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** W i e sehr das Kolosseum sich bereits in der Gunst des hiesigen Publikums festgesetzt hat, bewies der trotz des endlich eingetretenen Sommerwetters sehr gute Besuch der gestrigen Vorstellung, die ein neues Programm brachte. Die neuen Darbietungen sind nicht alle gleichwertig und das Kraftmaiertum tritt etwas^ sehr in den Vordergrund, aber dennoch bringen die neuen Künstler viel Schönes und Sehenswertes, sodaß auch anspruchsvolle Variätegäste auf ihre Rechnung kommen. Zur Eröffnung mühte sich eine sehr schick aussehende Operettensängerin, Fräulein Elvira L a r g e t h, sehr um den Beifall des Publikums und daß sic ihn nicht in vollem Maße errang, mag an den überstandenen Reisestrapazen liegen — die Dame soll eine weite Reise zurückgelegt haben. Ein akrobatischer Melangealt, der übrigens seinen Namen verdiente, gefiel durch die Vielseitigkeit der gebotenen Gymnastik und the Delavares zeigten dabei starke Muskeln und gute Zähne. Eine sehr fesche moderne Soubrette, Fräulein Gerti Gold, bot einige sehr hübsche Gesangsnummern, worauf durch Max und Charles, zwei sehr gewandte Parterre gymnafliker, die drastische Komik zu ihrem Rechte kam und
Bahnprojekt Gießen-Steinbach-Laubach.
Das Komitee für die projektierte Bahnlinie Gießen- Laubach hielt gestern nachmittag im CafH Ebel eine Sitzung ab, an der Kreisamtmann Dr. Merck, Beig. Curschmann, die Stadtv. Eichenauer und Gabriel, Handelskammersyndikus Dr. Zeidler sowie die Bürgermeister bezw. deren Stellvertreter von Annerod, Burkhardsfelden, Harbach, Hattenrod, Laubach, Lauter, Qmeckborn und Steinbach teilnahrnen. Bürgermeister ^Krämer von Steinbach gedachte zum Eingang des Stadtv. Kirch, der bis zu seinem Tode hervorragenden Anteil an den Arbeiten für das Projekt genommen und eifrig dafür gearbeitet habe. Das Andenken Kirchs wurde durch Erheben von den Sitzen geehrt. Auf Vorschlag von Bürgermeister Krämer übernahm sodann Kreisamtmann Dr. Merck den Vorsitz und das Referat über den gegenwärtigen Stand der Angelegenheit. Die Firma Lenz in Berlin hat ein Projekt ausgearbeitet, das den gestellten Wünschen nach Möglichkeit gerecht wird. Die größte Schwierigkeit, die Einmündung der Linie in den Bahnhof Gießen, sucht das Projekt dadurch zu überwinden, daß die neue Bahn ihren Ausgangspunkt von der Bahn Gießen-Fulda zunächst den Milttürschießständen nimmt, wo eine Umsteigestation gedacht ist. Die neue Linie geht dann in einer Unterführung durch die Fuldaer Bahn, üurchschneidet mit einer Ueberführung die Anneroder Straße und geht dann nördlich von Annerod an der Platte her. Von da macht sie einen großen Bogen nach Steinbach, macht dann eine Biegung über Albach nach Burkhardsfelden, das wie auch Hattenrod und Harbach nördlich liegen bleibt, von hier geht die Bahn über die Kolbenmühle nach Queckborn und weiter über die Neumühle nach Lauter, von wo die Strecke über Wetterfeld nach dem Staatsbahnhof Laubach lauft und dort in die Bahn Hungen-Mücke einmündet. Die Gesamtlänge der Strecke ist 26,25 km, wovon 24,25 km Neubaustrecke sind, während 2 km lang der Bahnkörper der
wurde ein Unterausschuß beauftragt, der aus Kreisamtmann Dr. Merck, Stadtv. Eichenauer und Bürgermeister Krämer Steinbach zusammengesetzt wird.
Aus Stadt und Land.
Schmückt Eure Fenster und Dalkoue mit blühenden Blumen.
Gießen, 17. Juli.
*' 6sür dieEröfsnungsvorstellungen im neuen Stadttheater ist der Vorverkauf in der Musikalienhandlung von Ernst Ehallier eingerichtet. Auch die bereits früher bestellten Eintrittskarten gelangen dort (nicht auf der Bürgermeisterei) zur Ausgabe. Entgegen irrtümlichen, in der Stadt zirkulierenden Gerüchten sei konstatiert, daß zu den beiden ersten Vorstellungen am Dienstag und Mittwoch noch reichlich Plätze in allen Preislagen zu haben sind. Die erste Gesamtprobc auf der hiesigen Bühne fand am Dienstag nachmittag statt, nachdem an den vorhergehenden Tagen sämtliche Dekorationen, soweit sie für die Eröffnungsvorstellungen nötig sind, aus Professor Lütke- meyer's Atelier angelangt waren. Zu den beiden Schauspielvorstellungen sind von Direktor Steingoettec als Vertreter von Hauptrollen eine Anzahl hervorragender Gäste engagiert, die zum Teil schon eingetroffen sind.
Stiftung für das Stadttheater. Wie wir hören, hat die Mitteldeutsche Kreditbank die Beleuchtungs- körper für das Foyer und den Zuschauerraum, die einen Wert von 5000 Bit. haben, gestiftet.
Neubaustrecke Lich-Grünberg benützt wird. Abgesehen der wenig glücklichen Lösung dec Frage der Einmüiidimg in den Gießener Bahnhof und der Außerachtlassung von Oppenrod
Hau se s Wn delegierte zum Ä-MEschef e'e» fanbt, um ine)en aufzu,ordern, Maßregeln gegen Korea M verßdgen, welches das Protektorat mißachtet indem cs -elegierte zur Haager Friedenskonferenz entsandte.
London, 16. Juli. Zur erwarteten AbreisedesMar- aursHaha)chi nach Söul wird noch bekannt, daß der Kaiser von Kvvea von zwanzig Kriegerir umgeben int Palafte den Ja- panern Widerstand leistet.^ Aus anderen Quellen wird ge- meldet,bie^ Absctzung des Kaisers stehe bevor.
und nutzen die reichlich zwei Stunden dauernde Eisenbahnfahrt ßui um den unterbrochenen Schlaf fortzusetzen.
Ich strecke mich nun selbst auf die Polster, schwerfällig fei sich der Bummelzug in Bewegung. Die Kälber werden beu Anfahren durcheinander gerüttelt und blöken in verstärktem Maß« Welche Luft mag in dem Kälberwagen sein, welche Hitze, welche Hunger und Durst. Die armen verwöhnten Tiere haben schon u Sonnenbrand eine Wagenfahrt bis zur Sammelstelle gemach sind dann nach Stunden verladen in einen geschlossenen Wage: der gar nicht genügend ventiliert werden kann. Und doch, ßU' die Kälber habens besser wie vordem, sie dürfen nicht mdi getrieben und von billigen Metzgerhunden zugerichtet werden, bau’, die erschöpften Tiere rascher den stundenweiten Landweg wacher Sie dürfen auch;auf dem Transport nicht mehr geknebelt werdei Indem ich diesen Gedanken nachhänge, um mein Mitleid mit oc so jammervoll Blökenden zu beruhigen, fällt mir eine W schlittenfahrt ein, die ich in einer sehr kalten Wmternacht n ftänkischen Jura von Gräfenberg nach Nürnberg vor Zew machte. Der mit vier Pferden bespannte Schlitten flog udc die glattgefrorcue Schneedecke in stundenlanger Fahrt durch Dönc Felder und Wälder unserem Ziel, dem Bahnhof in Nürnbm entgegen. In tiefer Nacht, im dichten Walde hält plötzlich u Schlitten, Stimmen werden laut, sind das Räuber? Aber * 1 kommt schon der Postillon an den Wagenschlag und bittet, c nicht ein paar Herren helfen wollen, die Kälber wieder aufladen uj da dringt auch schon das - Kälbergeschrei an unsere Ohren. Fuhrmann hat auf den Dörfern für einen Händler Kalber eti gesammelt und dieselben auf einen Rollwagen verladen. Füße der Kälber sind mit schneidenden Stricken zusammen^ schnürt. Auf der Fahrt im Schnee ist der Wagen mit enm Rade in den Straßengraben geraten, die Kälber sind von schiefen Fläche abgerutscht und liegen im wirren Knäuel ' Schnee. Der Wagen wird wieder auf den Straßendamm gebram die Kälber von uns wieder aufgeladen, der Fuhrmann konn im bedächtigen Schritt weiterfahren und kam in später M hoffentlich in Nürnberg an. Waren den Kälbern nicht sam die geknebelten Füße erfroren? Waren ihnen nicht Maul u Ohren erfroren bei der mehrstündigen Fahrt tn bitterM Winternacht? Selbst die Kälber habens heute viel, viel VM in der Welt, geradeso wie die Menschen. Man soll nicht zu
a&igy daran, daß der Kälberwagen in Nauheim ausrangic war, lags daran, daß ich die heiße Sommernacht vergaß, wett so lebhaft der kalten Winternacht im fränkischen Jura gedacm Kurz, ich war fest eingeschlasen und wachte erst durch den rauv Ruf des Schaffners auf: „Frankfurt, alle£ ausstergest,
davor einen Tisch erkannt, da schwankte er schon auf das Bierfaß los, wirft sich schwerfällig darauf, legte die Arme auf den Tisch, den Kopf darauf und schläft sofort wieder ein. Der Fuchs sah verzweifelt seinem sehr rundlichen Kumpanen zu, bann ruft er dem anberen nach: „Leibbursch, bleib doch hier" und als der Leibbursch nicht hört, sondern in der falschen Richtung in Zickzacklinien, (hie der Bahnsteig gerade noch fassen kann, weiter schwankt, da zischt der Fuchs ein Wort durch die Zähne, das denen besonders geläufig sein fall, die mit Wieseckwasser getauft sind. Im Zuge befand sich ein geschlossener Wagen, der mit Kälbern gefüllt war. Die Kälber blökten jämmerlich durcheinander und das Konzert schien den kranken Leibburschen an- gezogen zu haben. Endlich kam er an die geschlossene Tür des Waggons, rüttelte daran und die armen Tiere verstärkten ihr Blöken in her Hoffnung, von Hunger und Durst und Atemnot befreit zu werden. Ihr Geschick sollte sich erst in Nauheim erfüllen.
Der arme Fuchs und der brave Fuchs. Der eine seiner Reisegefährten saß und schlief, der andere unterhielt sich fünfzig Schritte davon mit den Kälbern. Eine Art Wahlverwandschaft zog offenbar zu den Kälbern hin. Aber der Fuchs war intelligent, sein nun angewandtes Mittel versagte nicht, er kannte seine Leute. Fröhlich fing er wieder an zu fingen: „Jetzt gehn wir ins Cafö" nach der Melodie „Was kommt dort von der Höh." Kaum klang der Sang dem Schlafenden in die Ohren, da reckten diese sich merklich, dann hob er den Kopf und auffpringend hing er sich dem Fuchs ckn den Arm, der von den Kälbern kommende an den andern und nun schwankten laut singend „jetzt gehn wir ins Cafö" alle drei den Bahnsteig entlang. Bald wurde der Fuchs, in der Mitte schreitend, von seinen schwankenden Anhängern zusammengedrückt, dann wurde er itoch schlanker; bald drohte er auseinanderzureißen, wenn seine Anhänger einmal wieder auseinanderstrebten. Aber der Fuchs hielt fest und nun kam das Kleeblatt an die Unterführung. Jetzt kommen sie ins Rollen dachte ich, aber ich hatte mich geirrt, dumpf schallte es wieder aus der Unterführung herauf: „Jetzt gehn wir ins Cafß." — Dies lustige Bild hatte mich wieder ganz munter gemacht. Ich musterte die wenigen Mitreisenden. Aus dem Urlaub in ibre Garnisonsorte Frankfurt, Hanau usw. zurückkehrende Soldaten, die die letzten Augenblicke ihres Urlaubes gründlich ausgenutzt und nun verschlafen und verkatert sind. Marktfrauen aus Gießen, die mit Geld, leeren Säcken und Körben ausgerüstet nack Frankfurt fahren, um dort frisches Gemüse einzukaufen, das noch am selben Morgen in Gießen abgesetzt werden soll. Sie verstauhen die Körbe in den Wfcen, au5 den leeren Kücken bereiten sie sich ein Lager
: W Zuhörer bis zu Tranen rührte. Eine allerliebste, bontehi , ausgestattete Tanznummer boten dann die beiden iuqendli^ Schwestern De uh am mit ihren drei hübschen Darbietungen sen-Erwachen , „Blumen-Gavotte" und „Schmetterlings-Divk'' tinemcm . -etber war die Installation des elektrischen Scbei) Werfers nicht ganz fertig geworden, sonst wäre der Tanz nr farbenprächtiger geworden. Aus dem alten Programm ht der bereits besprochene Ohmsche Dressurakt übernomw worden, der, tote immer, außerordentlich gefiel. Auch die $D tragssoubrette Fräulein Lon v. Arnold, konnte sich nicht üb. mangelnden Beifall beklagen und wußte allerhand niedliche Bn heilen mit Anstand und Grazie loszuwenden, bei denen fluac' weise die Manner besser fuhren, als das weibliche Geschlech Der Humorist Gg. N e u m ü l le r brachte als humoristischer Ba> ernbarfteUcr Leben ins Haus, und der ihm gespendete reto Beifall war namentlich in seinen letzten Darbietungen verdient, während die zuerst gebrachten zunächst einmal Don eine' Z^usor für die hiesigen Verhältnisse zurechtgeschnitten toerbe müßten. Die Burtons zeigten bann einige hervorragende Tun Übungen, die ihre Kraft und Gewandtheit bestens hervortrelc ließen. Unter dem vielsagenden Namen „S i m s o n, der Man mit dem eisernen Schädel" zeigte bann der den Schluß bt Programms bildende Künstler, daß es auch unter den Mensche Dickschädel gibt, indem er sich Granitblöcke auf dem Kon zerschlagen lließ.
Die Erbauung "und den Betrieb elektrische Straßenbahnen durch den Staat bezw. durch Gemeinbe iind Kreise fordert folgender Antrag des Abg. Köhler bi der Zweiten Hess. Kammer: Die Großh. Iiegierung zu er suchen: 1. keinerlei Konzession mehr für Erbauung vo elektrischen Bahnen, außer an Gemeinden oder Kreise zu er teilen; 2. sämtliche erforderlich werdenden elektrischen Lokal bahnen selbst zu erbauen und in Betrieb zu nehmen obe beides einzig und allein den Gemeinden und Kreisen zu über lassen.
** Postbeamten-Verein. Die in den einzelnen Ober PostdirektionZ - Bezirken gegründeten Sekretär-Vereinigungen haben sich zii einem ^Bund geprüfter Sekretäre un, Obersekretäre dec Reichs-Post- und Telegraphen Verwaltung" zusanummgeschlossen. Der Bund bezweckt, bi Vertretiing der Interessen aller mittleren Post- und graphenbeamten wahrzunchmen, die die Sekretärprüfung bc. standen haben. Sitz des Bundes ist Berlin. Vorsitzender ii der Postsekretär Ziburra in Charlottenburg.
** Diebstähle. In der Nacht vom 15. auf 16. Jul wurde im benachbarten Garben heim ein Einbruchs dieb stahl aiisgeführt und ein Fahrrad, eine Taschenuh-. sowie sonstige Kleinigkeiten gestohlen. Täter fommci zwei Arbeiter, anscheinend Ausländer, in Betracht, die fid mit den gestohlenen Sachen nach hier begeben haben sollen Vielleicht tragen diese Zeilen zur Eruierung der Täter bei.— In einer hiesigen Werkstätte wurde einem Arbeiter b: Taschenuhr gestohlen.
** Mit der Erhaltung der Reste de § Pfahl grabens (Limes) beschäftigt sich eine Anfrage, die Abn Köhler unter Bezugnahme auf einen in Nr. 151 des Giefj Anz. erschienenen Artikel an die 2. Hess. Kammer geriete hat. In jenem Artikel war im Anschluß an eine Reichstags rede des Abg. Steindl über den allmählichen Verfall bc Pfahlgrabenreste in Bayern ausgeführt worden, daß ,N dauernde Ueberwachung der Ueberreste de§ LimeS die Liweß kommifsion nicht auSüben farm, denn sie ist keine dauernd Einrichtung, und c§ fehlen ihr die für eine solche Aufgob notwendigen Organe und Dlittel. Die Erhaltung der voi ihr ausgegrabenen Reste ist vielmehr Aufgabe der einzelne! Landesregierungen und Provinzen, der lokalen Behörden obe Vereine." Die Ausführungen deS Abg. Steindl bezogen fid; ivie die Begründung der Köhlerschen Anfrage ausführt, voi läufig nur auf Teile des LimeS im Bayrischen, vielleicht au Reste von Bauwerken, die nicht so bedeutend gewesen sind als die zum Schutze der äußersten nördlichen Grenzstrecke be Römerreiches in der jetzigen Provinz Oberhessen aufgerichtetcu Es sind in dieser Hinsicht besonders bemerkenswert die KapeiS bürg, die Altenburg bei Muschenheim-Hosgüll, das Halte! bei Butzbach, die Ueberreste eines Kastells unter der Stab Grüningen, Grundmauern an der Römergrenze bei Lang? dorf-Bettenhansen, Hungen, Inheiden u. a. m. Da nun ßu den oben angeführten Ausführungen die Anschauung erwächl! daß mit dem Ausgehen der Rcichs-Limeskommission die Bau refte der Limes im Großherzogtmn Hessen allmählichem Lei fall entgegengehen würden, so erscheint cs geboten, daß feiten der Staatsverwaltung alsbald Wiaßregeln zum Schutze bc
12000 Mk. Ueberschuß erbrachte nach der nunmehr vorliegenden Abrechnung das Wohltätig keitsfest für Südwestafrika. Es gingen ein an Eintrittsgeldern 3224.35 Mark, Blumen (Fwau Prätorius und Frau Theobald) 870 Mk., Ansichtskarten und Luxusgegenstände (Frau Kempfs) 1079 Mk., japanische Ausstellung (Frau Schaffstaedt und Frau Rudolph) 630 Mk.> Kaffee (Fwau Klingspor) 1144.80 Mk., Tee und Sammlung des Regiments (Fräu von Lindenau) 797.08 Mk., Sekt (Frau Heuer und Frau Mcohr) 908.63 Mk., Bier (Frau Behaghel) 825 Mark, Gießener Kaiser-Würstel (Frau Hansen) 627.71 Mk., kaltes Buffet (Iwan Meeum) 1084 Mk., Schokolade, Eis (Frau Engifch, Frau Schliephake und Frau Welcker) 1043 Mk., Weine und Bowle fFrau Strack) 820 Mk., allkholfreie Getränke (Frau Löttgen und ö-rau Heuser) 450.80 Mk., hollcnrdische Taperie (Frau Walther und Frau Trautmann) 771.15 Mk., Kvlonial-Ausstellung (Herren Laubenheimer, Sachs und Bickel) 175 Mk., Glücksbude (Frau Heimer) 687 Mk., Jurplatz (Herr Schröder) 1204.33 Mk., Kübarett (Herr Schröder) 432 Mk., Schießbude (Herr Kaufmann) 113.27 Mk., Wechselstube (Mitteldeutsche Kreditbank) '90.97 Mk., Tanzboden 53.71 Mk., und Garderobe 46 Mk. Ter Gesamt ein nähme von 17 0 7 7.80 M k. stehen nur 5077.80 Mk. Ausgaben gegenüber, die in der Hauptsache für das Herrichten des Platzes bezahlt wurden, außerdem für Vergütungen, Musik, Reklamen usw. Verhältnismäßig klein sind die Aufwendungen für die Verkailssstände gewesen, dank des bei dieser Gelegenheit wiederum gezeigten Opfersinns der Gießener Geschäftsleute, die sich in außerordentlich reichlichen Geschenken kundgab. Tic Liste der Spender ist so lang, daß ihre Aufzählung zu weit führen würde. Ihnen sowohl,. wie ialle Damen und Herren, die sich so bereitwillig in den Dienst der Sache gestellt haben, gebührt warmer Dank dafür, djaß die Gießener Südwestafrikaspende so reich ausgefallen ist. Besonderen Dank verdient aber das Offizierkorps unseres Regiments und insbesondere der Regiments'kommandeur Oberst von Lindenau, der Anreger und unermüdliche Leiter des ganzen Unternehmens, der es so vorzüglich verstanden hat, Hand in Hand Mit den Angehörigen der Unioer|iuit, der Bürgerschaft und Ieines Offizierskorps das Fest vorzubereiten und durchzusühren. — Wie wir erfahren, wurden 1000 Mk. den Angehörigen eines in Wieseck beheimateten Südwestafrikakriegers, der an Typhus gestorben ist, überwiesen, wahrend die übrigen 11000 Mk. aus Vorschlag des Kolonialsekredirs Ternburg dem Zentralhilssaus- schuß in Berlin überwiesen wurden.
wurde daö Projekt den gestellten Anforderungen entsprechen. Bei Abrechnung der 2 km, die mit Lich-Grünberg gemeinsam benützt würden und der Kosten des .Geländeerwerbs würden sich die Gefanübaukosten einschließlich der mit 300 000 Mark angesetzten ersten Betriebsmittel auf 2138 000 M. belaufen. Außer der Unterführung der Staatsbahn sind Ueberführnngen von 2 Krcisstraßcn und zahlreicher Feldwege nötig, mag den Bau erheblich verteuert, auch sind beträchtliche Erdbewegungen vorzunehmen, nämlich 250 000 Kubikmeter, was mit 375 000 Mark veranschlagt ist. Die Firma Lenz hat erklärt, daß sie ein Interesse an der Bahn nicht habe. Erforderlich ist vor allem die Aufstellung eines BetriebZvor- anschlageö und einer Rentabilitätsberechnung. Wenn die ^Finanziemng der Strecke gelingt, ist auf den üblichen StaatS- zufchuß mit Sicherheit zu rechnen.
In der sich anschließenden Debatte wurde von den drei Vertretern der Stadt Gießen eine nähere Heranführung der Linie an die Stadt und eine bessere Verbindung mit dem Hauptbahnhof gewünscht, ivas eventl. dilrch eine Linienführung über Wieseck und Einführung in die Wtarburger Strecke erreicht werden könnte. Damit könnte vielleicht auch der Wunsch nach Anlage eines Nordbahnhofs in Gießen erfüllt werden. Auch eine Einmündung im Schiffenbergertal sei zu erwägen. Von anderer Seite wurde geltend gemacht, so wünscheiiswert die Einbeziehung Wiesecks m das Bahnprojekt auch fei, so sei doch zu bedenken, daß hiermit die Lime wesentlich verlängert und verteuert werde.
Schließlich wurde beschlossen, zunächst einen Betriebsboranschlag atlfstellcn zu lasseti, auf dessen Grundlage dann eine ^Rentabilitätsberechnung gemacht werden kann. Auch die Frage einer besseren Einführiing in Gießen soll weiter geprüft werden. ÜHit den zunächst erforderlichen Schrillen
Bahnhof zurück! Vielleicht kann ich im Wartesaal die noch fehlenden 2 Stunden und 48 Minuten angenehmer verbringen.
Im Wartesaal 2. Klasse — in dem von 1904 — sah es um die Mittemachtsstunde bös aus. Die Stühle hingen auf den Tischen und streckten ihre vier Beine in die Luft. Auf den wenigen Bänkm lagen Schlafgäste, die gleich mir die Morgenzüge erwarteten. Ich warf mich auf einen Stuhl in der Nähe des Ausganges zum Bahnsteig. Hier war ich wenigstens vor der - Polizei sicher. In dem Halbdunkelen Wartesaal rückte der Zeiger auf der Uhr womöglich noch langsamer vor. Die Bahngleise da draußen waren hell erleuchtet, aber da, wo es sonst so lebhaft zugeht, zeigte sich um diese Stunde keine Spur von Leben. Trotz , der Hellen Beleuchtung macht das auf den Beschauer einen spuk-
1 hasten Eindruck. — Die Schläfer auf den harten Bänken stöhnen. Bald dreht sich der eine bald der andere im tiefen Schlaf doch ganz ..vorsichtig auf der schmalen Bank auf die andere Seite, wenn er den einen schmerzenden Hüftknochen mürbe genug gelegen hat. Ich dusele auf meinem Stuhl ein, immer näher rückt der Zeiger der Stunde, die mich erlöst. Da tritt schon der Beamte ein, welcher an fixer Ausgangstür die Fahrkarten zu durchlochen^hat. Er rückt sich einen Stuhl zurecht in die Ecke, die der Stand des fliegenden Buchhändlers mit der Wand bildet, setzt sich, lehnt den Kops zurück und — schläft. Das ist die Macht der Gewohnheit.
Durch die nächtliche Stille tönt ein dumpfes Brausen, das sich mehr und mehr verstärkt. Der schlafende Beamte wird wach, auffpringend zupft er seinen Rock zurecht, der sich nach oben verschoben hat. Der Zug fährt ein. Ich bin der Einzige, der hier die Sperre passiert. Ich suche den Bahnsteig 2 auf, der Zug hält.
, Aus einem Abteil 2. Klasse springt ein flotter schlanker Student in voller Couleur, er singt luftig in den Morgen hinein: „Wir sind in Gie—hissen, wirr, wirr sind in Gießen." Wenn er aber geglaubt hatte durch diesen Sang seine älteren Couleurbrüder, die schnarchend auf den Polstern lagen, zu wecken, so irrte er. Als er sich nach ihnen umsah, rührten sie sich noch nicht. Nasch stieg der Fuchs wieder ein, rüttelte die Schläfer und sang ihnen das Lied von dem geliebten Gießen wieder in die Ohren. Aber nur ein Gebrumm, als wenn Bären im Winterschlaf gestört werden, war die Antwort. Zum zweiten Male steigt der Fuchs aus und holte sich einen Schaffner zu Hilfe. Auch das half nichts, ein zweiter Schaffner mußte herbei und mit vereinten Kräften gelang es endlich erst den einen, dann den anderen wie schwere ungefüge Möbelstücke durch den engen Spalt des lls auf den Bahnsteig zu rucken uno zu schieben. Kaum batte der erste festen Fuß gefaßt, kaum hatte er mit unsicherem . Bltck neben der Frühstücksbude eiu umgestülptes B.lerja^ Md


