Ausgabe 
14.8.1907 Erstes Blatt
 
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Persoualreform bei der Post.

Zu re form

Mission beiten, suchung

den Kopf erhobene Hände, das Haar bleibt umgekännnt bis nach der Beerdigung. Totenwache findet statt, dainit kein Tier über die Leiche springe. Interessant waren die mitunter hochpoetischen -Lotenklagen, welche Referent vortvng. Wird die Leiche hinaus- getragen, so stürzt, wenn der Alaun gestorben ist, die Witwe mit beit Balkon und will hinabspringen, woran sie gehindert wird; dem Sarg wird ein Gefäß mit Wasser nachgeworfen. Der Sarg ist offen, die Leichenträger sind weiß (die Farbe der Trauer in der griech.-kath. Kirche) gekleidet. Tas Offenlaffcn des Sarges rührt aus der Türkenzeit, her wo man das Offenlassen der Särge zur Verhütung des Waffenschnuiggels anordnete. Priester imd Kerzenträger begleiten deii Trauerzug, der absichtlich den weitesten Weg anfjucht. Die Zahl der Priester richtet sich und) dem Wohlstand der Hinter­bliebenen. In der Kirche angelangt wird der Sarg hiiigestellt und es beginnt die nichts weniger als erbauliche, oft 2 Stunden lange, zeremonienreiche Trauerfeier. Bitte um Sündenvergebung und um die ewige Ruhe werden dabei dein Toten in den Mund gelegt. Zuletzt fordert der Priester die Leidtragenden auf, dem Toten den letzten Kuß zu geben; es gesd)icht, indem man ihn auf die Stirne oder das auf ihm liegende Heiligenbild küßt. Auf dem Friedhof wirit der Priester nach Schließen des Sarges kreuzweise einige Schaufeln Erde und sprengt geweihtes Oel in das Grab. Hohe geistliche Würdenträger ioerden sitzend, angebunden, beeidigt. Grab­reden hält der Priester selten; aber die Hililerbliebeiien widnien Nachrufe oft überschwänglicher Art, die uiis Nordländer abstoßen müssen. Zurückgekehrt ms Leichenhaus wird jedcni eine Tasse Kaffee gereicht; gesprochen wird nicht, nur tiefe Seufzer hat man. Benn Abschied grüßt man sich mit dem Wort: Mögest du leben? Seelenmessen gibt es nicht, wohl aber Gedächtmsseier am 3., 9, 20. und 40. Tage und am 3., 6. und 12. Monat nach dem Tode. Sie iverden besonders bezahlt und bilden eine Einnahmequelle der >ucht bezahlten Kleriker. Es werden auch Schenkungen mi die Armen gemacht zum Besten des Seelenheils der Entschlafenen. Was der Charon, der Fuhrmann der Unterwelt für die Altgriecheti war, ist der Charos der Neugriecheii, nur daß unter ihm der mrchlbare Todesbrmger selbst verstanden wird, der die Sicheren aus dem Kreise der Lebenden unerbittlich heraiisholt. Ter Grieche bangt sehr am Leben, das bringt seine schöne Umgebung mit sich, nur für das Vaterland läßt er gern sein Leben. So hatte ein Führer der Griechen im Türkenkrieg 1621, der gefangen worden war, und dem die Türken die Wahl stellten zwischen Uebertritt zu ihnen oder Pfählung bei lebendigem Leibe das letztere erwählt. Er hieß Diagos und seiner gedenkt inan, heute noch u Griechen­land. Die Unterwelt denke sich der Grieche im Gegensatz zu seiner schönen Naturumgebung als ein ödes, einsames, finsteres Gebiet, dunkle Felsgrotten bezeichnet der Volksglaube noch als Eingang hierzu. Wie der Vortragende richtig sagt, findet sich Verwandtes in den Bräuchen bei Tod und Begräbnis auch bei anderen Völkern, auch bei uns, z. B. das Nachschütten von Wasser hinter dem hinausgetragenen Sarge. Lauter Beifa.l lohnte den Redner, dem Dekan Münch noch besonderen Dant sagie. Die Konferenz war von 90 Teilnehmern (Damen und Herren) besucht; das Wetter war herrlich, die Luft auf der Höhe köstlich. Viele besuchten den Bismarctturm, der jetzt schon bis zum 2. Stockwerk gediehen ist.

rrirehe und Schule.

X Dom Hoherodskopf, 13. Ang. Gestern wurde hier die jährliche Konferenz der ev a n g e l i j ch e n Geistlichen des Dekanats Schotten und der umliegenden Dekanate abgehalleu Dekan Münch eröffnete die Konferenz mit Gruß und Lank au' den Oberhirten derProomz Oberheffen, Superintendenten!). Petersen, der, obwohl der eigentliche Zweck seines Besuches der Provinz, die Kirchenoisilation zu Herchenhain, durch die dort herrschende Aiascru- epidemie, nicht erreicht werden konnte, doch besonders zu dem Zweck gekommen war, der Konferenz beizuwohnen und den 4. Teil feiner Vorträge aus früheren Jahren: Griechische Erinnerungen (aus der Zeit seines Amtes als Hofprediger zu Athen) zu hatten Dieser 4. Teil führte vor: Tod und Begräbnis in G riech en- land. Dort findet des Klimas halber schon nach 24 Stunden oft noch früher, die Beerdigung statt. Tas Verhalten der Leid­tragenden entspricht dem Charakter der Orientalen. Unser ruhiger Schmerz würde als Apathie, als Gleichgültigkeit angeseheii iverden Beim Eintritt des Todes lautes Geschrei, 'Raufen der Haare, über

Wie eine borstige wilde Sau Zu einer zarten Taube, So verhält sich, das glaube, Dieser Wein zu dem Rebensaft Aus Schlesien. Er ist schauderhaft, Er ist gräßlich und greulich, lieber die Maßen abscheulich.

Man sollte ihn nur auf Schächerbänken Den Gästen in die Becher schenken, Mit ihm nur schwere Verbrecher tränken, Aber nicht ehrliche Zecher kränken.

Wenn du einmal koinmst In diesem Winter nach Bomst, Deine Erfahrung zu mehren. Und man setzt, um dich zu ehren. Dir heurigen Bomster Wein vor, Dann bitt' ich dich, sieh dich sein vor, Daß du nichts davon verschüttest Und dein Gewand nicht zerrüttest, Weil er Locher frißt in die Kleider Und auch in das Schuhwerk leider. Denn dieses Weines Säure Ist eine so ungeheure, Daß gegen ihn Schwefelsäure Ter Milch gleich ist, der süßen, Die zarte Kmdlein genießen.

Fällt ein Tropfen davon auf den Tisch, So fahrt er mit lautem Gezisch Gleich hindurch durch die Platte Eisen zerstört er wie Watte, Durch Stahl geht er wie Butter. Er ist aller Sauerkeit Mutter.

Stand hallen vor diesem Sauern Weder Schlösser, noch Mauern. Es löst in dem scharfen Bomster Wein Sich Granit auf und Ziegelstein. Diamanten werden sogleich, In ihn hineingelegt, flaumenweich, Aus Platma macht er Mürbeteig.

Dieses vergiß nicht, falls du kommst In diesem Winter einmal nach Bomst.

*, . . Alls Berlin wird uns heute gemeldet' Ku Jöbännes toinSm ^h8tm 'M- Geburtstage fini> Hunderte von Glück- huschen erngegangen, desgleichen viele Geburtstagsgeschenke Tie Wrtwe Lemr.ch Seidels sandte das Bildnis des Dichters n/rrfi <5°^ Joachims verschlimmert sich

nach Meldungen aus Berlin von stunde zu Stunde. Von krampft artigen Anfällen ermattet liegt der Künstler darnieder. Kraft- oruye unv Zllronenwaifer werben ihm in angemessenen Abständen eisigefustjt. Das Bewußtsein ist geschwunden. Senne siberhaften Augen vermögen die Angehörigen, sowie die Aerzte und Pfleger urcht prchr tu, erkennen.

den Güter mehrere Male befördert, und es aßt sich natürlich nicht feststellen, wieviel mal.

Auf den Bahnhöfen sand die Kommission Güter, die schon vor zwei Jahren eingetroffen und ausgepackt waren und noch so dalagen. Augenscheinlich hatten die Empfänger bereits ihren ganzen Schadenersatz für angeblich abhanden gekommenes Gut erhalten und die Beamten aller Rang­klassen, die aus den Unterschlagungen sich bereicherten, be­trachteten die liegenden Güter als ihr persönliches Eigen­tum. Mit diesen aufgefundenen Waren kann der Fiskus wenig mehr anfangen, da sie meist verdorben sind.

Ter Chef der Transbaikalbahn hatte keine Ahnung, daß fast sämtliche seiner Untergebenen sich zu einer einzigen großen Gaunerbande organisiert hatten. Als tx?r Staatsanwalt erschien, um die 3000 Akten zu versiegeln, ver­suchte dieser ahnungslose Chef Herr A. Swentitzki sich einem solchen Ansinnen zu widersetzen und versicherte, daß auf der Bahn alles in bester Ordnung sei.

Ganz zufällig fiel der Kommission ein Paket mit Dokumenten in die Hände, die die Chefs der Bahnver- wallung schwer kompromittieren. Ein h-vlizlst bemerkte ein Paket mit Papieren auf dem Flusse Angara schwimmen, fischte es heraus und lieferte es seinem Vorgesetzten ab. In diesem Paket waren Anzeigen revidierender Beamter über verlorene Güter und ähnliche Vorgänge. Tie Papiere waren augenscheinlich ins Master geworfen worden, um sie den Augen der Kommission zu entziehen. Außer den Bahnbeamten ist eine ganze Reihe von örtlichen Kauf­leuten in den Riesenskandal verwickelt, die mit den Be­amten übereingetommen waren, daß sie, obwohl sie ihre Frachten tatsächlich erhielten, trotzdem noch aus Schaden­ersatz klagten. Von der Bahn erhielten sie daun für ihre angeblichen Schäden reichen Ersatz und teilten die B,eute mit den Beamten. Tie Untersuchungskom- mußte unter den schwierigsten Bedingungen ar- Die schuldigen Beamten bereiteten ihrer Unter­große Hindernisse.

tagsgeschenk zukommen läßt, ich wäre gern bereit, freund­liche Gaben in Empfang zu nehmen.

* Kleine Tageschrouik. Der seit vergangenen Diens­tag vermißte Amtsgerichts-Obersekcetär Rhein aus Regens­burg wurde in Bogen (Niederbayern- von der Donau als Leiche angeschwemmt. Rhein hat neben der Unterschlagung amtlicher Gelder zwei seiner Kollegen und mehrere Geschäftsleute finanziell nicht unbedeutend geschädigt. Er hinterläßt eine Witwe und fünf unversorgte Kinder. Ein Ueberführungszug und ein Rangierzug gerieten bei HauSbergen (Elsaß) aufeinander. Mehrere Wagen entgleisten. Drei Personen sind verletzt worden. Ein Mann aus Eschweiler, der seinen m Herdorf bei Betzdorf arbeitenden Neffen besuchte, durchschnitt diesem auf dem Bahnhofs-Abort den Hals und trank dann Salzsäure. Der Mann war zwei Jahre lang in einer Irrenanstalt interniert gewesen. In dem eine halbe Stunde von Straubing entfernten großen bayrischen Pfarrdorfe A l b u r g brach in dem Anwesen des Oekonomen Max Buchner Feuer aus, das sich sehr schnell über einen großen Teil des Dorfes verbreitete. Bisher sind 21 Häuser abgebrannt, darunter das Kloster und Schulhaus. Die . Kirche konnte nur mit großer Mühe gerettet werden. Zu Hülfe gerufen ist das ganze 7. Chevauxleger-Rcgimcut von Straubing und eine Abteilung des 11. Infanterie-Regiments aus Regensburg. Der Schaden ist sehr groß. Das Feuer ent­stand dadurch^ daß von der Lokomobile .einer Dreschmaschine

Funken in das Stroh flogen. Von einem Erntewagen wurde in Kostädt bei Oeynhausen ein vierjähriges Kind überfahren Der Kopf wurde dem Kleinen vollständig zermalmt. Eine Frau erlitt infolge der aufregenden Szene einen Herzschlag und starb auf der Stelle. In Neukoswig bei Meißen starben drei Kinder des Arbeiters Junger infolge Genusses verdorbener Pilze. Ein viertes Kind liegt hoffnungslos darnieder. Tie Mutter, die auch erkrankte, befindet sich auf dem Wege zur Besserung. In Köln wurden vier neue Erkrankungen an Genick starre konstatiert, von denen zwei bisher tödlich ver­liefen. Die beiden anderen Genickstarrekranken sind ein lßjabr Metzgerlehrling und ein zu Besuch in Köln weilender Soldat der llnteroffizierschule in Annaburg. Auch in Bonn erlag eine jugendliche Person der Krankheit. In fast allen Fällen handelt es sich um Kinder von 4 bis 15 Jahren. Die Seuche scheint sich in den letzten Monaten vom Ruhrgebiet nach ein­zelnen rheinischen Orten verpflanzt zu haben. In Berlin lief der Kellner Stebrecht beim Ueberschreiten der Wichmann- straffe gegen ein Droschkenautomobil und wurde zu Boden gerissen. Die Räder des Gefährts gingen dem Bedauerns­werten über die Brust hinweg, und er erlitt schwere innere und äußere Verletzungen. In bedenklichem Zustande fand Sl im Krankenhaus Moabit Aufnahme. In Erkrath bei Düssel­dorf wurden der Metzgermeister Hackländer und sein Sohn nach dem vergeblichen Versuche, Auslandspässe zu erlangen, wegen fortgesetzten Verkaufes von hochgradig verdorbenem laut em Fleisch verhaftet. Eine Kaution von 20000 Mk wurde .abgelehnt. In Düsseldorf stürzte der 11jährige Lohn eines Erdarbeiters, nachdem er seinem Vater das Mittag­essen gebracht hatte, beim Verlassen der Baustelle in mehrere aus Betonmauern herausragende Eisenstangen und wurde auf­gespießt. Das Unglück wurde erst nach einer Stunde bemerkt nachdem der Knabe bereits verschieden war. Im H a m b u r g c r Hasen sind seit Jahresfrist fortgesetzt Güterberaub ungen im größten Umfange vorgekommen, die einen W.re von 120 010 Mark darstellen. ü3 Personen sind in dieser Angelegenheit ver­haftet worden. Ein Aufsehen erregender Raub wurde auf der eircae Wanne-Recklinghausen verübt. In einem Ab­teile vierter Klasse wurde einem Reisenden von Mitreisenden ver­gifteter Kognak gegeben. Der Mann brach bewußtlos zu­sammen und wurde alsdann seiner Barschaft und seiner Uhr beraubt. Er liegt bewußtlos darnieder. Die Täter sind ent­kommen. »

Vermischtes.

* Cholera. Der preuß. Kultusminister hat an den Oberpräsidenten von Westpreußen einen Erlaß gerichtet, wonach laut amtlicher Meldung aus Rußland bisher in den sechs inneren Gouvernements nur 35 Erkrankungen an Cholera mit 23 Todesfällen vorgekommen seien. Da aber die Seuche lvahrscheinlich bereits einen viel größeren Umfang angenommen habe, so sei Vorsicht geboten. Der Erlgß erinnert daher an die bestehenden Vorschriften. Insbesondere sollen die Kreis­ärzte ihre Aufmerksamkeit der Angelegenheit zuwenden. Da aber bisher keine Einschleppungsgefahr nach den deutschen Grenzgebieten, insbesondere nach dem Weichselgebiet zu befürchten sei, so soll, um die einheimische Bevölkerung nid)! unnötig aufzuregen, von besonderen Maßnahmen vorerst abgesehen werden.'

* Vierlinge! Pastor Seiffert (Rogowo, Bez. Brom­berg) veröffentlicht folgende Zeilen: Am 27. Juli d. I. würben dem Lanbwirt W. Uhland in Friedrichshöhe (Bez. Bromberg) von seiner Ehefrau gleichzeitig vier Söhne ge­boren. Tie Eltern, die außer diesen Vierlingen noch zehn lebende Kinder ihr eigen nennen, und zwar acht Knaben und zwei Mädchen, sind Ansiedler, die aus dem schönen Schwabenlande gekommen sind, um unsere Ostmarken an­scheinend recht gründlich zu bevölkern. Mutter und alle vier Kinder sind frisch und gesund, bei der bald folgenden Taufe wog jedes Kind bereits fafit sieben Pfund. Sie von­einander zu unterscheiden, ist unmöglich, weshalb die für­sorgliche Hebamme sie auch gleich nach der Geburt mit bunten Bändchen geschmückt hatte. Benannt wurden sie nach den Prinzen unseres königlichen Hauses, Majestät ist zum Paten gebeten, eine Annahme der Patenstelle aber bisher noch nicht erfolgt. Bei der Taufe selbst, die ich am Sonn­tag nach der Geburt bei den Kindern vornehmen durfte, konnte ich mich trotz des Ernstes der Situation und der Heiligkeit der Handlung eines Lächelns nicht erwehren, als unmittelbar nach der Taufe des Aeltesten (Eitel) Vater, Paten und Hebamme in einen lebhaften Wortwechsel mit­einander gerieten, welches denn nun eigentlich der Eitel sei, und ob es der bereits Getaufte auch wirklich wäre; besonders der Vater war völlig ratlos, der für uns etwas unverständ­liche schwäbische Dialekt tat noch sein übriges zum Miß­verständnis. Besonders gefreut aber habe ich mich über die kernige, echt deutsche Mutter und über die Art, wie sie diesen Segen vom Himmel her aufnahm: Als ich ihr leint Abschied nochmals Glück wünschte mit Worten, die wohl auch unwilliürlich etwas nachTrost" klangen, sagte sie mir mit strahlendem Geficht:Ach, wissen Sie, Herr Pastor, ich habe noch nie zuviel Kinder gehabt, sie haben mir bisher alle Freude gemacht!" Vielleicht findet sich unter den freundlichen Lesern der eine oder andere, der diesen glück­lichen Leuten, die nicht gerade in den besten Verhältnissen leben, die doch nun aber unserem Vaterlande bis jetzt schon 12 tüchtige Vaterlandsverteidiger geschenkt haben, nach­träglich für ihren Schwabenstreich ein kleines Geburts-

Gießener Strastammer.

)( Gießen, 13. August. Keiue Beleidigung.

Der M e tz g e r g e s e l l e K. Pr. arbeitete vorübergehend bei dem Spediteur L. Sp. in Bad-Nauheim. Bei seinem Aus­tritt fain es wegen der Ansprüche zu Streitigkeiten, die eine Auseinauderietzuug auf dem, Polizeiamte nötig machten. Es ging dabei heftig zu und u. a. brachte Sp. die Strafen des Pr. zur Sprache. Tieser erhob Privatklage wegen Beleidigung, unter oer Behauptung^ sein Gegner habe ihn einenZuchthausbruder" genannt. Das Schöffengericht, eröffnete auch das Hauptverfahren, doch weder der Polizeikommissar, noch der Wachtmeister, die Bei der Auseinandersetzung^ zugegen waren, konnten bestätigen, daß 0er Ausdruck wirklich fiel; beide waren sich aber einig, daß von dem Angeklagten eine beleidigende Aeußerung gefallen ist, die Bezug auf ioie Vorstrafen des Klägers hatte. Das Schöffen­gericht kam zur Verurteilung des Angeklagten zu einer Geld- 1 träfe von 10 Mk. Dieses Erkenntnis wurde von beiden Teilen, angefochten und das Berufungsgericht führte aus, daß das Schöffengericht nicht zur Verurteilung des Angeklagren hätte gc- langeu dürfen, da die im Eröffnungsbefchluß angeführte Be­leidigung nicht uachgewieftn ist. Wegen einer anderen als der im genannten Beschlüsse aufgeführten Beleidigung könne eine Bestrafung nicht eintreten. Aber auch aus anderen Gründen hätte bas Schöffengericht zum Freispruch kommen müssen. Ter Augetlagte sei berechtigt gewesen, auf die Strafen des Klügeis hinzuweifem um seine vermeintliche Unzuverlässigkeit zu be­gründen. So lange aus der Form der Aeußerung nicht hervor geht daß, der Angeklagte die Absicht hatte, den Kläger zu 1c- leibigen, so hat er in Wahrnehmung berechtigter Interessen ge­handelt, weshalb ihm der Schutz des § 193 zur Seite stehe. In diesem Falle konnte der Angeklagte vor dem Vertreter des Polizci- amts alles das Vorbringen, was er in seinem Interesse für not­wendig erachtete, ohne sich strafbar zu machen. Tas Gericht kam deshalb in formeller und materieller Hinsicht zum Frei- spruch und legte dem Kläger sämtliche Kosten auf.

Eine Hcrarlsschmeiß-Geschichte.

Als sich der Maurer K. S. von Heisters in einer Wirt­schaft unliebsam b em er ko ar machte, äußerte ein Gast, wenn er sich nicht ordentlich betrage, werde er aus dem Lokal entfern Ter Wirt wollte jffch jedoch das Recht desHinausschmeißens" nicht nehmen lassen und bemerkte, dazu sei er da. Es ent­spann sich nunmehr ein Wortwechsel, in dessen Verlauf S. dem Gast einen Stoß versetzte, sodaß er rückwärts auf eine Anzahl am Bodc.. stehende Flaschen fiel und sich Verletzungen zuzog. Als sich nun der Wirt anschickte, S. aus dem Lokal zu tun,^erhielt er von ihm mit einem Bierglas einen Schlag auf die Stirn, sodaß das Glas in Scherben ging und eine große Ver­letzung zuvückließ, die den Wirt 14 Tage arbeitsnrisähig machv Tas Schöffengericht Herbstein verurteilte S. wegen schwerer Kör­perverletzung zu 6 Wochen, Gefängnis und sprach dem Wirt eine von dem Angeklagten zu zahlende Geldbusje von 126 Mk. für Mzt und Apothelerkosten, sowie für entgangenen Arbeitsverdienst und Schmerzensgeld zu. Wegen der einfachen Körperverletzung, die der Angeklagte dem Gast zugefügt hall wurde er weiter zu einer Geldstrale von 20 Mk. verurteilt. Angeklagter Und Staatsan­waltschaft fochten das Urteil an; insbesondere suchte der An­geklagte nachzuweisen, daß er dem Wirt den Schlag nicht versetzt hat, vielmehr habe einer der Gäste mit bent Glas nach ihm geworfen und dabei Den Wirt getroffen. In dieser Beziehung konnte aber nicht das geringste festgestellt werden, weshalb bie Berufung des Angeklagten zurückgewiesen wurde. Ta die Be rufungsverhandlnug nichts neues ergab und die rechtlichen Aus­führungen des Sck)öffengerichis nicht zu beanstanden waren, er­folgte auch die Verwerfung der staatsanwaltlichen Be­rufung.

Liu Wüstling.

Bereits zuni dritten Rtale ist eL dem Gelidarmeriewachtmeister Storck zu Rockenberg gelungen, dem Taglöhner H. R. aus Rödingen der nach Rockenberg verheiratet, jetzt aber geschieden ist, Sitt­lich k e 11 s v e r b r e ch e n an Mädchen unter 14 Jahren nach zuweisen. Im Jahre 1894 bekam er wegen Verbrechens an me> Kinsern 2 Jahre und im Jahre 1901 wegen neun von eis untei Anklage gestellter Fälle 5 Jahre Zuchthaus nut Ehrverlust au gleiche Dauer. Im vorliegenden Falle ist es nur beim Verfüll geblieben, er wurde gerade dabei abgesaßt, als er ein Kind verleitet wollte, eine unsittliche Handlung an ihm vorpneljmen. Wege, Versuchs des Verbrechens gegen § 176 Ziffer 3 erhielt er einIah' Zuchthaus mit fünsjährigeln Ehrverlust.

Ein HoffnuugSvoUer.

Ter am hiesigen Bahnhof beschäftigte Kellnerlehrling F. R. aui Mannheim stahl semem Kollegen, ivährelid sich dieser krankheitS- halber in der Klinik befand, aus einer Kommode, die er mit einen Nachschlüssel öffnete, einen Geldbetrag von 65 bis 70 Mk., um, rob er selbst angab, eine abenteuerliche Reise unternehmen zu können Nachdem er das Geld verbraucht hatte, mürbe ev ausgegvifsen uiü M Rechenschaft gezogen. Die Strafkammer berücksichtigte bb Jugend des Angeklagten und den Umstand, baß er sich nicht be wußt war, baß ev einen schweren Diebstahl begeht, ftvafminbenü und erkannte auf eine Gesängnisstvase von 14 Tagen, 1

Spielplan des Grobherzogl. Kurhaus-Theaters Bad-Nauheim

Tivektion H e v m a n u Stein goetter.

^uwck)_den 14. August.'Ein idealer Gatte/ Komödie i> ? b Akten von Cörar Wilde. Freitag den 16. August:Boccaccio. Operette in 3 Akten von Fv. v. Snppb. Samstag den 17. August - Lustspiel von Frl. Bozena B v a tj t u unb Herrn G. Gialbiu oanistag ben 17 Ang. mGieß en: »Die Fledermaus." Opevett in 3 Akten von Joh. Strauß.

unserem Artikel in Nr. 186 überPersonal­bei der Post" bemerkt ein Einsender, daß selbst nach Einführung oer Personalreform durch Herrn v. Pod- bielski nur ein sehr geringer Teil von Bewerbern (nach statistischen Ermittelungen 10 Prozent) ohne den Berechti­gungsschein zum Einj.-Freiwilligendienst in den Postdienst eintritt. Es stehe fest, daß sehr wohl ein Teil der zurzeit von initlleren Beamten versehenen Tienstgeschäste- hier­her gehören insbesondere Dienstleistungen mehr mecha- ni cher Natur auf weniger gut vorgevildete Kräfte ab­geschoben werden könne. Tie Uebertragung aller Tienst- ge'chäfte der mittleren Beamten jedoch auf weniger gut ae chultes Personal sei verfehlt und undurchführbar. Eine Aenderung in ersterem Sinne habe ja auch der Verband Deutscher Post- und Telegraphen-Assistenten durch .ttition beim Reichstag angestrebt. In dieser-sei die Schaffung einer niederen Beamtenlaufbahn befürwortet. Durch Ein­führung einer solchen würde befähigten Unterbeamten Ge­legenheit geboten, ihre Kenntnisse gegen bessere Bezahlung zu verwerten. Auf der anderen Seite würden für die Reichs­kasse wesentliche Ersparnisse durch Verminderung der mitt- leren Stellen entstehen.