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allein zu vertreiben, sondern in erster Linie sie zu verhüten. Die [ Wirkung des Bades auf den Körper, bezw. auf die Haut, sei außer-
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ordentlich wertvoll für die Gesundheit des Menschen, nur müßte jeder einzelne wissen, in welcher Weise ein Bad für seine Gesundheit dienlich ist. Die verschiedenen Bäder, Wannen-, Brause-, Sitz-, Schwimm-, heiße, kühle, kalte und , Sand-Bäder sind der Körperbcschasfenheit des Badenden anzupassen. Auch die Wirkung des Bades auf die Eßlust wird jeder Badende an sich selbst schon gespürt haben. Das Schwimmbad hält der Redner für das beste und zwar wegen der dabei stattsindenden gleichmäßigen Bewegung des Körpers und der dadurch erforderlichen Ausdehnung der Lunge, sowie wegen der durch das Schwimmen hervor- gerusencn Abhärtung des ganzen Körpers. Insbesondere, ist Redner dafür, daß a uch die Frauen und Mädchen die Bäder fleißig benutzen. Wenn dies befolgt werde, gäbe es keine bleichfüchtigen Mädchen mehr. Er wünschte dem Unternehmen alles Gute. Nicht endenwollender Beifall lohnte den Redner für seine Ausführ-
im großen eigneren, geschädigt wurden. Dem zukumlSrelchen Unternehmen ist darum bester Fortgang und allseitige Unterstützung zu wünschen.
verlangt werden müsse dagegen eine Revision deS Verfahrend gegen judenliche Verbrecher und eine Entschädigung für Geschworene iiitb Schöffen.
Staatssekretär N ieb erdin g erklärt, daß in den letzten Stadien in der Vorbereitung der Reform eine Verzögerung ein- getreten sei. Der Reichskanzler Hube den festen Willen, die Reform zu beschleunigen, und habe ihm! beauftMgt, dies hier ausdrücklich zu erklären. Eine Reform könne jedenfalls nur zustande kommen auf dem Wege eines vorsichtigen Maschtttcns, nicht eines sl-üv- mischen Vvrwärtsdrängens. Die preuß. Regierung hat, obwohl die Beschlüsfe der internationalen kriminalistischen Bereinigung noch nicht überall duvä)gedrungen sind, einen Teil dieser Beschlüsse sich bereits zu eigen gemacht.
Auf Antrag Basservmnn erfolgt eine Besprechung.
1 Abg. Giese (lons.) spricht seine Befriedigung über die Erklärung des Staatssekretärs aus. Erfreulich sei die Einführung der Berufungsgerichte. Daß das Liaienelement überwiege, )ct nicht zu befürchten. _ „ ... ,
Abg. Stadt Hagen (L-oz.) erklärt: Was er nicht für möglich gehalten habe, trete ein. Die Rechtspflege werde noch weitcv Verschlechtert. Eine Einführung vieler Instanzen fei ganz hrlsch Tie Unabhängigkeit der Richter sei solange ein Märchen, als auf dem Disziplinarivege, also «auch wegen der politischen Gesinnung gegen die Richter vorgegangen werben kann. — Das fchri.tliche Verfahren müsse beseitigt werden. Die Berufung gegen die Schwurgerichtsurteile müsse eingeführt werden. Das beweise der gräßliche Justizmord gegen die S tif tso berin v. D äusier.
Darauf tritt Vertagung ein. .
Präsident Graf Stolberg erklärt: Gestern sind im preuß. Abgeordnetenhause bei der Beratung des Eiseubahnetats von einem Rchiner Aeußcrungen getan worden, die geeignet sind, die Mitglieder des R e i chst a ges zu v erle tze n. (Hort! Dort!) Ich gebe meinem Beda ucrn hierüber Ausdruck (Lebhastes Bravo auf allen Seiten des Dauses) und weise diese Aeußerung hiermit von dieser Stelle gebührend zurück. (Lauter Beifall auf allen Seiten.) _ _ „ . - ,
Morgen: Weitere Besprechung, außerdem kleine Vorlagen, Jn- terpellatwnen betreffend Wahlbecinflussung, betreffend Berhält- niffe der Privatbeamten.
ungen.
Stadtverordneter Eichenauer erläuterte die Einrichtung des Gießener Volksbades, auch die finanziellen Licht- und Schattenseilen. Die Preise sind gleichmäßig, jedoch stellen sie sich durch Abonnementskarten bedeutend billiger, insbesondere weil diese übertragbar sind und von jedem Familienmitglied benutzt werden dürfen. Auch ist Redner davon überzeugt, daß durch die Zusammenkunft beim Baden auch in sozialer Hinsicht sehr viel Gutes geschaffen wird.
Stadtverordneter H a u b a ch - Gießen erläuterte des weiteren die finanziellen Verhältnisse des Gießener Volksbades. Man solle lieber die Räumlichkeiten zu groß, als zu klein bauen; insbesondere das Schwimmbad-Bassin solle man von vornherein ziemlich groß anlegen, weil es voraussichtlich am meisten benutzt werden wird.
2r. v. Peter von hier fragte über das im Schwimmbad verwendete Wasser und die KoiUrolle der zu Badenden an. Er wünschte für den Sommer ein offenes Bad mit Luft und Licht.
Medizinalrat Dr. Haberkorn erklärte, daß man keine Bazillenfurcht haben solle. Alle mit ansteckenden Krankheiten Behafteten müßten albgewiesen werden.
Stadtv. Eichenauer führte am Schluß noch an, im Schwimmbad solle die Verwaltung streng darauf sehen, daß leder sich vor der Benutzung des Bades der Fußwaschung und der Körperdusche unterzieht.
Mit herzlichem Dank an die Gießener Herren schloß die Versammlung in der Hoffnung auf baldigen günstigen Erfolg.
Gericbtssaal.
— Forderungen aufSäbcl und Pistolen spielten in einen Beleidigungsprozeß hinein, der vor einer Abteilung des Schöffengerichts C h a r l o t t e n b u r g zur Verhandlung stand. Den ersten Anlaß hierzu hatte eine Versammlung der organisierten Wildenschaft gegeben, in der die Gründung eines Vergünstigungsamtes angeregt wurde. Die anwesenden Nichtorganisierten Studenten v. Möllendorf und Beckmann bezeichneten jeden Plan als eine Illoyalität gegen die Nichtorganisierten Studenten, wodurch sich die Kommilitonen Buddel- niQiui, Kämpf und Ruhle beleidigt fühlten. Die Folge hiervon war eine Forderung auf Säbel und die Einsetzung eines Ehrengerichts, lieber die Zusammensetzung dieses Ehrengerichts kam es jedoch zu neuen Zwistigkeiten, die eine Forderung auf Pistolen zur Folge hatten. Ein neues Ehrengericht wurde gebildet, dem der Student Radke als Unparteiischer für die drei organisierten Kommilitonen angehörte. Da aber auch diesmal keine Einigung erzielt werden konnte, wurde die Angelegenheit einer Studenteuversammlung, der Radke als Gast beiwohnte, unterbreitet. Radke wurde dort nicht zum Worte zugelasfen, sondern aus dem Saale gewiesen. Er versandte darauf an die Kommilitonen der Wildenschaft und an vcifch ebene Professoren ein Rundschreiben, das sich mit der Streitsu^/e befaßte, uno durch das sich die Gegner beleidigt fühlten. Diese gaben die Beleidigungen zurück, und die Folge waren Klage und Widerklage zwischen Radke einerseits und v. Möllendorf, Beckmann und v. Buttler andererseits. Nach längerer Verhandlung wurden alle vier Prozeßbeteiligten gleichmäßig zu je fünfzig Mark Geldstrafe und zu je einem Viertel der Kosten verurteilt.
Landwirtschaft.
Seit längerer Zeit sind Versuche angestellt worden, um den Kartoffeln, welche über 80°/0 und mehr Wassergehalt haben, das Wasser au' mechanischem Wege zu entziehen. Alan will es dadurch ermöglichen, die Substanzen in der Kartoffel, welche zum füttern des Viehes und damit zur Fleischgeivuinung so werlvoll sind, haltbar zu machen und zugleich ihr Gewicht so zu vermindern, das; ein Verschicken dieser Subflcmzen auf weile Entiermlngen noch rentabel ist, was bekamulich bei der Kartoffel in ihrem naiürltchen Zullande nicht der Fall ist. Es winde dann der Jutlerivert der Kartoffel auch in Gegenden, wo sich ihr Anball in Massen nicht lohnt, zur Gettlmg kommen, unb tu Gegenden mit magerem Bodeil, der sich sollst nur zmn Kartofselban eignet, bie Möglichkeit gegeben sein, dessen Bau mit Nutzen zu vermehren unb immer mehr Land m Klittur zu bringen. Längere Versliche, um, geeignete, billig arbeitende TrockemMaschmen herzustellen, haben zil günstigen Re- slUtaien geführt Die gewaltige Kartosselprodlittion des Jahres 1905 gab der neuen Industrie einen neuen Anstoß, und der Verein der Spirltusfabrikanten entwickelte mit Rücksicht hierauf eine eitrige Agitation zur Förderung derselben. Es wurde nun ent Verband der Karlos,eltrockner gebildet, um dieses Verfahren in weile Kreise emzuführen und die Verbmdnng der prodilzierendeit unb konsumierenden Bezirke zu bewirken. Ter Gedanke ist von größter Tragweite. Nannten bisher große 'Massen von Kartoffeln nur dadurch gewinn- bringend verwertet werden, daß sie in Spiritus und Brannlwein unigewandelt wurden, so köimen dieselben nun eine andere rentable Verwendlmg finden, die für unser gesamtes Volkstum ersprießlicher lind heilsamer ist. Auch wird mit Durchsetzung der neuen Idee das größte Hindernis für eine hohe, den Konsum wirtsam ein- schränkende Besteuerung des Branntweins beseitigt, der Einwand, daß dadurch große Landstriche, welche sich lediglich für Kartoffelbau
vermochte».
* Lebendig begraben. Einem Akte unglaublicher Roheit ist man dieser Tage in Pans durch einen Zufall auf die Spur gekommen. Soldaten, die zu einer Frühübung auszogen, fanden in einem im Festungsrayon gelegenen Gehölze eine vollständig entkleidete Fraucnspcrson, zum Skelett abgcniagert, mit wirren Haaren unb balbbltnben Augen. Die Unglückliche lag in einer Grube bie 80 cm tief, 1,20 m breit unb 1,80 m lang war. Bebeckt war ber Körper mit etwas Reisig unb trockenen Blättern. Vorläufig steht man noch vor einer mysteriösen Angelegenheit. Auf ber Polizeiwache, wohin man bie Person führte unb mit Kleibung unb Nahrung versah, verweigerte sie jede Aiisku.ift. Auf die Frage bes Beamten erzählte sie nur mit schwacher Stimme, daß ein Mann sie seit Monaten in ber Grude gefangen halte unb nachts zu ihrer Wohnung ein Stück Brot unb Wasser gebracht habe. Dagegen war aus ihr nicht herauszubekommen, wie ihr Peiniger heißt unb aus welchem Grunde sie so unmenschlich behaiibelt worben ist. Man mußte bie Bedauernswerte in ein Krankenhaus dringen unb hofft, später von ihr nähere Anhaltepimkte zu erlangen, burch bie es ber Polizei ermöglicht wirb, bes Mannes habhaft zu werben.
* EinMann mit oierlebenbenEhefrauen Wegen Betruges unb Vielweiberei hatte sich ber 38 jährig Goldarbeitergehülfe Josef Nowak aus Doks vor bem Schwurgericht in Prag zu verantworten. Der Angeklagte hat sich auf Grund gefälschter Dokumente mit vier Frauen kürzlich trauen lassen unb eine nach ber anberen, wenn bie Mitgift burchgebracht war, noch währenb ber Hochzeitsreise wieder verlassen. Drei seiner Frauen waren als Zeugen im Gerichtssaale erschienen, die vierte befinbet sich m Amerika. Der moberne Heiratsschwindler würbe zu fünf Jahren nut Fasten verschärften, schweren Kerkers verurteilt.
Ein Vottsbad in Friedderg.
-m. Friedberg, 11. März.
Im übet füllten Saale zu den drei Schwertern fand heute eine Sitzung des hiesigen Bürgervereins statt. Auf der Tagesordnung stand die Erbauung eines städtischen Schwimmbades. Vorsitzender war Bierbrauereibesitzer Georg Steinhäuser. Als Gäste waren auf Einladung des Burgervereins die Stadtverordneten Eichenauer, Mediziilalrat Dr. Haberkorn, Haubach, Kirch und Kommerzienrat Schafsstaedt, loroie Architekt Meyer aus Gießen erschienen. Nach Begrüßung der Eichener Gäste führte der Vorsitzende etwa solgenoes aus: Ber der Be- banungsfrage des ischwimmbades spielt in erster Linie me Geldfrage, in zweiter Linie die Wasserfrage mit. Die Geldfrage tänöe eine leichtere Lösung, weil ein unbekannter Wohltäter der Stadt die Summe von 50 000 Mk. zum Ban eines Scywumn- Lades mit dem Zusatz geschenkt hat, daß bie Stadt weitere 50000 Mk. ans eigenen Mitteln aufßrmgen muß. Die Wauer- fragc wird ihre Erledigung durch die staatliche Wasierlettuug finden. Architekt Meyer sprach über die Bedeutung oer Volls- bäder in hygienischer Hinsicht. Er führte u. a. aus, daß unter Kaiser Augustus in Nom sclwn 750 Millionen Stier Was,er täglich verbraucht wuroen, während trotz des sonstigen Kulturfortschritts die Millionen stadl Berlin erst 120 Millionen Liter .Wasser für Bäder verbraucyt. Hispanius Agrippa brachte die Einrichtung der Volksbädcr aus Griechenland nach Rom, von wo aus sie sich auch in Deutschland Eingang vccfchasften. Der Redner erwähnte, daß Oskar Müller in München V/i Million zur Erbauung eines Bades vermachc hat, und daß Geheimrat Merkel aus Eßlingen ein solches aus eigenen Mitteln erbaut habe. /Er schloß mit dem Wunsche, daß das Projekt alsbald greifbare Gestatt annehmcn möge, mit dem Wahlspruch: Jedem Deutschen -wöchentlich ein Bad.
Medizinalrat Dr. Haberkorn führte aus, die Aufgabe eines jeden Mensen sei, für seine Geiuudheit zu lorgen, und Luft, Licht und Wasser seien die Grundbedingungen für ‘bereu Erhaltung. Es fei Aufgabe eines Jeden, Krankheiten nicht
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