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Ptoche beiflelegt und ,,veiinal wöchentlich das {(reisblfltl für den Kreis
1 Aiehen. Feruwrech-An- Ichlußi.d'Redaktion 112
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Annahme een Anzeigen । ijil Die Lagesniiminer hi- vormittags 10 Uhr.
Samstag 16. November 1907
Erstes Blatt
Gießener
General-Anzeiger für ObecheW
157. Jahrgang
Be-ugdpretAr monatlich 75'131., viertel- jährlich Dtk. 2.20. durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 PI. durch die Post Alk. 2.— ottrtel* jährt, auöjchl. Bestell^ Zeilenprei»' lokal 16M«, auöwärti 20 Plenaig.
Verantwvrtlich tür den polttdcben ^etl: E Anderton^ l Feuilleton und .Vermischtes^ V Willko. für .Kladt u. Land* und „ Gerichts-
iiotationrdruS und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerri. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei - Schnlstraß« T. d^'seL
"e ycutige Au^lmcr UMsaßt 20 Seiten.
Ker Kuijerö-juch in Kngiand.
Der Kaiser ließ gestern früh Erkundigungen nach dem 1 Gesinden des Premierininisters Campbell-Banuerman einziehen, dessen Zustand sich gebessert hat. Der Kaiser lag auch heute morgen mit den anderen fürstlichen Gästen der Jagd ob. Sowert die Anordnungen jetzt getrosfen sind, wird । her Kaiserzug am Montag über Basingstoke nach der Eisen- 1 bühnstation jür Highclisse fahren und dort etwa um 1 Uhr eintressen.
Eine aus 16 Mitgliedern bestehende Deputation der Universität Oxford ist Freitag nachmittag unter der Führung beä Kanzlers der Universität, Lord Curzon, in Schloß Windsor eingetrojjen, um dem Kaiser den Grad eines Ehrendoktors : des Zivilrechts zu überbringen. Der Kaiser trug die Uniform eines britischen Feldmarschalls und empfing die Herren, die die akaoemischen Talare angelegt hatten, in der Bildergalerie. Der Kaiser war vom Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, v. Schön, und dem Botschafter Grasen Wolsf- 8)ietternich begleitet. Die Feier dauerte 20 Minuten und verlies höchst eindrucksvoll. Der Kaiser legte die rote Robe eines Doltors des Zivilrechts über die Uniform an. Curzon hielt daraus an den Kaiser eine Ansprache und überreichte ihm alsdann das in lateinischer Sprache gehaltene Diplom; dieses trägt den Siegel der Universität Oxsord in Gold.
In seiner Ansprache an den Kaiser bei Ueber- reichung des Doktordiploms sagte Lord Curzon, 'die Doktorwürde sei noch niemals zu einer Zeit verliehen morden, in der die Empfindung der Universität in größerer Harmonie mit den Wünschen und Gefühlen des ganzen Lölkes standen als jetzt. Der Kanzler hob darauf besonders des Kaisers lebhaftes Interesse an der Auswahl der deutschen Hechtsstudenten hervor, die eine willkommene und wertvolle Stärkung des akademischen Lebens in Oxford darstellen. Er drückte die Hoffnung aus, daß der Kaiser in der Lage sein werde, die Universität Oxford zu besuchen. Er schloß seine Rede, indem er ausführte: Bei Verleihung des Doktortitels sei die Universität nicht bloß von der Achtung vor dem Souverän des großen befreuiüieten Volkes und jor dem Mitgliede des englischen Königshauses getragen, ie suche vielmehr auch eine Verbindung herzustellen zwischen der Universität und dem begeisterten Verehrer der Wissenschaften und dem Beschützer der Künste, der durch "eine hohen Ideale und Lurch das persönliche Beispiel feiner Negierung einen höheren Maßstab für Pflicht und Patriotismus unter seinem eigenen Volk und unter den Völkern Europas geschaffen habe.
Der Kaiser erwiderte aus die Ansprache CurzonZ: Ls wird mir schwer, den passenden Ausdruck für das Gefühl der Genugtuung zu finden, mit dem ich den Grad eines Doktors of Civrl Law der Universität Oxford von Ihnen, meine Herren, empfangen habe. Jkh, habe sehr bedauert, daß der Mangel an Zeit es mir nicht erlaubt, Oxford persönlich zu besuchen. Es würde mir eine aufrichtige Befriedigung gewährt haben, diese ehrwürdige historische Stätte englischer Gelehrsamkeit wieder §tui besuchen. Ich erinnere mich noch gut, sie gesehen und bewundert zu haben, als ich meine Eltern bei einer früheren Gelegenheit begleitete, wie ich mich erinnere, daß mein geliebter Vater, mein verehrter Großvater und zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Anzahl berühmter Landleuie von mir die gleiche Ehrung empfangen haben. Dies trägt zu meiner aufrichtigen Wert
schätzung der heutigen Feierlichkeit bei. Zu alten Zeiten, insbesondere aber in unserem Zeitalter, muß man die Kultur und den Bildungsstand, der von einem Lande erreicht worden ist, als einen der Hauptfaktoren ansehen, auf" dem die moralische und materielle Entwicklung eines Volles beruht. Die Universität Oxford kann stolz daraus fein, daß sie diese erhabene Aufgabe Jahrhunderte lang verfolgt und j'ie für England in wirksamster Weise erfüllt hat. Es ist Hur, daß der Einfluß einer Institution, wie es die Universität Oxsord ist, weit über die Grenzen des Mutterlandes reichen muß. Diese Gründe sind es, die mir ein so großes Gefühl der Genugtuung darüber gewähren, daß mir dieser Grad von Ihrer Universität verliehen worden ist. Aber noch ein zweites Band verknüpft mich mit der Universität Oxsord. Die Schenkung Ihres großen Landsmannes Cecil Rhodes, setzt Schüler nicht nur ans den britischen Kolonien, sondern auch ans Deutschland und den Vereinigten Staaten in den Stand, aus der Oxforder Erziehung Nutzen zu ziel-en. Es ist mir ein besonderes Vergnügen gewesen, in Uebereinstimmmlg mit dem Willen Cecil Rhodes Schnler deutscher Nationalität auszuwühlen, die durch seine Großmut rmstande sind, den großen Nutzen der Ox,oroer Erziehung zu genießen. Die jungen Dentjchen gegebeneGelegen- heit, während der Studienzeit mit jungen Engländern zn verkehren, ist das erfreuliche Ergebnis des weiten Ge- sichtstreises Cecil Rhodes. Unter der Obhut der Alma mater von Oxford wird den jungen Leuten Gelegenheit gegeben, CharaAer und Eigenschaften ihrer respektiven Na- lwnalitÜten zu studieren und dazu beizutragen, eine Atmosphäre gegenseitiger Achtung und Freundschaft zwischen un- jeren deioen Ländern zu schassen. Ich bitte nochmals, Ihnen, meine Herren, für die mir heute zuteil gewordene Auszeichnung meinen Dank aussprechen zu dürien." Bei Schlüsse der Feierlichkeit lud Lord Curzon den Kaiser von neuem ein, bei seinem nächsten Besuche Englands auch nach Oxford zu kommen.
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London, 15. Nov. Die wes le panische Metho- distenkirche Großbritanniens übersandte dem deutschen Kaiser eine Adresse, in der sie auf den Einfluß hinweist, den die Schriften Luthers auf John Wesley, den Begründer des Methodismus, ausgeübt haben, und der außerordentlichen Verdienste gedenkt, die sich der Kaiser um die W a h r u n g des We l t f r i e d e n s erworben hat; sie werde stets zu Gott flehen, daß zwischen Deutschland und Großbritannien das herzlichste Einvernehmen herrschen möge.
Der „Derl. Lokalanz." meldet aus London: „Evening News" erfahren aus Windsor, König Eduard und Königin Alexandra werden im nächsten Jahre zu einem Staatsbesuche nach Deutschland kommen.
Paris, 15. Nov. „Echo de Paris" läßt sich aus London melden, daß zwar Kaiser Wilhelm und König Eduard schwerlich politische Ansichten ausyetauscht haben, dagegen Sir Edward Grey und Staatssekretär Schoen wohl die Weltfragen erörtert haben dürften. Sehr wahrscheinlich haben sie von den deutsch-französischen Beziehungen gesprochen und Grey habe zweifellos seinem deutschen Amtskollegen erklärt, wie ^ehr England wünsche, daß man in Deutschland der seit zwei Jahren befolgten Politik der Nörgeleien gegen Frankreich ein Ende mache. Frankreichs Vorteil aus der deutschen Kaiserreise werde eine Besserung der Form der deutsch-französischen Beziehungen sein.
Aus MiiO Lcsitd.
Gießen, 16. Nov 1907.
* * De § Großherzogs Glückwunsch und Dank. Dem Gesangverein „Liederkranz" ist aus dem Großh. 5)ofmarschallamt folgendes Schreiben zugegangen:
Im Allerhöchsten Auftrag meiner uiyui Hoyeit des Großherzogs beehre ich mich Ihnen ergebenst rnitzu- teilen, daß Seine Königliche Hoheit dem Gesangverein Lie- derkranz zu dem am 3. d. M. stattgesundenen Stiftungsfest Seine besten Glückwünsche aussprechen läßt und Euer Wohlgeboren beauftragen, diese den Mitgliedern des Vereins zu übermitteln. Die Großherzoglichen Herrschaften waren am Nachmittag des 3. Nov. von Wolfsgarten abwesend; das Ergebenheitstelegramm, für welches Seine Königliche Hoheit danken läßt, ist, wie sich jetzt heraus- gcstcllt hat, versehentlich nicht zur Erledigung weiter gegeben worden. Freiherr von Ungern-Sternberg."
* * Zum Direktor ocr Provinzialsiechenanstalt wurde vom Provinzialausschuß, wie wir vernehmen, der vierte Arzt der Landesirrenanstalt „Philipps- Hospital" bei Goddelau, Oberarzt Dr. Hans Dietz gewählt. Nachdem Dr. Dietz die deshalb nachgesuchte Entlassung ans dem Staatsdienst zum 1. Dezember d. I. erhalten hat, wird er sein neues Amt an diesem Tage übernehmen.
* * Die Reform der Städteordnung. Nachdem der Sonderausschuß für die Revision der VerwaUungsgesetze die Vorlagen, betr. die Städteordnung und die Landgemeindeordnung soweit fertiggestellt hat, daß die Aus- schußbeschlüsfe der Regierung zur Kenntnisnahme und Iiück- üußerung unterbreitet werden konnten, hat gestern nachmittag in Darmstadt eine Versammlung von Vertretern der Städte stattgefanden, in welcher nach einem Referat des Abg. Dr. Glüssing eine allgemeine Aussprache über den Städteordnungs-Entwurf stattfand, sodaß der Referent Gelegenheit harte, die Wünsche der direkt interessierten Vertreter näher kennen zu lernen. Eine ähnliche Jnteressenten-Versammlung findet am Samstag nachmittag im Landtagsgebäude statt. > 2lbg. Köhler hat die Vorstandsmitglieder dcs Burgermeistereivereins, sowie Vertreter des Rechncrverbandes, des Polizeiwärterverbandes und des Kreisstraßenwärterverbandes zu einer Beratung über das Gesetz, die F ü r s o r g e k a s s e für die Beamten der Landgemeinden und weiteren Kommunal-Ver- bände eingeladen, an der auch der für die Vorlage bestimmte Ausschußreserent, Abg. Dr. Osann, sowie die Abgg. Leun, Uebel, Hirschcl und Seelingcr teilnehmen werden.
** Gießener Lehrer-Verein und Stadtratswahlen. Der Gießener Lehrerverein hielt gestern im „Einhorn" eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab, um auch seinerseits Stellung zu den Stadtratswahlen, bezw. zu einzelnen Vorkommnissen der letzten Wochen zu nehmen. Der Vorsitzende, Lehrer Valentin Müller, führte u. a. aus, man habe offenbar versucht, die Gießener „Lehrerschaft" in eine Bewegung hineinzuziehen, die eines gewissen politischen Hintergrundes nicht zu entbehren schciite. Dagegen müsse der Gießener Lehrerverein, der die Gefamtlehrerschaft aller hiesigen Schulen umfasse, ganz entschieden Verwahrung einlegen. Der Verein fei als Glied des „Hessischen Landeslehrervereins" eine paritätische und unpolitische Vereinigung und werde sich diesen Charakter auch in der Wahlbewegung und in
Auf der Kuyit »ach Feuisch-SüS-Zöefi-A«rlka
Von Stadtbaumeister Braubach.
An Bord des „F e l d m a r s ch a l l", 10. Okt. 1907.
Der Schaffner lies längs des Zuges und dringend ertönte sein „Bitte einsteigen". Noch ein Händedruck und kurzer Abschied von den Freunden auf dem Bahnsteig; dann hieß es in aller Eile Platz nehmen, denn schon setzte der Zug sich in Bewegung. Bald entschwanden die wehenden Tücher der Freunde meinen Blicken und mit vermehrter Geschwindigkeit strebte der Zug nach dem Verlassen der Gießener Bahnhofshalle der alten Mainstadt zu. Von unfern Reisegefährten mich trennend, begab ich mich nochmals zu kurzem Aufenthalt zu meiner Familie. Bald war die letzte drift verflogen und es hieß Abschied nehmen von Frau und Kindern, von der betagten Mutter, den Verwandten und Bekannten. Grau und trübe brach der Morgen des Tages an, doch bald hellte sich das Wetter auf und die Fahrt längs des Rheins war recht schon. Im Fluge ging es an den vielen weinfrohen Orten vorbei. Von den Bergen grüßten die Burgen und viele Sonntagsausflügler winkten dem vorbeieilenden Zuge einen Gruß zu. Leider hielt das gute Wetter nicht Stand; schon an der holländischen Grenze setzte starker Regen ein.
In Rotterdam tarn ich am Abend an. In der Stadt blieb ich des strömenden Regens wegen nid)t lange. Die Straßen waren schmutzig, auch an vielen Stellen ans- aebrochen, ähnlich wie in Gießen. . . ■ Auffallend waren oie starken Arbeitertrupps, die die Straßen durchzogen, jedenfalls waren es streikende Hafenarbeiter. Nach Einnahme unseres Nachtmahrs begaben wir uns an Bord des im Rheinhasen liegenden „Feldmarschall". Der „Few- marschall" ist eins der besten Schisse der deutschen ^stafrtta- Linie, prachtvoll eingerichtet und mit allen Bequemlichkeiten ans gestattet. Es war ein eigentümliches Gesuhl, mu dem ich nach so vielen Jahren wieder das Deck eines deutschen Ueberseedampfers betrat. , , y
Fast zwanzig Jahre sind es her, seit ich mich in Bremerhaven anmustern ließ, um mit einem Schftse des 9iord- deutjchen Lloyd meine erste Steife in die werte Welt arrzu- tceten. Damals nahm ich leichten Abfchied vow Elternhaus, toar ich doch ein junger Mensch, der in dre Werte strebte, um Welt und Dterrjchen kennen zu lernen. Jetzt ist mir das
Herz recht schwer geworden, gilt es doch eine längere Trennung von Frau und Kindern, von der liebgewordenen Stadt Gießen und der gewohnten Beschäftigung. An Bord wurde mir meine Kabine angewiesen, die ich mit einem Reisegefährten teile. Vlad) kurzem Aufenthalt an Deck begab ich mich zur Koje und schlief die erste Nacht leidlich gut
Am folgenden Morgen wurden noch Güter eingenommen und im Raum verstaut. Eigentümlich berührte es, daß die meisten Arbeiten im Hasen unter militärischem Schutze stattfinden, daß kleine Dampfboote mit Militärabteilnngen den Hafen durchkreuzen und Reiterpatrouillen das weite Hasengebiet durchziehen. Der Streik scheint demnach auch kräftig nach Rotterdam übergegriffen zu haben.
Kurz nach 12 Uhr verließen wir am 7/ d. Mts. Rotterdam und gingen nach Bon log ne in See. Prachtvoll war die Fahrt maaßabwärts. In der Einfahrt lag ein gesunkener Dampfer. Nach etwa zweistündiger Fahri kamen wir an Hoock von Holland vorbei und nahmen Kurs aus Bou- logne, wo wir am andern Morgen in aller Frühe an» tarnen. Wir wurden mit einem kleinen Dampfer an Land gesetzt. Boulogne ist eine recht sehenswerte, zum Teile scheinbar sehr alte Stadt. Ganz besonders bemerkenswert ift die wunderschöne Kathedrale „Siotrc dame". Nur kurz war unser Aufenthalt und um 3 Uhr nachmittags gingen wir mit dem Feldmarschall wieder in See, diesmal um eine längere Fahrt anzutreten, da der nächste Halteplatz erst Las Palmas auf den kanarischen Inseln ist. War bis jetzt das Wetter gut und die See ruhig, so daß man kaum ein Schwanken des Schiffes verspürte, so änderte jich dies, als wir in den Kanal einsuhren. Trübe und trüber wurde es, die See ging hohl und die Wellen bekommen weiße Kämme. Waren saft alle bis jetzt von der Seekrankheit verschont geE)liehen, so änderte sich jetzt das Bild. Bei Tijch sah man viele leere Stühle derer, die keinen Appetit mehr zum Speisen hatten. Apropos, da ich gerade vom Essen rede, möchte ich nicht versäumen, auch die Schisfs- oronung in dieser Beziehung zu jchiidern. Morgens 7i/s Uhr weckt ein langbezogenes Hornftgnal die etwa noch Schlafenden. Man nimmt nimmt fern Morgenbad und ist um 8 Uhr beim zweiten Signal fertig zum ersten Frühstück; um 1 Uhr ist zweites Frühstück; um 4 Uhr Kaffee und abends 7 Uhr Diner. Wem bieje Mahlzeiten noch nicht genügen, der kann morgens von 6—8 Uhr und abends um 9 Uhr noch Tee
oder Kaffee mit Gebäck bekommen. An der Mitteltafel präsidiert meistens der Kapitän, an den ersten Seitentischen der Schiffsarzt und 1. Offizier. Ich habe meinen Platz neben dem Schifssarzt, der einige Semester iu Gießen studierte. In der letzten Nacht hatten wir ziemlich schweres Wetter, das Schiff schlingerte gewaltig, bald hörte man aus einer Damenkabine Hilferufe, durch ein offenstehendes Luck war Wasser eingedrungen und netzte Kabine, Koje und die darin Schlafende gehörig. In unserer Kabine hatten wir gerade noch Zeit, das Fenster zu schließen. Am Morgen )ah es bunt aus. Alles, was nicht feftgelegen hatte, trieb sich in malerischer Unordnung aus dem Boden der Kabine hemm. Doch was focht das mich an, war ich doch voilfiändig frei von Seekraniyeit geblieben. Bereits haben wir Kap Fi- nifterre passiert und weiter gehts nach LaS Palmas, wo wir unsere Post an Land gaben und den Lieben zu Hanse sowie allen Bekannten einen herzlichen Gruß in die Heimat jenben können.
— Von Land und Leuten im Odenwald. Unter diesem Titel erschien soeben in Arnold Bergftraeßers Hofbuch- ijauDlung (W. Kleinschmidt) in Darmstadt eine Sammlung von Bildern nach photographischen Aufnahmen des Sanitälsrats Dr. M a u t e r in Darmstadt. Der Herausgeber, der offenbar den Odenwald nach allen Richtungen durchstreift hat und feine Bewohner sowie deren werktägige Beschäftigung mit Interesse und Liebe gründlich beobachtet zu haben scheint, macht hier seine mit künstlerischem Blick erfolgten Aufnahmen weiteren Kreisen zugänglich und stellt sich durch deren Veröffentlichung in den Dienst der Kulturgeschichte des Odenwaldes. So hat er u. a. die verschwindenden Gewerbe wie z. B. viagelschmiede und Flachszu- bereitung im Bilde festgehalten, aber auch die im Odenwalde aufblühenden Berufe wie das bei uns in Oberhessen von Alters her mit gutem Geschmack geübte Handlverk des Töpfers. Dazwischen sehen wir manche stimmungsvolle Landschaft und manchen prachtvollen charatteristifchen Banernkopf. Die Bestrebungen Dr. Maurers verdienen lebhafte Unterstützung; vonseiten der Starkenburger Kreisämter ist ihm diese durch die Bitte, ihn alle gewerblichen Betriebe einsehen zu lassen, bereits zuteil geworden. Die vorliegende Sammlung enthält 25 vorzüglich wieder- gegebene Bilder im Format 13 :18 auf Karton aufgezogem Die Blätter befinden sich in einer hübschen Mappe. Ein erläuterndes Vorwort liegt bei. Wir empfehlen das schöne und sehr preiswerte Werk angelegentlichst.


