Ausgabe 
17.7.1907 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

vorhandenen ergriffen werden. Abg. Köhler fragt deshalb (i, ob und welche Maßregeln die Großh. Regierung zum 'chutze des LimeS und seiner Bauwerkseeste innerhalb des .roßher^ogtums ergriffen hat oder ob und welche Maßregeln e zu diesem Zweck anzuordnen entschlossen ist?

Woh ltatigk eitsfest in Wetzlar. Wie aus dem nzeigenteil zu ersehen ist, findet am 21. Juli in unserer .achbarstadt Wetzlar, zum Besten der Säuglingspflege n Jahrmarkt statt. Es gilt einer edlen Bestrebung und i beide Städte sich freundschaftlich begegnen, würde sich der aterländnische-Frauenverein sehr freuen, wenn auch Gießen i der Veranstaltung mit regem Besuch teilnehinen würde. u8 diesem Grunde verweisen wir nochmals auf das reichhaltige ro gram m*

<= Lißberg, 15. Juli. In unserem, dem kleinsten icrhesslschen Städtchen herrschte gestern und heute reges £ esttreiben, fand doch des 11. Bun des fest des Nidder- eementalsängerbundes statt, verbunden mit der ; ahnenweihe des GesangvereinsEintracht" hier. In der ten Feste Lißberg, die aus dec Franzosenzeit durch Erzählung r rd Geschichte bekannt ist, waren außer 20 Vereinen zahl- iche Festgäste zusammengesträmt. Auf dem Festplatz hat : )r der Zerstörung der Stadt im 30- und 7-jährigen Krieg , r größte Teil des Ortes gestanden und im Mittelalter elten hier die Ritter Spiele und Tourniere ab. Die :i egrüßungsansprachehieltBundespräsidentLehrerWiegand t- -> tockheim, der auf das deutsche Lied toastete. Die Weihe . r Fahne vollzog Lehrer Häußer-Llßberg. Fräulein ogel überreichte die Fahne mit einem sinnigen Prolog, n da§ Weihelied schloß sich unter ßeihutg des Bundes- J cigenten K öh ler-Ortenberg der Gesang der Bnndeslieder . ib dann die Gesangsvorträge der einzelnen Vereine.

-d. Offenbach a. M., 16. Juli. Der Spengler Karl örlach stürzte sich gestern Abend nach einem Wortwechsel if seine Geliebte Elisabeth Hoffmann und versuchte Je mit einem Rasirmesser die Kehle zu durchschneiden. '] a5 Mädchen wehrte sich verzweifelt, so daß Görlach sein . orhaben nicht ausführcn konnte. Er brachte der Hoffmann ir tiefe Schnitte am Kinn bei. Bei seiner Verhaftung lade er, er habe seine Geliebte umbringen wollen.

h Fra nfurt a. M., 17. Juli. In der gestrigen adtverordnetenversannnlung gelangte ein Antrag zur De- tte, in den: für das d e u t s ch e Turnfest in Frankfurt 1908 i städtischer Beitrag von 50000 Mk. verlangt wird, ich längerer Debatte, in der die Sozialdemokraten die Ab- , )nung des Beitrages beantragten, wlirde letzterer an den nanzausschuß überwiesen. Die Anleihe von 15 Mill. Mk. c Grunderwerb wurde von der Stadtverordneten-Ver- i nmlung genehmigt. Jin städtischen Krankenhaus er- . mkten am Sonntag und Montag 26 Krankenschwestern.

c hatten Brechdurchfall mit Fiebere r schein ungen. i e meifien der Erkrankten sind bereits wiederhergestellt. Die ; eigen befinden sich auf dem Wege der Besserung, sodaß , n Anlaß zu Besorgnis vorhanden ist. Es wird ange-

i mmen, daß die Schwestern verdorben Wurst gegessen ben und daß darauf Wurstvergiftung eingetreten ist. Von t im Krankenhaus befindlichen Patienten ist keiner unter nlichen Erscheinungen erkrankt.

Arbeiterbewegung.

Berlin, 16. Juli. Der Polier des Neubaues Müllerstraße 23 rrde beim Verlassen des Baues von Sreikenden plötzlich droht. Um sich ihrer zu erwehren, zog er seinen Revolver, es war das Zeichen zum allgemeinen Angriff. Innerhalb weniger -nuten rotteten sich Hunderte von Personen zusammen, die den ubau stürmen wollten. Erst als reitende Schutzleute gegen die ui gen anritten, gelang es die Menge allmählich au zerstreuen, r Polier wurde unter polizeilicher Bedeckung zum Bahnhose ge- et. Auch in der Gerichtsstraße 23 sand gestern nachmittag ein Hamme n ft o ß zwischen Streikenden und Arbeitswilligen statt, »bei aus beiden ©eiten Hiebe ausgeteilt wurden. Vier Personen irden verhastet.

Essen (Ruhr), 16. Juli. Ein süddeutsches Blatt brachte dieser ge eine Meldung, wonach für den kommenden Sonntag Massen- i s a m m l u n g e u der Bergarbeiter im Ruhrr eurer 1 Stellungnahme in der Lohnsrage geplant seien. An maß« cnben Stellen ist weder im alten noch im christlichenBerg- leiterverband etwas hiervon bekannt.

Vermischtes.

Eine Flucht über die Dächer. Berlin, 16. Juli. An die Flucht des Raubmörders Hennig erinnert diejenige eines Gasthofdiebes, der heute morgen über eine Reihe von Dächern hinweg entkommen ist. Es handelt sich um einen von auswärts zugereisten Arbeiter, der sich Brüno Worstmann nannte und heute morgen von einem Gasthofbesitzer in der Mien Königstraße dabei betroffsn wurde, wie er einigen schlafenden Gästen aus ihren Zimmern goldene Uhren und Geldtaschen stahl. Nachdem ihm diese abgenommen, wurde er einem Schutzmann über­geben, der ihn nach der Polizeiwache brachte. Auf der untersten Stufe dec zur Wache führenden Treppe versetzte Worstmann aber dem Schutzmann einen Stoß und flüchtete auf den Boden des Hauses. Als ihm Schutzleute nacheilten, war der Dieb über die flachen Dächer bereits ent­kommen; alle Bemühungen der Beamten, ihn zu ermitteln, blieben bisher erfolglos.

Hochwasser.

Breslau, 16. Juli. Am schlimmsten hat das Un­wetter, so weit es sich bis jetzt übersehen läßt, in der Graf- schiaft Glatz und in zweiter Linie im Riesen geb ir ge gewütet. In der St<adt standen viele Stadtteile unter Wasser, und um den Bahnhof hatte sich ein völliger See ge­bildet. Tie Stadt Mittelwalde war so stark überschwemmt, daß die Leute aus der Kirche eilen mußten, um ihr Eigentum aus den Häusern zu retten. Das Ertttztal war von einem riesigen Bergstrom ausgeMt, der gewaltigen Schaden in Feldern und Wiesen anrichtete. JnWarmbrunnwar besonders die Straße an der russischen Kolonie unter Wasser gesetzt, und der Straßen- bahnverkehr unterbrochen. In Erdmannsdorf sind ganze Userstrecken fortgerissen worden, und dep Schaden an den neuen Uferregulierungsarbeiten ist bedeutend. Tie Buchtalsperre im Riesengebirge hat V/5 Millionen Kubikmeter Wasser abgestaut, die Queistalsperre sogar 5 y2 Millionen Kübikmeter.

In Landshut steht ein großer Test der Stadt unter Wasser. In Ratibor steigt die Oder weiter. In Lubom bei Ratibor ist die Dvrsniederung (55 Besitzungen) unter Wasser gesetzt. Eine aus 50 Offizieren bestehende Abtei­lung der Kriegsakademie, die sich seit einigen Tagen in Löwenberg auf einem Uebungsmarsche befindet, ist derSchle­sischen Ztg." zufolge durch die^Hochflut ab geschnitten ; sie muß bis zum Freiwerden der Straßen nach Goldberg und Bunz- lau, die unter Hochwasser stehen, in Löwenberg ausharren.

Die Oderstrombauverwaltung teilt mit, daß in Ratibor inzwischen der höchste Masserstand mit 6.48 Meter in der Zeit von 36 Uhr vormittags eingetreten ist. UmsS UHr war der! Wasser­stand 6.44 Meter. Auch die Glatzer Neiße erreichte ihren höchsten Stand mit 4.10 Meter. Tie Neißenwelle wird also nur kurze Zeit vor der Oderwelle an der Mündung eintreffen und so zur Verstärkung des Hochw,assers der Oder wesentlich beitragen.

Wie dieSchlesische Zeitung" meldet, schlug Mern in Löwen berg bei den Hochwasserabwehrarbeiten ein Pon­ton mit neun Wasserwehrleuten um. Zwei von ihnen konnten sich retten, fünf flüchteten auf einen Baum, von wo sie, nach­dem die zu ihrer Rettung tätigen Mannschaften 16 Stunden mit der Hochflut gerungen hatten, heute vormittag gerettet wurden. Zwei ertranken. An den Rettungsarbeiten beteiligte sich in hervorragender Weise das hier auf einem Uebungsmarsche befindliche Kommando der Kr ie g s a ka de m ie. Tiebeiden Ertrunkenen sind der Tischler Lemberg und der Ofensetzer S ch i f f n e r.

Königgrätz, 16. Juli. Die Elbe steht 4.1 Meter über normalem Wasserstand. Die ganze Elbeebene ist über­schwemmt und devastiert. Die Kommunikationen sind vielfach eingestellt. Das Hochwasser gestaltete sich für die .Ge­gend geradezu katastrophal.

Brünn, 16. Juli. Das Bad Luhatschowitz ist von Hochwasser bedroht. Die Fluten überschwemmen das ganze Tal und verwüsten den Kurpark und die Kolonaden. In Lu­hatschowitz selbst hat das Hochwasser großen Schaden ange- richtet; es befinden sich zurzeit dortselbst 1500 Kurgäste.

Märkte.

th. Gießen, 16. Juli. Der Austrieb auf dem heutigen Rindviehmarkt betrug etwa 1200 Stück Großvieh, 300 Rinder und 200 Kälber. Der Handel in Milchware war auf dem Vormarkt nicht so lebhaft wie sonst, dagegen wurden aus Ost- und Westpreußen eingeführte, zur Mast geeignete Rinder sehr flott in größeren Transporten verkauft. Auf dem Markte selbst zeigte, was Preise anlangt, der Harrdel in Milchkühen einen gewffsen Stillstand, trotzdem auf den Märkten an anderen Plätzen in vergangener Woche die Tendenz für einen Preisaufschlag vor­handen war. Rinder für Mastzwecke, die allerdings durch den Handel beim Vormarkt schon ausgemustert waren, gingen beim Markt durchschnittlich etwas billiger fort. Nach Gangvieh war starke Nachfrage und dafür wurden auch hohe Preise bezahlt. Der Fettviehhandel war ebenfalls gut, besonders wurden Rinder

Müller'sche Badeanstalt.

Wasserwärme am 17. Juli: 17 0 R.

Kr und Wresdooen start getauft, joüak ine alten Preye

für die Ware sich halten konnten. Der Kälbermarkt war zwar S+SS? k r der Vorrat ging für die großen

Städte und Badeplatze gut ab, in schwerer Ware langte sogar der £trc Bedarf. Gehandelt wurden pro Stück Kühe, stischmelkend und tragend, 1. Qual. 460 bis 625 Mk' (ernzelne s^ere Stucke bis 550 Mk.), 2. Qual. 390 bis 440 Mk., 99rTm??' MO Mk., Mastrinder, schwere Ware, 180 bis

leichtere Tiere 130 bis 170 Mk. Verkauft wurden per

S Dual. 1000 bis 1050 Mk., 2 Qual. 850

o3 ^00 W' Qual. 700 bis 800 Mk. Bezahlt wurde der! 2e AW fetcte Rinder 1. Qual. 80 bis 82 Mk.,!

2. Qual 77 brs 79 Mk., fette Kühe 1. Qual. 76 bis 77 Mk./ 2. Qual. 74 bis 75 Mk. Kälber 1. Qual. 75 bis 80 Mk 2 Qual. 68 bis 73 Mk., 3. Qual. 59 bis 64 Mk. Der Markt hatte nur unbedeutenden Ueberstand und war früh zu Ende, n, m nP-r u11 f t U »1 17-^uli. (Crig.-Sclegr. des

vim. ) V i e hrn a r k t. Zum Verkaufe standen 00 Kalber, 00 Schafe « Hammel, 820 Schweine, 0 Ziegen. Schweine: 1. Qual. 6061 Pf Lebendgewicht 4747.50 Pf., 2. Qual. 00-00 Pf., Lebendgewicht 00.0000 Pfg., 3. Qual. 5355 Pfg. Kalber 1. Qual. 0000 Pf. nnbelnte,Ct,t^"70? $f9<' 2' OuaL °°-00 W, Lebendgewicht

V s-, Schlachtgewicht 00-00 Psg. Schafe 1. Qualität 00-00 Psg 2. Qualität 00-00 Geschält bei Schweinen- 0llf- E°"?s'chllich kein Ueberstand. Während des Marktes trafen noch 102 Schweine ein.

Gießener Wetterdienst.

1O Witterung für Hessen am Donnerstag ben

18. ^Jult: Wechselnde Bewölkung. Vielfach Gewitterregen. Temve. ratur wenig verändert. Westliche Winde.

Grlginal-Drahtmeldungeu.

Dresden, 17. Juli. Die sächsische Regierung wird an ihrem Wahlgesetzentwurf allmählich irre. Sie ver­sichert jetzt auch im amtlichen Journal, sie werde versuchen, in der W a h l r e f o r in mit den Parteien positiv zu arbeiten, sobald diese nicht lediglich den Wahlrechtsentwurs kriti­sieren, sondern eigene Vorschläge machen würden.

Wien, 17. Juli. Dr. Lueger brachte im ReichSrai einen Dringlichkeitsantrag ein betreffend die Wahl eines Ausschusses zur Beratung der Feier des Regierungs-Jubiläums des Kaisers. Bei der Be­gründung des Antrages sagte er u. a.: Falls ich in den Ausschuß gewählt werde, werde ich vorschlagen, daß der Staat 100 Millionen Kronen als Stammkapital für eine Alters- und Invaliditäts-Versicherung bewilligt. (Stürmischer Beifall). Der Antrag Lueger wurde einstimmig an­genommen. Ein Teil der Sozialisten hatte vor der Abstimmung den Saal verlassen. Die noch zurückgebliebenen Sozialisten stimmten für den Antrag.

Rom, 17. Juli. Zum Zeichen der Trauer über die Verhaftung des Exmini st ers Nasi blieben gestern in Trapani alle Läden und Geschäfte geschlossen. In ganz Sizilien herrschen Bestürzung und Erregung. Die Presse in Palermo protestiert heftig gegen die Verhaftung. In Palermo und Catania werden bereits Protestversamm­lungen vorbereitet. An die Familie Nasis wurden zutzlreiche Sympathie-Depeschen gesandt.

Paris, 17. Juli. Maler Theobald Chartran ist gestern gestorben.

Paris, 17. Juli. Die Blatternepidemie in Toulouse greift in besorgniserregender Weise um sich. Seit vorgestern sind 25 Fälle vorgekommen, von denen fünf tödlich verliefen.

Carcassonne, 17. Juli. Der hiesige Bischof wurde wegen Vollziehung einer kirchlichen Trauung, ohne daß die standesamtliche Trauung vorangegangen war, wegen Ueber- tretung des Trennungsgesetzes zu 50 Francs Geld­strafe bedingungsweise verurteilt.

Sofia, 17. Juli. In der Wohnung beS Direktors der armenischen Schule in Philippopel wurde eine Werk- statte zur Herstellung von Bomben entdeckt. Dex, Direktor wurde ausgewiesen.

.............. = ----- ! | ff ,ri,lrnmrrni Rheinisches """ 1 11 . '' ''

ST(7rhn!kväm Rinnnn

Chanffeti n h

w

v

k

In der Stadtverordnetenversammlung am 27. Juni sagte Herr Oberbürgermeister Mecum bei Besprechung unserer öffentlichen Beschwerde gegen den üriebsleiter des Elektrizitätswerkes Herrn Adolf Stolte, die von uns gemachte Angabe, Herr Stolte habe für ca. Mk. 1000. Kabel vollkommen nutzlos die Erde gelegt, sei eine Behauptung, die noch zu begründen sei. Damit nun nicht der Verdacht auftaucht, als sei diese Angabe, wie der Herr Oberbürger- ister und der Herr Stolte meinen, unbegründet, sahen wir uns gezwungen, einen maßstäblichen Plan anzufertigen und haben wir diesen mit erläuterndem xt für alle Interessenten öffentlich zur Schau gebracht. Wir bemerken noch zu dem Plan, daß selbstverständlich nicht gerade erforderlich ist, das Kabel durch p Theater zu legen, sondern es sind die verschiedensten Wege möglich. Bezüglich der Sicherheit der Anlage führen wir noch an, daß der Strom von zwei 4 eschicdenen Stellen zugeführt wird, und ist eine doppelte Sicherheit vorhanden; mehr läßt sich bei keiner Verlegung erreichen. Falls etwa neue Kabelkästen i-gebaut werden sollten, so werden die Kosten zu Ungunsteu der Stadtkasse noch um ein paar Hundert Mark größer, ohne daß eine größere Sicherheit z loten wäre.

Wir laden hiermit noch Herrn Oberbürgermeister Mecum und Herrn Stolte zur Besichtigung aufs höflichste ein, damit, für den Fall, daß auch | rüber eine Autorität und Kapazität auf dem Gebiete der Elektrotechnik entscheiden muß, keine unliebsamen Irrtümer unterlaufen können.

Vielleicht beantwortet dieser Experte auch die Frage: Aus welchem Grunde wird das bereits im Oktober v. I. verlegte Kabel erst jetzt, nachdem der adtgärtncr seine Anlage fertiggcstellt und der Fußsteig schon befestigt ist, angeschlossen und die anderen Arbeiten wieder zerstört? Vielleicht war es zu kalt, r bei der Philosophenwaldleitung, oder war auch hier wie dort unsere öffentliche Aufklärung schuld.

Die Bereinigung Irr MMmchUs in Hießen.

I. d. A.:

Max Weitzbäcker. Fritz Eeearius.