Ausgabe 
19.2.1907 Erstes Blatt
 
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Wer Überraschungen Vorsorge treffen müsse, so beruhe doch die Furcht vor einem plötzlichen Einfall auf einer Reihe von unhaltbaren Voraussetzungen. Redner fügte hinzu, daß England sich in v o l l st ä n d i g e m Einvernehmen mit allen Großstaaten befinde und daß keine Spur von einer Meinungsverschiedenheit, die zu einem Kriege führen könne, zwischen England und den Großstaaten vorliege. England könne den anderen Völkern ins Gesicht schauen und er­klären, daß es entschlossen sei, zu kämpfen, wenn die Forderung an uns herantrete, aber daß es nur den Wunsch habe, den Frieden der Welt zu wahren.

Kaiser Wilhelm machte dem König von Eng­land zum Geschenk die Statue Wilhelms III., des Oraniers, des Schirmherm und Beschützers der parlamentarischen Regierungsform in England. König Eduard ernannte eine Kom­mission, um einen geeigneten Platz für die Ausstellung der Statue ausfindig zu machen. Am Samstag besichtigte der König den Platz, den die Kommission vorgeschlagen hat. Er erklärte sich mit dieser Auswahl einverstanden und genehmigte die Aufstellung des Denkmals.

In dem soeben erschienenen amtlichen Bericht über die Flottenmanöver im Jahre 1906 wurde festgestellt, daß die Verluste der Kauffahrteischiffe 5 5 P r o z. be­trugen. Diese Aufbringungen hätte das angreifende blaue Ge- schwader jedoch mit der völligen Desorganisation seiner Streitkräfte bezahlt, und der Unparteiische habe entschieden, daß, falls die Manöver fortgesetzt worden wären, beim Beginne der dritten Woä-e alle zur Sperrung des Handels verwandten Schiffe entweder genommen oder blockiert gewesen wären; im Falle eines wirklichen Krieges wäre der Prozentsatz der weggenommenen Kauffahrteischiffe erheblich niedriger gewesen. Die Manöver batten, so heißt es weiter in dein Bericht, wieder bewiesen, daß es vom (trat jen Standpunkt aus verkehrt sei, den Handel des Feindes zi Hauptziel seines Angriffes zu machen und den Schlachtsclst,^.. aus dem Wege zu gehen. Es könne wohl vorübergehend der Handel in London in eine kritische Lage kommen, wenn der Krieg im Sinne der Manöver geführt werde, doch könne eine völlige Nieder­lage des Angreifers nicht lange auf geschoben werden und werde im Handel das Vertrauen bald zurüclkehren.

Paris, 18. Febr. DerMalin" veröffentlicht in auf­fälliger Form einen Artikel, welcher besagt, daß Marokko langsam germanisiert werde. Seit P/2 Jahren werde Ma­rokko von deutschen Kaufleuten überschivemmt, ivelche die Unterstützung ihrer Regierung genießen und pcmeinfanie Sache mit den deutschen Konsuln machen. In Jasfi sind 400 Deutsche, in Mogador 300.

Nach verschiedenen Meldungen ist ein höherer Be­amter ini Ministerium des Auswärtigen, der d e m V a t i k a n Kopien gewisser Berichte der französischen Botschafter heim­lich z ug e st e l l t haben soll, seines Postens enthoben worden.

Washington, 18. Febr. Der Marineausschuß des Senats beschloß, dem Hause die Annahme der Forderungen für die Marine zu empfehlen. Der Entwurf sieht u. a. 3 Millionen Dollars für eine Verstärkung ber Bestückung der neuen Schlachtschiffe vor und erhöht damit die Gesamtausgaben auf 12 Millionen Dollars. Der Posten für zwei Schlachtschiffe vom Dreadnought-Typ ist beibehalten worden.

Neues aus Rußland.

In Riga fand vor dem Kriegsgericht die Verhandlung wegen des Aufstandes Tukkum, die am 1. Januar begonnen hatte, ihren Abschluß. 17 Angeklagte wurden zum Tode, einer wurde zu 8 Jahren ©efänguiS, 45 wurden zu Zwangs­arbeit von verschieoenec Dauer verurteilt. 12 Angeklagte wurden freigesprochen.

In Petersburg drang nachts die Polizei in die Univ erst tüt ein, wo Studenten eine Versammlung ab­hielten. Die Polizei untersuchte alle Räume und unterzog die Studenten einer Leibesvisitation, wobei ihr viele verbotene Schriften in die Hände fielen. 71 Personen wurden verhaftet.

Der oberste Hafenbeamte von Baku Mlhailow ist ermordet worden.

eiiman-3« yrii-g-Iro^tz.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

S. il H. Leipzig, 18. Febr.

Unter großem Andrangc des Publikums wurde heute vor dem Schöffengericht eine Prwatlmge zwischen Dr. Paul Liman, dem Berliner Leiter berLeipz. N. Nachr." und Dr. Franz Mehring, dem spiritns reetor derLeipz. Vollsztg." ver­handelt.

Ter Fall hat feine Vorgeschichte in einem Leitartikel des Dr. Paul Liman in denL. N. N.", der idie Ueberschrift:St. Gapons- tag" trug m>nd in dem eine Reihe sichren der PerfönliclMben ber deutschen Sozialdemokratie, so Bebel, Rosa Luxemburg, Klara Zetkin, Paul Singer u. a. m. mit dem inzwischen wegen Verrats ermordeten Priester Gapon auf eine Stufe gestellt wurden. Auch hieß es in dem Artikel, daß vor demroten Sonntag" in Berlin die Führer der Sozialdemokratiedas Maul gar gewaltig auf­gerissen" hatten, dann aber, angesicyts ber Gegenmaßregem ber Regierungins Mauseloch gekrochen" seien. Tiefer Artikel trug Liman eine Erwiderung in der von demGenosfen" Sxenin verantwortlich gezeichneten ,Leipz. Dolksztg." ein, in dem u. a. gesagt wurde, der literarische Eycgeiz Dc. Limans erschöpfe sich darin, mit feinen Artikeln bei den Damen der Halbwett Effekt zu machen usw. Dar-aufhin wurde Steffin im April b. I. in einem von Dr. Liman anhängig gemachten Privattlageverfahren zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Unmittelbar danach veröffentlichte Dr. Franz Mehring in derVolksztg." eine Er­klärung, wonach Liman ihn seit seinem Eintritt in dieLeipz. Volksztg." «als denAusbund aller menschlicher Niedertracht" geschildert habe. Alsinfamste aller Liman scheu Angriffe" be­zeichnete Mehring jedoch dessenverleumderischen Angriffe auf die Frauenehre der Geiwssin Luxemburg" und dann schloß die .Erklärung mit folgendem Angrijs auf Dr. Hintan:

jedoch so weit ich kann, will ich ihm gern helfen, zu seinen ersten Siegesloroeeren neue zu pflücken, indem ick) chn wegen der verläumderischen Schmähungen, die er gewerbs- und ge­wohnheitsmäßig in denL. Tu N." außer gegen meine poli­tischen Freunde Luxemburg, Zetftn, Singer, Stadthagen, Lcde- lwur u. a., namentlich gegen mich verübt und nunmehr vor dem Schöffengericht mit dreister Stirn abgeleugnet bat, öffentlich für einen ebenso ehrlos en wie feigen Buben erkläre."

Auch Steffin erließ eine Erklärung gegen Dr. Liman, der unter dem Mantel der Anonymität eine neue Infamie" gegen ihn veröffentlicht habe, indem er ihn alsSitzredakteur" bezeichnet habe. Diese Erklärung schloß:

Ehren-Liman braucht sich roiulid) keine Mühe zu geben, um die Öffentlichkeit von seiner moralischen Verlum- pung zu überzeugen."

Wegen dieser Angriffe erhob Dr. Liman erneut Klage. An­dererseits hat Stettin wegen des AbdrucksSitzredakteur" Wider- klage erhoben. Die Widerklage Mehrings wurde vorn Gericht nur in einem Punkte zugelassen, west in anderen Fällen Ver­jährung eingetreten sei. Mehring fühlte sich beleidigt, weil Li­man geschrieben hatte, auck Frau Mehring habe vor dem 21. Jan. (roten Sonntag)den Mund weit aufgeritten, sei dann aber ins Mauseloch gekrochen."

Es werden bann die intriminierten Artikel berLeipz. Volks- ztg", die die Beleidigungen gegen Dr. Liman enthalten, zur Ver­lesung gebracht. In der Nummer vom 21. April 1906, die Steffin verantwortlich zeichnete, wird von Liman gesagt, er fei der Falstaff ber Deutschen Tagespresse, dessen Feder zu jeher ehr- losen und feigen Büberei zu habew sei. Iw der Nummer vom 19. April 1906, wofür Redakteur Säger oeranlworttich zeichnet, befindet sich ein Artikel, in dem gejagt wird, Liman habe Rosa Luxembetg alswenig leckere Person" bezeichnet, vor der sich

selbst Ledebour, der sonst sehr zärtlich sei, mit Vorsicht zurück- halte. Diese Bübereien, heißt es in bem Artikel, waren zu der­selben Zeit in denLeipz. N. Nachr." zu lesen, als Rosa Luxem­burg in Warschau eingetroffen war, um an der revolutionären Bewegung teilzunehmen.

In einem Artikel Mehrings gegen Dr. Liman heißt es, Liman sei ein Hanswurst, ber nicht würdig sei, Rosa Luxemburg und Singer die Schuhriemen zu lösen. Seine Zeitung sei nur für die Sreife der Halbwelt bestimmt.

Rechtsanwalt Hübler stellt dann eine Menge von Beweis­anträgen. Er müsse die Verlesung zahlreicher Artikel bean­tragen, in denen fortgesetzt die Führer der Sozialdemokratie beschimpft würden. Bon Mehring heißt es, er habe einmal in einem Anfall vonWahrheitsliebe" etwas richtig bargestellt. Er sei ein widerlicher Schaumschläger. Von Stadthagen wird als von einerLeuchte in Israel" gesprochen. Ein Artikel ist über­schriebenWie Stadthagen niettcrt und Ledebour grunzt". (Heiterkeit.) Dann sei von Mehring gesagt, er sei eine Art Murat in Duodez-Format, er sei ein Freund von abgeschnittenen Köpfen und von einem großen Blutdurst, ber aber auch mit Blümchen­kaffee zu löschen fei. Die eleganten Lackstiefel Südekums brächten ihn zur Verzweiflung. Er fei ein Krösus in Injurien unb ein Heros des Sauherbentums. Von Singer war als von einem Schacherjuben gesprochen, ber hier mit seinem Sozius Rosen­feld die Mäntel der Liebe genäht habe.

Vors.: Das ist wohl genug. (Heiterkeit.)

Rechtsanwalt Mittelstadt: Wenn diesen Beweisanträgen statt- gegeben wird, bann müssen wir gleichfalls eine Menge von Ar­tikeln verlesen lassen, in benen Dr. Liman beschimpft wirb. Ihm wird vorgeworsen, er habe die Zungenfertigkeit eines tapitatisti- fa-en S'leiberjubcn, er sei ein Frechdachs, Hanswurst, ein Neger- Sklave, ein Bajazzo imb ein frecher Strolch. Bei Verleihung eines russischen Ordens an den Redakteur derPost" wird gesagt, ber Zar scheint seine Leibjuden höher zu fchätzen als seine Schrcibjuden. Rechtsanwalt Dr. Müller erklärt, er habe ferner iioci) Beweisanträge bafür, daß Liman von Rosa Luxemburg als derBlutigen Rosa" gesprochen habe unb Stablhagen den schwarzbärtigen Habitue der Berliner Nachleafes genannt habe. Er tue während ber russischen Revolution nicht mehr, als mit Rosa Luxemburg Schäferstäubchen abzuhalten. (Heiterkeit.)

Rechtsanwalt Mittelstäbt: Auch wir haben weitere Belei- bigungeii vorzuführen. Dr. Liman ist z. B. das Aeffchen der Bourgeoisie genannt worben.

Rechtsanwalt Hübler stellt bann den Veweisanlrag, baß Dr. Liman früher ber Verteidiger des krassesten Rassen-Antisemitis- mus gewesen sei.

Staci) längerer Beratung lehnte das Gericht sämtliche Veweis- anträge ab.

ES folgt dann das Plaidoyer des Rechtsanwalts Mittel­stadt, des Verteidigers für Dr. Liman. Er führte u. a. aus: Wenn es auch nickst Usus sei, daß Joiirnalisten sich wegen der gegenseitigen Angriffe verklagten, so habe doch alles seine Grenzen. Dr. Liman sei schließlich gezwungen gewesen, den Weg der Klage zu beschreiten, als ihm wieder moralische Verlumpung und journalistische Büberei zum Vorwurf gemacht worden seien. Ein temperamentvoller Journalist könne sehr wohl über ein unb dasselbe Thema mehrmals sich auslassen und dabei zu neuen Gesichtspunkten koimnen. Es müsse eine angemessene Bestrafung Mehrings eintreten.

Rechtsanwalt Dr. Hübler stellt in seinem Plaidoyer nochmals den Hergang der Sache fest. Nach den Artikeln Limans war die Sozialdemokratie nicht eine Partei mit etwa zu weitgehenden Zielen, sondern eine Partei, deren Vorgänger Lassalle ist, der ber Geliebte der Gräfin Hatzseldt gewesen sei, während ihr jetziger Führer Bebel als ein gewerbsmäßiger Verleumder angesehen wer­den müsse. Stadthagen sei nach Dr. Liman berLöwe von Juba",eine Leuchte in Israel",ber schwarzbärtige Habituö ber Berliner Nachtcafss" unb der Rosa Luxemburg. Diese selbst werde als eine Person bezeichnet, die Petroleumkannen schwenkt.

Um 6 Uhr verkündet hierauf das Gericht folgendes

Urteil:

Die Angeklagten Mehring, Kressin und Seger sind der gemeinschaftlichen Beleidigung des Dr. Liman schul­dig. Dr. 'M e h r i n g wird zu zwei Wochen Gefängnis, Kressin zu einem Monat Gefängnis und Seger zu 25 T a g e n Gefängnis verurteilt. Auf die Widerklage des Angeklag­ten Stettin wird Dr. Liman zu 50 M k. Geldstrafe ober 10 Tagen Hajt verurteilt. Von ber Beleibigung Dr. Mehrings wird er freigesprochen. Die Kosten werben zu einem Viertel Dr. Liman auferlegt und zu drei Vierteln den übrigen Ange­klagten zugesprochen.

In der Begründung des Urteils wird ausgeführt: Mehring habe inbezug auf Liman geschrieben, er sei moralisch verlumpt, er habe ihn fernerEhren-Liman", Bajazzo usw. genannt. Er habe erklärt, Liman sei ein ebenso ehrloser wie feiger Bube. Ebenso habe Seger von Liman als einem Buben unb Patron geschrieben. Kressin habe diese Artikel verantwortlich gezeichnet. Der Wahrheitsbeweis für die Behauptungen der Angeklagten sei nicht zugelassen worden, da es für solche Beleidigungen keinen Wahrheitsbeweis gebe. Das Gericht hat angenommen, daß Liman gesagt habe, er habe noch nie jemanden beleidigt. Straferschwe­rend sei in Betracht gekommen, daß die Angeklagten wegen Be­leidigung bereits vorbestraft seien und der ehrenkränkende Cha­rakter ber Angriffe. Auch sei berücksichtigt worden, daß die Redakteure derLeipziger Volkszeitung" schon mehrfach vor­bestraft wnd also gewarnt waren. Was die Widerklage inbezug auf das WortSitzredakteur" anlange, so sei nicht bewiesen, daß Stettin Sitzredakteur sei. Das könne auch nicht bewiesen werden. Der rote Sonntag, das stehe fest, sei tatsächlich ruhig verlaufen. Es seien aber Demonstrationen geplant gewesen. Wenn Dr. Liman das Mißverhältnis zwischen den Worten unb den Taten ironisiert habe, so müsse berücksichtigt werden, daß Ironie eine zulässige Form sei umb als eine Beleidigung nicht angesehen werden könne. Dr. Liman sei nur wegen des AusdruckesSitz­redakteur" zu bestrafen.

Wie verlautet, werden die Verurteilten Berufung ein- legen.

Aus Stadt ttttd Land.

Gießen, 19. Februar.

Vom Großherzoglichen Hofe. I. I. K. K. H. H. ber Großherzog und die Großherzogin begaben sich am Sonntag, 17. d. M., 11,30 Uhr vormittags im Auto nach Homb.urg v. d. Höhe zum Besuche des Prinzen und bei Prinzessin Heinrich von Preußen. Nachmittags 5,30 Uhr kamen die Großh. Herrschaften mit Prinz und Piinzefsin Hemrich von Preußen in Darmstadt wieder an und nahmen un Neuen PalcnS den Tee. Um 6,30 Uhr abends kehrten Prinz und Piinzefsin Heinrich von Preußen im Auto nach Homburg zurück. Am Montag, 18. d. M., um 2,15 Uhr nachmittags begaben sich I. I. K. K. H. H. in Begleitung der Piinzefsin Dorothea zu Solms-Hohensolms-Lich un Auto zu kurzem Besuche nach Lieh. Die Rückkehr des Großherzogs­paares wird nach der ,Darmst. Ztg." am Mittwoch nach­mittag ermattet.

* * Die 2. hessische Kammer tritt, wie un§ aus Darmstadt geschrieben wird, am 27. Februar zusammen. An den beiden eritcn Sitzungstagen wird Abg. Dr. Schmitt, der 2. V.zepräsident, den Vorsitz führen, da der Präsident Haas und der 1. Vizepräsident Kühler den Relchstags- verhanblungen beiwohnen werden. Das 10jährige Präsidenten- jubiläimi des Abg. Haas wird am 1. März gefeiert werden.

* * Ausbildung von Turnlehrerinnen. In der Zeit vom 18. März bis 6. April wird in Darmstadt unter der Leitung des Großh. Turninspektors Schmuck ein Pcivat- Turnkursus zur Ausbildung von Turnlehrerinnen adgehalten

werden; er ist in erster Linie für Handarbeitslehrer­innen bestimmt, doch können auch andere Lehrerinnen zur Beteiligung zugelassen werden. Anmeldungen sind an den Großh. Turninspektor zu richten. Für die nicht in die Oster­ferien fallende Zeit des Kursus können die Teilnehmerinnen beurlaubt werden. Vergütungen auS Staatsmitteln werden jedoch nicht gewährt.

In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Großherzog am Samstag u. a. Landgerichtsdirektor Prätorius von Gießen, sowie die Lehrer Wagner von Großen-Bnseck, Weyl von Wieseck und Bückner von Heuchelheim.

** Aus beni Militär-Wochenblatt. Ernannt, unter Stellung zur Tisp. mit der gesetzlichen Pension: die Majore und Bals.-Koinmandenre: 9)1 o o tz un Jm.-Regt. Bremen (1. Hanseat.) Nr. 75, zum Kommandeur des Laudw.-BezirkS I Darmstadt, Fehr. T r e u s ch v. B u t i l a r - B ra n d e n f e l S un Leidgarde-Jni.-Regk. (1. Großh. Hess.) 91 r. 115, zum Kommandeur d. Landiv.-Bezirks II Darmstadt, von Lukoivrcz im 3ui.-Xleibvegiment Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, zum Kommandeur des Landiv.-Bezirks Elverield, P a in p e im Jnf.°Regt. Herzog Ferdinand von Braun­schweig (8. Westiäl.) 9lr. 57, zum Kommandeur des Landiv.-Bezirks Wetzlar. Zu Bcus.-Kommanbenren ernannt: die Majore. Wellenbad), Oberquarliermeilter-Adjutant, unter Versetzung in bas Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, von Boni n im Generaliiabe des Gouvernements voii Ulm, unter Versetzung in das Leibgarde°Jnf.--Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, Zum Oberst, befördert: Lt. Drmter im 5. Großh. Hess. Ins.- Regiment 9lr. 168. Vom 1. März 19u7 ab auf em Jahr zur Dienstleistung fommaubiert: Frhr. Schenckzu Schweins- b e r g, Lt. un Großh. Art.-Korps, 1. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25, zum Hus.-Regt. Landgraf Friedrich 11. von Hessen-Hom­burg (2. Krirhesf.) 9lr. 14. Mil dem 1. April 19u7 versetzt: Stamm, Lt. im Jnf.-Letb-Regt. Großherzogin (3. Großh Hess.) 9lr. 117, konrnrandiert zur Vertretung eines Erziehers am Kadetten- banse m Oranienslein, als Erzieher zu diesem Kadettenhauje. Abjchiedsbewilligungen. Auf Gesuch ju den Res.-Oifizieren des Re- gunentS übergesührt: Frhr. Haller v. H a 11 e r ft e i n, Oberst, im Lelb-Drag.-Regt. (2. Großh. Hess.) Nr. 24. Ter Abschied mit ber gesetzlichen Pension aus deut.aktiven Heere bewilligt: Menze, Oberst, im Großh. Hess. Tram-Bat. Nr. 18; zugleich ist derselbe bei den Offizieren des Laubiv.-LraulS 2. Aufgebots angestellt. Von ihrer Dienststellung auf ihr Gesuch enthoben: die Oberstleut- nalits z. D.: v. R a v e n, Kommandeur des Landw.-BezirkS I Darmstadt, mit ber Erlaubnis zum Tragen ber Uniform des Inf.- Regiments Markgraf Karl (7. Brandenb.) 9lr., v. Dankbahr, Kommandeur des Landiv.-Bezirks 11 Darmstadt, mit ber Erlaub­nis zum Tragen der Uniform des Greu.-Regts. König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pompi.) Nr. 2. Ter Abschied mit Pension be­willigt : Riecks, Major z. D. und Kommandeur des Landw.-Be- zirks Lchroda, mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Jui.-Leibregts. Großherzogin c3. Groph. Hess.) i)lr. 117.

Verhaftet wurde der wegen schweren Diebstahls von der Großh. Staatsanivaltschaft dahier steckbrieflich ver­folgte Arbeiter Georg Kolatfch aus Langenheim, ferner bet Arbeiter Karl Weller au6 Wieseck wegen Diebstahls und zwei Auswärtige wegen Obdachlosigkeit.

** Betrügerin. Ein hiesiger Witwer lernte ein Dienstmädchen kennen, das er zu ehelichen dachte. Er nahm das Mädchen sofort als Haushälterin zu sich inS Haus. Nach einiger Zeit sollten die Papiere geordnet werden und der Bräutigam sollte mit zu den Eltern der Braut reifen. Nachdem die Braut gehörig ausgestattet und beschenkt worden war, wurde die Reise zunächst nach Darmstadt angetreten und von dort sollte der Heimatsort der Braut ausgesuchi werden. Auf dem Bahnhofe Darmstadt verschwand die Braut spurlos und ließ den Witwer im Stich. Es hat sich nun ergeben, daß die Person unter falschem Namen sich einführte und so den Witwer betrog.

" Zur ReichStagSwahl inBensheim-Er- b a ch. Wie dasErbacher Kreisbl." erfährt, besteht nicht die Absicht, die Wahl des Reichstagsabgeorbneten HaaS anzufechten. Die früher verbreitet gewesene gegenteilige 'Nachricht bestätigt sich also nicht.

Ein nobler Spitzbube. In Oppau in der Pfalz bezahlte dieser Tage ein Spitzbube seine Beute mehr als reich, sich. Einem Bauern wurde eine Gans aus dem Stalle gt* stöhlen, der Dieb ließ aber in der Eile sein Kafieekänuchek zurück, in welchem der Bestohlene den letztenZahltag" des Liebes im Betrage von 38 Mark vorfand. Um diesen Preis würde sich der Mann noch viele Gänse stehlen lassen.

Wetter, 18. Febr. In unserem Städtchen herrscht groß Aufregung über die plötzliche Amtsentsetzung des lang­jährigen Stadtschreibers, die mit einem Defizit in bec Kasse in Zusammenhang zu bringen ist. Der fehlende Be­trag ist ersetzt.

Stockheim, 18. Febr. Heute fand im Weitzel- scheu Saale die Generalversammlung der Aktionäre der hiesigen Zuckerfabrik statt. Auf der Tagesordnung iianb ein wichtiger Punkt: Auflösung oder Weiterbetrieb der Fabrik. Die Aktionäre stimmten nach kurzem Vortrag des Giitspächters Rodrian-Erbacherhos und Hoffmann-Rastadt für Einste11ung des Betriebs, der in den letzten 34 Jahren gar viel zu wünschen übrig ließ. Verschiedene Unter­nehmungen, Anlage einer Schnitzeldörre, Bau einer Kantine und manches andere verschlangen viel Geld; den Aktionären Dividende und gute Rübenpreise zukommen zu lassen, war gor nicht denkbar und so stimmte die von 800 Köpfen starke Versammlung der Auflösung gerne zu. Einige Aktionäre, die durch Zuruf bestimmt wurden, leiten nun den Berkaus der Fabrik, auf der noch 160 000 Mark Schulden haften, m die Wege.

-4- Lauterbach, 17. Februar. Ein neuer Stadt­teil ist innerhalb der letzten 810 Jahre am Bahnhof ent­standen, der au8 Villenbauten und mehreren Jndustrieunter- nehmungen besteht. Diesen ungeahnten Aufschwung verdanki Lauterbach einmal dem starken Verkehr auf der oberhessischer Bahn feit diese in preußischer Verwaltung ist, andererseits auch der neuen Vogelsbergbahn LauterbachGrebenhain GedernStockheim. Letztere brachte einen starken Fracht« verkehr. Zwei weitere Bahnprojekte, die die Entwickelung unserer Stadt günstig beeinflußen würden, stehen innerhalb der nächsten Jahre in Aussicht, die Strecken Hersfeld, SchlitzWillofsMaarLauterbach und MückeOhm­talUlrichsteinRixfeldLauterbach. Große Bedeutung mißt man hier auch dem Beschluß der Bahnbehörde bei, die Betriebsinfpektiou II von Fulda hierher zu verlegen.^ Die Erbauung des erforderlichen Amtsgebäudes beginnt im Früh­jahr, gleichzeitig werden Wohngebäude für 10 Bahnbeamter errichtet. Der Neubau der Turnhalle ist im Rohbar vollendet, im Sommer erfolgt die Einweihung. Am Bahn' Hof ist für dies Jahr die Erbauung einer großen Zementfabril und ein Neubau der Bierbrauerei Dotzert geplant.

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