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Die „•kfimer FamlNenblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krelsbletl flr öev Kreis -letzen" zweimal wöchenUtch. Ter ,^ef|t|d}e tanöolrt" erschttnt monatlich einmal.
Notationsdruck und Verlag der Brühl'fchm UnwerstlälS - Buch- und kteindruckereü N. Lange, Diehen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: 6:fnd- stratze 7. Expedition und Verlag: e^ 61 9ieb<xttion:e^ll8. Tell-Adru AnzttgeiGießen
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und März d. 3- n,l6i
politische TagesSchatt.
Tas Gießeaer sozialdemokratische Organ, so wird uns heute geschrieben, gefällt sich darin, einmal von ihrem Parteithrone hcrabzusleigen und einem »Freisinnigen (?)* das Wort zu gönnen. Wozu das geschieh:, liegt klar auf der Hand. Bielleicht läßt es sich aber die Partei der Wahrheit gefallen, wenn ich etwas erzähle aus einer sozialdemokratischen Wahlversammlung in Berlin, der ich jetzt
genügend orientiert seien. Des Landtag-abo. v. Bruuano AuS- lühiungcn gipjeitcn iti der Äussorderiutg, oei der DarmfiLdler WahL Gewehr bei Fuß zu halten.
Im Wahlkreise Alzey-Bingen stellte nach dem Rücktritt deS LandtagSabg. Woli-Stadecken der Bund der Landwirte Herrn Keller-Slciiibockcnheim aus, der keiner Partei beitritt. In einer in Alzey abgchaltencn VertrauenSmänner-Versammlung der nationallid. Partei wurde der höchst bedauerliche, die Freisinnigen Hessens auf- neue arg brüskierende Beschluß gefaßt, diese andidatur nach Kräften zu unterstützen. Keller wird von den ganz im Heyl'schen Fahrwasser gondelnden »9k. Hess. Volksbl.* »kein einseitiger Agrarier* genannt. Käme die Erklärung von anderer Seite, dann wäre unS das lieber. ES heißt, ec stehe wirtschaftlich auf dem GoSlarer nat.-lib. Programm und sei politisch ausgesprochen liberal. Ist er daS tatsächlich, dann kann er sich nur wenig von dem altbewährten Parlamentarier Schmidt unterscheiden und seine Sonder-Kandidatur wäre dann ebensowenig berechtigt wie die beß einsichtsvolleren Herrn Lichtenstein, der bereits zu Gunsten Schmidts zurück- trat. Es ist aber anzunehmen, daß sein.Liberalismus* von der Art desjenigen des Herrn v. Heyl ist, weil besten Tarmslädter gefügiges Organ gar so viel Wesen- von ihm macht.
^ott der Waylvewegurrg im Reiche.
Im Wahlkreis Rothenburg-Hoyerswerda hat jetzt der nationalliberale Führer Bassermann seine erste Rede gehalten. Tie »viationalztg.* teilt den Wortlaut der An- spräche mit, die sich in großen Zügen mit der gesamten inneren Politik beschäftigte. Die Polemik gegen daS Zentrum galt in der Hauptsache dem rührigen Herrn Erzbcrger, in bem allerdings das Zentrum eine agitatorische Kraft ersten Ranges besitzt. Ö8 ist kaum zu verfolgen, wo er überall spricht, noch weniger, über waS alles er schreibt. Di« Offiziösen kommen schon nicht mehr dazu, sich der Bekämpfung der Sozialdemokratie zu widmen; so sehr werden sie durch ErzbergerS Eifer mit Richtigstellungen in Anipruch genommen. Bassermann wendete sich mit besonderer Entschiedenheit gegen die Behauptung ErzbergcrS in einer Bersammlung: Bei den Wahlen stehe baß ReichSlagSwahlrecht auf bem Spiel.
,DaS ist nicht wahr 1 ES denkt niemand daran, daS Reichütags wahlrecht zu beseitigen. Ich erkläre iür meine Person und meine Partei, baß wir scsthalten an dem allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht.*
Diese Erklärung ist bündig, und man wird kein Glück damit haben, die nationallid. Partei noch länger durch mehr oder minder geheimnisvolle Andeutungen zu verdächtigen, daß sie irgendwelche Wahlrechtsbeschränkung im Reiche im gegebenen Augenblick begünstigen werde. Mit den bekanntlich bereits angekündigten Lteuerplänen der Regierung sand sich Bassermann sehr kurz ab; er sprach von einem , Steuergespenst* und meinte, daß im Reichstag kein Mensch daran denkt, heute neue Steuern zu bewilligen, »nachdem wir mit schweren Mühen, unter großen Kämpfen und zum Teil unter sehr stark abfälliger Kritik unserer eigenen Wähler die ReichSfinanzreform gemacht haben. Deren Erfahrungen werden wir zunächst abwarten, und eß kann Fahre dauern, biß wir bie notwendigen Erfahrungen gesammelt haben.* Hier hat sich Bassermann allzu sorglos geäußert. Wenn nun die Regierung nicht „abwarten* will, sondern auf neuen Steuern beste h t ? Dann ist der Konflikt mit dem neuen Reichstag wieder da. Bassermann glaubt selbst an die Möglichkeit weiterer Auflösungen des Reichstags, für den Fall, daß baß Zentrum abermals bie sübweslafr. Forberungen ab* lehne. Es ist beachtenswert, baß ein so wohlunterrichteter Politiker bie Möglichkeit offen zugibt. Wenn Zentrum und Sozialbemokratie ohne Verlust, vielleicht gar mit Gewinn, zurückkehren, bann kann auch auß jeber anderen Bewilligungsfrage von Bedeutung ein Anlaß zur Reichstagsauflösung hervorgehen.
Im Kreise Wetzlar und Altenkirchen arbeitet jetzt, wie uns aeftfriieben wird, der chriftl.-soziale Neichstagskandidat Behrens lehr lebhaft und er hat viel Aussicht auf den Sieg. Die Zen- trumsparlei, die hier iwch nie etwas erreicht hat und der christlich- sozialen Partei frcundschastlich gegenübersteht, stellt keinen eigenen Kandidaten auf, und so wäre wohl »erm Behrens der Sieg im ersten Wahlgang sicher. Der Liberalismus besitzt im südlichen Tell des Kreises leider nur sehr wenig Anhänger, und der sozialistische Gcwerkschastssekretär Kremser ist lern schwer zu nehmender Gegenkandidat. Es sind von Liberalen Bersammlungen geplant im südlichen Teil des Kreises, zunächst in Hochelheim. Den ganzen Retz ober scheinen dre Liberalen Herrn Behrens lassen zu wollen.
Eine Vertrauensmännerver'ammlung der Zentrumspartei in Gelnhausen beschloß, im Wahlkreise Hanau- GelnHausen-Orb von der Ausstellung eines eigenen Kandidaten abzu sehen und, falls die vereinigten Nationalliberalen und Konservativen keinen dem Zentrum angenehmen Kandidaten auf* stellen, den Zentrumswählern Stimmenthaltung zu empfehlen. Den nationalliveralen Dr. Lukas, für den außer den Konservativen auch der Bund der Landwirte eintritt, will das Zentrum nicht unter st Ütze n.
In Fritzlar-Homberg-Ziegeuhain wird a(8 gemeinsamer liberaler Kandidat Lehrer Heinrich Freuden st ein au3 Marbach kandidiren.
Auß Lauterbach, 7. Jan., wird uns geschrieben:
Gestern sprach hier der Kandidat der nationalliberalen Partei Kreisrat Dr. W a l l a u in einer gut besuchten Versammlung. Nachdem er die Gründe bekannt gegeben Halle, die zur Auslösung des Reichstages führten, ging er aus das wichtigste Werk des letzten Reichstags, die Reichssinanzresorm, näher ein und sucbte nach- iuroeinn, d ß die neu emgef-hrteu Steuern be.ovd.rs die lcistr.ngs- sähigeren Schultern treffen, was auch der Grundsatz bei der Beratung dieser Steuern gewesen sei, und was seine Partei veranlaßt Hube, da,ür zu stimmen. Dann kam der Redner auf,bie Fleisch- teuerung zu sprechen und stellte dabei fest, daß die ständigen hohen Fleijchpreise in der Hauptsache durch die hohen Abgaben heroorrgerusen würden, welche von den städtischen Viehhösen und Schlachthäusern erhoben würden, sowie auch dadurch, daß, die Metzger il/ie Läden mit olllem Luxus einrichten müßten, um den Ansprüchen ihrer Kunden gerecht zu werden, und daß die Kosten hierfür von den Kunden getragen würden. Zum Schluß besprach Dr. W. anknüpfend an seine parlamentarische Studienreise nach Lstasien den gewaltigen Ausschwung des deutschen Handels. Er erzählte, wie in den oftasiatischen Häsen von luO Schifsen 70—8U die deutsche Flagge führten, und wie diese starke Ueberlegenhnt des deutschen Handels selbst von den Engländern, wenn auch seufzend, anerkannt würde. Er folgerte hieraus die unabweisbare Forderung, daß unsere Kriegsslolte weiter ausgebaut werden müßte, da die vorhandene unseren Riefenhändel nur ungenügend zu schützen vermöge, und bezeichnete die Ausgaben hierfür als eine Kapitalanlage ersten Ranges. Rechtsanwalt Scheer stellte aus Grund der Sitzungs- proll-kolle des Reichstags fest, daß Dr. BaUau zu den fleißig,len
Abgeordneten gehört h-t, daß er z. B. im ersten Jahr seiner parlamentarischen Säiigkit nur in sieben Sitzungen und hier durch triftige Abhaltungen entschuldigt gefehlt hat. Amtsrichter Dr. Hof schloß dann die Versammlung mit einer kurzen Ansprache, in der er bedauerte, daß die ireifuuuge Volkspartei sich von den Nationalliberalen getrennt halle.
Tie Zentrum spartei des Wahlkreises.Darmstadt — Groß-Gerau hie.t dieser Tage eine stark besuchte Versammlung ab. Der Vorsitzende des Zentrumsvereins, Rechtsanwall Sieger, stellte bezeichnenderweise fest, daß, wie es in einem kurzen Berichte oer „D. Z." heißt, manche Darmstadter Katholiken infolge ausschließlicher Lelttire gegnerischer Slättcr über die Zenrrumspomit ui>
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ist Gegner einer Zentrumsherrschäft in Deutschland. öt kam bann aus länbliche Verhältnisse zu sprechen und meinte wörllich: AUS eine Verseuchung des Viehes bedeutet, sagt Kohler, bai könne nut der teuittden, bet, wie er, eint so l che Verseuchung a, m eigenen Leibt erfahren hibt. (Große Heiterkeit.) Am Schluffe seiner Rede entrüstete Köhler sich darüber, daß Prosessoren, Richter, Kommerzienräte, studierte Leute u. a. aufs Land kämen, um bie Bauern zu belehren.
Kvmmtrzienral Heyligenstatdt weist bie Unterstellung, einen neuen Kulturkampf entfachen zu wollen, zurück. Als tole- .ckt engherzig einer Kvnsefsion bas Wort, Pcotepantismus geschlossener und nach-
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Zur Mahlöewcguag in K ffen.
Gießen, 8. Januar.
Eß ist erfreulich, baß jetzt zur Zeit ber Wahlkämpfe bei tmß in Oberheffen nirgends Klagen laut werben über polit. Teilnahmlosigkeit. In keinem unserer brei Wahlkreise ist nach ben unS zugthenben Berichten von Jnbifferenz etwas zu spüren. Die Wahlversammlungen, doch wohl ber hauptsächliche Grabmefftr für baß öffentliche Jnterefft, haben allenthalben starken Zulauf. So bleibt benn kaum ein Wahl- berechtigter, auch nicht ber im entlegensten Dorfe unb ber, bec niemals eine Zeitung ansieht, mangelhaft unterrichtet, unb man barf annehmen, baß bie Ausübung beß Wahlrecht- von nuc einem kleinen Bruchteile abfolut nicht Aufzurüttelnber versäumt werben wirb. Unb ebenso erfreulich ist, baß man sich fast überall bei unß in Oberheffen, ganz im Gegensatz zu ben Außschreitungen im vorjährigen Darmstäbtcr Nachwahlkampfe, bie größte Mühe allseitig gibt, ben Wahlkampf mit ben maßvollen Waffen strenger Sachlichkeit unter AuS- fcheibung alleß Persönlichen zu führen. Daß beste Beispiel liefert bozu bie liberale Wahlleitung beß Gießener Wahlkreises. Im Inseratenteil unserer heutigen Nummer gibt bec liberale Wahlausschuß im Verein mit seinem flanbibaicn Kommerzienrat Heyligenstaebt eine bahingehenbe Erklärung auSbrücklich ab, bie auch bei ben gegnerischen Parteien fympaihifch begrüßt werben wirb. LS mag banach bisher vielleicht aus dieser ober jener Seite ein wenig gefehlt worben sein. Umso mehr anzuerkennen ist, baß bie aufrichtige Absicht bestehl, keine persönlichen Momente in ben Wahlkampf -u tragen. Rach biejer Richtung hin kann man bisher auch ben Bekämpften ber Liberalen in Stadt unb Lanb ein gutes Zeugnis vusstellen, unb wir wollen hoffen, daß in dieser ruhigen und würdigen, durchaus wohlanständigen Tonart der Wahlkampf bei uni in Oberheffen zu End« gehen wird.
Au» A11 e n d o r f a. d. Lumda wird unS eine verblüffend« Schnurr« gemeldet von der gierigen GcfchästSsetl« eine» Gastwirts. Am 6amittag ebttib fand dort m einem Saale ein« sojiald«mokrattfch«Verfimmlung statt, btt and) einige Liberal« und AnNfemtten angtzogen hatte, und e» trat auch ein nalionalliberaler Gegenrrdncr auf. Dieser lietz sich, bevor er zu Wolle kam, außer einem Glase Bier auch ein Ölafl Trinkivaffer geben, waS bekanntlich viele Redner tun. Whtten in feiner Red« unterbrach ihn der Will und all der Redner später fein Bier bezahlte, verlangte der Will außerdem noch für die Darreichung beß WafferS 80 Pfg. I Der Wirt, offenbar ein Sozialbemokrat, suchte wohl bamii fein Mißvergnügen über bie liberale Rede funb zu tun! JebensallS aber hat btefe Versammlung bewiesen, baß bie Sozialbemokratie bei unß in Allenborf fein Feld besitzt. Denn der Will war wohl ber einzige, ber bem liberalen Rcbner leinen Beifall fpenbete.
In Londorf fand, tote man unS schreibt, am Freitag abend im Boegerscl>en Saale eine liberale Wahlverfamm- lung statt, die fetjrr zahlreich befudjt tvar. Bürgermeister A u - mann rrösftiete die Versammlung, und nachdem Stadtv. Petri aus Gießen einige einleitende Wolle gesprochen, nahm Kanu-Rat Heyligenstaebt bas Woll zu einem ca. ’/< stündigen Vortrag. Er bemerkte, daß er sich wieder gern unb freudig in den Dienst der Otsientlichkeit stelle, umsomShr, als er mit gutem Gewissen sagen könne, seine Pflichten und Versprechungen als ReichstagLabaeordneter getreulich erfüllt zu haben. Immer fribe er des Volkes Wohl im Auge gehabt, und wenn auch wohl von freisinniger Seite in einzelnen Punkten ein anderes Verhalten von ibm gewünscht worden wäre, so tonne er doch versicl-ern, baß er immer nach bestem Wissen unb Gewissen gehandelt habe. So Hobe er auch unter anderem daraus hingewirkt, die Lasten der Einquartierung dadurch etwas zu mildern, daß, statt wie seither 80 Psg. pro Mann, in Zukunft 1,20 Mk. gezagt würden. Wenn seine SCäl/tei auch jetzt wieder daS Vertrauen in ihn setzten, so schloß H. seine Ausführungen, ihn als Abgeordneten zu wählen, so würde er wieder, wie seither, nicht einseitig die Intev- dien eines Standes vertreten, vielmehr, soviel als irgend möglich, für alle Stände tun, sowohl für Landwirtschaft, als auch für den Arbeiter st and, für Handwerk und Industrie. Lebhafter, aufrichtiger Beifall folgte diesen Wollen. Nachdem noch Dr. Krausmüller aus Gießen über den Well unserer Kolonien gesprochen, schloß der Borsitzende bie Versammlung mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf „unseren, uns lüb- gewordenen Herrn Kommerzienrat Heyligenstaebt.
Auß BurkharbSfelben, 7. Jan., roirb unß geschrieben:
Eine stark besuchte Wahlversammlung fanb am SoNutag abend hier statt. Die allgemeine Stimmung war, für Heyligen- staedl bei der Wahl einzutreien.
Tie Hungener Wahlversammlung.
AuS Hungen, b. Januar, wird uns geichrieben:
Die von den vereinigten Liberalen für heute einberufene Dählerversammlung war trotz des etwas spät anberaumten Ter. mins zahlreich besucht. Nach ber Eröffnungsansprache des Beig. Solei ergriff Herr Kommerzienrat Heyligenstaedl das Wort zur kurzen Berichterstattung über seine Tätigkeit im verflossenen Reiä)stag. Die Auslösung des Reichstages, so sühllc der Redner aus, kam überraschend, obgleich schon die Abgeordneten am Tage vorl/er die Ueberzeugung hatten, sie müsse kommen, wenn nicht dos Zentrum noch in letzter Stunde einlenke. DaS geschah trotz des Reichskanzlers Appell nidyt, und darum sah sich bie Regierung genötigt, sich birett an das beutsche Boll tu wenden. Die Parole |ur die Wahl des neuen ReidiStages lautet: Gegen Zentrum und Sozialdemotratie für eine nationale Mehrheit. In diesem Sinn ist der in unserem Wahlkreis erfolgte Zusammenschluß der Nationalliberalen, Freisinnigen und Nationalsozialen zu begrüßen; bedauertich aber ist es, daß es in zwei hessischen Wahlkreisen nicht gelungen ist, eine Einigung der liberalen Parteien zu erzielen. Das ist umsomehr bedenklich, als das Zentrum nicht nur gegen die Sozialdemokratie, sondern auch gegen die Nationalliberoien, in denen es Die schlimmsten Gegner »einer fontenwneli gestimmten Politik erkennt, ben Kamps auigcnomnien Ijat Die Tatsache, daß ein Drittel der deutschen Bevölkerung seüher in dem Zentrum der Reichspolitik die Dirett.ve gab, sindct feine Erklärung in der Zersplitterung innerhalb der evangelischen Wählerid-asr. Pflicht der nationalen Parteien ist es darum, eine Mehrheit im neuen Reichstag zu bilden, die für evangelische Glaubens- und Gewissenssreiheit eintritt
Diese Forderung Hcyligenstaedts gab Köhler- Langsdors Veranlassung, sicy gegen einen etwaigen Kulturkampf zu erklärelu Er wünscyt Friedeii zwischen den christlichen Konfesswnen, dagegen krltschicdenen Kampf g ea en bas Judentum. Auch Köhler
wünscht aber, daß der Pcotcftontismus geschlossener und nach- drüdlicher gegen den Ultramontanidmuß auitreten möchte. In lichtiger Erkennwiß ber Seucbengeiahr für ben heimischen Bied ftanb will auch er nicht für bie Grenzössnung stimmen.
Nach Heyligenstaedl ergriff Pros. Dr. B i e r m a n n aus Gießen das Wort Als einen besonderen Fortschritt in der Kvlonialvev- roaltung bezeichnet er die nunmehr durch einen Kaufmann erfolgende Erledigung der Geschäfte und begrüßt die Draufgängermanier Dcrnburgs. Bei einem Vergleich der Wahlaufrufe von,eilen der Deutfchsozialen und der Nationalliberalen findet er in den roefent- lidxn ftorberungen keine Gegensätze. Hinsichtlich ber Erhöhung ber Börfensteuer hall er Vorsicht für geboten, damil nicht gu>be Gefchäsle mS Ausland wandern. Ter Einführung einer Wehr st euer stellen fich nach einer Ansicht große Schlvieng- kerten entgegen. In der als „Fleischnot" bezeichneten Erscheinung erblickt er einen fortschreitenden, allerdings größeren Schwankungen imterworscnen Teuerungsprozeß, der firn gegenwärtig auch in Oesterreich bemerkbar mache. Beim Vorgehen gegen Großba » are müsse stets erst feügeiieUl werden, ob wird liÄ Schmutzkonlurrenz in Betracht komme; es gäbt auch gute Warenhauicr, „chnslliche Juden". Von AuSbeutungsj reihe it reden nach Pros. BieimannS Ueberzeugung nur noch einzelne Manchcstcrlcutc, die fstat.-Lib. nicht Was Pros. Biermann an der Kandidatur Kdhicrs bedenklich erscheint, ist die Wahrscheinlichkeit, daß dessen Bizepruildenieicjchaft ün hcsiischen Landtag ein Hinder- nidgiunb J1U «tue regelmäßige Anwesenheit im Reichstag, roo eß in Zukunft auf jede nationale Stimme ankomme, fein tonnte. Mißbllligcud spricht der Redner sich auch über Köhters Tendenz bie auf eine Berschärsun« des Gegensatzes zwischen Stadl Unö Land hiuaasgchk, n-ührend nur ein gemeinfamer Kampf gegen di« e»4UilbcuwrratK höchstes Ziel sei» müsse. ,
I a c» d l aus Uiphe bernnh, Herr v. Heyl sowie Me Gießener RationaÜÜxralm seien für Ceffnung der Grenzen; unerhröt fei cs, haß der Stadt Giesten auß ein Kandidat dem Kreis pulfenticrt meide, der mir m dündkerifche Hand gehöre.
De miesen oder betont H « y 11 a e n st a e b t, daß er niäst von ®tete» allein, sondern von den Verttauensmännern des twifeß anfütstelli (et
BomurerSheim and LangSdorf trittfiert baß Verhältnis
da 9iatwnalliberalen »um Freisinn.
Antnupsend an Prüf. B ier manns Ausführungen behaupt« Lehrer Kling- Gießen. Köhler fei 132 mal im Reichstag anwesend gewesen. Nach Lmgs Dlcmmifl ist in dem bevorflehenden Wahl- tamps nicht daS nationale, sondern das wirtschaftliche Momenl entscheideiw. Als antinattonal bezeichn« et das Zusammengehen ber Nationalliberalen mit den Sozialdemokraten bei der badischen LandtagSwahi. (Toll handelte eS sich bekanntlich, wie auch Heyligenstaedl später erwiderte, um eine Beseitigung des Zen- tiumseinslusseS.) Weiter krttisiell ber Rebner daS Verhalten ber Natwnalliberalen b« bei Einrichtung ber Fahrkattensteuer, bei ber Beratung über den Ausfuhrzoll aus Sdhien und Stall u. a. I Oberamtsrichler Fuhr aus Ollenberg bebauert, baß ein fftobed Bkomenl ein so zerNüjllleS, kleinliches Geschlecht finbe. Für eine hohe, ibeale Sacht gelte eS ju kämpfen; der Kanipf gegen die Ultra montanen sei zugleich ein Kampf für bie deutschen Katholiken. Fuhr weist nach, daß die Nationalliberalen schon feit I a hrze hnten für den Bauernstand eingetreten feien, und daß gerade auch die Stäüter den Bauern vielfach zu Erfolgen verhalfen hätten. Man lasse Heyligenstaedl eine ungerechte Beurteilung zuteil werden, wenn man ihn als Freisinnigen ün Sinne des Freisinns vor zwanzig Jahren bezeichne. ,
Auch veyligenstaedt verwahrt sich dagegen, daß er dem Freisinn Konzessionen gemacht habe. Dieser sei anfangs wegen feines (HeyligcnslaedtS) weitgehenben Ein- tretens für bie bäuerlichen Jnterefsen nicht für ihn eingenommen gewesen. Für die Fahrkartcnsteuer hat Heyligenstaedl gestimmt, um bamit ein Aeauivalent für die ab- gelchute Tabaksteuer zu schaffen. Die ländlichen Bewohner werden von dieser Steuer nur in ganz geringem Maße betroffen, während andererseits — besonders auch durch Ausländer =n respektable Summen eingehen.
Nach einem Ausfall Kö blerS gegen das ,Ludenregiment" anderer Staaten und auch Deutschlands wurde die lebhaft verlaufene Versammlung geschlossen.
Nr.« Zweites Blatt ISr.Jal.rqaN!, o Dienstag8.JrnM« 1907
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General-Anzeiger für GberhGn
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