Ausgabe 
17.4.1907 Erstes Blatt
 
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jht der Stille doiMreitende Wendung'Her sozialdenwkrctt. Kakttk bildet.__________________________________________________

Die Silberhochzeit des lippischen Fürsteupaares.

Bückeburg, 16. April-

Heute vormittag fand in Anwesenheit des Kaisers die kirchliche Einsegnung des Fürstenpaares statt. Am Nach- imittag zog ein Festzug der Landbevölkerung des Fürstentums vor dem Residenzschloß vorüber. Den Zug Eröffnete die Kapelle der Jäger, dann folgten drei Bauern !in weißen Kitteln zu Pferde, von denen der mittelste als ^Geschenk für das Jubelpaar an einem standartcnartigen Stab einen großen Silberkranz trug, ein Meisterwerk der Silberschmiedekunft. Mehrere hundert Reiter in weißen Kitteln und mit Pelzmützen auf mit Bändern und Blumen geschmückten Pferden schlossen sich an. Ein Bauer sprach einen hübschen poetischen Spruch. Dann kamen Gaben- ,Präger und Gabenträgerinnen, die zum Teil in Platt in fkurzen Reimen Geschenke überreichten: Blumen, lebendiges Geflügel im Korb, lebendige Fische im Retz, Landesprodukte, Stickereien, Fruchtwein, Torf, Honig, Linnen, Würste, Schinken, Spinnräder usw. Das Fürstenpaar nahm die Geschenke eigenhändig entgegen. Nun kamen, nach Kivch- spielen geordnet, etwa 12 000 Personen, Frauen und Mäd­chen, in der prächtigen Landestracht, rotem Faltenrock, buntem Brusttuch, geblümter Seidenschärpe, sowie Kopf­putz mit Verzierung, Gold- und Silberstickerei und riesiger Bandschleife von schwarzem Sammet oder Seide., Man ge­wahrte viele hübsche frische Gesichter im Zuge. Die Männer waren im weißen Stock gekommen, vielfach zu Pferde mit ^Schärpen in den Landesfarben Meiß-Rot-Blau. Es folg­ten em Leiterwagen, von Girlanden überspannt, sodann ein Fischer mit seinen Fischgeräten, und Wagen, die die Leinenindustrie und den Kalibergbau darstelllen, dann die fürstl. Jägerei mit Meute, den Fürstengruß blasend, die Knappschaft mit Fahnen, junge Burschen, bunt geputzt, nach .der Harmonika Äeder singend, ein Erntewagen, Hochzeits- Mtter, Brautwagen, mehrere Wagen mit der Mitgift einer ^Braut, Truhen, Bänke, Pferde und Rinder, Wagen mit Hoch- izeitsgästen und so fort. Der Vorübermarscy des Zuges .dauerte zwei Stunden. Dann entwickelte sich ein Volksfest.

Am Wend fand im Schlosse Tafel statt. Im Verlaufe bed Mahles brachte der Fürst einen Trinkspruch aus, in dem er dem Kaiser für das Geschenk des lippeschen Stamm­schlosses, der Schaumburg, dankte.

Darauf antwortete der Kaiser mit folgender Rede:

Tief bewegt von den Worten Ew. Durchlaucht, wage ich e§, 'im Namen der Anwesenden nochmals unsere herzlichen und innig­sten Glück- und Segenswünsche dem hohen Paare auszusprechen. Wir sind ergriffen von den schönen Bildern, die in diesen beiden Tagen an uns vorbeigezogen sind. Wir haben mit Freude und Bewunderung ein Familienfest mitfeiern dürfen, bei dem ein ganzes Volk mit seinem Fürsteuhause bereinigt war und in rührender Weise die Zusammengehörigkeit zwischen Für st und Volk zum Ausdruck brachte. Es ist mir persönlich besonders eine Freude, daß es mir gestattet wurde, an dieser Familienfeier teilzunehmen. Es lag mir daran, den Ausdruck meiner innigen Freundschaft zu betätigen und für alle Beweise von seiner und seiner Gattin Freundschaft zu danken. Zum andern Male ist es mir eine ganz besondere Freude gewesen, daß ich den von Fürst und Land schon längst gehegten Wunsch enolich habe in Erfüllung bringen können, daß nun wie in alten Zeiten von der Schaumburg die alten Farben wieder im Winde flattern. Wie die Beziehungen deines Hauses zum Hohenzollern- hause sind, das lehrt die Geschichte, und ich brauche bloß auf die Bilder der Vorfahren an den Wänden hinzuweisen, deren Brust der Schwarze Adlerorden ziert. Und so wünsche ich denn nicht nur ein weiteres reich gesegnetes Leben für dich und deine 'Frau, sondern auch, daß in dem heranblühenden Stamm der Schaumburger ein Geschlecht heranwachsen werde, von dem das deuftche Volk einst sagen möge, das sind wahre deutsche Männer, das sind Schaumburger! Den Gefühlen, die unsere Herzen bewegen und uns erfüllen, geben wir Ausdruck, indem wir rufen: Das hohe Silberpaar Hurra, Hurra, Hurra!"

Ruch der Rede des Kaisers küßten sich der Kaiser und der Fürst. Ter Kaiser küßte der Fürstin die Hand- An das Diner schloß sich ein Hofkonzert an. Stach dem Hostonzert wurde das Souper eingenommen. Kurz vor 12 Uhr verabschiedete sich der Kaiser und fuhr mit der Bahn nach Homburg v. d- H.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. April. Die Kaise«rin und Prinzessin Vik­toria Luise sind heute abend nach Homburg v. d. Höhe ab­gereist. Im Gefolge der Kaiserin befinden sich: Hosstaatsdame Gräfin von Keller, Hofdame Gräfin zu Rantzau, Kamm er Herr von Winterfeld, Leibarzt Generalarzt Dr. Zunker; im Gefolge der Prinzessin Obergouvernante Fräulein von Saldern, Gouver­nante Miß Tophan und Professor Dr. Porger.

Das Abgeordnetenhaus erledigte in feiner Abend- sitzung das Kapitel höhere Lehranstalten und ging dann zum Kapitel Kun ft und Wissenschaft über.

Rostock, 17. April. Der Volksschuldirektor Sell- schvpp hat neben den städtischen Schulen auch die höhere Töch­terschule und das Lehrerinnenseminar zu inspizieren. An den letzteren Anstalten unterrichten nur akademisch gebildete Lehrer, die sich einer Inspizierung durch einenVolks- schuldirekwp widersetzen und den Unterricht nieder- legten.

bKöln, 17. April. Die Aufstellung des Zentrums-Kan- aten Regierungsrat F e r v e r s für Schleiden-Malmedy anstelle Verstorbenen Prinzen von Arenberg stößt auf den Widerstand der ländlichen Wählnschaft, die etwa 90 Prozent ausmacht und di» den Grafen Spee als Nachftlger Arenbergs fordert.

Straßburg, 16. April. Der erste elsaß-lothringische Städtetag faßte mit Rücksicht ;oiuf die im Jahre 1910 eintretende Aufhebung des Oktrois, der bisher wichtigsten Einnahme­quelle des Landes, eine Resolution, in der verlangt wird, den Gemeinden ein weitergehendes Besteuerungsrecht einzuräumen und Möglichst bald eine Besteuerung der Grund ft ücke nach dem gemeinen Wert und nach dem unverdienten Wertzu­wachs einzuführen. Gleichzeitig wurde eine Erhöhung der H u n d e st e u e r bis zum Betrage von 25 Mk. als Höchststeuer be­schlossen. Man einigte sich ferner dahin, den Städtetag zu einer Kündigen Einrichtung zu machen.

Statthalter Fürst Hohenlohe-Langenburg hatte für heute dre Mitglieder des Landesausschusses zu einem Diner ge­laden. Hierbei hielt er eine Ansprache, in der er sagte: Die ersten Tage der Verhandlungen hatten Erinnerungen an die Wahl- b e w e g u n g gebracht. Es tue not, daß Aufregungen und Anfeindungen infolge der politischen Wahlen einer ruhigeren Stimmung weichen. Man erweise sich und der Heunat keinen Dienst, toenn man dse Wunden, die der Wahl- kmnpf ge] (Qiagen habe, nicht vernarben lasse und immer wieder Oel ms tfeuer gieße, um die politischen Leidenschaften aufs neue anzufachen.

Ausland

London, 16. April. Bei der Verleihung des Bürgerrechts in der City of London an die Premier- Minister der Kolonien zog ein Vorgang allgemeine Auf- merksamkeit auf sich. Als der Locdmayor, Earl Roberts und Botha zusammen auf der Estrade Platz genommen hatten, schüttelte Botha dem Lorvrnayor die Hand und

wendete sich dann zu dem Feldmarschall Earl Roberts, der sich ihm näherte, und schüttelte auch ihm die Hand. Der kanadische Premierminister, Sir Wilhred-Lanzier, sagte ttn Laufe einer Rede, es sei ein einzigartiges Schauspiel, Botha und Ja meson nebeneinander sitzen zu sehen. Er sei der Ansicht, keine Nation außer England würde es gewagt haben, Transvaal solche Freiheit zu gewähren, wie Eng­land gewährte.

Bukarest, 16. April. Das Militär geht bei der Wiederherstellung der Ordnung mit Energie vor und begeht dabei zum Teil Ausschreitungen, Ebie Empörung Hervorrufen. Im Dorfe Corcova wurden der Priester und der Ge- meindesekretär erschossen. In Menti wurden fünf Unschuldige getötet, Opischora, Balocita und Quardnitza wurden bombardiert. Einwohner wurden massenweise hingerichtet. In Patula wurden 13 Bauern, in Gio- borent der Primas Georgescu erschossen. In Cirn- pekmari wurden auf einmal 5 0 Bauern mit verbun­denen Augen erschossen, ferner ein Eczpricster, der eine Proskriptionsliste verfaßt hatte. Nachdem die ganze Beoölker* ung gestüchtet, wurden 2 4 Greise aufs Feld geschleppt und vor den Augen ihrer Kinder nie der geschossen.__________

Neues aus Rußland.

Duma.

Das Haus behandelte am 16. d. M. die Interpellation über die Ereignisse in Riga, wo bei einem Fluchtversuche am 13. April sieben Gefangene getötet und 17 ver­wundet wurden, während die übrigen 74 vor das Feldkriegs­geeicht gestellt werden sollen. Die Sitzung nimmt den Charakter von Duells zwischen der äußersten Linken und dein Zentrum an. Dieses verlangt Verweisung der Inter­pellation an eine besondere Kommission, die für alle Arten von Interpellationen besteht, während die äußerste Linke bie Interpellation als dringlich an den Ministerrat überweisen ivill. Kuzmin Karawäw verliest eine Depesche des General­gouverneurs von Riga, welcher erklärt, daß keinem Ver­hafteten die Todesstrafe drohe. Aleslincke verliest eine von seinen Wählern in Riga unterzeichnete Depesche, in der es heißt, daß alle 74 Verurteilung zum Tode zu gewärtigen haben. Das Mitglied der äußersten Rechten, Schulguin, wendet sich an die Sozialisten und sagt: .Sie protestieren gegen die Todesstrafe, aber, sagen Sie mal offen, haben Sie nicht eine Bombe in der Tasche?" Hierauf erhebt sich ein unbeschreiblicher Lärm. Man ruft: .Hinaus!" Vizepräsident Posnansky läutet und stellt mit Mühe die Ruhe wieder her. Die Sozialdemokraten verzichten sodann auf Dringlichkeit der Interpellation, die einer Kommission überwiesen wird. Die Duma beschließt mit großer Mehrheit, Schulguin wegen Beleidigung von Deputierten von der Sitzung auszuschließen.

Wlawlakon gibt Erläuterungen über die Interpellation betreffend Kassierung eines Urteils des Feldkriegsgerichts durch den Generalgouverneur von Moskau Herschelrnann. Das Kriegsgericht hatte vier Personen, die des Versuchs an­geklagt waren, einen Polizeibeamten zu ermorden, zu lebens­länglicher Zwangsarbeit verurteilt. Herschelrnann hat ent­gegen der Zirkularverfügung des Ministerrats, das Urteil kassiert. Ein anderes Kriegsgericht hat die vier oben er­wähnten Personen zum Tode durch Erhängen verurteilt. Das Urteil wurde vollstreckt. Der Interpellation über Mißbrauch der Amtsgewalt Herschelmanns wurde einstimmig zugestimmt.

In Warschau wurde der angesehene Arzt Dr. Joses Drzewieck von zwei jungen Leuten überfallen und durch Revolverschüffe schwer verletzt. Er starb auf dem Trans­port ins Krankenhaus. Die verhafteten Mörder erklärten bei ihrem Verhör, von einem unbekannten Manne um 3 0 Rubel zu dem Morde gedungen worden zu fein.

In Petersburg traten 4 junge Leute in das Zimmer des Universitätskassierers, bedrohten diesen sowie dessen Gehilfen unter dem Rufe: .Hände hoch" mit Revol­vern, raubten 2 000 Rubel und entflohen.

Aus SraSt und Lund.

Sprechstunden der Redaktion:

l/z 121 Uhr Darin., Vs 71/2 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag).

Gießen, 17. April.

Aus dem Militär-Wochenblatt, v. Conta, Oberstlt. beim Stabe des Jns.-Rgts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Obersten; Wehner, Fähnrich m demselben Rgt., zum Lt. befördert.

** Erledigte Lehrer st eilen. Erledigt sind: die mit einem evang. Lehrer zu besetzende 2. Lehrerstelle an der Ge­meinde-Schule zu Wohnbach, und eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Watzen­born-Steinberg.

** Der Finanzausschuß der 2. Kammer be­schäftigte sich am Dienstag in einer gemeinsamen Sitzung mit den Regieruugsvertretern, Staatsminister Ewald, Finanzminister Dr. Gn auth und Minister des Innern Braun, mit der allgemeinen Beratung über die Regie­rungsvorlage, die Herstellung! mehrerer Nebenbahnen betreffend. Die Regierung stellt darin den Antrag 1. dem Unternehmer einer normalspurigen Nebenbahn von Lich nach Grünberg den Betrag von 30 vom Hundert der wirklichen Baukosten, ausschließlich der Koster; für den Ge­ländeerwerb, aber einschließlich der erstmaligen Beschaffung der Betriebsmittel, 2. dem Unternehmer einer normal­spurigen zweigeleiftgen Nebenbahn von Heddernheim nach Homburg 15 000 Mk. für das Kilometer der im Großherzogtum Hessen gelegenen Strecke und 3. dem Unter­nehmer einer vollspurigen Nebenbahn von Büdesheim nach Dietersheim 18000 Mk. für das Kilometer zu bewilligen. Im Ausschuß herrschte im allgemeinen eine günstige Stimmung über die Regierungsvorlage, doch trat ein Abgeordneter lebhaft dafür ein, daß zunächst einmal eine gründliche Aussprache über den Bau von Nebenbahnen und besonders über die noch von anderen Kammermitgliedern gestellten Anträge auf Projektierung weiterer Nebenbahnen erfolgen möge. Der Fttranzminister trat aber diesem Verlangen entgegen und bat, sich zunächst auf die Regierungsvorlage zu beschränken, bemt mit einer allgemeinen großen Debatte und der Vorbringung anderer Lahnprojekte werde sich das Verlangen irach wetteren un­rentablen Bahnen nur noch mehr steigern. Mehr als die drei jetzigen Bahnstrecken könne Sie Regierung zurzeit nicht unterstützen. .Um Z/-2 Uhr wurde die. Debatte abgebrochen-

Die Weiterberatung und Beschlußfassung soll in der heutigem Sitzung erfolgen.

" Auswanderungen nach Rumänien. Deutsches Dieustpersoual, das aus ber Heimat weg Stellung in Rumänien annimmt, gerät bort oft in große Notlage, weil es an anbere Behandlung gewöhnt ist, als sie den Dienstboten dortselbst vielfach zu teil wird, bann aber auch, weil bie bärtigen Dienst, gebet selbst schriftlich eingegangene Verpflichtungen oft nicht erfüllen, so daß sich ber in Dienst Getretene infolge ber Schwierigkeiten, mit benen eine Prozeßführung in solcher Materie in Rumänien verbunben ist, halb gezwungen sieht, seine Stellung auszugeben. Unb bauen ist bann Notlage in der Regel bie nächste Folge, ba bie betreffenben Personen meistens nicht Mittel besitzen. Das nämliche gilt auch für bentsche Erzieherinnen, bie, wie beobachtet hat werben können, durch Wiener Vermittelungsbureaus in leichtfertiger Weise in unpassende Stellungen nach Rumänien verschickt werden. Es wirb daher hiermit aus die Gefahren, denen Personen ber in Rebe stehenden Art in Rumänien entgegengehen, warnend aufmerksam gemacht unb sie werben barauf hingewiesen, baß sie vorerst bei bem zustänbigen Kaiserlichen Konsulat über ben Dienstgeber Erkunbigung einziehen mögen.

** Wohltätigkeitsfest für die Hinterblie- benen der Afrikakämpfer. Dem Beispiele anderer deutscher Städte folgend, foll auch in Gießen ein Wo hl- tätigkeits fest, verbunden mit Basar, am 8. und 9. Juni int Neuen Saalbau zum Besten der Hinterbliebenen unserer im Kamps für Kaiser und Reich' in Südwestafrika ge­fallenen Helden stattfinden. Zur würdigen Vorbereitung der Veranstaltung waren auf Einladung eines aus den Sitzen der militärischen, staatlichen und städtischen Be­hörden, der Militärvereine und einigen anderen Herren bestehenden Komitees gestern nachmittag einige Damen und etwa 4050 Herren aus allen Kreisen der Bevölkerung zu einer Besprechung tn Steins Garten versammelt, tn ber die Abhaltung des Festes allseitig fteudig begrüßt und ihm allgemeine Unterstützung und Förderung zugesagt wurde. Oberst v. Lindenau gab nach Begrüßung der Versammlung einen interessanten Ueberblick über die Ver­luste unserer braven Afrirakämpfer und verglich damtt die Verluste der preußischen Truppen, die 1864 gegen Däne­mark kämpften. Erst durch eine derartige Vergleichung erhält man ein richtiges Bild von den Strapazen und dem Heldenmut, denen sich unsere freiwilligen Afrikakämpfer unterzogen, und erfährt damit zugleich, wie groß die Dankesschuld ist, die das deutsche Volk an die Hinter­bliebenen der in der Ferne für das Vaterland Gestorbenen zu tilgen hat. In Südwestafrika betrug die Zahl der deut­schen Streitkräfte rund 20 000 Mann. Hiervon fielen ober ft arbeit infolge der erlittenen Munden 75 Offiziere unb 714 Mann; verwundet wurden (ausschließlich der infolge Verwundung Gestorbenen) 91 Offiziere und 775 Mann; an Krankheiten gestorben sind 29 Offtziere und 769 Mann. Von den rund 61500 preußischen Kombattanten des Feld­zuges von 1864 fielen ober starben infolge Verwundung- 37 Offiziere und 701 SRann, verwundet wurden 148 Offi­ziere und 1988 Mann, und an Krankhetten starben 310 Mann. Sonach betrug ber Gesamtverlust in Südwestafrika 2453 Köpfe oder 12,27 Pro z. der Kombattanten und im Feldzug gegen Dänemark 3184 Köpfe oder 5,18 Proz. der Gesamtstärke, lieber das in Aussicht genommene Fest wurde mitgeteilt, daß es Samstag, den 8. und Sonntag, den 9. Juni, jeweils nachmittags 4 Uhr beginnen soll. W wird aus Monstrekonzert unserer Regimentsmusik und der Veteranen-Kapelle bestehen, die teils zusammen, teils einzeln spielen werden, ferner aus turnerischen Auffüh­rungen und Bajonettübungen von Angehörigen des Regi­ments Kaiser Wilhelm. Ein aus Soldaten gebildeter Chor von etwa 200 Sängern wird einfache Chöre, Volks- unb Soldatenlieder (teilweise mit Musikbegleitung) vortragen. Ein Theaterstück und ein Singspiel werden jich anreihen. Je 12 Damen und Herren aus oer Bürgerschaft sollen einen Reigen (Tanz) aufführen und ein von 8 Damen und Herren ausgeführtes Reiterfestspiel' wird wettere Abwechslung in das Programm bringen. Verkaufsbuden und Stände für Eafö, Konditoreien, Mein, Bier, Sekt, Zigarren, Zigaretten und Obst werden zum Besuche einladen, und fliegende Handle- rinnen und Händler werden Postkarten und Blumen feil* bieten. Für diesen Teil des Festes wird auf die Mit­wirkung einer größeren Anzahl Damen und Herren ge­rechnet, an die noch eine besondere Aufforderung ergeben wird. Die Leitung des Festes liegt in den bewährten Händen des Stadtv. Jean Kirch und des Fabrikanten Kllngspor, für die Vorberettuug und Durchführung der einzelnen Ausfüh­rungen usw. wurden bereits einzelne Herren bestimmt. Der Ausschuß, dessen Leiter Oberst v. Lindenau ist, wird sich, nach Bedarf durch Zuwahl ergänzen. Bezüglich des Ein­trittspreises wurde bestimmt, daß er am Sonntag bedeutend niedriger sein soll, wie am ersten Tag, um allen Kreisen der Bevölkerung Gelegenheit zu bieten, sich an dem Feste zu beteiligen. Hoffentlich gestattet das Wetter die ungehio- derte Abhaltung des Festes, damtt dem guten mit der Veranstaltung verfolgten Zweck ein recht großer Betrag zugeführt werden kann.

** Eine SonderauSstellung moderner Druck* schriften, Zierate und Mu st erdrücke der Firma Gebrüder K l i n g s p o r, Schriftgießerei und chenrigraphische An­stalt, Offenbach, wird in dem Oberlichtsaal des Gewerbe-Ätüseums in Darmstadt (Neckarstraße 3) in der Zett vom 14. bis 80. April L Js. veranstaltet. Die zum Teil im Original vorgesührten Entwrse zu den ausgestellten Schrillsten, Zieraten unb Land­schaften rühren von einer Anzahl namhafter Künstler her. Sehr anheimelnd erscheinen die an die Biedermeierzeit erinnernden Zierate von H. Vogeler-Worpswede, sowie die in gleicher Ge- schmacksrichtung gehaltenenJahreszeiten" undMonatsbilder" desselben Künstlers. In gleicher Linie hiermit sind zu nennen: Rhein- rc. Landschaften von I. V. Cissarz,Stationen" und Jahreszeiten" darstellende Zierleisten Robert Engels-München und Landschaften von Prof. Emil Doepler b. J.-Berttn. Bild­nisse bekannter Persönlichkeiten fertigte Prof. H. Fechner-Berlin. Die von F. H. Ehmke und anderen in großer Zahl entworfenen Gildezeichen" enthalten die charakteristischen Wahrzeichen ein­zelner gewerblicher Berufsarten in eigenartiger Zuiammen- ftellung. Geschmackvolle Schriften, teilwehe mit zugehörigen Zie­raten, rühren her von Otto Eckmann, Peter Behrens, Otto Hupp- Schleißheim, H. König-Lüneburg und Ludwig Fuchs. Im wei­teren umfaßt die Ausstellung Photographien, |otoi.e Netz- und Strichätzungen der chemigraphischen Anstatt ber Firma. Be­lehrend auch für Nichtfachleute ist ber Teil der Ausstellung, der den Werdegang bei der. Herstellung der Druckschriften, der Auto­typien, Netzätzungen n.sw. veranschaulicht. Geradezu erzieherisch wirkt die Gegenüberstellung von Druchachen allerer Geschmacks­richtung und solchen in geschmackvoller, moderner Ausführung. Um die Besichtigung zu erleichtern, wird das Geweroemusemn an Sonn- unb Werktagen von 11 bis 1 Uhr unb von 3 bis 5 Uhr, sowie Dienstags und Freitags abends von 7 bis 9 Uhr ge­öffnet.

** Das Grubenunglück in Reben hat, wie wn schon früher mittcillen, bie hessischen Knappen veranlaßt, bem