Ausgabe 
15.8.1907 Erstes Blatt
 
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das Wort ergreifen und ihrer Sympathie für den Abrüstungs­gedanken Ausdruck geben. Geschähe dies, so würde eine Debatte vielleicht schwer zu vermeiden sein. Darum sucht man gegenwärtig die Amerikaner zu bewegen, der englischen Wunschresolution schweigend zuzustimmen.

Der amerikanische Telegraphistenstreik.

Newyork, 14. Aug. Die Lage des Ausstandes f ft wenig verändert. Die Ausständigen sind trotz ihrer Siegesgewißheit darüber enttäuscht, daß die Eisenbahn- Telegraphisten, deren Zahl an 40000 ist, noch nicht den Ausstand erklärt haben. Die Ausständigen erklärten sich bereit, dringende Nachrichten, wie Todesnachrichten, zu telegraphieren. Die Telegraphengesellschaften erklären eine Intervention der Bundesregierung fcür unnötig. Der Betrieb der Associated Preß ist wieder ziemlich im Gange.

Bon beiden Parteien im Telegraphistenstreik wird erklärt, daß die Lage sich gebessert habe. Die Gesellschaften behaupten, daß sie in vergangener Nacht ge­nügend Ersatzkräste erhalten hätten, um den gewöhnlichen Geschäftsbetrieb aller Bureaus in allen Teilen des Landes aufrecht erhalten zu können. Die Telegraphisten erklären, daß der gestrige Zuwachs an Ausständigen die noch Schwankenden anderer Bureaus veranlaßt habe, sich der Bewegung anzu- schließen. Ein Mitglied des Newyorker Staatsdepartements hat den Leitern der Western Union und der Postal Telegraph Company seine Vermittelung angeboten, ober die Antwort erhalten, daß es nichts zu schlichten gebe. Die Newyorker Telegraphisten-Vereinigung erklärte dem Betreffenden, die Telegraphisten seien bereit, sich einer ernst gemeinten schieds­gerichtlichen Entscheidung zu unterwerfen. Die Telegraphen- gesellfchaften haben aber bis jetzt sich hierzu noch nicht bereit erklärt.

Die Pacific Cable Company gibt bekannt, daß die telegraphische Verbindung mit Tokio, Osaka, Kobe und Yokohama unterbrochen ist. Eine meitcre Erklärung wird nicht gegeben.

Chicago, 14. Aug. Da§ Exekutivkomitee der Telegraphenboten hat beschlossen, den Vorsitzenden zu ersuchen, den sofortigen allgemeinen AuSstand zu verfügen.

Berlin, 14. Aug. Infolge deS im Bereiche der nord- amerikanischen Land-Telegraphen-Gesellschaften ausgebrocheiien Streikes sind, wie amtlich mitgeteilt wird, Tele­gramme nach allen Orten der Vereinigten Staaten außer Newyork und Boston Verzögerungen unterworfen. Ihre Annahme erfolgt nur auf Gefahr des Absenders.

Deutsches Reich.

/ Berlin, 15. Aug. DieVoss. Ztg" meldet aus H a m- Burg: Die Polizeibehörde wies 13 lästige russische Ausländer aus, darunter 3 Frauen.

DieVoss. Ztg." erfährt, daß in dem Prozesse, den der Reichskanzler gegen den Herausgeber der kolonialen Zeitschrift A. Herfurth wegen Beleidigung der Ange­hörigen der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika ange­strengt hat, Verhandlungstermin auf den 23. August anbe­raumt worden ist. Als Zeuge ist Generalmajor v. Deim- ling geladen.

Wilhe lmsh öhe, 14. Aug. Gemeinsam mit dem Fürsten Hohenlohe wurde der Reichskanzler Fürst Bülow zu einem Vortrag über administrative An­gel eg eilt) eit en im Reichs la nde vom Kaiser emp­fangen.

Köln, 14. Aug. Der König von Siam ist heute Nachmittag nach Paris abgefahren.

Kisumu, 14. Aug. Staatssekretär Ternbnrg ist mit der Ugandabahn von den englischen Behörden überall festlich begrüßt, in Port Florence eingetrosfen; xr reist morgen früh nach Muauza ab.

Waldenburg i. Schl., 15. Aug. Herzog von P l e ß, erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses und Kanzler des Schwarzen Adlerordens, ist gestern nachmittag 11/2 Uhr auf Schloß Albrechtsberg gestorben.

/Die neutralen Ge Werkvereine. Die in der tzefamten Arbeiterwelt mit Spannung erwartete Broschüre des Arbeitersekretärs Anton Erkelenz-Berlin:Tie neutralen Gewerkvereine" ist nunmehr im Verlage der Mitteldeutschen Volkszeitung, Weißenfels a. S. erschienen. Vom Stand­punkt des Praktikers und auf Grund langjähriger Studien, beleuchtet der Verfasser die zwischen den einzelnen Organi­sationen bestehenden Gegensätze. Dieses Buch dürste nicht nur dem Arbeiter, sondern jedem Sozialpolitiker, der sich in die Prinzipien der einzelnen Gewerkschaften zu vertiefen hat, eine Fülle von hochwichtigem Jnformationsstosf bieten. Ter Preis des Buches betrügt 1 Mk.

Arrrlanv.

. Wien, 14. Aug. TieWiener Abendpost" widmet dem bevorstehenden Besuch des englischen Königs in Ischl einen herzlichen Begrüßungsartikel; sie spricht darin aus, daß die Bevölkerung Oesterreich-Ungarns die oft erprobte tra- diwnelle Freundschaft beider Staaten wohl zu würdigen wisse, die in letzter Linie in der Gemeinsamkeit ihres politischen Zieles, der Aufrechterhaliung des Weltfriedens, wurzelt.

lWie die Politische Korrespondenz erfährt, hat der König von Italien dem österreich-ungarischen Minister des Acußern, Frecherrn v. Ach reut Hal, sein mit eigenhändiger Unter» schrist versehenes Bild geschickt als Beweis feiner lebhaften Befriedigung über den Verlauf seines Besuches in Racconigi und Desio.

. Ter Bert. Lokalanz. meldet aus Wien: DieGardasee­post" meldet aus Miva, daß'demnächst eine größere Gesell­schaft Deutscher aus Hamburg, Berlin, Frankfurt und Dresden eine Reise ins Trentino unternehmen werde, um zu zeigen, daß sie sich vor i>en Irredentisten Welsch- tirols nicht fürchten.

Paris, 14. Aug. Ohne Zeitangabe kündigt die Liberte eine Entrevue zwischen dem Zaren und König Eduard 'an. Es handle sich um die Beseitigung der letzten Schwierig­keiten des anglo-russischen Vertrages. #

. London, 1'4. Aug. In Belfast haben die Behörden nach einer Konferenz alle Truppen von den Straßen zu­rückgezogen. Heute nacht versuchten P r i e ft e r die Unruhen unter der Bedingung des Ruckzugs der Truppen zu beschwichtigen. Viele Geistliche patrouillierten durch die Stadt und drängten die Meuterer, nach Hause zu gehen. Heute nacht kam es zu wei­teren Zusammenstößen zwischen Abteilungen von Natio­nalisten und Orangisten. ' Steine wurden geworfen, viele Menschen sind verletzt.

Ter Berl. Lokalanz. meldet aus Riga: Elf Unter- Ni ilit ar s des Starorusfasllchen Infanterieregiments und der Leutnant N epi lindes Wendenschen ImfanteAeregtments sind wegen Zugehörigkeit zu der revo tu tionären Mili­tärorgan isativn verhaftet worden. Ter Offizier hat Außerdem unter den Bauern Proklamationen verteilt.

Petersburg, 14. Aug. Im Lager von Krasnoe

Diese Industrie war gut beschäftigt, dauernd brauchbare Arbeitskräfte zu

Der Absatz war durch die Konkurrenz den Mainhäfen beschränkt und die

§ 3 den

August vollständig bei.

A u t o m o b t l f a b r i k. hatte jedoch Schwierigkeiten erhallen.

B a s a l t st e i n b r ü ch e. des schwedischen Granits in

Zum Kttü'c Kau.

Am 13. d. Mts. kam Frau von Lindenau aus Karls­ruhe nach Mannheim, um die Verbindlichkeiten ihres Mannes zu 6nbncn. Die Dame ist, obwohl ihr Mann ihr Vermögen von 40 000 Mk. durchgebracht hat, durchaus nicht erbittert aus ihren Gatten. Von Interesse ist ihre Angabe, ihr Gatte sei am Abend des Mordtages nach Hause gekommen und habe ihr sofort gesagt, die Olga Molitor habe soeben ihre Mutter erschossen.

Demgegenüber ist bemerkenswert, daß Rechtsanwalt Schäsei in Baden-Baden als Vertreter der Familie Molitor die öffentlidy Anklageerhebung beantragte gegen dieBad. Presse" und der Ettlinger Landsmann" wegen Verdächtigung des Fräulein Olgt Molitor. Interessant sind die Aeußerungen, die der Schwagc Olgas, Oberstleutnant Bachelin, getan hat:

Frau Josefine Molitor, meine Schwiegermutter, war bi Mutter von sieben Kindern, sechs Töchtern und eütem Sohrn Von den Töchtern sind drei verheiratet und drei ledig, di anderen zwei ledigen Töchter, Luise und Fauni, die eine Malen in München, die andere Lehrerin in Freiburg, sind seit 190 außer Haus. Der Sohn ist Oberleutnant. Frau Josefine Molito war seit 1901 Witwe. Seitdem lebte sie allein mit Olga Molitor Ich kann aus eigener Wahrnehmung bestätigen, welch treue un fürsorgliche Tochter meine Schwägerin Olga war. Nicht nut weil wir bloß wenige Bahnstunden von Baden-Baden entfern wohnten, ich war mit meiner Frau jedes Jahr durch mehrer Monate im Hause meiner Schwiegermutter. Vor zwet >zayre erkrankte ich und wurde im Hause meiner Schwiegermutter bt zu meiner Genesung gepflegt. Während dieser Zeit hatte tc reichlich Gelegenheit, die Beziehungen zwischen meiner Schwieger mutter und meiner Schwägerin zu beobachten. Ich muß bemerket daß meine Schwiegermutter an Bronchialkatarrh litt und häusi das Bett hüten mußte. Sie wurde stets von meiner Schwägen Olga gepflegt und behütet. Sie war eigentlich nach dem Aot des Schwiegervaters ihre wahre Stütze; Meine Schwiegermulh war eine zielbewußte, energische Frau, der alle Kinder die hoch>> Ehrfurcht bezeugten. Der Gedanke an eine Disharmonie zwischc dieser Frau und dem jungen, guten, naiven Mädchen, ist gar ausgeschlossen. Gerade das Gegenteil der Verleumdungen i richtig. Olga war der Liebling und der Augapfel der Acntte Meine Schwiegermutter erblickte ihren Lebenszweck dann, iPJ Kinder glücklich zu machen. Insbesondere aber ihr jüngstes Lu'l lingskind, Olga. , .

Am 6. November nach 6 Uhr abends erfolgte das Ablebc meiner Schwiegermutter. Um 12 Uhr nachts kam ich in Baoei Baden an, meine Schwägerin Olga holte mich ab. Ihre .traue ihr Schmerz, die Führung des Haushaltes während der Leichci feierlichkeiten wer all dies beobachtet hat, muß, ohne d Charakter und die Persönlichkeit meiner Schwägerin näher ; kennen, diese Verleumdung als wahnwitzig ausschließen/ ,

Der jüngste Mitverteidiger Haus, Rechtsanwalt Oppenhevm erklärt ausdrücklich, daß die Nachricht, er und Dr. Dietz hatt Strafanzeige gegen Olga Molitor erstattet, falsch ist.

Preise waren gedrückt.

Baugewerbe. In den Hauptplätzeu des Bezirks, wie Bad- Nauheiin und Friedberg, herrschte starke Bautätigkeit, an dem elfteren Platz besonders infolge der großen staatlichen Neubauten. Auch m Butzbach und verschiedenen kleineren Orten war das Bauhandwerk gut beschäftigt.

Braunkohlen. Bei erhöhter Produktion war das Fabrikat schlank abzusetzen. Tie Verwendung der Braunkohlen lür die Industrie machte weitere Fortschritte. Der Absatz ivare noch größer gewefeu, wenn nicht ein Schadenfeuer und Stockung der Beförderung infolge von Wagenmangel hinderlich gewesen wäre.

Aus dem Jahresbericht der Handelskammer Friedberg.

III.

Industrie und Gewerbe.

Apselivein. Entsprechend den hohen Aepfelpreisen von 1905 erzielten die Preise von Aepfelweiu einen großen Aufschlag, der iiidessen bei der Kundschaft schwer durchzuführen war. Jtu Vorsommer stagiiierte das Geschält infolge der ungünstigen Witterung, jedoch räumten die Vorräte veranlaßt durch den Bierstrik im

2(115 Stadt und Lund.

Gießen, 15. Aug. 1907.

** Hühner- und Wachteljagd. 2liif Grund des der Verordnung voin 2. Sept. 1893 wurde mit Rücksicht aus Stand der Ernte und der Weinberge das Ende der

Hegzeit der Feldhühner und Wachteln für die Proviiizen Staikeubitrg, Rheinhessen iind Oberhcfsen mit Ausnahme der Kreise Tilsfeld, Lauterbach und Schotten auf den 18. A u g u st festgesetzt. Für die Kreise Lllsseld, Latlterbach und Schotten behält es bei der allgemeinen Vorschrift sein Bewenden, wo­nach die Hegzeit der genannten Wildarten am 31. August endigt.

* * Betrüger. Ein Unbekannter kaufte gestern in einem hiesigen Ladengeschäft Zigaretten und legte als Zahlung ein Z w a n z i g m a r i st ü ck hin. Als ihm daraus herausgegeben lvorden war, oerstaikd er es, neben dem herausgegebenen Gelde auch das Zwanzigmarkstück wieder, in seine Tasche luanbern zu lassen. Tie Verlauferin bc-! mcrite erst den Verlust, nacyoem der Fremde weg uac.

* * Gestohle n wurde gestern einem Arbeiter uns einem Neubau in der West-Anlage die Taschenuhr. Er halte seine Weste mit. der Uhr unbewacht in einem Raum hängen lassen.

* * Verhaftet lvurde der vom Kgl. Amtsgericht Tül- men steckbrieflich verfolgter Arbeiter Gerhard Krauthosf ans Wesel.

Groß en-Bus eck, 15. Aug. Beim Koruaufladcn ercigitele sich am Donnerstag ein bedauerlicher Unglücks-I fall. Eine Witwe namens Seipp, deren '-Miami erst vor! wenigen Wochen gestorben ist, wollte gerade die letzten Ge- bunde ausladen, als die Kühe anzogen und der Wagen in­folgedessen einen Abhang hcrabslürzte. Die Fran wurde erheblich verletzt, u. a. brach sie ein Bein, so daß sie in die Klinik nach Gießen gebracht werden mußte.

cP Hungen, 14. Aug. Tie Gewerkschaft Elisen- burg bei Hof Graß legt gegenwärtig eine große Eisen­stein Wäsche an und hat G^länoe angekaust, um nach der Oberhessischen Bahn eine Drahtseilbahn herzustelleu.

Lauterbach, 14. Aug. Den Hcinr. Sandmann II. Eheleuten dahier ging heute anläßlich der Feier der goldenen Hochzeit seitens S. K. H. des Großherzogs ein Glückivunschschreiben nebst Bildnis mit höchsteigenhändiger Unterschrift zu. Der Lachdeckermeister K iller von hier, der gestern mit seinem Motorrad zur Brandstätte in Herb­stein eilen wollte, fiihr gegen 9 Uhr auf der Straße Nixfeld- Herbstcin in das ihm entgegen kommende Fuhrwerk des Landwirts Töll von Stockhailsen, das nicht beleuchtet war. Trotz Zurufens Dülls, der den Motorfahrer anfahren fah und zur Seite fuhr, konnte das Unglück nicht vermieden werden. Killer siel wider die Deichsel und verletzte sich am Kopfe derart, daß er beivußtlos in das hiesige Krankenhaus verbracht werden uiußte. An feinem Aufkolumcn wird ge­zweifelt. Er ist Vater von vier Kindern im Alter bis zu sechs Jahren.

lp Gedern, 14. Aug. Dus Hagelwetter im Juni hat in unserer Gemarkung am Getreide großen Schadeu an­gerichtet, der von den Landwirten beim gegenwärtigen Ein­fahren der Flucht erst recht empfunden wird. An den Hal­men hängen nur noch wenige Aehren, viele Leute fahren nur das leere Stroh heim, sie werden kaum das Korn für die Winteraussaat wjeder ernten. Wie hier, so ist es auch in dem nahen Steinberg. Da es seit den 40er Jahren nicht mehr gehagelt hat, so traten die meisten Landwirte aus der Hagelversicherung, so daß nur etwa 4 Landwirte Entschädi­gung erhielten. Der Schaden wird auf etwa 2 000 0 0 Ai ark geschätzt. Unter diesen Umständen ist es sehr fraglich, ob das geplante Denkmal für den General Franseky zustande kommt, das durch freiwillige Geldspenden hier errichtet werden soll.

0 Rodheim a. d. B., 14. Aug. Tie Spar- und T ar lehns tasje in. u. H. des Bezirks Rodheim hat an Kapitalien ausgeliehen: gegen Obligationen 539 939.54 Mk., gegen Bürgschaft 180 306.21 Mk., gegen Güterkaufgelder 29 826.09 Mr. und gegen Wertpapiere 102155.09 Mk. Tie Passiva betragen: ausgenommene Kapitalien 859 495.22 Mk., Geschäftsguthaben der Mitglieder 6122 Mk., Reservefonds 36 080.46 Mk., Spezialreservefonds 13 609.17 Mk.. Rein­gewinn 1872.10 Mk. Die Zahl der Mitglieder beträgt 542.

8. Weilburg, 14. Aug. Die Einweihung des Herzog Ad ols-Dcnkrnals ist jetzt bestimmt aus Riitt- woch den 21. August vorgesehen. Die Großherzogiu-Nwtter von Luxemburg, Herzogin zu Nassau, sowie der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Baden werden zu dec Em- weihungsseier hier eintreffen. Auch die beiden luxemburgischen Prinzessinnen haben ihr Erscheinen zugejagt. Der Sohn einer hiesigen Familie hat durch Selbstmord seine Familie in große Trauer versetzt.

Bergwerk. Ein größeres Mauqanerzdergwerr unteres Bezirks ist in ausländische Hände übergegangen und soll dem Ver­nehmen nach bedeutend vergrößert werden.

Bierbrauereien. Die neue Brausteuergesetzgebung sowie die Zollcrhöhimg auf Gerste, Hopfen, Malz usw. brachten der gesamten Brauindustrie derartige 'Mehrkosten, daß sie genötigt war, die Alehrbelastunq auf die Konsumenten abzuwälzeu, was indessen nur zum Teil möglich war. Tie Braiiereieli klagen allgemein über Rückgang des Reinertrags und sehen sich gezwungen, sich zu Ringeli zilsammenzilschllebeii.

B l e ch w a r e li f a b r i k a t i o n. Umfang und Absatz war befriedigend.

B ii ch d r it ck e r e i e li. Die schivcbeiiden Verhaudlungeii und die wechseliideii Ehaiicen bezüglich des Zuftalidekoliimeiis der Er» neilerimg Der Tarifgemeinschaft der Buchdrucker beuiiruhlgten dieses Gewerbe, führten jedoch erfreulicherweise Ende des Jahres zmn Al'schliiß eines neuen Abkommens, dessen Folge durchweg eine Erhöhiiiig der Preise bediligt.

E h e Ui i s w e F a b r i t. Bei voller Beschäftigung und schlankew Absatz waren Retortellkohleii stark llachgefragt, währeild analog hierzu die Nachfrage uad) Waldkohlen uachlüßt. Infolge der erhöhten Herslelllmgskosten zogen tue Preise von essigsaurem Kalk und Essigsäilie etwas an, während die von Holzgeist u»ld Holzgeist. prouiifien etwas zurüclgiugeu. Diese Industrie klagt über nmnßcluDeu Zollschutz gegenüber dem Auslaiid, währeild das Auslend ins» desoildere Rußland uiiö Oesterreich-Ungarn unsere Ausfuhr durch übermäßige Zölle belastet uni) schädigt.

Zigarren- u n d T a b a k f a b r i k. Ter Absatz^war -gut, das Erträgnis dagegeii geriliger, da trotz der enormeii 'Steigerung der Rohtabakpieue und Erhöhimg der Prodiiklionskosten das Fabrikat nicht entsprecheude Erhöhung finden konnte.

Eisengießereien. Bei erhöhter Beschälligung und gutem Absatz klagt' die Judiistne über das alidauernde Allßveihältms, daß deii durch die Kärll'lle erhohteii Rohelseii- ur.b Kohleupreisen die Verkaufspreise liicht entsprachen. Elli befriedigelideS Resultat fonnte nur durch gesteigerte Prodiittiou gezeigt weiden.

F l a j ch e u - G t a s f a b r i k a t i o ii. Die 1906 erfolgte Steigerung der Flascheupreife wiirde durch die Erhöhung der Preße für 'Rohmaterialien (Kohleii usw.) wieder aiisgeglicheii, zumal ältere ^ldfchlüsse zil erledigen waren, Der Export ist durch die hohen Zollsätze des Aiislandes unmöglich, und krankt diese Industrie andaueriid daraii, daß die Hauptabnehmer, die 'Mineralvruiilien, infolge der hohen Zolljätze fchivierigen Export haben.

Gerbereien. Das Jahr ivar für dieses Gewerbe sehr un- günstig, da die steigenden Hüulepreise uiiö Erhöhung der Lohrinde liicht deii Lederpreiseii elilfprechen.

L a ck i a b r l k a l i o ii. Die Erhöhung der Zölle hat den Expo« liach deii Nachbarläiidern erschivert mid zwingt zahlreiche Fabriken diescr Braliche ziir Errichlnng von Lackfadiikeii in der Schweiz und Oesterreich usw. Dcr Umsatz hielt sich auf der gleichen Höhe wie un Vorjahr, dagegen ivirb über die weitere Steigerung der Rohmaterialien infolge Ringbildung geklagt. [

L i k ö r f a b r i k a t i o n. Stach mehrjährigem ungiinftigen Geschäftsgang brachte der Rückgang der Sprirituspreije dieser Branche em'uje Besserung. Unverändert wird jedoch über die eiiornien Spesen, das lauge Kreditgeben und vor allem über den Uiisiig mit Geschenken usw. geklagt.

Vermischte».

Automobilunfälle. Beim Training auf t Radrennbahn in MilvertZhofen bet München hatte Dircki Brauda, während er in höchster Geschwindigkeit die Bo durchfuhr, an seinem hundert-pferdigen Darraeq Rennwag einen Pneumatikdesekt. Dec Wagen schoß in rasendem Tem die Zielkurve empor, überschlug sich und stürzte auf anderen Seite die 8 Meter hohe Böschung hinab. Brau erlitt einen komplizierten Beinbruch, sein Chauffeur inn Verletzungen. Dec Rennwagen wurde zertrümmert. 2 folge eines Zusammenstoßes eines Automobils und ein1 Wagen sind 10 Personen schwer verletzt worden.

i Kleine T a g e s chr o n i k. Das Ehepaar v. Krup Bohlen errichtete anläßlich der Geburt eines Sohnes in Neuwied ein Erholungshaus für Beamte des «Sei In dem Nordseebad öt. Peter wurde in einem Hotel Liebespaar, das sich alsl Kaufmann Krause un\ Frau in i Fremdenbuch eingetragen hatte, erschossen aufgefunden, handelt sich um einen 23 jährigen Tu chf a b ri kan t en a Worms und um eine 19 jährige Dame aus Hamburg. mißlicher Verinögensverhältnissc und Iveil sich die Ell der Heirat der jungen jCeuie widersetzten, ist das Paar gement m den Tod gegangen. In dem Ra u b m ord pro z e ß g< den Zirkusdirektor NiederK)ser in München gelang es Stacttsanwallschast, den Oberkellner eines Wiener CafeS^ zu Mitteln, bei dem Niederhvfer die dem crnwrdeten KaufM Hendschel geraubten Ringe, ebenso die filbeime Zigarrendost, t Hendschel, wie nachgewiesen ist, bis zum Tage seines Verschi'

SseIo wurden drei stuige Leute verhaftet, ein Eisenbahntecy'- ni(er und zwei junge Mädchen, Zuhörerinnen der höheren Francnkurse. Sie werden beschuldigt, im Lager des Kürap'ier- regintented unicr den Soldaten revolutionäre Pro­paganda getrieben zu haben.

In Finnland sollen sofort große Manöver der russischen Truppen jtattfiufcen. Nach Helsingsors sind be­reits 4000 Mann abgegangen. Auch Torpedoboote und Truppen sind in der Nähe von Abo konzentriert. Die Bevöllerung bo= obachtet die russische Machtentfaltuug vorläufig passiv.