Beratung auf
Sodann vertagt das Haus die weitere Mittwoch 1 Uhr.
Schluß 6 % Uhr. /
Abg. v. Bollmar
bemerkt, er habe nicht gesagt, daß der Abg. Semler die Tendenz verfolgt habe, aufzureizen, er habe nur gesagt, daß diese Rede in Frankreich so wirken könnte.
Hiermit ist die Debatte über die auswärtige Politik beendet.
Abg. v. Bollmar (Soz.),
sehr schwer verständlich, da er der Tribüne Len Rücken dreht: Wenn der Reichskanzler gesagt, er habe schon früher hier und da dem Parlament Mitteilungen über die auswärtige Politik ge# geben, so sind sie auch danach gewesen. Man vergleiche nur das, was uns über die Marokkoaffäre mitgeteilt wurde, mit den ausführlichen Aktenstücken, die der französischen Deputiertenkammer
borgelegf wurdeni Dein Antrag' Graf Hompesch stimmen wir zt Die auswärtigen Angelegenheiten werden in letzter Zeit auffallenv schwarz in schwarz gemalt. Das birgt eine große Gefahr in sich, es soll wohl nur dazu dienen, den Reichstag militärischen Forderungen geneigter zu machen. Ein allgemeines Mißtrauen greift Platz. Unsere auswärtige Politik läßt Zielklarheit und Sicherheit vermisien. Die vielen Reden und Demonstrationen sind ja wohl nicht so schlimm gemeint, wie sie klingen. M>er das Schlimme ist, daß sie im Auslande ernster genommen werden, als in Deutschland. Wir haben keinen Anlaß, unser Mißtrauen zur Regierung zurückzunehmen. Unsere innerpolitischen Verhältnisse sind dazu angetan, uns im Auslande unbeliebt zu machen. Dazu kommt noch, daß ein großer Teil des deutschen Volkes schimpflicherweise als „innerer Feind" bezeichnet wird! Herr Bassermann, der sich heute sehr liebenswürdig mit der Sozialdemokratie beschäftigt hat, äußerte seine Genugtuung über die Rede meines Parteifreundes Noske. Nur ein politischer Tor kann in diesen Auslastungen etwas Nagelneues erblicken. , Doch das nur nebenbei. Daß Deutschland zunehmend isoliert wird, haben wir Sozialdemokraten schon vor Jahren gesagt, als der Reichskanzelr noch erklärte, die französischenglische Entente berühre die Interessen Deutschlands gar nicht. Aber man soll die Reisen des Königs Eduard auch nicht überschätzen! Das englische Parlament gestattet keine absolutistischen Neigungen. Wenn die Einkreisungsbestrebungen überhaupt irgend einen Erfolg haben, so ist das lediglich der deutschen Politik zu verdanken, die eine einzige, ununterbrochene Kette von Fehlern darstellt! (Zustimmung bei den Sozialdemokraten, Unruhe rechts.)' Leider haben sich an der Hetze gegen England auch Mitglieder dieses Hauses beteiligt. Herr Bastermann hat heute sehr viel anders gesprochen als früher. Er wunderte sich über die „Nervosität" des Auslandes. Aber einen nervöseren Parlamentarier als Herrn Wassermann in Magdeburg, habe ich überhaupt noch nicht gesehen. Von einem anderen Mitglied der nationalliberalen Partei ist heute hier unverdientermaßen noch gar nicht die Rede gewesen: von Herrn Semler. Was Herr Semler neulich einem Interviewer erzählt hat, das war so ziemlich da§ Aeußerste; und das geschah nicht etwa in der Hitze des Gefechts, nein, er ließ es sich noch schriftlich geben. (Heiterkeit links.) Wenn durch seine Redensarten die Stimmung im Ausland nicht verschärft wurde, so ist das wirklich nicht fein Verdienst. Ich will mich nicht weiter mit Herrn Semler aufhalten, aber das muß ich doch sagen: wir muffen Verwahrung dagegen einlegen, daß das Ausland derartige Ergüsse irgendwie als Meinung des deutschen Volkes betrachtet! Wer so leichtfertig sprechew.-'Änn, tut nichts, als Oel ins Feuer gießen.
Bezüglich der Abrüstung stehe ich auf einem anderen Standpunkt als alle Vorredner. Ich meine, daß eine Nichtbeteiligung an der Debatte über die Abrüstung der größte Fehler wäre. Die anderen Staaten würden dann Deutschland mit Recht als einen Störenfried ansehen. Auf der ersten Haager Konferenz hat Deutschland einem Beschluß zugestimmt, der sich im Prinzip für die Abrüstung aussprach und eine bestimmte Formulierung forderte. Deswegen verlangen - meine Freunde, daß Deutschland sich nicht nur an der Haager Konferenz, sondern auch an der Debatte über die Abrüstung beteiligt. Gewiß gibt es in Frankreich Nationalisten, die gegen Deutschland hetzen, aber die Maste des französischen Volkes will nichts davon wissen. Am allerwenigsten will es sich in ein Abenteuer einlassen, anderen zu Gefallen. Es gibt viele Leute in Frankreich, die ein besseres Verhältnis zu Deutschland wollen, aber anstatt solche Bestrebungen zu fördern, hemmt man sie. Denken Sie nur an die Marokkofrage. Wir wollen eine Politik der Annäherung, des Friedens, die den Wünschen und Interessen der Völker entspricht. ^(Beifall bei den Soztaldemo- kraten.)
Abg. Liebermann von Sonnenberg (wirtsch. Vgg.):
Der Vorredner hat sich über den Ausdruck „innerer Feind"' beschwert. Aber ich könnte vieles anführen, was für die Berechtigung dieses Wortes spräche. Ich unterlaste es, weil ich nicht ba8 Bild ändern will, das sich auch beim Militäretat zeigte. Freilich, vor den Wahlen fvrach man anders, wie der Abg. Noske beim Militäretat. Wenn Deutschland sich an der Abrüstungsdebatte beteiligen wollte, würde gerade das erreicht werden, was die Sozialdemokraten vermeiden wollen. Deshalb ist cs weit bester, wir reden nicht. Wir haben das Spiel durchschaut und machen nicht mit. Die heutige Debatte hat ergeben, daß der Reichstag den Dingen mit Ruhe cntgegenschaut, daran ändert auch die Rede des Vorredners nichts.
Abg. Schrader (frcif. Vgg., schwer verständlich):
Von allen Seiten ist diesmal die Kritik zurückgestellt worden. Wir waren alle einig in dem Vertrauen auf die feste, unangreifbare Stellung unserer Nation. Wir brauchen uns nicht über jede Kleinigkeit zu grämen; daß wir „isoliert" fein sollen, brauchen wir nicht so tragisch zu nehmen. Was nun die Haager Konferenz anlangt, so können solche Kongresse doch sehr nützlich fein, um immer mehr die Mittel zu fördern, die vorhanden find, um den Krieg zu verhindern. Ich denke dabei an Schiedsgerichte. Wenn ich den Reichskanzler recht verstanden habe, hat er sich ja auch bereit erklärt, alle friedenfördernden Bestrebungen zu unterstützen. Nach den neuesten Kundgebungen von sozialdemokratischer Seite können wir jetzt mit Ruhe sagen, daß uns im Falle eines Krieges innere Schwierigkeiten nicht entstehen werden. Die Sozialdemo- Iratie fühlt jetzt, wie alle Parteien, wir können jetzt beruhigt iy die Zukunft sehen. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Zimmermann (Reformpartei)':'
Die große Unzuftiedenheit ist nur durch die Verleihung deS Schwarzen Adlerordens an den Fürsten von Monaco entstanden. Meine Freunde find stets Gegner des Zickzackkurses und der Plötzlichkeiten in unserer Politik gewesen. Wir fordern eine ruhige und stetige Politik, von der leider in den letzten Jahren wenig die Rede war.
Abg. Dr. Semler '(natl.):
Herr v. Bollmar hat mich wegen meines Interviews angegriffen. Ich hätte mich ja nun entschließen können, gar nicht zu antworten. (Lebhaftes: Sehr richtig! auf allen Seiten des Hauses.) Aber dazu hatte ich keine Veranlassung. Wer einigermaßen ruhig meine Steuerungen liest, wird finden, daß der Wunsch nach Frieden sie mir eingegeben hat. Ohnedies ist ja, Gott sei Dank, in Deutschland immer noch ein offenes Wort erlaubt, mag das nun Herrn v. Vollrnar und der offiziösen Presse gefallen oder nicht.
gebrauche wie die Herren Vorredner der Kurze halber bWn »uSdruck — wollen mit der Verwirklichung dieses Gedankens bessere Bürgschaften für den Frieden schaffen. Wer wollte solche Motive nicht durchaus billigen? Es fragt sich nur, ob die Erörterung dieser Frage auf einer Konferenz ein geeignetes Mittel ist, um diesem Gedanken naher zu treten. (Beifall.) Die Erörterung auf der früheren Haager Konferenz hatte nur das Ergebnis, daß die Machte aufgefordert wurden, daS Problem näher zu prüfen. Die deutsche Regierung ist dieser Aufforderung nachge- lommen, hat aber keine Formel gefunden, die der großen Verschiedenheit der geographischen, wirtschaftlichen und politischen Lage der verschiedenen Staaten gerecht würde und geeignet wäre, diese Verschiedenheiten zu beseitigen und als Grundlage für ein Abkommen zu dienen. Mir ist auch nicht bekannt, daß andere Regierungen glücklicher gewesen wären und eine solche Formel gefunden hätten. Solange aber nicht einmal sichere Hoffnung auf eine befriedigende Lösung der Frage und auf die Möglichkeit ihrer praktischen Durchführung besteht, vermag ich mir auch von einer Erörterung auf emerKonferenz nichts zu versprechen. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Es liegt im Gegenteil die Gefahr vor, daß durch die Berührung jeder widerstreitenden Interessen eine zweckwidrige Wirkung einträte. (Lebhafte Zustimmung.) Ick kann nicht bestreiten, daß schon die Aussicht auf eine Behandlung dieser Fragen auf der Konferenz eine beunruhigende Wirkung auf die internationale Lage ausgeübt hat. (Sehr richtig!) Als es sich, ich glaube im Jahre 1873, darum handelte, auf einer Brüsseler Konferenz das Kriegsvölkerrecht zu beraten, erklärte der englische Delegierte im Namen der englischen Regierung, die englische Negierung könne sich an der Konferenz nur beteiligen, wenn die Frage des Kriegsbeuterechts weder mittelbar noch unmittelbar berührt würde. (Hört I Hört!) Und das gleiche hätten wir jetzt auch tun können und unsere Beteiligung an der Haager Konferenz davon abhängig machen können, daß die Abrüstungsfrage nicht berührt werde. Mit Rücksicht auf das russische Programm haben wir das nicht getan, sondern wir beschränken uns darauf, diejenigen Mächte, die sich einen Erfolg von der Diskussion versprechen, diese Diskussion allein führen zu lassen. (Sehr gut! und Heiterkeit.) Ist es nun zu befürchten, daß diese unsere Zurückhaltung in dieser Spezialfrage und in den Nuf bringen könnte, aus heimlicher Kriegslust oder aus militärischem Ehrgeiz oder ans sonstigen selbstsüchtigen Motiven ein edles friedfertiges Werk zu stören? Ist es zu besorgen, daß wir dadurch den Zorn aller Friedensfreunde auf uns laden würden ? Nun, meine Herren, ich habe Grund zu der Annahme, daß auch andere Mächte eine der unfrigen ähnliche Haltung einnehmeu. Es gibt in England, in Frankreich, in Italien, in Amerika Freunde des Friedens und der Zivilisation genug, welche dem Frieden am besten zu dienen glauben, wenn sie keine Illusionen aufkommen lassen und bei der Verfolgung idealer Zwecke die Realitäten nicht aus dem Auge verlieren. Zu meiner Befriedigung ist unsere Auffassung ja neuer« dingS sogar in einem deutschen sozialdemokratischen Blatt zum Ausdruck gekommen. (Fürst Bülow macht eine Handbewegung zu den Sozialdemokraten hin.) Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt. (Große Heiterkeit.) Hoffentlich bleibt es nicht bei diesem ersten Schritt zu einer realpolilischen Beurteilung der Verhältnisie. M. H., Deutschland kann nicht unter einen Druck gestellt werden, auch nicht unter einen moralischen. (Sehr richtig!) Um unsere Ruhe nach außen zu sichern, sind wir bisher nach dem
Grundsatz der Kriegsbereitschaft
verfahren, und dieser Grundsatz hat sich bewährt. Trotz allem in der Welt gegen das deutsche Volk heimlich vorhandenen Uebelwollens ist Deutschland seit der Errichtung des Reichs von keiner Seite angegriffen worden. Ich füge so'ort hinzu, wir haben auch niemanden angegriffen, wir haben unsere militärische Stärke niemals mißbraucht und werden daS auch in Zukunft nicht tun. (Lebhafter Beifall.) Nicht nur technisch, auch moralisch haben sich unsere Rüstungen als ein gutes Friedenßwerkzeug bewährt. Daß wir uns dieses Werkzeug erhalten wollen, kann uns niemand verargen. (Allseitige lebhafte Zustimmung.) Wir wünschen nicht wieder in einen Zu stand zu geraten ähnlich dem, wo man fang: Was ist des Deuischen Vaterland? rSehr gut!) Nun ist mir ja von manchen Seiten geraten worden, wir möchten uns, um den kriegerischen Schein zu vermeiden, an der Diskussion über die Abrüstungsfrage beteiligen, da bei einer solchen doch nichts anderes herauskommen werde als allgemeine Redensarten. Ich glaube nicht, daß wir durch eine solche Taktik einen besseren Schutz gegen ungerechte Verdächtigungen unserer Friedensliebe, eine aufrichtigere Anerkennung der Schwierigkeit unserer geographischen Lage erreicht haben würden. (Sehr lebhaftes Sehr richtig 1) Dazu haben wir schon zu viel ungerechte und tendenziöse Verdächtigungen unserer friedlichen Absichten erlebt. (Zustimmung.) Es erschien mir richtiger, klüger und auch würdiger, offen zu sagen, an einer nach unserer Ueberzeugung wenn nicht bedenklichen, so doch unpraktischen Diskussion können wir uns nicht beteiligen. Wir denken aber nicht daran, diese unsere Auffassung anderen aufzwingen zu wollen, und wenn bei der Erörterung der Abrüstungsfrage etwas Praktisches herauskommt, so werden wir bann gewissenhaft prüfen, ob es dem Schutze unseres Friedens, ob es unseren nationalen Interessen, ob es unserer beionberen Lage entspricht. Ich stelle mit Genugtuung und Dankbarkeit fest, daß die Gesichtspunkte, die ich soeben entwickelt habe, sich im wesentlichen mit den Ausführungen der Vertreter aller bürgerlichen Parteien decken. Gestützt aufdieseEinmüti gleit wird Deutschland auf der Haager Konferenz durch fein tatsächliches Verhalten beweisen, daß wir alle Bestrebungen, die geeignet sind, den Frieden, die Zivilisation und die Menschlichkeit praktisch zu fordern, aufrichtig unterstützen. (Allseitiger Beifall.)
Meine Herren, ich möchte jetzt auf den von mehreren Se'ten berührten
Antrag Hompesch und Genoffen
eingehen. Der Herr Staatssekretär des Aeußern wird sich über bie Stellung des auswärtigen Amtes zu diesem Anträge, ebemo wie über die Grundsätze, die im auswärtigen Amt maßgebend sind für die Rekrutierung rind Ausbildung unseres diplomatischen Personals seinerzeit äußern. Ich will meinerseits nur daS nachstehende bemerken: Ich Balte den von mehreren Herren Vorrednern ausgesprochenen Wunsch des Reichtages, über Gang und Stand unserer auswärtigen Politik unterrichtet zu werden, für durchaus berechtigt. Seitdem ich an dieser Stelle stehe, bin ich bemüht gewesen, diesem Wunsche Rechnnng zu tragen. (Zuruf von den Soz.: Davon haben wir nichts gemerkt!) Meine Herren, es gibt wohl kaum einen leitenden Minister, der sich gegenüber auswärtigen Fragen so oft und so eingehend ausgesprochen hat Ivie ich. (Sehr richtig !) Diese Anerkennung habe ich selbst in gegnerischen Blättern gelesen- Wenn der Antrag Hompesch sich auf diese Stellung beschränken würde, dann würde icb ihm nicht widersprechen, sondern gern eine entgegentommenbe Erklärung abgeben. Der Antrag fordert aber mehr, er verlangt, bafj dem Reichstag periodisch über die internationalen Beziehungen des Deutschen Reiches urkundliches Material unterbreitet werde. Dieser Forderung muß ich widersprechen, und zwar aus schwer- toiegenben Gründen. Dieser Antrag enthält ein Verlangen, das auef) in anderen Ländern, auch in rein demokratischen oder parla- mentarild) regierten Staaten nicht gestellt, geschweige denn erfüllt wrrd, denn seine Erfüllung muß die salus publica gefährden. 2,ch mochte bei dieser Gelegenheit an einen Vorgang aus jüngster Zeit erinnern In der französischen Deputierteiikammer wurde der französische Miiiisterpräsident gefragt, ob zwischen grants reict} und England eine Militärkonvention bestünde. Gewiß eine fanucriüicgenbe grage von großer Bedeutung für das franzö- filcge Bclk. Der Herr Ministerpräiident antwortete schlank-
fbegT Ich loWTs üTdft ober tif glaube es vkchk. eiferfett) Der Fragesteller nannte diese Antwort zwar ungeheuerlich, die Mehrheit der Kammer fand bie Antwort ganz verständ- lich. Im englischen Parlament ist es häufig vorgekommen, daß Minister auf bringende und eingehende Fragen über wichtige Probleme der auswärtigen Politik entweder garniLt oder nur mit ja ober nein geantwortet haben. Die Führung ber auswärtigen Geschäfte ist ein belikates Metier. Da kann bie Verantwortung sehr schwer geteilt werden. Da müssen bie entscheidenben Beschlüsse derjenigen Stelle Vorbehalten bleiben, die allein informiert ist, der das ganze Material zur Verfügung steht unb bie in ber Lage ist, sich über jede Einzelheit, über jedes Detail zu orientieren. Ich werde bestrebt fein, dem berechtigten Wunsche der Volksvertretung nach Klarheit auf dem Gebiete ber auswärtigen Politik auch ferner zu entsprechen. Ich kann mich aber nicht einer Verpflichtung unterwerfen, bereu Erfüllung llnzuträglich- feiten für bas Land zur Folge haben würbe. (Sehr richtig! rechts.) Es gibt Verhältnisse unb Umstände, wo durch jedes vorzeitige Wort Schaden entstehen unb Nachteile zugefügt werden können. (Lebhaftes Sehr richtig! rechts.)
Ich gehe jetzt über zu unserer internationalen Lage und,zu unseren auswärtigen Beziehungen. Der Abg. Bassermann hat neulich draußen im Lande seiner Genugtuung darüber Ausdruck gegeben, daß die Periode der vielen Reden nach und nach in den Hintergrund getreten wäre. (Heiterkeit.) M. H., ich halte nicht alles für gut, was bei diesem Anlaß der Abg. Bassermann über die internationale Lage und über unsere auswärtigen Beziehungen geäußert hat. (Sehr richtig! rechts.) Aber seine Ansicht über bie Nachteile des zu vielen Redens teile ich vollkommen. (Große Heiterkeit.) Und ich werde deshalb heute Ihre Zeit auch nur kurz in Anspruch nehmen. (Erneute Heiterkeit.) Es gibt Zeiten und Umstände, lvo es angezeigter ist, sich kurz zu fassen. Ich will heute nur wenige Fragen und nur solche behandeln, von deren Erörterung ich ein nützliches Ergebnis erwarte. In einem großen Teil unserer Presse ist üi den letzten Wochen die Ansicht entwickelt worden, daß Italien nur noch als ein unsicherer Teilnehmer am Dreibünde gelten konnte. Diese Meinung ist namentlich in Betrachtungen über die Begegnung von Gaeta geäußert worden, die im Gegensatz zu den ruhigen und sachlichen Ausführungen, die wir soeben von allen Seiten deS Hauses gehört haben, vielsach den Charakter einer Nervosität trugen, die im Anslande niemanden imponiert, weil sie kein Zeichen von selbstbewußter Kraft ist (Lebhafter Beifall), und vor ber sich des- fialb unsere Presse hüten sollte. (Erneute Beifallskundgebungen.) So oft unser Kaiser im Msitelmeer geweilt hat, ist er von dem König von Italien begrüßt worben, ist er mit dem
König von Italien zusammengekommen. ES war ganz
natürlich, daß ber König von Englanb, der die italienische Küste berührte, von dem Herrscher des befreundeten Landes begrüßt wurde. Zwischen England und Italien haben freundschaftliche Beziehungen von ber Zeit ab bestanden, wo Italien seine nationale Einheit erlangte. Solche Beziehungen sind vorhanden gewesen, seitdem der Dreibund besteht. ES ist mehr als einmal von dieser Bank aus bargelegt worben, daß solche freundlichen Beziehungen zwischen Italien und England nicht nur mit ber Stellung zum Dreibunbe vereinbar sind, sondern daß sie an und für sich nützlich und erwünscht sind.
Die Vorgänge in Marokko verfolgen wir aufmerksam, aber ohne Anlaß zu Argwohn. Wir rechnen auf allseitige loyale Einhaltung ber in der Algeeiraskonferenz eingegangenen Verpflichtungen, lieber Einzelheiten des Vorgehens können ja zwischen den Unterzeichnern der Akte Meinungsverschiedenheiten entstehen. Ich rechne aber für alle solche Fälle auf bie Ilärenbc Wirkung einer unmittelbaren
Aussprache. Nach wie vor verfolgt Deutschland in
Marokko keine anderen Zwecke, kein anderes Ziel als Gleichheitsberechtigung im wirtschaftlichen Wettbewerb. Wie ich somit keinen neuen Anlaß zur Trübung unseres Verhältnisses zu Frankreich sehe, vielmehr auf ein allmähliches Schwinden des Mißtrauens zwischen Deutschen und Franzosen hoffe, so stelle ich auch gern fest, daß zwischen uns und England keine Streitfragen sind, durch welche die von den besonneneren Elementen in beiden Ländern unterstützten freundschaftlichen Bestrebungen gestört werden können. (Beifall.) Auch in Persien nehmen wir ohne politische Hintergedanken nur wirtschaftliche Bewegungsfreiheit für uns in Anspruch. Gestützt auf Zusicherungen, die uns von beiden Seiten spontan gegeben worden sind, sehen wir dem Abschluß ber englisch- russischen Verhandlungen ruhig entgegen. Der gleiche, ruhig abwartende Standpunkt gilt für das, was Rußland und England als asiatische Grenzmächte über Grenzfragen vereinbart haben oder noch vereinbaren werden. Ich sehe voraus, daß man mir wieder vorwerfen wird, ich nehme die russisch-englische Annäherung zu gleichgültig hin. Nein, ich nehme sie einfach als das, was sie ist, »änilich als den Versuch, auf einem uns ziemlich fernliegenben Gebiet alte Streitfragen auszugleichen.
Ich nehme sie aber auch als Bekräftigung einer Ansicht, die ich als nüchterner Beobachter schon vor Jahren aus dem Auslände hierher mitgebracht habe, nämlich, daß wir den Gegenstand zwischen Walfisch und Elefant als veränderten Faktor in unsere politische Rechnung einstellen müssen. Es gibt überhaupt keinen Gegensatz zwischen zwei Mächten, den Deutschland dauernd als eine Gelegenheit für sich unb als eine Ungelegenheit für andere ausnutzen könnte. Das kann man offen aussprechen, ohne Leichtherzigkeit, aber auch ohne Pessimismus. Ich will bei dieser Gelegenheit nicht wiederholen, was ich gelegentlich über die Nachteile einer übertriebenen Kritik der auswärtigen Politik ausgeführt habe; ich will nur darauf Hinweisen, daß eine
ruhige, feste und mutige Beurteilung der Lage noch lange keine Schönfärberei ist. (Sehr richtig!) Daß wir von Schwierigkeiten unb Ge'ahren umgeben sind, weiß niemand besser als ich, sic sind unsere ständigen Begleiter als Folge unserer schon ans geographischen Rücksichten exponierten -Lage; aber um solche Schwierigkeiten und Gefahren zu überwinden, ist ruhiges Selbstbewußtsein und Vertrauen in die Kraft ber Nation nötig. (Beifall.) Erhalten wir uu5 das Vertrauen unb die Achtung, bie unsere Macht unb unsere Friedensliebe einflößen, legen wir unsere Freundschaft in unsere Bündnisse, unb wir brauchen nicht ängstlich zu sein, wenn Ententen abgeschlossen werden über Dinge, die uns nicht unmittelbar berühren. Von Feindschaften anderer unter einander können mir nicht leben. Lassen wir anderen die Bewegungsfreiheit, die wir für uns selbst in Anspruch nehmen, und bleiben wir uns vor allem bewußt, daß wir Schwierigkeiten um so eher und um so sicherer überwinden werden, je mehr wir eine ruhigere, stetige, sachliche auswärtige Politik treiben, und je mehr wir uns entschlossen zeigen, unseren Frieden, unsere Ehre, unsere Wcltstellung durch Sammlung aller Kräfte im Innern zu wahren, und wenn es >iot tut, einmütig zu verteidigen. (Lebhafter Verfall.)
M». Rämp seiner Partei, in i verlangt wirb, Lag unb anderen osjei «frage lammen roii Äwnahme in eine sintznnzrn, die vor «haltet worden auigeiiihnen Miß gesetzlichen Besim dem Rechtsbewuß Forderungen des
Slaalssekr. ( Antrag schon ein; gestellt, aber noc (ei. Der Borredn gespielt, wonn bei ht bie (öewähriü, j'f beseitigen, (jr,» gewandt nut der ob von diesem Erl Jjfaterial emgegan w>t den Regierung '"wieweil die gek ^t ju erholten o vorgeiallen sind, \\ * den Eharak wo»« werde nick Antwort aus den voluischen (Seine senden Gesetze t vornehmen.
Äg. Götz i dem ich kertkal ober säS Jfcn, ich f.; ' nito 'Wen,
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