Ausgabe 
6.11.1907 Zweites Blatt
 
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F Wenn im Laufe früherer Ausführungen darauf aufmcmain gemacht wurde, das; wir heute in fast allen Z oeigen der ,land- mtschastlichen Ticrl/altung die Trockenfütterung als die einzige rimtige Art und Weise der Fütterung anschen migsen, so fragen dir uns wohl ganz unwillkürlich und wie soll das Walter verab- fcidjt werden? Die Antwort hierauf lautet ganz nach Bedarf Nid Belicbeir des Tieres. Es ist demgemäß an der 3/iL Nch nach i'nrichtungeii urnzusehen, die es dem Landwirte ermöglichen, dein xierc auch im Stalle die Gelegenheit zu geben, ganz nach Be- licbcit fehlen Durst jn stillen. Solche Einrichtungen, die wir 013 Selbsttränken bezeichnen, sind nun in einet ganzen Reihe jno verschiedenen Systemen am Markte und es wird sich für den Lnidwirt mit noch fragen, ob eine Selbsttränke wirklich unbe­dingt vorteilhaft ist oder besser ,ob und welche Nachteile ihr an-

>!iden dirett giftig wirken kann. Es sollten also diese Futter­al nur unter Gehaltsgarantie und unter der Garantie für Me" Ware gekauft Werbern ,

' Schließlich verdienen noch Fischfuttermehl und amerikanisches Marmehl als neue Futterstoffe hier Erwähnung.

r Beide zeichnen sich durch außerordentlich hohen Nahrstoff- Mlt aus und zwar wird in der Regel 4050 Prozent Fett und Licht in ihnen garantiert.

r Fischfuttermehl besitzt jedoch einen so außerordentlich scharfen Lrucfi, daß nur bei ganz allmählicher Gewöhnung die Tiere es «imehmen. Fleischsuttermehl riecht ebenfalls etwas,doch nicht , stark wie Fischfuttermehl. Größere Gaben dieser Mittermittel »den sich jedoch als untunlich erwiesen, da die Milch beziv. das Hilclnett in solchem Falle leicht einen unangenehmen Bcigefchiilact klommt. Ganz besonders ist bei diesen Futtermitteln Wert aus Lre Unverdorbenheit zu legen. Lagern in feuchtem Raum oder Astige Feuchtigkeit bewirkt bei ihnen außerordentlich rasch ttes- Lnbc Zersetzungen, die dann giftige Erscheinungen bei der Ber- Uning zur Folge haben. Nicht unerwähnt darf zum Wusse bleiben, daß namentlich von Seiten der Geflügelsachver- Undigen das Fischfuttermehl in Verbindung mit anderen Kohle- Mütreichen Futtermitteln als vorz-ügliches Hühnerfutter ern­

ten mit ca. 3840 Prozent Fett und Protenr in den Handel i 7 werden in der Regel ziemlich gleichwertig zusammengesetzt.

berücksichtigen ist nur, daß auch bei il>nen, wie bei manchen >eren Getreideschlempen hie und da beobachtet wurde, daß bei kiebiger Verwendung die Milch leicht einen bitteren Geschmack fltnt Außerdem wurde in verschiedenen Fällen beim Trans- 111. .____smnrp sipiNiARrptt hie unter Um*

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Als Vorwürfe werden der Selbsttränke folgende gemacht:

1. Die Tiere trinken zu viel Wasser; 2. Die Anlagekosden

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Der Punkt 1 kann in einzelnen Fallen als berechtigt gelten C3 gibt tatsächlich Tiere, die sich das Wassertrinken als Untugend ouaewöhneii und der Ernährungszugand unter Einwirkung bcy zu großen Wasscrbalastes ost recht leidet. Es muß also von der kelbütränke verlangt werden, daß sie zeitweilig für einzelne Tiere außer Betrieb gesetzt werdeii kann. Was die Höhe der An­lage und Unterhaltungskosten betrifft, so wird sie noch immer be- bciitenb geringer, als wenn sie durch die rnenschlla-e Hand die Sirre zu größeren Zeiten tränken lassen, was hi'.'.sig bei un­zuverlässigem Personal noch recht mangelhaft geschieht.

Wenn nun zum Schlüsse noch mit wenigen Worten auf die 6t)jicme der Selbsttränke eingegangen werden soll, so möge hierzu plgendes bemerkt sein.

Wir unterscheiden Selbsttränken mit Bechern an jedem Stande unb zwar einmal in der Form, daß sämtliche Becher von einem gemeinsamen Zuleitungsrohre aus gespeist werben. Dieser Form ber Selbsttränke wird der Vorwurf gemacht, daß mit dem wan- 1bembeii Wasser außerordentlich leicht Krankheiten sich von hier­zu Tier übertragen. Um diesem liebel zu begegnen, sind bei ber an bereit Form der Bech ertränke gclr-cnnie Zuleitungen vom Haupt- bassin nach den Bechern hin angelegt und Rückstau des Wassers nnrb durch Ventile verhindert. Hierbei macht sich nicht selten der Uebelftand geltend, daß sich die große Zihl enger Zuleitungs- röhren leicht verstopft und Reparaturen häufiger werden.

Ein System, bei dem die Z ileitungsrohre und Becher gänz­lich verschwinden, ist das bei dem die Wasserleitung in verdeckter Rinne unter der Krippe erfolgt. Die Tiere gelangen zu dein Wasser, indem sie eine kleine eiserne, stark verzinkte Klapp­türe aufstoßen. Um eine zeitweilige Unterbrechung des Wasser­genusses herbeizuführen, genügt es. einen kleinen Riegel vor­zuschieben, der dann die Tiere zum Wasserlaufe sperrt. Wünschcns- ivert ist es, daß bei diesem System eine Ablaufvorrichtung an­gebracht ist, so daß sich das Wasser langsam aber stetig er­neuert. Eine Selbsttränke, die ohne große Kosten anzulegen ist unb namentlich für kleinere Wirtschaften geeignet erscheint ist die, bei der die Krippen ein geschlossenes fortlaufendes Rohrnetz bilden und mit ganz geringem Gefälle versehen sind. In diese Trippen wird am oberen Ende von Zeit zu Zeit Wasser ein- treten lassen, die Tiere können nach Bedarf trinken und dann rnird das Wasser durch einen Ablauf am unteren Ende der Krippenrinne entfernt.

A r Moden

Obwohl der Landwirt den Grund und Boden bei seinem Gewerbe als etwas Gegebenes hinnehmen muß, so bildet doch die Kenntnis der Boden-Bestandteile, -Eigenschaften und -Arten die Grundlage für Bodenbearbeitung sowie Dün­gung und damit einen wesentlichen Faktor erfolgreicher Wirtschaftsführung. Dem von Prof. Dr. Gisevius, Direktor des landw. Universitäts-Instituts Gießen verfaßten 7. Band Der Boden", der Bibliothek der gesamten Landwirtschaft*) Herausgeber Privatdozent Dr. Karl Steinbrück-Halle, Verlag Dr. Max Jänecke, Hannover) entnehmen wir die folgenden Ausführungen, die den Wert des Gesamtinhaltes für den Landwirt erkennen lassen:

Bei dem Verhalten des Bodens gegenüber Düngemitteln lernen wir als eine weitere wichtige Eigenschaft die Auf- speicherungskrast für Pslanzennährftoffe (Absorplionskrast) kennen. Streuen wir Kainit auf Wiesen, so löst bei einer sofort folgenden Ueberstauung das Wasser die Kainitstückchen aus und läßt sie verloren gehen. Konnte der Kainit sich aber vorher in der Bodensenchtigkeit auslösen und in den Boden übergehen, so wird das Kali darin sestgehalten und aufge­speichert, ohne daß das Ueberstauungswasser das Kali wieder zu entsernen vermag. Durch die Ausspeicherungskrast wer­den also die Nährstosse bei Schneeschmelze oder bei Regen­güssen vor dem Auslangen geschützt. Der Boden besitzt ein Ausspeicherungsvermögen für Kali, Phosphorsäure und für Ammvuiakstickstoss, wie er in dem schweselsauren Ammo­niak, zum Teil auch im Stalldünger enthalten ist, nicht aber für den Salpeterstickstoss des Chilesalpeters. Dieses Düngemittel geben wir darum als Kopsdünger den wachsen­den Pslanzen, die den Salpetersticksioss sosort verzehren können. Sehr vorsichtige Landwirte geben Chilesalpeter sogar in zwei bis drei Gaben mit je 10 bis 14 Tagen Zwischenraum, um der Gefahr des Auslaugens durch Plötz­lich einsetzende starke Regengüsse möglichst aus dem Wege zu gehen. Eine zweite Eigenschaft des Bodens, die in Berührung mit Düngemitteln heroortrilt, ist die Tätigkeit, d. h. die Fähigkeit, Düngemittel schnell zur Zersetzung zu bringen und die Nährstoffe den Pflanzen bald nutzbar, zu machen. Solche Böden bezeichnet man als tätig, andere als untätig. Schwere und nasse Böden sind untätiger als leichte und trockene; Külkgehalt besördert die Tätigkeit, ebenso em

Das Verhalten des Bodens zur Wärme beurteilen wir nach der Temperatur in der obersten Bodenschicht. Die Wärme regt dort chemische Vorgänge an, fördert die Keimung und spielt bei den Nachtfrösten (Spätfrösten im Frühjahr nnd Frühfrösten im Herbst) eine Rolle. Die von der Sonne ausgestrahlte Wärme erhöht die Bodentemperatur an seiner Oberfläche je nach dessen Erwärmungsfähigkeit und hängt hauptsächlich von seinem Feuchtigkeitsgrade ab. Bei nassem Boden muß das Wasser neben dem Boden erwärmt werden, ein Umstand, der um so schwerer wiegt, als einerseits 1 K'gr. Wasser vermöge der höheren spezisischen Wärme zur Tem­peraturerhöhung mehr Wärme verbraucht als 1 Kgr. Boden- körner, als ferner die Wärmeleitung nach tieferen Boden­schichten dadurch sehr verstärkt wird, daß das Wasser die Bodenporen erstickt und den sehr viel schlechteren Wärme­leiter Lust verdrängt. Die ausgenommene Wärmemenge ist dabei für seuchten Boden größer als sür trockenen, weil die Wärme von der kühleren Bodenobersläche nicht so stark wieder ausgestrahlt wird, und weil die Wärme auch tteseren Bodenschichten zugeht. Die Abkühmngssühigkeit ist dagegen bei trockenen Boden großer als bei seuchteil. Die wärmere Erdobersläche strahlt die Wärme nach Sonnenuntergang schneller aus, während aus den tieferen Schichten kein erheb­licher Wärmenachschub kommen kann. Das ist besonders bei trockenen Humusboden der Fall, welche ein ganz beson­ders schlechtes WürmeleitungSvermögeu besitzen. Der Schutz accucn Nachtsröste, der dann in Betracht kommt, wenn die atmosphärische Lust sehr kalt ist und wenn keine Wolken die Ausstrahlung der Wärme hindern, kann durch verschie­dene Mittel angestrebt werden. Kleine Saatbeete bedeckt man mit Zweigen, Stroh oder Decken, oder man gießt sie abends wiederholt sehr stark an, um die vorhandene Warme-

*) Bibliothek der gesamten Landwirtschaft, herausgegeben von! Dr Karl Steinbrück. 7. Band: Der Boden. Bearbeitet von Professor Dr. Paul Gisevius, Direktor des Landwirtschaftl. ^nst^. tuts an ber Universität Gießen. Preis geheftet Mk 0,65, ^unben Mk. o,95. (Dr. Max Jänecke, Verlagsbuchhandlung, Hannover

1907.)