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15.8.1907 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Donnerstag 15. August 1907

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Zellenpreis: lokaNKPf., auswärts 20 Pfennig.

BezugSpretSr monatlich 75 Pf^ viertel­jährlich Ml. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg.

157. Jahrgang

Die Haager Friedens-Konferenz.

j, 14. Aug. Friedenskonferenz. In der zweiten Kommission, die vormittags unter dem Vorsitz Bernacrts-

Nr. 19(1

Erscheint täglich außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Sntzcner Familirn- blfltter viermal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich das Kreisbiati für den Kreis Gießen. Fernsprech-An­schluß f. d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen.

Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr.

enthaltung angenommen. Ebenso wird ein deutscher Antrag angenommen, der die Verantwortlichkeit dec krieg­führenden Parteien für die Verletzung des Reglements über die Gesetze und Gewohnheiten des Krieges estsetzt. England behielt hier seine Stellungnahme vor. Endlich verhandelte man über die Frage der aus Ballons geschleuderten Geschosse. General Amsurel-Frankreich wies darauf hin, um dem russischen Antrag zu entsprechen, würde es genügen, dem schon 1899 beschlossenen Verbot die Worte hinzuzufügen:durch welches Mittel auch immer*. Rußland und Italien nahmen diesen Zusatz an und zogen ihre Anträge zurück. Der neue Text wird darauf einstimmig angenommen. Bernaert-Belgien stellte dann noch vor Aufhebung der Sitzung fest, daß die von Belgien vorgeschlagene Erneuerung der Deklaration von 1899 von dec Mehrheit angenommen worden sei.

Man nimmt in den Kreisen der Delegierten jetzt an, daß die Haager Konferenz frühestens am 5. Sep­tember ihre Arbeiten beendet haben wird. Einige der Delegierten drängen zur Beschleunigung, da sie anderen Verpflichtungen nachzukommen haben. So wünscht Leon Bourgeois, Ende des Monats abreisen zu können, da er versprochen hat, einem internationalen Kongresse zu präsidieren. Dec englische Abrüstungsvorschlag wird vecmutlich schon am Donnerstag vor das Plenum gelangen. Die

= s - ^ei der Abendtafel hatten beide Herrscher die Uniform 1 55*? Gardedragoner-Regrments angelegt. Die Kapelle des

^I^eglments konzertierte, Im Verlauf des Mahles brachten Kaper ^Allhetm und König Eduard Trinksprüche aus. Nach dec Bafel hielten die Majestäten Cercle ab '

77 Das Berl Tgbl. meldet aus Wilhelrns' he: Nach der Galatafelfand zwpchen König Eduard und Kaiser Wil- helm eine längere persönliche Besprechung statt.

Wrlhelmshohe, 14. Aug. Der König von Eng- land rst um 11 Uhr 30 Minuten vou Station Withelmshöt-e abgefahren. Kaiser Wilhelm geleitete den König zur Bahn; hierzu hatte der Kaiser wieder englische Feldmarschalls- unisvrm angelegt. Die Verabschiedung war überaus herzlich m , Sr°!Lb r^ug- Tribüne hofft, König Eduards

Besua, werde die herzlichen Beziehungen zwischen D euts chland uy.d En g la nd stärken. Der König und di e Ko n i g\ ii werden nach ste s Jahr einen Besuch in Der Standard hofft, die Zusammen kunst voii Wilhelmshohe werde manche Mißverillürdnisse zerstören, aus denen streit entstehen könnte. Durch die Bande des Blutes und dre AehnliMeit der Ideelle seien England und Deutschland bestimmt, beste Freunde zu fein.

14rz ^bnrbenb latt" schreibt un-

term lu. August: König Eduard ist heute von Englaiid ab gereift und wird morgen in Wllhclmshöhe eintreffen. Tie Be­gegnung der beiden Herrscher, die dem Besuch König Eduards bei unierem Kaiser in Ischl vorangeht, ist ein erfreuliche Zeichen der ireundlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England. Nach einer Periode der Spannung die von emern Teile der europäischen Publizistik nicht ohne Sorge be- obaastet wurde, zeigt sich die Politik der beiden großen Länder wieder von g e g e n s e i t i g e m Ve v t r a u en erfüllt. Kvnn- ten sclMi bei der Entrevue vor Swinemünde die durchaus belrieoigenden Dispositionen der europäischen Politik und auch ble ausgezeichneten Aussichten für die dauernde Erhaltung des srav r<C? toec*)eTI' \° bars die Fürstenbegegnung

E.velmshöhe als em weiteres Syinpto m e iner g tua l i ch g eanderten La g e betrachtet werden. Dieser Ent­wicklung darf die österreich-ungarische Monarchie, deren friedliebende und Frieden stiftende Politik überall anerkannt und gewürdigt wird, sich umsomehr freuen, als die freundschafb- E>oziehung>en der beiden Länder, mit deren einem Oester- «utz-Ungar» durch die, in Jahrzvhnlcn bewährte Tradition des ^.rerbunde^ verknüpft ist, ivährend es zu dem anderen in dem Behältnis einer geschichtlich nie unterbrochenen Freundschaft W, durchaus den Intentionen entsprechend sind, von Venen sich die Po.iuk der Boppelmouarchie seit je^r unverrückbar leiten la üt.

.. , dem Tee rn schloß Wilhelmsthal besich-

bas ^stut m Berberbeck und kehrten dann nach Schloß Wichelmshohe zuruck, wo sie gegen 8 Uhr ein- d. llh^ sand bei den Majestäten auf Schloß Wil- helm-ck-öhe Bafel statt. Hierbei faß der König von Großbri- lamnm und Irland links neben der Kaiserin. Gegenüber saß der Kaper.

! Belgien tagte, wurden folgende Beschlüsse gefasst: Artikel 1 der Konvention von 1899 über die Gesetze und Gewohn­heiten des Krieges, betreffend Milizen und Frei­will i g e n k o rp 8 bleibt in der ursprünglichen Fassung, weil das deutsche Amendement, das auf die Forderung abzielte, daß Milizen und Freiwilligenkorps ein bestimmtes, deutliches und von weitem erkennbares Abzeichen tragen sollen, in der vorhergehenden Sitzung abgelehnt, und von Deutschland nicht wieder eingebracht worden war. Artikel 2, dec auf Antrag Deutschlands geändert wurde und bestimmt, daß die Bevöl­kerung eines nicht besetzten Gebietes freiwillig beim Hecannahen eines Feindes zu den Waffen greift und verpflichtet sein soll, die Waffen offen zu tragen, wird ohne Debatte angenommen; dasselbe geschieht mit Artikel 6, dem Amendement Spaniens und dem Untec- amendement Deutschlands, nach dem kriegsgefangene Offiziere und Unteroffiziere nicht zu Arbeiten verwendet werden dürfen, die ihrem Rang und ihren Fähigkeiten nicht entsprechen. Bei Artikel 17 wird der Text angenommen, der gefangenen Offizieren gleiches Gehalt gewährleistet wie den Offizieren des Landes, dessen Gefangene sie sind. Bei den Artikeln 22 und 44, die sich auf die Dienste beziehen, die man von den Bewohnern besetzter Länder fordern, resp. nicht fordern kann, sah sich die Kommisiion verschiedenen Anträgen gegenüber, die verbieten wollen, daß solche Bewohner zu ihrem Lande nachteiligen Handlungen gezwungen werden. Rach einer warmen Befürwortung durch General de Beer und Poortugael-Holland wird der hol­ländische Antrag mit 23 und 9 Stimmen bei einer Stimm-

ü!er freieSchwarzwälder. Ein lustigerZeitungs-, krieg m zwischen der in Triberg scheinenden ZeitungDer freie Schwarzwälder" und demUlk", dem witzigen Beiblatt des Bert, ^.gbl., ausgebrochen. TerUlk" hatte die an unfrei- williger Kvmik überreichen Theaterkritiken dieses in der Heimat vfV.Geichworenen im Hauprozcß ziemlich verbreiteten Blättchens 6wfnert und auch _ sonstige Stil proben daraus zum besten ge­geben. Etwa die folgende, die der Schilderung eines Garteni feiied entnommen ist:Im Hinterteil erhrahlte b-eng ick isa-es Feuer, bm? dem Ganzen ein frqches, prangendes Aussehen verleihte." Der gekrankteFreie Schwarzwälder" antwortet nun mit nach­stehender fulminanten Entgegnung, die an die schönsten Tage des stligenAnzonakickers" ermnert:Als eine Ehrung in gewissem ^mne betrachten wir es, daß unsere neuesten Theaterberichte zurzeit m den Spülten dec Nr. 29, Reife- und Ferieiinumnier , welcher tn Berlin herausgegeben wird, glänzen. Tie llbsichr des Gewährsmannes desUlf1' ist es, wie er eingangs erwähnt, uns ins Lächerliche stellen zu wollen, ob ihm aber Es gelingt, möge in Anbetracht der Hinfälligkeit der Sache und der schnöden Bemerkungen, welche der feine Manu um-

Mt^ert, in Frage gestellt werden. In unseren Augen ist der Ulk"-Artiiler nur eine ganz gemeine Seele und öffnen ivir unsere spalten an erster Stelle nur deshalb, um die wohlverdiente Rüge, zu beten Erteilung wir uns ermächtigt fühlen, vollends zur Geltung zu bringen. Diesbezüglich haben wir zu erwidern, daß uni er ständiger Theaterkritiker in Urlaub war, . . . daß aber unsere Berichte sich ins Kilometerweite ziehen, 'ist eine Feststellung, die nur von geistig nicht ganz normalen Menschen in Berracht gezogen werden kann. Teii Grund, Berliner Zeil- schristen zum Räsonieren zu benutzen, entdecken wir darin, daß derUlk"-Schreiber die Absicht hat, auch einer sehr be­denklichen eorte von seinen Landsleuten fein für sachkundig haltendes üreiben zu zeigen. Wir konstatieren, daß uns die Zigeunersprache, die dem Ulker hübsch anwcht, nicht gut be- kommt, und erklärten, daß es dem Freien Schwarzwälder nach wie vor ganz ferne stand, sich mit unwesentreibenden Indi- ar Aröei^lJlf Verbindung einzulassen, deshalb ist auch der Ausdruck Unwefen wir tommeii eventuell des näheren .7 In Hinsicht hinfällig und Sonnen wir dem rXtf.n' Ulh beiferec Worte zu bedienen, um

locwevyolt als Idiot gebranhnarft zu werden, lieber puupt wäre es vrcl zweckmäßiger, seinen von Wahnsinn Ichou l)alb durchleuchten Hirnkasten als Heuscheune zu

bctblrlr.d) doch wenigstens der Landwirt--

L ? ? dcu^en sein. Wenn der Arrlikler vielleicht

Kubt, durch Heranziehung ,emes Landsmannes Lessing die volle Begründung des ^potüs zu erhalten, so denken luiu doch, daß M aUF, bcy öf^tc^e ^veau stellen wird, es wäre lvahr-

11^ ?lC llc^Iay .Xet' rmt Schtoar-zwÄd« wird stuch feinLandsmann" nicht, wählen? ^lbst sich in der LanÄoirtschalt bester b<^

< Eafset, 15. Aua. Bet der Begrüßung König E d u a r d s auf d ent Bahnhofe gab der Kaiser feiner Freude Ausdruck, ihit so wohl aussehend zu finden. Im Ge- Ivrach wurde die verspätete Ankunft König Eduards enoähut. Ler König iprach 1 ein. Bedauern darüber aus, Störungen in dem semem Empfang getroffen en Arrangement verursacht zu haben, üer Käi|er anllvortete mit dem englischen Sprichwort: Bener jpat a.s niemals, ^sonderbar berührte die Ab wes eil- hett dcs englischen Botschafters in Berlin beim Empsang. Dec Botichafter kam erst um 7 Uhr zur Tafel *

Kaiser und König Kduard.

Kassel, 14 Aug. Die Ankunft König Eduards erlitt wegen verlangsamter Ueberfahrt im Kanal infolge Nebels eine Verspüt ung.

~ ? nig Eduard traf er ft um 1 Uhr 15 Min. in

Wilhelms höhe ein. Der Empfang erlitt jedoch hierdurch keine Beeinträchtigung. Truppen der Residenz Kassel und der um- liegenaen Garnisonen, sowie patriotische Vereine und christliche Gcwerksckniften und Schulen lvaren bereits um 4/zl Uhr zur aufm ar schiert. Die Zahl der Zuschauer wird auf 10 000 geschätzt. Das Wetter ist herrlich. Der Kaiser trug die Uncsorm der Royal Dragons mit dem Hosenbandorden. In Ilster Begleitung befanden sich Fürst Bülow, der Chef des iNilitarkabinetts v. Hülsen-Häselec und der Gesandte v. Jenisch. Um 1 Uhr 15 Mm. lief der Sonderzug des Königs ein. Der König trug die Uniform des 1. Dragoner-Regiments, dessen Ehef er ist, mit dem Bande des Schwarzen Aolerordens. Die Begrüßung b er bei den Monarchen lvar äußerst P 8 Ir ch,' he umarmten sich wiederholt und Mßten sich auf beibe Wangen. Auf der Fahrt nach dem Schlosse wurden die -Jconard>en durch stürmische Zurufe begrüßt, die Truppen prä­sentierten und die SNUitärkapelle spielte die englische National- Ihjnnie. root dem Schloß niarschierten die an der Spalier- bildung beteiligten Truppen vorbei, nachdem der König die Kaiserin am Schloßportal sehr herzlich begrüßt hatte. Die beiden Aio- naraien hatten auf der Terrasse Platz genommen.

W i 1 h e l m s h ö h e, 14. Aug. Vor Ankunft des Zuges sprach der Kaiser mit verschiedenen Herren der Umgebung und dann eingehend bis zur, Ankunft des Zuges mit dem Reichskanzler j u rst e nv on Bülow, der die Uniform der Bonner Husaren Mit den Generalsabzeichen und das Band des Schwarzen Adler­ordens angelegt hatte. Als der Zug einfuhr, präsentierte die scheukompagnie, und dec Kaiser begab sich allein vor das hübsch Kfd)murrte kleine Stationsgebäude. König Eduard, der die Uni- sorm der preußischeridGarde-Dragoner mit dem Schwarzen Adler- >rden trug, setzte bei der Einfahrt des Zuges den Helm mit den meiherfedern aufs H aupt wnd trat dann an die Tür seüies ^alomvagens. Der Kaiser salutierte und nicfte seinem königlichen -tKini freundlich zu, eine Begrüßung, die von König Eduard ehr herzlich erwidert wurde. Dann entstieg der König dem tragen, unterstützt vom Kaiser. Die nun folgende Begrüßung ruf dem Perron war eine ä u ß e r st h e r z l i ch e. König Eduard >egraute dann mit großer Liebenswürdigkeit den Reichskanzler Fürsten von Bülow, der einige Schritte hinter dem Kaiser '>uid. Er sprach mit ihm einige Zeit, bis der Kaiser ihm die . -rren suiies Gefolges vorstellte. Der König sieht ausgezeichnet us, er bewegt sich elastisch und hat ilicht die beschwerliche . Körperfülle früherer Jahre. Währeiid des militärischen Aktes : >at<e der Steichskanzler den Bert reterdesenglischeli aus- ' bärtigen Amtes, der König Eduard begleitet, Mr. Har- ! uligs sehr freundlich begrüßt und führte mit ihm eine lange Inter Haltung.

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Holctionsftrud und Verlag der vrührschen Univ.-Vuch- und Aeindruck-rei. K. Lange. Redattion. Expedition und Druckerei: Schuistratze r.

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S3abafi>,e5ail§aeoet>enen Bande desArchivs für hessische d eschichle und ÄilteriumSknnde^, den der Historische Bercin siir , Großherzogtum Hessen der Ludoviciana zur dritten Jahr- : ^"u^rtfeler als Festgabe dargereicht hat rmd-der in keinem allen : ®tendier Haust fehlen dürste, fini>tt sich in einer Firßnote zu der ivertvoUeil Abha,idlung des Darmstädter Archiv-Direktors Fchrn v. Schenk zu Schweinsberg überAlt-Gießen" eine auch uns plau­sibel scheinende Erklärung des NamensMäusbnra". Freiherr v. Schenk glaubt nicht an eine ehemalige Befestigung der Burg Gletzen diefes Namens. Ec meint vielmehr, daß dort Bürger namens Mauß wohnten, deren Haus Studenten scherziveise Mäns- burg nannten. Dieser Name komme seines Wissens nicht vor 1613 l.i7unVlcf) vor und war damals wohl noch neu. Herr v. Schenk fuhrt dazu als Parallelle einen alten Keller auf dem sog. Gravelius- berge au, der von Studenten Eulenburg getauft wurde, ein Name dec bleibend wurde. Andere Beispiele halten wir indeß für noch schlagendere Beweise. So tragt seit Olims Zeiten die im Besitze oer Familie Gans hoch oben auf der Höhe an der Landstrcme nach Grimberg gelegene kleine Wirtschaft im Volksmmwe den Naiiien K?rÄHClhc entspricht an der Landstraße nach Lollar dec Wirl)chafts-Name ,W e l l e r s b u r g". Diese populären v la men prechen nut erheblich größerer Beweiskraft für die v. Schenk sche Annahme der Herkmüt des Namens .Mäusburq" imd es stiinde außer Zweifel, daß, wenn sich etwa bei der Ganseburg oder der Wellersburg noch weitere Häuser angesiedclr hatten, sie allesamt in diese Namen einbegriffen worden wären. . schreibt uns aus Frau kfu r t a. M., 14. Aug.:

Max Bernsteins LustspielHertas Hochzeit" sand heute abend emc sehr sreundliche Aufnahme. Ueber die Anschläge ^chvn dagewesene kam man hinaus. Die vielen hübschen ^ituatwnen, die heftigen Worte erregten heitere Lach­lust- Bon den Darstellern ist Herr Bauer in der ausgezeich. neten Wredergabe der prachtvollen Rolle des Jakob Rosenthal hervorzuheben. ^ehr gut war Herr Bolz (Puz). Auch die Damen Sangora und König, sowie die Herren Schioarz und Reimann boten gute Leifmngen.

1O . ^as Lessing-Theaier zu Berlin eröffnete am 13. d. fern neues Spielfahr mit einer Aufführung von Ibsens Hedda Gabler".^ Das künstlerische Ereignis des Abends war wie wir im B.B. E. lesen, das Wiedererscheinen einer langentbehrten^ mr diese Buhne so wichtig gewordenen Darstellerin: der Frau Freue -r r i e s ch. Es rvar zu erwarten, daß die ungefähr acht- monalllche Pause Frau LamondrTriesch ist in die er Beit Mutter geworden - im öffentlichen Wirken keine Pause im schaffen dieser gewiffenhaften und unermüdlich aus tiefinnerem Drange an ihrer Vervollkommnung arbeitenden Künsllerin bedeuten wurde. Es war zu vermuten, daß die lange Muße ein inneres Erstarken und eine Bereicherimg in dec Mannigsaltigkeit, im Reich- uini und m dec Beseelung ihrer Ausdcucksmitteb bewirken wurde Lo wandte sich denn dem Wiedererscheinen der Fran Triesch ein bepnöeres äntcrefje aller Lreunde unjerej Lesjing-Thcaterü «u. lvüneN Ausgaben?"' l°e VevIUtet' 111dctj|'tec ^£it e»e Anzahl

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Aleines Feuilleton.

--Theobald Kerner. Nun ist Justinus Kerners Sohn, :r 93st.hrige Dichter Theobald Kerner, in dem von ihm er­sten Weinsberger Vaterhause gestorben. Mit ihm ist nun der übte dahuigegangen, der aus der Zeit derschwäbischen Schule" oa, in unsere Tage hineinragte. Der Sohn des Dichters mld isttrsehers Justiiius Kerner hat die gastliche Zeit von Weins- wg, da Leirau, tthland, Gustav Schsoab, Graf Alexander von -ürttemberg und all die anderen, deren Nameii nun ver- ia>en sind, in dem intereffunteii Hause des Vaters verkehrten, ich milgemacht, und der Geist jener schwärmerischen und doch icbec bci'chaulicheu Zeit wehte aus allem, soas Theobald Kerner -rieb. 1817 zu Gaildorf geboren, wurde er Arzt wie der Vater vet. 1848 nahm er an der freiheitlichen Beloegung teil und uche nach Straßburg flüchten. Als er zwei Jahre später liuckket-rte, wurde er verhaftet und mußte 10 Monate auf m Hohcnasperg absitzen. Xou 1853 bis 1863 stand er an der Me einer galvano-magnetischen Heilanstalt in Stuttgart und iinnftaot und __ ließ sich sodann in seiner Heimatstadt als ^t. nieder. In seinen späteren Jahren lebte er fast ans- 'jEich feinen literarischen Neigungen. Von seinen vielen chnfteii fvurdeii dieSinnigen Gedichte" (1851), die Märchen io Erzuhlungen für Kinder, das SingspielDer fliegende Schnei- r und em Lustspiel:Pastor Haber oder der neue Ahasver" rannt. Als i'.iioizinischer Schriftsteller veröffentlichte er eine Pl'i.tt überGalvaiiismus und Magnetismus als Heilkraft". 11 interessantesten sind feine Erinnerungen:Das Kerner haus o feine Gäste", das 1893 in Stuttgart erschien. Nun schien

feinen Dod das Schicksal des literargefchichtlich interes- den üernerhauses ungewiß. Doch wird die eigenartige Stätte lallen bleiben. Es war wie zu seines Vaters Zeiten, bis zuletzt le Stalle weitestgehender Gastlill-keit. Er lebte, so erzählte er ber, in feinem Weinsberg und dem Kernerbause wie auf einem lunchen Eiland voll Poesie und phantaftischer Ileberraschungen. dec Sag brachte etwas Neues. Besuche von nah und fern, der seilensten Art, Dichter, Philosophen, Diplomaten, Natur- Ichcr, Welireiscnde, Aerzte, Missionare, Geisttiche, Leute ver- tebenuer Ansicht und Glaubens, flüchtige Polen, Könige, Prinzen d Bischöfe, Kranke und Gesunde, Somnambule und Besessene, ubentranfe jeueii Alters, alles in so buntem, interessantem mengscl. Jetzt liegt das alte Haus in tiefer Trauer still und -iaffen da. Die Beisetzung erfolgte am Mittwoch auf dem iedhof in Weinsberg, an der Ruhestätte seiner Eltern. Land- >sabg. Ben hielt die Grabrede. In eindrucksvollen Worten warf der Redner ein pocsieerfülltes Lebensbild Kerners und Löerte ihn als Kämpfer für Wahrheit und Freiheit, als lieder- 0-en Sänger und als Wohltäter der Menschheit, desseii un- chütterliche Ueberzeugmigstreue jeden, der mit ihm in Ver­jüng trat, bezauberte.

Woher b er Gießener StraßennameNi ä u s- rg" stammt. In dem ueuesten, von Jul. Reinh. Dieterich ]

Me Kaiserin begrüßte den König von England bei erner Ankunft im Schloß und wohnte dann mit den Monarchen em Vorbeimarsch der Truppen bei, ebenso die Prinzessin Vik- -la Lucke, trürft Hohenlohe-Langeiiburg und sämtliche Damen urrd n-rreii der Umgebungen. Hierauf nahmen der Kaiser und die uaiferm mit dem König, den englischen Herren des Gefolges ud uen Herren des Ehrendienstes das Frühstück ein. Um 4y2 u;r Ulachicil die FürstlichkLiten mit sämtlichen Herren der Um- emmgen in Automobilen einen Ausflug n a ch Schloß Lil Helmstal, wo der Tee eingenommen wurde. Beide Herr- her und sämtliche Herren trugen Zivil. Im ersten Automobil ahnien Platz der Kaifer und der König, der Reichskanzler und ar kommanmerende General Herzog Albrecht von Württemberg. )as üublikuni begrüßte die Herrscher allenthalben auf das Haag ££2lLdyte.__ I Kommisiion.