Monats-Beilage zum
Weber Kiündüngung.
Von W. Thömsgen, Großh. Landw.-Lehrer.
Unter Gründüngung versteht man den Anbau von Pflanzen zu dem Zwecke, sie in grünem Zustande als Dünger unterzupflügen. Sie ist schon seit den ältesten Zeiten bekannt. Wie Altmeister Thaer in seinem Werke: „Grundsätze der rationellen Landwirtschaft", Band 2, Seite 228 erwähnt, sei die vegetabilische Düngung uralt und habe bei den Römern in größtem Rufe gestanden, sie habe sich tn Italien bis auf den heutigen Tag fortgepflanzt und man schätze dort eine solche grüne Düngung, anch wo es an keinem Mist mangele, für höchst nützlich und für den Boden sehr fruchtbar. In Deutschland ist sie am Anfänge des vorigen Jahrbunderts erst durch von Mülsen auf Pietzpuhl einge- führt worden und hat auch allmählich an Verbreitung gewonnen. Zu ihrer größten Verbreitung hat aber unstreitig in neuerer Zeit erst der vor mehreren Jahren verstorbene Landesökonomierat Dr. Schultz auf Lupitz beigetragen, der in Wort und Schrift auf die wirksamste Weise für sie eingetreten ist. In seiner Schrift: „Zwischensruchtbau auf leichtem Boden", Heft 7 der Arbeiten der deutschen Landwirt- schastsgesellschaft, hat er in klarer und erschöpfender Weise diesen Gegenstand behandelt und seine langjährigen Erfahrungen, die er darüber auf seinem Gute Lupitz (Altmark) gesammelt, zum Besten vieler Landwirte kundgegeben. Man kann sagen, daß seine Gedanken sich jetzt viele Tausende von Landwirten bei der Ausübung der Gründüngung zur Richtschnur genommen haben.
Wie durch vielfältige Beobachtungen und Erfahrung festgestellt worden ist, eignen sich zur Gründüngung tu erster Linie die schmetterlingsblütigen Pflanzen, wozu die Hülsenfrüchte: Erbsen, Bohnen, Wicketi, Serradella, Lupinen, ferner die Kleearten gehören. Diese Pflanzen sind deshalb geeianet, weil sie Ttefwurzeler sind und besonders die Fähigkeit "haben, den atmosphärischen Stickstoff sich anzueignen. Zu dieser Tätigkeit befähigt sie ein Spaltpilz, der gewöhnlich in jedem Boden vorkommt und in die zarten Würzelchen der genannten Schmetterlingsblütler eindringt, ou der Stelle, an der dieser Pilz eindringt, entsteht alsdann ein kleines Knöllchen. Erst wenn diese Knöllchen an den Wurzeln sichtbar geworden sind, fängt die Pflanze an sich von dem atmosphärischen Stickstoff zu ernähren, wozu sie vorher nicht befähigt war und sich wie jede andere Pflanze von dem Stickstoff des Bodens ernähren muß. Die schmetterlingsblütige Pflanze lebt also in Symbiose oder Lebensgemeinschaft nrit dem Pilz. Die beiden Forscher Hellrtegel und Wilfarth haben diese Erscheinung erst in neuerer Zett nachgewiesen und damit das Rätsel gelöst, über das man lange Zeit nachgedacht hatte.
Es kann nun vorkommen, daß eine der genannten Pslanzett in einem Boden nicht gedeihen will und zwar deshalb, weil dieser Spaltpilz in dem Boden nicht vorhanden ist. Um nun dennoch eine gute Entwtckelung der
Hülsenfrucht oder K'leeart zu erzielen, wird ein Verfahren etngeschlagen, das ztterst von Salfeld-Lingen empfohlen ist und tu dem sog. Impfen des Bodens mit Jmpserde besteht. Hierbei wird, wenn z. B. die Erbse nicht gedeihen wtll, Jmpferde von einem Felde entnommen, auf dem vorher Erbsen gut gewachsen waren. Nach neueren sorgfältigen Untersuchungen von Robbe und Hiltner scheinen die einzelnen Schmetterlingsblütler jede ihre bestimmte Pilzsorm zu haben und zu bevorzugen.
Als eine Hauptbedingung für das gute Gedeihet! der Leguminosen oder stickstofssatnmelnden Pflanzen hat sich noch erwiesen: das Vorhandensein von den übrigen Nährstoffen, besonders Kali und Phosphorsäure im Boden und zwar in ausreichender Menge, damit sie durch diese Düngung veranlaßt werden, begierig den Stickstoff aufzunehmen, sie dadurch gleichsam „stickstoffhungrig" gemacht werden.
Die verschiedenen Zwecke, die man mit der Gründüngung verfolgt, sind folgende:
1. Den freien Stickstoff in der Lust, der Vs thres Gesamt- Volumens ausmacht, dem Boden in einer solchen Form zuzuführen, wie ihn nachfolgende stickstoffzehrenden Pflanzen gebrauchen können.
2. Den Boden mit Humus zu versorgen. Es ist dtes für die leichten und humusarmen Böden von außerordentlicher Bedeutung. , „ ,
3. Den auf die stickstoffsanunelnden Pflanzen folgenden Gewächsen einen Weg in den Untergrund anzubahnen, damit sie den Nährstoffvorrat und Wassergehalt des Untergrundes besser ausnutzen können. Eine sehr oft zu beobachtende Erfahrung ist die, daß Pflanzen nach Gründüngung nicht so leicht durch Dürre zu leiden haben.
4. Sie hat auch noch den Zweck, auf stark durchlasstgem Boden die leicht löslichen Stickstoffverbindunaen vor dem Versickern in den Untergrund zu schützen. Zu diesem Zwecke werden besonders Senf, Buchweizen, Oelrettich und Rübsen angesäet, die sich schttell entwickeln und daher besonders dort am Platze sind, wo die vorhergehende Frucht das Feld spät räumt und die Leguminosen sich nur mangelhaft entwickeln würden. Diese Pflanzen vermögen abel nicht den Luftstickstoss einzusangen, sind aber für den gtf nannten Zweck dennoch anzubauen. r L ,CCL
Was den Anbau der Gründüngungspflanzen betrtsst, so unterscheidet man davon 3 Arten. Sie können angebaut werden: l. Als Haupt frucht, bei der in demselben Jahre auf eine Ernte zu verzichten ist. 2. Als U n t e r s a a t, wobei der Same der Gründüngungspflanzen in eine stch entwickelnde Hauptsrucht eingesäet wird, die als Ueber- frucht abgeerntet wird. 3. Als Stoppelsaat, uident man den Samen nach der Ernte der Hauptfrucht m dte umgepflügte Stoppel einsäet.
Die Haupt frucht. Sie ist überall dort am Platze, wo der Boden sehr leicht und billig ist und es nicht daraus ankommt, in einem Jahre von einem Acker eine Ernte


