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14.3.1907 Erstes Blatt
 
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-0000 M., Kanalisation verschiedener Gebäude zu Gießen 24 000 M., Gendarmerie 21 700 Mark. Bel der Be- sprechung der ... ,

Landeöuniversitat Gecken

macht Abg. Bähr eingehende öliueihmgen über die Klinik- gebäud'e in (Sieben,' deren SRdunilicl)feiten vrelsach unzureiche »ld seien. ,. , , t

Abg. Dr. G »ltileisch bestätigt dies; von selten der Pro- kessoren iverde bedauert, daß sie aus Mangel an Raum die von ihnen begonnenen Heilungen nicht durchführen können. Auch die Stadt Gießen habe die Psl lch t, etwas zu tun. Habe sie die Ehre, die Universität zu hefigen, so müsse sie auch die sinanziellen Konsequenzen ziehen Set Neubaulen möge man sich vor Verbauung hüten, vor Bejchränkung der Bauten durch Nachbargrundstücke. . .,

Abg. Aiollhan weilt daraus hm, daß in diesem Jahre 300 000 Mark für die Landes-Universität int Etat ständen. Die städlijche Verwaltung in (Sieben, der Kreis und die Provinz sollten iu den Kosten der Neubauten beitragen.

Abg. Bähr bemerkt, er spreche u. a. auch deshalb für die Universität, weil er hoffe, daß dadurch die so stark verbreiteten Geschlechtskrankheiten abnehmen möchten. Auf einen Zuruf erwidert der Redner, gerade in der Nähe von Darmstadt feien diese ver­breitet und zwar größtenteils durch die hier wohnenden Aus­länder. t.

Minister des Innern Braun versichert, daß die Verhand­lung mit Stadt Gießen, Kreis und Provinz ihren Fortgang nehmen und daß der Bau einer Ohrenklinrk und einer solchen für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Aussicht genommen fei.

Es werden bewilligt für

Laudes-Univcrfität Gießen,

Hauptgebäude 3« 380 Mk., medizinische Klinik 5800 Mr., Erweiterung der Frauenklinik 64500, Neubau einer chir ur° gischen und o p h t h a l m o l o g i s ch e n Klinik 4 40 6 00 M k, landw. I n st i t u t 5650 M k., zum Neubau der Univrrs Bibliothek 9650 Mk., Errichtung ein.s Vermehrungsyaches u.. Botanischen Garten zu Tiarmsl^dt 2620 Mt., Gymnaii^m zu Ossenbuch (letzte Rate) 86 700 Mk., Gymnasium zu Büdingen 2800 Mk. ,

Zum Neubau eines Lehrerseminargebäudes zu Bensheim, dessen Kosten sich aus 654 000 Mk. belaufen werden (die Stadt gibt außerdem das Baugrulldstüct und 55 000 Mk.) beantragt b<.r Ausschuß als erste Baurate 100 000 Mk. zu bewilligen. Dies wird angenommen, ebenso der Antrag Frenay-Auler: iuiir beantragen. 5)ohe zweite Kammer wolle beschließen: Großh. Negierung i)t ermächtigt, der Stadt Bensheim bmt dem sie für das neue Lehrer­seminar zur Verfügung gesteltttn bezw. bezahlten Baugelände diejenigen Geländestreifen kostenlos zu überlasten, welche in die den Seminarbaupratz begrenzenden projektierten Straßen fallen."

Bewilligt werden ferner: für Lehrerseminar zu Alzey 22 000 Mk./ Taub stummen-An st alten zu Friedberg und Bensheim 12 400 Mk., und 13000 Mk., fünfte und letzte Rate des Neubaues des Landesmuseums zu Türmstadt 137 320 Alk., Umbau in der Zentralstelle für die Landesstatistik 1700 Lik., Landesirrenanstalt Phüivpshospital 218/5 Mk., Irrenanstalt zu Gießen, letzte Baurate 780 000 Mk., Irrenanstalt zu Alzey, 'letzte Baurate 304 000 Ml., Landesbaugewcrkschule, erste Saurate 190000 Mk., Gutenberg.'Mnseum in Blainz, letzte Nate 2500 Mk., Landesirrenanstialt Philippshospital 8000 Mk., Bodenmeli- orations- und Wasserversorgungswesen 105000 Mk.

Zur Beratung kommt: Ministerium der Justiz. Es werden bewilligt: für Zentralbauwesen, Beträge für Gerichtsgebäude zu Langen, Fürth i. O., Büdingen, Lau buch, Nidda, Worms und Mainz (für letzteres 1075 000 Mk.).

Für denAnschluß der staatlichen Gebäude an die K a n a l i - sation der Stadt Gießen werden 11.800 Mark be­willigt. (Bezüglich der Frage, ob und wie eine Ausdehnung der Geschäftsräume des Amtsgerichts zu Gießen, die sich als notwendig erroiefen hat, ermöglicht werden solle, erklärte s. Z. die Regierung im Anschluß, daß die Verhandlungen hierüber nicht ganz einfach liegen und zur Zeit noch im Musse be- sindlich sind.) ,

Abg. Bähr plädiert für einen Neubau des Amtsgertchjts- gebäudes zu Büdingen.

Staatsminister Ewald erwidert, es sei schon eine Besserung geschaffen worden, indem die Dienstwohnung des dienstaussickst- führenden Richters in ein neu errichtetes Dienstwvhngebäude ver­legt ünd die verlas,enen Wohnväume für Burelauzwecke hergestellt wurden.

Ferner wird beiöiUigt: für Zellenftrafanstalt m Butz - Bach 76000 ML, Landeszuchthaus Mainsäüoß 66 160 Mk., Ge­fängnis zu Mainz 18 000 Mk.

Abg. Best spricht über das Amtsgerichtsgebände zu Ost­hofen, das dem Denkmalsschutz unterstellt werden sollte.

Betreffs Anlegung neuer Grundbücher vvrgebvachte Beschwerden der Abgg. Bähr und Dr. 5)eidenreich werden

vom

Staatsminister Ewald unter Darlegung der Grundbuchs- Verhältnisse widerlegt; u. a. bemerkt er, die Anlegung der Grund­bücher dürfe nicht ausgehalten, sondern müsse allmählich burdjge» führt werden; von den 1134 Gemarkungen des Großherzogtums seien erst über 600 mit dem neuen Grundbuche versehen.

Ter Ausschußantrag mit Ausgaben von 327 412 Mk. wird angenommen.

Bewilligt wird ferner: Ministerium der Finanzen: ver­schiedene Forderungen für Zentralbamvesen, u. ä. zum- Weinbau eines Dienst- und Wohngebäudes für das Steuerürmmissariat l und die Bezirkskasse 1 zu Darmihadt 55 000 Mk., Oieubau eines Dienst- und Wohngebäudes für den SteueiLommissar und den Bezirks kassieren zu Fürth i. O. 42 000 Mk. nsw. In 11. Haupte adteilung: Ausleihungen und Staatsschuld werden in Einnahmen 14 979 627, in 'Ausgaben 1314 778 Mk., für indisponible und reservierte Fonds 7 211420 Mk. bewilligt.

Für das l a n d w i r t s cha stliche Instituten Gießen werden 5650 Mk. bewilligt; ferner wird ein Antrag Bähr und Genossen angenommen, die Mittel für die Wetterdienststelle zu Gießen auch weit er hin zu bewilligen.

Um 1/46 Uhr wird die Sitzung auf Donnerstag vormittag vertagt.

Von anderer Seite schreibt man uns aus Darmstadt, 13. März:

Die Generaldebatte zmn I u st i z e t a t nahm einen halben Tag in Anspruch und wenn am Abend des gestrigen Dienstags nicht schließlich der Abg. Bähr die Beschlußfähigkeit des Laufes angezweifelt hätte, dann wäre man mit diesem Etat tatsächlich an einem Tage zu Ende gekommen. Die Debatte leitete der Abgeordnete für Gießen, Dr. Gut fleisch ein, mit einer durch Sachlichkeit und Ruhe gleicherweise eindrucksvollen Erörterung über die geplante Komvetenzerweiterung der Amts­gerichte. Dabei bekannte sich der freisinnige Führer als An­hänger einer Beseitigung des Anwa ltszwangs. Wäh­rend Dr. Gutfleisch die Frage der Kvmpctenzerweiterung der Amtsgerichte immerhin für diskutierbar erachtete, lehnte sie der Abg. Dr. Schmitt in schärfster Form ab. Der Zentrums­führer erblickt in einer solchen Reform keinerlei Vorteil für das rechtsuchende Publikum, sondern nur eine aus fiskalischen Gesichtspunkten geplante Maßregel. In letzter Hinsicht pflichtete ihm auch der Jurist der Sozialdemokratie, Abg. Fulda, bei, der sich hierfür auf einen Artikel derMünchener N. Nachr." berufen konnte. Auch der Nationalliberale Dr. Glässing hielt die Frage ntcht für spruchreif. Spät am Nachmittag ließ sich Minister Ewald zu dieser SachL vernehmen. Er erllärte, daß Hessen geglaubt habe, sich beu Vorschlägen Preußens gegen­über nicht ablehnend verhalten zu sollen und seine Mllarbeit an der Reform zugesagt habe. Der Minister bestritt, daß fis­kalische Erwägungen zu dein Plane bei Preußen geführt hätten Und brachte eine Reihe von Gründen vor, die die Kompetenz- erweiternng als gerechtfertigt erscheinen lassen sollten. Der Abg Dr. Schmidt war aber mit der Antwort nicht zufrieden; er gab das nicht nur mit Worten, sondern auch m Geoärde uno Ton pecht zu erkeiuren, Aus die mehrseitige Krage über die über­

aus starke Verwendung von Assessoren erwiderte der Justizminister ausweichend. Der Bauernbund nahm Ver­anlassung, seiner 21 b neigung gegen die Notariat e Aus­druck zu geben. Derr Senßfelder wetterte gegendiesen Zwischenhandel" (er meinte damit die Notariate) so geschickt, daß ihm Abg. Dr. Schmitt launisch in einem von ihm selbst ge­brauchten Bilde unter stürmischer Heiterkeit erwiderte, Herrn Senßfelder scheine es nicht so sehr auf den Rahm anzukommen, sondern auf den, der den Rahm abschöpft.

In der Nachmittagssitzung gab es einen Vorstoß des Bauernbundes gegen unsere Sozialpolitik. Das jüngste Mitglied, Herr Breidenbach, beantragt den Strich ber für 5 Gewerbeaufsichtsgehülfen aus dem Ar­beite rstande geforderten 13 600 Mk. Herr Adel un g be­anspruchte dagegen, daß ein Antrag von solcher Tragweite auch entsprechend gründlich motiviert werden sollte. Und, der Zen­trumsabgeordnete Dr. Frenay rief:Ja, wenn Sie die Be­richte der Gewerbeinspektion lesen wollten, dann würden Sie schon von der Notwendigkeit überzeugt werden, zur Durchführung der ozialpolitischen Gesetze auch die erforderlichen Personen zu be- tellen." Minister Braun gab einen ausführlichen und ziffern­mäßigen Nachweis über die ganz erhebliche Steigerung der Arbeits­last der Gewerbeinspektion und der dadurch unaufschiebbaren Vermehrung des Aufsichtspersonals. Auch der nationalliberale Fabrikbesitzer Reinhart erklärte, daß es in der Sozialpolitik nur ein Vorwärts geben könne. In der Abstimmung ge­eilte sich zum Bauernbund nur der Nationalliberale Finger- Pfeddersheim, dann konnte die Beratung des Justizetats fortgesetzt werden. Hierbei wies Abg. Reh (freu'.) darauf hin, daß in dem bekannten Urteil gegen den Abg. Köhler- Langs­dorf, obwohl der Strafvollzug längst fällig war, seitens der Justizbehörde eingegriffen wurde, da eine Begnadigung in Aussicht stände.Ich bin ja auch für eine Milderung des Straf­vollzugs, aber", so betonte der Redner,bann muß sie auch allen Verurteilten zugute Eompen." Je weiter die Abend­stunde vorrückte, um so unruhiger wurde es im Hause und ein Kapitel nach dem andern erledigt. Bald lichteten sich da und dort die Bänke; schließlich waren nur noch ein Dutzend Mitglieder im Sitzungssaale anwesend. Der Präsident wollte den Justiz- etat zu Ende bringen da verfiel die Sitzung ihrem Schicksal. Der Abg. Bähr, der sich schon oft in ähnlichen Fällen erhoben, bezweifelte die Beschlußfähigkeit des Hauses. Auf der Jour­nalistentribüne atmete man auf unten int Saale der Wenigen und Ausgezählten war man dagegen etwas verschnupft.

Heule kam der Justizetat nicht nur, sondern auch der des Finanzministeriums, sowie das ganze Extraordinarium zur Erledigung. Von einer Generaldebatte blieb der Finanz­minister verschont. Lag das wohl an der Materie? Dafür wurde zu einzelnen Kapiteln nm so hartnäckiger gestritten. Für die Auf­hebung der Brückengelder wird die Regierung zu haben sein, wenn sich die beteiligten Kommunen zu Aversionalen ver­stehen. Ein diesbezüglicher Initiativantrag wird noch Veran­lassung geben, zu einem späteren Zeitpunkt dasWie" dieser Frage eingehender zu erörtern.

Daß die Regierung den Anschluß Hessens an die von Preußen zu errichtende Wetterdienst-Zentrale in Frankfurt z n g e s a g t hat, erregte starken Widerspruch bei den ländlichen Vertretern Ober Hessens. Wie der Abg. Brauer (Bbd.) ausführte, ist man mit der Wetterdienst­stelle in Gießen ganz gut gefahren, und er hatte Recht, wenn er deren Beibehaltung forderte. Am Regierungs­tische erklärte man zwar, daß nach der erwähnten Abmachung mit Preußen für das Ministerium (des Innern, das diese Sache angeht) kein Grund vorliegt, besondere Wetterdienststellen im Großherzogtum zu unterstützen und auch die Mehrheit der Kammer nahm schließlich den Ausschußantrag (d. h. also den Anschluß an Frankfurt) an, indessen wurde am Nachmittag ohne jeden Wider­spruch ein Antrag Bähr und 35 Genossen angenommen, der die Negierung ersucht, den bisherigen Zuschuß aus demFonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke" der Gie­ßener Wetterwarte auch weiter zu gewähren. Damit fand die Abstimmung am Vormittag ihre entsprechende Kor­rektur.

Als ein kleines Vorspiel für die Beratung des Nachtrags­etats darf die Debatte über den Pensionsfonds für die alten Pensionäre angesehen werden. Die nationalliberalen Abgg. Dr. Glässing ujud Dr. Osann wollten den Fonds mit mehr als 50 000 Mk. (wie vorgeschlagen) dotiert wissen. Es wurde ihnen aber zutreffend von der Regierung und vorn 2ll-g. Ulrich ent­gegengehalten, daß sie dabei vergessen hätten, auch die Auf­bringung der nötigen Geldmittel anzugeben. Und der Abg. Dr. Gutfleisch warnte in trefflichen Ausführungen, das Gebotene durch Forderung eines Mehr zu gefährden. Es wird notwendig sein, daß man sich auf der Rechten in der Nach­barschaft des sich 10 radikal geberdenden Herrn Osann an das Sprichwort erinnert: Das Bessere i st oft der Feind des Guten! Verdienstlich waren in der Nachmittagssitzung die Hin­weise seitens des Abg. Bähr auf Mängel in Räumlichkeiten und Einrichtungen der Haut- und Ohrenkliniten zu Gießen, die wie Dr. Gnlfleisch bemerkte, fast nach Abhülfe schreien. Beim KapitelAnlegung neuer Grundbücher" zeigte die Partei des Herrn Bähr, daß sie nichts vom Grund­buch wissen will. Aber der Kredit wurde dennoch bewilligt. Und weiter in schneller Folge ein Kapitel nach dem andern. Wieder unten das Bild von gestern! Man horte nur noch das etwas hart klingende Organ des amtierenden Vizepräsidenten Dr. Schmitt, das monotone Verlesen von Position zu Position mit dem ge- schästsordnungsmäßigenDie Debatte ist eröffnet geschloffen der Antrag genehmigt". Der Zeiger der Uhr hat die Zeit von 5 Uhr schon überschritten. Es ist erreicht! Das Budget ist erledigt bis auf einen Antrag im Extraordinarium unddas ominöse Kapitel 116" (wie der Präsident es nannte) alias Nach­tragsetat. Der Kampf hierum kann also am Donnerstag be­ginnen. Zu welchem Ende wird er führen? Wer weiß cs?!

Berlin, 13. März. Tie B u b g e t f 0 m m i f f i 0 n des Reichstags genehmigte heute zunächst die in das Etats- notgefetz angenommenen Titel des Marineeta 1 s. Sodann ent­spann |id) eine längere Debatte über die Gewährung außerordent­licher einmaliger Beihülien an die am geringsten besoldeten Uuter- beamten des Reichsdieustes und die dazu vorliegenden Anträge der verfchiedenen Parteien. Gegenüber dem Anträge des Zen.rums, ür die Unterbeamten 1UU, für die Beamten bis 3000 Mk. Gehalt 150 Mk. an einmaligen außerordentlichen Beihülien im Etats- Rotgesetz festzuseyen, wurden zahlreiche Bedenken laut, und zwar solche etatsrechlltcher und finanzpolitischer Natur. Es kam auch das Unglück, das dte i r a n z ö j i s ch e Ai a r t n e betroffen Hal, zur Sprache. Auf eine Anfrage, ob das neue Pulver nicht auch bei uns ä p n l t ch e s Unglück verursachen könnte, gab Staats­sekretär v. Tirpitz die Erklärung ab, da» die Einrichtungen in unserer Marine so getroffen seien, daß nach menschlicher Voraus- !>chl eine solche Besorgnis unbegründet sei.

Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses setzte am Mittwoch dte Verhandlungeii über den Kultusetat beim Kapitel .Universitäten" tort. In der allgemeinen Be­sprechung kam die A u s l ä n d e r i r a g e zur Sprache. Es luurbe uon einer Sette verlangt, daß angesichts der Teilnahme der L t u d e n t e n an den Wahlen diejenigen A u s l ä n d e r, die L 0 z» a l d e m 0 f r a t e n seien, entfernt würden. Die Re­gler u n g steht grundsätzlich auf demselben Standpunkt. Zu. Bezug auf die R 0 0 s e v e l t - P r 0 1 e s s 0 r e n wird mttgcicilt, caß die Kosten dafür aus Stiftungen gedeckt mürben, daß aber die Rus wach leoiqiici) durch den Munster erfolge

Heer und Flotte.

Berlin, 14. Mürz, j.t uvc OLüttenüerein§«i angelegenheit iuirl) denB. N. 9c." von gut unterrich­teter Selle lin.ßeteiii, oaß öer ui ^clltebriege auf Empfeh­lung ehic4 coroneicn unter gebrachte tauf»'

tuu.'.uijuju.c Ange,^lt:m au» Beell.t Aanieus Schmieter--

h-vll mit dem Dllve uer äieim-Briese ü)eniifm i|i. Janke»

>er Tiieb, wurde dort unter diesem Namen untergebracht, damit die Spur fo verwischt werden sollte.

Neues aus Rußland.

Der Zar soll den Großfürsten Nikolaus zum Oberbefehlshaber der Armee sowie der Kriegsmarine ernannt und ihn beauftragt haben, Finnland am 28. März zu besetzen.

Zwischen oen Sozialdemokraten und den Kadetten wurde eine Verständigung angebahnt.

In Jarvslaw machte ein junger Atann in Stu­ben ten kleid ung mit einem Revolver einen Morvanschlag auf dem Gouverneur von Rimslo, Korsfakowla, der miß­lang. Der angebliche Student hatte sich bei dem Gou­verneur ein geführt unter dem Vorwand, diesem eine Ein­ladung zu einem Konzert zu überbringen. Der Gouver­neur, der rechtzellig die Absicht des Mannes erkannte, raette ihn an der Keyle und hielt ihn fest, bis Leute herbei­eilten, die den Verbrecher unschädlich machten. In den Taschen wurden noch mehrere Lievolverpatronen ge,unden.

In Charkow explodierte, während mittags die Polizei in einer Studentenwohnung eine Haussuchung vor- nahm, eine Bombe. Daonrch wurden ein Gen dar­in erieofsizier, drei Polizisten und zwei Pri­vatpersonen getötet, sechs andere Personen wurden verwundet.

Der Direktor des Petersburger Polytechnikums Fürst Gagarin ist infolge von Bombensunden in der Hochschule ohne Gesuch aus dem Dienst entlassen wor- oen. Gegen den akaoemischen Senat ist in corpore die Strafverfolgung eingeleitet worden.

AieIena^-Kateftlop.)e.

DemJournal des Tebats" zufolge halten berufene Marinelreifen die Annahme, daß die Explosion auf der Jena" durch Selbstentzündung des Pulvers herbeigeführt wurde, für unbegründet. Man sei angeblich eher geneigt, an einen verbrecherischen Anschlag zu glauben und stützt diese Ansicht darauf, daß die Explosion int Hinter­schiff erfolgte, woselbst sich die Offizierskabinen befinden, und zwar nach der Ruhepause vor dem Appell, also in einem Augenblick, wo zur Vorbereitung des Anschlages Zeit war.

Mit der Untersuchung der Angelegenheit wurde eine Kommission unter dem Vorsitz des Aomirals Germinet beauftragt.

So ernst die Beschädigungen derJena" auch sind, jb meinen einige Offiziere doch, daß die Wie de r- tnstandsetzmng des Schiffes möglich und daß es bann, wenn auch nicht mehr in der ersten aktiven Schlacht- flotte, so doch noch als Küstenverteidigungs- oder Schul­schiff verwendbar fei.

Rings um das Schiff schwimmen allerlei Gegenstände, darunter die Stapelklötze, auf denen das Schiff ruhte, als das Dock trocken war. Tie Quais sind mit Trümmern der verschiedensten Art bedeckt, sogar mit Geschossen und Eisenstücken, dte noch heiß sind und einen unerträglichen Geruch verbreitert. Ter Vorderteil des Schiffes ist un­versehrt.

Minister Thomson begab sich zu den int Marinehospital liegenden 36 Verwundeten und versprach denjenigen, die sich durch besonderes tapferes Verhalten hervorgetan, Aus­zeichnungen zu überbrirtgen.

Thomson besichtigte auch dieJena". Tas Bassin ist jetzt ganz trocken, sodaß das Schiff untersucht werden kann. Tas Vorderteil ist völlig unver,eyrt. Im Hinterteile zeigt sich ein enormer Riß am Schiffs rümpfe. Tiefer Riß, der gewissermaßen als Sicherheitsventil wirkte, durch welches die Gase eiirwichen, verhinderte, daß das iLchiff völlig zer­stört wurde. Der Panzer, das Steuerruder und die Schrauben scheinen uiwersehrt zu sein. Lagegen sind die Brücken, der Speisesaal und die Kabinen trotz ihrer soliden Bauart völlig vernichtet. Tie Leichen werden von Matrosen in Säcken transportiert. Der Minister begab sich dann nach den Kasernen, wo durch einen Appell festgestellt wurde, daß 110 Mann fehlen, also mit den Offizieren 118 Mann umgekommen sind. Dazu kommen noch die Verunglückten, die sich in ärztlicher Behandlung befinden.

Der Kommandant Adlgare wurde in seinem Zimmer durch die Explosion überrascht. Er kleidete sich gerade an, um an einer technischen Konferenz teilzunehmen. Sein Zimmer wurde durch die Explosion in tausend Stücke zerrissen. Er war jedenfalls sofort tot. Schiffsfähnrich Clömentel, ein Neffe des früheren Kolonialministers, welä-cr ihn begleiten sollte, entging der Katastrophe, weil er schon auf dem Verdeck stand. Ueber den Tod des Fregattenkapitäns Vertier wird erzählt, daß er in seinem Zimmer, welches in einem Hinteren Turm gelegen war, durch die erste Explosion überrascht würbe. Er wollte sein Zinuner verlassen, die Tür war jedoch durch das Herabfallen eines Balkens verrammelt. Vergebens suchte er einen Ausweg. Der zweite Kvmmandaill Vangaver, »velcher an­fänglich für tot angesehen wurde, hatte sich gar nicht auf dem Schiffe befunden; er wohnte einer Hochzeit bei. Die Leiche des Kommandanten Adigäre ist nickst zu finoen, es ist offenbar nichts von ihm übrig geblieben. Die Fleisch- und Knochenreste, welche man auf dem Schiffe sand, wurden gesammelt. Es ist ausge­schlossen, daß noch wellere Lebende gesunden werden, da sie jedenfalls erstickt sind.

Toulon bietet das Bild tiefer Trauer; die Theater und Cafes sind geschlossen. Eine große Menschenmenge belagerte die Admiralität die ganze Nacht hindurch, um die letzten amt­lichen Einzelheiten über die Verluste zu hören. Einen herz­zerreißenden Anblick boten die vielen Frauen und Kinder, die vor dem Arsenal und der Admiralität laut jammernd auf- und niederschreiten, Auskünfte heischend, die ihnen niemand geben kann. Viele legten sich ans der Straße nieder und bald waren sie in tiefen Schlaf verfallen.

Ferner wird berichtet, daß in der Stadt selbst eine große Menge Granatstücke nieder gefall en sind. In der Rue St. Michel schlug ein vier bis fünf Kilo schweres Granatstück durch das Dach eines Hauses und durchbrach die Decke des dritten und zweiten L-tockwerks, ohne jedoch Schaden anzuricksten.

Im Vorort Pontlas wurde ein 17jähriges Mädchen durch einen Granatsplittergetötet, die Mutterschwer verletzt.

Kaiser Wilhelm hat unmittelbar nach dem Empfang der Nachricht von der Katastrophe int Hasen von Toulon einen Flügel- adjutantcn nach der französischen Botschaft in Berlin entsandt, uni bei dem Marine-AttachH nähere Nachrichten über das Un­glück einzuziehen und zugleich seiner herzlichen persönlichen An­teilnahme an dem schweren Verlust, den die französische Marine betroffen, Ausdruck geben zu lassen. Die Teilnahmekundgebuns war die erste vom Auslande.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Ein schweres Mißgeschm hat die französische Marine heimgesucht. Wir glauben im Namen deS deutschen Volkes zu sprechen, wenn wir dem Präsidenten, der Regierung und dem Volke von Frankreich wie seiner tapferen Marine herzliche Sympathie bei diesem schrecklichen Un­glück ausdrüaen. Wie uns jedes Schiff unserer Kriegsflotte teuer ist, so verstehen und teilen wir den Schmerz ^unserer pan* zusifchen Nachoarn um den Verlust des jchönen SchlachtschiN^' lücytiger Osstziere und so vieler braver Seeleute, üi denen uv