und den Leuten etwas vorschießt. Frl. Smith, die trotz des englischen Namens spanisch-amerikanischen Ursprungs ?jU sein scheint, ist nämlich' Kunstschützin und schießt aus den unglaublichsten Stellungen heraus. Selbst so eine Art Apfelschuß führt sie vor, bei der der direktorliche Famulus die Nolle des leidenden Teils (nur bildlich gemeint denn es passiert ihm nichts) mit anerkennenswertem Gleicw mut ausführt. T h e n i c l i s — ein Herr und eine Dame — führen dann unter Assistenz eines netten Pagen ausgezeichnete miiuische Darstellungen rasch und zum großen Teil außerordentlich, ähnlich vor, die sie aus der Vergangenheit und Gegenwart nehmen. Der „Tanzhusar" D enter tanzt weiter und singt außerdem einige neue hübsche Couplets, die allerdings manchmal etwas sehr pikant sind. Auch die kleine Angelika Walter ist aus dem vorigen Ensemble dageblieben und findet für ihre hübschen Liedchen nach wie vor viel Beifall. Die Reihe der Bühnenvorsührungen erfährt durch einige musikalische Solovorträge eine hübsche Abwechslung, indem Herr Leder ein Lylofonftück und Herr Rhode den Polka „Teufelszunge" auf dem Piston spielen und beide recht Lobenswertes leisten. Der Kinemato- graph zeigt wieder neue Bilder.
△ Queckborn, 15. Sept. Seit der letzten in diesem Sommer hier vorgenommenen Beigeordneten- und Bürgermeisterwahl, bei der zwei Parteien heiß gerungen haben, ist unser Dorf in zwei feindliche Lager gespalten. Die Partei des Bürgermeisters werden die „Preußen", deren Gegner die „Russen" genannt. Bei der zuerst stattgefundenen Beigeordnetenwahl siegten die „Russen", während die „Preußen" bei der Bürgermeisterwahl den Sieg davontrugen. Bei dem heutigen Kirchweihfest fand die P r e u ß e n- kirmes bei Gastwirt Sames, die Russenkirmes bei Gastwirt Görnert statt. Dem Gastwirt Sames, der sein Haus kürzlich erst neu verputzt und ein frisch gestrichenes Wirtsschild, ein springendes Roß, dazu hatte malen lassen, ist nun in der letzten Nacht vor der Kirmes die an der Straße gelegene Front seines Hauses, sowohl die Wand als auch die Fenster und das Wirtsschild bis oben hinauf mit Schlamm und Tierkot beworfen worden. Die Ortspolizei und die Gendarmerie von Grünberg weilten nun heute vormittag hier und forschten nach den Tätern. Dem Vernehmen nach soll es ihnen schon gelungen sein, sie in vier zum Teil unreifen Personen zu ermitteln. Sie werden sich wegen — man muß zu ihren Gunsten annehmen trunkenen Zustande verübten — Sachbeschädigung und groben Unfugs vor deur Schöffengericht zu verantworten haben.
X. <p e 11) eit Bergen, 16. Sept. Hier fiel beim Wasserschöpfen die 16jährige Schober in die Nidder und ertrank.
s. Wetzlar, 16. Sept. Tas schon seit Jahren erstrebte städtische Volksbad ist nunmehr in Angriff genommen. Als Bauplatz wurde nicht das früher Raabsche Grundstück, sondern der von der Hospiwlverwaltung. seinerzeit zur Verfügung gestellte Teil der Ochsenwiese auf der rechten Lahnseite gewählt. Der ganz aus Eisenkonftruktion aufgeführte innere Bau ist bereits fertig. Man gedenkt das Volksbad bis zum Herbst noch im Rohbau zu vollenden.
•* In Audienz empfangen wurde am Montag vormittag zu Friedberg von Sr. Kgl. Hoh. dem Groß- Herzog Bürgermeister Dr. Kaiser von Bad-Nauheim. — I. Kgl. Hoh. die Großherzogin besuchte unter Führung des Kreisrats Fey die Taubstummenanstalt. Die Abreise des Fürstenpaares nach Wolfsgarten erfolgte um 11.30 Uhr vor- mittags im Automobil.
** Der neue Prälat D. Dr. Flöring ist durch seine 'Ernennung zu dieser Stelle nach der Verfassmrg auch Mitglied der 1. Hess. Kammer geworden. Prälat D. Dr. Flöring wurde um 4. November 1859 in Darmstadt als Lee Sohn eines Färverei- besitzers geboren, besuchte das hiesige Gymw.ium, dann die Hoch-, schulen in Bonn, Göttingen! und Basel und machte 1883 fein ^taat3^ examen. Er wurde zuerst als Vikar in Kettenheim verwandt und kam dann »ls Hilfslehrer an das Schullehrerseminar nach Mzey. 1884 vikarierte er in Bickenbach und Alsbach und 1885 tourbe er Pfarrer an der Martinsgemeinde in Darmstadt. Im Jahre 1862 wurde er alsdann als dritter Professor an das Predigerseminar nach Friedberg berufen, wurde nach kurzer Zeit Weiter Professor daselbst und am 1. Febr. 1900 Oberkonsistonal- stat und Superintendent für Starkenburg. In der Kvrrc. scheu Frage ist er sehr für die Freiheit der politischen Stellung des Pfarrers ein getreten.
ehrerpersonalien. Ernannt wurde der Lehrer Aron Salomon zu Sprendlingen zum Lehrer cm dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Gießen unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer, lieber tragen wurde dem Lehrer Jak. Strauß zu Gießen mit Wirkung vom 16. Sepc. 1907 an eine Lehrerstelle an der Gemeiitdeschule zu Sprendlmgen (Kr. Alzey).
** Beflaggt haben aus Anlaß des Geburtstages Ihrer Kgl. Hoh. der Großherzogin die staatlichen und städtischen, sowie eine Reihe privater Gebäude.
** Vom Manöver. Die „Schlacht" bei Wenings-Merken- stcktz ist geschlagen und damit der erste Gefechtstag beendet. Dieses Gelände liegt etwa 1 Stunde südlich von Gedern und eignet stch vorzüglich zum Manöver. Die Truppen der beiden Divo- sioneu waren am Montag früh 3 Uhr aus ihren Quartieren aufc gebrochen, sie lagen zwischen Hungen-Langsdorf, 118 er und Soden-
** Verhaftet. In einem hiesigen Hotel hatte sich seit einigen Tagen ein Reisender Har tung nebst Frau einlogiert. Die Kriminalpolizei hatte Wind davon bekommen, daß Hartung unter falschem Namen reift und eine steckbrieflich verfolgte Persönlichkeit sei. Es bestätigte sich dies vollauf, denn nach seiner Festnahme gestand er zu, daß er der von der Kö"'gl. Staatsanwaltschaft Rostock steckbrieflich verfolgte August May aus Krefeld sei. May -ll auch noch von einer Anzahl anderer Behörden gesucht n rden, denn cs werden ihm Betrügereien zur Last gelegt, die er unter falschem Namen begangen, und auch die Militärbehörde soll sich für ihn interessieren. Seine angebliche Frau, mit der er seit einem Jahre umherzieht und die er in Wien kennen lernte, entpuppte sich als die Tttne Klara Heppner aus Hayuau, zuletzt wohnhaft in Karlsruhe.
** Der Progranimwechsel im Kolosseum hatte gestern abend wieder ein sehr zahlreiches Publikum in das beliebte Ve^gnügungslokal gezogen, das dem sehr umfangreichen und teilweise recht guten Programm mit großem Interesse folgte. Schon der zuerst auftretende Froschimitator V i n c e n t o erregte durch seine außerordentliche Körpergewandtheit, die sich in unglaublichen Glieder- verreukungen äußerte, lebhasteu Beifall, der sich noch steigerte, als er im späteren Verlauf des Programms als Harlekin unter Assistenz einer allerliebsten lebenden Puppe feine Künste am Trapez wiederholte. Als Hand- und Kvps- akrobaten glänzten mit sehr sicherer und dabei gefällig vorgeführter Arbeit die Gebrüder Rich ard t, die sich in einer im 2. Teil vorgeführten Programmnummer in Vater und Sohn (Deslion und sils) verwandelten und als Holzhacker drastisch-komische Parterregvmnastik boten und lebhaft beklatscht wurden. Wer viele bringt, wird jedem etwas bringen, dachten wohl die fünf Damen, als sie den Entschluß faßten, als Erika-Quintett der Welt etwas vorzuspielen, zu fingen und zu tanzen. Sie taten es mit vielem Bemühen und — wenigstens nach dem Beifall zu urteilen — großem Erfolg. Während sonst vielfach Künftlerinnen nur gegen Vorschuß zu arbeiten pflegen, ist diesmal eine ge- kommen, die der Abwechslung halber umgekehrt verfährt
der Ferne weidet an einem Berga^hange auf^ glfeift Tru? eine Schafherde. Zwei katholische Geistliche kommen des Weges und bitten Den Herrn höflich, er möge auch sie nbfoiiterieien. Der Jüngling bemerkt darauf mit malitiöfem Lächeln: „Ja, meine Herren, sehr gern, ich habe soeben schon Schafe ausgenommen." Daran! einer der geistlichen Herren: „Das trifft sich ja vorzüglich, sind ivir doch die Hirten." — Ein Pendant dazu, das sich vor Jahren auch hierzulande abgespielt haben soll. Der neue Pfarrer der Gemeinde H . . . bach, ein wie überhaupt, so auch in seiner Kleidung die größte Schlichtheit liebender Herr, hat sich un benachbarten Walde verirrt. Da begegnete er einem Schweine hütenden Hirten. Diesen fragt er nach dem Wege nach H. und erhält genügende Auskunft. Er beginnt dann noch ein längeres Gespräch mit dem Hirten und fragt ihn u. a. auch nach dem Lohii, De» er für das Hüten erhält. Der Hirte nennt einen höchst bescheidenen Betrag und der Pfarrer bemerkt dazu: „Tas ist sehr wenig. Ich bin auch Hirte, bekomme aber einen ivcit höheren Lohii. Daraus entgegnete bedächtig Der Nachkomme des göttlichen Sauhirten Eumäus': „Tann hast Du geiviß auch mehr Säu' als ich 1" Der Pfarrer läßt sich durch dieje'verblüffende Bemerkiiilg nicht an§ der Fassung bringen und erwidert salbungsvoll: „Ich bin em Hirte, der seiner Herde Den Weg zmn Himmel weist/ Daraus Der andere: „Was, Tii willst den Weg zum Himmel wissen und kennst tlicht einmal Den nach H . . . . bach?"
— Kleine Kunftchronik. Dem Städelfchen Kunstinstitut in Frankfurt ist leider eine bedeutende Erbschafl entgangen. In Parts starb vor kurzem der Mäzen Rudolf Kann, dessen hinterlassene große Gemälde-Sammlung von bei Londoner Firma Duveen Brother pngclauft wurde uni) wahrscheinlich zum größten Teil nach Amerika wandern wird. 'Nach einem Gespräch mit einem Knnftgelehrten kurz vor dem Todi des Besitzers ging sein letzter Wille dahin, Dem Städetmuscum seiner Vaterstadt Frankfurt namentlich Die Engländer uuD späterer Italiener seine Sammlung zu vermachen. Drei Tage Darauf frnrb Kann, unD Da er den Besuch seines Notars ücrgcblia erwartet hatte, trat ein altes Testament zugunsten Der Geschwister auch für die Sammlung in Kraft. — Aus Berlin wird gc meldet, daß im Deutschen Theater bei einer Aufführung vor Kleists „Prmzen von Homburg" der n’"h-rt nbacivoiiucnc Herr lieget mann Den Kurfürsten m. t S^i'mchci
Persönlichkeitswucht charakterisiert 1 i
Aus Staöt und Land.
Gießen, 17. September 1907.
— Hülfe für Herbstein. Es gingen weiter ein * N. N. 1 Mk., Hetterich, Bollnbach, 1 Mk. Zusammen bis jetzt 5159,63 Mk. Unsere Geschäftsstelle ist gerne bereit, weitere Spenden anzunehmen. — Das Wohltätigkeits- Konzert, das am 1. Sept, im Botanischen Garten abgehalten wurde, erbrachte insgesauit 1199,60 Mk., nämlich 511 Mk. für Einlaßkarten, 65,60 Mk. freiwillige Gaben an der Kaffe und 623 Mk. Erlös der Wirtschaftszelte u. s. w. Die Ausgaben bestanden aus 321,76 Mk. für Waren-Liefer- ungen für die Wirtschaftszelte und 230,71 Mk. sonstige Unkosten, zusammen 552,47 Mk., so daß sich, wie schon mit- geteilt wurde, ein Reingewinn von 647,13 Alk. ergab.
Vermischtem
* Todessprung aus dem Fenster. Ein tragischer Vorgang hat sich, wie wir bereits gestern kurz meldeten, am Sonntag inBerlin abgespielt. Die 28jährige Frau des Majors im Generalstabe Robert Wegner stürzte sich aus dem Fenster ihrer im zweiten Stock belegenen Wohnung auf den Hof hinab und war sofort tot. Frau Frieda Wegner, eine geb. v. Kreuznach, war seit neun Jahren mit ihrem um 20 Jahre älteren Manne in kinderloser Ehe verheiratet. Schon seit längerer Zeit zeigte sie Spuren von Tiefsinn. Ter Zustand der Frau verschlimmerte fich zusehends. Scheren, Nadeln rc. mußten verschlossen gehalten werben, da die Kranke wiederholt geäußert hatte, daß sie sich die Pulsadern anfschneiden wollte. Eine Krankenschwester mußte Tag und Nacht am Stranfenbette toeilen. Im August wurde Die Kranke in einem Sanatorium untergebracht. Vor drei Tagen kehrte sie in Begleitung einer Anstaltsschwester in ihre Wohnung zurück. Bald nach 7 Uhr hörte man cm Sonntag vom Hofe her einen durchdringenden Schrei, Dem sofort ein dumpfer Fall folgte. Frau Major Wegner hatte sich, nur mit dem Hemd bekleidet, aus Dem Fenster des Schlaf' zimmers auf Den Hof hinabgestürzt. Hausbewohner eilten herbei und fanden die Aerrnste mit zerschmetterter Schädeldecke tot in einer Blutlache liegen und schassten sie in die Wohnung. Aerzte konnten nur noch Den Tod feststellen.
* Eisenbabnunfälle. Dem „Berl. Tagebl." zufolge passierte am Montag dem um 9.34 Uhr vom Schlesischen Bahnhofe abgehenden Kölner Schnellzuge ein eigentümlicher Unfall. Kurz hinter Hannover wurden 3 Reifende durch einen starken Ruck durcheinander geschüttelt. Tann hielt Der Zug auf offener Strecke. Es stellte sich heraus, daß man die Hälfte des Zuges verloren hatt. Ter Zug war während der Fahrt dura) Reißen der Harmonikaverbindung in zwei Teile geteilt
versäumte: die notwenoige innere, befriedigende Beziehung zwischen dem Streben hier und der Erlösung dort.
Im Innersten gepackt, wie von Goethes Faust oder wie von einem Totenfest, so trat man auf die Terrasse hittaus unter die Menschenmenge, die dort das Feuerwerk erwartete. Man brauchte ordentlich er st einige Zeit, um sich mit seiner fererlrchen Stimmung in dieser Welt wieder zurechtzufinden.
Das Großherzogliche Paar hatte inzwischen in engerem Kreise im Kurhanssaale soupiert. Als es auf dem Balkon erschien, schossen die ersten Raketen in die Lust. Sie hatten etwas von der Feuchtigkeit des Tages gelitten, weshalb sie schwerer fauchten bei ihrem Fluge und weniger leuchtend in der Höhe droben zergingen. Imposanter aber als gewöhnlich war der Schluß, als der hessische Löwe und die Großherzoglichen Initialen, von bunten Flammen um- leuchter und von unzähligen Schüssen umknattert, erschienen. Darein mischten sich die 5zochrufe der tausendköpfigen Menge.
Bald danach fuhren zwei Automobile und zwei Equipagen vor, um die fürstlichen Gäste nach Friedberg zurückzubringen. Die Polizei hatte die größte Mütze, in der dichtgedrängten Menschenmenge auch nur knapp die Fahrbahn offen zu halten. Hart am Wagenschlage stehend, empfingen dre Vordersten aus nächster Nähe den freundlichen Gruß des Fürften, der in Zivil im Automobil voranfuhr: Moderne Zeit! Die Großherzogin folgte in einer der Equipagen. Eine wallende wcige F<der schimmerte von ihren: breitrandigen Hut: cin Bi'd, das an f r ü h e r e Zeiten gemahnen tonnte. Meine Gedanken aber schweiften einen Augenblick in die Ferne zu einem unglücklichen Herrscher, der es niemals wagen durfte, sein Volt so nahe an fiel) heranzulassen! —
haben wir Nauheimer den Geburtstag der G r o g h e r z o g i n vorgefeiert und uns auch ein bißchen als Residenz fühlen dürfen. Wer weiß, was spätere Zeiten noch pringen.l .Dr. Strecker,
Die gestohlene Regimentssahne.
Der „Berl. Lokalanz." meldet aus Rotterdam: Als das 4. Infanterie-Regiment vom Zeister Lagerplatze nach feiner Garnison in Leyden zurückkehrte, entdeckte man, daß seineFahrke vom Stock abgerissen und gestohlenwar. Es handelt sich entweder um einen Racheakt oder um eine antimilitärische Demonstration. Die Schildwache, die die Fahne im Lager bewacht hatte, scheint mitschuldig zu fein. In den militärischen Kreisen herrscht große Bestürzung, weil das Regiment am 17. ds. bei der Eröffnung der Kammern durch die Königin Wil- helmina zugegen sein muß und dort nicht ohne Fahne erscheinen kann.
Lissabon, 16. Sept. Amtlichen Mitteilungen aus portugiesisch Weftafrika zufolge hat ein heftiger K a nc p f stattgefundcn zwischen Den portugiesischen Truppen und Den Cua- matas. Tie Portugiesen blieben Sieger, hatten jedoch große Verluste.
Petersburg, 16. Sept. Tie Arbeiten zu r Hebung der russischen Kaiser Yacht „S tau dar t" nehmen einen schnellen Fortgang. Durch Die Tätigkeit Der Pumpen hat sich die Wassermenge ■ im Innern des Schiffsraumes vermindert. Die Uacht nimmt jetzt eine weniger seitliche Lage ein und Der Bug hat sich gehoben.
Odessa, 16. Sept. Von einem Privat-Korrespondenten. Die an die Polizei gerichteten Befehle, die der neue StaDt- hauptmann inbetreffs Der Straßenunruhen erlassen hat, haben nur einige Tage beruhigend gewirkt. Heute kam es gelegentlich Der Beerdigung eines am Freitag getöteten Polizeibeamten namens Kartschenkento wiederum zu Ruhestö- r u n g e n. Mitglieder Des Verbandes wahrhaft russischer Leute begingen Den ganzen Tag über Ausschreitungen gegenüber Der jüdischen Bevölkerung. Zwei Juden wurden, wie es heißt, ermordet und viele verwundet. Unter Der jüdischen Bevölkerung herrscht große Besorgnis.
: Salmünster 87 er, eine Entfernung von! 12—13 Stunden. Die 168 er sind für die Zeit der Korpsmanöver der 21. Division
; zugeteilt und bilden mit den 166 ein eine neue Brigade, so daß die 21. Division über drei Brigaden verfügt. Am Samstag sollten die 168 er nach anstrengenden Gefechismärschen noch von Hungen bis Gedern,— fast 8 stunden marschieren, esl war für die Tnwpen unmöglich und so wurden sie.unterwegs verladen und nach Gedem und Oberseemen gebracht, wo Der letzte Zug um 9, Uhi' an kam. Die 166 er lagen in der Nähe. Die 115 er waren am Sonntag in Nidda und Geiß-Nidda, die 116 er in Echzell, (Stab) Bingenheim, Borsdorf, Middersheim, die 80er und 81 er bei Birstein, die 87 er und 88 er bei Soden, Salmünster, Die 117 er in Ulfa, Die 118 er in Hungen-Langsdors einquartiert. Die Truppen hatten bis ins Gefeckst zum Teil 35—40 Kilometer zurückgelegt. Das Gefecht spielte sich auf Dem Gelände zwischen Wenings und Merkenfritz ab. Um 6 Uhr gerieten bei Hirzenhain und Merken- sritz die Vorposten und Patrouillen aneinander, erst um 10 Uhr traf da sGros der 25. Division ein. Die Regimenter 115, 116, 118 sammelten sich in Nidda und marschierten über Fauerbach, Ober-Lais, Glashütten, Steinberg nach Merckensritz, um Die Nidda zu überschreiten; hier am Waldrand lag die neue Brigade der feindlichen Arpiee (166 er und 168 er). Es entspann sich ein heftiger Angriff, Die 166 er und 168 er gingen zurück au, das Gros, das indessen zwischen Gedern, Schönhausen bis östlich Wenings Ausstellung genommen halte. Da sie den Feind von Gedern erwartet hatten, so stand ihre Hauptmacht dorthin zu. Auch eine Haubitzen-Batterie war der 21. Division zugeteilt, sie hatte ihre Geschütze zwilchen Allenrod u. dem Galgenberg eingegraben und beschoß heftig bie Stellung der 49. Brigade (115 er und 116 er) am Petersberg westlich Wenings. Es enbrannte ein heftiges Gefecht, Gewehr- und Gefchützsalven erfüllten die Lust. Doch die Stellung der überlegenen 21. Division war zu stark, ihre Artillerie stand bei Schönhausen und dem Hof Wemings, Die Artillerie Der 25. Division stand am Geigenberg und am Hof Luisenlust. Um 1 Uhr mußte sich die 25. Divyion sprungweise zurückziehen über Merken- fritz, 1 ie wurde bis in den Steinberger Wald uerfolgt. Die Generale, Darunter auch der K'orpskunmandeur Exzellenz v. Eichhorn hielten auf Dem Petersberg. Eine Kompagnie Der 49. Brigade wurde abgeschnllten und außer Gefecht gesetzt. Das ganze Gefecht gilt als Vorspiel für Das am Dienstag stattfindende Hauptgefecht, das sich von Merkenfritz wieder östlich ziehen dürste. Sämtliche Fußtruppen der 25. Division, sowie von der 21. Division die Regimenter 166, 168, 87 und 88 bezogen Biwak. Die 25. Division bei Fauerbach zwischen Nidda und Ober-Lais, die Regimenter der 21. Division bei Merkenfritz und Wenings. Die Vorposten stehen sich an Der Nidda zwischen Merkenfritz und Glashütten gegenüber. Die Schlachtenbummler waren aus nah und fern herbeigeeilt und füllten das Gefechtsgelände aus. In Gedem, Ortens berg, Büdingen, Stockheim sind zahlreiche Schaulustige eingetroffen, Die am Haupttag dabei fein wollen. Mittwoch geht das Ganze gegen Den markierten Feind. — Leider trug sich am Montag ein Unglücksfall zu. Ein 61 er Artillerist stürzte vom Protzkasten und erlitt einen doppelten Kiröchelbruch, er wurde abends in das Lazarett nach Gießen gebracht.
— Aus Darmstadt, 16. Sept., wird uns geschrieben: Im Hoftheater wurde heute abend zum erstenmal das Lustspiel „Die große Gemeinde" von Lothar u. Lippfchütz aufgeführt und errang einen Erfolg, obwohl das Stück feiner Tendenz nach wenig für ein Hoftheater geeignet ist. Es handelt fiel) um bas bekannte Dreieckverhältnis in Der Ehe, das Der Ehemann dadurch beendet, daß er sich scheiden läßt und den Liebhaber zur Ehe mit seiner Frau zwingt. Er ist nun der lachende Dritte und der junge Ehemann tritt in die große Gemeinde der Ehe- blinden. Die Autoren wollen zu geistreich fein und spielen mehr als nötig mit Sentenzen. Die Hauptrollen waren mit den Herren Loehrtund Wendt gut besetzt, während die neue Salondame Fräulein Richter auch in dieser Rolle nur schön aussah.
— In Leipzig ist am 16. Sept. Der Professor der Zoologie an der Universität, Dr. William Marshall, gestorben. Prof. M., geb. am 6. Sept. 1845 zu Weimar, hat sich namentlich durch eine Reihe vortrefflicher populär-wissenschaftlicher Werke in deutschen Kreisen vorteilhaft bekannt gemacht, von denen Die wertvollsten find die „Spaziergänge eines Naturforschers" und das von Der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart herausgegebene umfangreiche Werk „Die Tiere Der Erde".
— E1 ekt ri sch er Schlaf als Anästhetikum. Stephan Ledu, ein französischer Professor Der Medizin, hat em neues Be- läubungsmittet qeümden, das geeignet ist, Ehloroform und andere Anästhetik bei Operationen zu ersetzen. Es besteht in einem tiefen Schlaf, Der durch intermittierende elektrische Ströme hervorgerufen wird.^ Die Stärke des Stromes beträgt für einen Menschen 35 Volt; Der Strom wird mit häufigen kurzen Unterbrechungen angewandt. Ledtl hat zahlreiche Expernnenle an Hunden imD an sich selbst gemacht, Die alle glückten. Ter „elektrische Schlaf" hinterläßt feine unangenehme Erscheinungen, wie andere Betäubungsmittel; Der Kranke erwacht in völligem WohlbefinDen. Die Eindrücke während Des Schlafes sind angenehm; nachher erscheint der Geist sogar llarcr, die Auffassungstrast schneller, Der Stärker fühlt sich gekräftigt, soDaß LeDu glaubt, m seiner MethoDe nicht nur ein vorzügliches Schmerzbetäubungsmittel gesunden zu haben, sondern überhaupt eine Behandlung, Die bei geistigen ErmüDungs- und Kranlheits- zusländen sehr vorteilhaft angewandt werden kann.
— Die Hirten. Ein junger Herr sitzt, so erzählt man uns, in reizender landschaftlicher Umgebung irgendwo bei uns im .Oberbeisischen und knipst mit fehiejn Kodak die Gegend ab. In


