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07/06/1907 Erstes Blatt
 
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9h*- 131 Erstes Blatt 157. Jahrgang Freitag . Juni 1SV7

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Kreisblatt für den Kreis auswärts 20 Pfennig.

= General-Anzeiger für Oberhessen WM Adresse für Depeschen: * .Gerichtsfaal*: Lenst

Anzeiger Gießen. Rotat'onrdruck und Verlag der vrühsschen Univ.-Vuch. und Zteindruckerei. TL Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze r. *>.*&; für den An-

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Iie heutige Yummer umfaßt 12 Seiten.

preußisches Abgeordnetenhaus.

Berlin, 6. Juni.

Der Antrag Brühl, der die Bestimmungen des Wasserstraßen­gesetzes auch aus den Erweiterungsbau des Kaiser Wilhelm- Kanals angewandt wissen will, wird definitiv angenommen. Es sogt die zweite Beratung LfeS Nachtragsetats, der die zur Gewährung der Teuerungszulagen nötigen Summen ver­langt. Der Antrag des Abg. Schiffer (nl.), den Nachtragsetat der Budgetkommission zu überweisen, wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Ein Antrag Ghßling (ff. Vpt.) und Brömel (ff. Vgg.) fordert für die mittleren Beamten 150 Mark Teuerungszulage. Ein Antrag Nölle will den mittleren Beamten noch in diesem Jahre 100 Mark gewähren. Ein Antrag Frhr. von Zedlitz (ff.) dehnt diese Bestimmung auch auf die einen eigenen Haushalt führenden Lehrer mit weniger als 1200 Mk. Grundgehalt aus. Ein Antrag Schiffer (nl.) will diese Zulage den mittleren Beamten geben, deren Gehalt das der Unterbeamten nicht übersteigt. Abg. Brömel (sich. Vgg.) meint, durch Quotisierung der Ein­kommensteuer könnten die Mittel beschafft werden. Es sei un­erhört, daß in einem Etat von drei Milliarden kein Raum sei für die paar Millionen für Beamtenausbesserung. Inzwischen ist ein Antrag der Abgg. von Heydebrandt (ff.), Herold (Ztr.) und des Frhr. v. Zedlitz (ks.) eingegangen, in den Nachtragsetat statt 8 Millionen 13 Millionen einzustellen, zur Erhöhung des Dispositionsfonds zur Untertzützung gering besoldeter mittlerer Beamter. Abg. Nölle (b. k. F.) meint, die Staatsbeamten dürften nicht schlechter gestellt werden, als die Neichsbeamten, deshalb wolle sein Antrag allen mittleren Beamten, die nicht mehr als 3000 Mk. Gehalt haben, 100 Mk. Zulage gewähren.

Der Kommissionsantrag Herold-Zedlitz wird mit dem Ge­setzentwurf an die Budgetkommission verwiesen.

Es folgt die Beratung des Antrages Viereck (ff) wegen Be­seitigung des Dualismus im Strafvollzüge. Abg. Vier­eck begründet seinen Antrag mit dem Hinweis darauf, daß die Unterstellung der Gefängnisse unter verschiedene Ministerien zu Mißständen führe und die Kosten erhöhe. Auf Vorschlag des Präsidenten wird die Beratung über diesen Gegenstand abge­brochen,

»

Die harte Rinde um das Herz des preußischen Finanz- nrinisters ist geschmolzen: er will dem Verlangen des Abgeord­netenhauses entsprechen und fünf Millionen aus dem so sorglich von ihm gehüteten Staatsschatz herausgeben für Teue­rungszulagen an die geringst besoldeten mitt­leren Beamten in Preußen. Je 100 Mark auf den Köpf viel ist das wahrlich nicht, wenn man berücksichtigt, daß ber in seiner Finanzwirtschaft viel ungünstiger gestellte Reichsschatzsekretär die Mtttel flüssig machte zur Unterstützung aller mittleren Reichsbeamten mit je 150 Mark. Tas reiche Preußen hätte sehr wohl ausnahmslos die Zulagen bewilligen können. Zum Trost mögen die zu fürs fommcnben und besonders die leer ausgehenden preußischen Beamten daran erinnert fein, daß in den meisten anderen deutschen Bundesstaaten die Beamtcw- besoldungen noch weit kärglicher sind, und daß ein Teil von den preußischen Beamten Jahre hindurch den Reichsbeamten gegenüber im Vorteil war, nämlich durch den Genuß der Ostmarkenzulage, die den in Betracht kommenden Neichsbeamten erst mit Hülfe der Blockmehrheit verschafft werden könnte. Es findet jetzt in ge- wissem Sinne ein Ausgleich statt.

politifctyc Lage»?eha-r.

Eine Ente.

Der für Anfang Juli zu erwartende Besuch des Kaisers in Dänemark wird von dem Deutschland nach wie vor unfreundlich gesinnten Teil der englischen Presse in Verbindung gebracht mit Bestrebungen Deutsch­lands auf Neutralisierung des Sundes und der Belte. Zu Unrecht. Es handelt sich bei dem Besuch um tzinen Höflichkeitsakt, der sich gründet auf eine Einladung seitens des dänischen Hofes. Wie überdies derVoss. Ztg." aus Kopenhagen gemeldet wird, ist dort die Begleitung des Kaisers durch die Kaiserin, die noch nie in Dänemark war, angekündigt Beweis genug, daß nicht politische Absichten den Kaiser nach Norden führen. In unterrichteten Kreisen ist von Neutralitätsplänen der angedeuteten Art nichts bekannt. Es mißfällt offenbar den Widersachern Deutschlands, die gern auch das ganze Skandinavien in ihr Lager ziehen möchten, daß zwischen Berlin und Kopenhagen ein durchaus angenehmes Verhältnis besteht. Um eine Unterstellung sind diese Un­versöhnlichen ja nie verlegen.

Ire englischen Journalisten in Köln.

Köln, 6. Juni.

Nachdem die englischen Journalisten heute vormittag die Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt hatten, folgten sie heute mittag einer Einladung der Verleger derftoln. Ztg.", Kommerzienrat Tr. Neven-Dumont und dessen Bruder Alfred Neven-Dumont zu einem Lunch in den Räumen ihres Neubaues. Zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten und aus Köln und Umgegend waren anwesend. Herr Kommerzien­rat Dr. Neven-Dumont begrüßte die englischen Gäste mit längerer Rede, in der er aus die Geschichte derKöln. Zig." zu sprechen kam.

Die K. Z. ist feit ihrer Gründung, die nun mehr als ein Jahrhundert zurückliegt, Eigentum einer und derselben Familie. Die Chefs dieser Familie haben von Anbeginn selbst mit in der Arbeit gestanden, haben selbst schreibend und leitend inmitten ihrer Redaktion mitgearbeitet. Waren doch mein Urgroßvater und Großvater die Chefredakteure. Wenn dann auch später die Vergrößerung des Unternehmens die Doppeltätigkeit als Verleger und Chefredakteur unmöglich machte und verschiedene Personen diese Posten übernehmen mußten, so sind doch die Verleger bis auf den heutigen Tag niemals vollständig aus der Redaktions- ardeit ausgeschieden. Diesem Zusammenarbeiten, der daraus be­dingten Wertschätzung der Arbeit des andern, verdankt die K. Z. ihr Wachsen und Blühen. In den letzten Jahrzehnten waren nur wenig Leute in leitenden Stellungen bei der K. Z., die nicht .England, sein Volk und seine Sitten, die Entwicklung seines

Zeitungswesens an der Quelle studiert hatten. Mein ältester Sohn lebt zerzeit als Student in Oxford.

Mehrere weitere Reden folgten.

Am Abend gaben die Verleger derKöln. Bolksztg.", Franz und Robert Bachem, ein Bankett im Wintergarten der Flora. Es sprachen u. a. der Redakteur derKöln. Bolksztg.", Dr. Otto Bresemann, der meinte, die Journa­listen seien ein neues glückliches Element in der Geschichte der Völker und wenn sich die öffentliche Meinung zweier Völker in ihren berufensten Vertretern einander nähern, dann ist das eine wahre Friedenskonferenz, eine wirkliche Abrüstung; ferner der Chefredakteur derBerk. N. Nachr.", v. Massow, und der Führer der englischen Journalisten, Mr. Wtlson. Dieser dankte allen, die die Reise so erfolg­reich gestaltet hätten, in erster Linie dem deutschen Kaiser und dem König von Sachsen, sowie dem Prinzregenten Luitpold von Bayern. Er dankte ferner den Mitgliedern der Regierungen und Empfangskomitees, den Senaten von Bremen und Hamburg, den Stadträten und Handelskam­mern, den Verlegern und Redakteuren deutscher Zeitungen, dem Münchner Künstlerhaus, ferner dem Präsidenten des Reichstags für den Abend in der Wandelhalle, den ver­schiedenen Automobilklubs, dem Berliner Lehrer- und dem Kölner Männergesangverein, der Juternationalen Schlaf­wagengesellschaft, dem Norddeutschen Lloyd und der Ham- burg-Amerita-Linie, sowie der Köln-Düsseldorfer Dampf­schiffahrtsgesellschaft.

Der nächste Redner war der englische Konsul Meßen, welcher betonte, daß die Beziehungen zwischen England und Deutschland zurzeit tatsächlich sehr gute seien und daß alle Aussicht vorhanden fei, daß sie es auch in Zukunft bleiben würden. Stead dankte für die Ausnahme und sagte, es würde in Zukunft die große Pflicht der Teilnehmer an der Reise sein, mit Leib und Seele für die große Sache der englisch-deutschen Freundschaft zu wirten. Das Fest verlief in überaus herzlicher und sröylicher Stimmung. Gemeinsam sang man die Wacht am Rhein und andere Lieder.

*

Kiel, 6. Juni. 25 englische Journalisten sind, von Frank­furt a. M. kommend, hier eingetroffen und von einer Deputation des Kopenhagener Journalistenvereins, unter Führung Franz von Jessens, empfangen worden. Tie englischen Gäste sind nach kurzem Aufenthalt mit dem PostdampferPrinz Sigismund" nach der dänischen Hauptstadt zu einem fünftägigen Aufenthalt weiter­gefahren.

Aus StaSt unH Land.

Abdruck unserer durch Aorrespoudeuzzeichen kenntlich ge­machten Orgiualartilel ist nur unter genauer Quclleuangabc (Gieß. Auz.) gestattet.

Gießen, den 7. Juni.

** D i e neue st en Unfälle auf der Taunus- re n n st r e ck e. Bei der KarlZbrücke an der Saal bürg stürzte ein Rennwagen den Abhang hinunter und überschlug sich. Einer der Führer mußte verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden, während der Mechaniker und der andere Insasse unverletzt blieben. Der Rennwagen 26 B (Bauer Fahrzeugfabrik Eisenach) kollidierte mit drei Bäumen und einer Telegraphenstange, konnte jedoch später die Fahrt fort­setzen. Infolge Regens sind die Stoßen ausgeweicht und schlüpfrig, sodaß sich noch mehrere kleinere Unfälle ereigneten.

" Omnibus-Verkehr. Zu dem am Samstag, Sonntag und Montag stattsindenden Wohltätigkeitsfest ver­kehren Wagen von der Bürgermeisterei nach dem Festplatz. In der Stadt fallen die Fahrten 6.55, 7.05 morgens, 4.35 und 5.05 mittags auS.

*Das 3. Bundesfest des Lahntal-Radler Bundes" in Allendorf a. d. Lda., das auf den 9. u. 10. Juni festgesetzt war, wurde wegen des Wohltätigkeitsfestes in Gießen an denselben Tagen um 8 Tage verschoben und findet nun am 16. und 17. Juni statt. Das idyllische Städtchen im herrlichen Lumdatal sucht bereits sein schönstes Festkleid hervor zum würdigen Empfang der Gäste. Die Festwiese hat die Gemeinde zuvorkommender Weife unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

ob. Laubach, 5. Juni. Tie Bestrebungen, am hiesigen Gymnasium die neue Tarrn stad ter Ferien orbnung ein- zuführen, haben einen günstigen Erfolg gehabt. Mchdem das Lehrerkollegium sich für Einführung ausgesprochen, erließ die Tirektion ein Rundschreiben an die Eltern der Schüler. Von diesen haben 97,70 Pwz. für, 2,30 Proz. gegen die Neuordnung sich ausgesprochen. Hiernach beantragte die Tirektion beim Mini­sterium Aenderung der Ferienordnung, welchem Antrag stattge­geben wurde. Tanach fallen bie_ Ferien künftig zu Ostern von Palmsonntag 2 Wochen, zu Pfingsten 1 Woche; die Sommerferien beginnen mit dem Donnerstag, der dem 15. Juli zunächst liegt und dauern 4 Wochen, die Herbstferien mit dem dem 29. Sept, nächstgelegenen Donnerstag und wahren 2 Wochen, Weihnachts­ferien wie seither 2 Wochen. Für dieses Jahr fallen also die Sommerferien in die Zeit vom 18. Juli bis 15. September. Die Verteilung der seitherigen fünfwöchigen Ferien auf zwei Ab­schnitte und die damit verbundene Abkürzung des Wintersemesters find die Hauptvorteile dieser neuen Ferienordnung, die wohl all­gemein von den Interessenten mit Freude begrüßt werden dürfte.

eb. Schotten, 4. Juni. Hier ist eine Typhusepidemie ausgebrochen. Vier bis fünf Personen liegen zurzeit darnieder. Ausfällig ist, daß unter ben Erkrankten sich ein Mädchen befindet, daß an jener Go n ter s kir cher Hochzeit teilgenommen hatte.

Darmstadt, 6. Juni. Die Großherzogliche Familie hat "von heute Nachmittag ab das Hoslager nach Jagdschloß Wolfsgarten verlegt. Audienzen und Vorträge werden nach rote vor Mittwochs und SamStags im Residenzschloß hier entgegengenommen. Prinz und Prm- zesim Heinrich von Preußen treffen am Sonntag zu acht­tägigem Besuche auf Schloß Wolfsgarten ein. Der Verkehrs­verein hat an die Stadtverwaltung em Gesuch gerichtet, daß das von der Stadt s. Z. bei dem Umbau des Hoftheaters

im Umtausch erworbene sog. Jntertmsthealer für VolkSvorstellungen nutzbar gemacht werde.

D a r m st a d t, 6. Juni. Die Stadtverordneten-Ver- sammlung nahm ein Ortsstatut betreffend die Sonntags­ruhe im Handelsgewerbe an, nach welchem vom 1. Januar 1908 ab Gehülfen, Lehrlinge und Arbeiter, soweit nicht bestimmte Ausnahmen zugelaffen sind, an Sonn- und Festtagen nicht im Handelsgewerbe beschäftigt werden dürfen und ein Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen an diesen Tagen nicht stattfinden darf.

Homburg v. d. H. 6. Juni. Ter Kaiser trifft am 12. Juni hier ein. Die Meldung, daß an diesem Tage die feierliche Grundsteinlegung für das Offiziergenesungsheim statt­finden soll, ist unrichtig, da der Kaffer den Wunsch auSgedrückt hat, das Modell an diesem Tage im Schlöffe 311 besichtigen. Wahrscheinlich wird nun hierbei der Termin der Grundstein­legung besprochen werden. Fkf. Ztg.

Aie Totenfeier für den Sladtv. Kirch.

Gießen, 7. Juni 1907.

Zum letzten Male versammelte gestern nachmittag um 4 Uhr Jean Kirch Tausende nm sich, eine unübersehbare Schar seiner Mitbürger. Die Bewohnerschaft Gießens nahm Abschied von dem Verstorbenen. Und bann sahen wir, was sterblich an ihm war, von uns gehen. Und als wir von der Feierlichkeit kamen, die in ihrer Würde seiner Bedeutung für die Stadt entsprach, da empfanden wir erst so recht die volle Schwere des Verlustes ....

Für den Umfang der eindrucksvollen Feierlichkeit war die ungewöhnliche Persönlichkeit des Heimgegangenen maß­gebend. Man hat von Simson, dem einstigen Frankfurter Parlaments-, späteren Reichstags- und schließlichen ReichS- gerichtspräsidenten, gesagt, er seidec gebotene Präsident" gewesen. Etwas von dieser repräsentativen Art besaß auch Jean Kirch, der ausgezeichnete Leiter zahlreicher Gesellschaften und Versammlungen, der kluge und geschickte, zum Ver­mitteln und Ausgleichen sozialer und politischer Gegensätze, zum Ueberbrücken von StandeSdifferenzen, zum Präsidieren seinem ganzen Wesen nach berufener Volksmann.

Und dem entsprechend war der Verlauf der ganzen gestrigen Trauerfeierlichkeit.

Düster und grau hatte soeben noch der Himmel drein­geschaut und ein heftiger Regenguß unsere Straßen heim- gesucht, deren mangelhafte Beschaffenheit der Verstorbene so oft beklagt und zu deren Verbesserimg er selber nach Mög­lichkeit beigetragen hatte. Da tat die Sonne plötzlich, kurz vor der festgesetzten Feierstunde, einen neugierigen Blick hinter den Wolken hervor, und über die Dächer der Stadt gleitend senkte sie voll ihre Strahlen auf den alten Friedhof und über die große Trauerversammlung, die sich aus dem Inneren der Friedhofskapeüe weit über deren Tore hinaus ergoß.

Dem nun vom Tagewerk, vom emsigen Schaffey am Wohle der Stadt allzu früh Ausruhenden bereitete der soeben erst ins Leben gerufene Gesangschor des Kaiser Wilhelm- Regiments unter Leitung des Musikdirektors Krauße die erste Huldigung. Aus 200 frischen Soldatenkehlen brauste der Sang des ergreifenden niederländischen Liedes:Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten" und eine seltsame Weihe breitete sich über den Friedhof. Es war wohl die erste Meisterleistung des jungen ChoreS.

Dann begann dringen an dem von einer unendlichen Blumenfülle bedeckten Sarge die Rede des Pfarrers Euler.

Der Rede des Pfarrers lag das Wort 1. Cor. 13, 8, Die Liebe höret nimmer auf" zu Grunde. Sie ging aus von dem jähen und erschütternden Ende des auf der Höhe des Lebens Dahingeschiedenen und zeigte, im Blick auf des Verstorbenen Lebensgang, seine Eigenart und Persönlichkeit, sein Familienleben und öffentliches Wirken daS, was unS bleibt, wenn al,ch der Tod wieder uns raubt.

Dann trat Oberbürgermeister Mecum an den Sarg und hielt folgende Ansprache:

Hochanschnliche Trauerverfammlung! Tas ernste, traurige Won, bas in ben letzten Tagen üöer die Schwelle eines jeden Hauses unserer Stabt gebrungen ist, bas Wort: Unser Kirch ist lot! es ist uns heute zum Rufe geworben, uns noch einmal um seine irbifche Hülle zu bereinigen, und mir als den Vertreter ber Körperschaft, bie am härtesten von diesem Verlust betroffen ist, liegt bie schwere Pflicht ob, ben Empfindungen, bie uns bewegen, einen bes Toten würdigen Ausdruck zu geben.

Wenn ich mich aber frage: was klingt wohl aus dieser Ver­sammlung als blas allen gemeinsame heraus? Da darf ich vor allem das eine dankbaren Herzens aussprechen: ber Mann ist es, der uns hier^ zusammengeführt hat, und nicht nur seine Stellung in dieser Stadt: dem abgeschlossenen Leben voll Hin­gebung und Treue, voll Geist und Kraft, voll ernster Arbeit und schöner Erfolge, ihm gilt unsere Teilnahme. Wir mögen berufen gewesen fein, mit ihm zu arbeiten oder in amtlichen ober geschäft­lichen Verkehr mit ihm zu tteten oder als Freunde in seinem Hause zu wellen, ober von fernerem Standpunkre aus feine Tätig­keit im öffentlichen Leben zu beobachten, der Mann ist es imnur gewesen, der ben tiefen Eindruck auf uns gemacht hat, und ber Schmerz, am Sarge eines solchen Mannes stehen zu müssen, ist es, der uns hier vereinigt.

Ich darf nicht den Versuch machen. Ihnen bie Züge dieses Mannes nochmals zum geistigen Bilde zusammenzufassen,- müßte ich doch fürchten, das Bild, wie es rein und klar vor Ihrer Seele steht, zu trüben; aber von dem, was er uns, was er unserer Stadr gewesen, davon heißt unser Tank uns reden, und de erinnere ich zunächst Sie, verehne und liebe Kollegen vom Stabworstand,