Schluß 5k Uhr.
"M^erfler^Linie"' I>ie Veseifigimg der Di§zivlinar-Un Buchung gewesen. (Hörti -tpöri) Ich frage Sie nun, ob meine Registratur nicht iibcrcinslimmt mit der eidlichen Aussage des 'Herrn Erzberger vom 16. Juli 1906. (Lebhafte Zustimmung. Hört! Hört!) Ich habe nun die verschiedenen Aussagen Herrn Erzbcrgers Ihnen nebeneinander gestellt, die nicht mit einander !übereinstimmcn. Wenn ich die Wahl habe, nehme ich die vereidigte, und die stimmt mit meiner Registratur überein, die er als unwahr bezeichnet. (Hortl Hört!) Ich habe gestern auf meine Unterredung mit dem LcgationZrat Helfferich Bezug genommen. Ich bekam heute folgenden Brief: „Ich habe soeben in dem Parla- mentSbcricht von Ihrer gestrigen Erklärung gehört und halte mich angesichts des Verhaltens des Herrn Erzberger verpflichtet, jJhncn in aller Form zu bestätigen, daß Sie mir alsbald nach der ^Unterredung mit Herrn Erzberger von dem Inhalt der Unterredung Mitteilung gemacht haben und dieser in allen Punkten der Aktennotiz entsprach. Ich entsinne mich der Einzelheiten genau deshalb, weil Herr Erzberger den überraschenden Schritt bei Ihnen gerade zu einem Zeitpunkt tat, in welchem er mit der Kolonial- verwaltung wegen eines anderen Falles in einer heftigen Polemik ilag. Ich entsinne mich guck' genau, das; Sie bei der Besprechung d,cse§ Schrittes eine Parallele zogen zwischen der von Herrn Erzberger versuchten Pression und dem loyalen Verhalten eines anderen Abgeordneten,. der ein paar Monate vorher in der An- legenheit Pöplau beim Reichskanzler gewesen ivar. (Hört! Hort!) Der andere Abgeordnete hat das Material dem Reichskanzler zu dem Zwecke gegeben, um eine Untersuchung einzuleiten; Herr Erz- bcrgcr dagegen bot es der Regierung an, falls das Disziplinär- -verfahren d eingestellt würde. (Stürmische Heiterkeit.) Sie erzählten mir weiter, daß Herr Erzberger nach der kategorischen Zurückweisung geantwortet hat: Eine andere Antwort hat er kaum erwartet, hat aber geglaubt, sich eines Auftrags des Herrn Pöplau entledigen zu müssen. (Hört! Hört!)
Bei der ganzen Angelegenheit stellt sich Herr Erzberger bin al? den harmlosen Wanderer, der plötzlich von einem Wegelagerer Äberfallen und aufs äußerste kompromittiert worden ist. Ich überlasse dem Urteil des Hauses den Wegelagerer und auch die harmlosen .Wanderer-Qualitäten des Herrn Erzberger. (Heiterkeit.) Aber ich bintn der ganzen Angelegenheit tatsächlich nicht der Angreifer gewesen. Ich habe Ihnen gestern erklärt und wiederhole es beute: Die ganze Angelegenheit wäre von mir unter keinen Umständen zur Sprache gebracht wovden, wenn ich nicht von Herrn Erzberger wiederholt öffentlich auf das schwerste angegriffen worden wäre. Es ist ein starker Angriff auf einen Beamten, der seit reichlich 30 Jahren im Staatsdienste steht, wenn ihm vorgeworfen wird, er habe seine Mitwirkung bei Abstellung großer Mißstände versagt. (Sehr wahrl) Tas zwang mich, von meiner einzigen Waffe Gebrauch zu machen, der Veröffentlichung der Aktennotiz. Das Urteil der Oeffentlichkeit erwarte ich in vollster Ruhe. Ich bin mir vollkommen bewußt, durchaus loyal und entgegenkommend gehandelt zu haben. Ich bin ebenso überzeugt, daß diejenigen, die Diesen Streitfall, der zu meinem Bedauern dieses Hobe Haus nun schon mehrere Tage beschäftigt, objektiv prüfen, mich von jeder ^schuld freisprechen, und, daß nicht bloß in diesem Hause, sondern auch im Lande das Verfahren des Herrn Erzberger nicht gebilligt wird. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Dr. Ncnm nun-Hofer (freis. 8?et.)x
- v Ich mutz mich ganz entschieden gegen den Abgeordneten von Kröcher wenden, der ausführte, daß es einen berechtigten Einfluß bei den Wahlen geben könnte. Einen solchen Einfluß darf es bei der Abstimmung nicht geben, darin sind sich alle Liberale einig. — Bedauerlich ist es, daß sich jetzt alle kleineren Staaten und auch die Mittelstaaten Deutschlands in einer sehr prekären finanziellen Lage befinden. Es macht Mühe, den Etat zu bilanzieren, wichtige Kulturaufgaben können nicht erfüllt werden, trotzdem die Steuerschraube aufs äußerste angespannt ist. So muß bei uns in Lippe jedes Dienstmädchen Steuern zahlen. Da ist es lein Wunder, daß man in den kleinen Staaten oft da? Wort hört: „Unsere Selbständigkeit ist uns zu teuer, wir wollen uns lieber von Preußen verschlucken kaffen." Das ist kein erwünschter Zustand, das Deutsche Reich ist ein Foderativstaat, auch für dic 'kleinen Staaten muß gesorgt werden. Sie verlangen keine Bevor- -'itoifniT, aber wollen auch keine Benachteiligung. Nötig wird 'deshalb eine. Aenderung der Verteilung der Matrikularbeiträge sein; kenn, die Aufbringung nach der Kopfzahl ist ungerecht. Ferner müffen im.Eisenbahnwesen Aenderungen getroffen werden, jetzt werden die Eisenbahnen in den Kleinstaaten nicht zu den Kommunalabgaben herangezogen, die Einnahmen aus den Eisenbahnen fließen in . die Tasche Preußens. Am richtigsten wäre es, wenn das Reich die Bahnen übernähme, wenigstens sollte man zur Herabminderung der Matrikularbeiträge eine Reichssteuer auf die Reinerträge der Eisenbahnen legen. Auch bei der.Militärkonvention mit Preußen werden die Kleinstaaten benachteiligt. Ich wäre dafür, daß die Militärkonvention mit Preußen gelöst wird, vielleicht werden Bayern oder Sachsen ent- iflegeiuomm.enbcr sein. (Heiterkeit.) Wenn man den kleinen Staaten nicht bald entgegenkommt, wird eine Reichsverdrosseriheit •in die kleinen Staaten einziehen, die es dort zum Glück noch nicht gibt. b:;
Ans SraSt und Land.
Sprechstunden der Redallion 11-1 Uhr vorm., i '37—1/28 Uhr abds.
Gießen, den 7. März 1907.
*' Heber d i c Schöffengerichts-Verhandlung c n luirb, soweit es sich um allgemeiner interessierende Sachen handelt, uon jetzt ob regelmäßig berichtet werden.
** D e r Universitäts-Bibliothek sind durch eine Schenkung eines Freundes des verstorbenen Germanisten und Folkloristen Professor Dr. Adolf Strack die von der Bibliothek unter Ausscheidung des schon Vorhandenen ausgewählten Bestände der Strack'schen Bibliothek einverleibt ivorden. Die volkskundliche Abteilung der Univcrsitäts- Bibliothek, wie auch deren Bestände an neuerer deutscher Literatur erfahren durch diese Schenkung eine äußerst wertvolle Bereicherung.
Promotionen von Ober Hessen unb Angehörigen benachbarter Gebiete an unserer Landesuniversität. Im Jahr 1906 promovierten als Doktoren der Rechtswissenschaft: Regierungsreferendar Rob. Wenzel aus Gießen und Gerichtsrefcrendar Leop. Katz auS Gcofeen- Buscck; als Doktoren der Medizin: Ernst Wagner aus Ltangenrod, Fritz Schaad aus Kaulstos, Aug. Keller aus Gießen, Hugo Schaaf aus Rainrod, Fritz Ploch aus Gießen, Alfr. Loebell aus Marburg, Karl Kahn aus Ranitadt und Ludwig Leun aus Großen-Linden; zu Doktoren der Tierheilkunde: Karl Seitz aus Laubach und Slug. Hofmann zu Alsfeld; zu Doktoren der Philosophie: Sch. Orbig ans Gießen (Chcm.), Hch. Gräf aiis Gießen (Phil.), Lehramtsrefcreiidar Perm. Lotz aus Vilbel, Lehr- amtsreferendar Ludw. Diehl aus Rodhelm a. d. B„ Lehramtsassessor Otto Knatlß aiis Atzenheim, ,Wilh. Süß aus Friedberg (Phil.), Julius Lorsch aus Alsfeld (Phil.), Herrn. Lehr aus Ruppertsburg (Chem.), Wassa Klein aus 'Alsfeld (Cheiii.) und Aug. Burg aus Kloster Arnsbura (Landw.). J
** In Amerika verstorbene Hessen. Champagner- Agent Charles Riink aus Gießen, 58 Jahre alt, 511 Rew- Dork. — Peter Orthwein aus OckerShausen, 65 Jahre olt zu Oivosso, Mich. — Frau Elisabeth Minerva Keller, geb. Schnauber, aus Wallernhausen b. Ridda, 86 Jahre olt, zu Syracuse, R.-Y. — Fran Katharina Mohr, geb. Heil, aus Schlitz, 90 Jahre alt, zu Victor, Ja. — Georg Gundermann aus Lmdheim, 88 Jahre alt, zu Pittsburg,
. Abg. Gamp (Reichsp.)
'danÄ dem Staatssekretär dafür, daß er eine Prüfung der Verhältnisse der Reicbsbank angeregt habe. Von einer Meinungsverschiedenheit bezüglich der Sozialpolitik ist in der Reichspartei feine. Rede, alle meine Freunde sind für eine energische Sozialpolitik, wenn mir auch meinen, daß die Väckereiverordnung zu weit geht. Redner tritt sodann für eine Erweiterung der Kom- peü:nz .der Berufsgenossenschaften ein.
’ "■ 1/ Staatssekretär Graf PosadowSky: .
Daß eine Bundesratsvcrordnung ohne die genaueste Prüfung der einschlägigen Verhältnisse zustande kommt, das ist nach dem Geschäftsgang völlig ausgeschlossen. Erst kommt die Erklärung jbeS preußischen Ministeriums, dann der übrigen Bundesstaaten. Jedes Ministerimn loieder setzt sich, bevor es sich äußert, mit ben; 'ihm unterstellten Provinzial- und Lokalbehördcn in Verbindung,! !irm ihre Meinung zu hören; und diese wiederum hören erst die! ^nicreffenten. Also von oben herab wird nichts dekretiert. Natürlich ist solch eine Verordnung dann gar manchem nicht recht. Es rst daher Wohl auch allgemein bekannt, daß gegen mich persönlich gehässige, ßtfttgc und verleumderische Angriffe gerichtet werden. j(Hört! Hort!) Es gibt eben Richtungen, die einen Staatssekretär gegen Sozialpolitik wollen. (Hört! Hört!) Ter will ich aber nicht fein. Ich will ein Staatssekretär für Sozialpolitik bleibenI [(SetfalL),
f Abg. Fürst Radziwill (Pole) u y. . bemerkt früheren Aeußerungen gegenüber, man könne ihnen nicht verwehren, ihre ablehnende Stellung der Kolonialpolitik gegenüber mit ihrer Ausnahmestellung in Deutschland zu motivieren.
Damit schließt die erste Lesung des Etats.
' Die Hauptteile des Etats gehen an die B u d g e t k 0 m m i s- fi 0 n.
Zu Mitgliedern der Reichsschuldenkommission werden per ANlamatron gewählt die Abgg. Ortel, Schmidt-Warburg, Erzberger, Henning, Dr. Mugdan, Dr. Arendt.
1 Es folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfs betreffend die Vornahme erncr Berufs- und Betriebszählung im Jahre 1907.
. Abg. Droescher (kons.)^ ,
nnpfiehlt, diese Zählungen in regelmäßigen Perioden von 10—12
Verdienst, diese Zählung angeregt zu SÄ'«Erstorbenen Abg. Roesicke-Dessau. Die Zählung ^rÄBr^bcUtunfl 'em für die Vorarbeiten zur Citroen»
'ST9' Webner äußert bann noch verschiedene der Ausführung der Berufs- und Vetriebs- L’ct Frage nach der Religion überflüssig. Der s5, bsC ^hlung der Arbeitslosen sehr ungünstig.
Entwurf so schnell als möglich erledigt 6ct Gelegenheit eine internationale Cranfttl etn^uleiten, |et unerfuffbar wegen der zu großen Schwieria- keiten, die sich einer solchen Arbeit entgegentürmten. Deutscklaub brauche den Vergleich mu dem Auslande nicht zu scheuen, es besitze letzt >chon d-e beste und genaueste Statistik -der Me t. Im Interesse einer schnellen Erledigung bitte er, von einer Kom- MtLwnsfaffung abzusehen. . . . m ■
Abg. Dr.-Loormann (freis. Vp.)' bcbrtüetf" es, daß dem Reichstage nicht die Formulare zu der Zählung zugegangen seien, und wünscht, daß das große Werk^das jetzt ins Werk gesetzt werden solle, einen vollen Erfolg habe. Seine Partei sei auch bereit, den Entwurf ohne Kommisswnsberatung zu erledigen, _ / Staatssekretär Graf Posadowsky --------
erwidert, daß die nötigen Formulare im Bureau dc§ Hauses niedergelegt seien, sodaß alle die Herren, die sich dafür interessierten, sie da entnehmen könnten. ,:
Abg. Dr. Stresemann (natl.): > .. ‘
, Namens meiner Fraktion erkläre ich, daß wir selbstverständlich dem Entwurf im Prinzip zustimmen und es freudig begrüßen, daß der Gewerbe-Zählung von 1995 jetzt eine neue folgen soll. Ich «möchte sogar meinen, daß dieser Zeitraum von 12 Jahren eia !ziemlich langer ist, und daß wir dazu kommen müssen, in Zukunft diesen Zeitraum abzukürzen. Wkr sind in der wirtschaftlichen Gesetzgebung auf die Ergebnisse der Verufsstatistik angewiesen, und wir haben es in den letzten Jahren schon vielfach unliebsam empfunden, daß wir immer mit den Ergebnissen von 1805 rechnen müssen, die doch zum Teil sehr veraltet sind. Tie Verarbeitung einer solchen Berufszählung kostet freilich viel Geld, aber der verstorbene Abgeordnete Roesicke hat mit Recht vor Jahren ausgeführt: „Wenn jemals Staatsmittel fruchtbringend angewendet werden, so ist es bei der Veranstaltung solcher Berufszählungen der Fall." > Meine Freunde find immer der Ansicht, daß die Vorlage un-^ bedingt in eine Kommission gehört. Ter Kollege Dr. Troescheri meinte, man könnte sie hier im Plenum erledigen, aber er war in einer viel glücklicheren Lage als wir, denn er hatte bereits bic1 Fragebogen zu seiner Verfügung. Bei der Beratung der Berufszählung von 1895 lag ein ganz ähnlicher Fall vor. Damals war es die Fraktion der Sozialdemokratie, die den Fragebogen bereits kannte, da er der „Leipziger Volkszeitung" auf den Nedaktions- tisch geflogen war. Auch damals beschloß das Haus auf den Antrag unserer Fraktion die Beratung des Entwurfes in der Kommission. Wir sind ja bereit, die Arbeiten der Kommission so schnell wie irgend möglich zu fördern, aber die Fragebogen müffen wir zur Hand haben, sonst können wir uns kein Urteil bilden. Es handelt sich ja auch hier nicht um eine reine Sache der Berufsstatistik, auch die Wirtschaftsstatistik ist liier von besonderer Wichtigkeit; daher müffen auch die wirtschaftlichen Vertretungen gefragt werden: Die Handels-Kammern, die Gewerbe-Kammern, die Landwirtschafts- Kammern. Ich weiß nicht, ob das der Fall war. Ich möchte Sie also nochmals bitten, unserem Anträge auf Kommissions-Beratung Zuzustimmen. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Trimboru (Zentr.) ,,
druckt auch sein Erstaunen darüber aus, daß dem Hanse der Fragebogen nicht zugegangen sei, denn er sei doch das wichtigste an der ganzen Vorlage. Heute morgen sei der Fragebogen im Bureau noch nickt zu haben gewesen. Ohne Fragebogen sei eine Diskussion aber nicht möglich, er stimme daher dem Anträge der National- liberalen auf Kommissionsberatung, zu.
Abg. Hoch (Soz.) spricht sich ebeistalls für eine Kommifsionsberatimg aus und plädiert dafür, daß regelmäßig solche Berufs- und Betriebszählungen veranstaltet und möglichst ausführlich ins Werk gesetzt würden. An einer genauen Statistik hätten alle Parteien unb Stände ein Interesse.
Präsident des Statistischen Amtes vnn der Borght versichert, daß c? mich fein Bestreben sei, eine möglichst eingehende und zuverlässige Statistik zu machen. Er werde auch nach Möglichkeit auf .ine Beschleuuigiing der Arbeit hinstreben, könne jedoch jetzt noch nicht einen bestimmten Termin für die Veröffentlichung der Resultate angeben.
1 Abg. Schack (wirtsch. 93er.) • ,
tritt für eine Kommissionsberatimg ein, in der Kommission werde er eingehend seine Wünsche darlegen, die sich auf eine genauere Spezialisierung des Gebietes der Landwirtschaft, der Heimarbeiter und der Handlungsgehilfen bezögen. Namentlich für die Handlung?« gebilfeu ici chic vermehrte Aufnahme von Fragen von großer Bedeutung. •
... /Präsident van der Borght '
führt aus, daß das,Statistische Amt bereits einen Teil bet Wunsche bet Handlungsgehilfen berücksichtigt habe. —-J
' Nach kurzer weiterer Debatte schließt die Diskussion.
- In einer persönlichen Bemerkung versucht ...... ' ‘ : L
Abg. Daöbach (Zentrum) , x. a . v i die Angriffe des Abg. Dr. Paasche gegen die katholischen Geistlichen zurückzuweisen. (Große Heiterkeit.)
Präsident Gras Stolberg unterbricht ihn mit der Bemerkung, daß jetzt nicht mehr auf die allgemeine Etatsdebatte zurückgegriffen werden dürfe.
- Der Entwurf geht an eine K 0 in missi 0 11 von 14 Mitgliedern.
Das Hans vertagt sich auf Mittwoch 1 Uhr (Nachtraa- EtatS für S ü d w e st - Af ri l a).
Pa. — Philipp Knipp aus Auerbach, 86 Jahre alt, zu Pittsburq Pa.
*" Scbneeglöck ch e n. Sonst, sobald im Februar die ersten milderen Lütte wehten, begrüßte uns seyon um diese Zeit der erste '-60le des nabenden Frühlings. In diesem Jahre, wo die Schneedecke so lange auf Garten unb Feld gelegen unb ber Frost die Erbe in Fels verwandelt hatte, bauerte es langer, bis wir ben - ersten Ton feines Glöckchens verimbmen. Nun aber ist es auigewacht unb läutet in unteren Vorgärten (besonders reich in ber Grünverger Straße) den Frühling ein. Zwar ist er noch nicht da, und Wochen mögen noch vergehen, bis dem Kalender die Wirklichkeit eiitspricht, aber des Winters Bann ist nun gebrochen, und wir dürfen auf- atmen nach feiner langen schweren Herrschaft. Trnm wird das erste Schneeglöckchen stets mit Jubel begrüßt. Mag die Rose herrlicher prangen, Veilchen unb Hyazinthen lieblicher hinten, mag bic Litte wie eine Königin doslehcn zwilchen ihren Untertanen, wir heben, wir beiuunberii sie, gewiß, ober so herzlich froh willkommen geheigen werden sie nicht, wie dos bescheidene jchlichle, m em-aches Weiß und Grün gekleidete Bliimchen. Ein Kmd des Winters ist's, der sonst nur Eisblumen an den Feustern hervorvrrngen kann, darum trägt es dessen Farbe, aber es weist hm aui ben Frühling und deshalb schmückt es sich mit hoffmmgssrohem Grün. Denn das ist's ja, was es uns nnruhigen, imgcbulDigen, unzufriedenen Menschenkindern jagen will: Faß dich in Hoffnung unh Geduld, and) die schwerste Zeit nimmt einmal ein Ende, and) ber härteste Winter kann das Leben nidjt löten, es muß doch hell, es muß doch Frühling werden. Wie leudjtet es darum auf in dem matten Auge eines Kranken, wenn eine liebende Hand den ersten ed)nco£'ötfd)eii- ft raufe aut den Tisch vor feinem Bett stellt! Es ist ihm rote eine Boifchatt^vou oben: Hoff, 0 bu arme Seele, Hoss und sei unverzagt. Was tröstender Zufprud) ort nicht permodjt hat, den gqunfenen 'Mut roieber auszurichten, das gelingt dem tlemeu Blümchen, das so eindringlich predigt von ber Macht und Liebe bessen, ber auch das kleine Pflänzchen unter ber Schneebccke nicht vergißt und bei auch dick, 0 Menicheukmd, n.cht vergessen wird. Unb ber bu gesund und glücklich bist, and) du wirst üiellcid)! einmal Sehnsucht empfinden nach einer Lenzbolschaft. Darum soll es uns allen willkommen sein, das kleine Blümlein, zu dem sich vorerst nur die gelbe Anemone gesellt.
— Lützellinden, 4. März. Das Bundesfest des Sängerbundes ,£>üttcnberg' findet am 8. und 9. Jiini hier statt.
g. Bad-Nauheim, 4. März. Nach längerer Pause bot der hiesige Bilduugsvercin seinen RfitglieOern wieder einen genußreichen Abend. Eine musikalische Unterhaltung ergötzte diesmal die Zuhörer. Als Sängerin war Frl. van der Boot aus Franlsurt 0. 2)1. gewonnen. Sie erntete nomentlid) durch die beiden Piecen: Arie aus ^Glöck- lein des Eremiten" und „Serenade" stürmischen Applaus. Cellist Krauße zeigte sich in der Handhabung seines Instruments als Meister. Seine außerordentliche Technik, sowie sein kunstsinniges Verständnis, mit dem er sich in die Komposition hineinversetzt hatte, zeigten sich besonders bei der Romanze. Reichen Beifall erntete sodann die von Herrn Piarguth auf der Violine vorgetragene Beethoven-Sonate. Tie Klavierpartien lagen in den Händen von Frl. Lorenz. Ihr gebührt der Hauptdank, hatte sie doch das ganze Arrange- ment des abends in die Wege geleitet. — Bei der gestern abend abgehaltenen Generalversammlung des Spar- und Vorschußvereins kamen 6 Prozent Dividende zur Verteilling.
Frankfurt a. M., 6. März. Da§ im Umbau begriffene Hotel Schwan erhält seine Hauptfront nach dem Theaterplatz zu, on dem sich auch der neue Eingang befindet. Die Stadt Frankfurt hat mit hohen Kosten die Lttöbel des FriedeuSzimmerS von dem früheren Pächter Herr Stern angekauft. Sie sollen nach Instandsetzung wieder an die alte Stelle gebracht werden. Mit dem neuen Pächter des Hotels, Paul Burkert, ist n. d. Kl. Pr. vertragsmäßig festgestellt, daß das Friedenszimmer dem Publikum unentgeltlich zugänglich gemacht wird.
GerichtssaaL.
B.-B. Darmstadt, 4. März' Tie erste diesjährige Schwur, g e r t d) t § p e r i 0b e der Provinz Starkenburg wurde heule untci Vorsitz des Landgerichtsrats Haustädt eröffnet. Des wissentlichen Meineides angeklagt war der 44jährige Taglohner Konrad Geißler ans Wolferborn bei Büdingen, ein schon mehr- sack, vorbestrafter Alensd), der schon lauge von seiner Frau getrennt lebt. Er halte hier seit l8/4 Jahren nut ber Frau des Taglohner^ Bauer Beziehungen unterhalten, and) gemeinsam mit ihr gewohnt. Als nun Frau Bauer gegen ihren Mann auf Ehescheidung klagte, erhob ber Alaun Wiberklage unter Hinweis ans die Beziehungen seiner Fran zu Geißler. Dieser beschwor jeboch in dem Ehe- scheidungslermin, daß er mit ber Frau keinen Umgang gehabt habe, unb die Folge war, daß ber Ehemann Bauer sür den allein schul digeu Teil erklärt wurde. Tie Unwahrheit dieser Aussage kam jedoch bald an den Tag unb heute gestand der Angeklagte ein, den Falscherd geleistet zu haben, „weil ihn d i e .F ra u gedauert h a b e". Da er sich durch eme Bekundung der Wahrheit in dem Prozeß einer ftrafbarrii Handlung (Ehebruch) schuldig gemacht haben würde, billigten ihm die Geschworenen ans Antrag des Ober- slaatsamvattS v. Heffert mildernde Umstände zu. Tas Urteil lautete auf ein Jahr unb brei Monate Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Ter Verurteilte trat die Strafe sofort an.
Karlsruhe, 4. März. Ter Grofeherzog begnadigte den wegen versudtter Verleitung 511111 Meineid verurteilten Pfarrer Gaisert ans Günbelwangen zu 6 Monaten Gelängnis.
Arbeiterbewegung.
Madrid, 4. März. Seit bent 4. März morgens streiken die meisten Al a u r e r, die den Achtstundentag, der für den Winter einge'ührt ivar, and) für die Sommerzeit beibehatten wollen. Am 9lachmittag kam es zu Zusammenstößen zwischen Streikenden und Arbeitsivilligen. Tie Gendarmerie schritt ein. Ein Streikender wurde getötet, zwölf wurden verwundet.
Schiff^ncrchrichten.
Red Star Linie.
Ter Poftdampfer „Zeeland" ber „Reb Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 26. Februar wohlbehalten in Neiv-Pork aiigekommeu.
Mathematik
Latein
Ä
Wenn Schüler u. Schülerinnen höherer Lehranstalten infolge von Blutarmut, Bleichsucht oder allgemeiner Schwächlichkeit die Anstrengungen der Schule nur schwer ertragen, empfiehlt es sich, als tägliches Morgen- getränk regelmäßig den bekannten Kasseler Hafer- Kakao zu gebrauchen. Viele hervorragende medizinische Autoritäten schätzen u. verordnen ihn ständig, da er den geschwächten Körper kräftigt u. wegen seiner nachhaltig sättigerruenWirkung während des Unterrichts kein nervöses Hungergefühl aufkommen läßt. — Nur echt in blauen Kartons ä 1 Mk, niemals lose.


