Veit Frankreichs in Westafrkka. Er führte n. a. aus: Der Grundsatz Frankreichs sei, jede Kolonie durch eine Eisenbahn bis an den Nigger zu führen und durch Schienenwege untereinander zu verbinden. Leute rentieren sich die schon bestehenden Schienenwege vollauf. Sie hätten neues Leben geschaffen, der Landet hätte sich ungeheuer gesteigert. Zum Entschluß entwarf der Redner ein Zukunftsbild von Französisch-Westasrika.
Nachdem der Redner geendet hatte, dankte ihm Herzog Johann Albrecht und sprach den Wunsch aus, der Vortrag möge dazu bienen, die beiden Völker einander n ä her zy bringen.
Deutsche» Reich.
Berlin, 15. März. Die „Rat. Ztg.- berichtet, daß der österreich. Thronfolger Erzherzog FranzFer- dinand zwei Tage in vollstem Inkognito in Berlin geweilt und mit dem Kaiser lange und eingehend konferiert habe.
— Fürst Karl zu SolmS-Hohensolms-Lich ist auS Schloß Lich in Berlin eingetroffen.
— DaS Abgeordnetenhaus beschäftigte sich heute mit der Fortsetzung der Beratung des KultuS-Etats, wobei fast ausschließlich über den polnischen Sch ulst reif debattiert wurde und im zweiten Teil der Sitzung mit dem Anträge, im Volksschulwesen auf die Einführung der fachmännischen Schulaufsicht Bedacht zu nehmen. Der Minister hält zurzeit eine Neuregelung dieser Angelegenheit nicht für opportun.
— Der deutsche Landwirtschaftsrat beriet heute über Maßnahmen zur Steigerung der deutschen Vieh- und Fleischproduktion, und zur Verbilligung der städtischen Fleischoersorgung. Es wurde beschlossen, eine größere Anzahl der von den Referenten aufgestellten Anträge und Leitsätze dem Reichskanzler und den verbündeten Regierungen als Material zu überweisen und daran das Ersuchen zu knüpfen, jedenfalls für die wissenschaftliche Seuchenforschung und für die praktische Seuchentilgung größere Drittel als bisher in den Etat einzustellen.
Neues aus Rußland.
Zum Teckeueiusturz in der Duma tvird weiter berichtet:
Durch einen sonderbaren Zufall stürzte im Sitzungssaal der Reichsduma am Freitag der größte Teil der Decke ein. indem der Stuck mit Brettern in den Saal herabfiel uno einen Teil der Abgeordnetensitze zerschmetterte. Anfangs glaubte man, daß dieser Deckeneinsturz durch böswillige Hände hervorgerusen worden sei und sprach von einem Attentat, doch lehrt ein einfacher Blick auf die Decke des Saales, daß hier eine Nachlässigkeit der Bauleitung vorliegt, die in dem alten zur Reichsduma umgebauten Palais die Decke aus ihre Dauerhaftigkeit Nicht genügend geprüft hat. Wäre die Decke während der Sitzung eingestürzt, so hätte das leicht 200 Abgeordneten das Leben kosten können. In den Couloirs herrschten daher ziemlich erregte Gespräche, die die Schuld an dem Vorfall völlig der Regierung in Rechnung stellten. Stolypin war um 10 Uhr morgens eingetroffen, um sich die Katastrophe anzusehen. Gegen 12 Uhr fand im Kuppelsaal eine kurze Sitzung der Duma statt, in welcher das Präsidium beauftragt wurde, ein neues Lokal für die Tumasitzungen au beschaffen. Die Wahl wird wahrscheinlich auf den Saal der Adelsversammlung fallen, in welchem der Reichsrat tagt.
Ter Tnmasaal zeigt ein trauriges Bild der Zerstörung, Fast drei Viertel der Teckenbekleidung sind herab gestürzt und haben die Sitze der Linken, des Zentrums und eines Teils der Rechten verunstaltet und mit Trümmern bedeckt. Die Architekten erklären den Einsturz der Decke damit, daß der Sitzungssaal ursprünglich ein niemals geheizter Wintergarten war, der auch noch während der Tagung der ersten Duma nicht geheizt wurde. Ter jetzt durch Heizung und Lüftung herabgesührte Temperaturunterschied habe offenbar den Umfang der mit konischen Nägeln befestigten Holzbalken verändert, weshalb die Stukkatur herabstürzte.
Ter Deckeneiusturz lastet wie ein Alp auf allen Gemütern. Ueberall aus den Straßen besprechen heftig erregte Gruppen den Vorfall in der Ueberzeugung, daß es sich um ein Verbrechen handelt. Tie reaktionären Gruppen der Duma reden von einer Strafe Gottes, die über die Tama hereingebrochen sei Tie Mitglieder der Rechten hielten in der T-umakapelle einen Tankgottesdienst ab, wobei sie das Gericht Gottes auf die Linke herabriefen.
Zwei Kommissionen traten zusammen zur Untersuchung des Unglückes. Man konstatierte, daß die Decken berierdung noch aus der Zeit Potemkins stammt und mittelst Holzplanken /befestigt war, die durch Nägel zusammengehalten wurden. Diese saßen im Holz nicht genügend fest. Tie sonst immer feuchte Lust des früher als Wintergarten benutzten Raumes ist jetzt durch das fortgesetzte Heizen warm und trocken geworden, wodurch das Holz zusammentrocknete
und die Verbindung mit den Nägeln gelöst wurde. 20 000 begann gegen Schluß des vorigen IahreS der Ort kg ewerde- Kilogramm von 300 Qm. Fläche sind abgestürzt. verein Gießen eine neue Schule zu erbauen. Schon seit
Die Erbitterung ist um so größer, als der Abg. Tol- Jahren waren die Räume in der alten Schule am Asterweg shenskow, der schon der ersten Duma angeh orte, erklärte, jU eng geworden und der Behelf war groß. Viele Schüler Bau Kommission her ersten ^^erung mu^en wegen Mangels an Raum zurückgewiesen werden.
macht ^tte0 U $aumei^erQ| SÖruni, der Erbauer des Duma- Um diesen Wich stand abzustellen, hat der Gewecbeverein nach gebaudes, entschuldigte sich damit, daß ihm zu wenig Zeit lahrelangen Arbeiten m seinem Bauausichnß sich an den gelassen worden sei, um einen radikalen Umbau vornehmen Neubau herangewagt. Nach langen Verhandlungen mit der zu können. Stadt rourbe ihm ein Bauplatz in der Kirchstraße (angrenzend
Tie Tumasitzungen sollen nächsten Mittwoch wieder auf- an das Gelände der Stadtknabenschiile) überlassen, wo bis
genommen werden Am Zarenhof hat .die Kunde von je$t der Bau bis zum ersten Stockwerk gediehen ist. Die be-
dem Unfall furchtbaren Eindruck gemacht, ^rer Zar ^ibenen Mittel des Vereins reichen aber bei weitem nicht
S^b^ort dre strengsten Befehle,^aßEren zu um das Schulhaus zu vollenden. Deshalb ist aus den treffen und dre Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. rogüebern bc§ Gewerbevereins eine Kommission bestellt
Moskau, 15. März. Die Revolutionärin und Kämpferin für die Frauenbewegung, Frumkina, wurde gestern in der Nähe des Opernhauses in dem Augenblick verhaftet, als sie den Stadthaupimann General Reinbott er- schießen wollte. Tie Revolverkugeln waren vergiftet.
Aus Srudt mhO Land.
Sprechstunden der Redaktion:
Va 12—1 Uhr vorm., V2 7—y2 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag).
Gießen, den 16. März 1907.
'* * Dreihundertjahrfeier der Landesunioer- sität. Die Abgg. Dr. Gutfleisch, Dr. Schmitt, Adelung, Auler, Bähr, Best, Brauer, Breidenbach, Damm, Erk, Finger, Dr. Frenay,. Dr. Fulda, Dr. Glässing, Hauck, Hirschel, Horn, Leun, Mollhcm, Noack, Peiinrich, Reh, Reinhart, Seelmger, Stöpler, Ulrich und Dr. Weber haben bei der Zweiten Kammer beantragt, für das bevorstehende Jubiläum der Landes- imlversttät im Staatsvoranschlag den Betrag von 30 00 0 Mark in Ausgabe zu beivilligen zu Gunsten der Uiiiversität und zu Lasten der Vermögensreste vorderer Jahre. Da der Antrag die Unterschriften dec Mehrheit dec Kammer, die sich ails Mitgliedern aller Parteien zusaiiimensetzt, gefunden hat, ist an seiner einstimmigen Annahme nicht zu zweifeln.
** Abschiedsaudienz. Am Freitag mittag 1 Uhr empfing Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog den bisherigen österreichisch-ungarischen Gesandten Frhrn. 0. Pereira aus Stuttgart in Abschiedsaudienz. Der Gesandte und seine Gemahlin nahmen hierauf an der Mittagstafel im Neuen Palais teil.
** Erledigt sind zwei Lehrer stell en an der Volks- chiile zu Gießen, von denen die eine mit einem eoang., die aridere mit einem kath. Lehrer zu besetzen ist.
""In den Ruhestand versetzt wurde der Amts- gecichtsdiener bei deui Amtsgericht Homberg, Karl Gust. Witt, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner lang- jährigen treuen Dienste und unter Verleihung des Allgemeinen Ehrenzeichens mit der Inschrift: »Für langjährige treue Dienste".
• ’ Portepee-Unteroffizier Jsmer wurde bei der Kadetten-Arislellimg 1907 als Leutnant im Infanterie- Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 an- gestellt.
* * Die Erste Kammer der Stände wird, n. d. „Darmst. Ztg.-, zur Beratung des Budgets, sowie der sonst noch vorliegenden Gegenstände Montag, 25. März, vormittags 10 Uhr, und folgende Tage zusammentceten.
• * Handarbeitsunterricht. Die von den Besuchern de§ Kurst,s für erziehliche Knabenhandarbeit gefertigten Gegenstände werden nächsten Sonntag, 17. d. 9JL, von 11 bis 2 Uhr im Knaben schul hause an der Nordanlage ausgestellt. Dec Besuch ist um die angegebene Zeit jedermann gestattet.
* * Einen weiteren Preisabschlag ließen die hiesigen Schweine metzger von heute ab in Anbetracht des Rückganges der Schlveinepreise eintreten. Schweinefleisch (Bailchstücke) kosten nunmehr statt 80 70 Pfg. das Pfund, magere Stiicke (Kotelette und Bratenstücke) statt 84 Pfg. 80 und rohes Schweinefett statt 80 Pfg. jetzt 70 Pfg.
• * Militärisches Leichenbegängnis. Heute vormittag 10y2 Uhr fand die feierliche Ueberführung der Leiche des am Mittwoch an Genickstarre gestorbenen Musketiers Müller in seine Heimat Wenings statt. Auf dem Weg zum Bahnhof spielte die Regimentsmusik Trauerweisen und dem Sarge folgten außer den Angehörigen des so jäh aus dem Leben Geschiedenen die Ofsiziere, Unterofsiziere und Mannschaften der 5. Kompagnie.
* * Neubau der Gewerbeschule. In aller Stille
worden, die über Mittel und Wege zur Beschaffung weiterer Unterstützungen beraten soll. Dec Gewerbeverein ist sich klac darüber, daß er mit seinen Zielen nicht allem tn Handwerkerkreisen, sondern auch in allen Schichten der Bevölkerung Gießens und der Umgebung der bellen Sympathie sich erfreut. Er ist überzeugt, daß ihm für die Fertigstellung des dringend notwendig gewordenen Neubaues von allen Seiten die tatkräftigste Unterstützung wird und wendet sich deshalb in den nächsten Tagen vertrauensvoll mit einer Aufforderung in diesem Sinne an die Bürgerschaft und alle Freunde der Sache, durch Zuwendungen das Werk zu fördern, das zum Segen unseres einheimischen Handwerks dienen soll.
” Sie Anlagenmuslk findet Sonntag vormittag IP/2 Uhr in dec Südanlage statt. Der Spielplan lautet: 1. Ouvertüre zur Oper r9locma* von Bellini. 2. Martin- Walzer, von Millöcker. 3. Phantasie aus »Die Aftlkareise" von Supp6. 4. Armeemarsch Nr. 10.
*' Alicefrauenoerein für Krankenpflege. Wie aus dem Inseratenteil heroorgeht, läßt der Alicefrauenoerein wie in früheren Jahren so auch dieses Jahr Vorträge für Frauen und Mädchen über die Pflege Verwundeter und Kranker halten. Die Vorträge finden Freitags von 5 bis 6 Uhr im Zeichensaale der höheren Töchterschule statt und sind unentgeltlich. Beginn am 5. April d. Js., 6 Uhr nachmittags. Der Kursus wird für alle Teilnehmerinnen von großem Nutzen sein, da sie das hier Gelernte im täglichen Leben vielfach verwenden können. Im Interesse des guten Zweckes, den der Alicefrauenoerein verfolgt, ist zu wünschen, daß die Vorträge recht gut besucht sein werden. Amneldungen werden von dec Oberlehrerin der Aliceschule, Fräulein Möser, und Frau Kaufmann Fuhr, Sonnenstraße, entgegengenommen.
* * Diebstahle. In der Nacht vom 14. auf 15. l. Mts. wurde in dem Keller eines Hauses in der Liebigstraße das Wasserleitungsrohr (zirka'8 Meter Bleirohr) nebstZapf- rahnen abgeschnitten und gestohlen. Ferner wurden von einer 'Baustelle in der Frankfurterstraße etwa 2 bis 3 Zentner altes Bleirohr gestohlen.
"Die Betrügerin, welche vor einiger Zeit unter falschem Namen sich als Haushälterin bei einem hiesigen Witwer vermietete, ihm die Ehe versprach, zur Herausgabe von Wertgegenständen veranlaßte und dann auf der angeblichen Fahrt zu den Eltern auf dem Bahnhofe in Darmstadt im Stiche ließ, ist in der Person der oft vorbestraften Maria Schock aus Bolsdach ermittelt und zu König i. O. verhaftet worden.
- m Friedberg, 15. März. Das früher Frau Dr. Dieckmann Witwe gehörige Haus an der Mainzer Notanlage ging für den Preis von 48 500 Mk. in den Besitz des Hofbäckers Karl Engel über. — Die Bäckerei von Ludwig Walther in der Kaiserstraße ging für den Preis von 38 500 Mk. an Ludwig Balser von Steinbach über.
** Kleine i 11 e i 111 n n e n n u s Hes 1 en und den Nachbarstaaten. Die Gastwirte zu Lich sind entschlossen, mit dem 1. April einen Bi erauischlag eintreten zu lassen. Ter Schoppen Bier (5/10 Liter) soll 15 Pfg. und das Glas Bier C7io Liter) 12 Pfg. kosten. — Die Spar- und Darlehn s° kajse zu Wallen rod feiert dieser Tage ihr 25 jähriges Bestehen.
Kirr paar neue KrubenuuglücksMe im Saar-Aevier.
Die Fälle der entsetzlichen Katastrophen, der schweren Unglücksfälle, die eine Menge von Menschenopfern fordern, mehrt sich von Tag zu Tag. Dem Reedener Unglück folgte das furchtbare Ereignis von Holk, der Untergang des Dampfers »Berlin-, dann kam die »Jena-.Katastrophe, und heute früh, kurz nach 8 Uhr, erhielten wir folgenden Draht- bericht, den wic alsbald durch Anschlag bekannt gaben:
Tod riß ihn vor einem Jahrzehnt aus dem Kreise der Lebenden. Ein paar Bühnenoirtuojen nahmen sich dann des Stückes an, das sie indeß auf den deutschen Bühnen nicht zu erhalten vermochten.
In einem Roman läßt man sich manche auch pathologisch unmöglichen Vorgänge eher gefallen; die Bühne aber eignet sich nicht zu einer Arena für Hensensche Experimente. Der Roman gewährt auch mehr Raum für zusammenhängende Motivierung; auf der Bühne werden nur einzelne leichter verknüpfte Effektstellen herausgegriffen.
Der Svengali, den Herr BayrHammer aus Frankfurt spielte, hat einigen Reiz für die schauspielerische Kunst. Die Wiederholungen in Rede und Geberde sind ja nicht seinem Schuldkonto beizumessen. Sehr gut stellte Herr B. das Pathologische dar, und Satans spitze Krallen woben sichtbar- lich das Garn für Trilbys Seelchen. Von einer Verkörperung rmer solchen Rolle aber kann schlechterdings keine Siebe fein. Poseure wie öocngali lassen sich nicht verkörpern, weil sie keine Konturen haben. V. es Aeußecliche war natürlich bei einem so meiilerhasten Techniker wie Herrn B. durchaus gelungen, die Mauschelmaske im Anfänge, dann die überragende Eleganz, das Augenspiel rc. Der Schlußtric, das Rückwärtsfallen über den Tisch beim Sterben, erweckte Brausen.
Echt und überzeugend war die menschlichere Trilby der Frau BayrHammer. Ihr erstes Auftreten im Soldaten- rock, dem höchst ärmlichen und erbärmlichen Unterkleidchen machte sie noch kaum Eindruck. Das ungezwungene naive Modell zeigte aber schon em warmes Herz und eine reine Kmdesseele, als sie bann zur reizenden Gcijelte um- geiuanbelt erschien. Und im zartlilafarbenen reichen Konzert- Kleide trat ihre Schönheit und liebenöiüürbige Anmut fiegbafter hervor als jemals. Rian begreift, wie das Konzeripublikmu
schon von der Erscheinung dieser Sängerin enthusiasmiert war; das Publikum im Theater war nicht minder bezaubert. Dabei machte sie auch das Doppelleben des einfachen Mädchens und des hypnotisierten Mediums, das Geheimnisvolle glaub
haft. Freilich fehlte ihr nicht sowohl das Schwärmerische, als das pathologisch Krampfhafte neben Freund Höllenlärm. Aber man hörte doch auch manche eindringlichen, rührenden Haiinele-Töne. Dem Bedauern, respektable Künstlerschaft an eine derartige Figur verschwendet zu sehen, gesellte sich das Bedauern über ihren bevorstehenden Fortgang von Gießen. Wir verlieren in ihr eine Künstlerin von hoher, sich stetig entwickelnder Befähigung, von jugendlicher Geschmeidigkeit und Schönheit, von raffigein Temperament und mitreißender Herzhaftigkeit. Die Blumenfülle, mit der sie überschüttet wurde, erwies zur Evidenz die große Beliebtheit, die sie bei Gießens aufrichtigen Theaterfreunden unverlierbar besitzt. Am Kasseler Hoftheater geht Frau B. höheren Zielen entgegen. Sie darf der AufwärtSiveifung ihres Geschickes getrost folgen im Vertrauen auf die Fülle ihrer Gaben.
In den wenigen Liebesszenen, in denen Frau B. mit eigener, nicht geborgter Empfindung gestern zu wirtschaften hatte, fällt die Führung eigentlich dem jungen William Bagot zu, den indes Herr Greeff mit geradezu erstaun- lichec Empfindungslosigkeit spielte. Die Herren Kost und Kober versuchten einen frischeren Ton in die Handlung zu bringen, aber der offenbare Mangel an genügenden Proben behinderte sie allzu merklich auf Schritt und Tritt. Der fünfte Verehrer der Trilby, Gecko, ist nur skizziert, und Herr Kraus wiißte ihm abfolut keine Physiognomie zu geben, und Frau B 0 nö schien als Niadame Bonard auf dec ersten Probe zu stehen. Gute Rtasken boten dagegen die Herren Lippert und Reimer, wahrend dem Hunioc der Herren von dec Staffage die Ungebundenhett an allen Ecken und
Enden fehlte. Die Pagenarie aus den »Hugenotten-, die, wie ich höre, Frau Reimer-Schlegel hinter der Bühne sang, gehörte jedenfalls zu dem Besten des ganzen Theater- abends. p yy
*
«s Conan Doyle erkannt wurde. Als Conan Doyle, der Erfinder der Teiektiv-Gestalt Sherlock Holmes m Boston ankam, um dort eine Vorlesung zu hallen, wurde er oiort von dem Droschkenkutscher erkannt, von dem er sich fahren liefe. Als Conan Toyle am Ziel seiner Fahrt angelangt war und bezahlen wollte, sagte der Droschkenkutscher: .Wenn es Ihnen recht ist, nehme ich statt des Fahrgeldes eine Eintrittskarte zu Ihrer Vorlesung. Falls Sie ferne bei fid) haben, genügt es ja, roenn Sie Fh"" Namen aut em Stuck Papier schreiben.- Conan Doyle lachte und fragte wie er ihn denn erkannt habe, woraus der Kutscher entgegnete. »Wir Droschkenkutscher wußten alle, daß Sie nut diesein Zuge ankommen wurden. Wem, Sie mir ein offenes Wort nicht ubclnehmen, so steht Ihr Paletot aus, als ob er von beu New-Aorker Reportern mitgenommen wurde, Ihr Haar, als wenn es m Philadelphia aeschmuen wurde, und Ihr Hut, als ob eie m Chicago daram gestanden hätten, Ihr rechter Stiefel zeigt den Schinutz von Buffalo und- - der Kutscher machte eine Pause unb lächelte .auf Ihrem Koffer stand in großen Buchstaben .Conan Doyle . '
F"), Insel-Verlag zu Leipzig ist unlängst ein Band „Kleine gramen von H ug 0 von pof man nsthal erschienen. Er bietet in einer vornehm ausgestatieten und doch zugleich billigen Ausgabe^dre. ferne Werke des Dichters, „Das Bergwerk zu
fhpÄaa. ter unb dste Hexe- und „Das kleine hV Ini °h 6 r sm tMQ”ul'cu nut dem geistvollen Jngendwerke des talentvollen Wiener Dichters, dem auch in Gießen durch den
O"sgewerbevere,n bekannt gewordenen
mb .b e r ? 0 b ' bev iu einem Emzelbändchen eben- Krnn pn"^Jn ‘^1 fUüfle ^ranSgekommen ist, bergen die „Kleinen Dramen den echte|ien, Kartellen Honnannsthal. Ein stiller Dichter^ spricht hier zu .ms voll Sehnsucht und tiefer Innerlichkeit, m ■berjen von hoher Schönheit und reichem Stilgefühl.


