fonrni Vegrüstt uni banBc freirndlich lächelnd nach allen .Seiten. Am Mittag machte der hohe Sberr noch einen Spaziergang in der Umgebung des Parks, wobei er in Bezug auf das kolossale Hochwasser, daL infolge des vielen Regens teingetreten war, scherzweise bemerkt haben soll: „Da hätte sich ja beinahe mit meiner Flottille hierherfahren können".
Was man kaum im Traum zu hoffen wagte, es hat sich am heutigen Sonntag nun doch noch eingestellt, näm- lid) das richtige sprichwörtliche Kaiserwetter. Gestern war es noch kalt, stürmisch, trübe und heute wie mit einem Zauberschlage das herrlichste Frühlingswetter, den schönsten, lachenden Sonnenschein. Schon um 8y2 Uhr unternahm der Kaiser und zwar allein, die erste Ausfahrt, nach dem Friedhöfe, wo er längere Zeit an dem Grabe der verstorbenen Gräfin, deren Geburtstag heute ist, sowie an dem der Gräfin-Mutter verweUte. Um" 10 Uhr begab er sich mit der Gräflichen Familie zu Fuß nach der Stadtkirche zum Hauptgottesdienst. Dekan Schmidt hatte seinen .Text aus dem 66. Psalm über das Gebet gewählt. Auch den Rückweg legte der Kaiser zu Fuß zurück. Der Fremden- Attdraug am heutigen Tage ist infolge des prachtvollen Wetters ganz enorm. Heute mittag gegen 4 Uhr begaben sich die sämtlichen Herrschaften in Magen nach dem Jagdhaus auf dem Eisenberg, von wo man eine herrliche Fernsicht genießt. Atöge der Kaiser in unseren Manern und in unserer an landschaftlichen Reizen so reichen Umgebung noch recht frohe erholungsreiche Stunden verleben. Die Mreise ist auf Montag abend 10i/2 Uhr festgesetzt, während der Abfahrt wird der Hinterturm sowie die Burg bengalisch beleuchtet werden.
Ans StaOt uno lano»
Gießen, 6. Mai 1907.
Dow städtischen Voranschlag. L
Wie schon kurz mitaeteUt wurde, ist der Voranschlag der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1907 nunmehr .fertiggestellt. Wir teilen im nachstehenden die hauptsächlichsten Zahlen desselben mit und fügen zur Vergleichung Hie Ziffern des Voranschlags von 1906 in Klammern bei:
Die Vermögensrechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2 344 066,04 (1 943 945,52) SDif. ab, die Betriebs- r e ch n u n g mit 2 316 145,27 (2 032 152,04) Mk., so daß sich der Gesamtvoranschlag aus 4660211,31 (3976097,56) Mk. deläust.
Aus der Vermögensrechnung seien erwähnt: R e st aus vorhergehenden Jahren 161730,74 (72 063,95) Mk. Einnahme und 9100 (9241,03) Mk. Ausgabe.
Gebäude. An Mietertrag ist vorgesehen 27 241,18 (26 043,18) Mark, davon 10668,18 Alk. wie im Vorjahre auS der städtischen Kaserne in der Kaiserallee. Dle bauliche Unterhaltung der Gebäude einschließlich Reinigung der Feuerungsanlagen imb Gruben- eutleerung erfordert 8940 (5235) Alk., die Gemeindesteuern und Brandoersicherungsbeiträge sind mit 2800 (2600) Alk. eingestellt, als uneinbringlich werden 400 Mk. (wie im Vorjahr) vorgesehen. Während die Mehrkosten der baulichen Unterhaltung sich aus saft alle Gebäude verteilen, rührt der Mehrertrag von Mieten aus dem Zugang «euer Häuser her.
Grund st ücke. Einnahme 34 480,83 (32 881,93) Mk. und zwar an Pachten 11527,77 Mk., Erlös für Heu und Grummetgras 19 000 Mk. u. a. m. Die Ausgaben sür Besoldungen, Wiefen- unterhaltung, Gemeindesteuern, Pachten usw. sind mit 11091,29 Mk. (11557,49 Mk.) vorgesehen.
Waldungen. Eumahme 98 255,30 (85 332,05) Mk., Ausgabe 42 178^2 (38 467,88) Mk. Der Holzertrag ist mit 93 999,05 (83 226,55) Alk., der Ertrag der Nebennutzungen mit 1140 (1081) Mk. vorgesehen Bei den Ausgaben sind die Hauptposten Holzhauerlöhne mit 21159,28 (17 363,63) Mk., Kulturarbeiten 7455 (7789) All., Unterhaltung der Waldwege und Gräben 2350 (2590) Alk.
Gaswerk. Als Betriebsüberschuß sind nach dem besonderen Voranschlag des Werks 85000 Mk. (71 240 Mk.) an die Stadtkasse abzuiühren.
Schlachthaus und Fleischbeschau. Einnahme und (Ausgabe beträgt 51 OtO (48 140) Mk. Unter den Einnahmen sind u. a. vorgesehen 28 600 (28 400) Mk. als Schlachtgebuhren, 11 200 (10500) Alk. Fleischbeschaugebühren, 4300 (4500) Mk. Trichinenschaugebühren, 2500 (2400) Mk. Wiegegebühren. Bei den Ausgaben erscheinen u. a. die Besoldungen mit 15 730 (16 145) Alk., Heizung ,nnb Beleuchtung 3600 (3600) Mk., Zinsen 2833,69 (3380,81) Mk., tLilgung der Kapitalschuld 15 060,31 (16 296,19) Mk.
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** Vom Großherz. Hofe. Zur Frühstücks- ft a sie l im Neuen Palais waren nach der Darmst. Ztg. am -Samstag geladen Prinzessin Hermann zu S o l m s - B r a u n- jfels und Prinz und Prinzessin Friedrich zu Solms- Braunfels.
** Ordensverleihung^. S. K. H. der Groß- !jherzog haben dem Feuervisitator Karl Metzendorf L 'zu Lauterbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen.
** Der Hessische Richter verein hält Samstag, iben 25. Mach vormittags 11 Uhr zu Frankfurt a. M. seine Hauptversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Frage betreffend Gründung eines Allgemeinen Deutschen Rich ter Vereins.
— ,5)a werden Weiber zu Hyänen.* In der iWestanlage bot sich heute morgen den Passanten ein sonder- ibaccS Schauspiel. Zwei Frau en waren in Streit geraten, sie warfen sich zunächst mit Steinen, wurden dann handgemein unb rauften regelrecht. Die Stärkere warf ihre Gegnerin zu Boden und bearbeitete sie dann mit den Fäusten, um sie dann zerschunden und mit zerrissenen Kleidern ziehen zu lasten.
**DasGießenerKolofseurn, das am Samstag ff eine Räume zum erstenmal öffnete, hatte eine außerordent- üiche Anziehungskraft auf das Publikum ausgeübt, so daß, abgesehen von der Galerie, unser ehemaliger Theatersaal bis auf den letzten Pbatz besetzt war. Insbesondere war das Offizierskorps unseres Regiments, mit Oberst von Lmdenau an der Spitze, recht zahlreich vertreten. Auffallenderweise waren nur sehr wenige Damen anwesend, offenbar weil man die Ankündigung mit Mißtrauen auf- inafjm, das Programm solle stets so gehalten werden, Haß einem Familienbesuch des Etablissements nichts im !Wege stehe, und deshalb sich zunächst abwartend verhielt. «Nach dem allgemeinen Urteil der Besucher hat aber Direktor Rappmann dieses Versprechen wahr gemacht und in gleicher Werse das wertergehende, ein hervorragendes Programm Rieten zu wollen, das auch einer Großstadt nicht zur Unehre gereichen werde. Eröffnet wurde die Reiste der Darbietungen durch Vorträge der Kolosseumvlapclle, die unter Leitung des Kapellmeisters Rich. Hoppe in sog. fran- izöfischer Besetzung spielte und lebhaften Beifall fand. Dann ‘folgte ein auf die früheren Verhältnisse im Gase Leid in launigen Versen anspielender Prolog, den der Humorist, Herr Philipp Nicrel, sprach. Seine Vortragsweise ließ jubrigens erkennen, daß er jedenfalls als Humorist besser sein werde, wie als Deklamator und das hat sich bei feinem späteren Auftreten vollauf bestätigt. Nach dem Prolog lboten die Gesch w i ster Schweitzer, zlvet recht vorteil- ftzaste Erscheinungen ui Gebirgstracht, recht hübsche tchroler
Duette mit der dazu gehörigen Fodelei, die den zuhörenden Diriideln und Buaben offenbar recht 'gut gefielen. Tie Kunst," aus Lumpen Bilder zu machen, zeigte Mister Joppo, der mit verblüffender Schnelligkeit einige Landschaften und ein Käiserbildnis auf die Leinwand zauberte. Miß Irena und Max Maxwell erwiesen sich in einer recht nett ausgestatteten pantomistisch-elektrischen Szene „Im Salon" als sehr beachtenswerte Musikexzentriks, bei denen gerad-ezu alles zur Musik wurde, sogar die Tischlampe. Die Gesangskünstlerin, Fräulein Dolly Lank, die schon durch ihre vorteilhafte Erscheinung uiid geschmackvolle Kostümierung für sich einnahm, hat für eine Varietekünst- lerin eine ungewöhnlich hübsche und dabei ausgiebige Stimme und die Auswahl ihrer Lieder schien den (Ä- schmack des Publikums gut zu treffen. Stürme von Heiterkeit erregten dann The Seranos mit ihrem allerliebsten Miniaturtheater. Ihnen schloß sich Mister Bar go l d, ein einbeiniger Akrobat, an, der wohl als der Schlager des im ganzen recht hervorragenden Programms zu bezeichnen ist. Er zeigte sich als guter Reck- und Ringturner, der über eine außerordentliche Körperkraft verfügt. Seine Uebungeii würden auch einem hervorragenden Turner, der zwei Beine hat, alle Ehre machen. Mehr zur Dekoration diente seine Assistentin, Miß Angela. Ueber den Humoristen haben wir uns schon oben geäußert, er sang sich rasch in die Gunst des Publikums hinein und bot namentlich in I seinen politischen Anspielungen mehrere sehr gute Witze.
Täuschende Tierstimmen-Jmiiationen und einen großartigen Cake-Walk boten The Kaits, während zum Schluß Tye greatSylveros als komische Jongleure ihre mit großer Geistesgegenwart gepaarte Kunstfertigkeit zeigten. Der Gesamteindruck der Vorstellung war sehr gut, und es ist nur zu wünschen, daß Gießen und Umgegend dem neuen Unternehmen dauernd so viel Interesse entgegenbringt, daß es sich in gleicher Höhe halten kann, wie die Eröffnung sie bot.
** Seb enSrettung. Am Sonntag vormittag 10 Uhr fuhren fünf Mann auf einem Nachen auf der Lahn, die sehr angeschwollen ist. Sie fuhren beim Elektrizitätswerk gegen das Wehr, dabei kippte plötzlich der Nachen um und die Leute sielen in die Lahn. Drei retteten sich durch Schwimmen, die anderen gerieten unter den Kahn. In der Todesangst klammerten sie sich aneinander und gerieten in einen Strudel, so daß sie sicher ertrunken wären, wenn nicht zum Glück ein Arbeiter vom Elektrizitätswerk, der den Vorgang zufällig beobachtet hatte, herbeigeeilt wäre und die beiden in Lebensgefahr schwebenden in letzter Minute herausgezogen hätte. Der wackere Lebensretter ist der Arbeiter Schimmel aus Klein-Linden.
” Die Wieseck schiffbar? Es muß wohl so sein! Konnte man doch am schönen Sonntagmorgen von der Löber- straße aus beobachten, wie die Besatzung eines großen Ruderbootes in heißem Bemühen stromaufwärts machte. Es dürften Fremde gewesen sein, die von der Lahn aus in die Gewässer der Wieseck geraten waren. Oder sollten sie eine Entdeckungsreise nach den Quellen der Wieseck unternommen haben?
** Aus 1848. Ein Leser unseres Blattes richtet an den gesamten Freundeskreis des „Gieß. Anz." folgende Anfrage:
Welcher Gießener kann Auskunft geben über folgenden Ausspruch, der hier 1848 in einer Versammlung gefallen sein soll: „Meine Herren, das mit der Seeflott is gut, awwer, meine Herren, die Landflott, die L a n d f l o t t!"
** Der Turnverein Gießen, gegründet 1846, unternimmt am Himmetfahrtstage einen T u r n ga n g , der von Butzbach über Ziegenberg nach Ufingen geht (siche Inserat). Von Usingen ab, wo sich der dortige Turnverein anschließen wird, geht der Gang nach dem wunderschön gelegenen Ncuweilau. Es wird damit den Teilnehmern Gelegenheit geboten, ein herrliches Stückchen Land nn Taunus 311 durchwandern. Auch Nichlmitglieder, die sich anschließen wollen, sind willkommen.
X Klein-Linden, 5. Mai. Unter sehr zahlreicher Beteiligung fand heute durch die hiesige „Vereinigung für Volksbildung" eine Besichtigung des Gießener Museums im alten Schloß statt.
C. Lollar, 6. Mai. Bei reger Beteiligung fand am Samstag dem 4. ds. die Gemeinde rats wähl statt. Als gewählt gingen hervor: Fr. Back, Johs. Schupp, C. Gerlach, L. Hofmann V. und Ch. Ringleb. Die Einwohnerschaft kann mit dem Ergebnis zufrieden sein. Von 322 Wahlberechtigten machten 229 vom Stimmrecht Gebrauch.
□ Grünberg, 5. Mai. Der nunmehr bestimmt beschlossene Bahn bau Grünberg—Ettingshausen—Sich, zu dem gegenwärtig vom Eisenbahn-Baubureau die letzten Vermestungen und.Projektarbeiten stattsinden, macht sich bei der Bevölkerung bereits angenehm bemerkbar. Das frühere Braunkohlenbergwerk „Hessenbrücker Hammer" bei Münster ist unlängst in die Hände einer Frankfurter Firma übergegangen und diese will es jetzt, nachdem es fast zwanzig Jahre stillstand, wieder in Betrieb setzen und mit der Ab- teichung beginnen. Dies wird von der Bevölkerung der gesamten Umgegend freudig begrüßt, wird doch das Bergwerk in der induftnearmen Gegend zahlreichen Arbeitern und kleinen Landwirten lohnenden Verdienst bieten. Auch wird die Braunkohle wieder — wie früher — ein billiges und geschätztes Brennmaterial abgeben. Seither fanden Bohrungen am Buchenwäldchen in der Gemarkung Wetterfeld statt, morgen beginnen die Bohrungen am Judeichenwald in der Gemarkung Münster unweit der Staatsstraße Lich—Laubach. Nach den bisherigen Ergebnissen erscheint das neue Bergwerk gesichert.
X. Griedel, 4. Mai. Zur Plege der Hausgarten, zur Verschönerung des Ortes durch Pflanzen- und Blumenschmuck an Häusern und um die auffallende Zunahme an Schädlingen der Obstzucht wirksam zu bekämpfen, hat sich hier ein Verein gebildet, der sich „Gartenbau-, Blumenschmuck- und Vogelschutz-Verein" nennt. Der Verein will dem Schutze und einer geeigneten Pflege der nützlichen Vögel besondere Sorgfalt angedeihen taffen. Der Dienst, den dieser Verein allen Gemcindegliebern durch seine Tätigkeit leisten will, kann außer Pflege des Heimatsinnes auch für unsere Obstzucht sehr segensreich werden, zumal hier besonders viele Sorten feinen Tafelobstes gezogen werden, für die unsere Gemeinde in den Besitz mehrerer amtlicher Anerkennungs-Diplome gelangt ist.
O Bu tz ba ch, 3. ALai. Zm hiesigen Zeliengefängnis trafen dieser Tage wieder 45 Gefangene ans Darmstadt ein, die letzten werden am 1. August hier erwartet. Bis dahin soll der im Buu befindliche neue Zellenflügel, vollendet sein; er enthalt 125 Schlafzellen und acht große Arbeitssäle. Die Anstalt ist jetzt mit 500 Gefangenen belegt. Die Erweiterung der Anstalt hat auch die Vermehrung des Aufsichtspcrsonals zur Folge. Es werden deshalb jetzt vier neue Doppellvohnhäuser für Aufseher erbaut.
— B ad - Pauhc 1 m, 4. Mai.. In der abgelaufenen Woche- sind 6 36 Kurgäste angefionunen.. Die Gesamtfreqnenz bis
2. Mai beträgt 1903 Personen, wovon am genannten Tage noch 1340 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 2. Mai 17 177 abgegeben. Freiherr v. Maltzahn, General der Kavallerie und General-Adjutant des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, ist nebst Gemahlin zur Kür eiugetroffeu.
-m. Friedberg, 5. Mai. (Tel.) Ein Automobilunfall, der noch verhältnismäßig gut ablief, passierte gestern nachmittag vier Herren, die in einem Auto der hiesigen Automobilfabrik eine Ausfahrt nach Homburg gemacht hatten, auf der Rückfahrt. Die Steuerung versagte und das Automobil fuhr in den Straßengraben. Die Insassen wurden herausgcschleudert. Betriebsleiter Er m u s erlitt einen doppelten Armbruch, während die übrigen mit kleineren Verletzungen, Hautabschürfungen u. dgl. daoontamen.
cP Friedberg, 5. Mai. Unter großer Beteiligung wurde gestern Lehrer i. P. Using er beerdigt. Er hatte bis vor fünf Jahren in Fauerbach am Taunus gewirkt und erreich- das Alter von 80 Jahren; zahlreiche Lehrer sowie Bewohner von Fauerbach gaben ihm das letzte Geleite. — Im naI)UL Schwalheim wurde bei einem Streit der Gastwirt Hensel durch Messerstiche verletzt.
§ Ober-Widders heim, 3. Mai. Der S-teinoruch. besitzer Johs. Nickel von Gießen kaufte den Steinbruck) der Firma E. Reuter u. Co., die in Liquidation getreten ist, für 50 000 Mk. Der Bruch liegt neben Herrn Nickels Steinbruch in der Gemarkung Ober-Widdersheim.
+ Rauschenberg, 3. Mai. Am 30. April nahm Sanitätsrat Dr. Rehm hier die 1000. Entbindung vor.
X Altenberg bei Wetzlar, 6. Mai. Prinz Friedrich zu Solms-BraunfelS besichtigte kürzlich mit seiner Gemahlin unser im Jahre 1180 vom Priester Gottfried gegründetes adeliges Prämostratenser Nonnenkloster. In Begleitung befanden sich Negierungspräsident von Hövel- Coblenz, Regierimgs- und Baurat Thielen, Landrat Dr. Sartorius, Pfarrer Allmenröder-Oberdiel imb der fürstliche Baumeister Seiler. Letzterer erklärte die von ihm vor kurzem entdeckten hochinteressanten Wandmalereien über die anfängliche Gestaltung unseres Klosters. Es besteht die Absicht, im Laufe dieses Jahres die neuerdings aufgefundenen Malereien völlig freizulegen und das aus dem 13. Jahrhundert stammende, Altertumsfreunde fesselnde Herren- Refektorium zu erneuern. In der interessanten Klosterkirche (Baujahr 1267) befinden sich der gotische Sarkophag, der die lebensgroße Sandsteinfigur der Erbauerin, Gertrudls, in betender Haltung trägt, und zahlreiche Statuen von Angehörigen des Solmser Hauses, das hier seine Familiengruft hat.
= Braun fels, 3. Mai. Eine längst als nötig befundene Einrichtung soll jetzt auf der Kopfstation der Ernst-Bahn getroffen werden: der Bahnsteig erhält eine Ueberdachung, was sicherlich von den vielen hier verkehrenden Touristen usw. mit Freuden begrüßt wird. Trotz der großen Steigungen und Windungen, die diese Kleinbahn zu nehmen hat, sind Unglücksfälle irgendwelcher Art bis Mt noch nicht vorgekommen.
II Biedenkopf, 3. Mai. Der Kreistag des Kreises Biedenkopf genehmigte die Erhebung einer einmaligen Abgabe bei der Erteilung von Wirtschaftskonzessionen. Der Etat für 1907 wurde in Annahme und Ausgabe auf 190 894,64 Mk. festgesetzt. — In der Pfingstwoche hält Turninspektor Weidenbusch aus Frankfurt einen etwa 6 Tage dauernden Turn- und Spielkursus für etwa 30 Lehrer unseres Kreises ab.
-j- Biedenkopf, 5. Mai. Nach dem Jahresbericht der Hinterländer Viehversicherung erreicht der Versicherungsbestand im letzten Jahre die Höhe von 4 073 490 Mk. Zur Entschädigung kamen 447 Fälle mit 65 388,18 Mk. und zwar verteilen sich diese auf folgende Kreise: Biedenkopf in 71 Orten 38 359,80 Mk., Marburg in 45 Orten 18 014,10 Mk., Brilon in einem Ort 1936 Mk., Kirchhain in drei Orten 3060 Mk., Frankenberg in einem Ort 1540 Mk., Wittgenstein in einem Ort 1036 All.,'Wetzlar in zwei Orten 1672 Mk., Dillkreis in drei Orten 588,50 Mk.
h. B a d O r b a M., 3. Mai. Wie die ,M. Pr-" meldet, wurde vom Schöffengericht heute der ZentrumsabU. Müller-Fulda wegen Uebertretung der § 1 und 12 des Vereinsgesetzes vom 11. März 1850 zu einer Geldstrafe von 15 Mark verurteilt. Müller hatte am Morgen des Stichwahltages (5. Februar) in Wirtsheim, Kreis Gelnhausen, die Stichwahlparole ausgegeben, daß das Zentrum kein Interesse daran habe, daß der Nationalliberale gewähtt werde. Die Versammln.ig hatte nach Ansicht des Gerichts den Charatter einer solchen, in welcher politische Angelegenheiten erörtert wurden, unb die deswegen der Anmeldung bedurft hätte.
— Frankfurt a. M., 3. Mai. Im Zirkus Albert Schumann hat jederzeit das Pferd und seine Dressur den Hauptplatz int Programm eingenommen, Direktor Albert Schumann lebt nur für seinen Alarstall, stundenlang währen die täglichen Proben, denen häufig Offiziere und Sportsmen, sowie Damen beiwohnen. Das Resultat dieser emsigen Arbeit ist erstaunlich, denn das Reper'.oir des berühmten Aleisterdresseurs ist unerschöpi- lich. Neneidings reitet Albert Schumann täglich mehrere Schul- pserde unb führt gewöhnlich seine phänomenalen Bierbrauerpferde oder seine Ungar-Nummer, bestehend aus Schimmeln und Rappen vor. Als da Capos präsentiert der geniale Direktor seinen berühmten Bacsoi, der die hohen Barrieren im Fluge nimmt oder eins der zahlreichen Springpserde seines Alarstalles. Auch die intelligenten Polopferde gelangen fast täglich zur Vorführung. Neben ihm tritt in jeder Vorstellung eine kleine Armee von Reukünstlern auf; die ersten Namen der artistischen Künstlerwelt zieren gegenwärtig das Programm des so beliebten Zirkus. Den Schluß bildet stets die sarbenprächlige Pantomime mit den prachtvollen Auszügen und dem feenhaften Licht und technischen Effekten.
Gießener Strafkammer.
Gießen, den 3. Mai.
Eine unterlaffene Abmeldung.
Gegen den Stabsarzt a. D. Dr. M. S. ans Berlin, der tm vorigen Sommer als praktischer Arzt in Bad-Nauheim tätig war, erging wegen nicb£ rechtzeitiger Abmeldung eines Kurgast es ein Strafbefehl über 2 Märck. Er wehrte sich gegen die Bestrafung, indem er auMhrte, daß nach beu jetzig gültigen Bestimmungen eine rechtzeitige Meldung während der Saison ungemein schwierig ist, weshalb auch eine Aenderung dieser Bestimmungen in Aussicht genommen sei; die verspätete Abmeldung ist auch die einzige von über 100 von ihm gemachten Vkeldungen. Weiter hat er die Rechtsgültig- keck der in Betracht tommenden Verordnung besteckten unb dem Kreisamt Friedberg, das sic erlassen hatte, die Befugnis abgesprochen, solche Bestimmungen zu treffen. Nach seiner Ansicht kann niemand unter Strafe gestellt werden, der von ihm beherbergte Kurgäste nicht bei der Kurfvemdenliste an- oder ab» meldet, da diese Meldungen lediglich znr Führung der Kurliste dienen und mit der polizeilichen Regelung des Meldewesens nichts zu tun haben. Auch bei Annahme der Rechtsgültigkeck d^r,Verordnung fei er nicht strafbar, da die Meldeordnung nur das Unterlassen der Attldung unter Strafe stelle, nicht aber auch die verspätete Meldung, die. in? vorliegenden Fall erfolgt ist.
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