Erstes Blatt
157. Jahrgang
Aie heutige Yummer umfaßt 10 Seiten.
tag in
W
Wie ein Strolch, ein gefährlicher, 3n dein Kreise Ehrlicher Unter guten Weinen erscheint er. Aller Freude ist ein Feind er, Aller Lust ein Verderber;
Sein Geschmack ist säst noch herber Als der des Essigs, des reinen. Ein Weili ist es zum Weinen.
Aber der Wein, der in Sachsen In diesem Jahr ist gewachsen Uni) bei Naumburg im Tale Der raschfließenden Saale, Der ist saurer iwch viele Male Als der sauerste Moselwein. Wenn bu ihn schlürfst in dich hinein. Ist dirs, als ob ein Stachelschwein Dir kröche durch deine Kehle, Das deinen Magen als Höhle Erkor, darin zu hausen.
Angst ergreift dich und Grausen.
Aber der Grüneberger Ist noch viel ärger.
Laß ihn nicht deine Wahl sein! Gegen ihn ist der Saalwein Noch viel süßer als Zucker. Er ist ein Wein für Mucker, Für die schlechtesten Dichter Und dergleichen Gelichter.
Er macht lang die Gesichter, Blaß die Wangen; wie Nasen So grün färbt et die Nasen. Wer ihn trinkt, den durchschauert eS, Wer ihn trcwk, der bedauert es. Er hat etwas so Versauertes, Daß es sich nicht läßt mildern Und nur schwer ist zu schildern In Worten oder Bildern.
Aber der Z ü l l i ch a u e r Ist noch zwölfmal so sauer Als der Wein von Grüneberg. Ter ist an Säure ein Zwerg Gegen deri Wein von Iüllichau.
Zentrum und Flotteupolitik.
Reichstagsabgeorduete Tr. Spahn sprach sich mit Sonn» ('ner Versam.mlu.ng der Zentrumspartei zu Rheinbach
Mittwoch 14. A«<,»st 1907
(h Bezugspreis:
monatlich 75 Pf», viertel-
i A jährlich Mr. 2.20; durch
\ \ \ i'v Abhole- u. Zweigstellen
M monatlich 66 Pf.; durch
S Rn ksi i \.4r die Poft Mk. 2.— oirrlel-
R-lj B ,a KJ W jährl. ausschl. Bestellg.
’V ^eilenpreiS: lokal 15Pf.,
auswärts 20 Pfennig.
dadurch die Tragfähigkeit der schweren Geschütze und die Ruhe ihrer Bedienung gewährleistet- wird. Nun hat Nordamerika; Schiffe mit einem Tonnengehalt von 22000 bis 23000 Tonnen in Bau gegeben, die mit der Ausrüstung an Geschützen gegen 40 Millionen Mark kosten. Wir werden diesem Vorgänge bei uib- seren Neubauten folgen müssen. Unser Flottenbauplan beruhü zwar darauf, daß die zu einem Geschwader gehörenden Schiffe an Größe, Gefechtsstärke und Geschwindigkeit annähernd gleich seien, dem gleichen Typ angehören. Wir dürfen daran nicht festhalten. Für die neuen Schiffe muß eine Wasserverdrängung von über 10 000 Tonnen und eine Armierung mit den schwersten Schifsskaiwnen gewählt werden. Das vergrößerte Deplacement erfordert eine Erhöhung der Zahl der Schiffsbefatzung, dies allerdings nicht erheblich sein wird. Folgen wir dem Vorgangs der anderen Staaten, so müssen wir auch die Lebensdauer dich Linienschiffe von 25 auf 20 Jahre herabsetzen, was zur Bo schleunigung von Ersatzbauten und dadurch zu einer^ weiteren Erhöhung der Küsten führt. Auch erhöhen sich die Kosten bet Jndienfthaltung der Flotte in den nächsten Jahren dadurch, daß die Schulschiffe bald nur noch Dampfer, nicht mehr Segeln schiffe ,ind. Tritt unsere Flotte in Milon,, so ist ihr Aktion^ gebiet nicht die Ostsc-, sondern die Nordsee. Daraus ergibt ,ich die 9Notwendigkeit zur Erweiterung unserer Seeanlagen in der Nordsee und Elbe. Alles in allem wird feine Ueberschätzung in der Annahme liegen, daß unsere Flotte eine jährliche Mehrausgabe von 40 Millionen Mart erfordert.
Diese Aussührungen des Zentrumsführers werden nicht verfehlen, großes Aussehen heroorzurufen angesichts der augew blicklichen Stellung seiner Partei zur Regierung.
Nr. 1N9
Grjchetut täglich außer bormtag«.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich daß Kreisblatt für den Kreis Gießen. Fernsprech-An- schlußf. d.Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen;
Anzeiger Bietzen.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi8 vormittags 10 Uhr.
Tie MiÜionenunterschleise bei der Sibirischen Bahn.
Ter hauplinspettor der russischen Eisenbahnen, A. N. Go- rakow, der zur Untersuchung der riesigen Veruntreuungen aus der Lransbaikalbahn aogesandt war, ist aus Irkutsk nach Petersburg zurückgekehrt. Tie Veruntreuungen haben in den Jahren 1904—1907 stattgefunden und sind, wie wir berichteten, auf zehn Millionen Rubel geschätzt worden.
Wie die „Russische Korrespondenz" erfährt, bestätigen sich die Anzeigen, die einer der geschästsführenden Beamten, Borissow, erstattet hatte, nicht nur in ihrem vollen Unv sang, sondern die Kommission hat noch weit größere Mih-^ brauche aufgedeckt, als zur Anzeige gebracht wurden. Tie betrügerischen Manipulationen waren mannigfachster Art. Es wurden Waren mit gesälschten Fra chtdo turnens ten oder ganz ohne Dokumente ausgeliefert; angekommene und richtig gelieferte Frachten wuroen als nicht eingetroffen oder unterwegs in Verlust geraten angegeben, und es wurde für sie, trotzdem sie ordnungsmäßig ab geliefert waren, Scha^ denersatz geleistet. Auf ein und denselben Frachtbrief wurden Waren als mehre^emal expediert ausgegeben und wieder Schadenersatz vergütet.
Tie von den Empfängern betrügerisch erhobenen Zahlungen eigneten jiuj die Angestellten der Bahn an. Ferner wurden Waren häufig einfach, statt sie abzuliesern, verkauft und den Empfängern erklärt, die Waren seien verloren gegangen oder noch nicht an gekommen. Häufig wurde in den Frachtbriefen ein niedrigeres Gewicht angegeben^ als das beförderte Gut tatsächlich aufwies. Tie Absender und Empfänger verlangten Schadenersatz, und die Bahn zahlte auf gefälschte Dokumente die Summen, durch die das erdichtete Mindergewicht ausbezahlt wurde.
Schließlich kam es so weit, daß die Bahn wedep Geld noch Kredit besaß, da durch die Befriedigung der Reklamationen ihre sämtlichen Mittel erschöpft waren. Für die Kassen der Transbairaleisenbahn mußte infolge all dieser Schwindeleien das Eisenbahnministerium sieben Millionen anweisen. Wie groß die Summe der Veruntreuungen ist, wird sich überhaupt nicht ganz genau bestimmen lassen: x denn mit ein und demselben Frachtbriefe wur-
«i—h MNM-i -"in ■rii-TT icas-sc-.'T^a**>«
über die äußere unb innere politische Lage aus und sagte dabei Über unsere Flottenpolitik, wie nach einem uns übermittelten Privattelegramm die „Köln. Ztg." berichtet, n. a. folgendes:
Ter Mehraufwand für die Flotte wird höher einzufchätzen sein, wenn wir die Entwickelung der Auslandsflotten berücksichtigen und sie für unsere Flotten verwerten. Unser Flotten- bauplan ist allerdings gesetzlich festgelegt. Das kann nicht ver-^ hindern, daß unter Beibehaltung der Zahl der.Schisse in der Art des Baues der einzelnen Schiffe und in der Berechnung ihrer! Lebensdauer auf Grund der bei anderen Staaten gemachten En fahrungen Aenderungen vorgenommen werden. Wir dürfen die» Augen nicht verschließen vor der Gefechtsstärke, die andere' Staaten ihren Schiffen geben. Man formte eine Zeitlang zweifelhaft fein, was für die Taktik in der -Seeschlacht wichtiger wäre, größere Geschwindigkeit der Schiffe ober größere Gefechts^ stärke. Bei den heutigen Wirkungen der Artillerie hat das an Gefechtsstärke dem gegnerischen Schiff nachstehende Linienschiff für die Schlacht selbst dann einen verminderen Wert, wenn es ihm an Geschwindigkeit überlegen ist. denn es wird zusammenge^ schossen, bevor es an den Feind herankommt. Tie Gefechts- stärke der Schiffe erfordert ein großes Deplacement, weil nur
Johannes Trojan,
der langjährige Redakteur des „Kladderadatsch", begeht heute, am 14. d. Mts., seinen 70 Geburtstag. Als politischer Satiriker ergötzt er seit Jahrzehnten uns Deutsche, soweit wir dem öffentlichen Leben unser Interesse schenken. Als Säuger des Weines und des Frohsinnes erwarb er sich die Liebe und Verehrung aller Derer, die nut Luther Wein, Weib und Gesang ihr Herz entgegentvagen, und seine geinütreichen Kinderlieber machten ihn 511m Freunde der deutschen Blätter und der deutschen Jugend. Er ist für Kinder der heiterste, traulichste, unermüdlichste, der beste Geselle, der sich denken laßt. xUi seinem Herzen wohnen Scherz und Ernst dicht nebeneinanber, und während er gelegentlich hier einmal dem wilden Ausbund ' einen Nasenstüber gibt, lockt er dort die Trotzenden oder Zögernden mit freundlich bezwingendem Wort, um zuguterletzt mit der gangen "Corona jedesmal aus vollem Halse zu lachen. Eine schnurrige - Liebe hat Trojan sär die greulichen Hundertsilbenworte der Chemie unb kunstreich fügt er „Tnmethylvenylammoniumoxydhydrat" oder ^Timethylvenylamidoazobenzol" in seine Verse. WnnderlicheHymnen <iuf chemische Zusammensetzungen machen ihm sichtlich einen [ Hauptspaß.
In einem Gedicht voll zarter Poesie, das er „die beste Zeit" rennt, giebt Trojan, der in der alten Handelsstadt Danzig zur Z tLelt kam, einen Ueberblick über sein reiches Leben. Er vergleicht j ich mit einem Wanderer, der durch Frühling, Sommer unb Herbst I )e§ Lebens wandert, von einer gütigen Fee geleitet und immer I )ebad)t, der Zeit das Beste abzuringen, und immer bestrebt, die | leste Zeit im Augenblick zu sehen, bis schließlich der Spätherbst omint, die Sonnenblumenzeit nut dem ein wenig wehmütigen Erinnern, mit dem Ausblick auf Eisblumenzeit und dann ben neuen Frühling.
Ein irischer, herzlich lieber Humor, der anspruchslos unb selbst- I lerständlich anmutet, ist ihm eigen unb zwingt in seinen liebens- I vürbigen Bann jeben, ber einmal den alten Herrn von Riesen- vuchse in seinem prächtigen Silberbarte sah und hörte.
Als Kenner des Weines wie wenige seiner Zeitgenossen st er fast allherbstlich als Gast des Schlosses Johannisberg a. Rhein | ur Prüfung des „Neuen" geladen vom Weingutsinspektor des dürften Metternich, unb bort f)at er schon mancher Flasche Preise Legeben von enormer Höhe. 40 Alk. für eine Flasche echten Johannisbergers ist nach seinem Gutachten ber Durchschnittspreis. I Der Verlag von Greiner u. Pfeiffer in Stuttgart gab soeben in einer schönen Sammlung „Bücher ber Weisheit unb Schönheit"
"v&F wjr Verantwortlich
General-Anzeiger für Oberheffen
" u.Land" unb „Gerichts-
Rotationsbrud unb Verlag ber vrühl'schen Univ.-Buch- unb Steinbruderei. R. Lange. Redaktion, Lxpebition unb Druckerei: Schulfirahe 7. A°se'lnen!-u^H^>eL
eine recht geschickt ziisammengestellte Auswahl auS seinen Schriften I heraus, im wesentlichen allerliebste Plaudereien in Prosa und eine Anzahl der besten und lustigsten seiner Gedichte. Unter diesen vermißt man eins seiner lustigsten, das da beginnt:
„Ich sitze da in tiefem Denken Und sinne her und sinne hin: Was soll ich meiner Tante schenken? Es kommt mir gar nichts in den Sinn." Er läßt nun eine Fülle der seltsamsten Gegenstände durch seinen geplagten Schädel irren, konunt aber schließlich zu folgendem Resultat:
„Ich sitze da in tiefem Denken Und schaue sinnend in bas Glas. Ach was, ich werd ihr gar nichts schenken, Vielleicht schenkt mir die Tante was/
Das köstlichste seiner Scherzgedichte aber ist bas folgende:
Tie 88er We ne.
Än diesem Jahr am Rheine Sind leider gewachsen Weine, Die an Wert nur geringe. Es reiften nur Säuerlinge Im Verlauf dieses Herbstes; Nur Herberes bracht er und Herbstes. Zuviel Regen, zmvenig Sonnenschein Ließ erhofften Segen verronnen sein, Nichts Gutes floß in die Tonnen ein. Der 68er Rheinwein Ist, leider Gottes, fein Wein, Um Leidende zu laben, Um Gram zu begraben, Um zu vertreiben Trauer; Er ist dasür zu sauer.
An der Mosel steht e§ noch schlimmer, Da hört man nichts als Gewimmer, Nichts als Aechzen und Stöhnen Von den Vätern und Söhnen, Den Müttern und Töchtern Ueber den noch viel schlechtern Ertrag der heurigen Lese.
Der Wein ist wahrhaft böse, Ein Rachenputzer unb Krätzer; Wie unter Gläubigen ein Ketzer,
po!itifd)c LagerschkiA.
Arbeiter- uub Arbeitgeberverbände.
Zwei große Streiks sind in diesen Tagen beendet worben, der Streik im Berliner Baugewerbe und der kaum begonnene Streik in der schlesischen Bergindustrie. In berden Fällen ist der Streik für die Arbeiter ungünstig verlaufen, sie haben weder eine Lohnerhöhung noch eine Verkürzung der Arbeitszeit erlangt, lieber den Streik im Berliner Baugewerbe schreibt die „Voss. Ztg.": „Wo von einzelnen Bauherren im Gegensatz zu der Arbeitgeberorganisation zeitweilig Zugeständnisse gemacht worden sind, werden die Arbeiter bald genug erkennen, daß diese Be- tvilligungen entweder rückgängig gemacht werden ooer in keinem Verhältnis zu den Opfern stehen, die der Kampf den Arbeitern auserlegt hat. Zwölf Wochen laug ist Tausenden . )er Lohn entgangen; sis haben sich mit dürftigen Unter* "tützungen begnügen müssen; viele Arbeiter werden ihre rüheren Stellen nicht wieder erhalten; fast überall werden ihnen Arbeitswillige vorgezogen werden; statt gegen festen Lohn wird verschiedentlich wieder au, Akkord gearbeitet werden; Personen, pie sich durch Agitationen hervorgetan haben, werden zumeist verschlossene Türen finden. ; Wenige Monate noch, und es wird sich zeigen, daß der Kampf, ber dadurch veranlaßt wurde, daß die Arbeiter den von den Arbeitgebern angenommenen Schiedsspruch des : Berliner Gewerbegerichts zweimal ablehntcn, die Lage der Bauarbeiter nicht verbessen, sondern verschlechtert hat. So ist es auch in anderen Gewerben mehrfach geschehen, bald hinsichtlich des Tarifs, bald hinsichtlich des Arbeits-Nachweises, bald hinsichtlich anderer Einrichtungen, die die Arbeiter früher errungen hatten." In den letzten Jahren sind überhaupt eine Reihe der größten Streiks von den Arbeitern verloren worden, man denke nur an die Streiks in Krimmitschau, in Hamburg, bei den Siemenswerken, in der Holzindustrie usf. Tie Arbeititehmer scheinen den :i Grund dieser Erscheinung bisher nicht besonders beachtet zu haben, er ist in der größeren Solidarität der Arbeitgeber zu suchen. Der starken und machtvollen Organisation der Arbeitnehmer hat fr 1 eine beinah? ebenso starke und ■ rn ach wolle Organisation Der Arbeitgeber entgegengestellt. Truck erzeugt Gegendruck. Die von den Arbeitern ost so leichtfertig begonnenen Streiks haben endlich die Arbeit- l geber veranlagt, sich gegen den Terrorismus ihrer Arbeiter zu wehren. Die „Vossische Zeitung" schildert diese Lage folgendermaßen: „Feste Arbeitgeberveroände stehen heute | den Arbeiterverbänden nicht nur ebenbürtig, sondern ost i überlegen gegenüber. Sie rüsten sich in ruhigen Zeiten für die Kriegführung; sie sammeln reiche Mittel, sie grün- 1 ben Versicherungen gegen Streikschäden, sie suchen Rückhalt l an verwandten Vereinigungen, sie ziehen immer weitere Streife, um mit achtunggebietender Macht auftreten zu können. Sie wissen jetzt so gut wie die Arbeitnehmer, daß Einigkeit st a r k m a ch t. Durch diese Arbeitgeberorgani- sationen wird in den gewerblichen und sozialen Kämpfen unverkennbar eilte wichtige Wendung herbeigeführt, die schließlich eine Einschränkung der Streiks bewirken muß. Damit aber wird nicht nur den Unternehmern, sondern auch denjenigen Arbeitern gedient fein, die friedlich ihrem Erwerb nachgehen, und eine Ausbesserung ihrer Verhältnisse nicht um jeden Preis, durch Drohung oder Gewalt, sondern durch verständiges Einvernehmen mit dem Arbeitgeber nach Lage des Wirtschaftslebens zu erlangen wünschen."
Gcistessreiheit bei den Sozialdemokraten.
Ter '„Vorwärts" schreibt in einem „Klärung" überschriebenen Artikel:
Genosse Richard Calwers Ausführungen über deutsche Wirt- schasts- und Arbeitsverhältnisse sind in den letzten Wochen wieder mehrfach von der kapitalistischen Presse gegen die deutsche Sozial- deinokratie und ihr Programm auSgespielt worden. Besonders haben die Darlegungen über die Lohn- und Lebensmittelsteigerungen, die im letzten Bande seines Jahrbuchs der Weltwirtschaft enthalten sind, dje Anerkennung der Gegner gesunden. Mehrfach ist im Anschluß daran von gegnerischen Blättern an die sozial- detnokratische Presse die höhnische Anfrage gerichtet worden, was sie auf diese Darlegungen zu erwidern habe. Noch gestern meinte Die Köln. Ztg.:
„DaS ist eine derbe Lektion, die da der Sozialdemokrat Calwer namentlich auch den sozialdemokratischen Wirtschastsge- schichtsklitterern angedeihen stützt. Naivität und Oberflächlichkeit ist so ziemlich das, Schlimmste, was man jemand nachsagen kann. Was wohl die also Angeredeten zu erwidern haben werden?" Wir haben es unterlassen, auf alle diese Anzapfungen zu antworten, einmal, weil Calwers Sonderstellung in unserer Partei genügend bekannt ist, und zweitens, weil wir wußten, daß in seinem Neichstagswahlkrcise vielfach mit feinem Verhalten Unzufriedenheit herrscht, und wir jede Beeinflussung vermeiden wollten..
Tatsächlich hat denn auch die dieser Tage in Seesen abgehaltene Kreiskonferenz des dritten braunschweigischen ffteichstagswahlkreises auf Antrag des Landesvorstandes beschlossen, von einer weiteren Kandidatur des Genossen Calwer abzusehen und eine fünfgliedrige Kommission einzusetzen, die der nächsten Kreiskonferenz Vorschläge betreffs der Aufstellung eines neuen Kandidaten unterbreiten soll, und zwar heißt es in der angenommenen Resolution: „Es dürfen nur solche Genossen in Vorschlag gebracht werden, welche die bindende Erklärung abgeben, daß sie auf dem Boden der Dresdener Resolution stehen."
Tie „Norddeutsche Allg. Ztg." bemerkt dazu: „Unb weshalb muß Genosse Calwer springen? Weil er es wagt, in seinen wissenschaftlichen Arbeiten der Wahrheit die Ehre zu geben und die Statistik nicht zu Porteizwecken zu mißbrauchen, sondern weil er im Gegenteil die Genossen durch Hinweis auf die statistischen Tatsachen ausklären und sie aus der Finsternis verbohrter politischer Dogmen, die unter Vernünftigen längst abgetan sind, befreien wollte. Ter Fall Calwer Ist ein Schulbeispiel dafür, wie es mit der Freiheit der Wissenschaft in sozialdemokratisch regierten Ländern aus seh en würde; sie würde .zu existieren aufgehört haben."


