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17.9.1907 Erstes Blatt
 
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Nr. 218 Erscheint täglich außer Sonntag«.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Eichener Familien« blätter viermal in der Woche beigelcgl und zweimal wöchentlich das Kreisblatt füt den Kreis Stehen. Fernsprech-An- schlußs. d.Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse iür Depeschen:

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Erstes Blatt

157. Jahr^nng

Dienstag 17. September 1907

9

ießener

General-Anzeiger für Oderhessen

Hotationsörud und Verlag der vrSHI'schen UnIv.°V»ch° und Steinbruderet. 8. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei; Schulstrahr 7.

Bezugspreis: monatlich 75931, viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePostMk.2.virrtel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Psennig,

Berantwortlich für den politischen Teil; E. Anderson; s. Feuille­ton und .Vermischtes P. Wittko; für .Stadt u.Land" und ^Gerlchts- saal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Are heutige Mn'mer umfaßt 10 Seiten.

Zum Kiener Parteitag.

Auf den iiitcLTia£iür.2Lcit itrugreß der Sozialisten ist jetzt der Parteitag der deutschen Sozialdenwkraten in Essen gefolgt.

Wie die deutsche Delegation astf dem internationalen Kongreß durchaus nicht einig tuen, so haben bereits die Vor­besprechungen ergeben, daß auch der Parteitag in Es|en nicht frei von Streitgkeiten sein wird. Und zwar werden sowohl die vom Parteivorstand als Tagesordnung festge­setzten Punkte wie auch die von einzelnen Wahlkreisen und Gruppen eingebrachten Anträge zu Differenzen Anlaß geben. Die erheblichste Bedeutung dürste den Verhandlungen über die letzten Reichstagswahlen zukommen. Als im vergan­genen Jahre der Reichstag aufgelöst wurde, glaubten die Sozialisten in ihrer überwiegenden Mehrheit, daß der nächste Parteitag eine Siegesfeter werben würde. Statt dessen ist aber die Zahl der sozialdemokratischen Abgeord­neten itn Reichstag bemühe aus die Hälfte zurückgegangen.

Bei den Debattetl über die Reichstagswahlen wird wohl manche Unzufriedenheit mit der Parteileitung vorgebracht werden. Um den Unzufriedenen eine große Autorität in der Partei entgegenzusetzen, ist zu diesem Punkt Bebel als Referent in Aussicht genommen. Ein wichtiges Thema ist auch die Alkoholjrage, die diesmal das erste Mal auf einem Sozialistentongreß eingehend behandelt werden soll. Trotz­dem der Alkohol und zwar in seiner schlimmsten Gestalt, im gewöhnlichen J-usel, in der Arbeiterbevölkerung die schlimmsten Verheerungen anrichtet, hielten bisher die meisten Sozialisten die Frage der Einschränkung oder Be­seitigung des Altoholgenusses für eine nebensächliche Ange­legenheit. Es lvurde allgemein der Satz vorgebracht, daß derAlkoholismus" nur die natürliche Folge von Not und Elend sei. Mit dem Referenten über die Alkoholfrage, dem früheren Abgeordneten Wurm, sind die Alkoholgegner der sozialistischen Partei aber auch nicht ganz einverstanden, denn Wurm tritt nur fürMäßigkeit" ein.

Der Bericht über den internationalen Kongreß in Stutt­gart wird vom Reichstagsabgeordneten Singer gegeben. Auch dabei sind allerlei interessante Auseinandersetzungen und Gegensätzlichkeiten zu erwarten. Hauptsächlich wird dabei die Stellungnahme zur Kolonialpolitik einer Revision unterzogen werden. Während auf dem internationalen Kon­greß infolge der Abstimmung aller möglicher kleinen und exotischen Delegationen eine Mehrheit zustande tarn, die sich gegen jede Kolonialpolitik aus sprach, war die Mehrheit der deutschen Delegierten auf dem Stuttgarter Kongreß für eine kritische Mitarbeit in der Kolonialpolitik eingetreten. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie sich die deutsche sozialistische Partei den Fesseln der Internationa len Be­schlüsse entziehen wird. Auch die Maifeiersrage wird wieder vor das Forum des Parteitages kommen. Wie bei früheren Gelegenheiten, ist dazu auch jetzt wieder der Berliner Ab­geordnete Fischer als Referent ausersehen. Alle bisherigen Beschlüsse und Anregungen haben nicht vermocht, der Mai­feier eine größere Ausbreitung zu geben n.nd so werden auch die abermaligen Verhandlungen darüber in Essen kaum eine praktische Bedeutung haben.

Verschiedene Anfrage beschäftigen sich mit der Frage der Landagitation und mit der Agitation zur Heranziehung der Landarbeiter. Es wird in der sozialistischen Partei mehr und mehr erkannt, daß die Arbeiterbewegung Stückwerk bleiben muh, wenn cs nicht gelingt, auch die ländlichen Ar­beiter, Taglöhner, das Gesinde in die Arbeiterbewegung einzuordnen. Soll dies aber gelingen, so müssen neue Mittel der Agitation gefunden werden, die Forderungen im Gewerk- schastsleben, tu der Gemeinde und im Staat dürfen nicht mehr ausschließlich auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Jndustricaibeiter zugeschnitten bleiben. Weiter soll von neuem eine Einigung zwischen den Zentralverbänden und den lokaliftischen oder anarcho-sozialistischen Gewerkschaften versucht werden. Es ist jedoch sehr zweifelhaft, ob ein solcher Versuch gelingen wird, denn diese kleineren Verbünde ver-

fallen immer mehr m Sonderbestrebungen und unpraktische Revolutionsromantik. Zu großer Bedeutung können diese Verbände schon deshalb! nicht kommen, weil sie Feinde der Tarifverträge sind. Ferner sollen aus dem Parteitag Ver­handlungen geführt werden über die Errichtung eines be­sonderen Bureaus zur Bedienung der sozialistischen Presse mit Nachrichtenmaterial.

politische Tage-ichan.

Die Enzyklika über den Modernismus.

Im Osservatore Romano ist am Montag die längst angekündigte und vom 8. Sept, datierte Enzyklika über den Modernismus erschienen. In eingehender, knapper Weise zergliedert die Enzyklika den Modernismus und unter­sucht seine verschiedenen Richtungen in der Philosophie (Agnostizismus und Jmmanenlismus) im Glauben (Sub­jektivismus und Symbolismus), in der Theologie (Anwen­dung der vorgenannten Richtungen), in der Geschichte und Kritik, und in den Reformen Radikalismus, der die Grund­lage der Dogmen der Hierarchie und der Disziplin unter­gräbt. Aus allem diesem müsse der Schluß gezogen wer­den, daß der Modernismus eine Zusammensetzung aller Ketzereien sei, und daß er folgerichtig zur Gottesleugnung führen iKÜffe. 'Die zügellose Wißbegierde und der Ehrgeiz des Individualismus, die Unkenntnis und Nichtachtung der wahren, katholischen Wissenschaft und der pflicht­gemäßen, katholischen Lehre seien es, die den Modernismus in einen beträchtlichen Teil der Katholiken und selbst des Klerus gesäet haben. Der Papst erinnert an die Maß­nahmen, die Leo XIII. zur Bekämpfung derartiger Ver­irrungen getroffen hat und ordnet folgendes an:

1. Tcr Unterricht in der scholastischen Philosophie und Theo­logie in allen Seminaren. und an allen katholischen Univer­sitäten mit Studiengängen für positive Theologie hat in auf­richtig katholischem Geiste zu erfolgen.

2. Tie Modernisten müssen aus der Leitung und dem Unter­richt in den Seminaren und an den katholischen Universitäten entfernt werden.

3. Die Bischöfe müssen ebenso wie die Delegierten des heil. Stuhles für die Fernhaltung des Klerus und der Gläubigen von der modernistischen Presse Sorge tragen.

4. In jeder Diözese ist für die Prüfung von katholischen Veröffentlichungen ein Zensorenkollegium einzusetzen. Ferner wird das Verbot Leos XIII. bestätigt, das der Geistlichkeit unterlagt, ohne die Erlaubnis des Bischoss Zeitschriften zu redigieren. Die geistlichen Mitarbeiter von Zeitschriften sind zu überwachen.

5. Den Geistlichen ist verboten, Kongresse abzuhalten, ab­gesehen von sehr seltenen Ausnahmefällen, in denen keine Gefahr des Modernismus, Presbyterianismus und Laicismus besteht.

Ferner wird die Errichtung eines Ueberwachungsrates in jeder Diözese gegen die Verbreitung moderner Irrtümer angeordnet, worüber die Bischöfe an den Papst Bericht zu erstatten haben.

Wie der Osservatore Romano hervorhebt, will die Enzyklika darlegen, daß die vom Heiligen Offizium aus­gegangenen Verdammungen gewisser Vorschläge nicht be­sondere dem Modernismus huldigende Persönlichkeiten im Auge gehabt hätte, daß diese Verdammungen vielmehr im Gegenteil das Ergebnis langen Studiums seien, durch das man zu der Erkenntnis gelangt sei, daß die fraglichen Vor­schläge mit dem Dogma im Widerspruch stehen und in jeder Weise den Lehren der katholischen Kirche widersprechen. Der Papst hebt besonders diese Darlegung hervor, weil er

Disziplin den augenblicklich herrschenden Ideen und in persönlicher Beziehung die objektive philosophische und theologische Wahrheit dem persönlichen Empfinden zu unter­werfen. Daher gerate der Modernismus in einen abso­luten Gegensatz zu dem Geiste des Dogmas und der Dis­ziplin der Kirche. Die Enzyklika verwerfe diesen Modernis­mus und unterscheide ihn scharf von den gesunden, zweck­mäßigen und modernen Studien. Sie empfehle infolge­dessen das Studium der positiven Theologie, der Wissen­schaft und der Kültur. Der Papst vollende und mache Gebrauch von dem Werke Leo XIII., einem Werke der Re­stauration, das in der Enzyklika sein Programm hinsichtlich der Doktrin und der Disziplin finde und auf das sich künftighin die Haltung der höheren Geistlichkeit gründen werde.

Der Arbcitermangel auf demLande. Von Pastor E. Sydow, Ossecken i. Pomm. Berlin 1907. Verlag von I. Harrwitz Nachfolger G. m. b. H. 8°. Preis 50 Pfg. Ein sehr beachtenswerter Beitrag zur Lösung des großen Problems, das unsere Zeit bewegt. Nach einer Untersuchung der Ursachen, welche die Entvölkerung des platten Landes herbeiführen, zeigt der Verfasser zwei Wege, um dieser Abwanderung entgegenzuwirten. Der eine Weg: Schaffung kleiner Häuslergüter durch Parzellierung von Gütern oder kleinen Wirtschasten, der heute viel betreten wird, läßt schwere Bedenken auskommen, schon weil er einen gewisser! Wohlstand des Erwerbens solcher Anwesen voraussetzt. Da­gegen erfordert die von Pastor Sydow vorgeschlagene andere Einrichtung gar kein Kapital: Der Arbeiter soll sein Eigen­tum nicht durch Kauf erwerben, sondern er soll es ersitzen. Das Land, das bisher sein Deputatland war, soll, nachdem er 15 bis 20 Jahre unter derselben Herrschaft oder auf demselben Gute gearbeitet hat, sein beschränrtes Eigentum werden. Dieser Gedanke verdient jedenfalls möglichst ein­gehende Besprechung, besonders in den lanowirtschajt- kichen Vereinigungen.

Deutscher Reich.

Frankfurt a. M., 16. Sept. Wie aus Kassel gemeldet wird, erfolgt die Abreise der kaiserlichen Familie von Wck- helmshöhe, nach den neuesten Dispositionen, am DienSt.g abend.

Berlin, 16. Sept. TerStaatsanzeiger" meldet: Dec Kaiser und König gewährte dem Minister des königlichen Hauses von Wedel unter Belassung des Ranges als Staatsminii er und Verleihung der Brillanten zum Schwarzen Adlerorüen die nachgesuchte Entlassung .aniö dem königlichen Dienste zum 1. Oktober und beauftragte mit der Verwaltung des Haus­ministeriums bis auf weiteres den Oberhof- und Hausinari ch.alU Grafen zu Eulenburg.

DerStaatsanzeiger" meldet: Regierungsrat Freiherr Schenck zu Schweinsberg in Kassel wurde zum Over- Regierungsrat ernannt und dem Regierungspräsidenten in Kassel zugeteilt.

Der englische Arbeitsminister John Burns ist in Berlin eingetroffen; er besuchte den Oberbürgermeister Kiftchner und besichtigt die nächsten Tage verschiedene städtische Einrichtungen und Anstalten.

Hamburg, 16. Sept. Tie Meldung derDeutsch-Südwesst afrikanischen Zeitung" von angeblich neuen Feindselig­keiten der Simon Copper-Leute beruht nach einer hier eingetroffenen Privatmitteilung auf Verwechslung mit dem Wiederauftauchen Morengas. Simon Copper befindet sich auf englischem Gebiet.

will, daß erkannt werde, daß alles, was gegen. die dem Modernismus huldigenden Theologen und Schriftsteller unternommen worden ift, nach langen Erwägungen und auf der Grundlage erwiesener Tatsachen, nicht aber auf Vorurteile gegen die Schriftsteller hin unternommen wor­den ist.

Die klerikalen Zeitungen besprechen die Enzyklika und bemerken, sie zergliedere den Modernismus, der dahin ziele, in sozialer Beziehung die alte katholische Doktrin und die

Ausland.

Wien, 16. Sept. Budapester Blätter hatten jüngst be­richtet, daß Kaiser Wilhelm Ende September mit deut König von Spanien gelegentlich des Besuches des letzteren in Oesterreich und Ungarn in den Szantoer Jagdrevieren des Erz­herzogs Friedrich eine Zusammenkunft haben werde. An unter­richteter Stelle wird diese Meldung auf das e n t s ch i e d e n s: e dementiert. Ein Besuch Kaiser Wilhelms in Oesterreich ober Ungarn ist für diesen Herbst ober Winter nicht mehr geplant.

Bad-Nauheimer Briefe.

IV.

Am Montag vor 8 Tagen zog das Großherzogliche Paar jur eine Woche in das schöne, weit ins Land hinaus­schauende F r i e d b e r g e r Schloß ein. Auch wir Nauheimer konnten uns in die Residenzatmosphäre mit hineingezogen fühlen, denn die enge Nachbarschaft und die besonderen Vor­züge unseres Badeortes brachten es mit sich, daß das fürst­liche Paar auch bei uns wiederholt begrüßt werden konnte. Der erste Besuch des Großherzogs am Mittwoch mittag gestaltete sich dadurch zu einem feierlichen Einzuge, daß die Schüler und Schülerinnen der hiesigen Schulen die Straße entlang Spalier standen. Der natürliche Schmuck der hohen grünen Parlbäume und der freundliche Sonnenglanz des Nachsommers gaben die rechte Willkommstimmung. Im Kurhaus fand das Diner für die durch das Manöver in unsere Gegend geführten Höheren Offiziere statt. Vorher hatte die Großherzogin die verschiedenen gemeinnützigen Anstalten der Stadt besucht; es waren die Sprudel und Neubauten besichtigt worden.

Nesidenzmüßig war denn auch das Unterhaltungspro- granu.n in den anschließenden Tagen. Im Publikum er­wartete man mancherseits schon am Samstag im T h e a t e r, ziemlich allgemein und bestimmt aber am Sonntag im Sym- phonietonzert den fürstlichen Bejuch, beide Male vergeblich. Was den erstgenannten Abend an geht, konnte die falsche Ver­mutung nur bei solchen entstehen, welche die von der Firma Blumenthal und Kadelburg nach einem Stücke Sardous be­arbeiteteE y p r i e n n e" nicht kennen. Es ist ja wahr, lei­denden Kurgästen darf auch das Theater nichts Schwerver- daukiches zumuten und an wirklich, gediegenen heiteren

Stücken ist die Welt nicht eben reich. Dieser mildernde Um­stand darf aber unser ästhetisches Urteil nicht ganz ausheben. Auch der üppigste Humor müßte immer noch durch einen ernsthaften, lebenswahren Kern sein Existenzrecht beweisen. Bei der Cyprienne dagegen ist alles, wie bei Sardou meist, recht oberflächliche Mache. Wer ein einigermaßen ehrliches, soziales Gewissen hat, wird sich sogar direkt abgestoßen fühlen müssen von Charakteren, deren höchster Lebensinhalt in Champagner, Austern und den Anregungen des Chambre separöe besteht. Diese leeren Existenzen sind denn doch zu verächtlich, als daß selbst ein Luftspieldichter sie ernsthaft als vollwertige Menschen gelten lassen dürfte.

Das fein zusammengestellte und trefflich einstudierte S y m p h o n i e ko n z c r t vom Sonntag hätte dagegen den fürstlichen Besuch wohl gelohnt. Tie Plätze waren ziemlich ausverkauft. Zuerst wurde eine der klassischen symphoni­schen Dichtungen von Saint-Saöns gespielt:Das Spinn­rad der Omphale". Ein nachgelassenes Werk des unglück­lichen Hugo Wolf schloß sich an. Eigenartig war die dritte Nummer von Claude Debussy:Der Nachmittag eines Fauns" nach einem Hirtengedicht von Mallarmö. Man hätte dieses Gedicht dem Publikum eigentlich ebenso in die Hand geben tnüssen, wie den Text zur 4. Programmnummer, viel­leicht hätte es dann eherdie Empfindungen eines Fauns,' welcher badende Nymphen beobachtet", uachznsühlen ver­mocht. Wohl war das Stück voller nlusikalischer Feinheiten, voller echt französischer Grazie. Ost lag etwas darin von der schwermütigen Sehnsucht etnes blütenduftigen Frühlings­tages. Seltener nur klang das neckische Geplätscher der Badenden in die träumerischen Töne der Hirtenflöten. Der Dirigent Herr W i n d e r st e i n hatte sich aber, wie es scheint, einen ganz besonderen Erfolg pon diesem kompoMischeu

Dteisterstück versprochen und war enttäuscht, als er ausblieb. Er erbat sich deshalb die Erlaubnis, die Nummer wieder­holen zu dürfen, ein recht dankenswertes Verfahren bei einer nicht so leicht eingehenden wertvollen Neuheit. Gewaltig war der Schluß des Programms:Tod und Verklä­rung" von Richard Strauß. In einigen trochäischen Versen wird der Phantasie des Hörers der Weg zum Ver­ständnis gewiesen. Zunächst wird der Todeskampf eines Sterbenden geschildert, fern ganzes Leben zieht in kurzen Bildern noch einmal an seinem Geist vorüber, vor allem sein rastloser Schaffensdrang, jein unbefriedigtes Aufwärts- streben. Ehe er sein Ziel erreicht, bricht ihn der Tod.

Aber mächtig tönet ihm

Aus dem Himmelsraum entgegen, Was er sehnend hier gesucht: Welterlöfung, Weltvertlärung!"

Der Schluß in Worten ist etwas kümmerlich. Das Thema im ganzen erinnert an den Faust. Aber wo Goethe die himmlische Erlösung nur als Symbol benutzt und harmoltisch aus dem irdischen Streben herauswachsen läßt, da gähnc hier unüberbrückt die Kluft zwischen dem ziel- und sinnlosen Diesseits und dem plötzlich unvermittelt gegebenen Jenseits. Die Musik spricht ungleich gewaltiger als die Worte. Rea­listisch erschütternd ist der Todeskamps gegeben: jd)iieibeiibe Dissonanzen! Dazwischen das fieberhafte Pochen \ . Herzens, Daun kommen bie freundlichen Erinnerungen der Jugend und weiter der Kampf des Mannes. Das Motiv seines Suchens klingt immer wieder von neuem an, ohne aber je sich zu vollenden. Erst nach dem Tode rundet fiel) die Me­lodie zu einem vollen Ganzen. So gibt die musitalisck-e Sprache schließlich doch, was die dichterische in. diesem Falle