Ausgabe 
21.1.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 17

Erfcheirtt tügNch mtt Cutna^me deS SonnlagS.

Aus s.aor uno t,ano

Sprechstunden ...

L. ü.

Lic. theol. Paul ©laue aus Berlin wurde die venia Is-

der be­

haupt verhindern möchte, daß ein Cumberlander sich den braunschweigischen Herzogshut aufsetzt, wenigstens heißt eS in dem Briese vom 3. Oktober o. I., den Fürst Bülow nach Braunschweig schrieb:

.Auch bestehen noch immer, und zwar unter mindesten? still- schweigender Tuldung deS Herzogs, welfijche Bestrebungen, die sich m ihrem Endziel ans die preußische Provinz Hannover erstrecken. SS kann Preußen nicht zugemulel werden, daß es in dem benach­barten Bundesstaat eine wetsische Regierung dulde, durch die der preußische, unter dem Schutze der Reichsoersassung stehende Besitz­stand gefährdet werden müßte.'

Der BundeSrat wird darüber zu entscheiden haben, wessen Auffassung die richtige ist. Don den 58 bundesrällichen Stim­men verfügt Preußen mit Waldeck über 18, also rechnet man in Braunschweig mit der Möglichkeit, daß Preußen überstimmt werden könnte. Ob die Braunschweiger von äußeren Einflüssen gründlich bearbeitet worden oder über gewisse Vorgänge hinter den Kulissen besser unterrichtet sind alS das übrige Deutschland, kann man lischt wissen. Nach Berliner Meldungen erzählt man sich dort, daß eine große Wichtigkeit am Berliner Hofe der braun- sck>wcigischcn Thronsolgcfrage bcigelegt wird. Doch ist die anti­preußische Stimmung zu beachten, die in einer Anzahl kleinerer Bundesstaaten zutage tritt und die man auf zentralisierende Nei­gungen in Berlin zurückführt. Unmöglich erscheint es also nicht, daß Preußen in der braunschweigischen Frage auf entschiedene und entfärbende Opposition im Bundesräte stößt.

In Frankreich hat eine neue Eneyklika des Papstes, mit der Pius X. gegen das Briandsche Nachtragsgesetz zum Trenn- ungsgesetz protestiert, keinen Eindruck gemacht. Die französisck>e Visäiosslonscrenj sucht nun den katholischen Gottesdienst in Frankreich neu zu regeln. Wie verlautet, haben sich die Bischöse mit der Möglichkeit der Einführung des privaten Gottes­dienstes beschäftigt. So ziemlich alle Bischöfe sind darüber einig, daß nur im äußersten Notfälle die Geistlichen zum Prioat- Gottesdienft ihre Zuflucht nehmen sollen. Es heißt, daß die reichen Diözesen zur Unterstützung der ärmeren Diözesen 15 Proz. ihres Einkommens abgeben sollen. Die hierdurch erzielte Summe werde im Auslände hinterlegt und verwaltet werden. Der Mi­nisterpräsident Clemenccau will der Kammer einen Gesetzentwurs vorlegen, demzufolge die Geistlichen ösfenÜichen Gottesdienst in

DieGießener Zamillenblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, baS Krebblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Terkfefslfche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

den Kirchen ab halten können.

Die marokkanische Operette, so betitelte derGil Blas" einen Leitartikel über Marokko, ist zu Ende und die alliierten Spanier und Franzosen können mit einem Wiener Scherzwort sagen:Gehn ma Ham und sagn ma, es war nix!" Im französischen Ministerrat teilte der Minister des Aeußern mit, daß die französische uird die spanische Regierung den Wort­laut einer Note festgesetzt haben, welche .'-nstatiert, daß das Er­scheinen der franz, und span. Flotte in Marokko zur Herstellung der Ordnung beigetragen und die Organisation der Pol'^ei ge­sichert habe. Beide Regierungen hätten infolgedessen beschlossen, ihre Kriegsschiffe sofort zurückzuziehen. Diese Note ist sämtlichen Vertretern Spaniens unb Frankreichs int Auslande mitgeteilt toorbeit Sie wird spätestens Dienstag allen Regierungen über­geben, welche an der Konferenz von Algeciras teilgenommen hatten. Die französischen Blätter haben nicht unrecht, roennjie ihrer Regierung vorwerscn, heidenmäßig viel Geld für die Jn- szenierung dieser Operette ausgegcben zu haben. Sie rächen «ich dafür, indem sie in gewohnter Weise auf Deutschland schimpfen.

Ungarn bietet wieder einmal ein erbauliches Schauspiel von Korruption. Der Justizminister Polonyi wird von dem früheren Budapester Bürgermeister Halmos beschuldigt, daß er seinerzeit als Advokat Erpressungen begangen habe Der alte Herr Halmos hat dann unter deut Einflüsse seines Hausarztes Tr. Wein, welckrer wegen der Aufregungen für das Leben des alten Herrn Besorgnisse zu hegen vorgab, an Polonyi ein Schrerben gerichtet, in welchem er alle Beschuldigungen zurückzieht. Die Söhne des Bürgermeisters Halmos sowie dessen Schwiegersohn Oer- l'anbten aber daraufhin eine Erklärung, aus welcher hervorgeht, daß die Revokation von Halmos nur unter der größten Pression unterfertigt wurde. Tie Söhne Halmos erklären, sie selbst hatten keine Kenntnis davon, daß thr Vater seine Aeußerung zurückziehen wolle. Dieser bereitete sich zum Prozesse vor und sammelte- in den letzten Tagen Beweismaterial. Der Hausarzt 2r. Wein soll erklärt haben, wenn Halmos die Er­klärung nicht unterfertige, komme er binnen drei Tagen ins Irrenhaus. Nur unter dieser furchtbaren Suggestion unter­fertigte Halmos die Erklärung, strich aber die Stelle, welche sich auf die Abbitte bezog. Halmos Schwiegersohn, der gleichfalls Arzt ist, erklärt, daß der alte Herr sich der besten Gesundheit erfreue und greift Dr. Wein auf das heftigste an. Was der Herr Justizminister nun tun wird, bleibt abzuwarten.

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^politische Wochenschau.

Gießen, 21. Januar 1907.

Nur noch wenige Tage trennen uns von dem Tage Reichstags wähl. Siegen die Schwarz-Roten, dann

ifsunefimen gesucht ijtl. Angebote muer l^

- <1^8 Ubr abdS. Gießen, den 21. Januar 1907.

deutet das den Konflikt, dann kommen wir zu russischen Zu­ständen. Ten Agitatoren mag das recht sein, dem ruh:gen friedlichen Arbeiter, Handwerker, Kaufmann, Landwirt und Bürger bringen solche Ausnahmezustände aber die Vernichtung ihrer Existenz, biz Gefährdung ihrer Familien, starken erhöhten Steuerdruck ^rgl. mehr. Jeder Staatsbürger muß seine Pflicht tun, um dafür zu sorgen, daß wir geordnete Zustände behalten. Daß die Sozialdentokratie c5 dahin bringen möchte, daß alles drunter und drüber geht, haben ihre Debatten zur Genüge gelehrt. Das deutsche Volk den Launen von sozial- demolrattschen Versammlungsredncrn und Jakobinern preis* zugeben, dazu ist eS, dazu ist unser guter deutscher Mittel- stand, unsere fleißige deutsche Arbeiterschaft, unser tüchtiger deutscher Bauernstand 31t schade. Etwas anderes aber heißt die Einführung des sozialdemokratischen ZukunstSslaateS nicht, einen anderen Zweck hat die Beseitigung deS Privateigentums nicht als den, den: ' nzelnen Staats­bürger die privaten Mittel zu nehmen, fr^a"; er sich gegen­über der Allmacht sozialdemokratischer Diktatoren nicht mehr zu wehren vermag, den Einzelnen zum absolut willenlosen Werkzeug der Versammlungsredner zu machen. Der heutige sozialdemokratische TerroriSmuS ist mir ein kleiner Vorgeschmack ju dem Absolutismus, der bevorstände, wenn die Sozial­demokratie einmal anS Ruder käme. Mit dem Stimmzettel ist die Sozialdemokratie zu besiegen; und Sache jedes einzelnen Deutschen ist es, bei bet Wahl diesen Sieg herbeizuführen. An Verdrehungen wird von den Köhlerianern wie von den Anhängern KrummS Verblüffendes geleistet. Manche An­beter Köhler« haben eS für angemeffen befund-n, obendrein einen Ton anzuschlagen, der selbst von ihren Freunden miß­billigt wird. ES sind unS Entrüstungskundgebungen darüber auS Stadt und Land zugegangen. Tie im Dienste KrummS stehend« Preff« leistet sich vielen Unsinn und hat sich u. a. ver­anlaßt gesehen, bet Gelegenheit eine« Berichtes über eine Wahl­versammlung vor? liberalen .Beschwerden' über die Redaktion deS .Gieß. Auz.' bei dessen Verleger zu schwafeln. Run mag e8 ja sein, daß sozialdemokratische Redakteure blind nach der Partei- wie der Brotgeberpfeife zu tanzen haben. Bei der bürgerlichen Preffe aber besitzen die Redakteure keine dienende Stellung, und die Redaktion betreffende Wünsche, nicht Beschwerden auS dem Publikum solche gibt eS nicht, gleichgültig von welcher Seite sie vorgebracht werden, sind nur bei der nach dem Gesetz allein verantwortlichen Redaktion ^nzu- bringen, die, m prinzipiellen Fällen natürlich nach Rücksprache mit dem Besitzer der Zeitung, nach eigener Einsicht ihre Ent­schließungen trifft. Aber auf ein paar keck erfundene Märchen mehr kommt eS ja der Sozialdentokratie nicht an.

Im Falle Schmidt hat Herr Geh. Justizrat Roe reu

Globus

Von der Landes-Universität. Dem

Bflictei

eine private Beleidigungsklage erhoben. Er hat in der .Köln. Volksztg.' eine Erklärung abgegeben, derzufolge Strafanträge gegen Schmidt am 28. Dezember v. Js. beim Gericht eingereicht wurden. Er fügte hinzu, er werde in der Verhandlung den Beweis erbringen, daß alle?, waS er gegen Schmidt vorgebracht habe, auf voller Wahrheit beruhe. Das­selbe Blatt erhielt ein Telegramm von Erz berg er, worin dieser entschieden in Abrede stellt, erklärt zu haben, das Ziel des Zentrums sei Bülows und Dernburgs Sturz. Derartige Behauptungen seien erfunden und erlogen. Man mein trotzdem, was man von Roeren und Erzberger zu hatten Hal.

In großzügigen Kolonialreden in Berlin rief Dernburg baS Interesse der Handelswelt und der wissenschaftlich-künst­lerischen Welt für die deutschen Kolonien mach. Weitere Reden wird er in München und Stuttgart halten, während Herr v. Lindequist über Kolonialpolitik in Hamburg, Nürnberg und Dresden zu reden gedenkt.

Das kolonialpolitische Aktionskomitee beschloß, auch übet die Reichstagswahlen hinaus zu bestehen und sich zu einer ständigen, entsprechend auszubauenden Vereinigung zu gestalten. Zur Ausführung der hierzu notwendigen Maß- nahmen wurde ein auS fünf Mitgliedern bestehender AuS- schuß mit dem Recht der Zuwahl gebildet. Zum Vorsitzenden wurde der gothaische StaatSminister Heutig gewählt.

Daß die preußische Regierung mit der Gewährung von Teuerungszulagen an die Eisenbahnarbeiter be­gonnen hat, wird im Bereiche der preuß.-heff. Eisenbahn- Gemeinschaft mit Freuden begrüßt. Auch die übrigen preußischen Beamten und siaatl. Arbeiter werden Zulagen und Gehalts­aufbesserungen in erheblichem Umfange erhalten und eben)®- sind für die Reichspostbeamten größere Gehalts­zulagen vorgesehen.

Eine intereffante Wendung hat sich in Braunschweig vollzogen. Ter braunschweigische Landtag hat seine frühere Stellung aufgegeben und verlangt nicht mehr, daß der Herzog von Cumberland und seine Söhne jeden Anspruch auf die Krone Hannovers entsagen. In einer neuerlichen Erklärung bec staatsrechtlichen Kommission ist davon keine Rede mehr, ja sie weist sogar die Auffassung zurück, als hätten die Braunschweiger an die Thronbesteigung durch einen Cumber­lander Bedingungen geknüpft. Daraus geht hervor, welchen »nächtigen Einfluß die Welfcnpartci im Lande besitzt. Ter | braunschw. Landtag (wohlgemerti: nicht die braunichw. Re­gierung) stellt sich damit in einen direkten Gegensatz zum Königreich Preußen, das bekanntlich fordert, der Herzog von : Lumberland und seine Söhne mögen in aller Form er- I Oren, keinen Anspruch mehr auf Hannover zu erheben, bevor I Hnen das Recht der Thronfolge in Braunschweig zugestanden uirb. UeberbieS hat es den Anschein, daß Preußen es über-

anbrm über den Tisch hurnoer spracht bi: Versammlung gestört. Aber die oeiden Herren f meinen fei.i guies Gedächtnis zu haben. Als der Herr P/arrer hören mußte, daß ein Pfarrer sich nicht

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0 politisch beteiligen sollte <es waren die Ausdrucke ,Luden# raupe" unbScmitenbUtt" tatsächlich gefallen), lief ex den Gietzener Herren bis zur Tür nach, roüfjrcnb |eJtn Tbrr" an seiner Seite lautZum Donnerwetter" fluchte, rtls jemand den Herrn daraus aufmerksam machte, daß man an da Seite eines Pfarrers nicht fluchen durfte, da wußte Herr Dorr nichts mehr davon. . ____ _

Dann bemerkte Herr Schick unter anderem:SDtc Ltvt* raten, bic Herrn, die nicht in die lt 1 rche gehen! »achte ober dabei nicht an seinen Kandidaten! Wetter sagte x)eir Schick:Die Liberalen roil l cn gar picht, was wir unter Antisemitismus meinen!" ^a. lieber ve^ Pfarrer, die Liberalen und äuch andere verstehen baS wrrttich nicht. Gibt sich doch Ihr Kundchat selbst mehr mtt Juden ab, als mancher liberale LangSdorser Bauer, ^eme Hausfreunde sind sogar Juden. . ... .

Run ju demlieben Freund !5)övc. Der kritiflerte an Ge­heimrat Haas, daß er an der Lanbwirtfchaittlammer ist und sich auch als Kandidat für den Reichstag hat aujstellen taffen. Der habe sich ein Gütchen gekauft, nm auch den Landwirt zu hnden, verstünde von Landwirtschaft soviel wie garnichts und beroirt# 'chaste sein Gut fieper nicht selbst. Ich sage dem Herrn ^orr: Geheimrat Haas versteht mehr von Landwirt­schaft wie Herr Köhler; unb wenn er gar Nichts davon versteht, dann versteht er immer noch mehr wie Herr Kohler. Geheimrat Haas soll sein Gut nicht selbst bewirts^ften. Be­wirtschaftet etwa Herr hl er fern Gut selbst? Wenn sich jemand von zwei Knechten die Pferde ein,Pannen laßt und sich dann aus den Wagen setzt, um einmal cm patz voll Pfuhl hinauszilfahren, dann hat man damit noch lange nicht bewiesen, daß man ein Landwirt ist, der seine Sache aus dem ji versteht.

Herr Dörr warf demGieß. Anz." vor. Herrn KMer mit dem AusdruckBalder" beleidigt zu haben. Den Namen hat er sich ja selbst gegeben! (Siehe Flugblätter von der LongS- dorser Bürzermcistermahl.) rj, .__

Zum Schluß erzähtt Herr Dorr noch sehr anschaulich von der Fleischnot ungefähr folgendes:

Von Schlachttieren lostet das Kilogramm Fleisch, um es von Memel nach Metz (es waren auch vielleicht zwei andere Städte im Osten und Westen des Reichs) zu bringen, nur 10 Pfg. Fracht. Das ist sehr wenig, ba kann man sich ja leicht auShelsen in ben verschiedenen Teilen bc5 Reiche-, wo es gerade fehlt/' 1

Das habe ich mir sofort veranschaulicht? Braucht ein ©tim# berget Metzg« ein Schwein, wenn keins in der Nähe zu haben ist, sofort zieht Herr Dörr die Siebenmellenstiesel an und springt in die Gegend von Memel, holt ein Schwein, das Kilo 10 Pig. Fracht. Sonst nimmt Herr Dörr nichts für feine; Mühe!

Es wurde einmal ein liberaler Wähler gefragt, wen er wählen würde, wenn er nur die Wahl hätte zwischen Köhler und Krumm. _5)ie Antwort lautete:Das kleinere der zwei llebel." Wer ist das? Krumm, von dem weiß ich wenigstens, tocldjer Partei er angehört, von Köhler weiß ichs nicht. Aer ist ein#, mal ba, das anderemal dort. *

Wie die Sozialdemokratie arbeitet.

Man schreibt uns aus Technikerkreisen:

Das Gießener Sozialistenblatt vom 18. b. M.,versucht durch die Wiedergabe eines Artikels derFranks. Volksstimm^:Ein Mahnwort an die technischen Privatbeamten" in ihrem Sinne Wahlstimmuna zu machen. Es ist bewundernswert, mit welchem geistigen Produkt von Techniker diese Partei zu paradieren sich unternimmt. Ein Mann, der zur Hebung seines Standes nichts besseres vorzuschlagen hat, wie der sozialbenwkratischen Heils­armee sein wirtschastlickfes Wohl aniuDertrauen, kann unmöglich eine technisch gebildete Persönlichkeit sein. Es ist geradezu jammer# voll, wie dieserArbeiter ut weißer Wäsche", so beliebt er seine Berufsgattung zu nennen,von dem deutschen Unternehmer schikaniert" wird und erst dadurch diewahre Klassenlage immer mehr begreifen" lernt.

Gerade der lechnische Beruf hrt die dankbarste Gelegenheit, in diesem Wahlkampfe zu beweisen, wes Geistes Kind er ist, ob fein Geist hell genug ist, den einzig in der Weltgeschichte da­stehenden Fortschritt der Technik auf bas i'tonto der sozialdemo­kratischen ober der nationalen Parteien zu setzen.

Die Ausführung der sozialdemokratifchen Jbeen hat bis jetzt, trotz aller Fortschritte ber Technik, noch lein Schiss aufs Wasser gebracht, wo^ aber die Leiter der sozialdemokratischen Beweg­ung zu recht angenehmem, gesichertem Lebensunterhalt geführt.

Ein wirllicher Techniker, ganz gleich welcher Gattung er angehört, wird heute mehr wie je die wirtschaflliche Besserung seines Berufs anerkennen. Der rastlose Eifer im Wettbewerb verlangt allerdings Techniker im besten einne und vermag sich nicht aus sogenannten Gcwerbeschub-TeckMikem zu rekrutieren. Berechtigte 1 Wünsche der angestelilen Techniker werden seit Jahren durch den deutschen Technikeeverbanb, in positivem Arbettssystem bei den einzelnen Regierungen ufro. vertreten, und bas wirkt auf die Lage des Berufes cntschieben vorteilhafttr wie das Der- neinungsshstem bei sozialdemokratischen Partei tm Reichstag.

In Gießen dürfte daher der Stimmenfang von ungefähr 250 wahlberechtigten Technikern ein aussichtsloses Beginnen sein.

Deutschlands Größe unb deutsche Technik sind untrennbare Begriffe geworden. und darum kann ein Techniker nur national wählen und betrachtet das Wahlrecht als Wahlpflicht.

Kirche und Schule.

Meyer, D. A., Professor der Theologie in Zürich, : Was uns JesuS heute ist. (ReligionSgeschichtliche VolkS- . dücher, herausgegeben von Lic. F. M. Schiele m Tübingen.) 50 Pfg. Tübingen 1907, Verlag von I. C. Dtohr (Paul l Liebeck). Darf man die Gottheit Christi leugnen? Arnold l Meyer verzichtet mit Bewußtsein (3. 18) auf die 1 Lehre von der Gottheit Christi. Aus die Frage ,roa3 > dann JesuS unS heute fei' antwortet er: ,Jesus ist eine 1 große geschichtliche Persönlichkeit. Der Begründer unserer Religion. Eine Persönlichkeit, die uns in lhr Leben hinein- 1 sieht. Tie Wirklichkeit unserer sittlich-religiösen Wünsche. Sein i Sieg und Kreuz ist die Gewißheit für den Sieg des Guten in der Welt. Jesus ist der Befreier von Sünde und Schuld. Er ist die Würde der Menschheit und die Schmach der Dtensch- heit. Tie Stimme Gottes an uns. Ter Hort einfältigen ' Herzensglaubens, der Protest gegen Bindung an äußere Form , und Lehre.' Sein 9icin und sein Ja spricht Meyer mit : solcher Deutlichkeit aus, daß Freund und Feind ihm für sein : offenes Wort danken müssen.

Zweites Blatt 157. Jahrgang Montag 21. Jannar 1907

Eichener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für ©berljeffcn

politische Tagesschau.

Graf von Posadowsky Reichskanzler?

Vor mehreren Tagen veröffentlichte Maximilian Hardeu in der .Zukunft' einen Artikel, der sich scharf gegen den Fürsten Bulow wandte und den Uebergang zum partam. Negierungssystem empfahl. Freiherr von Zedlitz, der bekannte freikonservatioe preuß. Landtagsabgeordnete, greift jetzt auf diesen Artikel zurück und glaubt in ihm eine Jn- triguc zu miLcrn, die bestimmt sei, den Grafen PosadowSky dem Kaiser a!s neuen Reichskanzler zu empfehlen. Tazu ist zu bemerken, daß man Harden wohl, nicht aber dem Grafen Posadowsky Jntriguenabsichten zutrauen kann. Jedenfalls ivürde der ,®raf im Bart' sich nicht übel auf dem deutschen Reichskanzlcrftuhle ausnehmen und allen Liberalen Teutsch- landS genehm fein. Leider ist vor der Hand nicht daran zu denlen, denn der ernste Graf isi keineswegs persona grau am Kaiserhofe.

Köhler unb seine Mannen.

Aus einem T 0 r i e des Gießener Kreises wird uns heute geschrieben:

Herr Pfarrer Scyick von i_aieäborn beirr eitet, in ber Dahlver- samullung zu Gcbelnr.sRadau" gemacht zu graben. Unter Rada..machen" versttche ei;i solches Betragen, daß die Zuhörer ben Red.'.er nicht öc.jieljen können. Das haben oocr ber Herr Pfarrer undfein lieber Freund Dörr" getan unb zwar d is zum Schluß. Tie beiden Herren £aben fortwährend durch Ge­murmel und Gebrumm sowie durch Aufstehen (wenn einer zum