Wer eS wagt, tnS Freie zu spazieren, Der vergesse ja nicht Plaid imb Havelock, Und eS braucht ihn gar nicht zu genieren, Wenn statt Appelwein er trinkt 'nen steifen Grog!
In die Chronik sei es eingeschrieben, Dieses ungeahnte Schreckcnsregiment. Zur Erinnerung an Pfingsten 1907 toet dem Dichter dieses SchreckpoLm vergönnt.
E. G.
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♦* Hoher Besu ch teilte heute vormittag! hier. Um 10y4 Uhr kamen I. Ji. K. K. H. H. der Großherzo g und die Großherzogin, der Landgraf und die Landgräfin von Hefsen-Phrlippthal-Barchfeld und der Fürst Und die Fürstin zu So l m S - H o h n s o l ms - Li ch im Auto- nrobil hierher, um dem alten Schloß einen Besuch abzustatten. Sie besichtigten die Absteigeräume S. K. H. des Moßherzogs das Museum des ober hessischen Geschichtsvereines (wo einige Herren des Vorstandes die Führung unternommen hatten) und den botanischen Garten. Um 11% Uhr fuhren die hohen Herrschaften wieder ab. Die jbunde von der Ankunft des Großherzogspaares hatte sich rasch in der SEadt verbreitet und eine zahlreiche Menschenmenge nach dem Landgraf Philipp-Platz geführt, die das Großherzogs- spsaar B'ei der Asb fahrt lebhaft -begrüßte. Der Groß Herzog lenkte das Auto selbst, die Fahrt ging zum Bahnhof, von wo aus mit dem Schnellzug um 12 Uhr ö Min. die Abfahrt nach Darmstadt erfolgte.
*♦ Eisettbahn-Fahr Preis-Ermäßigung bei gemein s amen Schulausflügen von Volksschülern bezweckt ein Antrag des Aog. Köhler und Gen. hei der 2. Kammer der Landstände. Es heißt darin:
Das österreichische Eisenbahnministerium hat verfüat, daß auf allen österreichischen Staatsbahnen die Bürger- und Volksschulen Bei gemeinsamen Schulausflügen von jetzt ab weitere Ermäßigung genießen sollen. Je zwei Kiirder unter zehn Jahren sollen nur eine halbe Fahrkarte lösen. Ferner wird aber von je zehn Schülern oder Schülerinnen ein mittelloses Schulkind völlig frei .befördert, und zwar sowohl hin wie her. Angesichts des 700 Millionen-Ueberschusses der Preußisch-Hessischen Eiscnbahngcmein- schaft dürste es als gerechtfertigt erscheinen, wenn gleiche Vergünstigungen auch hier gewährt werden. Wir beantragen deshalb: Die Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, bei der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft anzuregcn, daß 1. den Volksschülern der preußischen und hessischen Schule vom 10. bis 14. Lebensjahr ähnliche Vergünstigungen gewährt werden ,nne auf den österreichischen Eisenbahnen, 2. dem die Aussicyt führenden und an dem Ausfluge teilnehmenden Lehrer vollständig freie Eisenbahnfahrt gewährt werde.
** Südw estafrika-Basar. Die Vorbereitungen zu dem am 8., 9. und 10. Juni stattftndenden Basar zum Besten der Hinterbliebenen der in Südwestafrika Gefallenen find in vollem Gange. Man bringt dem Unternehmen von allen Teilen unserer Einwohnerschaft das regste und wärmste Interesse entgegen. Damen und Herren auS allen Streifen der Gesellschaft haben sich zur Mitarbeit zur Verfügung gestellt und auch bei dieser Gelegenheit wird sich der bewährte und bekannte Opfersinn unserer Stadt in glänzender Weise betätigen. — Die Proben für die von 8 Damen und Herren gerittene Quadrille sind in vollem Gange; damit wird unserer Stadt eine Aufführung geboten, die bisher nur in den größeren Städten möglich war. Auch für den von 18 Damen und Herren getanzten Reigen sind die Vorbereitungen getroffen und die Mitwirkenden bereits zusammengetreten. Die von dem in diesem Winter gegebenen Konzert zum Besten der Veteranen in so gutem Andenken stehende freiwillige Kapelle hiesiger Veteranen hat dem vaterländischen Zweck ihre Unterstützung zugesagt und wird abwechselnd nut der hiesigen RegimentSkapeüe den musikalischen Teil deS Festes .ausfüllen. — Theater, sowie humoristische Vorträge,Turnen, Bajonettfechten und GesangS-Aufführungcn von Mannschaften deS Regiments, Monstre-Konzert der!vereinigten Kapellen sind neben Verkaufsbuden und Erfrischungszclten für das überaus reichhaltige Programm vorgesehen. — Neber das Lokal, in dem der Basar stattsinden soll, sind bestimmte Beschlüsse noch nicht gefaßt. Die Reitquadrille beansprucht ein größeres, zum Reiten geeignetes Terrain. ES wird m der kommenden Woche entschieden werden, ob das Fest in Steins Garten oder auf der LiebigShöhe stattsindet.
** 50jähriges Geschäftsjubiläu m. Die Firma Gebrüder Schwan in Gießen konnte am vergangenen Samstag auf ein fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken und hatte auS diesem Anlasse alle ihre Angestellten zu einer sehr gemütlich verlaufenen Feier in den festlich geschmückten Empfangssaal des Kolosseums eingeladen. In der Festrede wurde der Werdegang des in hoher Blüte stehenden Geschäftes eingehend geschildert und in ebenso pietätvoller wie ehrender Weise des vor wenigen Monaten Heimgegangenen Begründers des Hauses, wie auch deS vor mehreren Jahren verstorbenen Bruders und Teilhabers des jetzigen Chefs gedacht. — Rühmend hcrvorzuheben ist das gute Einvernehmen, daL in dem Hause zwischen Prinzipalität und allen Mitarbeitern besteht, das gerade bei dem Jubiläum aufS neue dadurch zum Ausdrucke kam, daß einem seit mehr als vier Jahrzehnten zum Personale gehörigen Arbeiter von S. K. H. dem Großherzog eine Dekoration verliehen wurde, während von den Inhabern der Firma diesem treuen Angestellten sowohl, wie einem seiner Kollegen, der auf eine 30 jährige ununterbrochene Tätigkeit im Dienste deS HauseS zurückblickt, wertvolle Geschenke überreicht wurden. Das Gesamtpersonal revanchierte sich durch Ueberreichung eines hübsch auSgcführten und von allen Angestellten unterzeichneten Erinnerungsblattes zu dem Ehrentag der Firma, das dem Prinzipal mit herzlichen Worten der Gratulation überreicht wurde. - Küche und Keller des FestwirteL, sowie musikalische und gesangliche Vorträge hielten die Teilnehmer an der Feier in bester Stimmung zusammen und man schied erst in früher Morgenstunde mit den besten Wünschen für das fernere Bestehen des Hauses.
** Gießener Künstlerinnen in Friedberg. Der Friedberger evang. Kirchengesangverein veranstaltete kürzlich ein Konzert, über dessen Verlauf die „N. Frb. Ztg." il a. berichtet: Tas jbonzert war ein rühmliches Zeugnis für die Tüchtigkeit und Arbeitsfreudigkeit des Dirigenten, Pfarrer Klebcrger, wie auch für die Opfer- Willigkeit und Hingabe der Vereinsmitglieder. Das Konzert wurde ein geleitet durch die „Bach"-Fuge von Joh. Seb. Bach, die Organist Hch. Müller ganz meisterhaft auf der Orgel vortrug. Sodann trug der Verein gemeinschaftlich mit der Altistin, Frl. Btttth. Lempf aus Gießen, das prächtige altdeutsche Volkslied „2lufcrstehung", komponiert von Arnold Mendelssohn, ganz vortrefflich vor. Die Solistin verfügt über ein mächtiges, in. allen Lagen gleich durchgebildetes und. außerordentlich, wohltlütgendes. Organ, dem
man trotz der hoffen Anforderungen, die an es' gestellt wurden, am Schlüsse nicht die geringste Ermüdung anmerkte. Die Chöre waren gut ein studiert und wurden ausgezeichnet gesungen. Ganz besonders gut gefiel uns der Frauenchor: „Ihr ^Fräulein sollt erschrecken nicht", der Chor: „Maria Magdcckena berühr' mich irit" und der Choral: „Christ ist erstanden". — Sodann wurde die Auferweckung des Lazarus von Karl Löwe aufgeführt. Auch hier hatten die zahlreichen .Hörer einen vollen Genuß. Fräulein Ida Stammler aus Gießen bestand neben ihrer Landsmännin in allen Ehren. Ihr klarer, reiner, gut geschulter Sopran klang frisch und prächtig durch die weiten Hallen der schönen Kirche. Ganz besonders gut gefiel uns ihr Duett mit dem Tenor: „Herr, siehe, den du lieb' hast" und ihr: „Herr wärest du hier gewesen".
•• Das Gießener Kolosseum war in der gestrigen Abendvorstellung bis zunr letzten Platz auSverkauft und auch die Nachmittagsvorstellung war gut besucht. Das Publikum unterhielt sich bei dem durchweg recht guten Programm vortrefflich und kargte nicht mit seinem Beifall. Auch daS Frühschoppenkonzert verlief bei recht gutem Besuch in schöner Weise.
** Gewässerte Milch. Bei einer polizeilichen Milchrevision am verflossenen Samstag wurden bei einem Händler mehrere Kvnnen Mllch "beschlagnahmt, weil die Milch stark gewassert sich zeigte. Anzeige wurde erhoben.
** Sachbeschädigung. In einer Wirtschaft in der Sonnen st raße belästigte am SamStag abend ein Arbeiter die Gäste und wurde infolgedessen vom Wirt aus dem Lokal gewiesen. Darüber erbost, holte er sich einen Prügel und schlug dem Wirt die Fensterscheiben ein.
I Münz en berg, 21. Mai. Die für gestern angesetzte Tanzmusik nahm ein jähes und unerwartetes Ende. Viele Tanzlustige waren aus nah und fern erschienen. Der Tanz war etwa eine Stunde im Gange, da packte die Musik, die von der Kapelle des 1. Hess. Garde-Dragoner-Rcgiments Nr. 23 aus Darmstadt ausgeführt wurde, plötzlich ihre Instrumente ein und verschwand. Sie war von der Wirtin engagiert; weshalb die plötzliche Unterbrechung entstand, ist unbekannt. Um das Fest nicht ganz fallen zu lassen, erschien als Netter in der Not der Dorfmusikant und bearbeitete seine Zieharmonika, als solle die letzte Tanzbelustigung vor dem Weltuntergänge stattsinden.
d. Offenbach, 18. Mai. Die Untersuchung in der Bombenaffäre hat ergeben, daß es sich nur um einen dummen Jungenstreich handelt und nicht um ein anarchistisches Attentat. Auch die Spur beS „Täters" ist bereits aufgesunden und wird verfolgt.
Mainz, 18. Mai. Ecke der Großen Bleiche und Schillerstraße üb erfuhr heute nachmittag das Automobil einer hiesigen Fahrradhandlung, als es der elektrischen Straßenbahn ausweichen wollte, die 40jährige Ehefrau des Landwirts Schneider aus Bodenheim. Das eine Vorderrad ging der Bedauernswerten über den Kopf, die in lebensgefährlichem Zustande in das RochuShospital überführt werden mußte.
(Fkf- Ztg.)
Wiesbaden, 21. Mai. (Tel.) Am Pfingstmontag nachmittags 6 Uhr entgleiste ein Zug der Kleinbahn Eltville—Schlangen bad. 32 Personen wurden verletzt. Der erste Wagen deS Zuges, in dem 50 Leute saßen, sprang aus den Schienen und fiel auf die Seite. Die Verletzungen entstanden meist durch die Splitter der zersprungenen Fensterscheiben und Petroleumlampen. Die durch das Unglück entstandene Verwirrung war furchtbar.
Frankfurt, 20. Mai. Das Grabdenkmal deS am 25. Juni 1904 gestorbenen Dichters Wilhelm Jordan lind seiner ihm im Tode vorangegangenen Frau ist jetzt durch Einfügung patinierter Bronzemedaillons fertiggestellt. Sie sind gefertigt von Bildhauer Th. Georgii in München. Die die Medaillons tragenden Steinplatten sind von Bildhauer Waldschmidt in Berlin. Sie haben als oberen Abschluß einen gotischen SimS; der untere Teil enthält figürlichen Schmuck: Die Darstellung eines in Andacht betenden Mannes und eine trauernde Frauengestalt. Das Denkmal ist eingerahmt von Zypressen, vor ihm ist ein Bliimenbeet angelegt.
d. Frankfurt a. M., 17. Mai. Die Pläne für ein Saalburg-Hotel ersten Ranges, das von einer Frankfurter Baufirma gegenüber der Saalburg auf Friedrichsdorfer Gemarkung errichtet wird, haben dem Kaiser nunmehr vorgelegen und sind nach den „F. N. N." genehmigt worden. Das Hotel wird im Stil eines römischen Schlosses errichtet. Der Kaiser hat verschiedene kleine Aenderiingen gewünscht, die nach seinen Angaben üorgenonnnen werden. Auch soll ein 36 Meter hoher Aussichtsturm, der mit einem Personenaufzug versehen wird, in Aussicht genommen sein. Große Stallungen und, dem Wunsch des Kaisers entsprechend, eine Automobilhalle für etwa 30 Wagen sind die hauptsächlichsten Nebengebäude. Mit dem Bau wird in Kürze begonnen. Er soll so gefördert werden, daß die Einweihung gleichzeitig mit der Saalburgweihe erfolgen kann, die jedenfalls im Sommer 1908 durch den Kaiser vorgenommen werden wird. — Der verhaftete Rendant der Holz- mannschen Betriebs-Krankenkasse hat nun gestanden, Gelder im Betrage von 8000 Mark unterschlagen zu haben. Behülflich war ihm dabei der Dienstmann Wassermann, der das Geld an der Kasse erhob und Hopf in die Wohnung gebracht. Waffermann ist ebenfalls verhaftet worden.
Frankfurt, 21. Mai. Achtundvierzig englische Bür- germeifter usnx, die zum Studium städtischer Einrichtungen nach Deutschland kommen, treffen heute Dienstag, nachmittags 4 Uhr im Extrazug von Vlissmgen hier ein und nehmen im Palasihotel „Fürstenhof" Wohnung. Llbends folgen die Herren nach der „Franks. Ztg." einer Einladung des' Magistrats zum Festessen im Kaisersaal des Römer.
Frankfurt, 18. Mai. In den Gewächshäusern des P almen g artens hat sich der Flor wiederum merklich verändert. Die Rosen sind verschwunden, an ihre Stelle ist in Haus 3 die Sammlung englischer Pelargonien getreten, deren es jettvolle Varietäten stets Aussehen erregen. Anstatt der Azalien, deren Blütenreichtum dahin ist, erblickt man in Haus 4 Wasser- pslanzen: die Viktoria regia ist als kräftige, jimgc Pflanze am letzten Montag in das große Bassin eingesetzt worden und hat schon das zweite Blatt getrieben. Vorläufig haben diese Blätter mnen geringen Durchmesser, der sich indessen mit der zunchmcn- den Entwicklung rasch steigert. Ein auserlesenes Sortiment Nymphaeen umgibt die Viktoria: bald wird unter Einwirkung ^r größeren Wärme das ganze Arrangement wieder die schönen Buder rote im Vorjahre zeigen. Unter den Kakteen in Haus 6 ftnbet man jetzt herrliche Blüten: es ist von Interesse, die prachtvollen Varietäten der Phylweaetus zu besehen, die ein wunderbares Kolorit und große Blumen zeigen. In Haus 8
sind es besonders die reizenden Pantoffelblumen, die int $ ereilt mit (Zinerarien und Margueriten ein farbenfrohes Bild geben, ebenso wie die Orchideen in Haus 10 und 11. Die Gloxinien in Haus 12 zeichnen sich durch Größe der Blüten und schöne Farben aus. Auch im Freien grünt und blüt es allerorten.
w Wetzlar, 19. Mai (Städt. Volksbad). In der am Donnerstag abgehaltenen Stadtverordnetensitzung gab Bürgermeister von Zengen vor Eintritt in die Tagesordnung bekannt, daß die Zeichnungen für das geplante Volks- bab in erfreulicher Weise sich mehrten. Außer den erheblichen Beiträgen der BuderuSschen Eisenwerke, der Firma C. Leitz, der Mitteldeutschen Kreditbank und deS Generaldirektors Kaiser sind in jüngster Zeit weitere Beiträge von 500—5000 Mk„ in Summa 20100 Mk., eingegangen. Nach einer Mitteilung des Gesamtvorstandes der Landesversicherung der Rheinprovinz wird der Stadt ein Darlehen von 90000 Mk. zu 31/2% Zinsen und l1/2% Tilgung unter der Bedingung gewährt, daß die Volksbäder (Schwimm- und Brausebäder) sämtlichen Arbeitern der Stadt und deS Kreises Wetzlar an zwei Wochentagen zum Preise von 10 Pfg. zugänglich sein sollen.
vermischte».
• Pfingstliche Eifenbahnunfälle. Auf der Station Schönelinde (Böhmen) sind zwei Lastzüge zusammengestoßen. Von dem Zugpersonal wurden mehrere verletzt, davon sechs schwer. Die Ursache deS Zusammenstoßes ist falsche Weichenstellung. Der Materialschaden ist bedeutend. — Ferner entgleiste auf der Station Brenner der vorletzte Wagen eines Nordsüd-Expreßzuges. Der Unfall erfolgte durch vorzeitige Weichenstellung. Der Oberkellner des Speisewagens wurde verletzt. — Am 19. Mai sind eine Lokomotive und sechs Wagen eines Rangierzuges dicht am alten Breslauer Bahnhof in Stettin bei offener Drehbrücke in die Parnitz gestürzt. Der siebente Wagen entgleiste und blieb auf der festen Brücke stehen. Die Brücke ist nicht beschädigt. Der Lokomotivführer ist leicht, sonst niemand oei> letzt. Ursache: Unaufmerksamkeit des Personals.____________
Universitäts-Nachrichten.
— Der o. Professor für Latein und Philologie des Mittelalters an der philosophischen Fakultät der Universität M ü n ch en, Ludwig Traube, ist in der Nacht zum Pfingstsonntag nach längerem Leiden im besten Mannesalter gestorben.
— Von der Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule. Unter Leitung von Geheimrat Prof. Dr. Z u n tz findet an der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin ein sechswöchentlicher Unterrichtskursus über d i e erste Hilfeleistung bei plötzlichen U n g l ü ck s f ä l l en statt. Beginn 31. Mai. Teilnehmer haben sich bis zum 22. Mai in eine in der Registratur ausliegende Liste einzutragen. Ein Honorar wird für den Kursus nicht erhoben.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Die Bewohner der W e s e r ft r a ß e, von der Kreuzung der Steinstraße an, sind den Herren Stadtverordneten Wallenfels, Petri, Euler und Löber sehr dankbar, daß sie in verschiedenen Stadtverordnetensitzungen die traurigen Mißstände der Weserftraße endlich einmal gestreift haben. Trotzdem bleibt aber alles beim alten, obgleich sämtliche Hofreiten an die Kläranlagen an- 'geschlossen sind, also gar fein Grund vorliegt, die Herstellung dieser Straße immer noch in die Länge zu ziehen. Nicht allein im Winter, auch mitten int Sommer, bei heftigem Gewitterregen, wie man innerhalb 8 Tagen — int Mai — hatte, müssen die Bewohner int Schlammbad waten, auch die Hausbesitzer sind geschädigt und müssen fortwährend die Klagen der Mieter anhören und sie ttösten, daß cs bald besser werden wird. ?
Die Herrn Stadtverordneten könnten sich jetzt noch einen größeren Dank verdienen, wenn sie mit der größten Energie für Herstellung der Weserstraße ein treten würden, damit man dem kommenden Winter mit dem Wunsche entgegen gehen kann, den übrigen Bewohnern Gießens gleich behandelt zu werden, wie es auch bei dem Steuerzettel ist.
Daß der Kehrichtwagen schon l1/» Jahre die Straße nicht mehr befahren kann, ist nicht zu bewundern, denn ein Umdrehen ist bei dem Steingeröll ganz unmöglich; infolgedessen schütten sämtliche Hausbewohner die Asche usw. in die Straße, was jedesmal neuen furchtbaren Qualm verursacht und der Gesundheit wenig dienlich ist.
Was nützen beim Ausbruch einer Epidemie alle Vorsichtsmaßregeln ; wenn nicht schon vorher darauf gesehen wird, sind alle Polizeiverordnungen umsonst.
Daß hier Abhilfe geschaffen werden muß, wird wohl jeder vernünftige Mensch einsehen.
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Tas Eingesandt vom 10. ds. Mts. und ebenso alle früheren dieser Art beweisen, wie fieberhaft man jetzt bemüht ist, Straßen und Anlagen, die der K a i s e r passiert hat, nach ihm zu benennen. Trotz den vielseitig hierüber geäußerten Wünschen und Vorschlägen hält hoffentlich das Stadtkollegium feinen zuerst gefaßten Beschluß, so wie er dem Kaiser zur Kenntnis gebracht wurde, in unveränderter Form aufrecht. Gerade aus der Einstimmigkeil, mit der der Beschluß gefaßt wurde, geht zweifellos hervor, daß die Grünberger Sttuße für den 9tani€n „Kaiserallee" am geeignetsten erscheint, iueil damit vor allen Dingen der dort von den Kaftanieubäumen entfaltete Blätterschmuck verherrlicht werden soll. Ob und intoietocit auch Häuser hierbei in Bettacht zu ziehen sind, ist nebensächlich, jedenfalls aber ist diese Frage an maßgebender Stelle eben-, fogut erwogen worden, wie es der Einsender getan hat. Letzterer geht in seinem Eifer sogar soweit, daß er der Grüntergep Straße durch Herabwürdigung ihrer Häuser jede Berechtigung abspricht, worin für manchen Hausbesitzer eine Beleidigung zu erblicken ist. Uebrigens sei noch bemerkt, daß es in der Grün- berger Straße genau so große und schöne Häuser gibt als in der Süd-Anlage, und ebenso stehen in der Süd-Anlage dieselben alten Häuser wie in der Grünberger Straße. Auch die kleineren Häuschen der Grünberger Straße haben durch ihre freie und gefüllte Sage einen besonderen Reiz. Ihre Bewohner fühlen sich in dem idyllischen Heim vielleicht behaglicher, als in einem anderen Stadtteil; außerdem können diese Häuser jederzeit durch solche der Neuzeit ersetzt werden, was ja teilweise schon gescheiten und jetzt nur noch eine Frage der Zeit ist.
Airehe und Schule.
—Der Evangelisch-soziale Kongreß wird seine 18. Tagung unter dein Vorsitz von Geheimerat Professor D. Dr. Harnack in Straßburg abhalten. Für den ersten Verhandlungslag, Mittwoch, 22. Mai, stehen die Vorträge von Prof. Dr. von S ch u l z e - G r ä v en i tz - Freiburg über „Kultur- und Wirtschaft, die neudeutsche Wirtschaftspolitik im Dienste der neudeutschen Kultur" sowie von Beigeordneten Dr. Leoni-Straßburg über „Tie Aufgaben der Städte als Arbeitgeber" zur Diskussion; am 2. Tag, Donnerstag, 23. Mai, wird Pfarrer Weg euer-Mors über „Tie Bekämpfung der Unsittlichkeit mit besonderer Beziehung auf den Schutz der Jugend" sprechen, wozii Frau Marianne Weber-Heidelberg das Korreferat übernommen hat. Aus Hessen haben die Einladung zu dem Kongreß unterzeichnet: Frau Helene Christaller-Jugenheim a. d. B., Professor D. Dr. D r e w s - Gießen, Professor Flegler-Bensheun, Professor Lic. Fuchs-Rüsselsheim, Pfarrer D. Guyot-Heppenhenn, und Pfarrer Lic. Waitz-Darmstadt.
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