin er­nannt worden.

K iel, 20. Juni. Der Kaiser nahm heute militärische Meldungen entgegen, Darunter Die Des französischen Kon - tread mirats De Jonguieres, bet Die französische Marine­rangliste überreichte unD hörte Dann den Vortrag des Reichs­kanzlers Fürsten v. Bülow. Der Kaiser saß bei Der Tafel zwischen Dem Fürsten von Monaco unD Dem Reichskanzler.

Auslano.

London, 20. Juni. (Unterhaus.- Im Lause der Beratung! über den Heeresetat wird von einem Redner die Frage Den Einflchrung einer neuen Flintenkugel aufgeworfen, die zurzeit auf dem Kontinent einges.chrt werde, iiricgsminiftec Haldane erklärt dazu, das Kriegsauu beschäftige such eingebenix mit dieser Angelegenheit, man habe mit -Spannung abgewartet, bis auf dem Sumhnent Die Versuche zu Ende geführt waren. Die in England eingeführte Kugel halte man für große Schußiveitett für wirksamer. Die in 5tage stehende Flintenkugel auf dem Kontinent habe Die gleiche Wirrung wie die Expansivkugel. Es fei die Frage, ob ihre Anwendung mit den Bestimmungen der' Genfer Konvention in Einklang zu bringen seien. Lord Bab- carres flonfj bemerkt, dvß Die neue Äugel schlimmer fei als das Dumdumgeschoß. Laldane entgegnet: Ich gebe zu, daß Die ständige Steigerung Der ch. rstorangsmaschine beklagens­wert ist, aber wenn mpn bedenkt, daß kontinentale Heerc sie einmal gegen uns gebrauchen tönnten, können wir nicht einhaften, um Dann niedergeschoff'en zu werden. Wir müssen eine ebenso gute Waffe haben, wie Die lonunentalen Heere. Einer Steigerung in Der Zerstörungskraft Der Waffen könnte purch eine gemeinsame Aktion Der Mächte auf einer neuen Genfer Konferenz Einhalt getan werden. 4,

Ter Vertreter DerTribüne" bei der Haager Konfei re n z meldet seinem Blatte, daß Aussichten vorhanden seien, eine Einigung in der Frage Der Einschränkung der Rüstungen zu erzielen. Ilm diese Frage zu beraten, fand eine Besprechung zwischen Den Delegierten statt. Bei Dieser Gelegen-t heft verlautet, daß Oesterreich und Italien, also Die beiden Vev-i bünDeten Teulschlanos, verschlugen. Die Frage Der Beschränkung! Der Rüstungen einer Kommission zu überweisen. Die Dem nächsten Friedenskongreß, Der in sechs Jahren s'pttsinden soll, einen Berichs vorzulegen habe. Tie englifdjen delegierten bezeichneten diesen Vorschlag als unbefriedigend, auch Die französischen Delegierten sind der Ansicht, sechs Jahre seien eine zu lange sZ-rist für die Arbeit dieses Ausschusses. Es ist wahrscheinlich, daß eine solche Kommission ernannt wird, und daß die Frist herabgesetzt wird. Tics Dürfte Die Lösung Der Abrüstungsfrage bei Dieser Kvnfe-, renz sein.