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Redaktion Expedttion and Druckerei r Schnl- stratze 7. Expedittoa und vertag! eSH* Redaktion:«^ 112. TeL-Ada: Ln»ttg««leßeri.
Montag 6. Mai 190?
Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UnwerfttätS - Buch- und Steindruckeret.
9t Laag«, Gießen.
Die „Gießener ZamNienbliMer" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, dar „Lreirblatt für de« Krds Slehev" zweimal wöchentlich. Der ^hefststhe Landwirt" erscheint monatlich einmal.
— Die Vertagung, Schließung und Auflösung des Reichstags in ihren rechtlichen Voraussetzungen und Wirkungen von Tr. jur. W. Kieschke. (Berlin, Puttkammer u. Mühlbrecht. 1907. Preis Mk. 1.20.) Der Verfasser bespricht die Voraussetzungen, unter denen der Kaiser eine Einstellung der Tätigkeit des Reichstags aiiorduen darf, und die Wirkungen, die sich an eine derartige Maßnahme nach deutschem Staatsrecht knüpfen. Es wird dabei eine Menge streitiger Fragen berührt, die in jeder Legislaturperiode und jeder Session eines Parlaments austauchen können, z. B. die Frage der Diskontinuität der Sessionen, der Privilegien der Abgeordneten, ferner die Frage, ob die Kommissionen während einer Vertagung und Schließung des Hauses weiter tätig sein dürfen. . _ „
Berlin, 5. Mai. Zwei koloniale Ergan- -nnas-Etats sind dem Reichstage zugegangen. Danach soll bi£ Schutztruppe vom L Oktober 1907 ab rund 4000 Mann betragen, außerdem soll die Polizeitruppe um zirka 1000 Mann verstärkt werden, darunter 260 farbige Wagenleute und Polizisten.
Ausland.
London, 5. Mai. Der Daily Ehronicle meldet ans Geui daß während der Eisenoahnreise des soeben hierher zurückgckichrter Königs Eduard ein Attentat auf sein Leben versucht worden sei. Kürz bevor der Königliche Sonderzug sich dem ©im* plontunuel näherte, entdeckte man, daß die Räder eines Wagens zu heiß geworden waren, sodaß Gefahr Vortag. Dieser Waggon wurde abgekuppelt und aus ein Nebengeleise gebracht, vier jano man, daß die Schmierbüchse von den Rädern entfernt worden war. Außerdem machte man die Entdeckung, daß die Riegel, S ch l i e ß n ä g e l und 'A ch s n ä g e l dieses Wagens ebenfalls entfernt worden waren. Die Eisenbahnleute, die den Waggon untersuchten, gelangten zu der Ueberzeugung, daß der Wagen noch vor Ankunft m Vallorbe zusammengestürzr wäre, falls die Entdeckung nicht rechtzeitig gemacht worden wäre. Mau vermutet, daß anarchistischeEiienbahnangestellte chre Hand int Spiele Hanen. (Italienische Blätter entschuldigen das Soriomm* nis mit der übergroßen Fahrgeschwindigkeit und dem Nichtfunk- tionieren der automatischen Kühlvorrichtung.)
— Kriegsminister Haibaue erklärte, das britische Heer könne nicht mit dem deutschen mit seiner ausgedehnten Grenzverteidigung verglichen werden. Tie Mimmattoslen des deutschen Heeres, aus der gleichen Basis wie die des bitt., würden 4ßi/2 Millionen Pfund Sterling betragen. Tie Kosten der deut sch en Flotte wüchsen immer mehr, an. Es wäre schwer, zu begreifen, wie irgend eine andere Nation die Lasten der Kriegsausrüstung nach deins deutschen Maß st abeertagenkönn le. Tas briti.che Heer' wäre zu tletn, aber berufsmäßig ausgebüdet, und keine e u r o p. Bataillone könnten gegen Die besten britischen Bataillon e auftreten.
— Das Reuter-Bureau meldet aus Washington: Em neuer Attentatsversuch ist gegen den Präsidenten von Guatemala, E. Cabrera, unternommen worden. Ter Gesandte von Guatemala in Washington erhiell die telegraphische Mitteilung von dem Minister des Aeußeren, Barrios, daß am 3. Mai vor der Front der Kaserne der Leibgarde, welche 180 Fuß von dem' Präfidenlschaftsgebäude entfernt ist, eine umfangreiche Mine entdeckt wurde. , .
Lodz, 4. Mai. Tie Zwistigkeiten zwischen den hies. Arbeitern dauern noch au. Bei den Zusammenstößen gestern wurden wieder 5 Personen getötet. Auch in Sosnowice bekämpfen sich die in verschiedene Parteien gespaltenen Arbeiter. Gestern wurden dorr sechs Personen verwundet.
Earro, 5. Mai. 2000 Personen wohnten gestern der Ferer bei, die aus Anlaß der Abreise des Vizekönigs Lord Cromer veranstaltet war. Lord Cromer hielt eine Ansprache, in der er erklärte, daß die britische Besetzung Egyptens auf unbestimmte Zeit fortbestehen werde. Er schloß: „Ta ich glücklich genug gewesen bin an dem Abschluß des großen Werkes teilzunehmen, so gestatten Sie mir zu sagen: VerzichtenSienie- m als a'uf bie französische Allianz."
T a n g c r, 5. Mai. Emer unverbürgten Nachricht aus D-oga- dor zufolge soll Muley Hasiz zum Sultan aus gerufen worden sein. Am 2. Mai sind 300 Mann nach Casablanca abgegangen, um die Ruhe und Ordnung in der Umgebung der Stadt wiederherzustellen. a
Mexiko, 5. Mai. Guatemala hat das Verlangen Mexikos nach Auslieferung des der Mitschuld an der Ermordung des ehemaligen guaremalanischen Präsidenten B a r i l l a s bezichtigten GeneralsJoseLimaabgelehnt. Das Kabinett , hat beschlossen, die Beziehungen zu Guatemala unver-» züglich abzubrechen. . ______________'
Die Abstimmung ergab aber fchltetztich Die Ablehnung des Antrages Ablaß. Bei dem Etat für das ostafrikanische Schutzgebiet besagte der Abg. v. Lieber! die Last des Sanfivarvertrages, leider mußte der Kolonialdirektor aber diese Last für zu schwer erklären. Nach einer temperamentvollen Rede des freisinnigen Rektors Sommer, der dem System Dernburg fein Vertrauen ausdrückte, kam der Etat für Kamerun an die Reihe, zu dem Bebel sofort das Wort ergriff, um nochmals auf den Fall Dominik zurückzutommen und seine Beschuldigungen gegen diesen Offizier zum Teil aufrecht zu erhalten. Kolo- nialdirektor Dernburg antwortet und widerlegt Bebels Angriffe Sck)lag auf Schlag, hinter chm stcht die Hünen- aestalt des Oberstleutnants Quade, auf dessen Gesicht Helle Freude strahlt über die Abfuhr, die Bebel zuteil wird. Neben Quade steht der so schwer angegriffene Hauptmann Dominik.
Als zweiter Sozialdemokrat ergreift der unvermetd- liche Herr Ledebour das Wort. Er beschäftigt sich mit dem Fall Puttkamer. Nach kurzer Zeit muß der zweite Vizepräsident Kämpf dem aufgeregten Herrn den drit- tenOrdnungsruf erteilen. Ein Appell an das Haus, ob Ledebour trotz der drei Ordnungsrufe weitersprechen darf, wird vom „Antiblock" b e j a h t. Das ist eigentlich ein Mißtrauensvotum für das Präsidium. Die Situation wird kritisch. Inzwischen phantasiert Ledebour weiter und der Präsident verliest, nachdem Ledebour endlich geendet hat, einen Vertagungsantrag. Bevor aber das Haus darüber entseyetden kann, springt der Führer der fteis. Parteien, Dr. Wiemer auf die Tribüne und zweifelt die Beschlußfähigkeit des Hauses an, um, wie er ausdrücklich hervorhebt, den „Mehrheitsbeschluß", welcher .den Abg. Ledebour weiter zu reden gestatte, zu charakterisieren. Damit ist die Situation für den Präsidenten ge- rettet und die Sitzung beendet, und langsam „leert" sich das eigentlich schon völlig ausgestorbene Haus, während !man in e inzelnen Gruppen den Fall Ledebour eifrig dis- .buttert.
Wg. Kämpf erklärte in der nach Sitzungsschluß an- beraumten Sitzung der freisinnigen Fraktionen: obgleich er fein Verhalten für völlig geschästsordnungsmäßig erachte, halte er es für angezeigt, sein Amt niederzulegen, da er sich mit der zeitweilig vorhandenen Mehrheit nicht in Uebereinstimmung befunden habe. Die Frak- tionsmitglieder stimmten dem einstimmig zu. Kämpf hat hiervon offiziell dem Reichstagspräsidium Kenntnis gegeben.
lleber die Gründe seines Rücktritts hat Abg. Kämpf sich
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Mai. Heber die Wirkung der Bülowrcde über die Stälung Deutschlands zu bestimmten internationalen Fragen schreibt die „Nordd. Mlg. Ztg.": „Wir stehen nicht an, anMerkennen, daß auch die e n g l i s ch e P r e s s c im großen ganzen sich mit der unabänderlichen Entschließung der deutschen Staatskunst in loyaler Weise abgefunden hat. Sollte dennoch irgendwo wiederum die Unterstellung kriegerischer Tendenzen auftauchen, so sind wir dagegen durch die Erkenntnis gewappnet, daß solche Verdächtigungen nur dann dauernd verstummen würden, wenn Deutschland wieder zum geographischen Begriff herabgedrückt werden könnte." — Den Vorwurf, die deutsche Regierung fördere die gegen England, gerichteten Preßkundgebungen, weist das offiziöse Blatt zurück, indem es schreibt: „Von der festen Basis aus, von der die Geschicke unseres Volkes ruhig und nüchtern geleitet werden, braucht die deutsche Politik keine Mittel anzuwenden, deren Vorteile sehr zweifelhaft wären, deren nachteilige Wirkungen sich aber mit großer Sicherheit in zwecklosen Verstimmungen und gereizten Auseinandersetzungen vorausberechnen lassen. Die jüngsten Erklärungen deS Reichskanzlers haben doch wohl mit bündiger Deutlichkeit bargetan, daß bei uns die Offenheit immer noch als beste Waffe in Geltung steht."
— Zum Berliner Besuche be* österreichisch-ungarischen Ministers des Aeußern, Frhr. v. Aehrenthal, schreibt Die „ykordd. Mlg. Zig.": „Mit Recht konnte ein Budapester Organ daS Verhältnis zwischen den beiden verbündeten Kaisermächtm als ein solches von beispielloser Intimität bezeichnen. Weder für die Regierungen noch auch für die Völker diesseits und jenseits der schwarzgelben Grenzpsähle bedurfte es einer neuen feierlichen Beglaubigung des unveränderten Fortbestandes beä bewährten Bundesverhältnisses. Gleichwohl ist seine abermalige Bekräftigung vor der Welt als erfreuliche Begleitern scheimmg der Berliner Reise deS Frbrn. v. Aehrenthal zu be-> grüßen. Haben die Völker Deutschlands und Lesterreich-Ungams! allen Grund, mit Befriedigung auf deu Verlauf der vom Frei- Herm v. Aehrenthal in unserer Mitte verlebten Tage zurückzublicken, so liegt anderseits für keine andere Nation ein Anlaß vor, Empfindungen irgend welcher Beunruhigung Raum zu
Karlametttarisches.
Berlin, 4. Mai. Dem Reichstage ist heute das neue deutsch-amerikan. Handelsabkommen nebst einer Denkschrift zugegangen, in der über Entstehungsgeschichte und Inhalt des Vertrages Bericht erstattet, wird. Daraus ist heroorzuheben, daß man bei den im Herbst o. I. mit der amerik. Tarifkommisston gepflogenen Verhandlungen in erster Linie einen umfassenden Tarifvertrag im "Auge gehabt und die Einzelheiten eines solchen besprochen hat. Es hat sich indessen herausgestellt, daß die Zeit hierfür gegenwärtig noch nicht gekommen ist und es mußte daher ein Weg gesucht werden, wie zunächst eine Regelung nach dem 30. Juni erfolgen könnte.
geben.
— Im Reichstagsgebaude fand ein geselliges Beisammensein zur Feier des 40jährigen Bestehens der Reichspartei und der freikonservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses statt, v. Kardorsf legte den Entwicklungsgang der Partei und ihre Tätigkeit in der Gesetzgebung sür Preußen und das Reich bar. Die Hauptaufgabe in Preußen sei ber Ausbau bes Volksschul- wesens. Auf Veranlassung ber Partei sei bic Selbstverwaltung in Preußen burch bie Einführung ber Kreisordnung von 1873 eingefühi^ worden. Im Reichstage habe bie Partei dem Zolltarif von 1879 und 1902 bie Majorität verschafft. Gemäßigte Konservative unb gemäßigte Liberale müßten eine Parlamentsmehrheit schaffen, der bie Ministerien nicht mehr ausweichm tonnen. Die Hauptaufgaben im Reiche seien die Weiterent-' Wicklung der sozialen Gesetzgebung unter Wahrung berechtigter Interessen der Arbeitgeber. Notwendig sei bic agrarische Ge setzgebung, um der Entvölkerung bes platten Landes enlgegenzuwirken, bie eine Gefahr für bas Vaterlanb geworben sei. Ein Parteiverdienst sei die Schaffung der Anfiedlungskommission. Die Partei werbe auch künftighin bie Sonberinteressen bem allgemeinen Wohl unterordnen uub das Vaterland über die Partei stellen.
München, 5. Mai. Die hohen, mit den bedeutend g esunkenen Viehpreisen nicht mehr in Einklang stehenden Aleischprcise haben das Ministerium des Innern veranlaßt, die Kreisregierungen aufzufordern, dieser Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Vor allem soll die Art unb Weise der Preisnotierungen in ben Vieh- und Schlachthöfen zeitweilig durch Sachverständige genau untersucht und jedem Versuche, eine nur auf Ausnahmskäufe gegründete Preisnotierung als maßgebend zu bezeichnen, entschieden entgegengetreten werden. Ebenso soll darüber gewacht werden, daß in den Der kaufslokalen der Metzger das Fleisch auch tatsächlich zu dem Preise abgegeben wird, der auf den Anschlagtafeln verzeichnet ist. Den Stadt- magistraten soll in Erinnerung gebracht werden, daß es ihre Sache ist, sich um die Gestaltung der Vieh- und Fleischpreiw fortgesetzt zu kümmern und mit Nachdruck dahin zu streben, daß diese in Einklang gebracht werden. Zu diesem Zwecke Ht eine fortgesetzte Veröffentlichung der wirklich gezahlten Preise für Vieh und Fleisch dienlich. In Erwägung soll noch gezogen werden, die Landwirte zum unmittelbaren Verkauf von Fleisch in den Städten durch Zusammenschluß unter Hinweis auf ine bestehende Frachtermäßigung für Fleisch zu veranlassen.
Aus dem Reichstag.
Kampf legt fein Amt als Vizepräsident nieder.
H. Berlin, den 4. Mai.
Seit vor Jahresfrist Zentrum und Sozialdemokratie das selbständige Kolonialamt zu Fall brachten, ist ber Kolonialetat das enfani terrible geblieben, bei dem die Gemüter am l)eftigsten zusammenplatzen. So geschah's auch wieder mal heute. Zuerst tauchte der Plan einer Kolo- mialakademie in Hamburg meteorartig in der Debatte auf. Man behauptet, daß für die Ausbildung eines brauchbaren Kolonialbeamtennachwuchses eine solche Akademie nötig, wie ein Stück Brot sei und man stellle fest, daß Hamburg die Mittel für ein derartiges Institut zur Verfügung ständen, wenn es die vier Millionen, die eigentlich als für die Gründung einer Universität miAesehen wurden, für eine Kolonialhochschule freimacyre. Die Verhandlung über die Beitraaskosten zu den Kolonialschulen in 'Witzenhausen und Hünfeld rollte nochmals die in der Kommifsion bereits erörterten „Unregelmäßigkeiten" auf. Die Regierung hat vier Jahre lang für eine Kolonialsckmle in Hünfeld Beiträge gezahlt. Dabei exstrert doch gar keine Kolonialfchule. Die nach Hünfeld gerichteten Beiträge wurden vielmehr nach Engelport in der Mofel- geaend weiter geleitet. Und Engelport wurde von einer Reihe von Rednern eine katholische Missionsanstelt, nicht aber eine Kolonialschule genannt In jedem Falle liegt hier ein wenig erfreuliches Kapitel unserer staatlichen Kontrolle vor. Die Debatte führte zum Teil zu recht lebhaften Auseinandersetzungen über den Wert oder die Schädlichkeit konfessioneller Missionen, und bei der Abstimmimg über den Antrag Ablaß, welcher die Ablehnung der für Hünfeld geforderten Beihilfe wünscht, kam es zu recht lebhaften Szenen. Namentlich während der zentrumsfeindlichen Rede des Abg. St o rz war das Zentrum in eine große Erregung geraten, die sich in Pfuirufen Luft gemacht hatte.
— Das Abgeordnetenhaus nahm heute ui dritter Lesung die Lehrer-Pensionsgesetze, das Ge- setz betreffend Aenderung des Einkommensteuer- gesetzes und das Gesetz betreffend Abänderung des Ko mmunal-Abgaben-Gesetzes an und erledigte dann die Sekundärbahn-Borlage in zweiter und dritter Lesung.
— Das Herrenhaus nahm heute den Gesetzentwurf einer Wegeordnung für die Provinz Posen nach dem Kom- missionsbeschlusse an, bis auf einen Paragraphen, der an die Kommission zurückging.
— In der Finanzkommission des Herrenhauses kündigte Finanzminister Frech. v. Rheinbaben eine nennenswerte Erhöhung derEinkommensteuerfür das nächste Jahr an, da die Kosten sür das Volksschul- Unterhaltungsgesetz, Die Ausbesserung der Beamtengehälter und die Regelung für die Lehrer-Be» soldung sowie der Gehälter der Geistlichen aus den laufenden Mitteln nicht zu decken seien.
TLricyc uitO »ebuk.
— Krü ger, Dr. Gustav, Professor in Gießen, DasPavft - tum. Seine Idee und ihre Träger. Mk. 1 — (Rcligionsgeschickstlicye Volksoücher. IV. Reihe. 3.. 4. Heft.) Verlag von I. C. B. Mohr >Paul Sicbeck)^in Tübingen. — Alle Beschränkung auf bas Tyerna unb alle Sichtung des Materials hätte cs noch nicht möglich gemacht, eine wirkliche Gew) ich a des Papsttums in den Rahmen e'.nes Religionsgeschichtlichcn Boll-->- buches — auch eines Doppelheftes — darzustellcn, wenn nicht ein Künstler seine Kraft an dies Werk gesetzt hätte, ein Stünfrler, bem cs gegeben ist, mit wenigen Worten mehr zu sagen, als lange Auszählungen unb Beschreibungen zu jagen_ vermögen. Krügers Werk ist ein Gefüge aus einem Guß. Hier ist keine Anhäufung von Einzelheiten, sonbern bie Fülle des Details wirb georbnct burch bie Einheit bes künstlerischen SlilS. Aber freilich vorerst muß ber strenge Historiker ben Stoff auf bas gewchen- haftestc vrbnen unb ausfonbern. Es gilt sür Krüger nicht eine Geschichte aller 260 Päpste zu geben, sonbern eine Geschichte bei Papsttums; aber Krüger mcioet auch Den emgegengesetzten Fehler; er ist weit bavon entfernt, etwa eine spekulative Geschichtskon- srruktion von Der JDee Des Papsttums unD ihrer Entwicklung vorzutragen. Sein ganzes Interesse haftet an Der geschichtlichen Wirklichkeit. Darum: inbem er Die JDee Dcs Papsttums unD ihre Geschichte darstcllt, schilDert er ihre großen unb charakteristischcn Träger in plastischen lcbensfrijchen Silberil Weber eine Geschichte bes Katholizismus — noch eine Geschichte bei KirchenUaats barf man bei ihm suchen. Denn der Papst ist nicht der Kolhlizismus, und nicht sür bic Geschichte bes Papsttums sind andere Dmge wichtiger als der Kirchenstaat. — Indem Krüger zu einem rein historischen Verstäiidnis der Idee des Papsttums und seiner Träger anicitet, hebt er seine Darstellung unvergleichlich weit über das Niveau ber gewöhnlichen polemischen.GejchiHtsklittiwung. Will man bei ihm suchen. Denn ber Papst ist nicht ber Katholizismus, wenn man unter Polemik bie geistige Auseinandersetzung streitender Ideen auf dem Boden der Geschichte überhaupt verstehen will.
wie folgt ausgesprochen:
, Die nachmalige Feststellung, daß daS Haus nicht beschlußfähig sei, konnte für meinen Entschluß zurückzutreten, Nicht maßgebend sein. Denn eS war ja nicht ftstgestellt, ob das Haus nicht in dem Augenblick beschlußfähig gewesen war, als ich an das Parlament die Frage richtete, , ob dem Abgeordneten Ledebour das Wort genommen werden sollte. Ein Prä>ident, der nicht die Mel)rheit hinter sich hat, ist ein Nonsens, Aus dieser einfachen Sachlage habe ich die notwendige Konsequenz gezogen. Andererseits bin ich bereit, mein Amt wieder zu übernehmen, wenn die Mehrheit emeS beschlumähigen Hauses mir ihr Vertrauen durch eine Neuwahl abermals bezeigt. Mit meinen Fraktionsgenossen habe ich auch bereits in diesem Sinne Rücksprache genommen. Besonders der Vorwurf des Abg. Ledebour, daß "ihm so etwas unter einem lioerakn Hckisidenten geschehen tonne, war es) den ich nicht glaubte hingehen lassen zu dürfen."
Die Neuwahl des zweiten Vizepräsidenten dürfte Dienstag erfolgen.
Aer Kulser m Schlitz.
(P.) Schlitz, 5. Mai.
Wohl selten haben die Bewohner unseres Städtchens, das schlechte Wetter mehr bedauert als wie gerade gestern, wo man unsern Kaiser wieder erwartete. Trotz des strömenden Regens hatten sich doch wieder viele Fremde em- gefunden, die in Gemeinschaft mit den Schulen und den verschiedenen Vereinen vom Bahnhöfe aus fpalierbildend die Ankunft des Kaiferzuges erwarteten. Tie Absperrung an den verschiedenen Skraßenübergängen wurde wie immer durch die uniformierte Feuerwehr besorgt. Pünktlich um 2.42 Uhr lief der Hoszug, der aus fünf Wagen mit zwei Maschinen bestand, langsam in den Bahnhof ein. Der Kaiser, am Fenster des mittleren Wagens stehend, grüßte schon im Zuge ständig die jauchzende, tücherschwenkende Menge. Zum Empfang am Bahnhofe waren anwe^nd: der Graf von Görtz, Tein Sohn Wilhelm, Leutnant im 23. Tragonerregimenl (Pate des Kaisers), ferner der Bürgermeister der Stadt Schlitz, Iinfer, und der Chef der Hofhaltung, Baron von Egloffstein. Der Kaiser, der in Jägertracht war und sehr gut und wohl aussah, entstieg rasch bem Zuge, begrüßte die Herren auf herzlichste Weife und begab sich durch das Fürstenzimmer in den bereitftehenden offenen Wagen. In nicht sehr raschem Tempo ging bie Fahrt durch die prachtvoll geschmückte Bahnhofstraße nach dem Schlöffe. Der Kaiser wurde überall mit brausendem
Nr. 105 Zweites Blatt 157. Jahrgang
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General-Anzeiger für Gberheffen
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