Ausgabe 
13.2.1907 Erstes Blatt
 
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ben nächsten Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft der von ,hm so arg befehdeten Börse tagte. Der Massenandrang seiner Mit- gliedcr vertrieb ihn auch von hier und gestern hat cd fid) gezeigt, hast sogar der Riesenbau des Zirkus Busch mit seinen 10 000 Plätzen zu klein für diese Generalversammlung geworden ist. Nur die Generalversammlungen der Katholiken Deutsck-lands können heute noch mit der Vundesveranstaltung an Teilnehmerzahl wett­eifern, benn selbst die sozialdemokratischen Parteitage, die aller­dings nur als Delcgiertenversammlungen anzusehen sind, zählen ihre Teilnehmer bet solchen Gelegenheiten nur nach Hunberlen. vielleicht ist cS gerade die planmästige Durchführung der ^dce einer Gesamtbeteiligung aller Jntcreisenten an dcrartmen Ver­anstaltungen gewesen, dast alle sich mitverantwortlich fühlten und nun auch alle mittun. Bei den Landwirten ist diesmal noch die Freude über den Ausfall der letzten Reicl-stagSwahlen hinzu- gekommen. Ein Abglanz davon liegt jedenfalls aus allen den gebräunten Gesichtern, die man in diesen Tagen in der Reichs- hauvtstadt zu scheu bekommt. .

Uebrigens hat nicht nur der Bund der Landwirte von dem tn diesem Jahre so überaus starken Besuche der agrarischen Krem in der Reichshauplstabt profitiert, denn gleichzeitig hält auch bic Deutsche L a n d >v i r t s ch a f t s g e s e l l s ch a f l" hier ihre Winteriagung ab, d-e bekanntlich der iür lich verstorbene würt.emb. Geh. Hvfral Dr. Mar v. Eyth 1663 ins Leben ne|. Der leitende Gedanke: es sollten die Ergebnisse der Wissenschaft und der ncuzeclliche Verkehr der Landwirtschaft dienstbar gemocht urrd die gesamte dculsä>e Lairdwirtsämft zur Lösung der grostcn Frage eines zeitgemästen Wirtstl-astsbetriebes ausgcrufeit werden. Diesen grostcn Aufgaben gegenüber sollte sich die Gescll- schaft ganz aus eigene Kraft stellen ohne unselbstält-ütges Aitlehneii oii Staatshilie. Es mustte ixiijct zur iinanzterlen tsicher- stellung der Gesellschast ein für solä/e Zwecke bisher ungewöhultch hoher Jahresbeitrag von 20 Mark erhoben weiden. Der lurcht- bare Grundgedanke der neuen Bereinigung und die idealen -t.rieb- kräste in dc-r deutschen Landwirlichcgt erwiesen sich in Verbindung mit dem Grundsatz der Ausschlietzung aller politischen Fragen so kräitig werbend, dast sich die Mehrzahl der führenden und leistungS>ahigen Landivirte in schteilcin Zuwachs dem neuen Saniinelpuntte anschloß und damit bewicS, dast die deutsche Land- wirtschalt das ihr mit der Gründung bewiesene vertrauen au, ihre Reife rcchtiertigte. von 250 Mitgliedern im Jahre 18b4 ist dieDeutiche Landwirtschait^gesellfchajt" heute auf 16 LU< gestiegen und eine gläirzendl.« .vinanzwirtscl)ajt t>lt es dahin gebracht, dast die Gefellfu.^- t bereits eiwe Rücklage von rund- 2Va Millionen Mark anzusammeln vermochte.

Ter Lattdarbcitcrmnngel

vor dem Preußische» Abgcoroilctenhans.

Berlin, 12. Febr.

DaS Haus setzt die zweite Etatsberatung bei den einmaligen, außerordentlichen Ausgaben des Et-.ls der ic.no, oirl>cyailtichen Ver­waltung fort und zwar beim TitelForderung der inneren Koloni­sation in Ostpreußen und Pommern". Damit wird die Befprechuwg eines von den Rationalliberalen gestellten Antrages verbunden, durch den die Regierung auigciordet iuuo, der durch den Land- a r b e i t e r m a n g e l entstandenen Not abzuhelfen.

Abg. G l a tz e l (nl.) hofft, dast durch den Absu-lust der neuen Handelsverträge die größten Sorgen für die Land­wirtschaft beseitigt seien. Die Freude darüber aber werde durch die drohende Arbeilernot stark vermindert. Dast ein Not­stand hier schon vorhanden sei, bedarf keines Beweises. Wenn darüber geklagt werde, dast die Industrie der Landwirtschaft Ar­beiter entziehe, so darf man auf der anderen Seite nicht ver­gessen, welche Vorteile die Landwirtschaft von der Industrie habe. Man habe nun die Bestrafung des Kontraklbruches vc.geschlagen. Mit kriminellen Strasen solle man aber nicht zu rasch bei der Hand sein. Nichtiger sei es, dem Arbeitermangcl auf dem Wege der inneren Kolonisa­tion abzuhelsen. Durch Ansiedelung der Arbeiter werde ein kräftiges Bollwerk gegen die Sozialdemo­kratie geschaffen.

Miniiter v. Arnim bezeichnet die Ansiedelung der Arbeiter als eine groste sozialpolitische Tat. Die Kluft zwischen In­dustrie- und Landarbeiter werde dadurch überbrückt. Die Gcncral- kvmmission habe mit den Ansiedelungen gute Erfolge gehabt. Der Ansiedler müsse so gestellt werden, dast er in der Lage ist, die Be­wirtschaftung seiner Ansiedelung mit seiner Familie selbst zu bewirken, von heute auf morgen könne nichts anders werden. Die Einwanderung fremdsprachlicher Arbeiter werde nidyl ganz beseitigt werden können. Es kann sich allerdings bei dieser Frage ebenso wie bei der Entschuldungsfrage um die Aufgabe eines Jahrhunderts handeln.

Abg. Graf v. G r ö b e n (Ions.) erklärt, daß der Arbeitermangel eine Kalamität ohne gleichen bilde, Millionen von National­vermögen gehen dadurch verloren. Allerdings gäbe es kein Mittel, der Lculcnot von heute auf morgen zu steuern. Die Regierung zeige sich zur Hülfe bereit. Dem Staat bleibe hier aber jeden­falls noch viel zu tun übrig. Er wolle den nationallibcralcn An­trag gern aitiicl)nieil, da er auf die Landeskolonisation von gün­stiger Wirkung sein kann. Redner bittet die Zentralbehörde um ein etwas schnelleres Tempo bei ihren Arbeiten in der inneren Kolonisation, und geht sodann aus die über die Verwendung der Fonds für die innere Kolonisation in Ostpreusten und Ponimern herausgegebenc Denkschrift in verschiedenen Einzelheiten ein.

Landwirtschastsminister v. Arni m lehnt den Vorwurf deS Vorredners ab, dast die Regierung nicht genügend Eifer gezeigt hätte; die Kolonisation habe int Jahre 1006 bedeutend zuge­nommen.

Abg. W o h n a (freifonf.) bemerkt, daß eine der Hauptauf­gaben die Kolonisation im Westen zu erfüllen habe. Dort seien gewaltige Oedländereien, die der Kultur erschlossen werden müssen. Tas kann aber nicht von der Regierung allein aus geschehen, sondern das ganze preußische Volk müsse sich daran beteiligen.

Abg. Goldschmidt lsreis. Vpt.) führt aus, daß die Leute- not auf dem Lande nicht aushören werde, wenn nicht das ganze Volk, vor allem die Großgrundbesitzer, koloni­siert, ehe nicht höhere Löhne gezahlt, die Bildung besser werde. Die Leute auf dem Lande müstten, sich mit ihren Familien in ihren Wohnungen wohl fühlen. Mehrfamilienhäuser passen für daS Land nicht. Der Landarbeiter must zum kleinen Besitzer gemacht werden. Die Herren wollen aber billige Arbeiter, daher der Vorschlag der wcstpreustischen Landwirtschaftskammcr, Kulis einzusühren. ES würden daun all die Seuchen ins Land kommen, mit denen der Chinese behaftet sei. Das nationale Schwein werde gestützt, aber auch der nationale Arbeiter? Redner will dem nationallib. Antrag zustimmen,

Abg. v. Bocke l.bc r g ltonf.» entgegnet dem Vorredner, daß er vergesse, welcl>e Werte die Arbeiter auf dem Lande in Naturalien beziehe und ziehe nur das bare Geld in Vergleich mit dem Lohne der Fabiilarbeiler. Darüber bestehe kein Zweifel, dast die Woh­nungsverhältnisse auf dem Lande viel besser seien als in der Stadt. Tie meisten Bcstimmungeii der alten Gesindcordnung seien allerdings überlebt, daS Koali­tion 3 r e et) t könne man allcrdings den Landarbeitern nicht gewähren.

Abg Ghstling (frcif. Vpt.) führt aus, daß die Ausbildung der Arbeiter auf dem Lande nid)t gleich gut sei wie in der Stadl. Die Volksschule in der Stadt sei jedensatlS besser wie auf dem Lande. Tie Koalitionsfreiheit für die Landarbeiter sei eine For­derung, von der man nid>t abgehen könne. Die Denkschrift über den Kolon st ationsfonds enthalte recht fpärliche Angaben. Die Aus- chhrungen deS Landwirlschaftsministers waren insofern sehr er- fruilid), als er gesagt hat, die Ansiedler dürften in kein Abhangig- kcitsvcrhaltNlS gebracht werden.

Minister v. Arnim teilt noch mit, dast die Denkschrift über die AnsicdelungsfondS in späteren Jahren ausführlicher ge­staltet werde.

Abg. Dr. Heisig (Ztr.) hebt dem Abg. Goldschmidt gegen­über hervor, datz die Löhne auch der ausländiscl-en Arbeiter in der letzten Zeil unausgesetzt gestiegen seien. Mit dem Inhalt dcS nationallibtrülcn Antrages sei seine Fraktion im allgemeinen einverstanden.

Abg. Kreth (!onf.) hält die vom Abg. Goldschmidt gehaltene Rede für etwas verspätet. Das Koalitionsrecht der Landarbeiter mache sich in der Theorie sehr gut; cs konnte gefährlich werden, wenn sie während der Saat oder Ernte in einen Streik einträten Unb sic würden auch wohl nid)t den Winter zum Streik wählen. In Berlin sei festgcstellt worden, dast 12 Personen in einer Küche gewohnt haben. Solche Zustände existieren auf dem Lande nid>t.

Der Titel wird nach einer persönlichen Bemerkung des Abg. Goldschmidt mit dem nationalliberalen Anträge angenommen.

Tas Extroordinarium des landwirtschaftlichen Etats ist hier­mit er [ tbigt.________________________________________________________

politische Lagesschau.

©eßen die übe. aus hohen Reichsbant-Zinssatze hat die Bereinigung der Steuer- und Wirts chaftS- refornier einstimmig einen geharnischten Beschluß ange­nommen. Der Landesdireklor der Provinz Brandenburg, Frhr. o. M anteil ffel-Krossen, der aus fernem Herzen keine Mördergrube macht, bciuerlte in der Eröfsniingsrebe, unter Hinivels auf die wesentlich niedrigeren Diskontsätze in Frankreich, Oesterreich, Italien, Holland und in der Schweiz: Ta muß man doch sagen, daß wir dem Großkapital ganz ungeheure Summen ohne jeden Vorteil in den Rachen werfen!' Tas kräftige Bild von der Wolfs- gier deS Großkapitals fand den lebhaften Beifall der Bei- lüinmlung. Em ostprenstifcher Gutsbesitzer ging m der Debatte noch weiter, er bezeichnete die Praxis der Reichsbank, so enorme, für die Landwirijchaft unerschwingliche Zinsiätze zu ,ordern, alswucherisch'. Rechtsanwalt Efchenbach (Berlin) gelangte zu bem Schluß, daß bie Reichsbank ein Institut lediglich für Großspekulation unb großindustrielle Banken sei.

In alledem liegt gewiß Uebertreibung, und der reichs­parteiliche Abg. Dr. Arendt halte iltechl, wenn er be­zweifelte, bau die Stellung des Rclchübankp'asibenten Dr. Koch eischütiert sei. Aber bas wirb ivohl allgemein in unseren EriverbSzwelgen zugegeben werben: Solünnen die Dinge nicht bleiben. Solche Reichsbank-Zmsiätze sind in ihrer Wirkung auf bas Wirtichaftsleben gradczu em Verderb. Die Großindustrie, solange sie viele und gnlbezahlte Aufträge hat, die Speliilation können sich mit den hohen Zinssätzen allenfalls abfinden; das Kleiugeiverbe, das nicht in der Lage ist, dem Besteller Preise zu diktieren, muß, statt z>i ver- öiencn, vielfach bei Erteilung von Aufträgen zu setz en, wenn Bankgeld in Anipciieh genommen wird. Tas eine een 11 c Kalamität vorhanden ist, bestreitet auch nicmanb. 9liu wird zur Beschwichtigung gettend gemacht: Tas ist nun einmal nicht anders. Es gibt lein anderes wirkiames Mittel, die Ansprüche an bie Reichsbank zu beschränken, als die Er­höhung des Bankdiskonts. Ticste Aiiffassung hat nue den Vorzug der Einfachheit. Es lassen sich doch wohl noch 'Dlutel unb Wege ftnben mindestens zur Llndcruiig eines Uebelstanbcs l Tas, ivas der alte Herr von Kardorff der Haiiptversammluug der Steuer- und Wirtichaftsreformer vor­geschlagen hat, scheint durchaus der Erwägung wert: unver­zügliche Einsetzung einer U u ter s uch un g s -K o m m iss ton durch den Reichskanzler. Werden tn diese Kommlssion die tüchtigsten Wirlfchaftükeiiner, nicht etwa nur Finanzmänner, berufen, so wird man schon weiter kommen, als wenn man mit Gemütsruhe sich beicheidet, daß nichts zu ändern sei.

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Neue RlistungSkredite Italiens.

Man schreibt uns auS R o m:

Zu den mißtönenden Präludien, welche der zweiten FriebeuSkonferenz im Haag vorankluigen, gehören auch die neuen RüllungSkredite Italiens, die nicht weniger als 200 Millionen Lire hoch sind. Ein gewaltiger Betrag für em Land wie Italien, dessen Steuerkraft ohnehin schon auf das Aeußerste angespannt ist, trotzdem die Bevölkerung zum größten Teile eine sehr geringe wirtschaftliche Leistungsfähig, (eit aufweilt. Außerdem fordert aber auch der Marine- niinister noch 150 Millionen Lire für den Bau vier neuer gewaltiger Schlachtschiffe. Wenn es eine Grostmacht in Europa gibt, welche einen Stillstand in ihren Rüstungen eintreten lassen kann, ohne ihren Besitzstand zu gefährden, so Ut dies Italien, denn mit Oesterreich - Ungarn ist cs aliiert und mit Frankreich auf das engste befreundet. 9(ber auch ohne diese besonderen Garantien brauchte das apenninische Königreich iiicht Besorgnis zn hegen, mit feinen beiden ein­zigen Rachbarn in einen Krieg verwickelt zn werden. In Wien beult man nicht daran, bie Lombardei und Venezien zurückznerobern, unb ebenso wenig hat man in Paris Appetit auf italienisches Territorium. Andere Staaten aber kommen als Gegner Italiens überhaupt nicht m Betracht. Wenn also trotzdem die italienische Regierung auf das Eifrigste weiterrü|lct, so muß sie- offensive Absichten haben. Unb so ist and). Was auch immer die offiziellen Federn Italiens versichern mögen, eS bleibt doch eine Tatsache, daß man m Rom ebenso auf das Tentino und Triest wie auf Albanien spekuliert. Zu diesem Zwecke unb zu keinem anderen wirb gerüstet, mag auch das arme italienische Volk noch so sehr unter den immer wachsenben Militär- unö Marinelaslen seufzen. Tie starken Befestigungswerke, ivelchc Italien an seiner östlichen Grenze anfführen läßt, zeigen ebenfalls ben Weg, den die italienische Politik eiuzn- ichlagcn gebeult, sobald der günstige Augenblick gekommen ist!

Bebel

kommt ans dem .Sicheittrü'len" nicht heraus. Er stellt jetzt den Leitern deS Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie fürchterliche Abrechnung im Reichstag in Aussicht, weil von dieser Seite bie Legende in die Welt gesetzt worben sei, Bebel habe mit feinem Frennbe Singer m einem Weinlokal des Berliner Westens unlängst emEhampagnergelage' veranstaltet. Tas wirb ;a eine ergötzliche Auseinandersetzung werden, denn der 311111 erstenmal tn den Reichstag gewählte Vorsitzende des erwähnten Verbandes, Generalleutnant z. D. v. L ledert, ist nicht bet Mann, bem weißbärtigen Heist- iporn von der äuücrften Linken die Antwort schuldig zu bleiben. Uebrigens sollte Bebel nicht vergessen, dast der !chäumende Wem in seiner Partei keineswegs über alle Masten verpönt ist. Bei der Beratiing des Lchaumwelusieuergejetzes proieitierte ein wurttembergischer Parteigenosse Bebels sehr lebhaft gegen diese Steuer, weil auch die Arbeiterklasse im Lüdiveslen Deutschlands Schaumwein lonjumiere. Unb bann gibt es woljl kaum einen Sozialdemokraten, der nicht den

SUtmciflem' Bebel unb Singer mal eine Erholung beim guten Tropfen gönnen würbe. Dr. David aus Mainz de. merkte gelegentlich im Reichstage, man solle doch nicht immer auf den villenbesitz Bebels in der Schweiz anspielen. Tie gesamte Partei freue sich, daß dieser hervorragendste Führer un Frieden des eigenen HeunS neue Kraft sammeln könne für seine aufreibende Arbeit un Dienste der Besitzlosen. Unb der diesmal auf der Strecke gebliebene Herr Fischer-Sachsen meinte gar im Wahlkampf, um anständig leben zn können, sei für einen Mann wie Bebel ein Jahresoer­dienst von 20000 9)1 a rf nicht zu hoch. Bebel sieht also, dast seine Parteigenossen keine »Unmenschen^ sind, unb daß fein Ansehen im eigenen Lager keine Einbuße erleiden würde, wenn er in der Tat seine Lebensgeister mal mit Sekt anffrischte, besonders jetzt nach den schweren Enttäuschungen, die bie Wahl ihm brachte. Die Sache ist viel zu harmlos, um auf eine Verleumdung hinauSzulaufen und Bebet zu galliger Gegenrede zu veranlassen. Unter ,ehr-, schäm- unb gewissenlosem Treiben", von dem Bebel im .Vorwärts" spricht, versteht man wohl doch etwas anderes.

Deutsches tteich.

Berlin, 12. Febr. Es verlautet noch nichts Sicheres davon, baß ber Kaiser auch in diesem Frühjahre eine Mittel- meersahrt zu unternehmen vorhabe. Dagegen scheint es fest- zuftehen, daß der Kaiser am 16. April zur Teilnahme an der silbernen Hochzeit deS Fürsten unb ber Fürstin zu Schaum­burg-Lippe in Bückeburg anwesend sein wirb. Von Bücke­burg will der Kaiser auf einige Zeit nach Homburg fahren.

Die Eröffnung des Reichstages finbet am 19. b. Mts. im Weißen Saale des Kgl. Schlosses statt.

Tie nationalliberale Fraktion beS preußischen Abgeordnetenhauses hat zur Beratung des Etats der Eisen- bahuverwaltiing den Antrag emgebracht, bie Regierung zu ersuchen, mit Rücksicht auf bie Verteuerung b e 8 Per­sonenverkehrs durch die Einführung der Reichsfahr­kartensteuer unb bie baburch hervorgemfene Verschiebung in ber Benutzung der einzelnen Wagenktassen auf einen an­gemessenen Ausgleich durch Ermäßigung der Eisen­bahn perso neu tarife Bedacht zu nehmen.

9)1 ü hl Hails en i. Th., 12. Febr. Freiherr v. Zebtlitz teilt mit, er verzichte im Interesse ber nationalen Eini­gung auf bie Wiederauf Heilung ferner Kandidatur ni 9)lühlhausen, wo infolge Toppeiwahl des freisinnigen Abg. Eickhoff cme Nachwahl statisinden muß.

Dresden, 13. Febr. Das Minlsteciilm deS Innern hat bei den Kreishaupimannschasten angeregt, angesichts der großen Ueberschüsse der Cchtachthüfe die Gebühren für die Benntzling dec Schlachthof-Einrichtungen zwecks Lindcriing der Fleischlcuerung herabzusetzen.

München, 12. Febr. Mehrere Abendblätter melden, daß in den letzten Tagen hier Vorbesprechungen slattgesnnden haben bchiifs Gründung einer konservativen Partei bezw. eines rechten Ftügels der ZentrumSpartei aus den Reihen des Zentrums heraiis.

Neues aus Rufflaud.

Zu dem geplanten Bomben-Attcntat

auf dcn Grafen Wi.tc (bergt. unsere gestrigen Telegramme) wirb iwch gcmclbct: Vor einigen Tagen erjchicn Nachts bei bem wacht- haoenben Hausknecht ein unbekannter Mann und erkundigte sich danach, in welchem Flügel beS Gebäudes ber Gras schla,c. Der Hauslaccht gab keine bestimmte Antwort barauf unb ber Unbe. kannte eni.urnle sich mit den ©orten, er warne ben Gra,en, biefei möge sich einen anderen Flügel des Gebäudes zum Schlafen luagien. Der Hausknecht sprach darüber mit niemandem und legte dcr Warnung ocs Fremden keine Bedeutung bei. Die chemifcye Unteriudjung der Höllenmaschine ergab, baß bei ihrer Herstellung Nilro-Giycerin verwendet war.

Jedeuialis ist Q/m Witte nur mit knapper Not einen Bomben- AttentcU entgangen. Tie Gräfin be(anb sich im Theater, wahrend der Graf zu Hause rJ.ir unb gerade seinen Arzt empfangen hatte. Mählich embeate ein anwescnocr Freund eine Bouibe un Kamin. Dic Bombe war mit einem Zedzunder versehen und der Apparat in voller Tätigkeit. Die Bombe hatte wahrenv Oer Nacht c^plod.eren falten. Sie wurde sdstemiigst entfernt unb der Polizei über­geben.

Die Aussindung der Hüllenmasdstne erfolgte im Ofen eines ber Zimmer, bic früher eine Tochter Wittes bewohnte, bie jehl aber von niemanb bewohnt werben. Die hölzerne Kiste, in ber fich die Maschine bcjano, war mit Weister Leinwand überzogen. Der Aunahme, dast bie Kiste durch ben Schornstein in beu Ofen hinab- gelassen roorben sei, wibcrsprichl bie Tatsad)e, daß bie weiße Lcinwanb, mit ber bie Kiste überzogen ist, nicht deschmuhl war. Sdwrnstcinseger fanben in einem anderen Schornstein eine Schnur. Cs wurde zur Polizei gesd-ickt, bie in bem Ofen beS Zimmers einer Dienerin noch eine zweite Höllenmaschine bcrselbcn Konstrullion fanb. Währcnb bas Uhrwerk ber zuerst ausgefun- Denen Bombe auf ÖV2 Uhr gestellt war, war bas der ^lueiten auf 8 Uhr pcflcllt Audj bic Leinwanb, mit ber diese Höllen­maschine, tote die erste, bezogen war, hatte keine Flecken.

In ber Kohlengrube Petromarieff kProvinz 3eia- terinaslaw) ist ein 23 r a n b audgebrodjen, bei dem zahlreiche Personell umgefontmen sind. Vierzig Leichen find bis jetzt geborgen.

In verschiedenen Städten, bic eigene Vertreter in bie Duma entsenden dürfen, sanden Wahlmänncrwahlen statt. Jede Stadt wählt 60 Wahlmänner. In Astrachan befinden sich baruiitec Io S adettcn unb 21 Sozialbemokraten, in Jetaterinaslcuv 21 eosialbemoiratcn, 14 Äaoeuen, 12 Mitglieber der Arbeitsgruppe unb 28 Ltntsstehenbe ohne bestimmte Parteizugehörigkeit, in Tula 40 Lktobristen uno Monarchisten sowie 40 Kabelten unb MiigticDer ber Partei ber srieblichcn Erneuerung, in JaroStaw 75 Kabelten.

AuslanS.

Haag, 12. Febr. Bei ber Eröffnung ber heutigen Sitzung der zweiten Kammer erklärte der Ministerpräsident de Meesler, daß infolge der Ablehnung des KnegS- budgels durch die erste Kammer ber Minister sich veranlaßt gesehen habe, der Königin das Entlassungs­gesuch des RlinisteritlmS zu unterbreiten.

Washington, 12. Febr. Tas KrlegSbepartement ver­öffentlicht einen Bericht deS Hauptmanns Whittey, weicher als Armee-Inspektor ziim Stndiiun ber Organisation dec nationalen Garde nach Pennsytvaiilen gesandt worden war. 91ach diesem Bericht bestätigt cS sich, baß bie syndizierten Arbeiter, speziell bie Grubenarbeiter unabhängige und bewaffnete Kompanien gcbilbct haben, um bei A usstä 1, den oder soilstigen Unruhen den Truppen be­waffn e 1 e it Wider st and zn leisten. Whittey versichert, daß mindestens 37 solcher Aibeiterverbände bestehen und ist überzeugt, daß diese un 9lotfalle den Kanipf mit den Miliz- truppen ausnehmen, sodaß für den Fall eines Streiks m

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