schreiben lassen, der sie fürs Leben fast völlig bindet! Ein unglaublicher Gedanke! '
Nun zu der finanziellen Seite des Antrags. Die Aus- hilduua in einer selchen Anstalt müßte viel teuerer kommen als jetzt, da die Schüler fast sämtlich vom neunten Jahre ab , in Lich in Pension sein müssten. Der fakultative Musikunterricht und die vorgeschlagene Mehrbelastung im Deutschen wurden sicher »ine Ucberbürdung Hervorrufen und ersterer Unterricht, würde aiegen der vielen Stufen schultechnisch große Schwierigkeiten bereiten. Wie wenig durchdacht der Plan des Herrn Köhler ist, mögen folgende Bemerkungen zeigen. Herr K. weiß nicht einmal, daß die Einjährig-Freiwilligen-Berechtigung seit Jahren 1 Jahr früher gegeben wird, als er angibt, d. h. am Ende der Unter- Sekunda. Der Lehrvlan für mtferc Ober-Realschulen enthält schon lange für den deutschen Unterricht die Forderung: Lektüre auch aus der klassischen Literatur und Proben von neueren Dichtern. Rur fällt dies in die Prima. Wie Herr Köhler glauben kann, man könne bis zu dem von ihm bezeichneten Zeitpunkte (Qimbe der Ober-Sekunda) die neuzeitliche deutsche Literatur stark heranziehen, das begreife, wer's kann.
Herr K. rechnet überdies von Sexta bis Ober-Sekunda acht Jahre, es sind aber nur sieben. Welche Oberflächlichkeit!
Herr Köhler meint, mit Abschluß der Ober-Sekunda — eigentlich denkt er tatsächlich an Unter-Sekunda — könnten die jungen Leute an der Universität Pädagogik studieren. Da mußten wohl besondere Kurse mit elementarer Vortragsweise an der Universität eingerichtet werden. Und wie sollen die angehenden Lehrer für die praktische Lehrtätigkeit vorgebildet werden? An diese Frage hat der Herr Reformer gar nicht gedacht. Wahrlich, so oberflächlich hätte ich mir die parlamentarische Arbeit nicht gedacht! ,
Der heutige Lehrerstand will in seiner Mehrheit eine breitere Grundlage für die spätere Fachausbildung, etwa volle Ober- Realschulbildung mit nachher erfolgender, Fachbildung an der Universität, oder Aufbau der Lehrerseminarien auf die Ober- Sekunda einer solchen Schule. In welcher Weise die Fachbildung zu gewähren wäre, und in welcher Zeit, darüber herrschen ebenfalls noch Meinungsverschiedenheiten. Heute ist fast in jedem Städtchen eine leicht erreichbare Höhere Bürgerschule oder Realschule, fast in jeder Stadt eine ansgebaute neunklassige höhere Schule. Daher sind diese namentlich mit Hilfe unserer Bahnen viel leichter zu erreichen als unsere Präparandenschulen und die vorgeschlagcne Lehrerschule in Lich. Ihr Besuch ist somit viel billiger als das, was Herr K. will. Eine Lehrerbildungsreform auf deren Grundlage hat Verfasser dieser Zeilen schon vor 15 Jahren befürwortet und verteidigt. Lehrermangel braucht hiermit nicht notwendig verbunden zu sein. Ausreichende Besoldung wird diesen Ucbelstand beseitigen, bezw. ihn nicht auskommen lassen wie bei anderen Berufen auch. Unsere Lehrer wollen besoldet sein wie andere Beamte, mit denen sie etwa gleiche Bildung haben. Auf diesem Wege sind wir in unserem Hessenlande seit 1874 namentlich in letzter Zeit tüchtig vorwärts geschritten. Nur Kleinmütigkeit kann an der Erreichung des obigen Zieles verzagen. Der Unterschied war früher riesengroß, und die Finanzen des Staates müssen stets berücksichtigt werden. Nur schrittweise ist das gesteckte Ziel zu erreichen. Es muß und wird erreicht werden. Die Lehrerbildungsfrage ist nicht nur eine schultechnische und kulturelle, sondern auch eine finanzielle Frage. Je näher das von den Lehrern erstrebte Ziel herangerückt ist, umso mehr wird auch unsere Schulbehörde einen etwas kräftigeren Schritt in unserem Lehrerbildungswesen wagen können, ohne befürchten zu müssen, daß es an der nötigen Zahl von jüngeren Lehrkräften fehlen werde; denn die Stellung an sich würde die Jugend dann anziehen, nicht aber Einrichtungen, die wegen ihrer angeblichen Billigkeit als Lehrerzüchtungsanstalten angesehen werden müßten.
Ich kenne die Pläne unserer Schulabteilung nicht, weiß aber, daß man dort keine solche Anregungen, wie sie der Antrag des Herrn Köhler ist, braucht. In letzter Zeit hat man Kurse eingerichtet, um Abiturienten neunklassiger Schulen in je einem Jahre theoretisch und praktisch in der Pädagogik vorzubereiten. Diese Einrichtung ist zunächst wohl technischen Forderungen ent
sprungen. Vielleicht sammelt man aber zugleich dabei Erfahrungen für eine künftige Reform des Lehrerbildungswesens.
Solche Dinge gestatten keine Ueberstürzung, sondern genaue Berücksichtigung der verschiedenen oben angedenteten Seiten dieser wichtigen Frage. Gewiß kann, auch die Mitarbeit von Nichtschulmännern bei der Lösung dieser Frage von Nutzen sein, und Behörden und Lehrer werden eine einsichtsvolle Mitarbeit willkommen heißen. Für sochle Kuren, wie sie Herr Köhler unter völliger Verkennung der Verhältnisse vorschlägt, wird man sich aber im Lehrerstand bestens bedanken.
Ein Schulmann.
Vermiete»,
* Brände. In Toulon wurde durch eine Feuersbrunst, welche in einem Lagerhaus durch Selbstentzündung von Baumwolle entstanden ist, das monumentale Treppenhaus des nebenan gelegenen Hauptmagazins des Arsenales zerstört. Der Schaden ist erheblich. — In Madrid zerstörte ein Feuer 14 Häuser und ein großes Holzlager. 20 Personen wurden verwundet, und viele Leute konnten nur mit Mühe das nackte Leben retten. Zahlreiche Familien kampieren obdachlos auf der Straße. — In Hamburg ist die Nachricht eingetrofsen, das; das ganze Lager der Firma Gildemeister in Jquique (Chile) durch Feuersbrunst zerstört wurde. Große Salpetervorräte sind dem Feuer zum Opfer gefallen. — Wie aus Tokio berichtet wird, ist der Dampfer „Dafu-Maru" von der Linie Nissen-Kissen-Kaisha in der Nähe von Chiang- Kiang verbrannt. Es heißt, daß 100 Personen bei dieser Katastrophe umgekommen sein sollen.
* Da s neue ft e Eisenbahnunglück. Am 18. Sept, ist ein Personenzug der Halle-Hettstedter Eisenbahn zwischen Volkstüdt und Helmsdorf aus bisher unbekannter Ursache e n t g l e i st. Die Lokomotive und zwei Wagen stürzten die ein Meter hohe Böschung hinab. Die Entgleisung ist nach den bisherigen Feststellungen anscheinend durch einen Schienenbruch herbeigeführt worden. Hierdurch ist zuerst die Maschine entgleist und die Böschung hinuntergefahren; die nachfolgenden beiden Personenwagen haben sich quer auf das Gleise gestellt und sind durch die darauffolgenden Wagen ineinandergeschoben worden, der 3., 4. und 5. Wagen wurde ebenfalls ineinandergedrückt. Zwei Reisende, sowie ein Angestellter der Halle-Hettstedter Eisenbahn haben geringe Verletzungen, die nach Angabe des Arztes von weiteren Folgen nicht begleitet sind, davongetragen. Etwa 30 Minuten nach dem stattgehabten Unfall sind zwei Aerzte bereits zur Stelle gewesen. Der Materialschaden ist nicht unbedeutend. Vorläufig wird der Verkehr durch Umsteigen aufrechterhalten.
Zum Anwaltstage in Mannheim.
Herr Rechtsanwalt Grünewald schreibt uns:
In Nr. 217 Ihres Blattes ist bezüglich des Anwaltstages in Mannheim berichtet, das; der Unterzeichnete „erregten Widerspruch" gegen die Entlastung des Vorstandes erhoben habe und daß dem Vorstande „mit überwiegender Mehrheit unter lebhaftem Beifall" ein Vertrauensvotum erteilt worden sei. Beide Angaben sind unrichtig. In Wahrheit hat Unterzeichneter lediglich einen Auftrag zahlreicher in einer Vorversammlung vereinigt gewesener Rechts
anwälte aus Berlin, Rhein- und Süddeutschland erfüllt, indem er in ruhiger und sachlicher Form — wie allseitig anerkannt wurde — und unter lebhafter Zustimmung Verwahrung erhob gegen das satzungswidrige Verhalten des Vorstandes in der Frage der Einberufung eines außerordent- lichen Anwaltstages. Der Vorsitzende, der die Redezeit des Unterzeichneten auf 10 Minuten beschränken wollte, ist von der Versammlung ersucht worden, denselben seine Rede beendigen zu lassen. Aber hierauf kommt es im Interesse einer wahrhaftigen Berichterstattung weniger an als auf die Tatsache, daß der Vorsitzende den gestellten Antrag so wenig wie den Antrag Oelenheinz, zu dessen Gunsten Unterzeichneter schließlich zurücktrat, zur Abstimmung stellte, sondern einen Antrag, der zwar die Inkorrektheit des Verhaltens des Vorstandes zum Ausdruck brachte, aber diesem doch das Vertrauen der Versammlung aussprach. Dieser Antrag ist, obwohl der Vorstand ausdrücklich seinen Rücktritt vom Amte für den Fall der Ablehnung erklärt sowie „weitere üble Konsequenzen" in Aussicht gestellt hatte, nicht mit überwiegender Mehrheit sondern wenn überhaupt mit einer solchen, mit ganz geringer angenommen worden. Nach der Gegenprobe zur Abstimmung, die sich als notwendig erwies, war „das Bureau der Ansicht, daß die Mehrheit für den Antrag sei".
TeEefonische Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Bandel und Industrie, Giessen.
Frankfurter Börse, 19. Sept., 1.15 Uhr.
3^°/0 Reichsanleihe . . 93.70 3% do. . . 84.00 3%°/0 Konsols .... 93.80 3% do. .... 84.20 3^°/0 Hessen .... 92 25 3%°/0 Oberhessen . . . 92.00 4 % Oesterr. Goldrente 98.00 4^6 % Oesterr. Silberrente 97.90 4% Ungar. Goldrente . . —.—
4% Italien. Rente . . . —.—
3% Portugiesen Serie I 65.90
3% Portugiesen „ III 67 00
4^°/0 russ.Staatsanl. 1905 92 00 4%°/n japan. Staatsanleihe 90.80 4% Conv. Türken von 1903 93.75 Türkenlose 141.40 4% Griech. Monopol-Anl. . 48.75 4% äussere Argentinier ♦ 85 00 3°/0 Mexikaner . . 62.15 4^% Chinesen .... 95.20
Aktien:
Bochum Guss 208.00 Buderus E. W. ... 114.00
Elektriz. Lahmeyer . . . 119.00 Elektriz. Schlickert . . . 103 00 Eschweiler Bergwerk . . 213.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 197.00 Hamburg - Amerik. Paket! 128.70 Harpener Bergwerk. . . 199.25 Laurahütte 220.50 Nordd. Lloyd . . . . .111.80 Obeischles. Eisen-Industrie 100.90 Berliner Handelsges. . . 154.20 Darmstädter Bank . . . 126.60
Deutsche Bank .... 226.40 Deutsch-Asiat. Bank . . 139 50 Diskonto-Kommandit. . , 170.30 Dresdner Bank . . . 139.25 Kreditaktien .... 201.00
Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn 92.80 Gotthardbahn — Lombard. Eisenbahn . . 3100 Oesterr. Staats bahn . . . 140.75 Prince-Henri-Eisenbahu . 127,00
Tendenz: behauptet.
berliner .Börse, 19. Sept. Anfangskurse.
Canada E. B 164.00
Darmstädter Bank . . . 126.40
Deutsche Bank .... 226.30
Dortmunder-Union C. . . 64.80
Dresdner Bank .... —.—
Tendenz: lustlos.
Harpener Bergwerk. « « —.— Laurahütte .... 220.00 Lombarden E. B. ... 31.00
Nordd. Lloyd 111.90
Türkenlose ..... 140.80
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