Si-
des
„Der fchreibselige Patriot" deS Gieß. Anz.
hat wieder einmal eine Freude gehabt, als er den Artikel
getötet und 59 verwundet morden. Da die Zufuhr von Lebensmitteln aus den Dörfern nach Lodz sehr eingeschränkt, ist, leiden viele Familien Slot.
In Sgersh, Gouvernement Piatrkow, wurde ein mit der elektrischen Straßenbahn fahrender Fabrikant, namens Stickhold, von Unbekannten erschossen. .
Arbeiterversicherung und ReichStagswahlen.
Tie Auflösung des Reichstages hat bewirkt, daß die sozial- volitischen Aufgaben der deutschen Volksvertretung, die ohnehin schon einen recht stattlichen Umfang gehabt haben würden, noch weiter vermehrt find, da ja verschiedene Gesetzentwürfe, die noch vom alten Parlamente hätten erledigt werden können und auch wohl erledigt worden wären, jetzt den kommenden Männern zu überweisen sind. Ganz besonders wird sich der neue Reichstag mit versicherungsrechtlichen Fragen zu beschäftigen haben und es ist vielleicht nicht zuviel gesagt, wenn man annimmt, daß die Beratungen der nächsten fünf Jahre im Zeichen der Versicherungsreform stehen werden.
Ter neu Reichstag wird sich in erster Linie mit der Reform des Krankenversicherungsrechts einschließlich des Hülfskassenwesens zu bescl)ästigen haben. In zweiter tiinie kommt Dann die Zusammenlegung der verschiedenen Versicherungszweige. Darüber, nach welcher Richtung hin sich hier die Pläne der Regierung bewegen, ist nichts bekannt geworden. Härte die Regierung der Presse ein Programm unterbreitet, so würde bei Dem starken Interesse, das bei uns die Oeffentlichkeit an der Arbeiterversicherung nimmt, das Regierungsprogramm wohl sä-on im Wahlkampfe eine nidjt nebensäckstiche Rolle gespielt haben.
Nicht häufig wird eine legislatorische Frage so verschieden beurteilt, wie die Reform der Arbeiterversicherung. Man denke nur Daran, daß noch vor einigen Jahren im Reichstage von allen Parteien einstimmig in einer Resolution die Vereinheitlichung oer Arbeitcrversicherung gefordert wurde. Und jetzt? Die Krankenkassen fürchten, daß eine Zusammenlegung der verschiedenen Versicherungszweige ohne eine Vernichtung des zeitigen Selbstverwaltungsreckstes der Krankenkassen nicht möglich ist und stellen sich der Reformidee feindlich gegenüber. Umgekehrt wollen auch die Berufsgenossenschaften ihr Selbstverwaltungsrecht erhalten; gelegentlich wird sogar von Arbeitgeberseite das Verlangen gestellt, die gesamte Verwaltung der Arbeiterversicherung in die Hände der Arbeitgeber zu legen. Auch die Aerzteschaft will zurzeit von einer Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung nichts wissen, aus Gründen, die hier nicht näher zu erörtern sind. Bei diesen sich widerstreitenden Bestrebungen der verschiedenen Interessengruppen wird es dem neuen Reichstage nicht leicht sein. Die Interessen der Versickerten mit den Wünschen der übrigen. Kreise in Einklang zu bringen.
Der Erledigung harrt ferner die Privatbeamtenversicherung, über welche die Ansichten noch auseinandergehen, die aber Wohl auch den neuen Reichstag beschäftigen wird. Hier ist die hauptfächlichste Streitfrage die, ob für die Privatbeamten eine neue Kasseneinrichtung zu schaffen, oder ob die allgemeine Invalidenversicherung für diesen Personenkreis auszubanen ist, was dadurch geschehen könnte, daß auf die bisherigen Lohnklassen des JnvalidenversiaMungsgesetzes noii) weitere Klassen mit höheren Renten und höheren Beiträgen aufgesetzt werden.
Noch eine weitere sehr wichtige yrage wird aller Voraussicht nach den lommcnöen Reichstag beschäftigen, nämlich die Handwerkerversicherung. Wenn eine großzügige Versicherungsreform erfolgt, dann wird gewiß auch wieder die Forderung erhoben werden, daß die Segnungen der Versicherung nicht nur den Arbeitern, sondern auch den ihnen wirtschaftlich gleichstehenden kleinen Handwerksmeistern zuteil werden sollen.
Die Reichsregierung hat die Sache zu einer Prinzipienfrage gemacht und grundsätzlich die Einbeziehung der selbständigen Existenzen in den Versicherungszwang verneint. Unseres Erachtens mit Unrecht. Maßgebend darf niajt die Selbständigkeit oder Unselbständigkeit sein, sondern die Möglichkeit ober Unmöglichkeit, aus eigenen Kräften für die Tage der Krankheit, der Invalidität und des Alters zu sorgen. '
die 8 Millionen Stück Kleinvieh (Schafe, Angoraziegen u. s. ro.) besitzen. Man meint, der Herr käme nicht hinter seinem Schreibtische hervor! Und doch will er ein Führer des arbeitenden Volkes sein.
in den WeihnachlSkagen beiwohnte. Dort sprach Stadt- Hagen davon, daß die Hottentotten besser seien als die deutschen Soldaten, und kaum zehn Minuten später sagte — o Verzeihung, brüllte er uns ins Gesicht: ^Freisinnige Hottentottenbande1* Ich habe natürlich von Herzen lachen muffen, und dabei entfährt mir: ,Na do müßte man eigentlich mal umS Wort bitten/ Da hat einer von rechts, einer von links und einer von hinten getreten und geboxt, und mit Hülfe dieser einfachen Mittel saß ich draußen. DaS erste, was mir an der frischen Luft aufstieb, war ein lachender Schutzmann. Ich fragte ihn, weshalb er mich auslache, statt nur beizustehen, und erhielt als Antwort: »Wollen Sie wieder das Geschrei von der abge- hauenen Hand hören?"
So gehts bei Stadthagen u. Co. her. UebrigenS war ich etwa der dreißigste, der hinauSflog. Das wollte ich nur mal anführen, um nur durch ein kleines Beispiel zu zeigen, wie in Berlin die Herren »Genossen* es mit dem Freisinn meinen. Dem Gießener Sozialülenblatte rate ich, ja nicht Stadthagen oder Bebel ein Eremplar jener Stummer zu senden, sonst wird eS der Zorn der milden Herren treffen und es wird Buße tun müssen — etwas Unangenehmes, nicht wahr?
Von deu Greueltatcn in Nussisch-PoLcn.
In Flugschriften, die in Lodz verbreitet werden, kündigt die sozialdemokratische Partei d.e Fortdauer der Parteilämpfe an. Während des Januar sind dort bereits 16 Arbeite,;
Gießener sozialdem. Blattes, betitelt „Ein Billionen-Mensch", las. Besten Dank für die Belehrung über den Wert einer Billion. Nur schade, daß die Arbeit zu spät kam. Von einem Druckfehler Hai der Menschenfreund noch nie eiwas gehört. Die Gcschichre mit den Staats- und Parteigeldern liegt dem Herrn immer noch im Magen. Alle Seitensprünge nützen nichts mehr.
Aucy die Angabe über französische Verhältnisse, die zeigen, daß es in unserem als reaktionär verschrieenen Lande in vielen Dingen besser ist als in der französischen Republik, sind bem Herrn sehr unangenehm. Den Zweck meiner Artikel über französ. Verhältnisse hat der Herr noch nicht begriffen. Er redet von „Beispiel vorführen". Nein, ich wlll es ihm sagen. Ich weiß, daß französisd-e Schriftsteller sich von sozialdemokratischen Größen in Berlin Auskunft über deutsche Verhältnisse geben lassen uno daß man in Frankreich über un|er Land zumeist sehr falsch unterrichtet ist. Durch die ewigen Mäkeleien im Reichstag und die vor gerittenen, oft auf Unkenntnis beruhenden Artikel französischer Blätter soll unserem Volk die Freude am Meid) vergällt werden, unsere leitenden Kreise in den Regierungen und den Parlamenten sollen als unfähig dargestellt werden. Da hielt id) es für gut, einmal zu zeigen, wie es in einem Lande aussieht, in dem das Volk schon 36 Jahre seine Geschicke selber lenlt. Ick) stütze mid; in meinen Ausführungen auf eigene Beobachtungen, Urteile von gebildeten Franzosen, Stellen aus französischen Büchern und aus Artikel aus versdstedenen republikanisd)en Zeitungen. Wenn meine Veröffentlichungen dem Herrn nicht passen, braudjt er sie ja nicht zu lesen. £.
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Deutsches Reich.
B erlin, 7. Jan. Das Kaiserpaar begab sich heute nach dem Mausoleum in Charlottenburg zur Kranzniederlegung anläßlich des Todestages der Kaiserin Augusta. Der Kaiser besuchte daraus den Reichskanzler und hörte im Königl. Schloß die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts und der Minister der össentlichen Arbeiten und des Handels.
— Der Lordmayor von London, Sir William Tre- loo r, wird demnädK mit seinem gesamten Stabe in Berlin eintreffen. Der Lordmayor war seinerzeit in Palästina mit dem Monarchen zusammen und von ihm zu Gaste geladen. Wie verlautet, soll der Lordmayor bei seinem Berliner Besuch vom Kaiser und vom Oberbürgermeister empfangen werden.
— Zu der b r a u n s ch w e i g i s cy e n T h r o n f o l g e f r a g e wird der „Voss. Ztg." aus Süddeutschland von angeblich gut unterrichteter Seite geschrieben, der Herzog von Cumberland rechne mit Bestimmtheit darauf, daß der braunschweigisd-e Regentschasts- cat eine Entscheidung des Bundesrats über die Zulassung c> es Prinzen Ernst August zur Thronfolge herbciführen wird. Sollte sick) aber der Bundesrat mit dem Verzicht des Prinzen Ernst August auf Hannover nidjt zufrieden geben, so wird oer Herzog die Frage nocknnals in Erwägung ziehen und möglicherweise den ihm von einigen Fürsten nahegelegten Entschluß, seinen ältesten Sohn ebenfalls zum Verzicht auf Hannover zu ermächtigen, doch noch fassen. Damit hängt es wohl auch zusammen, daß der Regentsd-aftsrat vor allem Zeit zu gewinnen l'udjiL
— Dem „Lokalanz." zufolge beschloß der Bund es rat auf ®runb des § 34 Abs. 2 des Zigaretten st euergesetzes: Erstens: Die Frist für den steuerfreien Verkauf der bei den Kleinhändlern von den im Juli dos Vorjahres angemeldeten Vorräten au Zigarettenblättchen noch vorhandenen Restbeständen wird bis zum 1. März 1907 verlängert und die Erledigung von hieraus gerid)teten Anträgen den Direktivbehörden übertragen. Zweitens; Xie Direktivbehörden werden ermächtigt, über eine etwaige Nidst- einhaltung der für in der Vorlage für Gesackt um eine Fristverlängerung der im § 4 der Zigarettenfteuer-Ausführungsbe- Itimmungen festgesetzten Frist hinwegzusehen.
t1 in# 8. Jan. Der Kaiser verlieh dem Vorsteher des pommeifdjen Dorfes Lunow das Allgemeine Ehrenzeichen mit dem ausdrücklichen Wunsch, es als Auszeichnung der ganzen Gemeinde zu betradtfen und in diesem Sinne zu tragen Xie Gemeinde war bereits von König Friedrich Wilhelm III. jur ihre vor hundert Jahren bewiesene patriotische Gesinnung mit Dem Zivil-Ehrenzeichen 1. Klasse bedacht worden.
B r e s l a u, 8. Jan. Das Jubiläum des Kardinals Kopp wurde gestern mit einem Fackelzuge eröffnet, an dem mehrere tau,end Personen teilnahmen. Der Abg. Justizrat Porsch hielt an den Jubilar eine Ansprache, worauf dieser mit be- S,en„^°wVfä^anti;ä crroi0™c- Kardinal St. Fischer aus iroln und Bisckwf Korum von -trter überreichten als Gescheut der preußlichen Bischöfe eine Silberbüste des Bonifatius m . ® Ffe 1 ä' 7- San. Deute fand hier die V e r m ä h l u n g der Prinzeffin H e r m i n e R e u ß ältere Linie mit dem Prinzen 3obaiin Georg von S d) önaich - Caroloth statt.
näher an; so gut es bei dem Vorbeifahren möglich mar. Der eine und größere mit einem Filzhut drückte sich möglidjft im Dunkeln an uns vorbei, während aber der andere und kleinere, er mochte 1.60 Meter, auch einige Zentimeter mehr groß und 30 Jahre, audj etwas mehr, alt sein, nad> uns frech blickte. Tas Aussehen hatte er wie ein Mausfallenhändler, hatte mittleren Körperbau, einen Filz Hut auf, der etwas dunkel aussah, und trug einen offenen, stark abgetragenen. Rock. Das Gesicht war ohne Bart mit einem kleinen schwarzen Schnurrbart, mit fred)em Gesichtsausdruck. Um den Hals trug er ein Halstuch mit großen gelblich scheinenden Tupfen. Möglicherweise sind die Beiden die Urheber des Brandes.
Einen Beitrag zur Fleischteuerung liefert folgender Vorfall: herzlich wollte ein Landbewohner in einem oberhessischen Landstädtchen mehrere Pfund Speck zu seiner Haus- schlachtung holen. Aus die Frage, was das Pfund kostete, erhielt er die Antwort: 1 Mark 10 Pfennig und jetzt erst sah der Metzger, Daß der Speck ausoercauft sei, was den Landbewohner veranlaßte, sofort zu einem anderen Metzger zu gehen, der ihm das verlangte Fleisch zu 8 0 Pfennig das Pfund überließ.
Darmstadt, 6. Jan. Aus dem Personenzug 654, der um ö Uhr 3M in. von Mainz uad) Darmstadt fuhrt, wurden gestern, abend zwilchen Bischo'sHerin und Nauheim sechs s d) a r s e ^chu)ie aut die Bahnwärter- und W e i d) c n ft e L L c r - bube abgefeuerü -tie im Zuge befindlichen Pas,agiere mußten >rch. u. d. Fki. ^tg. beim Verlassen des Zuges einer leiblichen Visitation unterziehen.
ß. Franlsun a. M., 7. Jan. In einem Hotel am Hauptbahnhofe erschoß sich heute die 32 Jahre alte Charette van der Per re geb. Lemcke aus Llünster in Ubrft*,
Eain « ^idda il
Aurland.
London, 7. Jan. Um der deutschen Konkurrenz ^segnen, wird die Wlstte Star Line künftig jeden oroben Doppelschraubendampfer von p? Vt0Un abwhren und in Cherbourg anlaufen lassen. X e m b e r g , 7. ^an. -her gestern hier abgehaltene jüdische ? c Vn? m-“nn,£r tag , zu welchem Vertreter von mehr o^^usend galizuchen Städten, sowie Reichstags- und Landtags- •?lÄnCm toßrcn' beschloß einstimmig folgende Reso- Vertrauensmannertag beschließt eine das ganze i politische Organisation bl
pfr Politischen, iozialen und ökonomischen Jnter- b.cr Judenschaft Oesterreichs und wählt der Vertrauens- 6tn Exekutivkomitee, weiches mit der Ausarbeitung eures Programms, oas die p-orderungen der Judenschrft umfaßt ^™6ei™n iu ebei?UrrgEn^t.Un9 Oräß’li(otlra ^cnCtgm
S° fE,^ru I" der Ein w a n d e r un g s fr a q e dnes^ Ent^^nk* Deutschland gegenüber ein besonderes Entgegenkommen. Ein jung ft in Süd-Carolina eingewanderter deutscher Arbeiter beschwerte sick) beim Präsid'nten darüber, daß die Verhältnisse, die er ange^ffen habe seinen Erwartungen keineswegs entsprächen. Der Präsident forderte ein' eingehende Untersuchung mit nachfolgendem Bericht, worauf ein
Kpr ^lhington wird telegraphiert, Roosevelt Hube auf A Verhandlungen der Tarifkommission eine Vorlage \se?lante Z°lleiu°-rn°hm-n mit Deutsch. Ln ffiÄ b-m -egemEti-e» Kongreß d-rl-g«. Er -nßA- Munich, daß die Berliner -varifkommission ihren Bericht w a-§ nw^id) erstatten möck-te. Offenbar liegt es in der 2eut?chla^n^alick>st^ ^?^reß Den Reziprozitätsvertrag mit iolflP. f)titlntVrf hwMui.r. .. zu-!
SioLff Shaw Dagegen. Der Demnächst
•1 Shtiws durck) Cvrtelyon dürfte Die Sachlage Srä Ü>?nt?n niK!S?\ letzterer sick- nicht Dem Wunsch des Prai identen widerietzen Durfte. Dadurd) werden jedoch Die Si» eUlCs ^udelspolitisdMi Aviommens nicht günstiger, da die Zustimmung des oenatö nicht zu umgehen ist.
Raisuli.
Kriegsminister Gebbas setzte einen Preis auf den Kopf RaisuliS aus, dem er einen Hinterhalt zu stellen versuchen wird. In Araberkreisen läuft das Gerücht um, daß Raisuli am 7. Januar vormittags von seinem Schwager auSgeliefert worden fei. Wenn dem Gerücht auch bisher die amtliche Bestätigung fehlt, so erscheint es doch glaubhaft, da oiaisulis Schwager sich bereit erklärt hatte, ihn für eine Geldbelohnung auszuliefern. Spanische Blätter bringen die bestimmte Nachricht, daß Siaisuli von den Leuten des Stammes Wadras bereits verhaftet worden ist. Es heißt, daß der •Stamm der Wadras mit dem Machsen über seine Unter» loerfung verhandle. Rian glaubt, der Stamm hätte sich dazu entschlossen, um nicht gebrandschagt und geplündert zu werden
Stach einer anderen Meldung soll sich Raisuli zu dem Marabiit von Abdelsalem geflüchtet haben. Soldaten der benachbarten Stämme plündern noch immer in Zinat und schleppen Säcke mit Korn usw. fort.
In Tanger ist Der spanische Kreuzer „Estremadura' eingetroffen.
Wie man im syzioldemokratischen Lager die Kolonialfrage behandelt.
Man schreibt uns:
DaS erste Flugblatt für die Kandidatur Krumm be» Häuptel, daß die bürgerlichen Parteien »Jahr für Jahr Hunderte von Millionen' für unsere Kolonialpolilik bewilligt hätten. Wenige Zeilen weiter steht dann von 1886 biS 10u6; 800 Millionen. Stimmt das wohl zusammen? Nach der »Nordd. Allg. Ztg.- ober sind in den öeifloffenen 22 Jahren 668 Millionen verausgabt worden. In der Bei- tage zu Nr. 4 steigt DaS Krummsche Blatt in einem Artikel sogar biS zu 140 000 auf den Gipfel der Rechenkunst. In derselben Arbeit widerlegt es, ohne es zu merken, das obige Flugblatt, das unsere Kolonien als fast durchweg wertlose Sand- und Jieberwüsten bezeichnet halte, indem es aus der Broschüre des Dr. Rohrbach u. a. mitteilt, daß Südwestafrika 60 Millionen Hektar brauchbares Weideland besitzt, also 4/T der ganzen Kolonie und eine Fläche, die fast so groß ist als Deutschland. Bemerkt sei noch, daß Südwestafrika dieselben Boden- und Wasserverhältnisse hat wie das Kapland der Engländer, das heu^e eine Ausfuhr van 80 Millionen hat. Don unseren besonders wertvollen Kolonien Togo, Kamerun, Deutsch-Ostasrika, Kiautschou usw. haben diese Herren Volks- berater anscheinend noch nichts gehört.
Im Anschluß an die obige Broschüre bringt dann ein Rechenkünstler folgendes Meisterstück fertig. Er knüpft an die Behauptung des Dr. Siohrbach an, daß man in Deutsch- Südwestafrika 6000 Großfarmer und später bis zu 25 000 Kleinfarmer (von letzteren hatte jeder immer noch 2000 bis 3000 Hektar zur Verfügung). Letzteres paßt ihm nicht, trotz- dem neulich der Farmer Schlettwein in der Sitzung einer NeichstagSkommifsion erklärt hat, daß kleine Farmen noch erträglicher seien als große. Darum erklärt er es für Ziikunfts- musik. Sehr bequem. Dr. Rohrbach meinte, man könne Irlich 1000 Farmer ansiedeln und jedem eine Subvention von 10 000 bis 16 000 Ml. geben.
scherz^"" Ie‘^et Rechenkünstler folgenden Fastnachts-
Hriegstofien ..... 600 Millionen Mark
Subvention an die Farmer in
50 Jahren....... . 60
Ausgaben für die Schutztruppe ' "
(50 Jahre 4 80 Millionen Mark) . 1500 in Summa 2160 Millionen Mark. Er fügt hinzu, jeder
Qll° m^hr als 400 000 Mark gekostet haben Schiiehüch kommt der llnallcffekt: .Auf ladwejiafrikan!jchen> Sande ift ein deutscher Volksgenosse 140 000 mal so teuer wie in der Heimat.*
Schrecklich, wenn eS so wäre.
Än benn der Herr dazu, für 50 Jahre jährlich
«0 Millionen für eine Echutztruppe einzusetzen- Es scheint, al-ober den durchschnittlichen A us ga b e n b e t r a g Kolonien eingesetzt h ä t te f ü r S ü d'.
fn 1Q °tr 2st rhrn dieser R l e s e n s ch n i tz e r nur io nebenbei passiert?
Dazu kommt:
I S« Beitrag des Reiches für die Kolonien nimmt mit Pf°nmig"m°"hr! 000 bcIomml h°ut° keinen
""1^Handel und unsere Industrie auS den Kolonien ziehen, nimmt stetig zu.
oa ,,8; Hot der Herr so wemg wirtschaftliche Kenntnisse, um es übersehen zu tonnen, was mit diesen 5000 produktiv ar- beitenden Farmern all zusammenhängt? Wie viele Personen der verschieden>ten Berufe Leben durch und mit 6000 Farmern,
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Aus Stadt und Land.
Gießen, den 8. Januar 1907.
** A u s z e i ch n u n g. Dem Architekten Paul Meißner in Darmstadt ist von S. K. H. dem Großherzog der Charrrkter als „Prosefior" verliehen worden.
* Die Handelskammer Gießen wählte in ihrer ersten Jahressitzung am 3. Januar den seitherigen Vorstand wieder. Erster Vorsitzender i)t Kommerzienrat Mod), dessen Stellvertreter Kommerzienrat Heichelheim und Rechner C. W. St o ro a d.
** Tas Großfeuer in Steinbach. Von einem Rei- enden erhalten wir noch folgende Mitteilung: Als wir in der Nacht von vorigen Freitag auf Samstag in Der Richtung von Niederbessingen nach Lick) etwa WO Meter weit aus dem Walde herausgekommen, wir hatten ein Fuhrwerk bei uns, sahen wir vor rr-ms eine plötzlich auftauchende Feuersäule. Zuerst wußten wir nicht, wo es brannte: erst allmählich wurden wir gewahr, baff,es in Steinbach war. Auf der Chaussee von Lid) uad) Steinbad), Da wo Die Chaussee hinter Lich eine starke Biegung uad) Steinbad) zu macht, begegneten uns zwei Stromer, Die in der Richtung von Steinbaa) nad) Lich eilends gingen. Es war ungefähr 2 Uhr nachts. Das Feuer vor uns und diese Stromer in so ungewöhnlicher Tageszeit auf der Straße mad)te uns aufmerksam und wir sahen uns diese Stromer etwas ;


