Ausgabe 
20.4.1907 Fünftes Blatt
 
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nacFgdDteTnt toirrbe, daß das Gekd tatsächlich nn Getriebe angelegt worden war. Zum großen Teil ist es auch in der Weise geschehen, daß von Regierungswegen Vieh angeschafft worden ist, und daß nun den Farmern dieses Vieh zu den Selbst­kostenpreisen der Regierung gegeben worden ist, wogegen dann das ^Geld nicht gezahlt wurde. Die Ansiedler haben früher wohl auf dem Standpunkt gestanden, daß sie einen Rechtsanspruch auf die Bewilligung der Gelder hätten. In dieser Beziehung darf ich hier sagen und ich habe überall, wo ich Gelegenheit gehabt habe, mit Farmern zu sprechen, sie darüber nicht im Unklaren gelasicn, daß ihnen ein Rcchtsanspruchnicht zusteht; und sie sind heute voll und ganz davon überzeugt, daß dieses nicht der Fall ist. Dagegen glaube ich allerdings auch mit dem Frciherrn von Richt- hosen, daß eine Ehrenpflicht des Deutschen Reiches und des deutschen Volles dahin besteht, daß diejenigen, welche ihr Hab und Gut in diesem Vertrauen geopfert haben, wieder so weit mit Geld versehen werden, daß sie in der Lage sind, ihren Wirt- schastsbetrieb wieder voll und ganz aufzunehmen. Die Leute haben ja tatsächlich nicht nur sich selbst, nicht nur ihr Leben und Eigen­tum, sondern auch das Schutzgebiet verteidigt, sie sind jahrelang unter den Waffen gewesen, )ie haben während dieser Jahre nichts erwerben lönnen und haben die Strapazen des Krieges gern und freudig getragen. Es ist gar kein Zweifel, daß die Plätze im Innern des Landes, wie z. B. Windhuk und Okahandja, nicht hätten gehalten werden können, bevor eine Verstärkung der Truppen eingetroffen war, wenn nicht die Ansiedler und Farmer in jeder Beziehung ihre Pflicht getan hätten, wenn sie nicht zu den Waffen geeilt wären und ihre Farm im Stich gelasien hätten.

Es wäre im hohen Grade bedauerlich, wenn diese Leute, die in diese Plätze geeilt sind, nicht um sich in Sicherheit zu bringen sie hätten vielleicht ganz gut, indem sie sich, um sich zu wehren zuiammenschlosien, ihre Formen verteidigen können sondern um dort dem Ruhme der Fahne zu folgen und für das Deutsche Reich zu kämpfen, dadurch nun Schaden erleiden sollten und nicht dafür entschädigt würden. DaS Schutzgebiet liegt arg darnieder, e5 blutet jetzt noch aus tausend Wunden. Was ihm fehlt, ist eben vor allen Dingen das Geld, damit die Betriebe wieder ausgenommen werden können; vor allem die Farmen, aber auch die anderen Betriebe. Es ist daher nicht nur für die Einzelnen, sondern auch für alle Gemeinden von größter Bedeutung, daß jetzt mit der Hilfeleistung nicht gekargt wird, sondern daß sie reichlich gegeben wird, und auch in einer Weise, daß sie für die Einzelnen nicht drückend ist, damit sie nicht gleich bei Empfang des Geldes daran denken müssen, wie sie es einmal wieder znrückgeben können. Es kann in jeder Beziehung eine Garantie dafür geboten werden, daß alles Geld, welches jetzt noch gegeben wird, voll und ganz der wirtschaftlichen Entwickelung des Schutzgebietes zukommt. Dies war in der ersten Zeit deswegen noch nicht mög­lich, weil schnell geholfen werden mußte und weil man von den Leuten einen Nachweis der Verwendung noch nicht verlangen konnte. Die Entschädigungskommission konnte damals nickt anders handeln. Dagegen liegt jetzt die Sache anders. Jetzt ist es überall mög­lich, den Wirlschaftsbetrieb wieder aufzunehmen. Aber das geht erst in allerneuester Zeit, und auch nur sehr langsam. Als ich vor fülifviertel Jahren in dem Schutzgebiet war, war es den meisten Farmern noch unmöglich, den Betrieb wieder aufzunehmen, und zwar scheiterte es daran, daß der Kommandeur der Schutztruppe erklärte, nicht in der Lage zu fein, die für die Wiederaufnahme des Betriebes notwendige Anzahl der Truppen zu stellen.

Wenn Sie jetzt reichlich geben, so geben Sie eS nicht den einzelnen Ansiedlern, sondern auch dem Reick, denn das Reich wird dann auch eher Freude an dem Schutzgebiet haben. Bedenken Sie: Selbst wenn Sie eine Hilfeleistung im vollen Maße gewähren, so werden die Ansiedler trotzdem nicht voll entschädigt fein, schon deshalb nicht, weil sie auf Jahre hinaus die Nachzucht verloren Haben. Dann aber hat die Kommission nur immer diejenigen Preise eingesetzt,, die in Geltung waren, als der Aufstand ausbrach. Mittlerweile find die Preise enorm in die Höhe gegangen. Eine Kuh kostet jetzt z. V. das Doppelte. Also auch eine nominelle Hilfeleistung im dellen Maße bedeutet tatsächlich nur eine .solche von 75 Prozent. Es kommt immer darauf an, die Ansiedler begeisterungsfähig und arbeitsfreudig zu erhalten. Erfreulicherweise hat sich jetzt eine Anzahl junger Leute gemeldet, die bereit sind, dorthin zu fahren. Verschiedene sind bereits abgedampft. Sie haben zum größten Teil das sehr verständliche Bestreben, zunächst einmal sich in den Farmerbetrieben der Kolonien umzusehen, anders geartete Verhältnisse kennen zu lernen. Sie sind zum größten Teil nicht unvermögend, sie können sich ruhig ein Jahr oder neun Monate im Schutzgebiete auihalten, ohne etwas zu verdienen. Ich war nun bestrebt, diese Ankömmlinge in unserer RegierungS- Farm in Neudamm unterzubringen, aber sie reicht nicht aus. Ich habe nun an meinen Vertreter telegraphiert und gefragt, welche Farmer sonst noch bereit wären, sie aufzunehmen. Bis jetzt hat sich nur eine kleine Anzahl gemeldet. Das liegt wohl daran, daß die Leute ihren Wirtschaftsbetrieb noch nicht ausgenommen haben, also auch nichts zeigen können. Es ist aber von größter Bedeutung, daß diele Farmer als Lehrmeister erhalten bleiben, aber nicht so, daß sie mühsam hinvegetieren, sondern daß sie mit Lust und Liebe uns Musterbetriebe vorführen können. Sic glauben garnicht, von welcher Bedeutung es für jemand ist, der in ein neues und unwirtliches Land kommt, daß die alten Bewohner ihm sofort mit Klagen und Beschwerden entgegentreten. Sonst be­mächtigt sich der neuen Einwanderer eine große Unlust. Eine An­zahl, verliert den Mut, und sie gehen dann bald wieder zurück. Diese Gesahr besteht nun, wenn Sie nicht dafür sorgen, daß die Leute so zufrieden gestellt werden, wie sie glauben, daß sie erwarten dürfen. ES würde zu nichts führen, wenn man die Frage anregte, ob und wie weit da? Reich eine Mitschuld an dem Äufstandc trägt kann auf das . weisen, was Generalleutnant Sixt von Arm. in der Kommission vor- getragen hat. Das Kriegsministerium iji der Ansicht, daß einen Teil der Schuld der Umstand trage, daß zu Bes>" in des Aufstanoes eine viel zu kleine Truppe im Schutzgebiet vorhandeü war. Wenn Sie bedenken, daß in diesem kolossalen Lande bei Beginn des Aufstandes nur 700 Mann anwesend waren, so werden Sie sich den Gründen des Kriegsministeriums nicht verschließen können. Wie dem auch fei, jedenfalls ist in Südwestafrika allgemein die Meinung verbreitet, daß das Reich mit schuld fei an dem Aufstand, und infolgedessen glauben die Leute auch, daß sie mehr als sonst ein Recht, einen Anspruch darauf haben, mit Wohlwollen von dem Reichstage, von . dem Vaterlande behandelt zu werden. Für die Hinterbliebenen soll nach Möglichkeit gesorgt werden, das ist auch Ihr Wunsch, das heißt, es soll eine tatsächliche Hilfe gegeben toerban, eS soll bares

Geld Uwährt werdest^ohne trnff fite Auflage T5tJ5en Empfänger darauf ruht, wieder nach Afrika zurückgehen zu muffen.

Im Schutzgebiet wird nun bitter empfunden, daß diejenigen, welche in Deutschland bleiben, die volle Hilfe bekommen, während diejenigen, die dort verharren, um die Wirtschaft wieder aufbauen zu helfen, keine bare Hilfe, sondern nur ein Darlehn^ erhalten. Diese Frage ist ja bereits in der Budgetkommission erörtert, ich will deshalb nur darauf Hinweisen, wie allmählich der Reichstag selbst vomStandpunkt des Darlehns mehr und mehrzu dem der wirtlichen Hilfeleistung übergegangen ist. Die Beamten und Mililärpersonen, denen erlaubt worden ist, dort einen Farmbetrieb zu eröffnen, und welche nur. um sich das Geld baffir zu erwerben, Beamte ge­worden sind,]")en natürlich wie die Ansiedler behandelt werden. Ich erwähnte auch, daß auch Ausländer berücksichtigt worden sind. Ich habe in meiner Eigenschaft als Generalkonsul in Kapstadt während des Burenkrieges Gelegenheit gehabt: auf das Energischste dafür einzutreten, daß auck unfere_ deutschen Unter­tanen dort von den Engländern entschädigt würden. Es ist mir das auch sowohl für Transvaal sowie für Oranje geglückt. Ein Reckt auf Entschädigung ist zwar nicht anerkannt, wohl aber ein Billigkeitsanspruch. Wie haben aber die Engländer dielen Billig- keitsanspruÄ ausgelegt? Sie haben den Buren zum Aufbau ihrer Farmen nicht weniger als 60 Millionen Mark gewährt, sie haben den britischen und ausländischen Untertanen nicht weniger als 40 Millionen zur Wiedereinrichtung ihrer Betriebe gegeben.^ und das alles nicht als Darlehen, sondern als Hilfeleistung. Die Ausländer sind voll entschädigt worden. Ebenso sollten auch wir handeln. Nach­dem alles glücklich überwunden worden ist, sollten wir nun das Werk auch damit frönen, daß nichts gespart wird an Mitteln, die produktiv sind, die das Schutzgebiet wieder wirtschaftlich in den Sattel heben. Die Dankbarkeit des Schutzgebietes wird Ihnen sicher sein. Gewähren Sie nur ein Darlehn, so bleibt das un­behagliche Gefühl bet den Empfängern zurück, daß man hier die Schwierigkeiten und Dornen übersieht, welche der wirtschaftlichen Erschließung sich in den Weg stellen. Ich möchte Sie noch einmal dringend bitten, daß Sie dadurch das Werk, welches Sie durch die Bewilligung der ersten 5 Millionen begonnen haben, vollenden und krönen, daß Sie diese weiteren 7^ Millionen, welche ange ordert werden, unter denselben Bedingungen wie die ersten gewahren. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Bebel (Sozd.)r

Der Vorredner hat etwas zu sehr den Standpunkt des Gouverneurs von Südwestafrika betont und zu wenig den, den wir hier zu vertreten haben. Der Gouverneur meinte, es wäre gut, wenn er bei feiner Rückkehr nach Südwestafrika keine Klagen mehr hörte. Von solchen Anschauungen dürfen wir uns hier doch nicht leiten lassen. Wenn wir jetzt alles bewilligen, , werden wir in Zukunft alle ähnlichen Forde­rungen bewilligen müssen. Wenn wir in Deutschland mal einen Krieg bekommen, werden alle Geschädigten auch zu uns kommen und sagen: Die Leute in Südwestafrika habt Ihr entschädigt, da müßt Ihr uns auch entschädigen. An diese Konscguenzen müssen wir doch auch denken. Der Gouverneur wies auf England und den Burenkrieg hin. Aber da handelte es sich um ein Land von hunderttausend Einwohnern, bei denen ganz andere Werte vernichtet wurden als in Südwestafrika. Wenn England da 60 Millionen zahlte und wir 12^, so zahlen wir doch ganz enorm mehr. Bei uns handelt es sich um 956 Menschen, da kommen also ca. 13 000 Mark auf den Kopf. Das ist doch ganz horrend.

Wir stehen jetzt vor der Frage, ob wir nochmals 7% Millionen bewilligen sollen. Da ist besonders interessant, was am Schlufie der Denkschrift steht. Da heißt es:Für die Entscheidung über ja oder nein, über Gewährung oder Versagung der Hilfe werden allerdings weniger die Erwägungen über die Bedürftigkeit der An­siedler als die über den Wert oder Unwert der Kolonie a n s i ch entscheidend fein.* Demgegenüber ergibt sich der Stand­punkt meiner Partei von selbst, wir werden gegen den Ergänzungs­etat stimmen.

Mg. Dr. Semlcr (ntl.) :

Mit Herrn Bebel betrachte auch ich die Angelegenheit vom Standpunkt des Deutschen Reichstages. Ich hccke das, was ich mitzuteilen habe, in meinem Buche mit der Bemerkung eingeleitet: Die Aufgabe, auf dem Lande ein Farmergeschlecht zu erhalten, sehe ich zunächst nt einer beschleunigten Beendigung des Auf­standes ich schrieb das zu Anfang 92otiember vorigen Jahres, die Entschädigungsfrage für die Farmer oder bester gesprochen die Frage: Wie erhalten wir die Farmer in der Kolonie?, bildet heute den Mittelpunkt aller militärischen Interessen in Südwest­afrika. Ich habe dann weiter versucht, historisch die Dinge darzu­stellen, ich bitte Herrn Bebel, das nachzule>en, dann würde er viel­leicht die Frage anders beurteilen, ob schon vor dem Hereroaufstande die Kolonie bankerott war oder nicht. Richtig ist nur, daß die Kolonie sehr verschuldet war. Wer ich kann nur wiederholen, eine Verschuldung, die sich nicht vergleichen läßt mit der des Bankerotteurs, sondern eine Schuld, die man haben kann, wenn man in einer gesunden, wirtschaftlichen Lage Kredit nimmt. Es war der Kredir von den Kaufleuten und den Storebesitzern an die Farmer. Schulden, die zu ertragen waren, die abzu stoßen die damalige Zukuntt der Kolonie, wie sie vor dem Aufstand den Farmern vorschwebte, sehr wohl möglich machte. Dann kam der Herero-Aufstand; alles andere ist vernichtet, geblieben sind die Schulden. Ich habe damals mitgeteilt: An der Entschädigung des Reichstages liegt heute alles, nämlich, ab der Farmer sich ge­nügend Muttervieh für seinen Betrieb beschaffen kann oder nicht. Wird heute also damals im November die Beihilfe gewährt, so ist die frühere Entwicklung nur um 5 oder 6 Fahre verschoben; wird sie abgelehnt, so kommt erst die eigentliche Krisis.

Wie wett soll man nun in der Entschädigung gehen? Ein Teil des erlittenen Schaden? kann der Farmer nicht mittragen, denn et hat nichts als seine Schulden, und mit Schulden kann man keine Schäden bezahlen. Man muß also ganz und nicht teilweise geben. Was die Buchführung anlangt so wird Herr Oberrichter Meyer, der ja hier im Saale ist, Auskunft darüber geben können. Sowett ich urteilen kann, find bei den meisten der bärtigen Kauf­leute und Storebeiitzern doch ordentliche Büchet vorhanden, die eine gewisse und vielleicht eine genügende Unterlage der Kom­mission bieten. Was nun die Frage anlangt ob Beihilfen ober Datlehne, so kann ich die Anwendung der pteußiscken Erfahrung auf Südwestafrika nicht zugeben. Ich halte es für zweckmäßiger, die Gründe in der Kommission zu sagen.

Trotz der Verdienste des Generalkonsuls in Kapstadt ist der Schaben aus dem Burenkriege den Deutschen. voll ersetzt worben, ich werbe beim Etat des Reichskanzlers gewisse Fälle zur Sprache bringen. Gewiß kann man den Schadenersatz ohne Rück-

zahlur.H'oen,' 'aber Sann wird man sich r'ckt wundern könne < wenn den Andeutungen des Dr. Spahn zufolge man sich frag:, ob mit Rücksicht auf die Steuerkraft die Boträge in toto gegeben werden können, oder ob man sich mit einem lehr viel'sparsameren Betrage abfinden lassen muß, und das wäre ein sehr, schwerer Fehler. Denn was braucht diese neu erstehende Kolonie? Sre braucht Geld, viel Geld. (Gelächret dcr Sozialdemokraten nnd im Zenttum.) Ja, ich nenne die 8 Millionen sehr viel Geld, rro^- dem gegenüber den ungeheuren Verlusten; den Hunderten von Millionen, die wir haben bewilligen müssen, die Ablehnung dieser 8 Millionen zur Sicherung des Wiederaufbaues her Kolonie wahr­lich nicht die Weise eines verständigen Hauswirte? wäre. Aber den Kolonien ist nur mit der ganzen Summe gebient. Wenn man statt besten ihr 2 Millionen als Geschenk geben würde, so würde das dem einzelnen, insbesondere auch demjenigen, bet nichts die Absicht hat, in der Kolonie zu bleiben, vielleicht angenehmer sein. Wer für die Kolonie ist es viel wichtiger, wenn das Gelb gegeben wirb, den Schaden auszugleichcn.

Daher habe ich vorgeschlagen, man gebe die von der Ent- schädigungskommission anerkannten Restbeträge als Darlehn, da? nach 5 Jahren rückzahlbar ist, und zwar nicht in. bar rückzahlbar, sondern in einer auf den Grundbesitz zu legenden Rente zur Der- zinsung und Amortisatton Mit 5" Prozent. Die Grunde sind, wie ßcfagt bester in der Kommission zu erörtern, als hier öffentlich, wo es nur zu leicht von den Farmern draußen mißverstanden wird. Wegen meines wohlmeinenden' Vorschlages, die 8 Millionen ctts Darlehn zu geben, bin ich damals in der füdafrikanischen Presse in der unerhörtesten Weise von den Farmern angegriffen worden; das ivar der Dank. (Lachen der Soz.> Von der anderen Sette bin ich natürlich auch angegriffen worden. Mein Vorschlag bewegt sich also, wobl auf der mittleren Linie. Ich habe damals mit einem der kundigsten und besten Farmer des Landes gesprochen, und ira? gab er mir zur Anttuort, als ich l5n fragte: Tut es nicht auch ein Datlebn?Ja, Sie haben recht*, sagte er,aber bitte, sagen Sie es nicht, daß ich es zugegeben habe, denn da? würden mir nutne Kollegen nicht verzeihen.* In der Kommission werden wir mit vollem Wohlwollen, aber auch mit Rücklicht auf die Steuerkraft des Reichs die Angelegenheit prüfen. (Lebhafter Beifall.), ,

Wg. Kopsch (fretf. Dp.) r

In den Ausführungen des Gouverneurs hat es mich ange­nehm berührt, daß er anerkannte: die Forderung von 7 Millionen würde dem Reichstag nicht leicht werden. Frhr. von Richthofen will freilich darüber hinaus nochfreigebig" fein. Wer diese Freigebigkeit* geht auf Kosten der Steuerzahlerl Dem Anrrag auf Uebcrweisung an die Dudgetkommrssion stimmen, wir zu. Weder die Denkschrift, noch die Ausführungen des Kolonialditektors er­möglichen es uns, die Vorlage gleich hier rm Plenum zu be­willigen. Wir dürfen nicht tiergeben, daß solche Entschädigungs- bewiiligungen auch Konsequenzen für die eigene- Heimat nach sich ziehen. Man kann nicht gut südwestafrikanischen Farmern Ent­schädigungen zahlen, schlesischen Besitzern aber, die durch lieber» schweinmungen ruiniert find, sie verweigern. Wir werden gleich­wohl die Vorlage mit Wohlwollen prüfen, unter Berücksichttgmig der Interessen des Mutterlandes, wie der Kolonie.

Wg. Herzog (wirrsch. Vgg.) führt aus, daß seine Freunde für die Bewilligung stimmen wür­den, da die gezahlten Summen für das Mutterland sicher einmal fruchtbringend werden würden.

Wg. von Siebert (Rp.):

Meine Freunde werden ebenfalls für die geforderte Summe stimmen, da es sich um eine Ehrenpflicht des Reiches handelt. Ge­freut hat cs mich, aus dem Mimde des Wg. Dr. Spahn zu hören, daß auch das Zentrum die Beihilfe nicht verweigern rorrb. (Wider­spruch im Zentrum.)

Ich bin andererseits darüber erstaunt, daß Herr Bebel, der. früher Südwestafrika al5Sandwüste" bezeichnete, jetzt von dem fetten Weideland dort sprach. Meine Freunde sehen in der Vor­lage eine nationale und eine wirtschaftliche Sache. Südwestafrika soll ein Neudeulsckland werden. Was die wirtschaftliche Seite be- trifft, so braucht man bloß auf die Bedeutung von Canada. Australien und Südafrika für England zu sehen, um sich denken zu können, was Südwestafrika für uns werden kamt. Also: doppeb gibt, wer schnell gibt! (Beifall.)

Damit schließt die Debatte.

Persönlich bemerkt

J Wg. Bebel:

Herr von Siebert hat mich mißverstanden, ich habe keineswegs meine Anschauung über die Kolonie geändert. Ich habe nur gesagt, daß der Grund und Boden sich durch den Krieg nicht verändere hätte und daß nach dem Regen das Gras wieder wüchse.

Die Vorlage wird an die Budgetkommission ver­wiesen.

Präsident Graf Stolberg erklärt, daß man nun zum nächsten Punkt der Tagesordnung, dem Justizetat, übergehen wolle.

Wg. Bebel (Soz.) zur Geschäftsordnung: Ich beantrage die Vertagung. ES ist der Wunsch ausgesprochen worden, daß der Reichstag möglichst vor Pfingsten in die Ferien geht. Dieser Wunsch darf aber nicht er­füllt werden auf Kosten der übrigen. Es geht nicht, daß wir Tag für Tag bis in die Nacht hinein sitzen. Ich erinnere an die Mitglieder der Kommissionen, die vom Morgen an arbeiten. Dann noch eins! Wir haben tagelang über Arbeiterschutz gesprockeu.. Da wollen wir ihn aber doch auch selbst üben. Ta wollen wir Rücksicht nehmen auf die Beamten des stenographischen Bureaus, dann auf die Herren dort oben auf der Tribüne. (Er zeigt auf die Journalistentribüne.) Das ist ja eine dauernde Ueberarbeit, welche die Herren leisten. (Lebhafte Zustimmung aus der Jour- nallstentribüne.) Außerdem kann eine Reihe von Zeitungen nicht nach 7 Uhr abends Berichte bringen. Wir sehen also, daß die Sache selber auch unter der Art der Behandlung leidet. Darum beantrage ich Vertagung.

Präsident Graf Stoib ergt

Ich schließe mich diesem Anträge an. (Beifall.) Die Vertagung fit also beschlossen.

Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr. Tagesordnung: Gebührenordnung für den Kaiser Wilhelm-Kanal, : Rechnuugssacheu und Etat der R e i ch § j u st i z v e r w a l- t u u g. . . , , .

Schluß Uhr.

AüöM «VS dkll LtslMsMisrryEu örr Ltadr tztestrn.

Aufgebote.

Aprilll. Georg Martin Ludwig Karl Euler, Schlosser dahier, mit Auguste Friederike Weisgerber in Herborn; Karl Heinrich Kratz, Eijenbahnarbeiter mit 9) im na Roth, beide in Langsdorf. 12. Georg Kalbfleisch, Gr. Regierungsbaumcisler dahier, mit Anna Sabine Hildegard Weiß in Mosbach; Karl Braun, Schlesier in Cöln» Teutz, mit Christiane Kreiling dahier; Johannes Heizer, mit Auguste Schneider, beide dahier. 13. Johann.:- Feldmar, Eisendreher dahier, mit Elise Geßner in ©lcbenba<; 15. Friedrich August Oßrnann,^Kaufmann dahier, mit Katharine Pauline Müller in Griebel. 16. Franz Weinhardt, Schlosser, mit Anna Arnold, beide dahier. 17. August Hauck, Kaufmann, mit Elimbclb'Scherff, beide dahier; Ludwig Kröll, Kaufmann, mit ':c Väth, beide dahier; Ludwig Liejenroth, Steinhaner in Atten'Buseck, .mit Marie Grein dahier. 18. Tr. phil. Mar Kugel, Chemiker in Wiesborf, mit Magdalene Siegel dahier.

Eheschließungen.

April 18. Karl Reitz, Buchhalter im Elektri-ttätswerk, mit Luise Wagner, beide dahier.

Geborene.

April 1. Dem Fuhrmann Heinrich Seibel eine Tochter, Erna Anna. 9. Dem Postillon Karl öleltud cm Sohn, Kart; bem Kut­scher Adam Lebus ein Sohn, Erwin Christian. 10. Dem Schlosser Karl Gerkach ein Sohn, Kart. 11. " cm Straßenkehrer Heinrich

Grebe eine Tochter; bem Maschinisten Karl Wallboit ein Sohn, Wilhelm; dem Glaser Karl Kalbfleisch eine Tochter, Katharina Marrn. 12. Dem Schirmmacher Johann Radestnsky cind Tochter, Maria Antonia: bem Schneider Heinrich Ludwig Steinbrecher eine Tochter, Lina Marie; bem Schuhmacher Heinrich Prescher eine Tochter, Therese; dem Assistenzarzt Tr. Franz Nürnberg ein Sohu, Gustav Ludwig Werner. 13. Dem Küfer August Klemmrath eine Tochter; bem Lokomotivführer Johann Pfeiffer ein Sohn. Ernst. 14. Tom Schneider Georg Rennert eine Tochter, Dorothea; bem Schreiner Martin Lämmer ein Sohn; bem Erdarbeiter August Lehrmuud ein Sohlt, Heinrich. 15. Dem Lokomotivführer Jakob Vrofitlich ein Sohn, Fritz; bem Metzgermeisler Carl Pirr em Soöli, Ludwig Georg. 18. Dem Schlosser Wilhelm Otto eine Tochter; dem Uhrmacher Heinrich Aiarx eine Tochter.

Gestorbene.

April 16. Clisabethe Schwan, geln Nadler, 82 Jahre alt, Llcherflraße 74. 18. Lina Wilhelmine Ho'mann, geb. Hochmuth, 27 Jahre alt, Robhelmersrraße 36; Marx, ohne Vorn., 3 St. alt, Selters weg 34.

ELsenbahn-Zcstung.

Tie v9u)ibb. Allg. ZtgD schreibt^ mit Bezug auf die von den deutichcll Regierungen beschlossene Beseitigung der von Rerfenben vielfach als Belästigung empfundenen Vorschrift, Fahrt­unterbrechung bejchcinigen zu lassen: Wenn neuerdings in

der Presse verlangt wird, daß man feine Reife beliebig, auch mehr­mals, ohne Bescheinigung, unterbrechen dürfe, wenn weiterhin ge» fordert wird, daß den Fahrkarten eine längere Gel­tungsdauer gegeben werden möge, als bis zum folgenden Tage, so scheine hierzu ein Bedürfnis nicht vorzu­liegen (? D. Red.) ganz abgesehen davon, daß bei den lang­fristigen Fahrkarten, die ohne alle Kontrolle von beliebigen Stationen aus benutzt werben können, der Reiz zu Fahrgelbhinlerziehungen. in noch größerem Umfange als bei den heutigen Rückfahrkarten vorliegen würde. Wer längere Reifen machen wolle und fein Ge­päck beliebig vorausfchicke und die Fahrt wiederholt unterbrechen wolle, dem ständen auch künftig bte Vereinsfahrscheucheite zur Ver­fügung.

L*niverntäts-Nachrrchten»

Tie bayr. UnioersuätSrektoren wurden vom Kulttisministe- rium ermächtigt, Hörerinnen in bet philosophischen Fakultät zuznlassen ohne Einholung mtnifterieller Genehmigung, wenn der Nachweis über den Besuch einer Lehreriiiiienbllbungs- anftalt und die erfolgreiche Ablegung der Semiuaischlußprükuug ober der Nachweis über ben Besuch einer höheren Mädchenschule und die erfolgreiche Ablegung bet Lehretinnenprüfuug ui den neueren Sprachen beigebracht wird.

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