Ausgabe 
5.2.1907 Zweites Blatt
 
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noch lange nicht nnd wird es vorläufig auch schwerlich kommen, vielmehr dürfte hierbei wohl der Wunsch der Later des Gedankens gewesen sein und auch trübe Börsenspekulationen sind wohl mit im Spiele. Fraglos würde man allerdings an der Themse schwere Differenzen zwischen Japan und Amerika durchaus nicht ungern sehen, weil auch England, wie der Zwischenfall von Kingston zur Genüge gezeigt hat, dem Vordringen Amerikas auf wirtschaft­lichem und politischem Gebiete scheelen Auges und besorgten Herzens zusiehr. Darum hetzt man in London ein bißchen in der stillen Hoffnung, dabei im Trüben fischen zu können. , Im Ernst­fälle dürfte wohl die Union den kürzeren ziehen, denn die amerikan. Kriegsflotte steht der japanischen an Stärke und Tüchtigkeit be­deutend nach und die Landarmee kann einen Vergleich im ent­ferntesten nicht aushaltcn. Vorläufig ist an ein Messen der beiderseitigen Kricgskräfte, wie gesagt, nicht zu denken, aber cs steht doch äusser Zweifel, daß mit dem Friebensschluß zwischen Japan und Rußland in der ostasiatischen Frage no chlange nicht das letzte Wort gesprochen ist und daß das Vordringen Japans schließ­lich doch einmal zu einer neuen großen Abrechnung im fernen Osten führen muß.

W. T. B. meldet aus Tokio, 4. Februar:

Die Bedeutung, welche die amerikanische Presse der japanischen Frage in Kalifornien beimißt, erregt hier Erstaunen und Bedauern. Tie führenden Staatsmänner erklären, daß die Vereinigten Staaten das letzte Land wären, mit welchem sich Japan in einen Kampf einlassen würde.

Ob man dieser offiziösen Tokioter Meldung trauen darf, wird die Zeit lehren.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Febr. Der Kaiser stattete heute dem Reichskanzler einen Besuch ab nnd hörte int königl. Schloß den Vortrag deS Stellvertreters bcS Chefs des Zivil- kabinettS Geh. NatS von Eifenhardt-Nothe.

Ter frühere Präsident des NeichS-VersicherunasamtS, Wirkl. Geh. Oberregierunqsrat Dr. Boe dicker, ist heute früh gestorbcn. Tonio Beodicker wurde 1843 in Haselünne (Hannover) fieberen. 1871 wurde er Hülfsarbeiter nn Ministerium deS Innern, 1884 Präsident deS neueieichaffenen NeichsversicherungSamtes, 1897 nahm er wegen MeinunfiS- Verschiedenheit mit dem Staatssekretär v. Bötticher seinen 9lb- schied aus den Neichsdienst und trat als Generaldirektor in die Firma Siemens u. Halske ein.

Der Geh. NegierunfiSrat Dr. Hinfier, Mitglied deS HauseS der Abgeordneten, wohnhaft zu Elberfeld, ist in den erblichen Adelsstand erhoben worden.

Nach einer Meldung der .Brest, ßtfi/ dürfte Fürst Hatzfeldt, Abgeordneter für Breslau-Ost, der Präsident des neuen NeichStageS werden.

Das Abgeordnetenhaus beginnt am 7. Februar die zweite Beratung des Etats, und zwar wird mit dem ,Landwirtschaftsetat begonnen.

l r- Tie Vörsennovclle ist heute beim Reichstage ein­gegangen.

' Frankfurt a. M., 5. Febr. Dernburg erwiderte aus .eine an ihn gerichtete Frage, ob er Gebiete in Deutsch-Ost­afrika gegen die Walfischbai eintauschen wolle:D a s fällt mir gar nicht ein, meine Herren. Wasdenken 'Sie denn von mir?"

j Wie dieFrkf. Ztg." aus sicherer Quelle erfährt, hat der Hauptvorstand des Deutschen Buchdruckerverbandes 'ben Beschluß der Bezirksversammlung in Frankfurt, 250 Mk. als Beitrag zu den Kosten der sozialdemokratisch enWa li­ck e n zu bewilligen, für statutenwidrig erklärt und den Vor­stand für die Wiedererstattung des Geldes verantwortlich gemacht.

G n e s e n , 4. Febr. Den beiden hies. Regimentern wurde durch ^Garnisonbefehl der Besuch des Hotels de l'Europe, -das kürzlich in den Besitz einer polnischen Genossenschaft Überging, verboten.

R n d o l st a d t, 4. Febr. Der Anfang dieses Winters hier 'gegründete sozialdem. Wahlverein wurde vom Landrat auf Grund des Artikels 2 des Vcreinsgesctzes vom 23. Dezember , 1898 verboten.

Stuttgart, 4. Februar. DerStaatsanz." teilt mit, daß der König in Sachen der Verfolgung von MajestätSbelei- di gungen an das Ministerium einen Erlaß gerichtet hat, daß von der dem Justizministerium schon seit längerer Zeit zustehenden Berechtigung der Niederschlagung eines wegen Majestäts­beleidigung schwebenden Strasversahrens ein weitgehender Gebrauch dann gemacht werden soll, wenn die Straftaten mehr den Charakter einer nicht überlegten Ungebühr als eines aus schlimmer Absicht entsprungenen Angriffes an sich tragen.

' Bamberg, 4. Febr. In einer Erklärung an die kathol. Geistlichkeit führt der Erzbischof aus, er erachte es bei der bekannten Stellung, welche die Sozialdemokratie grundsätzlich zu dem Staat, der Kirche und der Religion einnehme, für ausge­schlossen, daß ein überzeugter Katholik, geschweige denn ein katholischer Priester, durch die Abgabe seiner Stimme die Sozialdemokratie direkt un ter st Ütze und fördere.

IColonialpoft»

Mit einem Kongodampfer in Antwerpen eingefroffene Berichte melden, daß in Deutsch-Kamerun zwei Offi- ziere ermordet morden seien. Im französischen Kongo sei die Lage zurzeit befriedigend; int belgischen Kongo bauere der Aufstand immer noch fort. Im Süden sind .Schwierigkeiten entstanden mit portugiesischen Händlern, welche fortfahren, Sklavenhandel zu treiben. Tie Eisenbahn- arbeiten zu den großen Seen sind bis zu 27 Kilometer vorgeschritten.

Ausland.

London, 4. Febr. DerDaily Telegraph" meldet aus New bork, daß bie 8 u ft ä n b e a u f Kuba täglich un­sicherer werden. Man glaubt, daß die Vereinigten Staaten AnierikaS das Protektorat über die Insel proklamieren .werden. Das amerikanische Kriegsministerium trifft Vorberei­tungen, um eingreifen tu können

Doag, 4. Febr. Die Staatskommission für die Revision der Verfassung schlägt in ihrem Bericht vor, daß die Kinder eines Herrsckxrs, die nach seiner etwaigen Ab­dankung geboren werden, von der Thronfolge auSge. 'schlossen sind, und daß die Generalstaaten ermächtigt werden, Vorsorge sür bie Thronfolge zu treffen und, wenn nötig, Ab- 'ändcrungen an der Thronfolge vorzunehmen. Ferner wirb in dem Bericht die Aufnahme folgender Bestimmung in de Verfassung vorgeschlagen: Erfordernis der Zustimmung der Generalstaaten zu allen Verträgen, Ermöglichung einer pro Portionellen Ver- tretuug und Wählbarkeit der Frauen, gleiche Beding, uugcu für die Wählbarkeit zur ersten oder zweiten Kammer und Linendcmentsreck>t der ersten Kammer, ausgenommen bezüglich des Vudgetrechts.

Paris, 4. Febr. König Eduard empfing heute den Deutschen Botichafter, Fürsten Radolüt, in durchaus pri-

vatcr Form in Erinnerung an dessen alte Beziehungen zur eng­lischen Königsimnilie. Der König behielt den Fürsten Radolin in dreiviertelstündiger sehr herzlicher Unterhaltung bei sich.

Lemberg, 4. Febr. Im hie'igen Rathause fand gestern eine Versammlung statt, der der Bürgermeister, zahlreiche Ge- mcinberäte, Abgeordnete und Universitätsprofessoren beiwohnten. Nach einer lebhaften Debatte über die Lage der preußischen Polen wurde eine Re'olution -^genommen. in der die B o v k o t - tierung preußischer Waren und der deutschen Sprache in der Handelskorrespondenz, die Auflösung der deutschen Privatschulen in ganz Galizien beschlossen wurde. Ferner wurde beschlossen, gegen den Fortbestand des Dreibundes Protest einzulegen.

Ceti nie, 4. Febr. Der Fürst vvn Montenegro sprach sich in der Konferenz mit den neuen Ministern über die Abschaf­fung der Todesstrafe aus und hat den Justizminister beauftragt, in der Skupschtina eine bezügliche Vorlage zu unter­breiten.

Neues aus Rußland.

Eine Verordnung des Oberpolizeimeisters von Warschau schließt sämtliche Wahlbureaus der fortschrittlichen Parteien. Nur die nationalistischen blieben verschont.

In Warschau wurde der Kaufmann Blit auf der Kohlen- bdrfe von einem Räuber erschossen. Der Täter wurde fcst- gcnommcn.

In Odessa wurden am 3. Februar ein Schuhmann und ein Nachtwächter auf her Straße erschossen und zwei Wacht- leure verwundet. Zwei Täter wurden verhaftet.

Nach Meldungen aus Kr o n st a d t ist in der dortigen Ka­serne der 11. Flottenabreilung eine starke Explosion erfolgt, welche daS Gebäude arg beschädigte und die Einrichtung zertrüm­merte. Mehrere Offiziere und Mannschaften wurden verwundet.

Ans S.asr uno suino.

Gießen, den 5. Februar 1907.

Dovp elteS Jubiläum. Ein halbes Jahr- hnnhert ist vergangen, seit weiland Herr Siegmund Boek eine Zigarrenfabrik hier begründet hat. Zur Feier des Tages hatten sich am 2. Februar tut Saale der Zigarren- macher die Chefs, das Kontorpersonal und die gesamte 'Arbeiterschaft einqefunben. Gegen mittag erschien Provinzial­direktor Gehennerat Dr. Brei de rt und hielt eine längere Ansprache an die Versammelten, in der er der Bedeutung des Tages gedaehte. Zugleich überreichte er dein 1. Werkmeister, H. Kolb, der auf eine 40jährige Tätigkeit im Hause Bock pmicfblicTt, das ihm von Sr. Kgl. Hob. dem Großherzog verliehene Allgemeine Ehreuzeiehen. Herr Alfred Bock brgchte ein Hoch aus den Großherzog ans, in da? die Versammlung begeistert einstimmte. 9(n die Feier schloß sich abends ein Bankett im Saale derStadt Marburg".

"Erhaltung st g g t l i ch e r Bau- und K u n st-- denkniäler in Obcrhessen Im Hguptvoranschlgg sür 1907, wird, wie in vorderen Ighren, für eine Anzahl von Gebäuden, Schloß- und Burgruinen, welche die Be­deutung von geschichtlichen Altertümern und Kiinstdenkiiiälern haben und deren notdürftige laufende Unterhaltung zu Lasten anderer Fonds geschieht, ein Betrag für besondere Herstellungen bezw. für maßvolle Ergänzungen und Verbesserungen in Anspruch genommen. In betrocht kommen in Oberhessen hierfür: Burgruine Staufenberg, Burg zu Friedberg, Kaperburg, Cchloßruine Biunzenberg, Burgruine Lißberg, Sehloßruine Ullrichstein.

" Der Landesverband deutscher Militär- anwärter für daß Groscherzogtum Hessen hat an die Ziveite Kammer eine Vorstellung gerichtet, in der gebeten wird: 1. daß den hessischen Militäranwärtern die Pflichtjahre der Vlilitärdienstzeit als pensionssäluge Vor di en st zeit in An­rechnung gebracht wird, 2. daß den im Staats- nnd Korn- inunaldienst stehenden Militäranwärtern bei Bemessung ihrer Gehaltsbezüge vom 1. Juni v. IS. ab, dem Tage, an 'velchem das Versorgnngsgeset; in Kraft getreten ist, drei Jahre der Militardienstzeit und die Verivendungsdienstzeit im Staats- und Kommunaldienst, soweit dies nicht schon nach Art. 7 des Gesetzes, die Besotdungen der Staatsbeamten be­treffend, geschehen ist, als Besotdiingsvordienstzeit in Ein­rechnung zu bringen sei. Eine Anzahl unverheirateter Staatsbeamter bittet in einer Eingabe, daß Art. 3 des Gesetzentwurfs über den WohnungSgeldzuschuß der Staatsbeamten (der für unverheiratete Staatsbeamte nm die Hälfte deS sonst beivilligten Wohnungsgeldzuschusies vorsieht) keine Annahme finben möge.

te. Offenbach a. M, 4. Febr. Ein 19 fahrig es Fabrikmädchen stürzte sich am Sonntag abend auS dem Fenster seiner Mansarde im Hanse Karlstraße 64 drei Stock­werke hinab in den Hof. Die Lebensmüde erlitt einen koni- plizierten Knochenbruch und wurde in? Krankenhaus gebracht. Liebeskummer ist die Ursache deS S e l b st m or d o e r - fuchs.Die Firma Gebr. Heyne verteilte am CamStag wieder 3 1 000 Mk. auS dem Geschäftsgewinn an ihre Arbeiter.

fc Frankfurt a. M., 4. Ian. AuS dem Staube gemacht haben sich die Inhaber der Fahrradhandlung von Steigerwald u. Kroth, Joseph Kroth und Jakob Stei- gerwald. Ihr Lager im Werte von 65 000 Mk. hatten sie un Monat Januar nach und nach an den Mann gebracht. Eiye Menge Gläubiger, zu denen auch die Angestellten und Arbeiter der Firma gehören, trauert den Durchbrennern nach. Tie Beiden waren durch leichtsinnigen Lebenswandel tief in Schulden geraten. Bei ihrer Abreise haben sie sich je eine Tarne" mitgenommen.

** Kleine Mitteilungen auS Hessen und den Nachbarstaaten. Im Oberräder Bohn Hof stür'te am Montag beim Rangieren der 19 jährige Rangierer Adam Bien­müller von einem BremsbäuSchen unter die Räder eines Wagens, von dem er überfahren wurde. Der Tod trat aus der Stelle ein. Der Verunglückte war auS Sachsenhausen. Am Samstag wurde in der Gemarkung Eppertshausen ein Handwerksbursche erfroren ausgefunden.

der ßlUruraie.

Eine besonders bewunderungswürdige Seite in den Ruhmes­blättern, die den Fortschritt der neueren Chirurgie verkünden, spricht von den sogenannten Transvlgntationen oder den Ver- vslanzungen von Gewebestückeu. Diese Verpflanzungen können in verschiedener Weise geschehen: entweder von einem Tier auf den Menschen oder von einem Körperteil auf einen anderen deS- selben Menschen und endlich, was aus begreiflichen Gründen weitaus am seltensten geschieht, von einem Menschen auf einen anderen, lieber dies wichtige Kapitel hat eine Autorität ersten Aanges, Professor Garr-, einen zusammensassenden Aufsatz für daS nächst erfcheinerrde Heft der Frankfurter WochenschriftUm*

schau" persaßi. Tef ckir^'nsck^n Tcckvij

im allgemeinen wird in dieser Richtung durch den Sah gekenn­zeichnet:Es glückt h"ste, jedes beliebige Gewebe, größere Stücke von Organen und selbst ganze Organe, mögen sie hon demselben Individuum oder von einem anderen Menschen stammen, ein. zuheilen." Dieser Satz wird bann freilich sofort bahn crgäint, daß die Transplantation d'mit noch lange nicht als gelungen anzusehen sei, weil der Heilzweck erst dann erreicht fei. wenn das verpflanzte Gewebe auch eine ganz bestimmte von ihm er- wartete Funktion aufgenommen habe. Die Verpflanzung gelingt von einem Menschen auf den anderen leichter, wenn die beiden §ndivihucn blutsverwandt sinh. Tierisches Gewebe ist in b:e^i

eziehung nur bedingt verwertbar. Es heilt zwar in her Regel ein und liefert wohl auch Baumaterial für ben Ersatz an her betreffenden Stelle, wird aber doch von dem menfmlicbcn Olewebe allmählich ausgcmerrt. Professor Geirrs bespricht nun die Trans­plantationen und ihre verschiedenen Er'olge nach den timdjie» denen Gewebearten und Organen, mit denen fie, sich bisher be­schäftigt h't, und erwähnt an erster Stelle selbstverständlich die Haut, mit der dieser Zweig der Eh'r'irgie sich am frühesten beschäftigt hat. Sein Urteil geht dahin, daß bn§ Verfahren der HautYsropTUNg h^ute an Einfachheit in Ausführung und an Sicherheit des Erfolges nichts mehr zu wünschen übrig läßt. Große Hautverluste, wie sie nach ausgedehnten Verbrenn"ngen, völliger Skalpierung, umfangreichen Geschwüren austreten und früher g-'r nicht ersetzt werden konnten, werden heute mit einem Schlag durch neue Ueberhauttnrg zur Heilung und zum Ver­schwinden gebracht zweifellos eine der segensreichsten Er­rungenschaften der neuzeik'ichen Chirurgie. Wie innig daS auf« gepflanzte E^ewcbe in solchen Femen von dem gesamten Oraa. nismus ausgenommen wird, dafür zeugt die merkwürdige Ve. obachtnng, daß ein Stück Negerhant., aus einen Europäer ver­pflanzt, nach wenigen Monaten weiß wird, während mit bet weißen Haut beim Neger der umgekehrte Erfolg ein tritt. Auch bie Schleimhäute lassen sich derartig verpflanzen, wovon am häufigsten die Augenärzte Gebrauch machen, indem sie auf diese Weise Defekte der Bindehaut auszugleichen wi'ien. Ein befand.', s eindrückliches Beispiel für bie modernen Leistungen auf diesem Gebiet ist wohl die Schaffung einer neuen Nase, die nicht nur in her schon bekannten Weise aus einem Stirnlapven geformt, sondern auch noch mit Schleimhaut ailstapcziert wird, um ihrer Bestimmung trotz ihres künstlichen Ursprungs möglichst ganz ge­recht werden zu können. Wie diese Wunder überh.aupt erst durch bie Fortschritte des antiseptischen Verfahrens zur Wirklichkeit Irhen werden können, so wird bie Bedeutung seiner Vervoll­kommnung in einigen Punkten besonders bevtiieh. Während dir Verpflanzung der ob-rflachlichen Hautschicht (Evibermis) sich ver­hältnismäßig früh als möglich erwiesen hatte, konnte die Trans, plantation von Hautstücken in ihrer ganzen Dicke erst nach hoher Entwicklung der chirurgischen Technik ein festes Bürgerrecht er­werben. Heute rechnet man mit Sicherheit auf bie gute An- Heilung von hanbtellergroßen Hmitstücken auf offene Wunben, was V"N außerorbentlicher Tragweite baburch ist, baß in biefent Fall bas eingepflanzte Hautstück von ben Rändern her mit her Zeit auch luieber mit Hautnerven versorgt und daburch empfindlich wirb. Mit her Haut zusammen haben sich zuweilen auch schon Knorpel- unb Knocken teile verpflanzen lassen, indem mchriach bas untere Augenlid durch ein Stück vorn Ohrläppchen ersetzt worben ist, unb in einem Fall ist sogar die Kuvpe eines Zehs auf einen verstümmelten Finger vcrpflan't worben. Die Trans­plantation von Muskeln unb Sehnen ist bisher nur in geringem Grabe zur Verwendung gekommen, weil bie scheinbar ermutigenden Tierversuche sich in der Praxis bisher nicht haben übertragen lassen. , Auch hinsichtlich der Verpflanzung von Nervengeweben hoben sich die etwas unvorsichtig gesteigerten Hoffnungen zurzeit noch nicht erfüllt. Einen befonberS erfreulichen Abschnitt in biesem Kapitel bildet dagegen wieder bie Uebertragung von Knochen­geweben zur Ausfüllung von Schäbellücken unb von Knochenhühlen. Hier hat bie Chirurgie wahrhaft großartige Triumphe gefeiert. Ausgcbehnte Teile bcs Schienbeins z. B. sind vollkommen ersetzt roorben, sobaß schon nach einem Jahr das eingefügte Knochen^- stück nicht mehr als solches zu erkennen war. Ganze Mittel- h.mbknochen, bie etwa einer tuberkulösen Erlrenkung zum Ovfer gefallen waren, hoben sich in ähnlicher Weise erneuern lasien. Man beschränkt sich jetzt auch nicht mehr auf ben nicht immer möglichen Ersatz bes fehlenben Knochenstückes aus dem Knochen­gerüst des Patienten selbst, sondern hat auch mit b.'r Verwen­dung lebenssrischcr Knochen anderer Menschen unb sogar mit Tierkuochen bedeutsame Erfolge er ieft, obgleich die Heilung bann freilich weit schwerer vor sich geht. Die Kunst b:r Chirurgen grenzt in biesem Punit ans Unglaubliche. Hat man doch Knochen von amputierten Gliebinaßen, von gestorbenen Neugeborenen, vom Kalb, Lamm, Huub, vom Kaninchen unb gar von ber Gans mit größerem ober geringerem Erfolg ans ben Menschen ver- vslanzt. Tie genauen Untersuchungen hoben bann gelehrt, baü her ein geortete frembe Knochen aUerbings nicht erhalten bleibt, sonbern stets abstirbt. Er bient aber bem eigenen Knochengeweb» her Umgebung zum Aufbau eines neuen gefunben Knochens, und baraus ist der Schluß gezogen worben, daß man gor nicht immer einen lebensfrischen Knochen zu verwenden braucht, son­dern sich 'auch mit einem toten Knochen oder gar mit zerkleinerter ober ausgeglühter Knochensubstanz begnügen kann. Gcrrö macht freilich bar auf aufmerksam, ha?; ber Cl>irnrge in der Praxis sich nicht so ohne weitere? in allen Fällen auf diese Möglich­keit verlassen sollte. Es ist bann auch vielfach versucht worden, die erstaunlich große Toleranz des Knochens durch Einpflanzung von ganz fremdem Material ausznnutzen, indem man Kuochcn- hvhlcn mit verschiebenen Stoffen plombiert ober Lücken mit Zelluloidplotten unb Elfenbeinstisten schließt. Solche Fremd­körper werden inhes selten längere Zeit vertragen und könn.'n sogar . eine gewisse Gefahr heraufbeschwören. Tas Einsetzen natürlicher ZÄme ist bisher nur sehr selten gelungen. Ten Gipfel dieser Ambitionen ber Chirurgie bildet nun eigentlich! erst bie Verpflanzung ganzer Organe. Die Transvlautation bet Schilddrüse zur Bekämpfung namentlich des Cretinismus ist viel­fach versucht worden, hat aber einen dauernden Erfolg noch nicht ein einzigesmal herbeigeführt, da das Schilddrüsengewcbe zwar rasch einheilt, aber allm.ihiich wieder aufgesogen wird, worauf der Patient wieder in ben früheren Zustand verfällt. Eine bessere Aussicht eröffnet die von G.arrö als sehr glücklich be­zeichnete Idee, bie Schilddrüse nicht an ihre eigentlick;e Stelle in der Nähe des Kehlkopfes, sondern in bie Milz ober anbei» ihr ähnliche Drüsen cinzupslanzen. Die Transplantation von Leber unb Nieren sowie ber Speicheldrüse Hit noch mit großen Schwierigkeiten anderer Art zu kämpfen und ist vor allem von dem Fortschritt der Gefäßchirurgie abhängig, weil diese Organe eine sehr reichliche Blutversorgung verlangen. Tic Gefäßchirurgie, iusbejonbere bie Vernähung von Arterien ist erst im letzten Jahrzehnt in ein erfolgreiches Stabium getreten, und Gorrd berichtet auS seiner eigenen Erfahrung über manche ermutigende Beobachtungen. Die Verpflanzung von Nieren ist bislxr nm Menschen überhaupt noch nicht vorgenommen roorben, aber daS erfolgreiche Ergebnis von Versuchen, bie Nieren eines Hundes von ihrer eigentlichen Stelle an eine ganz andere, z. B. an ben Hals, oder bie Nieren einer Katze auf einen Hund zu übertragen, lassen darauf schließen, baß bie Chirurgie schon in einer nahen Zukunft mit der Möglichkeit rechnen wirb, auch der menitf*1 lichen Niere gelegentlich auf diesem Wege aushelsen zu können.

Der Nheinifch-Westfälische Effektenmarkt.

Tagesbericht der Firma Walter Hamm er st ein.

M n l h e i m a. d. Ruhr, 4. Februar 1907.

Ta? Geschaht in K o h l e n k n r e n war cm der hentiaen Börfe wieder lehr geringfügig. Tie Kurie waren trotzdem gut behauptet. Einige Paviere batten sogar nicht imbeträflliche Kurssteigerungen zn verzeichnen. Voidergrunde des Jiiieresses standen: ^Anne­liese, Trier, König Vnluoio, Zotzniin Taimelsberg, Alte Haa'e u. Schurbank. Ein lebbaües Geschält entivickelte sich in Herta-Kuxe, die ihren Kurs um weitere Pik. 60. erhöben konnten-

Auch der K a l i k li x e n in a r k t zeigte eine verhältnismäßig feile Tendenz Tie llimäye hielten sich in engsten torcn6en. Ge­handelt wurden Carlsfund, Ccntrum, Hedwigsburg und WrnlerS-