Ausgabe 
8.10.1907 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

157* Jahrgang

Erstes Matt

K

Die Beisetzung des Großherzogs von Baden.

K a r l s r u. h e, 7. Oktober.

ist sicher, daß der Bau Lis -um 1. Juli n. Js. vollständig! fertiggestellt ist. Was Frankfurts Oberbürgermeister dem Aus­schuß der Deutschen Turnerschaft versprochen, daß die Halle Don- Mitte 1908 ab für das deutsche Turnfest zur Verfügung stehe, wird ohne Schwierigkeiten gehalten werden können. Zu dem Verfasser des Bauplanes Prof. Tr. von Thiersch, der in Wies­baden durch das neue Kurhaus eine Probe seines Könnens gegeben hat, darf inan das Vertrauen haben, daß er in der^ Frankfurter Fest- und Ausstellungshalle ein Werk schafft, das zu den hervor­ragendsten öffentlichen Bauten der alten Kaifcrstadt gehören wird.

W. «36

Grjqetttt tSsllch «H^fi SsmUagO.

in Oberitalien mitgemacht. Er widmete sich seitdem der Verwaltung seiner Güter und vermählte sich 1862 mit der- PrinKessin Leopoldine von Baden, worauf er vom Groß- Herzog von Baden als Generalmajor im badischen Heere angestellt wurde. 1869 rückte er zum Generalleutnant auf und nahm an dem Kriege gegen Frankreich beim 14. Korps im Dienst des Roten Kreuzes als KorpsdeleWerter teil, wobei er sich das Eiserne Kreuz erster Klasse neben dem zweiter Klasse am weißen Bande erwarb. 1871 wurde er als Vertreter des 12. württembergischen Wahlkreises (Gera­bronn-Crailsheim) in den Reichstag gewählt, in dem er sich der Deutschen Reichspartei anschloß und sein Mandat bis zu den Wahlen von 1881 behauptete. 1882 wurde der Fürst Vorsitzender des Deutschen Kow'nialvereins, 1888 der Deutschen Kolonialgesellschaft.

Dcrärrdermrgen in yoijen Aerchsämteru.

Eine Reihe bemerkenswerter Veränderungen in einigen er wichtigsten Stellungen des auswärtigen Reichsdienstes, ft ihrersmts zu weiteren Verschiebungen im diplomatischen ,orps führen werden, wird heute amtlich bekanntgegeben.

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Tschrrschky und Bögeuborff ist von diestr seiner Stellung zurückgetreten ^und geht als Botschafter nach Wien. Zu seinem Nachfolger an der Spitze des Aus- wartigen Amtes ist der Mrtschafter in Petersburg Herr v. Schön bestimmt worden. Der bisherige M)tschafter in Wien Gra fv. Wedel ist zum Statthalter von Elsaß- Lochrirrgerl ernarmt worden als Nachfolger des greisen Fürsten zu Hohenlo He--Langenburg, der sich m den Ruhestand zurückzieht.

Heinrich Leonhard v. Tschirschky und Bögendvrsf ist nt 15. August 1858 geboren. Ein Sohn des langjährigen -Hneraldirettors der sächsischen Staatseisenbahnen, trat er ö58 als Referendar in den sächsischen Justizdienst und dann n den dipttmatischeu Dienst des Reiches. 1883 wurde er lttachs bei der Botschaft in Konstantinopel, 1885 als Lega- ionssekretär Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt und im olgenden Jahre zweiter Botschaftssekretär in Wien. 1888 jurbe er zur deutschen Gesandtschaft in Athen und 1890 :ach Bern versetzt; 1893 kam er unter Beförderung zum Lega- consrat als Erster Botschaftssekretär nach Konstantinopel mb von da im folgenden Jahre in gleicher Eigenschaft cach Petersburg, wo er zu Weihnachten 1899 Titel und Rang irres außerordentlichen Gesandten mib bevollmächtigten Ministers erhielt. Bon diovemücr 1900 bis zu Beginn des Wahres 1902 war er Gesandter in Luxemburg, und seitdem it.rtrat er Preußen bei den Hansestädten und den mecklen- 'urgischen Großherzogtümern. Nachdem er als Vertreter > es Auswärtigen Amts den Kaiser wiederholt auf dessen Auslandsreisen begleitet hatte, wurde er im Januar 1906 mch dem Tode des Frei Herrn v. Richthofen zum Staats- etretär ernannt. Daß er schon nach verhältnismäßig kurzer jdt dieser: Posten verläßt, um die Vertretung des Reiches .m österreichischen Kaiserhofe zu übernehmen, entspricht einer: eigenen Wünschen, die auf Verleihung eines Bot-

Kriegseroignissen auf der Balkanhalbinsel zu folgen, kehrte dann nach Wien zurück und wurde dort in zelMjähriger Wirksarnkeit in den österreichischen Hof- und Militärkreisen heimisch; vorübergehend vertrat er auch den Prinzen Reuß als Geschäftsträger. Zum Obersten befördert, erhielt er das Kommando des 2. GaÄe-Manen-Regiments in Berlin, dann der 1. Garde-Kavallerie-Brigade, wurde 1889 diensttuender Generaladjutant des Kaisers und bald darauf General ä la suite. Um sich mit den diplomatischen Geschäften vertraut zu machen, trat er im Sommer 1891 beim Auswärtigen Amt ein und wurde sck-on nach einem Jahre Gesandter in Stock­holm. Dort blieb er bis zum Oktober 1894, als er sich mit der verwitweten Gräfin Stephanie Auguste v. Platen, geb. Hamilton, einer der reichsten Grundbesitzerinnen Schwedens, vermählte und dadurch Herr von Stora Sundby in Schwe­den wurde; er siedelte dann nach Berlin über und wurde dort im Frühjahr 1897 als Nachfolger des Generalobersten von Lotz mit dem Gouvemeurvoften betraut. Seine Wiederver­wendung im diplomatischen Dienst wurde ztvei Jahre später möglich, als der Botschafter in Rom Freiherr Saurma v. d. Jeltzsch wegen ernster Erkrankung seinen Posten ver­lassen mußte. Graf Wedel wurde sein Nachfolger und über­reichte am 16. Oktober 1899 dem Köyig Humbert in Monza sein Beglaubigungsschreiben. Nach dreijähriger TätigkeiL in Rom wurde er als Nachfolger des Botschafters Fürsten Eulenburg nach Wien versetzt, von wo er jetzt als nnmittel- barer Vertreter des Kaisers nach Straßbnrg übersiedelt.

Der jetzt 75jährige Fürst zu Hohenlohe-Lan^nburg tritt jetzt in den wohlverdienten Ruhestand zurück, nachdem er die Statthalterschaft der Reichslande 13 Jahre lang erfolg­reich geführt hat. Als zweiter Sohn des Fürsten Ernst geboren, folgte er seinem Vater bei.dessen Tode im Jahre 1860 infolge der Verzichtleistung seines älteren Bruders Karl. Vorher stand er in Militärdiensten und hatte als Rittmeister im österreichischen §ccre den Feldzug von 1859

Koburg imb Gotha. Nach dessen Tode wurde er am 1. Jan. 1900 zum Gesandten in Kopenhagen ernarmt. Von dort ging er als Botschafter nach Petersburg. Herr v. Sck)ön erhielt den hessischen Adelsstand am 18. April 1885, kurz ehe er sich in Brüssel mit der Freiin Berta Stephanie v. Groote verheiratete, die einer alten Meder ländsichen, seit 1613 ^auch in Bayern angesessenen Familie entstammt und eine Tochter des verstorbenen belgischen Gesandten in Japan sowie eine Schwester des beseitigen belgischen Gesandten in Athen Baron Paul de Groote ist. Herr v. Schön zählt zu den begütertsten Diplomaten Deutschlands und besitzt u. a. das Hofgut Friesenheim bei Ludwigshasen sowie die Villa Schön Häusl in Berchtesgaden.

Graf Kärl v. Wedel, der neue Statthalter der Reichslau de, gilt als ein Mann von hoher staatsnrännischer Begabung, von dem man sich noch eine weitere ersprießliche Wirksamkeit im Dienste des Vaterlandes versprechen darf. Er entstammt dem l)annover?chen Wel. Sein Vater war oldenburg-sicher Kammerherr und Generalleutnant; auch der jüngste Sohn Karl Leo Jülius Wedel, geboren 1842, wid­mete sich der militärischen Laufbahn, zuerst im hanuover- schen Dienst dann nach dem Frieden von Nlkolsburg als Premierleutnant im 8. preußischen Husaren-Regiment. 1876 als Hauptmann zum Großen Generalstab verjetzt, fand er bald Fühlung mir dem diplomatischen Dienst, indem er ein Jahr darauf als Militärbevollmächtlgter nach Wien gesandt würbe. Von dort aus wurde er abtomnmnViert, um den

chasterpoirens gerichtet loaven.

Der neue Staatssekretär des Auswärtigen ist aus der fteihe der aktiven Diplomaten ausgesucht worben, ein Um- ano, auf bcn der Kaiser in Uebcrelnstimmung mit dem Reichskanzler besonberen Wert legt.' Wilhelm v. Schön -'ar erst int Herbst 1905 auf seinen bisherigen Posten be­t'en worden. Er ist am 3. Juni 1851 in Worms als Sohu

Fabrikbeftßers Johann August Schön, Teilhabers der . ma Kornelius Heyl und der Maria Barbara Hehl, aus .-er Familie bes Freiherrn Hehl zu Herrnsheim, geboren. Cc erhielt seine erste Erziehung in der Anstalt Sck)nepfen- iijai sonne aus den Gymnasien in Mannheim und Darmstadt. Bei Ausbruch des Krieges 1870 trat er als Freiwilliger beim He,fischen Reiter-Regiment (jetzt Leibdragoner-Regi­ment Nr. 24) ein, avanzierte zum Offizier und blieb als smcher bis 1877 int aktiven Dienst. Er ging dann znr diplomaiftchen Laufbahn über und war nacheinander Attache in' Madriv/ Sekretär oder Geschäftsträger in Athen, Bern und im .Haag und von 1887 bis 1895 Zweiter, dann Erster Sekretär ^uno Botschaftsrat in Paris. Von 1896 bis 1899 war er Oberhofmarschall des Herzogs Alsred von

Vortrag des Beethovenschen Violinkonzerts. Er fand begeistertes Aufnahme. , !

Kleine Kunstchronik. Dre Mainzer stadtyche 5kapel!e begann unter Hosrat Emil Steinbach den Reigen tbrer diesmaligen Sinsonie-Konzerte mir emer Joachmi-Gedeuljeier. Em- geleitet wurde sie mit dem Trauermarsch aus Beelhooens Helden-^ Simonie. Joachims Violinkonzert in d-moll spiette Karl Halir. LUs lwchbedeiitende Altistin erwies sich Frau Julia Eulp. Frankfurt a. M. ist Ludwig Lömenb-ach, der Kompouyr. des Ballets derSchmelterluigsschlacht" im Alter von 57 ^olircn an einem Herzleiden gestorben. _ Der Dahmgefchiedene war e:w großer Kunslkemrer und hinterläßt eine bedeutende Slutiguitaten- sammliiug. ' Löweubach war auch Mitarbeiter bei za-yweul)en bumoristsichen Zeitungen. Elvin Paetel, der Jichaber des be» kannten Verlages Gebrüder Paerel in Berlin, ist gestorben. Albert Bassermanu vom Berliner Lessing-Theater, wrrd^sich mit Fräulein Else Schiff, einem früheren.Mitglied des Leymg- Theaters, vermählen. Vom Herbst 1908 ab ist die zukünftige Frau Bassermanu an das Deutsche Theater verpflichtet, dem ihr Gatte von 1909 an gleichfalls angehören wirb. i e g e l b e G e s ah-rP em breiaktiger Schwank von Kraatz und Okonkowsky, erzielte :m Residenzlheater zli Wiesbaden emen glanzenden und rauschenden Erfolg. Die glückliche und aktuelle Idee, eine kleine intrigante Japanerin als Hauptrolle einzusühreu, gefiel dem Pnourmu sehr.^ Eine polnische Volksausgabe von Gerhart H a u p t m a n n S, Webern' ist m Krakaii erschienen. Tie Uebersetzung geht mit' deru deutschen Segle recht willkürlich um und stellt sich an vielen Stellen als eine Bearbeilung und Verjchärsung bes Hauptmannychen Werkes zu soziallsNsch-agitalorischen Zwecken dar. In L- l r a m bürg ist am 6. Oktober eine Ausstellung von Buch­einbänden, die ein umfassendes Bild der kultnrgeschichtlichen^ Entwicklung von der Römerzeit bis heute bietet, eröffnet worben. ^er Vorstaub deS Salon d'Antomne m Paris lud die rheinischen und süddeutschen Kunstkreise ein, in Verbindung mit seiner Herbst-Ausstellung im Jahre 1908 im Grand Palms eine. Soiider- Ausstellung der deutschen K u n ft zu veran- statten. Die Ausstellung soll als private Veranstaltung aus ber Basis von Garanlie-Zeichiiungeii deutscher Kuimireunbe ins 9ebcn' geritten werben. Eine Gesellschaft ist m der Gründung begriffen; namhafte Beiträge sind bereits gezeichnet. In Par-iS begaben sich am 5. b. M. gegen huub erl b eu t s ch e Lehrer unter ber Führung französischer Kollegen nach bem Mcmtmcttre, um bort am Grabe H e i n ed einen Kranz meberzulegerr. Ter Vorsitzende' der Bremer Letstervcreinigmig, Breyhart, hielt dabei eine An­sprache. In Banon'ne uiiterzog sich der bekamlte Dichter Ebmond 9t oft a n b einer V l i ii b b ar m -O p e r a t i ou, die glücklich verlaufen ist. Sein Zustand ist beiriebigeub. In Düss elborf trat ber chinesi^we Gesandte in Berlin ein. Er überreichte in einer Festsitzung des Malkastens ein 800 Jahre altes ch i n e s i s ch e s G e m a l d e , das der Geueralgouverkneur' Tuanümg der Düsseldorfer Künstlerschast versprochen hatte, als die.^ chinesische Stubienkommissioii dort wecke.

Man schreibt uns aus Wiesbaben, 6. Oft.: Der bedeutende Eindruck, den Mottl mit seinem Mnchener Orchester am ersten Abend desAk u s i k f e ft e s" hinterließ, ist in den nachfolgenben Konzerten bisher nicht wieder erreicht worben. Sehr trefflich 'bewährte sich aber auch bieBerliner Phrlharmonie- Kapciie", bie nm 2. Konzertabend unter Fritz Steinbachs Leitung sich hören ließ. Vorzüglich diszipliniert, entwickelte diese Körperschaft in hohem Grade Kraft, Feuer imb Energie, ohne je aufdRnglich zu wirken, auch nach der Seite bes Zarten und Weül)en hin erschien bas Dynamische sorgsam abgestuft. Doch mit den Intentionen des Herrn Steinbach, bie biefer zudem unter einer bock) gar zu aufgeregten Dirigenten-Panwminnk^burch- zusetzen strebte, konnte sich bie Kritik nicht immer einverstanden, erklären: bie dritte Leonoren-Ouverture zerfylitterte m Cmzel- ^üge und Brahms erste Sinfonie kam- nur m den Ech atzen zu tieferer Wirkung; besser gelang das Meistersing^-Voripicl und am besten StraußTon Juan". Der Kmnponrst, der nn Zu­schauerraum anwesend war, wurde Gegenstand lebhafter Ova­tionen. Er dirigierte dann am nächsten dritten Konzertabend das Wiesbadener Kurorchesber. In oer Eroika-^insonre zeigte er sich als ernstdenkender Beethoven-Interpret, wenn auch ohne den erwarteten enthusiastischen Schrvung. Der echte Strautz often- Larte sich erst in der nachfolgenden Srnwnre-^omestica, dre der gefeierte Komponist-Dirigent in einzelnen Partien zu glmizerwer und im Schlußteil zu hrnreißender orchestraler Wirkung brachte Zwisäien Leiben genannten Werken Uetz sich Frcderic Llamond (der Gatte von Irene Triefch) mck Lisztschen Klavlettverken Horen, ohne freilich tieferen Anteil für feine etwas kühl gehaltenen Vor­träge erwecken zu können. Der vierte KomzertaLend brachte nnt^r der ternperamentvollen Leitung deS Wiesbadener Kapellmerfters Ugo Afserni außer der brillant ausgeftchrtm Egmont-Ouvertiwa eine recht gelungene Aufführung ber IX. Sinfonie, in der be­sonders auch das Solo-Quartett (bie Damen Grmnbacher be ^ong unb Philippi und bie Herren Reimer und Sistern:ans> Vorzügliches leisteten Ter Chor genügte den Ansprüchen; die Wiesbadener Kurkapelle ließ cs an Wärme unb LeLendigkeü -des Vorttags nicht fehlen. Unter bcn reinen Jnsttumentalsätzen möchte dem Adagio" in Bezug auf innige Beseelung bes Tones hierauf versteht sich Herr Afserni ohne Frage ber Preis zuzuerkenn.cn feilt AL, Solist bes Abends entzückte Arigo Sepato durch den.

vemSKtzeverAn-eiger ^rdrn im Wechsel mit

stättrr viermal m der 5Zoche beigelegt txnb rvetmöl wochen rttm das j^irdiatt für den Kreis Mtkett. Fernsprech-An- chlub!.d.RedakNonlI2 8erlag ».ExpebiNon 51

Die städtische Fest- und Ausstellungshalle in Frankfurt a. M.

Man schreibt uns aus Frankfurt:

Die Notwendigkeit ber Schaffung einer Fest- und Ausstellungs­halle, die sich seit langen Jahren herausgestellt hat, veran­laßte den Frankfurter Vkagistrat im vorigen Jahre, ein Preis- ausschreibcn für ein geeignetes Projekt zu erlassen. Unter zahl- reichen Bewerbern wurde schließlich Prof. Tr. von Thiersch in München'der erste Preis zuerkannt, und sein Projekt zur Ausführung angenommen. Mit der Ausführung des Baues ist vor einigen Monaten begonnen worden, und gegenwärttg ist bie Halle ein tüchtigcZ Stück gefördert, so daß sich bie Grundformen unb bie Bauweise erkennen lassen. Tie Festhalle erhebt sich cm Hohenzollernplatz, einer neuen Prachtsttaße, die in der Nähe des Hauptbahnhofes ihren Ausgang nimmt und nach Westen z cht. An der breiten Allee hat bereits das neue Oberpost- direktionsFebäude Platz gefunden. Der Bau des Ver- waltungsgebäudes der E i s c n b a h n d i re k t i o n geht seiner Voll- eiiuiinc entgegen. Nicht allzuweit von dem letztgenairnten Ge- läitbe" entfernt entsteht die neue Festhalte, deren Front zum Teil nach der BiSmarckallee gerichtet ist. Bei bem Bau ber .Halle ist zu berücksichtigen, baß sie den verschiedensten Zwecken dienen soll, zunächst großen Versammlungen und Vorführungen, deren erste das deutsck)e Turnfest 1908 sein wird. Ferner ist sie zur Aufnahme der Gesangswett ft reite deutscher Äiännergesangvereine bestimmt, die nach einem AuSspruch des Kaisers, den er im Jahre 1903 dem Oberbürgermeister Ädickes gegen aber getan hat, fortan dauernd in Frankfurft statt- füUcit sollen, sobald eine geeignete ständige Halle bafür, nor» banben sei. Schließlich soll die Halle Äusftellungszwecken dienen. Man hofft in den Kreisen der in Betracht kommenden Industriellen, daß eine A u t o m o b i l a u s st e l l u n g für Süddeutschland Ende u.ächsten Jakwes oder Anfang 1909 sich dott ermöglichen lassen wird. Aus diesen verschiedenattigen Bestimmungen der Halle gebt hervor, daß bei den Bauplänen und deren Ausführung nuf Üa Eigenart des Unternehmens gebührend Rücksicht genommen iveracii mußte. Vor allen Dingen wird bie Halle sehr über­sinnlich in ihrer Anlage sein, damit von selbst den entlegenen. (Wcricp.hcn, etwaige Aufführungen von einem Podium oder einer Bühne genau verfolgt werden können. In, zweiter Linie soll Li ert auf die Akustik gelegt werden. Säftießlich wird man ftlr eine Icichr Einfahrt in das Gebäude Sorge tragen, bannt bei ^'mülclbinnen ber Transport ber Gegenstänbc nicht aus allzu- große -chwwrigkeiten stößt. Bei bem Hallenbau selbst toer^n Ee Cijcnkonstruktionen in erster Linie m Bettaaft kommen. Sre sind in der Hauptsache in Auftrag gegeben und brauchen an Ort uuo Siebe nur zusammengesetzt zu werden, -bie Bauleitung liegt in den Händen des Professors Tr. v Thiers ch, dem em stM. Arckiitekc Seite steht, die Bauausführung hat die Frankfurter Firma Holzmann u. Co. Man toird bie Arbeiteii so b^chk^uai^oen, daß ber Rohbau zum Beginn bes Frsthiahrä voUenbet itt, M

Die«stag S. Oktober 1907

monatlich 75DE viertel»

X A A, jB U'ch Skk.-0- c,urch

diePostDck.Lvtertel» jährl. auLfchl. Bestellg.

"U ZeüenpreiS: lokal 1WU-

f tmswärts 20 Pfennig

Verantwortlich

v'wpf Ä ' lür den politischen Teil:>

«s«-7 General-Mzerger für Gbechchm WZZ

Hotafionsöru» nnb Verlag der vrüheschen Unw.-Svch- und Stemdrnüerri. 8. Lange. Eeöafticn, Expedition und vruüerei: Sch'.iifSrstze 7. Anzeigenteil: 'H. BecL»

M vormittags 10 Uhr. _ _ _

Der Zusamrnenstrom der Fremden ist an^erordeutlich groß unb übertrifft noch bei weitem bie kolossalen Menschen- massen, die sich vor Jcrh-resftist zur goldenen HochzettS-- feier deS Großherzogpaares eiugefunden h<ltten. Lluf den Straßen, bie zum Großherzoglichen Schlojse führen, stockt nahezu jeber Verkehr. Schon seit Sonntag vormittag waren die zahlreichen Abordnungen ein getroffen, die zum Teil in Hotels, teils in Privattvohnuugeu eincpxarlien wurden. Kurz vor 11 Uhr heute vormittag traf im Extrazuge der Kaiser ein, ber vom Pahnhvf sofort nach dem Resideuz- fchloß fuhr unb sich gleich barauf mit der Großherzoglichen Familie nach ber Schloßkirche begab, wo die Leiche des' Großherzogs ausgebahrt war. 9iuf Wunsch des Kaisers war ber Sarg noch nicht geschlossen worden. Die Fürstlich­keiten verweilten längere Zeit in dem GotteShause, wo dann eine Andacht stattfand, zu der die Vertreter verschiedener Fürstlichkeiten, die Abordnungen, Damen unb Herren deS .Hofstaates, hohe Militärs unb Beamte geladen waren. Nach Chorgesang, Gebet unb Ansprache des Hofgeistlichen wurde bie sterbliche Hülle beS unvergeßlichen Fürsten nach dem Mausoleum gebracht. Ungeheure Menscheumasien hatten auf dem kurzen Wege, auf dem sich der Kondukt nach der letzten Ruhestätte bewegte, Posto gefaßt. Militär unb über 100 Vereine, die Schulen unb die Studentenschaft bildeten Spalier unb hinter ihnen drängte sich eine vieltausend- köpsige Menge, bie sich schon stundenlang vorher einge- funben hatte. Dre Straßen, durch die der Zug ging, trugen reichen Trauer schmuck. Die Häuser waren mit schwarzen Tüchern dekoriert, umflorte Girlanden zogen sich von Mast zu Mast. Ueberall brannten offene Flammen. Während der imposante und ergreifende Trauerzug sich nach bem Mausoleum bewegte, wurden alle Glocken geläutet und in Intervallen Kanonenschüsse ab gefeuert Den Kondntt eröffnete Militär verschiedener Waffengattungen, diesem folgte ein Hofrurier, hinter dem die Geistlichrett beider Konfessionen schritt. Ihnen reihten sich zwei Migeladju- tanten deS ocrf'torbencii Großherzogs und zwei Kammer- Herren als Trauermarschälle an. Alsdann' folgten die Träger der Insignien und zwar Geh. Rat Reinhard mit den badischen Orden, Generalleutnant z.,D. Freiherr v. Neubronu mit den Kriegsauszeichnungen, Ncinisteria - prä;ident Fehr. v. Mar­schall mit dem Szepter, Generaladjutcknt v. Müller mit dem Schwert, Staatsniinister Frhr. v. Dusch mit der Krone. Der prunwolle Leichenwagen war mit sechs gjerben be-