1S7. Jahrgang
Erstes Blatt
General-Anzeiger für Oberheffen
hculige Yuurmer umfaßt 20 Seiten.
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Herren der Gesellsck-aft, zu denen auch Professor Borges; gehörte, in einen der Enipsangssalons zurück. Wie wir Ijören, scicljmete der Monarch die amerikanischen Marine- uni> Militärattaches
Gieszener Stadtthecrter.
Trilby.
Vor einem Jahrzehnt wütete auf den Bühnen aller Länder die Trilby-Seuche. Georges du Maurier,^ ein geistreicher und übermütiger Karrikaturenzeichner aus Paris, Halle einige Jahre vorher in einer amerikanischen Zeitschrift in englischer Sprache einen Roman veröffentlicht, der einen ungeheuren Erfolg hatte. Er fand seinen Weg durch die ganze Welt. Wie Prof. Dr. Ed. Engel in seiner »Geschichte der englischen Literatur" (6. Aufl. Leipzig, Jul. Baedeker 1906) erzählt, »wurden in zwei Jahren zwei Millionen Abdrücke davon verkauft". In manchen Großstädten sah man damals in den Auslagen der Putzmagazine Trilbyblusen und Trilby- hüte. Und heute sind ja wieder englische Möbel, englische LandhauSbanten und englische Effektstücke (Sherlock Holines!) in der Mode. Darum tat Frau Bayrhammer nicht unklug, zu ihrem Benefiz auf »Trilby" zurückzugrerfen, ein Stück, von dem mir nicht weniger als drei deutsche Bearbeitungen bekannt geworden sind, deren es aber wohl noch Mehr hat.
Der Noman, den man einst in der inzwischen leider längst entschliimmerten guten .Romanwelt", s. Z. heraukgegeben von Otto Neumann-Hofer, las, hatte zweifellos seine Vorzüge. In seinem Mittelpunkt steht Trilby, das Mädchen mit den schönsten Füßen, daS nicht nur für diese, sondern auch »für alles Uebrige" Modell steht. Als weibliches Seitenstück zu jenem Schnadahüpfler und Schwerenöter, der da singt:
»Schöne Madeln hab i gerne ganze drei an der Zahl: die eine küß i, die zweite lieb i, Kis dritte heirat' i amoal/
Nr. 64 «rfftetni täglich außer Sonntag».
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gietzener Famtlten- btätter viermal in der Woche beigelcgt um zweimal wöchentlich da>. Hrdsblott für den Krtb Gießen. Yernsvrech-An- schlußl.d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51
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Wefle für ®epefd)en: Roiallon,druck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such. und Slelndruckerel. n. r-mg«. Rebaftlon, «jpebifion und Druckerei: rchulstratze ?
Anzeiger Gießen.
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Eine deutsch-französische Annäherung.
Berlin, 15. März.
Ans Einladung des Präsidenten der deutschen Kolonial- gesellschast, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg hatte sich heute abend eine stattliche Anzahl Kolonial- fremwe eingefunden, um die Vorlesung des französischen Abg. Lucien Hubert, über F r an z ö si sch-W e st a fr i k a zu hören. Erschienen waren u. a. Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Unterstaatssekretäc Dr. v. Mühlberg, Kolonialdirektor Dernburg, der französische Geschäftsträger Lecomte usw. Herzog Johann Albrecht eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in der er ausführte: Seit den letzten Monaten habe das in der deutschen Kolonialpolitik sich regende frische Leben bei den französischen Kolonialkreisen lauten Widerhall erweckt. Nach den über die zusammenschließende, einigende Kraft des kolonialen Gedankens bei unseren sonst so weit auseinander stehenden Parteien gerade jetzt gemachten Erfahrungen dürfe man der Hoffnung sein, daß eine Verständigung und ein Zusammenarbeiten auf dem kolonialen Gebiete auch zwischen uns und dem französischen Volke eine Brücke zu gegenseitigem Verständnis schlagen werde. Redner begrüßt bann den Abg. Hubert, der nicht nur einer der Urheber des Gedankens der französisch-deutschen Annäherung aus dem kolonialen Gebiete, sondern auch einer der besten Kenner der französischen Kolonien in Westafrika sei. Redner schloß mit dem Wunsche, daß der betretene Pfad empor führen möge zu den lichten Höhen des wahren Friedens.
Hierauf erhielt der Abg. Hubert das Wort. Er begann mit der Bemerkung, man könne gewiß ein sehr guter Deutscher und ein sehr guter Franzose sein und doch beklagen, daß die Fügung der Umstände die Beziehungen zwischen den leiden so großen Völkern getrübt habe. Jedenfalls könne man sich aber auf kolonialem Gebiet begegnen und ft ei und offen sich über das gewaltige Werk unterhalten, an das sich die weiße Nasse in Afrika gewagt habe. Redner ging hierauf zu seinem eigentlichen Thema über: Die Tätig-
Samstag 16. März 1907
—, Bezugspreis:
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▼ jährlich Mk. 2.20; durch
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läßt sie sich von Makern umschwärmen, bis der Vampyr kommt, ein genialer, schmutziger, frecher, feiger Musiker namens Svengali, ein Galizier. Tie Galizier sind übrigens — Tatsache i __ nahezu alle stark musikalisch. Soweit der Roman sich in der Pariser Künstler-Boheme abspieit, ist er wirklich von anziehendem Humor, liebevollen intimen Schilderungen, reizender Kleinmalerei, wenn er sich auch stark an Murgers „Boheme" anlehnt. Doch mit dem Auftreten Svengalis, dieses Hexenmeisters, dieses Satans im Frack, gewinnt der Roman sofort ein zweites Gesicht. Tie Suggestion kommt zur Anwendung und zum Siege. Die absolut unmusikalische Trilby, von der Natur mit wunderschönen Stimmmitteln ausgerüstet, vermag durch Suggestion ihres Meisters Svengali die schwierigsten Arien korrekt und bezaubernd zu singen und gelangt dadurch zu enormem Ruhm und Verdienst. Das klingt recht schön, ja gut und edel, aber wenn man sich's ein ganz klein bischen überlegt, ist's übelster Unsinn und schmeckt nach Barnum, der vor Jahr und Tag behauptete, in seinem ZirkuS sei die 160jährige Amme des amerikan. Staatsmanns Washington zu sehen. Freilich hat du Maurier mit einer Routine, die einer besseren Sache würdig wäre, auf die Voraussetzung des hypnotischen Unsinnk, daß man jemandem durch die Hypnose die Stimmbänder umändern könne, also einer geradezu tollen Annahme, die Effekte aufgebaut. Läge etwas Wahres darin, dann wären unsere Musik-Konservatorien mangelhaft organisiert und müßten sofort einen Lehrstuhl für Hypnose Mit den nötigen UebungS- kursen einrichten; denn alle Gesanglehrer der Welt können ja ohne sie einer unfähigen Schülerin nicht dazu verhelfen, daß sie eine zweite schwedüche Nachtigall wird, die mit ihrem Ruhm die Erde und die umliegenden Gestirne erfüllt. Bei der hypi ' eben Lehrmethode n.nr geht, so will uns Tu Maurier aben machen, das Gerne des Meisters ganz von selbst in . hypnotisierte Schülerin über. Also braucht nur
ganz besonders aus. U. a. sprach sich der Kaiser sehr looendt übet den Erfolg aus, den die Militärbehörde mit der Ansck)offung von großen Samowars für die Kantinen und für die Manöverlager erzielt habe. Die Soldaten hätten den l-eißen, zu allen Tageszeiten zu habenden (Tee sogar dem Bier vorgezogen. Im Lause k^es Gesprächs über diesen Gegenstand stellte dann der Kaiser noch mehrere Fragen über das amerikanische „anti-liquor law" (An t i a l ko ho l g e se tz) und meinte, daß das Gesetz, wenn auch an Wnb für sich segensreich, doch iwch verbessernngssühig sein dürste. Z. B. habe er gehört, daß Leute, die in ihrem Heimatsstaat alkoholische Getränke Sonntags nicht erlangen könnten, in die chlimmen Spelunken getrieben wurden, die an der Grenze des Nachbarstaats nur des leichten Prv,its halber und mit zur Umgehung des Gesetzes eröffnet würden. Der wachsende Anbau der Karw fsel in, Deutschland sei allerdings hauptsächlich der Spiritusindustrie zu danken, aber die LUndwirte in sterilen Gegenden hätten gerade aus dem Anbau dieser Frucht die meisten Vorteile gezogen und dadurch wenigstens Mittel i nd Wege gefunden, um über die, für die Landwirtschaft schlimmsten, jetzt glücklicherweise zurückliegenden traurigen Zeiten, Hinwegzukommen.
Qkg-m 10 Uhr öinrde im Herrenzimmer der zee serviert, aber die Uhr näherte sich der elften Stunde, ehe der Herrscher daS gastliche Haus verließ. Noch beim Abschied erwiderte er einem der anwesenden amerikanischen Herren auf eine diesbezüglick>c Andeutung hin in englischer Sprache: „O ja, ich möchte di« Vereinigten Staaten schon besuchen. Aber nicht als „Kaiser", sondern «als „private gentleman" und nicht auf vierzehn Tage, »vie es bei den „globe-trvtters" Mode, sondern auf mindestens ein Vierteljahr. Mer, wer soll mich hier unterdessen vertreten, und ivas würde Kollege Roosevelt von mir denken, wenn ich seine Theorie vom! „l-ard Work — litlle play" (harte Arbeit — wenig Feste) Lügen strafen wollte?"
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der Lehrer Genie zu haben ... ja wenn nur daS immer der Fall wäre!
Herr Svengali, der große Hypnotiseur, hat überdies etwas Masochistisches an sich. (Sacher-Masoch war ja auch ein Galizier.) Der Teufelskerl zählt nämlich auch Prügel zu seinen magnetischen Mitteln. Doch das Verhängnis bleibt nicht aus. Durch allzu reichliches Abgeben von eeelenftoff verfällt er dem Tode aus Mangel an Willen — eine Todesart, über die sich Schopenhaiier gefreut hätte.
Tie Potter'sche Bühnenbearbeitung deö Romans trifft im allgemeinen den richtigen Ton, der zwischen dem Zigeuner- und dem Gouvernanten-Milieu lustig hin- und herwandelt. Freilich kommen die Personen herein und laufen hinaus, wie es die Handlung braucht, sie haben kern eigenes Gesicht sie bewegen nur die Fabel. Blos Svengali und trilby sind gezeichnet, aber nicht in den Proportionen der Statur, sondern sie haben einen einzigen, ms Ungeheure verzerrten Zug; man mag an antike Masken denken. Svengalt ist nichts als Macht, Trilby nichts als Unschuld, das andere Leben ist aus ihnen weggelassen. Dazu kommt, daß der Dramatiker die rohesten Mittel nicht verschmäht. Es ist gewiß ein ganz unlitterarisches Stück aber es wirkt und man denkt von weitem an die Spukgestalten E. T. A. Hoffmanns. Der aber war mit all seinen Verkehrtheiten ein Dichter, während du Maurier nur ein geistreicher Lustigmacher war, von dem gleichgültigen Bühnen- Bearbeiter gar nicht zu reden. ,
DaS Stück hätte in Deutschland wohl noch mehr Aussehen gemacht, wenn nicht ein widriges Geschick dazwischen gekommen wäre. Atittetwurzer, der größte Bühnenkünstler der letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts, hatte sich üorgenonuuen, die Rolle des Zauberers Svengali zu meistern. Er sah, wie viele hervorragende Mimen, nie auf den litte- raUschen Gehalt un. Wert eines Stückes, sondern betrachtete es allein aus dem Gesichtswinkel des Packenden. Em jäher
Man schreibt uns aus Berlin:
Das erste diplornatisckie Diner, dias der Kaiser in
Jahre mitmachie, führte ihn am Donnerstag abend in das prächtige Heim d.s amerikanischen Botschafters am KÄnigsplatz. Der Kaiser war, wie Uran uns mitteilt, ganz aiyzerordentlich gut gelaunt und überreichte Mrs. Charte mag ne Corner gleich nach seinem Eintritt ein Flieder- und Veilchenbukett sowie zwei Photographien von sich, die ihn m der auf bem kürzlichen Kostümfest des Kronprinzen getragenen triebetu zionischen Tracht bürftellen und unter die er gleichzeitig, mit Bleistift seinen Warnen setzte. Für die Kinder des Botschafters
AÜlows Rede
bei dem Bankett des Deutschen Landwirtschaftsrats wird wegen ihrer Tendenz viel Kommentare Hervorrufen. Ihr Grundton ist durch unddurch agrarisch; der Reichskanzler erklärte selber, daß er mit seinem ganzen Herzen bet den Agrariern sei und nach wie vor diese Bezeichnung als einen Ehrentitel ansehe. Auch seine ganze bisherige Politik trug ganz agrarisches Gepräge zur Unlust derer, welche befürchten, daß Handel und Industrie darunter zu leiden hätten. Nun haben die Neuwahlen nach der Reichstaosauflösung eine Verschiebung int Parlament gebracht, eine Einigung zwischeü der Rechten und Linken hat trotz bestehen bleibender grundlegender Differenzpunlte stattgesunden, sodaß die Regierung sich genötigt sah, dem Rechnung zu tragen. Dies Entgegentommen gegenüber der Linken hat aber wiederum in agrarischen Kreisen die Ver- mutung l/ervorgerufen, daß nunmehr infolge dieses Einten lens die Landwirtschaft zu kurz kommen konnte. Diese Bedenken zu zerstreuen, scheint sich Fürst Bülow als Aufgabe gestellt zu haben, hieraus ist auch wohl der überaus agrar- sreundliche Tou feiner Rede zu erklären, die gleichfalls als captatw benevolentiae auszufassen ist. Tie Linke sieht natürlich, daß der Kanzler des Guten zuviel getan hat, indem er es so darstellte, als wenn er sich den Agrariern mit Haut und Haaren verschrieben habe; und an lebhaften Angristen von radikaler Sette, welche das Zusammengehen der Linken mit der stiegierung überhaupt nicht gern sehen, wird es nicht fehlen, insbesondere wird man der Akeinung Ausdruck geben, daß die Linke nur dcyzu dienen sollte, der Regierung gegenüber Zentrum und Sozialdemokraten die Kastanien aus dem Feuer zu holen und daß man ihr den Tank dafür in einigen leeren Bei sprechnngen abstatten will, während im übrigen in der inneren Politik alles beim alten bleiben sollte.
Aber man darf wohl bei Beurteilung der Rede Bülows, ähnlich wie dies oft bei Kaiserreden geschieht, nicht vergessen, an welcher Stelle sie gehalten worden ist, indem ihr der Stempel des Ortes aufgedrückt ist. Man darf auch nicht vergessen, daß Fürst Bülow üi seiner Rede vor den Landwirten sich sehr entschieden für eine Börse nresv rm ins Zeug legte und den Herren sehr eindringlich zuredete, (in ureigenstem Interesse sich einer solchen Reform nicht ablehnend gegenüber zu verhalten, wobei er sich nicht scheute, den Agrariern zu zeigen, daß manche von ihnen Sibeuklappen besäßen, und daß es förderlich sei, auch anderen Zweigen des Wirtschaftslebens im Interesse der Ecsamtheit Beachtung zu scheuten, des weiteren legte er auch dar, daß er an der Reform des Vereins- und V e r s a m m l u n g s r e ch t s, sowie der Strafordnung scsthaue, um unzeitgemäße Zustände zu beseitigen. Etwas anderes hat Bülow auch tut Reichstage nicht gesagt, und man darf wohl annehmen, daß er sein Wort auch einlösen wird. Es hat auch wohl niemand vom Fürsten Bülow aHQeiioiniiieii, daß er angesichts der neuen Zusammensetzung des Reichstages aus seiner alten Haut heraus in eine neue« schlüpfen werde. Bülow hat bisher eine agrarische Politik betrieben und wird diese auch fortsetzen, wenngleich er dabei gewillt ist, einigen Wünschen der Linken ent- gegenzukommen. Wer sich anderen Jllnsionen hingegeben hat, hat die Verhältnisse nicht berücksichtigt.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Uy hat beim Festmahl des Deutschen L a n d w i r t s ch a f t s -- l a t ä lange Gesichter gegeben, als Fürst Bülow über die Wünsche der büraeHid^n Linken, insbesondere über die Not- toenbigteit einer Börsenreform sich äußerte. Soviel Wohlwollen für die Börse, bemerEten, wie uns berichtet wird, nachher Teilnehmer des Mahles, habe miau von einem „agrarischen" Reichskanzler unmöglich erwarten iöniien! Zn der louseevat.
was die So- rgerlichen W
kanzlet gewese n." , t Ä ,
Höflicher und liebenswürdiger als bas Hcmptorgan der Kvnser- valivcn ist die b.mbllrische „T a g c s z t g". Zwar konstatiert sie auch mit einigem Verdruß über bas vom Reichskanzler angeweudcte Bild: „Wir tragen keine Scheuklappen und brauchen sie deswegen nickst abzulegen." Auch «mag die „Tagesztg." nichts von einer Abschwächung des Bötsengesetzes hören, das trotz seiner Mängel doch die schlimmsten Auswückste der Börse beseitigt habe. Immerhin schlägt die „Tagesztg." im Ganzen einen freundlicheren Ton an; sie glaubt bestimmt, daß der Reichskanzler das vseine dazu tun werde, um stürmische Auseinandersetzungen mit der Landwirtschaft über die Wörsenvorlage zu verhindern.
Ob wohl Fürst Bülow den Ausgang deS Kampfes erlebt als aktiver Staatsmann? Wäre dav Wott vom „polit. Lcichenstein" etivas wie eine Ahnung gewesen? _______
Parlamentarisches.
Berlin, 15. März. In der Budgetkommission des Reichstages erklärte Staatssekretär kraetke bei der Beratung des Postgesetzes auf ErzbergerS Frage, ob eS wahr sei, daß von der Firma TippelSkirch fü; die von ihr gemieteten Postgeschäftsräume in Kiautschan eine unverhältnismäßig hohe Miete gezahlt werde, das sei nicht der Fall. Dann entwickelte sich eine GehaltSdebatte. Es dreht sich darum, ob entsprechend einem Zentrumsantrag die Aufbesserungen sofort in den Etat eingesetzt werden, oder ob die Form einer Resolution gewählt werden und die Erklär- ungen der Regierung abgewartet werden sollen. Letzteres wird beschlossen.
— Die Budgetkommission deS Abgeordnetenhauses beschloß heute die Beratung deS freis. Antrages auf Gleichstellung der Oberlehrer in Gehalt mit den 23er- waltungSbeamten und Richtern, sowie der konservativen Anträge, welche wesentliche Erhöhungen deS EndgehalteS und angemessenere Rcgeliing der übrigen Verhältnisse der Oberlehrer beantragen, zur ü ckzu siel len, bi3 zur Beratung der übrigen AufbcssetungSanträge. Regierungsseitig wurde bezüglich des Austausches junger Philologen mit öem AuSlande mitgeteilt, daß Verhandlungen schweben, daß die deutschen Kandidaten in Frankreich Renume- rn Honen bekommen. Ter Austausch mit England sei nicht in Fluß gekommen. Die englischen Schulen schienen diesem Tlustausch nicht günstig zu sein; eS sei deshalb Nor d- a m e rika für diesen Austausch in Aussicht genommen.
politische CagesschaV.
Der Kaiser auf der amecikanische» Botschaft.
„Kreuzztg." smdet heute abend die Verstimmung der Börsen-1 hatte der Kaiser Spi e lsa cheii mitgebrackst, bi.1 er ii^iien uo\ gegner drastischen Ausdruck. Eine genaue Untersuchung, so schreibt dem Tiner selbst übergab. Gegen 8u Uhr war tüv Tiner, zu dem die „Kreuzztg ", wird sick«w ergeben, daß nickst wir die ©d>eu» | 24 Gedecke gelegt waren, beendet imb der Kaiser zog sic!,- mit den k'lappenträger sind. Der Kanzler sei über den Einfluß des Börsengesetzes nickst gut unterrichtet worden. Die Sache verhalte sich ganz anders. Fürst Bülow habe sich selbst einte Binde vor die Augen legen lassen, wenn er meine, das Börsengesetz mit seinem Terminregister und seiner Emsckstänkung des offiziellen Terminhandels habe die Berliner Börse gegen die Börsen von Paris uni) London in Nachteil gebracht. Kurzum, die „Kreuzztg." will die Inschrift einstweilen nickst gelten lassen, die Fürst Bülow für seinen politischen Leichenstein beilnumt: „DieserifteinagrarischerReichs-


